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Full text of "Archiv fu?r die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Bo?hmen / herausgegeben von den Beiden Comite?s fu?r die Landesdurchforschung."

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HARVARD UNIVERSITY 


LIBRARY 


Of THE 


MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY 


CEOLOGISCHE KARTE ҮШҮ 


PUBLICIRT VOM 


COMITE FÜR DIE LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN 


SECTION II. 


UMGEBUNG VON TEPLITZ BIS REICHENBERG. 


ENTWORFEN VON 


PROF. Dr. ANT. FRIC und PROF. Dr. GUSTAV C. LAUBE. 


ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. 
(X Band Nro. 1.) 


PRAG. 
DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÁC. 
1895. 


VORWORT. 


Von der von Prof. Krejčí begonnenen geologischen Karte von Böhmen 
erschien das erste Blatt Section VI. Umgebung von Kuttenberg bis Böhmisch 
Trübau im Jahre 1891 als Nro. 6. des VII. Bandes des Archives der naturwissen- 
schaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen und zwar nach dem Tode des Prof. 


Krejčí mit Erläuterung vom Dr. A. Frič. 


Als Fortsetzung des auf dem angebahnten Wege begonnenen Werkes stellten 
Prof. Dr. A. Frič und Prof. Dr. Gustav C. Laube weitere zwei Blätter Section II. und 
III. zusammen, und zwar der Erstere das Urgebirge und das böhmische Mittel- 
gebirge, letzterer die Sedimentformationen, wobei auch Dr. Phil. Poéta behilflich 
war. Die Betheiligung des Prof. Dr. O. Feistmantel an den letzteren Arbeiten, 
die seiner Zeit in Aussicht stand, wurde durch dessen bedauerlichen Tod vereitelt. 
Mit Rücksicht darauf, dass die Seetionen auch einzeln verlangt werden dürften, 
wurden auch die Erläuterungen derart redigirt, dass sie ein selbstständiges Ganze 
bilden, da sie sonst bei Berufung auf jene zu den anderen Sectionen gegebenen 


lückenhaft erscheinen würden. 


Dadurch wurden Wiederholungen unausweichbar, die aber der Besitzer der 


sämmtlichen Seetionen wohl entschuldigen wird. 


Bei Abfassung derselben glaubte man sich darauf beschrünken zu dürfen, 
den Leser auf die im Archive der Landesdurchforschung veröffentlichten bezüglichen 
Arbeiten hinzuweisen, und in solchen Fällen sich möglichst kurz zu fassen, während 
in allen anderen, wo solehe im Archive nicht vorhanden, eine ausführlichere Schil- 


derung am Platze schien. 


1* 


Sehr wohl wurde bei der Fertigstellung der Karten gefühlt, dass der 
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Maasstab ein zu kleiner ist, um das Detail, welches die Arbeiter der Landerforschung 
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aufsammelten, darauf verwerthen zu können und es mögen desshalb diese Blätter 
als vorläufige Orientations-Behelfe betrachtet werden, bis ausgiebige Mittel die Her- 
ausgabe der geologischen Karte in grossem Maasstabe ermöglicheu werden, deren 
Ausarbeitung aber gut situirten Kräften als alleinige Aufgabe zugewiesen werden 
müsste. 


l. Die krystallinisehen Randgebirge und die Inseln 
älterer Gesteine im Bereiche des böhmischen Mittel- 
und Elbesandsteingebirges. 


Von Prof. Dr. Gustav €. Laube. 


Der krystallinische Rand im Norden des böhmischen Massives, wie er sich 
auf Section II. der geolog. Karte darstellt, bildet kein zusammenhängendes Ganzes, 
sondern zerfällt in drei grössere, durch Zwischenschiebung jüngerer Gebilde ge- 
trennte, einander wohl im Alter und Aufbau nahe verwandter, doch aber in vieler 
Hinsicht verschiedener Gebiete. 


| Von Osten her tritt in unser Blatt der westliche Theil des Isergebirges 

“m, an welches sich südlich der Schwarzbrunnberg von Gablonz und der westliche 
Theil des Eisenbro der Schiefergebirges anlehnt. Letzteres entwickelt sich am süd- 
westlichen Rande des Isergebirges zwischen Liebenau und Kratzau zum Jeschken- 
gebirge. Nördlich von diesem und längs der orographischen Grenze des ersteren 
breitet sich bis an die Ausläufer der Tafelfichte das flache Hügelland von Grottau 
und Friedland, der südliche Rand der deutschen Tiefebene bis an die sächsische 
bez. preussische Landesgrenze aus, welche hier die tiefe Zittauer Bucht gegen 
Süden vorschiebt. 


Dieses zumeist mit jüngeren Tertiärgebilden und quartären Ablagerungen 
erfüllte Gebiet trennt nicht nur geologisch sondern zugleich politisch den zweiten 
krystallinischen Bezirk, das Rumburg-Hainspacher Gebirge, einen Theil des nach 
Sachsen fallenden Lausitzer Gebirges, welehes nach Westen durch das dazwischen 
Seschobene Elbesandsteingebirge von dem nordöstlichsten Theil des böhmischen 
Erzgebirges getrennt ist, das in seiner Erstreckung von der Quadergrenze bei 
Königswald-Tyssa bis Osseg-Moldau den nordwestlichen Rand der Section II. bildet. 


Zu diesen ausgedehnten Gebirgstheilen treten nun noch eine Anzahl klei- 
пеге, schollenartig aus jüngeren Gebirgen hervortretende krystallinische Inseln und 
Inselehen hinzu, welche als mit jenen ehemals im Zusammenhange zu denken hier 
besprochen werden sollen. Es sind dieses die krystallinischen Inseln, welche im 
böhmischen Mittelgebirge hervortreten, an die sich die in der Elbrinne zwischen 
Ober- und Niedergrund von der Quaderdecke entblóste anschliesst. 


Das westlicheIsergebirge. Unter Hinweis auf die in den Erläuterungen 
zu Section П. der geolog. Karte zu gebende Besprechung der orographisehen*) und 
geologischen Verhältnisse des Isergebirges möge hier nur hervorgehoben werden, 
dass die orographische Grenze dieses Gebirges, welche von Morchenstern nach 
Gablonz Ost-West streicht, von da naeh Nordnordwest umbiegt, dem Jeschkenzuge 
entlang dem Lauf der Neisse bis an ihren Durchbruch bei Hammerstein folgend, 
von hier nordwärts über Einsiedel gegen Raspenau verläuft, wo sie in die steil 
abfallende Ost-West streichende Haindorfer Lehne einbiegt. Der von der Bahn 
zwischen Einsiedel und Raspenau benützte, die Wasserscheide zwischen der Neisse 
und Wittich bildende Phillipsgrund trennt vom Isergebirge den kleinen Stock des 
Hemmrich (706 m). 


Der westliche Theil des Isergebirges bildet den Abschluss des flachkuppel- 
fürmigen Gebirgsmassives, dessen höchster Punkt die Taubenhausfelsen (1069 m) 
sind und dessen breiter im Umkreis des Jagdschlosses Neuwiese (778 m) flach 
muldig eingedrückter Rücken mit weiten Moorstrecken und dichten Waldbeständen 
bedeckt ist. Die nach Süden, Westen und Norden abfallenden Ränder, sind von 
den hier oben entspringenden Quellbächen der Neisse und Wittig (die Gablonzer 
und: weisse Neisse im Süden, die schwarze Neisse im Westen, die kleine und 
schwarze Stolpich und das Schwarzwasser als Zuflüsse der Wittig im Norden) tief 
eingekerbt. Das Gebirge selbst ist sehr reich an malerischen kühn aufgethürmten 
Felsengruppen, namentlich in der Haindorfer Lehne, die den Thälern vielen Reiz 
und der letztgenannten ein wahrhaft alpines Aussehen verleihen. 


sleich dem östlichen besteht auch der westliche Theil des Isergebirges 
ganz aus Granitit u. z. ist es auch hier vorwiegend ein grobkörnig ausgebildetes 
Gestein, das nur stellenweise u. z. ohne alle weitere Zwischenglieder in ein fein- 
körniges übergeht. Flaserartige Einlagerungen von Amphibolgranitit kommen nur 
sehr vereinzelt z. B. bei Rudolfs- und Ferdinandsthal vor. Die Felsmassen lassen 
allenthalben eine durch meist rechtwinklig und senkrecht auf einander stehende 
O—W und N—S streichende Fugen, welche durch eine dritte mehr wagrechte ge- 
schnitten werden, hervorgebrachte Ablösung in mächtige Würfelblöcke ahrnehmen, 
aus welchen die vielfach eyklopischen Mauern ähnelnden Steilwände der Thalrisse 
und Felsengruppen auf den Kuppen aufgebaut sind. 


Mit Ausnahme einiger kleiner Nephelinbasaltküppchen, welche an der 
Peripherie bei Luxdorf, Johannesberg im Süden, bei Habendorf, Neudorf und Ein- 
siedel im Westen auftreten, und durch einige kleine Melaphyrdurchbrüche, welche 
bei Münkendorf eine kleine Kuppe, in Gablonz einige unansehnliche Gänge unter 
der protestantischen, Kirche bilden, wird die Monotonie des Gesteines durch nichts 
ande,es unterbrochen als durch die auf dem flachen Rücken auf einem aus zer- 
setzten Granitit entstandenen thonigsandigem Untergrund gelagerten Hochmoore, an 


*) Eine ausführliche Darstellung der orographischen Verhältnisse bietet Prof, Dr. Carl 
Kořistka, die Terrainverhültnisse des Iser- und Riesengebirges. Archiv der naturw. Lan- 
desdnrehforschung v. Böhmen, П. Bd., 1. Ар. 


welche sich dann in den Niederungen Wiesenmoore anschliessen. Die nicht mit 
Moor ausgekleideten Thalrisse sind mit diluvialem Geschiebeschotter und Block- 
werk aus dem Gesteine des Gebirges gebildet erfüllt. 


Erzablagerungen sind aus diesem Theile des Gebirges nicht bekannt. 


Auch der Granit des Schwarzbrunnberges setzt im Süden von Gablonz 
über den Hradschinberg und die Kaisersteine bei Langenbruck westwärts unverän- 
dert fort und erreicht beinahe unmittelbar am Schiefer des Jeschkengebirges bei 
Radl westlich von Schimsdorf und Münkendorf sein Ende. 


An den Granitzug des Sehwarzbrunnberges lehnt sich von Süden her u. z. 
von Klein Skal an der Iser der westliche, sich allmälig längs der grossen von Lie- 
benau südöstlich herabstreichenden Bruchlinie verschmälernde Theil des Eisen- 
broder Gebirges an. Die orographische Grenze desselben gegen den benach- 
barten Jeschken ist ebenso wie die zwischen dem Iser- nnd Riesengebirge eine 
angenommene keineswegs zugleich geologische. Als Grenze wird das vom Mohelka- 
bach durchflossene von Jerschmanitz nach Liebenau herabziehende Thal angesehen, 
in welches sich die von Reichenau nach Westen gerichtete tiefe Mohelkaschlucht 
öffnet. Die Oberfläche des Gebirges bildet eine um Reichenau selbst flach einge- 
Senkte, gegen Südwesten steilrandig abfallende Hochfläche, welche gleich wie der 
übrige östliche Theil aus Phylliten besteht. In ihrer nördlichen Grenze bilden die- 
Selben lüngs des Granites von Radel über Kukan, Schumburg hin einen dureh 
Fleck- und Knotenschieferbildungen deutlichen Contacthof, wobei sie gegen Süden 
von dem Massengesteine abfallen. Im Südwesten verschwinden die Schiefer unter 
dem unmittelbar daran gelagerten Melaphyrzug, der dieselben von Libentin und 
Wranova a. d. Iser umsäumt. 


Der in Reichenau unmittelbar an der Mohelkaschlucht auftretende kleine 
Durchbruch von Melaphyr ist gleich den weiter oben aus dem Granitit angeführten 
Jedenfalls mit dieser mächtigen Gangbildung in Verbindung zu denken. 


Unmittelbar an das Eisenbroder Gebirge schliesst sich das Jeschkenge- 
birge an, oder entwickelt sich daraus, indem sich von ersterem ein zu 800 m 
Seehöhe sich erhebender Gebirgszug mit nordwestlichem Streichen davon abzweigt. 
Dieser steigt von Saskal über Jaberlich allmälig zum Jeschkenkamm (838 m) 
empor, über den als höchste Erhebung der Jeschken (1010 m) emporragt, von dem 
nördlich die Höhe wieder rasch auf 800 m und 700 m herabsinkt. Im Osten durch 
das Reichenberger Becken, im Westen durch die an seinem Fusse absetzenden 
Kreideschichten begrenzt, reicht das Jeschkengebirge allmälig etwas breiter werdend 
bis an den Rand der Lausitzer Niederung bei Kratzau, welche hier eine halbkreis- 
fórmige Bucht nach Süden vorschiebt, an deren westlichem Rande dann ein schmaler 
vom Gebirge selbst durch den Pankratz-Freudenhöher Pass abgetrennter Höhenzug, 
der 'Trögelsberg, als nördlichster Ausläufer am Passkamm bei Pass und Spittelgrund 
Sein Ende erreicht. 


Von Süden her einen wenig gegliederten, beiderseits steil abfallenden Ge- 
birgsrücken bildend, welchem die Felsenpyramide des Jeschken aufgesetzt ist, 


theilt sich dieser nördlich davon in zwei am Schwarzen Berg beginnende fast pa- 
rallel verlaufende Bergzüge, deren westlicher über die Moiselkuppe (750 m), Spitz- 
berg (686 m), Kalkberg (789 m) zum Trögelsberg verläuft, während sich der 
östliche mehr gegliederte über den Dreiklafterberg (762 m) zum Langenberg (796 m) 
erstreckt, der sich dann strahlenförmig zur Ebene bei Kratzau und Weisskirchen 
herabsenkt. Zwischen dem Kalk- und Langenberge liegt in 398 m eine Wasser- 
scheide, von der sich das Süd gerichtete Längsthal mit dem von der Moiselkuppe 
nordwärts abfallenden im Christofsrund vereiniget, der sich in ein den östlichen Ge- 
birgsarm bei Ickersbach durehbrechendes in das Neissethal óffnendes Querthal 
fortsetzt. 

Bei der Station Machendorf verlässt die Neisse das heichenberger Becken 
und durchfliesst bei Kratzau ein Durchbruchsthal, welches den Schafberg bei Ma- 
chendorf vom Jeschken abtrennt. 


Am geologischen Aufbaue des Jeschkengebirges betheiligen sich zunächst 
Phyllite, die von jenen des Eisenbroder Gebirges nicht verschieden sind. Graue 
oder graugrüne, mehr weniger dünnschiefrige, auf den Schieferflüchen stark seiden- 
glänzende Gesteine. Ihnen gesellen sich dann graue, feinkórnige Kalksteine und 
weisse Quarzschiefer zu, welch letztere die Jeschkenkoppe aufbauen, Im nördlichen 
Theile des Gebirgszuges machen sich dann Schiefergesteine bemerkbar, welche zum 
Theile halbkrystallinisch, zum Theile graugrün, aphanitisch eine ausgesprochene 
Ähnlichkeit mit den in Mittelböhmen vorkommenden cambrischen Schiefern haben, 
welche den Namen Pfibramer Schiefer (Barrandes Etage B) erhielten. 


Diese Schiefer des Jeschkengebirges sind auch von jeher als cambrische, 
den Pfibramer aequivalente Schiefer gedeutet worden. Sie enthalten gleichfalls Kalk- 
steineinlagerungen, in deren einer bei Pankratz am nördlichen Abfalle des Trögels- 
berges Prof. Dr. Frič deutliche Crinoidenglieder und ein an Bellerophon errinnerndes 
l'ossil*) fand. 

Von eruptiven Gesteinen treten Diorite, Diabase und Melaphyr auf, welche 
Günge in den Schiefern bilden. 

So einfach, wie sich die. Lagerungsverhältnisse im Eisenbroder Gebirge 
darstellen, gestalten sich dieselben im Jeschkengebirge, das ja als eine nordwest- 
liche Fortsetzung von jenem angesehen werden kann, keineswegs. Die Phyllite, 
deren Streichen von dem Mohelkathale, bis wohin es südöstliche Richtung hatte, 
nordwestlich gekehrt ist, ändern in ihrer Erstreckung bis Ohristofsgrund mehrfach 
ihr Verflächen, indem sie anfangs nach Südost geneigt in der Gegend von Raschen und 
Schimsdorf nach Nordwesten einfallen und im Lubokaier Kamm gegen den Jeschken 
hin wieder die erstere Fallrichtung annehmen, welcher Muldenstellung auch die den 
Phylliten eingelagerten Kalkbünder folgen. Der Quarzschiefer des Jeschken selbst 
bildet einen nach Nordwest wie Südost steil abfallenden Sattel, an den sich bei- 
derseits weitere Seitensättel anreihen, so dass das ganze Gebirge hier stark auf- 
sefaltet erscheint. Dann folgt im nördlichen Theile des Gebirges wieder nördliches 


*) Arbeiten der geolog. Sect. L, S. 257. 


9 


Einfallen bis die Kalkbänder führenden Phyllite am Neissedurchbruch bei Hammer- 
stein und nördlich von Christoferund an den nun beginnenden cambrischen Schiefern 
absetzen, als deren Liegendes sie jedoch im Grunde des Neissethales an der Bahn- 
linie nächst Engelsberg bis Kratzau hin als ein schmaler Streifen hervortreten. 
Die Lagerungsverhältnisse innerhalb der cambrischen Schiefer sind ziemlich ver- 
worren und in Folge der dichten Waldbedeckung schwer zu verfolgen. Schon Jokély*) 
hat darauf aufmerksam gemacht, dass am Schafberge bei Machendorf eine Über- 
schiebung der cambrischen Schiefer durch die Phyllite zu beobachten ist. Am Ein- 
gange zum Christoferunde macht sich eine Schichtenwölbung bemerkbar, als ob 
auch hier noch eine ähnliche Lagerung wie am genannten Orte vorhanden wäre. 
Weiter hin aber ist ein vorherrschend nach Nord-nordwest gerichtes Einfallen zu beob- 
achten, das aber dann vom Trögelsberg über Niederberzdorf herab zur Neisse in 
ein NNO gerichtetes Einfallen bei NNW gerichtetem Streichen übergeht. 


Das Bild, welches man vom Bau des Jeschkens erhält, lässt im allgemeinen 
erkennen, dass der Gebirgszug quer in der Richtung seines Streichens in mehrere 
mächtige Falten zusammengedrängt ist, deren höchster Sattel sich im Jeschken 
erhebt. Die nordwärts vom Christofgrund folgenden cambrischen Schiefer bilden 
die Ausfüllung einer Mulde im Phyllit, deren ursprüngliche Lagerung jedoch viel- 
fach gestört erscheint. Veranlassung zu dieser Faltung scheint wohl das unmittel- 
bar angrenzende granitische Lausitzer Gebirge gegeben zu haben, an welches die 
Phyllite und Schiefer des Jeschken angedrängt und zusammengeschoben worden sind. 


Die im Jeschkengebirge auftretenden Eruptivgesteine haben gangförmige 
Lagerung, nur der von Süden her offenbar mit dem bereits früher erwähnten mäch- 
tigen Gangzuge in Verbindung zu denkende Melaphyr bildet nördlich von Jaberlich 
eine kleine Kuppe. 


Die zahlreiche, meist frische Krystalleisten von Plagioklas und faserige 
grüne Hornblende führenden Dioritgesteine sind auf der südlichen Hälfte des Ge- 
birges namentlich im Bereiche des Jaberlicher Berges entwickelt. Nordwärts vom 
Jeschken finden sie sich auch bei Neuland im Thale gegen Christofgrund, doch 
trifft man diese Gesteine nirgend anstehend. Diabas, u. z. mandelsteinartiger Kalk- 
diabas, kommt gleichfalls nur in Lesesteinen innerhalb der cambrischen Schiefer 
zwischen Frauenberg und der Dörkl-Wiese und auf dem Abhange des Trögelsberges 
gegen Freudenhöhe vor, wodurch gleichfalls gangförmige Einlagerungen angedeutet 
werden. Diese Diabase, haben ebenfalls mit solchen aus dem Cambrium Mittel- 
böhmens grosse Ähnlichkeit, und bestärken in der Ansicht, dass die cambrischen 
Ablagerungen des Jeschkens sammt den später zu erwähnenden kleineren Depots 
ursprünglich mit jenem im Zusammenhange gestanden haben. 

Hiezu kommt noch der Umstand, dass im cambrischen Jeschkengebiet Erz- 


gänge aufsetzen, von welchen allerdings gegenwärtig keine Proben zu erhalten sind, 
auf die aber vor Alters ein regelrechter und ausgedehnter Bergbau betrieben wurde, 


*) Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 10. Bd., S. 87. 


10 


in Folge dessen die Stadt Kratzau sowie Engelsberg und Frauenberg in dieser 
Gegend als Bergorte entstanden sind. 


Das Reichenberger Becken zwischen dem Isergebirge im Nordosten 
und dem Jeschkenkamm im Südwesten wird seiner ganzen Länge nach von Mün- 
kendorf im Süden bis Machendorf im Norden, wo die Neisse das Jeschkengebirge 
durchbricht, von diesem Flusse durchströmt, welcher sich ein tiefes Bett in den 
Granitit eingegraben hat. Zwischen dem linken felsigen Rande des Flussthales und 
dem Jeschken erstreckt sich der ganzen Lünge nach eine durch Bohrungen nach- 
gewiesene, über 40 m mächtige quartäre Schichtenreihe, welche abwechselnd aus 
groben und feineren Geschiebesanden, thonigen Zwischenlagen und nach oben zu 
aus fetten Lehmschichten besteht, sonach die fluviatile Ausfüllung eines alten See- 
beckens darstellt, deren Material aus dem Isergebirge stammt. Nach Norden zu er- 
strecken sich quartäre Ablagerungen noch überMachendorf bis gegen Neudorf bei 
Einsiedel hinaus. 


Das Grottauer und Friedländer Hügelland bildet einen Theil 
des südlichen Randes der deutschen Tiefebene und lagert sich unmittelbar an die 
nördlichen Abhänge des Jeschken und den westlichen und nördlichen des Iserge- 
birges an. Es zerfällt dieses in seinem orographischen Charakter wohl gleiche 
jedoch im geologischen Dau verschiedene Gebiet in zwei getrennt zu betrachtende 
Theile, welche durch den schon beim Isergebirge erwähnten Hemmrich und die 
hier weit gegen Osten vorspringende Landesgrenze geschieden werden, einen süd- 
lichen, die Umgebung von Grottau und Kratzau, und einen nördlichen, 
die Gegend von Friedland. 


Das erstere Gebiet wird von der Neisse durchströmt, ist im Süden, Süd- 
westen und Osten vom Jeschken- und Isergebirge und weiter im Westen vom 
Quadergebirge begrenzt und erstreckt sich nordwürts bis an die Landesgrenze 
gegen Sachsen. Seine Oberfläche stellt ein wenig gegliedertes, nach Norden verfla- 
chendes, nach Süden und Osten sanft ansteigendes Hügelland dar, über welches 
sich nur einige wenige Kuppen, wie der an der Landesgrenze liegende Gickelsberg 
(566 m) bei Ober Wittig erheben. 


In seinem geologischen Aufbau unterscheidet sich dasselbe jedoch voll- 
kommen von den bisher beschriebenen Gebirgen Bóhmens dadurch, dass dieser 
zum grössten Theile aus eruptiven Gesteinen besteht, unter ` welchen eruptive 
Gneisse eine Hauptrolle spielen. 


In der unmittelbaren Umgebung von Kratzau und Oberkratzau haben diese 
Gesteine ein ganz eigenthümliches Aussehen; sie sind theils hell gefürbt, theils 
grau, feinkórnig, schiefrig, granulitartig, ein weisses glimmerartiges Mineral und, 
wie sich schon durch das fettige Anfühlen erkennen lüsst, weissen Talk führend, 
wodurch sie dem in den Centralalpen weit verbreiteten, Protogin genannten 
Gesteine sehr ähnlich werden. Weiterhin bei Weisskirchen, Freudenhóhe, Grafen- 
stein und an anderen Punkten, wo das Gestein ansteht, nimmt es mehr den Cha- 
rakter eines feinkórnigen, röthlichen oder weisslichen, auch beiderlei Feldspüthe, 
Orthoklas und Plagioklas führenden Gneisses an, welcher neben Kaliglimmer, Se- 


1T 


ricit, stellenweise auch ein talkähnliches Mineral führt, und auch von Jokély s. Z. 
dem für eruptiv gehaltenen rothen Gneisse des Erzgebirges gleich geachtet wurde; 
wiewohl zwischen beiden Gesteinen ein wesentlicher Unterschied besteht, der 
Schon darin begründet ist, dass die hiesigen Gesteine eine Entstehung auf eruptivem 
Wege erkennen lassen, was bei dem erzgebirgischen nicht der Fall ist. 

Bei der Kratzauer Stadtwalke findet man zahlreiche Brocken von cambri- 
schem Schiefer in dem Gestein eingeschlossen, bei der nahen Brücke kann man 
eine ganze Scholle eingebettet sehen, noch deutlicher eine solche von ziemlicher 
Ausdehnung links an der Strasse von Oberkratzau nach Neudorf vor Hoheneck, 
wo die dunklen cambrischen Schiefer scharf aus dem lichten Eruptivgesteine her- 
austreten. Deim Hause Nr. C. 47 in Kratzau selbst sieht man einen Gang von 
Protogingestein im Jeschkenschiefer aufgeschlossen. Ebenso sieht man am Steilge- 
hänge des rechten Neisseufers zwischen Weisskirchen und Ketten einen bogenförmig 
gekrümmten Einschluss der von Nieder Berzdorf gegen den Fluss herabziehenden 
‚ambrischen Schiefer im Siricitgneiss. Durchwegs deutliche Belege für die eruptive 
Natur des fraglichen Gesteins, deren auch Jokély (a. a. S. 8.) beibringt. Sie gehören 
wohl, u. z. mit Rücksicht darauf, dass wir ähnliches Vorkommen noch weiter im 
Gebiete des Lausitzer Gebirges finden, und nach der Ähnlichkeit der Gemengtheile 
zu den Lausitzer Granititen, von welchen sie eine unter starkem Drucke entstandene 
besondere Ausbildung darzustellen scheinen.*) 

Dieses Gestein füllt mit seinen verschiedenen Abarten die halbkreisförmige 
gegen die Lausitz geöffnete Bucht aus. Es reicht bei Kratzau im Osten bis an den 
Granitit des Isergebirges, im Westen an die cambrischen Schiefer des Trögels- 
berges und bei Pass und Spittelgrund an den Quadersandstein, ist aber in der 
sächsischen Lausitz weiter verbreitet. Innerhalb desselben sind andere Gesteine 
nur insel- und schollenartig verbreitet. So ausser dem erwähnten Phyllit bei Kratzau 
eine grössere Scholle von cambrischem Schiefer nördlich davon bei Oberwittig und 
Hohenwald. 


Als isolirte Ausläufer der in der Zittauer Mulde entwickelten Braun- 
kohlenformation sind einige kleine Ablagerungen von Thonen bei Górsdorf, Grottau 
und Ketten anzusehen. Die Mitte des ganzen Gebietes wird dann von Grottau nach 
Kratzau hin von einem breiten Streifen quartärer Ablagerungen überdeckt, welche 
zum Theile u. z. namentlich im Bezirke von Kratzau und Weisskirchen aus mit 
nordischen Geschieben von Granit, Porphyr und Feuerstein gemengten Sanden, 
zum Theile, wie namentlich im Norden von Grottau, aus fettem braungelbem Lehm 
bestehen, der gleichfalls Feuersteine und andere fremde Geschiebe führt. Auf der 
Höhe zwischen Wetzwalde und Niederwittig liegt ein aus dem gedachten Geschiebe- 
sand bestehender Hügel, den man für den Rest einer alten Moräne halten könnte, 
da man diese Ablagerungen als dem südlichen Rande der quartären Gletscherbe- 
deckung des deutschen Tieflandes**) zugehörig ansehen muss. 


*) Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanst. 1884. Nro. 17. „Uiber das Auftreten von 


Protogingesteinen im nórdl. Böhmen. 
"*) Dr, A. Slavik, Die Ablagerungen der Glacialperiode und ihre Verbreitung in Nord- 
böhmen. Sitzbr. köngl. böhm. Gesellsch. 1892. 


12 


Es ist noch das Auftreten von einigen kleinen Granitinseln bei Kohlige 
und Wetzwalde zwischen Oberwittig und Obersdorf zu erwähnen, deren Gestein 
schon dem im Lausitzer Gebiete auftretenden Typus entspricht. Sodann fallen noch 
einige Kuppen von Nephelinbasalt, der Spitzberg bei Kratzau, derGickelsberg, und 
zwei solche bei Pass und Spittelgrund in den Bereich des besprochenen Gebietes. 

Die Umgebung von Friedland hat denselben landschaftlichen Charakter 
wie die von Grottau und Kratzau, nachdem sich auch hier das flachhügelige durch 
seichte Thàler gefurchte, von der Wittig entwüsserte Terrain bis an den nördlichen 
Steilrand des Isergebirges bei Haindorf und den westlichen Abfall der Tafelfichte 
heranzieht, aus welchen einige Kuppen, der Friedländer Schlossberg (352 m), der 
Hohe Hainberg (486 m), der Hummrichstein (510 m) emporragen. 

In Hinsicht des geologischen Aufbaues jedoch besteht der Unterschied, dass 
die Unterlage der hier weitverbreiteten quartären Ablagerungen aus archäischen 
Zweiglimmergneissen besteht, welche allerdings zumeist feinkórniger sich zunüchst 
an die der Tafelfichte anreihen. Sie treten allenthalben, so am Westfusse der Ta- 
felfichte um Haindorf, Liebwerda, dann nórdlich von Friedland bis an die Landes- 
grenze, unter jener Decke hervor, und gehören der grossen aus der Lausitz nach 
preussisch Schlesien hinziehenden Gneissformation an. Eine westliche Erstreckung 
der um Neustadtl entwickelten, den Phyllitgneissen des hiesengebirges einerseits, 
den dichten Gneissen des Erzgebirges anderseits ähnelnden Gesteine lässt sich über 
Lusdorf bis gegeu Mildeneichen hin verfolgen. 

Eine bemerkenswerthe Einlagerung im Gneiss bildet der im Süden von 
Raspenau gelegene Kalkberg.*) Der krystallinische reichlich mit Serpentin ge- 
mengte Kalkstein {(Ophicaleit)**) wird von einem dünnschiefrigen glimmerreichen 
dunklen Gneiss umhüllt und durch dasselbe Gestein in zwei Theile geschieden. 
In unmittelbarer Nähe des Kalkstockes tritt von Amphibolit begleitet ein Lager 
von Magneteisenstein auf. 

Von jüngeren Gebilden innerhalb des Glimmergneisses sind zu erwühnen, 
einige kleine Schollen von cambrischem Schiefer: ^) am Hundshübl bei Milden- 
eichen, weiter die Braunkohlenablagerungen bei Priedlanz und Wustung im Norden 
von Friedland, welche hier gleichfalls als Ausläufer des Lausitzer Beckens anzu- 
sehen sind. Das Lignitflötz liegt unter einem in Wustung 30 m mächtigen Hangendge- 
birge von wechselnden Sand- und Thonschichten, darunter etwa in der Mitte eine 
3—4 m mächtige Lage eines weissen, fetten, kaolinartigen Thones. 

Über das Gebiet breitet sich sodann die im Norden vielfach dureh Ab- 
tragung durehbrochene, in der Umgebnng von Friedland jedoch zusammenhüngende 
Decke von nordischem (uartär, dessen südlicher Rand bis an den Hemmrich gegen 
Mildenau und von da im Norden von Liebwerda gegen Neustadt! verläuft. 


*) Durch Versehen in der Karte als Basalt eingetragen! Vergl. Arbeiten der geol. Section 
L, 8. 19. J. Blumrich beschrieb in Tschermak's Mittheilungen XII, 257, einige Minerale 
von hier. 

**) Von Prof Dr. A. Frič, Archiv d. Landesdurchf. Т, 2. Abth. S. 245 ff. als liozoon bohe- 
micum Fr, beschrieben. 
***) In der Karte irrthümlich mit B-Phyllit bezeichnet. 


13 


Von Eruptivgesteinen treten auf: Die eruptiven Gneisse von Kratzau am 
südlichen Rande des Gebietes, ihre Verbreitung gegen Norden hin ist durch die 
aufliegendeQuartürdecke nicht zu beobachten. Granit bildet im nórdlichsten Theile des 
Gebietes die Umgebung von Lautsche und Egelsdorf, sodann bei Tschernhausen und 
Gölte und im Hemmrichstein und Steinberg einige kleinere Durchbrüche. Feldspath- 
basalt breitet sich von der Kuppe des Friedländer Schlossberges,*) deren prächtige 
Säulen schon vor Alters als eine Naturmerkwürdigkeit angesehen wurden, decken- 
oder stromförmig nach allen Weltgegenden hin aus. Einige isolirte Kuppen kommen 
bei Tschernhausen, am Hemmrichberg, bei Schönwald und Hohen Hainberg vor. 
Auch der Phonolith**) ist vertreten u. z. bildet er die Kuppe des Hohen Hain- 
berges bei Mildenau, den Astberg bei Priedlanz und den Geiersberg bei Friedland. 


Das Rumburg-Hainspacher Gebirge***) bildet einen Ausschnitt aus 
dem nach Sachsen gehörenden Lausitzer Gebirge. Nur nach Süden hin hat das- 
selbe eine orographische Grenze an dem nördlichen Abfall des böhmischen Quader- 
gebirges von der Landesgrenze am Steinberg bei Zeidler im Westen bis an den 
Ziegenrücken bei Georgenthal im Östen; auf den übrigen Seiten schliessen nur 
politische Grenzen unser Gebiet ein. 


Im allgemeinen bildet dasselbe ein Hochplateau, dessen hügelige, wellige 
Oberfläche von seichten, langegestreckten Thälern durchfurcht wird. Sein westlicher 
Theil gehört durch die Kirnsch und ihre Zuflüsse bereits zum Flussgebiet der Elbe, 
während der östliche durch die Mandau entwässerte jenem der Oder angehört. Die 
monotone, zumeist mit Wald und Cultur bedeckte Hochfläche wird nur durch 
einige basaltische Kegelberge, den Wolfsberg (588 m) bei Schönlinde, Plissenberg 
(591 m) bei Zeidler, Lichtenberg (538 m) bei Ehrenberg, Rauchberg (511 m) bei 
Rumburg, Spitzberg bei Warnsdorf (539 m) u. s. überragt. 


Ebenso einförmig wie seine Oberflächenbildung ist sein geologischer Bau; 
fast durchwegs zeigt sich nur Granit, welcher überall, wo nicht quartäre Ablage- 
rungen und Basalte denselben verhüllen, zu Tage tritt. Die weitausverbreitetste, 
gleichwie alle Lausitzer zum Granitit zu zählende Varietät ist das seit langer 
Zeit unter dem Namen „Rumburger Granit“ bekannte meist mittel-feinkörnige Ge- 
stein, welches nebst vielem schwarzen Glimmer, graublaulichen Quarz, weissen 
und gelblichen Orthoklas und Plagioklas enthält. Westlich von Schönlinde gegen 
die sächsische Grenze hin tritt ein durch feinen röthlichen Orthoklas und weissli- 
chen Plagioklas an das Gestein des Isergebirges erinnernder Granitit auf, der 
jedoch gleichfalls in der Lausitz vielfach verbreitet ist, ähnlich auch im Elbethal 
bei Niedergrund ansteht. 


Am südlichen Rande des Gebietes treten in der Umgebung von Georgen- 
thal zwischen Niedergrund und dem Quadersandsteingebirge Gesteine auf, welche 


*) Boficky, Basaltgesteine Böhmens S. 159. 
**) J, Blumrich, Die Phonolithe des Friedländer Bezirkes in Nordböhmen, Tschermaks 
Min.-petrogr. Mittheilungen, XIII. Bd. 
"**) Jokély im Jahrbuch der geol. Reichsanst, 10. Bd., S. 25 ff. 


14 


petrographisch ganz mit den aus der Kratzauer Gegend beschriebenen eruptiven 
Protogingesteinen übereinstimmen. Sie reichen ostwärts bis auf den Ziegenrücken 
östlich von Innozenzendorf, westwürts bis gegen Neukreibitz und sind offenbar als 
eine Fortsetzung der jenseits der Zittauer Bucht auftretenden Gesteine anzusehen. 
Von eben diesem gneissartigen Gesteine finden sich auch innerhalb des Granitge- 
bietes grössere und kleinere Partien im Granit selbst, so im Süden von Schluckenau 
am Bocksteiche, bei Kaiserswalde, bei Schönau an der Strasse nach Schluckenau. 
Jokély hat dieselben als Gneisseinschlüsse gedeutet; ich möchte darin nichts als 
in Folge von Druck schiefrig-schuppig gewordene Granitpartien sehen. Die geolo- 
gische Grenze des Granites gegen das südlich aufliegende Quadergebiet tritt zumeist 
deutlich hervor, namentlich auf der Streeke von Sternberg bei Zeidler bis Neu- 
daubitz, wo in Folge der Überschiebung des Granites über den Quader und Her- 
aufschleifung des zwischenliegenden Jurakalkes eine scharfe Grenzlinie gezogen ist. 
Von geschichtetem Gestein kommt in diesem Gebiete nur noch eine grössere Scholle 
von cambrischem Schiefer vor, welche südwestlich von Georgenthal sich an das 
Protogingestein anlehnt und sich bis Tannendórfel und Hampels Bleiche erstreckt. 
Auch diese cambrisehen Schiefer führen Erze auf Gängen u. z. in einem kiesig 
kalkigen Zwischenmittel Bleiglanz, Kupferkies und Zinkblende, und erinnern in 
ihrem Gepräge lebhaft an ähnliche Gangbildungen von Pfibram. 

Hart an der Landesgrenze im Norden von Altwarnsdorf treten unter einer 
durch eine Basaltdecke geschützten Lage von Basalttuff Ausstriche von Braun- 
kohlengebilde, grau gefärbte Diatomaceenschiefer, Sandsteine und Letten auf, welche 
nebst Resten von Süsswasserfischen, Leuciscus macrurus Ag., Reste eines Salaman- 
ders, Triton basalticus H. Meyer,*) und zahlreiche Abdrücke von Braunkohlenpflanzen 
ergaben. Ähnliche Ablagerungen von Diatomaceenschiefern sind unter dem Quartär 
bei Schluckenau erbohrt worden, doch führten sie keine Flötze. 

Die flachen Thäler werden zum grössten Theil mit Lehm erfüllt, welcher 
sich durch die reichliche Beimengung von Feuersteingeschieben als dem nordischen 
Diluvium zugehörig erweist. Namentlich ausgebreitet ist diese Ablagerung in der 
Umgebung von Hainspach, Schluckenau, Rumburg und Altehrenberg, dann im süd- 
lichen Theile um Schönlinde und Warnsdorf. Hier treten übrigens auch Ablage- 
rungen von Geschiebesanden auf, welche neben Feuersteinen Brocken von nordi- 
schen Graniten, Porphyren und anderen Gesteinen enthalten. 


Der quartäre Lehm und die Zersetzungsproducte des Granites haben an 
vielen Orten die Entwicklung von Torfmooren, denen sie als wasserstauende Un- 
terlage dienen, befördert. Namentlich ist zwischen Teichstadt, Schönlinde und Ober- 
grund ein beträchtliches Moor ausgebreitet. 


Von Eruptivgesteinen, welche im Granit auftreten, sind Diorite,**) Basalte 


*) Verhandl. geol. Reichsanst. 1859, S. 51 ff. Die Pflanzenreste sind von Н. Engelhardt, 
Flora der Braunkohlenform. im Königreiche Sachsen, Leipzig 1870, mit unter denen von 
Seifhennersdorf beschrieben. 


"*) F, Wurm, Die Grünsteine der Schluckenauer und Nixdorfer Gegend, Sitzb. der kgl. 
bóhm. Gesellsch. d. Wiss., beschreibt diese Gesteine als Olivin-Diabase. 


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15 


und Phonolithe zu nennen. Erstere bilden nur gangfórmige Einlagerungen bei Hains- 
pach am Friedhofe, Herrenwalde, Fürstenwald und Kunnersdorf, ihr Auftreten 
verräth sich zumeist nur durch verstreute Blöcke. Weit verbreiteter sind die Ba- 
salte, welche sowohl in Kuppen als auch in Decken im Gebiete auftreten. Erstere 
bestehen durchwegs aus Feldspathbasalt wie der Steinhübel bei Schónlinde, Wolfs- 
Plissen-, Lichten-, Botzen-*) und Rauchberg in der Rumburg-Schluckenauer Gegend 
und einige kleine Kuppen um Warnsdorf. Die im Norden von Altwarnsdorf um 
den Spitzberg ausgebreitete Decke, sowie jene welche sich von der Landesgrenze 
südl. von Rumburg über Kuhberg, Schönborn, Liehtenhain gegen Niedergrund herab- 
zieht, desgleichen die Deckenreste östl. von Rumburg bestehen aus Nephelinba- 
salt,**) und ruhen auf Unterlagen von Basalttuff. 


Beschränkter im Auftreten ist der Phonolith. Er bildet eine kleine Kuppe 
in Oberschönlinde in der Nähe der Bahnlinie, und tritt sodann bei Warnsdorf im 
Burgberg, beim Friedhofe, im Spitzberg*"*) und Finkenhübel und am Hörnelberg bei 
Georgenthal hervor. 

Der nordóstliche Theil des Erzgebirges. Als letzter Theil der 
krystallinischen Umrandung von Böhmen erscheint in nordwestlicher Ecke des 
Blattes II. der geolog. Karte, jener Theil des Erzgebirges, welcher zwischen dem 
Elbesandsteingebirge und Ossegg-Moldau gelegen ist. Eine ausführliche Bespre- 
chung der orographischen und geologischen Verhältnisse scheint mit Rücksicht auf 
die im Archive der Landesdurchforsehungs-Commission erschienene umfassende Be- 
schreibung „der Geologie des Erzgebirges“+) überflüssig zu sein; es möge hier 
darauf hingewiesen werden, dass im 2. Theil derselben das dem Elbesandsteinge- 
birge zunächst gelegene Graupen-Kulmer Gebirge, das Porphyrgebirge und Wiesel- 
steingebirge,tT) zu welchem die vom Porphyr westlich gelegene Partie gehört, ein- 
gehend abgehandelt worden sind. Zum Verständniss der Karte dürfte das Nach- 
stehende ausreichen. 


Das zwischen dem Elbesandsteingebirge im Osten, dem Porphyr im Westen 
gelegene Graupen-Kulmer G ebirge besteht der Hauptsache nach aus 
glimmerreichem Hauptgneiss (flaseriger Zweiglimmergneiss), weleher bald feld- 
spathreicher, glimmerürmer an den Vorhöhen, bald glimmerreicher, feldspathärmer 
auf den Höhen des Gebirges, in der Graupener Gegend mehr grau, in der Kulmer 
mehr röthlich gefärbt erscheint. Muscovitgneisse bilden streifenfórmige Einlagerungen 
làngs des Gebirgskammes vom Geiersberg gegen Osten hin. 

Die Gneisse zeigen am Abhange des Gebirges durch regellose Stellung 
gekennzeichnete Abbrüche, an der Graupener Lehne stehen sie steil gegen Süd und 
Südwest geneigt, oben am Kamm geht die Schichtenstellung in die entgegengesetzte 


*) E. Boficky, Basaltgesteine 8. 140. 
**) J. Hazard. Über die petrogr. Unterscheidung von Decken- und Stilbasalten i. d. Lausitz, 
Tschermak’s Mitthlgn. XIV. Bd., S. 297. 
***) E. Boficky, Phonolithgesteine S. 41., 42., 48. 
1) Laube, Geologie des böhmischen Erzgebirges I. Theil, westliches Erzgebirge. Archiv III. 
Bd. 3., II. Theil óstliches Erzgebirge Archiv VI. Bd. 4. 
TT) а. а. O., Seite 183 ff. 


16 


über. Das Streichen des Gmneisses folgt der Richtung des Kammes. Von Peterswald 
nach Tyssa hin ändert sich die bis dahin nordwärts gerichtete Stellung in eine 
durch Nordost in Ost übergehende. Die Gneisse verschwinden hier unter einem 
Lappen des Quadergebirges und sind noch auf eine kurze Strecke unter der soge- 
nannten Wand bei Kónigswald zu sehen. 

Innergalb dieses Gebirgstheiles treten mehrfach Eruptivgesteine auf. In 
Mittel-Tellnitz zeigt sich ein ziemlich mächtiger Gang von Erzgebiresgranit. Der 
vorwiegend felsitisch ausgebildete Granitporphyr dieser Gegend bildet eine, von 
der Porphyrgrenze beim Mückenberger Försterhause beginnende, über das Mücken- 
thürmchen bis gegen Jungferndorf zu verfolgende Apophyse. Ein zweiter solcher 
Gang tritt in Vorder-Tellnitz auf. 

Basaltgesteine kommen als Ausläufer des Mittelgebirges zwischen Maria- 
schein und Kulm vor. In Mittel-Tellnitz macht sich ein Nephelinbasaltgang bemerk- 
bar. Auf der Nordseite des Gebirges ragt aus einer Hülle von Quadersandstein die 
aus steilgeneigten Säulen aufgebaute Nephelinbasaltkuppe des Spitzberges bei Schón- 
wald empor, ebenso steht solches Gestein am Kaibler bei Nollendorf an. 

Im Graupner Gneiss treten seit uralter Zeit in Abbau befindliche Zinn- 
steingänge auf. Es sind deren mehr als 40, z. Thl. von bedeutender Erstreckung 
bekannt, sie führen nur Zinnstein, oder solchen in Begleitung von Glimmer, Stein- 
mark, Flussspath u. s. w. Der Liegendgneiss ist 5—8 cm mit Zinnstein imprügnirt, 
das Streichen der Hauptgänge ist Nordost-Ost das der Nebengänge, Ost gerichtet. 

Es sind auch Bleiglanz-, Schwefel- und Kupferkies führende Gänge be- 
kannt. Letztere Erze kommen auch in fahlbandartigen Gneissen bei Liesdorf und 
Tellnitz vor. 

Im Bereiche dieses Theiles des Gebirges kommen auf dem Plateau um 
Schönwald ziemlich ausgedehnte Torfmoore vor. 

Der grosse erzgebirgische Porphyrzug zwischen den Bergstädten 
Graupen und Klostergrab grenzt östlich auf einer von Voitsdorf nach dem Fusse 
des Gebirges fast geraden Nordsüd gerichteten Linie an den Gneiss des Graupner 
3ebirges; auf der Westseite verläuft die Grenze längs des linken Gehänges des 
Hüttengrundes bei Niklasberg vorüber nach Grundmühlen bei Klostergrab, wo sie 
westlich ausbiegt, gegen den Gneiss des Wieselsteingebirges. Dor Porphyr tritt als 
mächtiger Gangkórper, der sich nur an den Rändern, wie es scheint, über diese 
hin ausbreitet, durch das Erzgebirge hindurch, indem er sich nordwürts noch weit 
nach Sachsen hin erstreckt, wührend er am Südfusse des Gebirges unter Kreide- 
schichten verschwindet, und dann noch weiter in den später zu beschreibenden 
Inseln bei Teplitz wieder auftaucht. Das Gestein zeigt nur an der westlichen Grenze 
bei Niklasberg, wo sogenannter bunter Porphyr und flaserige Vitroporphyre auf- 
treten und auch Contacterscheinungen zu bemerken sind, einige Abwechslung. 

Hier wird die Grenze auch von Porphyrtuffen begleitet. Im ganzen Kórper 
herrscht einerlei Gesteinsmasse, welche durch in Stunde 2-—3, 7—8, streichende, 
senkrecht stehende Klüfte, die von einer dritten in Stunde 5—6 streichenden, 


Stunde 23 verflüchender Kluft geschnitten werden, in rhomboidische Prismenkórper 
zerlegt wird. 


17 


Aus der Gegend von Geising in Sachsen tritt an der Grenze des Quarz- 
porphyres ein mächtiger Gang von Granitporphyr zwischen Hinter- und Vorder- 
zinnwald über die böhmische Grenze und greift mit zwei südstreichenden Apo- 
physen in den Quarzporphyr ein. Die östliche ist kürzer und minder mächtig, 
hält sich an der Grenze des Quarzporphyres gegen den Gneiss und erreicht den 
Fuss des Gebirges nicht. Die westliche dagegen reicht herab bis Jüdendorf bei 
Graupen und in die Kuppen von Teplitz. Das grobkörnige Gestein besitzt eine 
braune und rothe oder dunkle Grundmasse mit eingestreuten grossen rothen Ortho- 
klaskrystallen. 

Im Porphyrgebiete treten auch einige Basalte auf u. z. am Kostner Berge, 
am Tannhübel, dann bei Strahl und Doppelburg kleine Kuppen von Nephelinbasalt, ` 
dicht an der Landesgrenze östlich von der Zinnwalder Kirche ein Küppchen von 
sehr dichtem Feldspathbasalte. 

Von den vielen Erzen, welche das Erzgebirge beherbergt, führt der Por- 
phyr nur Zinnerz und dieses nicht allenthalben unmittelbar. Das in Hinterzinnwald 
gewonnene Erz stammt aus einem im Porphyr gelegenen, zur grösseren Hälfte nach 
Sachsen gehörenden Greisenstocke, dessen Ausdehnung an der Oberfläche durch 
zahlreiche Halden kenntlich gemacht wird.*) Sein Umriss ist eine langgezogene 
Ellipse, deren grössere Axe ins Streichen des Porphyrzuges fällt. Der aus Quarz 
und Lithionglimmer gemengte Greisen ist meist mittelkörnig, doch entwickeln sich 
die Gemengtheile auch zu ausserordentlich grossen Dimensionen. In dem nicht 
immer dicht gefügten Gestein treten zahlreiche Mineralien auf, worunter namentlich 
Wolfram gegenwärtig als ausbeutungswürdig gilt. Der Zinnstein tritt in lagerarti- 
gen Ausbreitungen im Greisen auf, welche gegen die Mitte des Stockes hin ziemlich 
horizontal liegen, und deshalb von den Bergleuten „Flötze“ genannt werden. Im 
Greisen treten auch unregelmässige Granitmassen auf, welche in ersteren über- 
gehen, ebenso trennt eine Granithülle den Greisen vom Porphyr. 


Im Porphyr selbst ist das Vorkommen des Zinnsteins auch auf Gängen be- 
kannt, die im Umkreise von etwa 2—3 Kilom. um den Zinnwälder Greisenstock 
aufsetzen. 

Bemerkenswerth ist noch das Vorkommen von allerdings nicht abbauwür- 
digen Steinkohlengebilden an der Grenze des Porphyres bei Niklasberg. Zwischen 
Gneiss und Porphyr treten hier am Hirsch- und Galgenberg mit Anthracit ge- 
mengte Conglomerate auf, in welchen Reste von Steinkohlenpflanzen gefunden 
worden sind. Sie bethätigen, dass die mächtige Porphyrmasse erst nach der Stein- 
kohlenperiode, also zur Rothliegendzeit empor gequollen ist. 

Torfstrecken beherbergt das Porphyrgebirge zwischen Zinnwald, Kalkofen 
und Niklasberg. 

Der vom Porphyr westlich gelegene Theil des Wieselsteingebirges 
186 wieder aus Gneiss aufgebaut u. z. bildet wieder zweiglimmriger Hauptgneiss 
das verbreitetste Gestein, doch gesellen sich dazu auf den Höhen des Gebirges jün- 


*) In der Karte ist nur der Umriss nicht auch die Farbe (Granit) eingetragen. 


18 


gere Gmeisse, namentlich macht sich Muscowitgneiss auch am Fusse der Stromnitz 
wie im Deutzendorfer und Krinsdorfer Grunde bemerkbar. Auf dem Plateau des 
Gebirges finden sich dann um Motzdorf bis an die Landesgrenze und den Porphyr 
Glimmerschiefergneisse. Die Lagerungsverhältnisse der Gesteine sind in diesem 
Theile des Gebirges ziemlich verworren, in den Vorbergen zeigen sich Spuren von 
starker Zertrümmerung und eine schollenartig wechselnde Lage, so dass auch hier- 
nach am Gebirgsrand abgesunkene Partien zu erkennen sind. Auch weiter hinauf 
im Gebirge zeigt sich eine verwickelte Schichtenstellung, indem die Gneisse unter 
dem Stürmer nach Ost unter dem Niklasberger Keilberg nach Nord, am Hirsch- 
berg vom Porphyr ab nordwestlich fallen, wobei sie hier die Spuren eines erlit- 
tenen starken Druckes in zahlreichen zum Porphyr parällelen Klüften erkennen 
lassen. Auf dem Rücken des Gebirges nehmen die Gesteine eine zwischen Nord- 
und Südost gelegene Neigung an. 

In den Gneissen des Plateaus treten mehrfach Granitporphyre auf u. z. 
theils gangförmig, theils in flachen Kuppen zwischen Willersdorf und dem Drei- 
herrnstein und ebenso zwischen Neustadt, Moldau und Kalkofen. Sie dürften wenn 
nicht durchwegs, so doch zum Theile dem Wieselsteinzuge angehören. 

Der Durchbruch eines jüngeren Eruptivgesteines macht sich an einer ein- 
zigen Stelle u. z. auf dem Kamme der Stromnitz bemerkbar, wo Basaltgestein in 
ziemlichen Umfange auftritt. 

In diesem Gebirgstheile liegen die Erzlager von Ossegg, Klostergrab und 
Niklasberg, Gänge im Hauptgneiss, welche meist in Stunde 2—8 oder 9—11 streichen, 
als Gangmittel Letten oder Quarz und als Erze Rothgültig und Glaserz auch Dlei- 
glanz, zumeist aber Schwefel- und Arsenikkies führen. Ihre Mächtigkeit wird 
zwischen 0:05--1 m angegeben. 


Die Inseln von krystallinischen Gesteinen im Bereiche des Mittel- 
gebirges und. Elbesandsteingebirges. 


Im Zusammenhang mit den zuletzt besprochenen geologischen Verhältnissen 
des Erzgebirges sollen nun noch eine Reihe von kleinen, ringsum durch jüngere 
Gebilde umschlossenen und aus diesen inselartig hervortretenden krystallinischen 
Gebieten besprochen werden, deren grösste Zahl zu jenem Gebirge insofern in 
Beziehung steht, als sie ursprünglich mit demselben im Zusammenhange gedacht 
werden müssen, aus welchem sie durch das Absinken eines südlichen Flügels des 
Erzgebirges gerückt wurden, und wohl später in Folge vulkanischer Thätigkeit im 
Bereiche des bóhmischen Mittelgebirges mit empor gedrüngt oder durch Denu- 
dation blos gelegt worden sind.*) Es zählen hierher die Porphyrhügel von Teplitz, 
die Gneissschollen von Bilin, Ratsch, Watislaw, Milleschau, von Woparn und Czer- 
nosek und als die entlegenste die am Maschwitzer Berge zwischen Dauba und 
Habstein. 


ж) Vergleiche Мели: Laube, Geologie d. böhm. Erzgeb. I. Theil Einleitung, und desselben 
Verfassers „Geologische Excursionen im 'Thermalgebiet des nordwestlichen Bóhmens." 
Leipzig 1884. 


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19 


Die Porphyrkuppen von Teplitz*) sind durch die 5 kilom. breite, 
mit Kreide- und Braunkohlenablagerungen erfüllte Bruchspalte am Fusse des Erz- 
gebirges von diesem abgetrennt und treten aus diesen inselartig hervor. Sie bilden 
einen zum Rande des Erzgebirgsporphyr parallelen schmalen Streifen von der 
Rude westlich bei Settenz bis an den Teplitzer Schlossberg. In der Stadt Teplitz 
selbst ist der Porphyr durch tiefe, z. Th. mit Plänerkalk gefüllte Klüfte in einige 
isolirte Höhen getheilt. Dazu gehören noch die davon abgegliederten Küppchen der 
Janegger Kirchhübl in WNW und in NW der Luisenfelsen bei Weisskirchlitz. Von 
der Beschaffenheit des Gesteines gilt, was von dem des Erzgebirges berichtet 
worden ist. Die Mächtigkeit des Teplitzer Porphyres wurde durch die durchge- 
führte Bohrung zur Gewinnung des Thermalwassers bis auf 430 m festgestellt, 
womit der gangartige Charakter der Lagerung des Porphyres sowohl hier wie im 
Erzgebirge nachgewiesen ist. Der Zusammenhang beider wird nicht allein durch die 
zwischenliegende kleine Luisenfelsenkuppe, sondern auch durch einen zwischen 
Hundorf und Kosten in geringer Tiefe unter den Braunkohlensandstein verlaufenden 
Horst hergestellt. 

Innerhalb des Teplitzer Porphyrs erscheint am Sandberg bei Schoenau 
auch der Granitporphyr noch einmal als grobkörniges, leicht verwitterndes Gestein. 
Auch Nephelinbasalt bildet auf der Königshöhe eine kleine versteckte Kuppe. 
Innerhalb des Porphyres treten auf zwei parallelen, steil Süd fallenden OW strei- 
chenden Spaltenzügen die Teplitz-Schoenauer Thermalquellen hervor. 

Die Insel von Bilin ist zum grössten Theile von Kreideablagerungen, 
im Norden auch von Braunkohlen- und Quartärschichten bedeckt, und nur in dem 
hindurchführenden Bielathale und dessen rechtseitigen Seitenthälern, dem Zischka- 
und Deberschethale aufgeschlossen. Sie beginnt im Osten bei dem Dorfe Liebe- 
schitz und endet am Chlumberge bei Bilin. Südwärts verschwindet sie unter den 
Ausläufern des Mittelgebirges, nordwärts kennt man ihr Erstrecken noch im Lie- 
senden der Braunkohle der Emmeranzeche. Die Scholle besteht aus Zweiglimmer- 
und Muscovitgneiss, welche mit den Gesteinen des gegenüberliegenden Erzge- 
birges ganz übereinstimmen. Das Streichen ist ostwestlich (Stunde 7), das Einfallen 
südlich. Aus ihr tritt die Noseanphonolithkuppe des Borschen hervor, neben der eine 
zweite, die Kautzer Kuppe liegt, vielleicht ehedem mit jener im Zusammenhange. An 
ihrem nördlichen Ende erhebt sich eine Feldspathbasaltkuppe, der Chlum, von 
welchem aus ein mächtiger nach Südwesten gerichteter Gang den Gneiss umfasst. 
Die Biliner Mineralquellen entspringen unmittelbar aus Klüften im Gneiss, welche 
dessen Streichen folgen. Nordöstlich davon tritt an der Fohle bei Ratsch eine 
weitere kleine Gneissscholle aus der Basaltbedeckung hervor. 

Jenseits des Mittelgebirges tritt Gneiss bei Watislaw, dann bei Mile- 
schau unmittelbar unter dem Mileschauer Berge hervor, ziemlich in der Mitte 
zwischen der Biliner und der zweitgrössten Gmeissmasse des Mittelgebirges, der 
im Elbethale bei Tschernosek. Auch letztere ist grösstentheils von Kreide- 
Sebilden überdeckt und nur zu beiden Seiten der Elbe zwischen Tschernosek und 
Libochowan, Kleintschernosck und Lichtowitz und dem Woparner Thale sichtbar. 


*) Laube, Geologie des bóhm. Erzgebirges, IT. 8. 208 ff. 


20 


Von Tschernosek nach Libochowan treten mit O—Wstreichen und südlichem Ver- 
flächen Phyllite, in welchen zwei von Kalkglimmerschiefer begleitete Kalkbänder 
liegen, dann Amphibolite am Hradek auf, worauf dann stark eisenschüssig rothge- 
färbte, dünnplattige Zweiglimmergneisse folgen, deren Streichen jedoch fast senk- 
recht auf dem der vorgenannten Schiefer steht und die nach Osten verflächen. Die 
Scholle erreicht am Rande der Libochowaner Weitung plötzlich ihr Ende. Ihr 
Erstrecken nach Osten ist nicht weit zu verfolgen. Auf dem linken Elbeufer zeigen 
sich ein ähnliches, jedoch weniger gut aufgeschlossenes Profil. Der Gneiss bleibt 
dann auf dem linken Gehänge des sich bei Kleintschernosek óffnenden Woparner 
Grundes sichtbar und verschwindet dann weiter thalaufwärts unter Kreidesandstein. 
Auf der rechten Thalseite gesellt sich ihm ein in sechsseitige Säulen abgesonderter 
Quarzporphyrgang mit ostwestlichem Streichen zu, welcher bis an die Elbe reicht. 
In diesem wird das Ende des grossen Porphyrdurchbruches im Erzgebirge gesehen. 

Am weitesten ostwürts, schon an dem Gebiete der böhmischen Kreide tritt 
aus dieser auf der Westseite des aus Phonolith bestehenden Maschwitzer Berges 
eine kleine aus rothem dünnplattigem Gneiss bestehende Insel*) hervor. Ob dieses 
etwas eigenartige Gestein durch den Aufbruch des Eruptivgesteines eine Verän- 
derung erlitten hat, ist bisher noch nicht festgestellt worden. 

Bezüglich der früher öfter erwähnten Scholle von Ron gstock**) muss er- 
wähnt werden, dass dieselbe sich nach neueren Untersuchungen nicht als aus 
altem krystallinischen Gesteine bestehend erwiesen hat. Die krystallinische Insel 
im Elbethale zwischen Mittel- und Niedergrund***) tritt ähnlich wie die 
bei Tschernosek im Norden von Tetschen zwischen Mittel- und Niedergrund zu 
beiden Seiten der Elbe und nur längs dieser aufgeschlossen und ringsum von Quader- 
sandstein überdeckt auf 5 kilom, Erstreckung zu Tage. Von Süden her betritt man 
auf dem linken Elbeufer zuerst Phyllite, welche sich vor Niedergrund an Granitit 
anlehnen. Ihr Streichen ist NW—SO, im Verflächen nach SW gerichtet. Bei Tschirte 
tritt darin ein Gang von Glimmerdiorit auf. Der Granitit ist im Liegenden des 
Phyllites ganz gneissartig ausgebildet. Auf dem rechten Ufer der Elbe wiederholen 
sich ganz dieselben Verhältnisse, nur tritt der Granitit in drei getrennten Gängen 
auf. Dieses Gestein entspricht in seiner Ausbildung vollkommen dem Lausitzer 
testeine, wie auch die darangelagerten und einen deutlichen Contaethof zeigenden 
Schiefer weit mehr denen des Jeschken- und Eisenbrodergebirges als jenen des Erz- 
gebirges gleichen.}) Darnach gehört diese Insel eher zum Lausitzer Gebirge als 
zum Erzgebirge und ist als das Bindeglied zwischen diesen beiden anzusehen. 


*) Arbeiten der geolog. Section I. S. 14. 
**) J, E. Hibsch, Der Doleritstock und das Vorkommen von Blei- u. Silbererzen bei Rong- 
stock im böhm. Mittelgebirge. Verhand, der geol. Reichsanst. 1889. S. 204. 
***) Laube, Geologie des bóhm. Erzgebirges II. S. 248 ff. — Hibsch, Die Insel älteren Ge- 
birges im Ере а] nördl. von Tetschen. Jahrb. der geol. Reichsanst. XLI. Bd., S. 235 ff. 
+) Herrn Prof. Dr. J. E. Hibsch in Liebwerd verdanken wir eine sehr eingehende und 
lehrreiche Sonderuntersuchung dieses Gebietes. Die dort ausgesprochene Ansicht, dass 
die hier auftretendeu Phyllite dem Untersilur, möglicherweise dem Devon angehören, 
kann ich nieht theilen; ich halte sie nach wie vor für untercambrisch, daher Alter als 
die der Barrande’schen Etage В angehörenden Pfibramer Schiefer. Das von mir Glimmer- 
diorit benannte Gestein bezeichnet Herr Hibsch als amphibolisirten Diabas. 


II. Das böhmische Mittelgebirge und die im nördlichen 
Böhmen zerstreuten Basalt- und Phonolithberge. 


Von Prof. Dr. Gustav €. Laube. 


Die geologische Durchforschung des böhmischen Mittelgebirges und der 
jungplutonischen Berge in Nordböhmen war von der Commission zur naturw. 
Durchforschung Böhmens ursprünglich Prof. Dr. Em. Boficky zugewiesen 
worden, der sich dieser Aufgabe, wie seine einschlägigen Arbeiten*) beweisen, 
mit gewohntem Eifer und rastloser Mühe hingab. Leider war es ihm nicht vergönnt, 
das Erscheinen der Karte selbst zu erleben. Nach seinem für die Wissenschaft zu 
frühen Tode übernahm Prof. Dr. Ottokar Feistmantel die Begehung des Mittel- 
gebirges, aber auch er erlag zu früh den Folgen des Aufenthaltes im mörderischen 
Tropenklima, wohin ihn der Wunsch, der Wissenschaft zu dienen, geführt hatte. 
Sollte nun das Erscheinen der Section IL. der geolog. Karte, welche in allen 
übrigen Theilen fertig gestellt war, nicht neuerlich dadurch verzögert werden, dass 
die Ergebnisse einer von dritter Seite**) nochmals in Angriff genommenen Unter- 
suchung dieses Gebirges abgewartet werden, so war es nur möglich, auf ältere 
gute Vorarbeiten gestützt die Karte auszuführen. Man entschloss sich daher, das 
Mittelgebirge nach den Aufnahmen der К. К. geol. Reichsanstalt***) einzutragen. 


*) Dr. Em. Boficky, Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens. Archiv 
d. Landesdurchforsch. II. Bd., 2. Thl., Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen 
Böhmens, Archiv d. Landesdurchforsch. III. Bd., 2. Abth. 

1) J, Е. Hibsch, Kurze Übersicht des allgemeinen geologischen Aufbaues des böhm. 
Mittelgebirges, Tschermacks min.-petrogr. Mittheilungen ХП. Bd., 8. 397. 

Ti) Geolog. Karte von Böhmen im Massstab von 1: 144,000 Blatt П. Teplitz und Tetschen, 
II. Reichenberg, VII. Leitmeritz und Theresienstadt. Text hiezu: Jokely, das Leitme- 
ritzer vulkanische Mittelgebirge in Böhmen. Jahrb. d. geol. Reichsanst., 9. Bd., 1858. 
Die Eintragung in die Section II. ist durch Hinweglassung der in der Reichsanstalts- 
Karte ersichtlich gemachten Tuffe vereinfacht, dagegen ist die von Jokély gemachte 
Unterscheidung von Trachyten beibehalten worden, was allerdings dem jetztgeltenden 
Begriffe dieses Gesteines nicht entspricht, und worunter Boficky’s Sanidinnosean-, Ne- 
phelinsanidin-, Oligoklassanidin- und Sanidinphonolith, durchwegs von trachytischem Aus- 
sehen, zu verstehen sind. 


22 


Erst nach Fertigstellung der Karte fand sich im Interesse der guten Sache Pro- 
fessor Laube bewogen, dazu eine Erläuterung zu geben, soweit dies unter Be- 
nützung der bisherigen Vorarbeiten Bofieky's, welche vor nunmehr zwanzig Jahren 
entstanden, wohl nicht mehr durchwegs zutreffend sind, und anderer Geologen und 
nach eigenen Erfahrungen möglich war. Der Verfasser ist sich hiebei der Mängel, 
welche unter den geschilderten Umständen unvermeidlich waren, vollkommen be- 
wusst und konnte sich nur entschliessen, die Arbeit in der Erwägung zu leisten, 
dass es sich hiebei nur um allgemeine, zum Verständnisse einer Übersichtskarte 
nothwendige Angaben handelt, welche durch neuere Ansichten, die zumeist auf ein- 
gehender petrographischer Untersuchung der verschiedenen Gesteine sowie sehr 
detaillirter geologischer Erforschung örtlicher Verhältnisse beruhen, die bei dem 
Ausmasse der Karte kaum zum Ausdruck hätten gebracht werden können, und das 
in der Hauptsache richtige Bild des Mittelgebirges nicht wesentlich zu ändern 
vermögen. 

Diese Darlegung des Sachverhaltes musste vorausgeschickt werden, um 
einer irrigen Auffassung und falschen Beurtheilung vorzubeugen. Prof. Dr. Anton 
Frič sah sich bestimmt, eine ähnliche Erklärung den Erläuterungen zu Sect. VI. 
der geol. Karte voranzusetzen. 


Den Namen „böhmisches Mittelgebirge“ trägt ein in paralleler 
Richtung zum Erzgebirge südwest-nordöstlich streichender Gebirgszug, welcher nörd- 
lich von der Eger bei Laun beginnend bis an den Bruchrand des Elbesandsteingebirges 
nördlich von Tetschen und Böhm. Kamnitz reicht. Im Süden und Osten grenzt er an 
die innerböhmischen, in Norden an die nordböhmischen Kreideablagerungen, im 
Nordwesten reicht es an das nordwestböhmische Braunkohlengebiet, zwischen Kulm 
und Tellnitz an das Erzgebebirge heran. Durch das Elbethal von Praskowitz bis 
Tetschen wird das Mittelgebirge in zwei fast gleichgrosse Hälften, eine südwest- 
liche und eine nordóstliche getheilt. 

Als ein Gebirge vulkanischen Ursprungs ist es in seinem Bau wesentlich 
von den übrigen böhmischen Gebirgen verschieden; es trägt das Geprüge der so- 
genannten Kegel- oder Kuppengebirge in ausgezeichneter Weise zur Schau, indem 
es aus einer Häufung einzelner, bald näher an einander gerückter, bald'weiter von 
einander liegender Kuppen besteht, die sich aus sedimentären älteren Unterlagen 
oder auf basaltischen Decken erheben, und die entweder als eigentliche Kuppen in 
ihrer ursprünglichen Form vorhanden sind, oder als uneigentliche durch Erosion 
aus anfänglich zusammenhängenden, ausgedehnten, mächtigen Gesteinsdecken und 
Strömen ausgelöst worden sind. Das südwestliche, im Ganzen schmälere Gebirge 
lässt eine dem Streichen entsprechende Kammlinie erkennen, aus welcher der Me- 
ronitzer Spitzberg (474 m), Radelstein (685 m), Mileschauer Klotzberg (664 m), 
Mileschauer (Donnersberg 835 m), Kletschen (505 m) und Glaberberg (452 m) be- 
sonders hervorragen. 


Zwischen hindurch führen mehrere mit Strassen belegte Pässe, so zwischen 


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dem Radelstein und Klotzberg einerseits und diesem und dem Mileschauer ander- 
seits, und der zwischen dem Mileschauer und Kletschen gelegene Hauptpass die 
„Paskopole“ auf dem Strassenzuge von Teplitz nach Lobositz. 


In paralleler Richtung zum Kamme verläuft auf der Nordwestseite das 
Bielathal zwischen Bilin und Aussig, durch welches die nordwestlichen Ausläufer 
des Gebirges, der Höhenzug von Bilin zum Prohner Berg, der Wachholderberg- 
rücken im Süden von Teplitz, der mit dem Teplitzer Schlossberge endigende We- 
schener Rücken abgetrennt werden. Geschieden durch das untere Bielathal und 
die Braunkohlenmulde folgt nördlich zwischen der Elbe, dem Erzgebirge und Eu- 
lauthale die sogenannte Aussiger Platte mit dem Gratschen (352 m), Plankenstein 
(545 m) und Harraberg (494 m) und der davon durch das Kleischbachthal abge- 
trennte Rücken des Strisowitzer Berges (341 m) östl. von Karbitz. Während auf 
der Nordwestseite sohin mehr langgezogene, weststreichende, hie und da von 
Kuppen besetzte Ausläufer vorkommen, löst sich der Gebirgskörper auf den an- 
deren Seiten des Gebirges in eine Menge dom-kegel-kuppelförmige einzelne Berge 
auf, welche gegen die Flussthäler der Eger und Elbe hin immer weiter ausein- 
andertreten, mit diesen aber keineswegs ihr Ende erreichen. Als die auffallendsten 
mögen unter den vielen genannt werden: Der Lobosch (572 m), Suttomer Berg 
(508 m) bei Lobositz, der Kostial (488 m), Werschetin (460 m) bei Trebnitz, 
Hasenburg (417 m) bei Libochowitz, der KoZower Berg (356 m), Oblik (509 m), 
Rannayer (455 m) und Milayer Berg (509 m) bei Laun. Daran schliesst sich auf 
der Westseite noch der Borschen bei Bilin (538 m). 


Der nordöstliche Theil des Mittelgebirges hat einen anderen Charakter. 
Mit steilen Rändern gegen Süden und Südosten abfallend hat dasselbe weitmehr 
den Charakter einer breiten Hochfläche von ziemlich gleicher Höhe, welcher ein- . 
zelne dominirende Kuppen wie der Warhoscht (640 m), hohe Wostrey (585 m), 
Matzenstein (587 m), Zinkenstein (684 m), Tannbusch bei Bensen (527 m), Gottes- 
berg (554 m), Matzelig (666 m) bei Wernstadt, Hutberg (589 m), Kosel (596 m) 
bei Böhm. Leipa, aufgesetzt sind, und die selbst wieder durch tiefgehende Thal- 
risse, die sich mit Ausnahme des Wernstadter nach Osten herabführenden Thales 
durchwegs westwärts gegen das Elbethal öffnen, in lange vorwiegend nordweststrei- 
chende Höhenrücken zertheilt ist. Durch das enge Thal des Polzen, in welches 
der Fluss westl. von Böhm. Leipa tritt, wird ein nordöstlicher Gebirgstheil zwischen 
Tetschen, Böhm. Kamnitz und Bóhh. Leipa gelegen abgetrennt, der durch das breite, 
von Markersdorf nach Bensen führende Thal in eine kleinere westliche und grössere 
östliche Hälfte zerfällt, aus den gleichfalls einzelne Kuppen hervorragen [Hofberg 
(584 m) bei Sandau, Wolfsberg (634 m), Frostberg (591 m), Schlossberg (544 m) 
bei Steinschönau und Böhm. Kamnitz u. s. w.] 


In nordöstlicher Richtung, von Böhm. Kamnitz nach Kreibitz-Georgenthal, 
Warnsdorf hin, löst sich das bis dahin mehr geschlossene Gebirge in zahlreiche 
einzelne Kegelberge auf, wie der Kaltenberg (731 m), Ahrenberg (105 m), Himpel- 
berg (633 m), gr. Buchberg (732 m), Tannberg (770 m), Finkenkoppe (789 m), 
Lausche (791 m) an der Landesgrenze im Norden, und weiter im Osten der Kleis 
(755 m) bei Haida, der Ortelsberg (550 m) bei Bürgstein, die Kegelberge bei 


24 


Böhm. Leipa, der Ronberg (551 m) und Wilhoscht (610 m) bei Graber, Geltsch 
(725 m) bei Levin und die Auschaer und Leitmeritzer Kuppen, von denen der 
Radebeule an der Elbe (Radobyl) (379 m) als letzter genannt werden mag. 


Das bóhmische Mittelgebirge ist vorwiegend aus basaltischen Gesteinen 
aufgebaut, welchen sich Tephrite und Phonolithe anschliessen. Trachyte*) sind nur 
selten, Andesite bisher gar nicht nachgewiesen. 


Unter den basaltischen Gesteinen unterschied Воїіску Magma., Nephelin-, 
Leucit-, Feldspathbasalte und Ттасһу- und Tachylitbasalte. Das Nähere hierüber 
möge a. a. О. nachgesehen werden. Die letztgenannten entsprechen der gegenwärtig 
mit den Namen Tephrit, Basanit, Limburgit und Augitit bezeichneten Gesteinen. 
Zu den Leucitbasalten rechnet Boficky auch die von ihm ,Peperinbasalte* genannten 
Gesteine, „welche als erhürteter Lavaschlamm zu betrachten sind“. Darnach schon 
sind sie wohl richtiger unter die Tuffe zu stellen. Unter den Phonolithen werden 
zwei Gruppen, Nephelin-, Leucit- und Nosean-Phonolithe, in denen der Sanidin zu- 
rücktritt, und an Sanidin reiche Gesteine, in welchen die vorgenannten Mineralien 
minder entwickelt sind, unterschieden. Zu ihnen treten noch Plagioklas führende, 
an Nephelin ärmere Gesteine, welche Hibsch als tephritoid-trachytische Phono- 
lithe unterscheidet.**) Auch hier möge das Nähere in Boficky’s einschlägiger Ar- 
beit nachgesehen werden. 


Zu den vulkanischen Auswurfsmassen, welche das Mittelgebirge aufbauen, 
gehören die basaltischen Tuffe, welche theils geschichtet, und dann zuweilen Ge- 
schiebe führend, theils ungeschichtet mit Basalt und Schlackbrocken gemengt vor- 
handen sind, denen auch die sogenannten Dasaltwaeken, braune, mehr weniger 
thonige Gesteine mit eingestreuten Augit- und Biotitkrystallen, zugehören. 


Im Aufbau des Gebirges selbst ist zunächst der Untergrund der eruptiven 
Massengesteine zu erwähnen. Dieser tritt an vielen Stellen sowohl im Innern als 
auch an den Rändern zu Tage. 


Als die ältesten Glieder des Untergrundes sind die im Anhange zu der 
Erläuterung des krystallinischen Randgebirges (S. 18) besprochenen krystallinischen 
Schollen von Bilin, Watislaw, Mileschau und Tschernosek zu nennen. Weit verbrei- 
teter sind jedoch die Ablagerungen der böhmischen Kreideformation, vorwiegend 
der turonen und senonen Abtheilung, Iser-, Teplitzer- und Priesener Schichten und 
Grossskaler Sandstein. Um den ganzen südlichen Rand des Gebirges von Böhm. 
Leipa nach Leitmeritz an die Elbe und weiter über Lobositz, Trebnitz nach Laun 
und hier auf der Westseite aufwärts nach Bilin sieht man allenhalben die Priesener 
Schichten als unmittelbare Unterlage der Basaltberge hervortreten. Zwischen Dux 
und Teplitz breiten sich bei Hundorf und Loosch die Ausläufer des Mittelgebirges 
über die Teplitzer Schichten (Pläner Kalk) aus. Auch zwischen Bodenbach und 
Kónigswald liegen unter den Basalten der Aussiger Platte die Priesener Mergel. 


*) J, E. Hibsch, Über einige minder bekannte Eruptivgesteine des böhm, Mittelgebirges, 
Tschermak, Mineral.-petrogr. Mitth. IX. Bd. 
**) J, E. Hibsch, Geol. Aufbau d. b. Mittelgeb. a. a. O., S. 405. 


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25 


Sie bilden aueh noch einen sehmalen Zug längs des Quadergebirges von Tetschen 
nach böhm. Kamnitz. Weiter nördlich treten die vereinzelten Ausläufer aus dem 
Mittelquader (Iserstufe), und in ihrer Ausbreitung gegen Nordosten hin aus dem 
Grossskaler Sandstein (Chlomeker Stufe) hervor. Im Innern des Gebirges, abge- 
sehen von dem südlichsten Theile fehlen die Kreideablagerungen, nur bei Kojetitz 
gegenüber von Aussig zeigt sich eine kleine, stark zertrümmerte Scholle. 


Den Kreidebildungen unmittelbar aufgelagert sind die Glieder der tongri- 
schen Stufe der bóhm. Braunkohlenformation, der aus weichen, lockeren Schichten, 
untermischt mit harten, quarzitischen Bänken bestehende Braunkohlensandstein,*) 
welchem sich stellenweise Diatomaeeenscehiefer**) (Polirschiefer) und Thone dann 
wenig mächtige Braunkohlen- (Pechkohlen) Flötze zugesellen. Überall, wo innerhalb 
des Gebirges die Thäler his auf die Unterlage ausgespült und nicht mit quartären 
Ablagerungen bedeckt sind, treten diese Gebilde zu Tage. U. z. vorwiegend in der 
nördliche Hälfte des Gebietes, im Elbethal um Aussig, in der Teplitzer Gegend 
u. S. w. Im Norden von Leitmeritz erscheint die ganze Reihenfolge des Unter- 
grundes, die Kreidestufen bei Pokratitz, Braunkohlensandstein bei Skalitz, Schüt- 
tenitz, Diatomaceenschiefer im Jesuitengraben, unter den Basalten des Langen- und 
Kreutzberges blosgelegt. Im südwestlichen Theile treten nur einzelne Inseln der 
Braunkohlengebilde bei Webeschan und in der Bielagegend, dann seitwärts von 
Meronitz und Merslitz auf. Die darin vorkommenden Pechkohlenflötze bei Salesl, 
wo sie von Basaltgängen durchsetzt und verkoakt sind, bei Wernstadt, Lewin, Pa- 
skopole, Meronitz u. s. w. sind oder waren an manchen dieser Orte in Abbau. 


Da sich auf diesen dem Mitteloligocaen angehörigen Ablagerungen die 
eruptiven Massen des Mittelgebirges ausbreiten, ist für die Bildungszeit desselben 
in Fingerzeig gegeben. Sie fällt in das Oberoligecaen, in die aquitanische Stufe. 
Von Boricky wurden in der Bildungsreihe drei Altersstufen der Basalte unter- 
schieden, der ältesten gehören Nephelinoide, Leucitoide und Magmabasalte an. 
An der Scheidegrenze stehen die Feldspathbasalte. Erstere bilden in der Randzone 
Berg- und Hügelketten und einzelne Berge, im Innern Ströme und Stöcke, letztere 
bilden ebenfalls einzelne Kuppen, die stellenweise sich in einer geraden Linie anein- 
anderreihen. In die zweite Altersperiode fallen die von Воїіску als Andesit- und 
Phonolithbasalte bezeichneten Gesteine, besonders in der Aussiger Platte entwickelt, 
ferner Leueitbasalte. Die dritte Altersperiode umfasst die Trachy- und Tachylyt- 
basalte. Erstere treten vorzugsweise im böhm. Mittelgebirge zwischen Aussig und 
Tetschen auf. Sie bilden meist nur Gänge in den älteren Gesteinen. Näheres hier- 
über und ebenso über die von Boficky gefundene Abbruchlinien möge in seinem 
Buche***) nachgesehen werden. 


*) Herm. Engelhardt, Tertiärpflanzen а. d. Leitmeritzer Mittelgebirge. Nov. act. Carolo 
Leop. 1876, beschreibt die Flora derselben. 

'**) Aus dem Diatomaceenschiefer von Sulloditz beschrieb V. Bieber (Sitzber. kais. Akad. 
d. W. LXXXII. Bd., 1880., S. 101 ff, Reste von Batrachiern, die Flora dieser Ablage- 
rungen J. Wentzel (Ebenda LXXXVIII. Bd., 1881., S. 241. ff). 


ee) Boficky, Basaltgesteine, Seite 212 ff. 


Ähnlich bemerkt Hibsch :*) „Die ältesten Eruptivmassen gehören basal- 
tischen Gesteinen, basaltoiden Tephriten und Basaniten an. Diese Gesteine treten 
vorzugsweise in Strömen und ausgebreiteten Decken auf. Am Rande des Mittelge- 
birges sind manche diese Ströme durch spätere Erosion zum Theil zerstört und es 
hält oft schwer zu entscheiden, ob man eine Quellkuppe oder einen Theil eines 
Stromes vor sich hat. Im Innern des Gebietes lassen die Eruptivmassen einen 
besseren Zusammenhang erkennen.“ 


Bezüglich der Phonolithe bemerkt Boficky,) dass sie unzweifelhaft 
Jünger sind als die Basalte der 1. u. 2. Periode, da sie aus diesen kuppenförmig 
hervorragen. Die Phonolithe, sagt Hibsch, sind in Form von Stöcken, mächtigen 
kurzen Strömen über das ganze Mittelgebirge verbreitet. Im Innern des Gebirges 
schälen sich die Phonolithstöcke allmälig aus einer Hülle von Tuffen oder festen 
Eruptivmassen heraus. In der Peripherie des Mittelgebirges ist die Enntkleidung der 
Phonolithmassen beendet, und dieselben überragen als Dom, Kegel u. s. w. ihre 
Umgebung. Im Mittelgebirge erkennt man derzeit eine sehr grosse Anzahl einzelner 
Ausbruchstellen der Eruptivmassen. Heute sind die grossen Vulkane des Mittelge- 
birges zum grössten Theile zerstört und abgetragen. Nur ihre Ruinen stehen noch, 
ans denen der ehemalige Aufbau nur schwer und mühevoll zu erkennen ec 


Die Böden und Böschungen der Berglehnen der weiten Mittelgebirgsthäler 
sind mit quartären Ablagerungen bedeckt. Das älteste Quartär, vorwiegend aus 
Quarz und Quarzit bestehende Geschiebe-Schotter, erreicht eine Seehöhe von über 
260 m, das nächst jüngere über 200 m Seehöhe. Letzteres gleichfalls Schotter 
führt am Nordrande des Gebietes Feuersteinspähne. Noch jüngere Ablagerungen 
aus groben Geschieben von Mittelgebirgsgesteinen, Gneissen, cambrischen Kiesel- 
schieferu, Quarzen, Kreidegesteinen u. s. w., zuweilen moränenartige ungeschichtete 
Wälle bildend, dann Sande und sandige Lehme, Aulehm und Löss, mit Resten 
grosser Süugethiere, Elephas primigenius Blbch., Rhynoceros antiquitatis Cuv., 
Equus caballus fossilis Bch., Ibex priscus Woldřich, dann von kleinen Nagern 
Arctomys Bobac fossilis Nhrg., Alactaga jaculus fossilis Nhrg., grossen und kleinen 
Raubthieren u. s. ү.) bilden das Ende der Reihe und liegen zumeist an den Bö- 
schungen und auf der Sohle der Thüler selbst. 


Eine ganz eigenthümliche Art unter den quartüren Ablagerungen des 
bóhm. Mittelgebirges bilden die Pyropen führende Sande am Südabhange des- 


*) Hibsch, Geol. Aufbau, d. b. Mittelgebirges a. a. O., 8 402. 

"*) Boficky, Petrogr. Stud. a. Phonolithgesteinen, S. 65 ff. 

""*) Hibsch, Allgem. geol, Aufbau d. b. Mittelgebirges, a. a. О. 8, 401 ff, Eine Übersicht 
der die Basaltgesteine Bóhmens betreffenden Abhandlungen und Notizen gibt Bot icky 
in seinen petrog. Studien an Basaltgesteinen S. 262. Man vergleiche auch Laube, Geclog. 
Excursionen im bóhm. 'Thermalgebiet, Leipzig 1884. Umgebung von Teplitz, Seite 18 ff. 
Gustav C. Laube, Über einen Fund diluvialer Thierreste im Klblóss bei Aussig. Sitzb. 
math.-nat. К. böhm, Gesellschaft d. Wiss. 1874., Josef Kafka, Recente und fossile Nage- 
thiere Böhmens. Archiv der nat Landesdurchf, УШ. Bd. 5. A. Nehring, Einige Notizen 
über die pleistocaene Fauna v. Türmitz in Böhmen. Neues Jahrb. f. Mineralog., Geol. 
u. Palaeontol. 1894. П. Bd. S. 288., J. N. Woldřich О fossilnim kozoroZci, Véstn, k. č. 
spol., nauk. tf. math.-pfírod. 1894. XXIII. 


pes 
V 


selben bei Třibliz, Tlaschkowitz, Skalken westl. v. Trebnitz, welche der Haupt- 
sache nach aus zerstórten Kreide-Priesenerschichten bestehen, denen Pyropen, Hya- 
einthe und andere Edelsteine beigemengt sind. Endlich die an Bittersalz reichen, 
aus umgelagerten und zersetzten Braunkohlenschichten bestehende Ablagerung auf 
der Westseite des Gebirges bei Sellnitz, Saidschitz und Sedlitz. 

Die vulkanische Thätigkeit der Erde, welche in der Mitte der Tertiärzeit 
das Mittelgebirge hervorbrachte, hat sich keineswegs auf dessen Gebiet allein, son- 
dern, wenn auch im verminderten Grade, auf die nördliche Hälfte von Böhmen 
erstreckt. 

Wie oben bemerkt worden ist, rücken die Kegelberge des Mittelgebirges 
an dessen Umfang auf der Süd-, Ost- und Nordseite immer weiter auseinander 
und an sie schliessen sich endlich die unzähligen einzelnen Kegelberge an, 
welche in der nördlichen Hälfte des Landes, bis in die Gegend von Prag, vor- 
nehmlich aber im Gebiete der böhmischen Kreide, nördlich von der Elbe bis an 
die Randgebirge verstreut sind, die man daher als weithin versprengte Ausläufer 
jenes Gebirges, mit welchem sie im Stoff und Alter einheitlich sind, anzusehen be- 
rechtigt ist. Diese Berge haben in Bezug auf die Gestaltung der Oberfläche des 
Landes einen hervorragenden Einfluss, indem sie, wie man leicht aus der Richtung 
der Erosionsthüler in der Kreide erkennt, eine conservirende Wirkung auf ihre 
Umgebung ausübten, und sie bis in eine gewisse Entfernung vor der Abtragung 
Schützten. 

Bei den meisten aus Basaltgestein bestehenden findet sich am Fusse ein 
Tuffmantel ausgebreitet, bei vielen darunter auch noch Reste jüngerer Kreide- 
schichten — vorwiegend Priesenerschichten — erhalten, die anderwärts allenthalben 
verschwunden sind. Solche erhaltene Unterlagen zeigt der Rosenberg im Elbesand- 
steingebirge, zahlreiche Kuppen bei Böhm. Leipa, der Ronberg bei Graber, der 
Tachaberg bei Woken, die Bósige bei Weisswasser, der Wratner Berg, die Hasen- 
burg bei Libochowitz u. a. m. Die Mehrzahl der verstreuten Kegelberge besteht 
aus basaltischen Gesteinen, aber auch Phonolithe*) fehlen nicht. Hiebei zeigt 
sich im Norden des Mittelgebirges, dass die im Elbesandsteingebirge aufsitzenden 
Kuppen durchwegs aus ersteren, die im Streichen des Gebirges dagegen zwischen 
Kreibitz und -Zwickau gelegenen Kegelberge bis an die Lausche und an den Hoch- 
wald aus letzteren bestehen. Von da ab süd- und südost- und westwürts stehen 
fast durchwegs Basaltkegel nur an den Rändern der grossen von Graber nach 
Hirschberg ziehenden Senkung machen sich Phonolithe bemerkbar u. z. der 
Wilhoscht, Maschwitzer-, Tachaberg auf der Südwest-, der Lange Berg bei Mücken- 
hahn und die Bösige auf der Nordostseite derselben. Ganz vereinzelt liegt die 
Phonolithkuppe des Wratner Berges, nördlich von Mscheno auf der Wasserscheide 
zwischen Elbe, Iser und Polzen. 

Diesseits der Elbe und Eger fällt noch der weit nach Süden vorgescho- 
bene, aus Nephelinbasalt bestehende St. Georgsberg**) (Rip) bei Raudnitz auf, 


*) Man vergleiche über die Gesteine einzelner dieser Berge Boficky's Arbeiten. 
**) Č, Zahálka, Geologickä mapa a geologické profily okolí Кіра. V Roudnici. 1894. 


28 


welcher als müchtiger steil nach allen Seiten abfallender Felsklotz aus den zu 
seinen Füssen ausgebreiteten Mallnitzer Schichten hervorragt. 

Schliesslich haben wir noch einer der grossartigsten Gangbildungen, der 
Teufelsmauer**) zwischen Oschitz und Böhm. Aicha, zu gedenken. Der 
mit diesem Namen bezeichnete Gesteinsgang besteht aus Nephelinbasalt und ragt 
in Form einer gewaltigen Mauerruine, die aus etwa 2 m langen, horizontalgela- 
gerten Säulenstücken besteht, 5—10 m über den durchsetzten Quadersandstein 
empor. Er beginnt bei dem Dorfe Wesetz bei Böhm. Aicha und lässt sich bis 
Kfidey (8 Kilom.), von hier weiter als Graben über Strassdorf bei Hühnerwasser 
bis gegen den Bösig, im Ganzen nahezu 20 Kilom. weit verfolgen, wobei er ein 
NO-SW gerichtetes Streichen einhält. An den Berührungsstellen mit dem Ba- 
saltgestein sind die Sandsteine gefrittet und zeigen säulenförmige Ablösung. 

Ein zur Teufelsmauer paralleler Basaltgang tritt etwas südöstlich davon 
beim Dorfe Javornik hervor und lässt sich, obwohl weitweniger auffällig als jener, 
bis gegen Dudikow fast 6 Kilom. weit verfolgen. 


*) Fr. Wurm, Die Teufelsmauer zwischen Oschitz uud Böhm, Aicha, B. Leipa, 1884. 


III. Bemerkungen zu den auf der geologischen Karte 
Seet, II. auftretenden Sediment-Formationen. 


Von Prof. Dr. Ant. Frič. 


Den grössten Theil des vorliegenden Blattes decken die Ablagerungen der 
Kreideformation, welche in der östlichen Hälfte durch das eruptive Mittelgebirge 
von dem Erzgebirge und den weiter nördlich liegenden Partien der Kreideforma- 
tion getrennt wird. In der oestlichen Hälfte grenzt die Kreideformation an die Ur- 
gebirgspartie von Rumburg, Hainspach und an die von Reichenberg-Friedland. 


Die Permformation ist nur an wenigen Puncten zu treffen und die Abla- 
gerungen der Tertiärformation in zerrissenen Brocken im Bereiche des Mittel- 
gebirges zerstreut. 

Die Diluvial- und Alluvialgebilde begleiten die grossen Flüsse und füllen 
die Thäler der Kreide- und Tertiürgebiete. Torfablagerungen sind nur im Erzge- 
birge dann zwischen Dox und östlich von der Iser zwischen Turnau und Jung- 
bunzlau zu finden. 


Die Silurformation ist durch Gesteine angedeutet, welche den Schiefern 
und Quarziten des unteren Silurs ähnlich sind, aber gar keine Petrefacten enthalten. 
Man trifft sie am nördlichen Ende des Jeschkengebirges z. D. hiuter den steil 
gehobenen cenomanen Schichten am Trógelsberge bei Pankratz, westlich von Rei- 
chenberg. 


Ebenso fraglichen Alters sind die schwarzen Kalksteine, welche bei Neu- 
sorge ausgebeutet werden und welche Orinoidenstiele enthalten. (Archiv, Band I., 
pag. 251.) 

Die Permformation tritt südlich von der Eger unter der Kreidefor- 
mation in tiefen Thaleinschnitten zu Tage. Bei Stradonic nördlich von Регис 
enthält sie kalkige Lager mit Walchia und Fischschupen, und entspricht dem 
Braunauer Horizonte. Ähnliche Stellen bei Hofan lieferten keine Petrefacten. 


Ein schmaler Streifen zieht sich am Fusse des Jeschkengebirges von Lie- 
benau gegen Svétlá hin, aber auch da ohne Petrefacten. 


30 


Auch die rothen Thone, welche die Jurakalke bei Zeidler (Stern- 
berg) unweit Schönlinde begleiten sollen der Permformation angehören. „Bruder“ 
Lotos 1886. 


Die Juraformation tritt nur in einem schmalen Streifen an der Grenze 
zwischen der Kreideformation und dem Urgebirge in der Nähe von Schönlinde auf. 
Brocken dieses Streifens lassen sich von Zeidler über Khaa bis Daubitz nach- 
weisen, ohne dass ihr Zusammenhang derartig klar würe, wie es der Streifen auf 
der Karte darstellt. 


Im Archive für Landesdurchforschung geschah schon im I. Bande, II. 
(Seite 10. und 24.) Erwähnung von dieser interessanten sonst in Böhmen nirgend 
auftretenden Formation. Später schrieb darüber Prof. Lenz und in neuerer Zeit 
wurden die namentlich bei Zeidler aufgefundenen Petrefacten von Dr. Bruder in 
einer Reihe von kleineren Abhandlungen beschrieben. 


Eine zusammenfassende kurze illustrirte Übersicht wird für das Archiv 
für Landesdurchforschung vorbereitet. 


Es sind von den Juraschichten drei palaeontologische Horizonte vertreten 
und bisher 133 Arten bekannt, die Theils im Museum (Weissische Sammlung) 
theils im Geol. Kabinet der Deutschen Universität in Prag aufbewahrt sind. 


Diese Arten gehören nach Bruder folgenden 4 Stufen an. 

A. Kelloway-Gruppe 12 Arten. 

D. Biarmatus und Transversarius Stufe. 2 Arten. 

C. Bimammatus-Stufe. 73 Arten. 

D. Tenuilobatus-Stufe. 47 Arten. (Verg. Lotos 1886). Die gesammte Lite- 


ratur über den B. Jura findet man in Dr. Bruder’s Schrift über den Jura von 
Hohenstein. Kaiserl. Akad. Wien 1885. 


Die Kreideformation, welche den grössten Theil unseres Blattes 
einnimmt, wurde in einer Reihe von Studien im Archive behandelt, auf welche wir 
uns hier bloss berufen können. 


Die Perucer Schichten treffen wir auf der Permformation gelagert 
südlich von Laun und bei Peruc, wo in die Quadersande graue Schieferthone mit 
zahlreichen Pflanzenresten eingelagert sind. 

Weiter östlich bei Mšeno lieferten die schwärzlichen 'Thonschiefer schöne 
Farrenreste, die von Corda beschrieben wurden und die bei Charvatec einst in 
grossem Maasstabe ausgebreiteten Quadersande lieferten das Material zum Aufbau 
der Festung Theresienstadt. 

Am östlichen Rande des behandelten Blattes treten die Perucer Schichten 
in Contact mit Porphyr und von demselben roth gefärbt bei Dolänka unweit Lie- 
benau auf, wo sie reich an schönerhaltenen Pflanzenresten sind. 


Vergl. Velenovsky: „Die Flora der böhm. Kreideformation.“ (Bei- 
träge zur Palaeontologie von Oesterreich-Ungarn, herausgegeben von Edmund von 
Mojsisovies u. M. Neumayr. Band II,- У, 1881—85 Wien. „Květena českého 


91 


cenomanu“. Rozpravy Král. Ceské Společnosti Nauk. УП. řady svazek 3. 
V Praze 1889. 

Die Korycaner Schichten (Archiv für Landesdurchf. Band I. p. 189) 
lagern mit ihrer Meeresfauna den Perucer Schichten auf, oder liegen direkt am 
Urgebirge oder älteren sedimentären Formationen. 

Zwischen Peruc und Libochovic (z. D. bei Prestavlk) liegen sie durch 
Trigonia sulcataria charakterisirt, als grünliche Quader auf den Perucer Schichten 

In der Gegend von Bilin liegen die Korycaner Schichten in Form von 
Mergeln in den Schillingen direkt auf dem Urgebirge, von wo Reuss eine grosse 
Menge. von Petrefacten beschrieb. (1. c. p. 221.) Bei Kučlin waren sie einmal in 
Form von Hypuriten-Conglomeraten zugänglich. In der Nähe von Teplitz trifft man 
sie auf Klüften des Porfyrs als Conglomerate und Hornsteine, bei Weisskirchlitz 
reich an Petrefacten in der mergligen Facies ähnlich wie auf den Schillingen bei 
Bilin. Am Fusse des Erzgebirges sind sie ziemlich gehoben als Quadersande mit 
Exogira columba Pinna etc., wie man das z. B. bei Rosenthal beobachten kann. 
GRE б OP ои), 


Nördlich von Leitmeritz liegen die Korycaner Schichten direkt auf den 
Phylliten der Urgebirgsinsel bei der Hradeker Kapelle und am Fusse des Stražiště- 
berges. Bei Bodenbach wurden einmal nnter den Quadern mit Inoceramus labiatus 
auch cenomane Schichten mit Pecten asper aufgeschlossen. Eine reiche Fauna dieser 
Schichten wurde durch Geinitz und Reuss aus den weissen plattigen Sandsteinen 
bei Tissa bekannt (1. с. p. 217) und Reste von Rudisten wies ich am Spitzberg 
bei Peterswalde nach. 

Dann finden wir noch die cenomanen Quader steilgehoben bei Pankrác am 
nórdlichen Ende des Jeschkengebirges, wo sie am Trógelsberge Pecten aequicostatus, 
Exogira columba und Echinolampas geliefert haben. (l. c. p. 216.) 

DieWeissenberger und Mallnitzer Schichten (Archiv IV. Dand 
Nr. 1) decken das Hochplateau zwischen Laun und Raudnitz und sind es nament- 
lich die typischen Wehlowitzer Baupläner, welche in vielen Steinbrüchen aufge- 
schlossen sind. Nórdlich von der Eger trifft man sie bei Hradek unweit Laun und 
bei Triblitz. Bei Laun lagern auf denselben die Mallnitzer Grünsande, sowie die 
Launer Knollen und die Avellanensschichten. 


Beide Schichten trifft man auch am rechten Ufer der Elbe, wo sie unter 
die Quader der Iserschichten einfallend die steilen Lehnen bilden, auf welchen die 
Weingärten, die den berühmten Melniker liefern gelagert sind.*) 

Aus der Gegend von Tissa bis zur Elbe sind die Weissenberger Schichten 
in Form von Quadern mit Inoceramus labiatus entwickelt, welche allmählig nach 
Osten einfallen, und am rechten Elbeufer die Basis der zu den Iserschichten gehö- 
rigen Kokofiner Quadern bilden. 


*) In der Gegend von Leitmeritz ist blos die Basis der die Weinberge tragenden An- 
höhen den Weissenberger Schichten angehörig, daher sollen auf dem Blatte die tiefblauen Strei- 
fen senkrecht und nicht wagerecht stehen, denn oben sind die Priesener Schichten entwickelt. 


Die am Fusse des hohen Schneeberges nachgewiesenen Schichten mit Ammo- 
nites Woolgari reprüsentieren hier die Mallnitzer Schichten und der hohe Schnee- 
berg eine isolirte Scholle der Kokofiner Quader. 

Im übrigen findet man auf unserem Dlatte die Weissenberger Schichten 
noch am óstlichen Rande der Kreideformation bei Liebenau von jüngeren Schichten 
bedeckt, so dass sie auf der Karte nicht ersichtlich gemacht werden konnten. 

Die Iserschichten (Archiv für Landesdurchf. Band V. Nr. 2) finden 
wir in ihrer typischen Form als Quadersande (Mittelquader) nur óstlich an 
der Elbe. 

Sie deckten einst auch die Partie zwischen dem linken Elbeufer und Tissa, 
wie dies ein Rest derselben am Hohen Schneeberg nachweist, wurden aber ihrer 
leichten Zerfallbarkeit wegen abgeschwemmt. 

Sie bilden die obere Partie der malerischen Felsen der süchsischen Schweiz 
und immer nach Osten einfallend, verschwinden sie östlich von der Linie Kreibitz- 
Dóhmisch Kamnitz unter den Quadern der Chlomeker Schichten, von denen sie durch 
die Thone der Priesener Schichten getrennt werden. 

Oestlich von Leitmeritz und Melnik sind sie mächtig entwickelt bis zum 
Fusse des Jeschkengebirges und bis in die Gegend von Turnau. In den tiefen Fur- 
chungsthülern, welehe sie durchsetzen, kann man bei Kokofin die zwei Quaderbünke 
gut beobachten, auf welchen dann die petrefactenreichen Trigoniaschichten und bei 
Kanina die Bryozoenschichten liegen. 

Die Iser durchschneidet diese Schichten von Bakov über Jungbunzlau bis 
gegen Benatek und weil hier ihre Gliederung zuerst klar wurde, benannten wir sie 
eben Iserschichten. 

Ihr paläontologischer Charakter wird erst in den mehr kalkigen Trigo- 
nienschichten klar und ist hier so typisch, dass die Behauptung, dass die Iser- 
schichten nur eine Facies der Teplitzer Schichten sind, nur eine durch nichts be- 
gründete Vermuthung ist, welche durch den Nachweis des Vorkommens der Tere- 
bratula semiglobosa über den Trigoniaschichten gründlich widerlegt wurde. (Vergl. 
Teplitzer Schichten p. 47). 

Die Teplitzer Schichten (Archiv für Landesdurchf. Band VII. Nr. 2) 
sind längs dem Egerflusse und in der Gegend von Teplitz in ihrer typischen Form 
entwickelt, und ich war bemüht, deren selbständiges Auftreten auf dem Blatte durch 
rein blaue Farbe ersichtlich zu machen. 

Die Terebratula semiglobosa ist für diese Schichten das bezeich- 
nendste Petrefact, das in den jüngeren Priesener Schichten nie in anstehenden 
Schichten vorgefunden wurde. 

Der grosse Kalkgehalt macht diese Schichten in praktischer Richtung be- 
merkenswerth, und neben den grossen Kalkbrüchen bei Teplitz sind es neuerer 
Zeit diejenigen bei Lobositz, welche viel Kalk zum Export liefern. In der typischen 
Kalkstein-Facies finden wir sie am rechten Klbeufer nur noch bei Leitmeritz und 
ärmer an Kalk am Sowiceberg bei Raudnitz. 

Von da an lassen sie sich über den Iserschichten nur als eine etwa 
1 m mächtige Mergelschichte unter den klingenden Inoceramen-Plänern der Prie- 


v 


sener Schichten nachweisen. Bei Repin lieferten sie Terebratula semiglobosa und 


die Tür die Teplitzer Schichten bezeichnenden grossen Exemplare der sandigen 
Foraminifere Hoplophragmium irregulare. (Tepl. Sch. p. 117, Fig. 165.) Östlich 
zwischen Münchengrätz und Podol machen sie sich an der Basis der Priesener 
Schichten durch eine Lage vom zahlreichen Ostrea semiplana kenntlich. 


Die Priesener Schichten (Archiv für Landesdurchf. Band IX., Nr. 1) 
sind auf unserem Blatte vorerst in der Gegend zwischen Dilin und Laun entwickelt, 
woselbst sich die zwei durch Reuss's Arbeiten klassisch gewordenen Fundorte 
Priesen und Luschitz befinden. 


Am linken Egerufer liegen sie als graue, mehr oder weniger plastische 
Thone am Fusse der Basaltberge des Mittelgebirges, welches sie bis über Leitme- 
ritz begleiten. (Vergl. Note auf Seite 31) Am rechten Egerufer sind ihre spärlichen 
Reste zwischen Postelberg und Laun, dann bei Genéie und Brozan zu finden. Bei 
Raudnitz sind sie als weisse klingende Inoceramenplüner entwickelt und behalten 
sie diesen Charakter dann ostwärts an den Anhöhen bei Vysoká, wo sie isolirte 


Inseln auf dem Quaderplateau bilden. 


Zwischen Jungbunzlau und Bautzen sind sie dann müchtiger als graue Mer- 
gel entwickelt, und kommen daselbst überall am Fusse der Grossskaler Quader der 
Chlomeker Schichten, wo sie nicht durch die Sande der zerfallenen Quader ge- 
deckt sind, zum Vorschein. 


Bei Böhm. Leipa fallen sie auch unter Aie Quader der Chlomeker Schichten 
ein und auch am westlichen Rande derselben, zwischen Böhm. Kamnitz und Krei- 
bitz, treten sie unter den Quadern der Chlomeker Schichten hervor. 


Am Fusse von isolirt stehenden Basalt- oder Phonolitbergen bilden die 
Thone der Priesener Schichten einen Saum der z. B. am Rollberg bei Niemes oder 
beiden Bösigbergen den Iserschichten auflagert. 


Auch die kleinen Basaltkuppen des Mužský und Үўѕкеї bei Turnau sind 
von Thonen umgehen, welche den Priesener Schichten ühneln aber keine Petre- 
faeten enthalten. 


Chlomeker Schichten. Archiv, Band II. p. 129. 


Die Studie über dieselben ist in Vorbereitung, und es soll hier vorderhand nur 
darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Fauna ihrer hóchsten Lagen mit der- 
Jentgen von Kieslingswalda übereinstimmt. Cardium Ottoi ist das bezeichnendste 
Petrefact. Die Quadersande der Chlomeker Schichten (die Ueberquader) liegen auf 
den Thonen der Priesener Schichten und sind nur in kleinen Partien erhalten, wo 
sie durch Basaltkegel wie angenagelt erscheinen. Auf unserem Blatte sind es zwei 
grössere Partien, die sich erhalten haben: die eine zwischen Jungbunzlau, Turnau 
und Jičin, wo am Chlomekberge bei Winafie zuerst ihr palaeontologischer Charakter 
sichergestellt wurde, und dann nördlich von Böhm. Leipa, wo sie dann östlich von 
Böhm. Kamnitz und Kreibitz die mächtigen Quader bilden, welche bis gegen Gablonz 
reichen und bei den Bahneinschnitten am Tannenberge eine grosse Menge von Pe- 
trefacten geliefert haben, welche mit denen am Chlomekberge übereinstimmen. 


8 


Die Tertiärformation ist durch Süsswasserablagerungen vertreten, 
welche die mächtigen Lager der Braunkohle enthalten und zwischen dem Erzge- 
birge und dem Mittelgebirge gelagert sind und in kleinen Partien südlich bis an 
die Eger, östlich oberhalb Leitmeritz bis gegen Böhmisch Leipa reichen. (Vergl. 
Archiv, Band I. p. 26.). 


Bei Laun sind es die durch Erdbrände roth gefärbten Gipfel am linken 
Egerufer, welche der Tertiärformation angehören. Die Flora derselben wurde von 
Dr. Velenovsky bearbeitet. (Abhandl. kön. böhm. Gesellsch. d. Wiss. 1881. Bei 
Bilin der Trippelberg von Kuélin und die in technischer Beziehung wichtigen 
Thone von Priesen, welche dieser Formation angehóren. 


Aus diesen beschrieb Ettingshausen viele Arten von Pflanzen und von Thier- 
resten kam darin bei Dux ein Crocodil, die Lederschildkróte, Trionyx und mehrere 
Fischreste vor. Das nördliche Ufer der Braunkohlenmulde ist bei Ossek, durch 
die an Unionen reichen Sandsteine angedeutet. Auch Engelhardt beschrieb viele 
Pflanzenreste aus der Umgebung von Leitmeritz. 


In neuerer Zeit wurden auch Süsswasserkalke am Kamm des Erzgebirges 
oberhalb Stolzenhahn sichergestellt. (Vergl. Klika: Die tertiären Land- und Süss- 
wasserconchylien, Archiv, Band VIL, Nr. 4). Die Diatomaceenlager bei Kutschlin 
und nórdlich von Leitmeritz lieferten ausser Pflanzenresten auch Fische und 
Insecten. Kleine Reste von Tertiärablagerungen sind noch bei Schluckenau und 
nórdlich von Friedland als zum Zittauer Decken gehórig entwickelt. 


Ueber die Tertiärablagerungen bei Warnsdorf s. p. 14. 


Nordisches Diluvium.*) 


Die nordischen Diluvialgeschiebe füllen die Thäler des Urgebirges von 
Georgenthal nordwürts bis an die Landesgrenze; bei Rumburg. und Warnsdorf sind 
es namentlich die Feuersteine der baltischen weissen Kreide, welche diese Abla- 
gerungen charakterisiren und man kann dieselben südlich bis gegen Bóhm. Leipa 
und Gabel verfolgen 22) 

Ausser dem Feuerstein bestehen die Gerólle auch aus schwedischen Gra- 
niten und anderen nordischen Gesteinen. 


Die zweite Partie des nordischen Diluviums findet sich nórdlich von Rei- 
chenberg und reicht von Grottau bis über die ganze Umgebung von Fried- 
land hinaus. 


*) Н. Credner, Nordisches Diluvium in Böhmen, Sitzungsbericht der Naturf.-Gesellschaft 
in Leipzig 1875. Nr. 6. 


**) Slavík A. Dr., Ueber die Diluvialgerölle der Umgebung von Friedland, Gabel und Böhm. 
Leipa. Kön. Böhm. Ges. der Wissenschaften 1877., p. 105.). 


35 
Diluvium. 


Das Diluvium tritt theils als Schotter- und Sandablagerung auf, theils als 
gelber Lóss. Man unterscheidet: einen Riesengebirgsschotter, einen Erzgebirgs- 
schotter und einen Mittelgebirgsschotter. Im letzteren sind ausser den typischen 
Lössschnecken viele Säugethierreste, Mamuth. Rhinoceros, Rennthier, Pferd, Murmel- 
thier etc. vorgefunden worden. (Vergl. diese Erläuterungen Seite 26. und Kafka, 
Recente und fossile Nagethiere Böhmens. Archiv, Band ҮШ. Nr. 5., wo eine Ueber- 
sicht sämmtlicher diluvialen Säugethiere enthalten ist. Die Lösslager treten in 
grösserer Ausdehnung bei Bilin, Türmitz, Leitmeritz auf und werden behufs der 
Ziegelfabrikationgewonnen. 

Zum Diluvium gehören auch die Pyropenconglomerate bei Třiblic, Мегопіс, 
Dlazkovie, sowie die oberhalb der Kreideformation im Egerthal auftretenden, die 
von Reuss beschrieben wurden und über welche jüngst Prof. Zahálka mehrere klei- 
пеге Abhandlungen veröffentlichte, (К. bóhm. Ges. d. Wissensch. 1883. etc.) und 
Dr. Jahn in Annalen des k. k. naturhist. Hofmuseums 1891. 


In diesen Conglomeraten kommen Petrefacten der Teplitzer, sowie der 
Priesener Schichten auf secundärer Lagerstätte vor. 


Alluvium und Torf. 


Die Torflager treten am Erzgebirge, dann in der Gegend von Niemes, 
zwischen Grabern und Hirschberg, sowie in der Reichenberger Gegend auf und 
sind eingehend von Prof. Sittensky untersucht worden. (Archiv für Landesdurch- 
forschung VI. Band Nr. 1). Die Alluvialausschwemmungen füllen die Thäler und 
begleiten die Bäche und Flüsse. 


Da es zu weit führen würde, die gesammte einschlägige Literatur über die 
auf unserem Blatte entwickelten Sedimentformationen hier anzuführen, beschränken 
wir uns darauf, aufmerksam zu machen, dass in Katzer’s Geologie von Böhmen die 
betreffende Literatur sorgfältig verzeichnet ist. 


INHALT. 


Seite 
I. Die krystallinischen Randgebirge und die Inseln älterer Gesteine im Bereiche des böhm. 
Mittel- und Elbesandsteingebirges 


Vorwort 


5 


Die Inseln von krystallinischen Gesteinen im Bereiche des Mittelgebirges und Elbesand- 


steingebirges. . ... de HIA qe К acd ала нр vi rna rs e E e HAE E 


IL Das böhmische Mittelgebirge und die im nördlichen Böhmen zerstreuten Basalt- und Pho- 


nolithberge Q^ La EE RODA EN 


III. Bemerkungen zu den auf der geologischen Karte Sect. IT. auftretenden Sediment-Formationen 29 


Raselina 


lalai 


Nove naplavy 
E. 
| al | 
| 


Km 22.03 
Alluvium 


Staré naplavy hlinite 
EZ ] 
Pp um 8 
Stare RS Rsek a ёрі 
х= == жаат 
А] 
Diluvium. Sand u.Schotter. 


ds ] 


NordischesDiluoium 


Hnedouheiny útvar tPetihorni 


Tertiaere Braunkohlen formation 


Hruboskalsky Geier: 


[HM] 

М HRR " 
G WR. — T 
o. Über. Quader: 


Brezenske а teplicke opuky 
i 


Bakulitenmergel o. Ober 


| plaener und Teplitzer: 


Aizerske pasmo. 
Jserstufe. Miltelquader 
oder Mittelplaener. 
Mainıcke a belohorske' 


pásmo. 


Malnitzer u. Weissenberger 
Stufe о. Unterplaener: 


Pıskovec korycansky а 
perucky. 


Korytzaner und Perutzer 
Sandstein Unterguader, 


Jursky utvar 


Juraformation 
P'ermskaj útva 


Perm oder Rothliegendes. 
Silur G spodni drohy a slepence. 


Untere brauwacke 
Phyllit. 


Аўетиба. bridlice 


NNNM] 
Quarz Schiefer. 
Portyr. 


Ш 


Codis. 


Basalt. 
Phonolit 


ДОШ 
Ш 


Dolerit 
Diorit 
Granitit i 
| 6t i В 
Zula en Su 
| 6 
аи 3 
Granit. 
| EHI ee 
| On | 
| Gneiss ` 


Krystall. ucky vapenec. 
NNNM | 


Arystallischer Kalkstein 


"` eem 


Шү 


Phyllit Gneiss. 


LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. SECTION. II. Geologische Karte entworfen von 


alibi Mni 


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ZEICHEN v. SCHRIFT -ERKLARUNXG. 


A Fuchs \ Uf Te 
M ^q EP \ 
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STADT. nit mehr als 10000 Kinn, 


STADT mit 3000 bis 10.000 Е. 


Stadt mit weniger als 3000 Ейри. 


Marktflecken, + Kirche, 5 Kapelle , 


l'farrdorf, * Kreuz, ^ Schloss, ъ Ruine, 


«9 Tost - 
2 Eisenbahn - 
$ Dampfschiff- 


| Slation 


Eisenbahnen 


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Ar Dorf, 72" Einzelne Häuser od. Gehöfte, 
4 Wirthshaus,  Jägerhaus, = Heilbad, w Gesundbrunnen. 


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(Е атанг Prof: A.Frié und Prof. G. Laube ГИБ 


a Wasser- #lisenwerk, iH tegel-oder 
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Ausgeführt in der Lithogr. Anstalt von Jos. Farsky in Prag. 


SR 
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MIOCAEN, 


VLAD. JOS. PROCHÁZKA. 
(MIT ABBILDUNGEN.) 


ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG 
VON BOHMEN 


(Band X. Nro. 2.) 


(GEOLOGISCHE SECTION.) 


en Qu 


P R A 6. 
Commission bei FR. RIVN d 
^f 1900. 


In 


DAS АКСН ЬУ 


für die 
naturwissenschaftliche Landesdurehforsehung von Böhmen 


І. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. J. Krejčí, 
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. Dr. A. Frič, 


enthält folgende Arbeiten : 


ERSTER BAND. 


I. Die Arbeiten der topographisch“n Abtheilung und zwar: 
«) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
0) Erste Serie gemessener Hóhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt П.) von Prof. 
Dr. Kofistka. 
c) Höhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kořistka. Preis fl. 4:— 
IUOS СЕТО Иа E NOM Ba E E e E а S on Db OU 


IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: 

и) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd- 
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejčí. 

4) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Kreici. 

e) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. 
Kreideformation u. s. ү. von Dr. Anton Егіё. 

d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistm antel, 
PIG N E EE E 500 


ПІ. Die Arbeiten der botanischen Autheilung. Dieselbe enthält: 
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) 
(ОУЕН) РОО E E de И ШУ оли EE И 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
в) Verzeichniss der Káfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj. 
^ Monographie der Land- und Süsswassermollusken Bóhmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 
Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer 
manuel Barta Pre. оин rip v e 


с 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
Analytische Untersuchungen vón Prof. Dr. Hoffmann. Preis. .... 25 kr 
kreis: des ganzen T Bandes; (Ath: L Dis y y gob nn. 9098 c ceo ДИВ 


Lë WEITER BAIN D. 
Erster Theil. 


I. Die Arbeiten der toPographischen Abtheilung und zwar: 

a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen- 
gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
Kořistka. 

b) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt III.) von Pro f. 
Dr. Kořistka. 

с) Hóhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Kořistka. 
Hóhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka Preis 

e DOOR QE ard dO e Ee à fl. 4:50 


“4 


П. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält: 

а) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens. 

b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken beiKlein-Pfilep, Lisek, S tílec, 
Holoubkow, Mireschau und Letkow. 

e) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun. 

d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und dep Sázava: Prois 4 voe woo к ve vg d. А04 


II. Theil enthält: = 
Dr. Em. Boricky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens 
Preis "pats or Кол qr О АЕ Жолу LEN E en BON A re АШЫШ НОВО 
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (T. und II. Abtheilung zusammen) ‚geb. fl. 10:— 


Verzeichnis der Litteratur. 


Aus der reichen und in der That umfangreichen Litteratur des Neogen 
habe ich in das vorliegende Verzeichnis nur jene Werke und Schriften aufge- 
nommen, deren Gesammtinhalt womöglich auf alle Fragen betreffs unseres ost- 
böhmischen, marinen Miocaens eine richtige, den gegenwärtigen Anschauungen ent- 
sprechende Antwort ertheilt und die bis jetzt discutirt wurden. Ich habe mich 
natürlich nur auf die hierländische Neogen- Litteratur beschränkt, es aus Er- 
fahrung als überflüssigen Ballast betrachtend, die überreichen Verzeichnisse der 
Litteratur des italienischen, französischen, spanischen, englischen, belgischen, deut- 
schen, russischen und serbischen Neogens anzuführen; wird ja das Studium der 
schon hier angeführten Litteratur dem Leser ein annäherndes Bild auf jenem aus- 
ländischen Neogengebiet gewähren. 

1846. A. d'Orbigny. Foraminiferes fossiles du bassin tertiaire de Vienne. Paris. 4°. 

1848. A. E. Heuss. Die fossilen Polyparien des Wiener-Tertiaerbeckens. Haidinger, 
Naturwissenschaftliche Abhandlungen. Wien. B. 2. S. 1 —109. Mit 11 Taf. 

1849. A. E. Reuss. Neue Foraminiferen aus den Schichten des österreichischen 
Tertiaerbeckens. Denkschriften der math.-naturwissensch. Classe der К. Aka- 
demie der Wissenschaften in Wien. Band I. 26 S., 6 Taf. 

1850. A. E. Reuss. Fossile Entomostraceen des österreichischen Tertiaerbeckens. 
Haidinger, Naturwissenschaftliche Abhandlungen. Wien. Band III. S. 41 bis 
98. Mit 4 Taf. 

1851. A. E. Reuss. Über die Foraminiferen und Entomostraceen der Septarien- 
thone der Umgebung von Berlin. Zeitschrift der deutschen geologischen Ge- 
sellschaft. Berlin. 

1856—1871. M. Hoernes. Fossile Mollusken des Wiener Tertiaerbeckens. I. Theil. 
Gastropoden. II. Theil. Lamellibranchiaten. Abhandlungen der k. k. geologi- 
schen Reichsanstalt. Wien. 

1856. M. Neugeboren. Foraminiferen aus der Ordnung der Stichostegier. Denk- 
schrift. der math.-naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien. 


Band 12. 
1860. 4. E. Reuss. Die marinen Tertiaerschichten Bóhmens. Sitzungsberichte der 
math.-naturwiss. Classe der К. Akadem. der Wissenschaft. Wien. Band. 39, 


5. 81. Mit 8 Taf. 


f 


1884, 


1884, 


1885. 


-1 


A. E. Reuss. Die Foraminiferen aus der Familie der Lageniden. Sitzungs- 
bericht. der math.-naturwiss. Classe der k. Akademie der Wissensch. Wien 
Band 46. S. 308—342. 

Н. Wolf. Verhandl. der К. К. geologisch. Reichsanstalt. S. 304. 

А. Е. Reuss. Beiträge zur Kenntniss der tertiaeren Foraminiferen-Fauna. 
Sitzungsbericht. der math.-naturwiss. Classe der k. Akademie der Wissenschaft. 
Wien. Band 49. 

F. Karrer. Über das Auftreten der Foraminiferen in den Mergeln der ma- 
rinen Uferbildungen des Wiener Beckens. Sitzungsbericht. der math.-natur- 
wiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien, Band. 50. S. 692—121. 
Mit 2 Taf. 

F. Karrer. Zur Voraminiferen-Fauna in Osterreich. Sitzungsber. der math.- 
naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien. Band 55. S. 692—721. 
D. Stur. Pyrula cornuta Ag. im Trieblitzer Tunnel. Verhandl. der geologisch. 
Reichsanstalt. Wien. 1871. S. 305. 

А. E. Reuss. Die fossilen Korallen des ósterr.-ungar. Miocaens. Denkschr. 
der math.-naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien. 
Band 91e TA S 21 Taf 

J. Krejčí. Geologie čili nauka o útvarech zemských se zvláštním zřením na 
krajiny Českoslovanské. V Praze. 1877. S. 940. 

A. Manzoni. Bryozoi fossili del d'Austrie e Ungheria. Denkschrift. der 
math-naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissensch. Wien. Band 38, I. 
und II. Theil. 

R. Hoernes und M. Awinger. Die Gastropoden der Meeresablagerungen der 
ersten und zweiten miocaenen Mediterranstufe in der österreich-ungarischen 
Monarchie. Abhandlung. der k. k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 12. 
Heft 1—8. 

А. Bittner. Über den Charakter der sarmatischen Fauna des Wiener Tertiaer- 
beckens, Jahrbuch der К. k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 33. 5. 131. 


A. Bittner. Zur Litteratur der österreichischen Tertiaerablagerungen. Jahr- 
buch der k..k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 34. S. 195—198. 

Н. Brady. Report on the Foraminifera dredged by Н. M. 8. Challenger, 
during the years 1873—1876. (Ref. of the Seient. Results of the Voyage 
of Н. M S. Challenger. Zoology vol. IX. 1884. 1. Bnd. Text (814 S. und 
2 Karten) und 1 Band (115) Tafeln.) 

Fr. Toula. Über die Tertiaerablagerungen bei St. Veit an der Triesting und 
das Auftreten von Cerithium lignitarum. Verhandl. der k. К. geologisch. 
Reichsanst. Wien. S. 219. 

E. Tüetze. Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogaen in den óster- 
reichischen Ländern. Zeitschrift der deutschen geologisch. Gesellsch. in 
Berlin. S. 67—121. 

Th. Fuchs. Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogaen im Gebiete 
des Mittelmeeres. Zeitschrift der deutschen geologisch. Gesellschaft in 
Berlin. S. 131. 


1890. 


1893. 


1895. 


1893. 


1893. 


1894. 


1894. 


Th. Fuchs. Zur neueren Tertiaerlitteratur. Jahrbuch der k. k. geologisch. 
Reichsanstalt. Wien. S. 128—150. 

A. Bittner. Noch ein Beitrag zur neueren Tertiaerlitteratur. Jahrbuch der 
k. k. geologisch. Reichsanstalt. Band 36. S. 1—74. 

Е. Suess. Das Antlitz der Erde. Wien-Prag. Band 2. S. 410. 

E. Dreger. Die tertiaeren Brachiopoden des Wiener Beckens. E. v. Mojsiso- 
vies u. M. Neumayr, Beiträge zur Palaeontologie Österr.-Ungarns und des 
Orients. Wien. Band 7. S. 179—192. Mit 5 Taf. 

F. Katzer. Geologie von Böhmen. Prag. S. 1428. 

V. J. Procházka. Miocaen Zidlochovicky а jeho zvifena. Rozpravy České aka- 
demie císaře Františka Josefa pro vědy, slovesnost a umění. Praha. Roč. IL, 
čís. 24. 64 S. Mit 3 Taf. (Mit einem deutschen Resumé.) 

E. Tietze. Die geologischen Verhältnisse der Gegend von Olmütz. Jahrbuch 
der k. k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 43. S. 165. 

E. Tietze. Reisebericht. Verhandlung. der k. k. geologisch. Reichsanst. Wien. 
8, 268. 

J. J. Jahn. Bericht über die Aufnahmsarbeiten im Gebiete von Hohenmauth- 
Leitomischl. Verhandlung. der К. К. geologisch. Reichsanstalt. Wien. S. 275. 
V. J. Procházka. O území tak zv. mořských jílů miocaenovych mezi Choení 
a Litomyšlí. Věstník královské České Společnosti nauk v Praze. Praha. 
бів. 31. 32 8. 

V. J. Procházka. Über die vermeiutlichen miocaenen marinen Tegel zwischen 
Chotzen und Leitomischl in Dóhmen. Verhandlung. der k. k. geologisch. 
Reichsanstalt. Wien. S. 269—278. 


Historischer Abschnitt. 


Bis in die 50er Jahre war die Kenntnis vom böhmischen marinen Miocaen 
eine sehr lückenhafte. Bis zu dieser Zeit wusste man nur, dass das miocaene 
Meer seine Wasser nicht nur über das mittlere Mähren ergossen, sondern dass es 
auch von hier einen verhältnissmässig kleine Ausläufer bis in das östliche Böhmen 
entsendet hatte, ohne dass jemand eine Ahnung gehabt hätte, wie weit es sich aus- 
Sebreitet und von welch’ petrographischem Charakter seine Sedimente seien. 

Diese, wie berechtigterweise gesagt werden kann, Unkenntnis unseres mio- 
taenen Gebietes währte fast bis in die 60er Jahre, denn auch in diesem Jahrzehnte 
(von (ënn — -1860), wurde desselben so wenig gedacht, wie vorher. Wo mag nun 
der Grund dieser Nichtbeachtung liegen? Vorerst in seiner Entlegenheit, dann aber 
darin, dass damals unsere böhmischen Geologen und Palaeontologen ausschliesslich 
Mit den älteren Formationen beschäftigt waren, während den heimischen Tertiär- 
forschern das grosse Gebiet des mährischen, ober- und niederösterreichischen, dann 
des steier märkischen, ungarischen und des siebenbürgischen Neogen so viele neue 
Erscheinungen und sensationelle Ergebnisse bot, dass es damals niemanden auch 
pur einfiel, die miocaenen Ablagerungen aus dem nordwestlichen Mähren nach 
Böhmen zu verfolgen und diese eingehend zu studieren. Nicht einmal als im Jahre 
1853 die Nachricht, dass im Trieblitzer Tegel die fossilen Überreste von Dinothe 
rium ( giganteum gefunden wurden, die Gemüther einigermassen in Erregung ver- 
setzte, war unser Gebiet im Stande, jemanden anderen, als den Apotheker @. Erx- 
eben aus Landskron zu fesseln, welcher hier fleissig sammelte und, wie verlautet, 
eine seltene Collection von Fossilien aus demselben besass. Und woher denn auch! 
l'ehlte doch hier beinahe alles, was anderswo, auf den südlichen Fundorten den For- 
Schern in hohem Masse geboten war, was sich anderswo Neigung und Liebe er- 
Wang, was mit einem Schl: age den Geologen wie den Palaeontologen anzog. Denn 
diese vermissten dort tiefere Einschnitte, die Mannigfaltigkeit der Schichten, wührend 
jene, die daselbst nach mühevoller Arbeit gewonnene Ausbeute mit der Ausbeute von 
anderen Orten vergleichend, sie unbedeutend, ja armselig fanden. Und damals handelte 
TR Sich nur um eine zusammenfassende Anschauung, um ein allgemeines Bild. 
Jieses zu erlangen, war anderswo nicht schwer. Überall gab es Lehnen jungfräulichen 
Odens, von überallher winkte Erfolg. Deshalb erzielte man damals hervorragende 
esultate, während wir uns heute mit Wenigem begnügen müssen. Heute ergänzen 
Wir vielfach, bauen um, passen alte Anschauungen den neuen an, 


10 


In diesen Umständen liegt der Grund, warum unser Gebiet in früheren 
Zeiten vernachlässigt wurde und warum heute seine Wichtigkeit anerkannt wird 
und lebhaftes Interesse erweckt. 

Es hat meist geringe Bedeutung, wenn es im Zusammenhang mit dem 
grossen mährisch-niederösterreichischen Miocaengebiete angeführt wird, Interesse 
erweckt es jedoch unmittelbar, sobald es gelingt, in den Charakter seiner Fauna 
Einblick zu gewinnen. 

Es ist daher natürlich, dass es nur jenen fesseln konnte, der, vom südlichen 
inländischen Miocaen kommend, in der Verarmung der Schichten an Fossilien 
gegen Norden eine selbstverständliche Sache erblickte, die mit den Verhältnissen 
des miocaenen Meeres eng zusammenhing und keine zufällige war. 

Nur auf diese Weise erklären wir uns ganz richtig die zutreffende Auf- 
fassung des Charakters unseres Miocaengebietes durch A. E. Reuss und die vielfach 
irrigen späteren Anschauungen, die nicht auf Grund persöhnlicher Kenntnis ge- 
wonnen, sondern verschiedenen Combinationen und Vermuthungen entsprangen. 

A. E. Reuss kam in unser Gebiet aus dem nordwestlichen Mähren, woselbst 
er fast das ganze, grosse, neogene Gebiet von Brünn bis Mährisch-Trübau durch- 
studirt hatte. Auf das ostböhmische Gebiet übergehend, sah er in dessen Sedimenten 
natürlicherweise nichts, als die directe Fortsetzung des marinen, mährischen 
Miocaens. Von Brünn durch das Zwittawa-Thal und die Kleine Hanna über Bos- 
kowitz gegen Jaroméfitz, von Gewitsch bis Porstendorf bei Mährisch-Trübau stellte 
er überall den Steinabrunner Typus der Fauna fest und nur an einigen wenigen 
Orten den Badener. Dass er dann in Folge des Umstandes, dass er die Fauna des 
Rudoltitzer Tegels eingehend kennnen gelernt und dann als er sich betreffs derselben 
überzeugt hatte, dass sie dem Steinabrunner Typus sehr ähnlich ist, keine Ursache 
gehabt, sie in den Bereich der Grunder Fauna zu stellen, wie dies selbst nach 
ihm noch bis vor wenigen Jahren geschehen war, liegt auf der Hand. 

Ebenso liess sich A. Æ. Reuss durch die scheinbare Armuth der Ablage- 
rungen des ostbóhmischen marinen Miocaens an Fossilien nicht beirren. Er ver- 
stand es schliesslich durch Schlemmen, das zu gewinnen, was ihm durch blosses 
Sammeln zu erreichen nicht möglich war. 

Diesen Umständen und dann dem Zufall, dass er in das ostböhmische 
Gebiet kam, als die Eisenbahn hier gerade ausgebaut wurde und in der Abts- 
dorfer, Trieblitzer, Böhm.-Trübauer und Rudoltitzer Gegend frische, tiefe Einschnitte 
hergestellt waren, dankt A. Æ. Reuss seine Erfolge, und was die Rudoltitzer Fauna 
anbelangt, ausgezeichneten Resnltate. Deshalb ist auch seine Arbeit über die marinen 
ostböhmischen Tertiärschichten werthvoll und von dauernder Bedeutung. 

Mit Rücksicht darauf will ich auch die Essenz der Reuss’schen Gedanken 
und Anschauungen über das ostböhmische Miocaen mittheilen, u. z. auch deshalb, 
damit der Leser erkenne, in welchem Umfange durch diese Arbeit hier zur Erwei- 
terung der bisherigen Kenntniss dieses hochinteressanten Gebietes beigetragen wird. 

Das Hauptverdienst Zewsse'ns ist unstreitig, dass er richtig den Charakter 
der einzelnen Tegelbänke und Tegeldepöts des böhmischen marinen Miocaens 
herausfand und dann, dass er ihre Beziehung zu den übrigen inländischen Miocaen- 
gebieten feststellte. Und es ist thatsächlich interessant, auf welch kleiner Basis er 


11 


operirte. Die Hauptstütze bot ihm die Fauna des Rudoltitzer Tegels und erst in 
zweiter Linie standen die Vertreter der Fauna aus dem Abtsdorfer und Trieblitzer 
Tegeldepöt. Mehr der Fundorte und Fannen unseres Gebietes kannte er nicht. 

In der Umgebung von Rudoltitz, dieser wichtigsten Fundstelle des ost- 
böhmischen Miocaens, besonders in palaeontologischer Beziehung, stellte A. Е. Reus 
miocaene Sedimente westlich von der Ortschaft im Eisenbahneinschnitte fest. In 
diesem bestimmte er im Liegenden aschgrauen Tegel, vermischt mit kleinen Stückchen 
Limonit und einer bedeutenden Menge Austern, häufig von auffällig grossen Dimen- 
sionen und auf diesen die sandige Uebergangsschichte mit Einlagen von Bänken 
feinen Sandes, der von Eisenoxyd gelb gefärbt erschien, und er überzeugte sich weiter, 
dass auf diesen Bänken eine Schichte gelblichen Tegels mit reicher Meeresfauna 
ruht. Die Schichtenfolge schloss dann eine Dank diluvialen Gerölles ab. Aus der 
oberen Bank eines gelblichen Tegels führt A. Æ. Reuss im Ganzen 202 Arten 
an, von welchen 32 auf die Foraminiferen, 11 auf die Korallen, 2 auf die Echiniden, 
T auf die Seewürmer, 7 auf die Bryozoen, 4 auf die Brachiopoden, 43 auf die 
Bivalven, 73 auf die Gasteropoden und 26 auf die Ostrakoden entfallen. 

In der Umgebung von Trieblitz erkannte und prüfte Reuss die miocaenen 
Ablagerungen unmittelbar hinter dem Bahnhofe. Auf Quadersandstein gelagert, fand 
er dort braunen, an Austernschalen reichen Tegel, darüber einen lichteren, asch- 
Srauen Tegel, dessen Mächtigkeit zu bestimmen, ihm nicht gelang, die er jedoch 
als unbedeutend schätzte. In dieser Bank wurden zahlreiche Limonitstückchen und 
viele Petrefacte sichergestellt. Wenige Arten, dafür aber ein grosser Individuen- 
Yeichthum. Insgesammt führt er von hier 15 Arten an, von denen 3 Lamellibran- 
chiaten und 12 Gasteropoden-Arten sind. Ausdrücklich bemerkt er, dass er Fora- 
Miniferen nicht entdeckt habe. Auch hier deckt das Miocaen eine Diluvialbank. 

Das Miocaendepót von Dóhm. Trübau fand er am wenigstens zugänglich. 
Tegel constatirte er ebenfalls im Bahneinschnitt südlich von der Stadt. An Petre- 
facten entdeckte er in dem dortigen Tegel blos die Art Nerita Grateloupana und 
Nerita picta, dann Melanopsis impressa. 

Einigermassen ausführlichere Nachrichten, als aus dem vorherigen Districte, giebt 
Reuss aus der Umgebung von Abtsdorf. Das dortige Tegeldepöt dehnt sich nach ihin 
Nördlich von der Ortschaft aus. Seine Ablagerungen sind von einer ziemlich mächtigen 
Diluvialschichte bedeckt. Unter dieser folgt ein gelblicher Tegel, reich an Austern- 
Schalen und Gehäusen von Cerithium lignitarum, unter welchem ein bläulichgrauer 

egel mit reicher Fauna liegt. Diese ist jedoch nur reich an Individuen, dafür arm 

n Arten ; denn schon Reuss führt ihrer nicht mehr als 12 an, u. z. eine Art Ko- 
e eren, eine Art Lamellibranchiaten, 8 Arten Gastropoden, eine Art Ostra- 
'Oden und schliesslich die in unseren heimischen marinen Ablagerungen seltene 
ut eines tertiären Säugethieres d. i. Dinotherium giganteum. 

Auf Grund dieser Studien gelangte A. E. Reuss zu der folgenden An- 
Schauung über das ostböhmische Miocaengebiet: die Ablagerungen der untersuchten 


ү r 
Pg Depóts, d. i. des Abtsdorfer, Trieblitzer, Rudoltitzer und Böhmisch- l'rübauer 
Ind o gleichalterig, von derselben Stufe. Sie stimmen überein mit den ausgedehnten mio- 


eae 
li enen Sediimenten der mährischen Gebiete, des Wiener Beckens, des galizisch- -podo- 
ig 

Schen u. a, Sowie in Mähren, hat auch in Böhmen eine Erosion und, vielleicht auch, 


eine locale Emporhebung die ehemals zusammenhängende Decke dieser Sedimente zer- 
rissen, welche uns heute wie Inselchen in einer Fluth jüngerer Gebilde erscheinen. 
Diese Inseln und Inselchen miocaener mariner Ablagerungen deuten die Ausdehnung 
eines einst grossen Meeresarmes an, welcher in das böhmische Gebiet längs einer 
grossen Dislocation eindrang, durch welche in der Permperiode aus Böhmen nach 
Mähren ein grosser Strom floss, später aber, zur Zeit der Kreideformation, eine 
Bucht bis gegen Blansko nach Mähren vordrang, während zur Miocaenzeit, auf 
dem entgegengesetzten Wege, hier ein mächtiger Meeresarm nach Böhmen, bis 
Böhmisch-Trübau sich ergoss. Die sich verringernde Mächtigkeit der neogenen 
Schichten in der Richtung von Mähren nach Böhmen findet ihre Beantwortung in 
den verkümmerten Arten. Dieser Umstand spricht dafür, dass das Meer hier eine 
kürzere Zeit gestanden, als in Mähren und dass auch hier seichter war, als in den 
mährischen Gebieten. Dass die neognen Depöts Böhmens mit denjenigen Mährens 
zusammenhängen, beweist der Charakter der Fauna. Hat doch das böhmische Neo- 
gen 79°/, der Arten mit den Tegeln des Wiener Beckens gemeinschaftlich. Die Fauna 
von Rudoltitz aber zeigt die meisten gemeinsamen Merkmale mit der Steinabrunner 
Fauna, woraus folgt, dass sie der Fauna der in die Leithakalkbänke gelagerten 
Tegel zu unterordnen sei. Dagegen zeigt die Fauna der Rudoltitzer Ablagerungen, 
noch mehr aber die Fauna von Trieblitz und Abtsdorf eine sehr starke Verwandt- 
schaft mit der Fauna der sogen. Cerithiensehichten u. a. sich durch einen grosesn 
Individuen- aber geringen Artenreichthum auszeichnend. Weitere Vergleichungen 
mit fremdländischer Fauna führten ihn zu dem Resultat, dass die böhmischen neo- 
genen Ablagerungen sehr jung sind, dass sie zu den jüngsten Ablagerungen des 
Wiener Beckens gehören, ja dass sie den subapenninen Schichten aus der Umge- 
bung von Castell arquato, noch mehr den pliocenen Schichten Siciliens näher 
stehen, als den jungen der hierländischen Gebiete. 

Zwei Jahre (1862) nach der Publikation der erwähnten Arbeit A. E. Reuss’s 
über die tertiären böhmischen Ablagerungen hat H. Wolf unser neogenes Gebiet 
geologisch aufgenommen. In seinem Berichte!) über die Resultate seiner Arbeit, 
die in den Publicationen der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien enthalten sind, 
schrieb er, dass die Gewässer des Wiener Beckens in das östliche Böhmen in zwei 
Armen eindrangen, von denen der eine bis Wildenschwert reichte, während der an- 
dere bis ZJofhwasser gieng. Ausserdem theilt er mit, dass er miocaene Tegel in 
der Umgebung von Rudoltitz, Landskron, Abtsdorf und Triblitz sicherstellte. Schliess- 
lich sind auf seinem geologischen Karten-Blatte „Leitomischl-Landskron“ noch die 
folgenden miocaenen Depöts verzeichnet: der Jockelsdorfer, der Lukauer, die nörd- 
liche hinter Thomigsdorf und der Schirmdorfer. 

Auch Prof. J. Krejčí hat alle diese miocaenen Districte sichergestellt; denn 
er führt sie alle und fast in denselben Dimensionen, wie Н. Wolf, auf seinem geo- 
logischen Karten-Dlatte der Umgebung von Pardubitz-Landskron an. Aber in seiner 
Geologie vom Jahre 1877, Seite 940, führt er sie nieht an; in dieser beschrünkt er 
sich ausschliesslich auf die Berichte von Reuss, er wiederholt kurz das, was dieser 
knapp erklärt hat, 


ID H. Wolf: Verhandl. der k. К. geologischen Reichsanstalt 1562, 


Nach diesen Arbeiten blieb das bóhmische Miocaen lange unbeachtet. Nur 
Seines Fossilienmaterials, das Reuss erbeutet hatte, wurde zeitweilig gedacht und 
das namentlich als einzelne Thier-Classen des Wiener Beckens und des ganzen 
inländischen Miocaens umgearbeitet wurden. So bestimmte A. E. Reuss viele seiner 
Foraminiferen, Ostrakoden, Bryozoen und Korallen, Manzoni die Bryozoen, E. 
Dreger die Brachiopoden, R. Hoernes und M. Auinger die Gastropoden neu. 


, Erst in den 70en Jahren wurde unseres Miocaens wieder gedacht. So von 
N ~ ` . d : 

Th. Fuchs, 1 der behauptete, dass die Rudoltitzer und Abtsdorfer Schichten zum 
Grunder Horizont gehören. Auch E. Tietze?) erwähnt ihrer; desgleichen E. Swess.") 


Einigermassen abweichend behandelt Dr. Fr. Katzer*) diese Sedimente. 
Offenbar ist dies infolge eines Missverständnisses oder eines Übersehens erfolgt, 
denn anders ist es nicht zu erklären. 


Heute giebt es doch nach dem heissen litterarischen Kampfe betreffs der 
Beziehung der Sedimente der mediterranen Stufe zu den Gebilden der sarmatischen 
und kongerien Stufe niemanden, der die Vermuthung aussprüche, dass unsere ost- 
bóhmischen miocaenen Sedimente der sarmatischen oder kongerien Stufe entsprechen. 
Und deshalb vermuthe ich, dass auch Dr. Fr. Katzer dies nicht gemeint hat. 


In letzter Zeit, dem Vorjahre, danken wir einen kurzen Bericht über 
ünser Miocaen dem Dr. E. Tietze.’) Tietze theilt in einem Reisebericht aus Lands- 
kron mit, dass er neogene Ablagerungen im östlichen Böhmen an verschiedenen 
Orten entdeckt habe und legt nachdrücklichst Gewicht darauf, dass er miocaene 
Tegel in der Umgebung von Wildenschwert entdeckt habe. 


Diese Entdeckung veranlasste Tietze, Dr. J. J. Jahn aufzuforden, nach- 
Zuforschen, und soweit dies angeht, sicherzustellen, ob die miocaenen Sedimente 
Sich nicht etwa längs des Adlerthales bis zur Elbe ausdehnen und ob sie westlich 
nicht über die Donau-Elbewasserscheide reichen. 


: Im Herbst des verflossenen Jahres veröffentlichte Dr. J. J. Jahn‘) das 
Resultat seiner Arbeit in dieser Richtung in einem Reiseberichte aus Hohenmauth, 
In welchem er mittheilt, dass er im Chotzen-Leitomischler Gebiete an 23 verschie- 
denen Punkten miocaene Sedimente sichergestellt habe u. z. im Flussgebiete des 
Adler bei Brandeis, südöstlich der Eisenbahnstation von Chotzen, östlich und west- 
Sich von Srub, bei Dobrikow, Zámrsk, St. Nicolaus, Radhošt und Uhersko, bei 
latin, Voklikov, Shakow, Kosofín, Norín, Dórflik, Sedliště, Kornic, Leitomischl, 
erekvic, Knfrov, Lhota, Luže, Neuen-Schloss und Budislau. 


1) Th. Fuchs: Die Versuche einer Gliederung des des Neogens im Gebiete des Mittel- 
Meeres 1885, 
la ?) HE. Tietze. Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogen in den Österreichischen 
ändern. 1884, 
?) E. Suess. Das Antlitz der Erde. Bd. II. S. 410. 
^) Fr. Katzer. Geologie von Böhmen. S. 1428. 
5 E. Tietze. Reisebericht aus der Gegend von Landskron in Böhmen. 1893. S. 263. 


Seit *) J, J. Jahn. Bericht über die Aufnahmsarbeit im Gebiete von Hohenmauth-Leitomischl. 
е 275, 


14 


Vom Miocaen der Olmützer Umgebung sprechend, erinnert Dr. E. Tietze") 
an die erwähnten Entdeckungen Jahns und bemerkt, dass, falls später palaeonto- 
logisch sichergestellt wird, dass Jahns miocaene Depóts factisch miocaener und 
mariner Natur seien, es nothwendig sein werde, die westlichen Grenzen des mio- 
caenen Meeres wohl weit im westlichen Elbegebiete zu suchen. 

Es ist natürlich, dass mir vor allem darum zu thun war, palaeontologisch 
nachzuwiesen und überhaupt sicherzustellen, in wie weit Jahns Ansicht über 
die weichen Tegel der Chotzen-Leitomischer Gegend berechtigt ist. Die Resultate 
meiner Untersuchung habe ich in den Abhandlungen der kgl. böhmischen Gesell- 
schaft der Wissenschaften niedergelegt. ?) Durch sie ist klar erwiesen, dass die er- 
wähnten Jahn'schen Tegel weder mariner noch miocaener Natur seien, sondern, dass 
es, wie schon früher J. Krejčé und A. Frič sichergestellt haben, aufgeweichte, an 
zahlreichen Stellen durch Regenwasser verschwemmte und neuerdings umgelagerte 
dünnblättrige Tegel der Priesener vielleicht auch der Teplitzer Stufe sind. 


1) E. Tietze. Die geologischen Verhältnisse der Gegend von Olmütz. S. 165, 
2) V. J. Procházka, О území tak zvaných mořských jílů miocaenních mezi Chocnf a Lito- 
myšlí, Nr. 31. -- Verhandl. d. geolog. Reichsanstalt S. 277. 


Das Gebiet der marinen Tegel. 


Unsere bisherigen Kenntnisse hinsichtlich dieses, wie es sich uns heute 
Präsentirt, ziemlich ausgedehnten Gebietes beschränkten sich blos auf die Berichte 
A. E. Reuss’ens über den Rudoltitzer Tegel, die in der hier bereits erwähnten 
Abhandlung über die tertiàren, böhmischen, marinen, miocaenen Schichten aus den 
60er Jahren enthalten waren. 

Ich lege hier besonderen Nachdruck darauf, dass diese Berichte Reuss'ens 
Sich ausschliesslich auf eine eingehendere Kenntnis der Fauna des Rudoltitzer 
Tegels stützten. Dass dem so ist, davon überzeugen uns seine Schlussfolge- 
rungen, einerseits betreffs der ganzen Charakteristik dieses Districtes, anderer- 
Seits der Umstand, dass er von Rudoltitz sprechend, die übrigen Fundorte, Abts- 
dorf und Trieblitz, deren Fauna er auf das Niveau der Fauna der sarmatischen 
Stufe, oder wie er sich, den damaligen Anschauungen entsprechend, ausdrückt, der 
eerithischen Schichten, stellt, beiseite lässt. 

Soweit es sich um diese Berichte Reuss’ens handelt, muss gerechterweise 
von ihnen gesagt werden, dass sie sehr werthvoll und richtig sind und dass 
Sie etwa nach Bedarf für die eine oder die andere Anschauung sich nicht 
entstellen lassen. 

ч Als ich die Literatur über dieses unser Gebiet studierte, war es mir an- 
fünglich auffällig, warum neben Rudoltitz, Abtsdorf und Trieblitz nicht auch die 
anderen Fundorte berücksichtigt wurden, deren es auf der alten Leitomischl-Böhm.- 
Trübauer Karte der Wiener geologischen Reichsanstalt genug verzeichnet giebt 
ebenso auch auf der geologischen Karte Prof. J. Krejét's betreffend die Umgebung 
Von Pardubitz Chrudim-Leitomischl. Die Sache wurde mir bald klar, als ich erfuhr, 
dass die Miocaen-Depöts auf den Blättern der Wiener geologischen Reichsanstalt 
(Lukau, Thomigsdorf, Landskron, Třemošná, Rothwasser, Wernsdorf, Schirmdorf, 
Rudoltitz, Abtsdorf, Trieblitz, Böhmisch-Trübau und Wildenschwert 77. Wolf im Jahre 
1862 geologisch ausgeschieden hatte, und dass А. E. Reuss in der Gegend von 


Rudoltitz, Abtsdorf, Triblitz und Böhmisch-Trübau vor dem Jahre 1860 gewesen 
Ist, woselbst er seine Beobachtungen auf die Einschnitte der damals neuerbauten 
Eisenbahn concentrirte. 

" H. Wolf, der gewöhnt war, auf den mährischen, nieder- und ober- 
Österreichischen miocaenen Fundorten stellenweise Massen von Petrefacten zu 
Sehen, konnte in seinen Berichten über unsere miocaenen böhmischen Localitäten 
nicht anders schreiben, als dass sie bis auf jene von Rudoltitz, Abtsdorf und 


16 


Trieblitz Petrefacten nicht enthalten. Allerdings waren derartige Berichte nicht ge- 
eignet, jemanden zu Untersuchungen zu bewegen, Es ist daher begreiflich, dass 
sich nicht einmal Reuss selbst in unserem Gebiete wieder einfand, um das zu voll- 
enden, was er mit so glücklichem Erfolge begonnen hatte. Seit jener Zeit, bis in 
das vorige Jahr, lag die Forschung unseres miocaenen Gebietes brach. Trotzdem 
djes der Fall war, wurden verschiedene Urtheile betreffs desselben abgegeben, doch 
geschah dies immer auf Grund der Arbeit A. E. Reuss’ens. Dabei handelte es sich 
immer nur um eine Parallelisirung unserer Ablagerungen mit anderen und um die 
Abgrenzung ihres Niveaus im inländischen, miocaenen Schichtensystem. A. Æ. Reuss 
ist, wie bekannt, zu dem Urtheil gelangt, dass man die Rudoltitzer Tegel als analog 
mit den Steinabrunner betrachten müsse. Anders entschieden hierüber später 
Th. Fuchs und R. Hoernes. Indem sie einigen Arten (wie z. B.: Cerithium lignitarum), 
Bedeutung beilegten, sprachen sie die Ansicht aus, dass diese Sedimente dem 
Grunder Horizont angehören. 

In wie weit die eine oder die andere Ansicht den Thatsachen entspricht, 
wird aus dem weiter unten geführten Beweise hervorgehen. 


Rudoltitz. 


Das Rudoltitzer Depöt der miocaenen Tegel ist unstreitig das wichtigste 
von allen ostbóhmischen neogenen Districten. Seine Wichtigkeit liegt einerseits in 
der ziemlich reichen Fauna, deren Bild — auch so weit dasselbe jetzt bekannt ist 
— einen tiefen Blick in das organische Leben der bis in diese nordwestlichen Ge- 
genden ausgreifenden seichten Bucht des einst weit ausgedehnten, das ganze Mähren 
überfluthenden und tief in das böhmisch-mährische Plateau reichenden miocaenen 
Meeres gewährt, andererseits darin, dass in demselben eine klare Anschauung von 
der unbedeutenden Mächtigkeit der miocaenen Ablagerungen unseres ostbóhmischen, 
miocaenen Gebietes gewonnen werden kann. 

Ausserdem hat dasselbe gleichzeitig eine geschichtliche Wichtigkeit. Ist doch 
Rudoltitz jene Fundstelle, wo in Böhmen die ersten Nachrichten über das marine 
Miocaen gesammelt wurden. Hier befindet sich auch bisher der einzige, einiger- 
massen reichere Ort, von wo aus die Berichte über den Charakter des ganzen Gebietes 
versendet wurden. Dass diese Berichte häufig überschätzt wurden, das braucht nicht 
verwunderlich zu erscheinen, geschieht doch das fast immer, wenn es an Belegen 
mangelt und diese durch eine oft üppige Phantasie zu ersetzen getrachtet werden. 

Richtig ist jedoch, dass die ganze, kleine Rudoltitzer Niederung noch heute 
von miocaenen Tegeln ausgefüllt erscheint. Mit dieser Ansicht stimmt vor allem 
die Lage, weiter die Gestalt des Grundgebirges und endlich die Mächtigkeit der 
im Eisenbahneinschnitt aufgedeckten Tegel. Wenn sich jedoch heute das Rudoltitzer 
miocaene Depót als eine kleine Insel prüsentirt, dann liegt die Ursache in der Decke 
von jüngeren und jungen Sedimenten, deren Mächtigkeit stellenweise auffällig anwächst, 
während sie anderswo auf einen dünnen Ueberzug zusammenschrumpft. Die Gestalt 
der Unterlage und ihre Ausgänge bestimmen die Richtung, in welcher dieser miocaene 
District mit dem nachbarlichen Thomigsdorf- Lukauer im Süden und dem Lands- 


17 


kroner im Norden zusammenhängt. Von der Form des Grundgebirges liess sich H. Wolf 
leiten, als er dieses miocaene Depót auf seiner geologischen Karte abgrenzte und 
ebenso J. Krejéí, denn nur hiedurch lässt sich die Verlängerung des Rudoltitzer 
Miocaenen Districtes in der Richtung zu den nachbarlichen Districten auf jenen 
geologischen Karten erklären. Und das war eben der Grund, dass auf jenen Karten 
auch dort Miocaen zu finden ist, wo wir es an der Oberflüche, nach jenen Angaben, 
vergeblich suchen. . 

Hier muss ich jedoch eine Bemerkung einflechten, welche die Umstände 
betrifft, unter welchen A. Æ. Reuss das Rudoltitzer Tegel-Depôt beobachtet hat 
und wie ich es gefunden, als ich dasselbe begieng und daselbst meine Untersuchungen 
anstellte. 

Schon der Umstand, dass A. E. Reuss sich in der Gegend aufhielt, als 
der Rudoltitzer Bahneinschnitt hergestellt wurde, d. i. als alles zur Durchforschung 
aufgedeckt und offen da lag, während ich nach etwa 36 Jahren an Ort und Stelle 
kam, die Einschnitte begrast, von Steinterassen durchflochten und die Tegel nur 
an einigen Stellen abgegraben und zugänglich findend — illustrirt zur Genüge den 
Unterschied der Verhältnisse und gestattet eine Abschätzung der Ergebnisse. 

Mit Rücksicht auf diese Umstände halte ich es für unerlässlich, kurz und 
bündig die Beschreibung der Lagerungsverhältnisse anzuführen, wie sie von Aeuss 
In jenen Jahren bestimmt wurden. Hierüber schreibt A. Е. Reuss in der früher 
erwähnten Arbeit zunächst, dass er als unterste miocaene Schichte erkannte: Ent- 
weder einen aschgrauen oder blaugrauen Tegel, enthaltend zahlreiche, in Lignit 
verwandelte Holzbruchstückchen nebst unzähligen Austernschalen von ziemlicher 
Grösse. Andere Petrefacten fand er in diesem Tegel nicht. Auf diesem Tegel, 
theilt er weiter mit, liegt eine Tegelbank von gelblichgrauer Farbe, von sandiger 
Beschaffenheit mit sehr viel Versteinerungen, welche einige dünne Schichten, theils 
lockeren, theils harten, eisenhaltigen Sandsteines ohne Petrefacten bedecken. Das 

angende dieses Schichtencomplexes fand er zusammengesetzt aus diluvialem Gerölle, 
Oberhalb dessen das Schiehtensystem eine Lehmbank abschloss. 

| Soweit A. E. Reuss über die Rudoltitzer Lagerungsverhältnisse und Schichten- 
folge der miocaenen Sedimente. Heute sind die Umstände allerdings erschwert. und 
Müssen auch diese іп Erwägung gezogen werden. Aber trotzdem wird es uns 
gelingen, viele Dinge herauszufinden, die im Stande sind, das Bild Reuss'ens zu ergänzen 
Und zu beleuchten. Gleichzeitig müssen wir uns vor Augen halten, dass nicht alles, 
was Reuss entdeckt hat, auch uns zu erforschen gelingen wird, nichtsdestoweniger 
vermag eine zweckmässige Combination der erforschten Thatsachen der Erklärung 
helfend beizuspringen. 

' Was gleich Anfangs unangenehm wirkt, ist der Umstand, dass unter den 
derzeitigen Verhältnissen es nicht gelingt, unter den dortigen miocaenen Schichten 
Jene Tegelbank aufzudecken, in der Reuss einen auffälligen Reichthum an Austern 
SUE viel in Lignit verwandelten Holzes vorfand. Mich hat dieser Umstand in 
keiner Weise stutzig gemacht; im Gegentheile, ich habe ihn natürlich gefunden, 
Nachdem ich mich früher in der Umgebung von Abtsdorf überzeugt hatte, dass 
daselbst Austern nur an manchen Stellen in grösserer Zahl auftreten, während wir 
Ste anderswo in derselben Tegelbank vergeblich suchen. 


18 


Ebenso blieb das Suchen nach Sandbänken im Rudoltitzer Einschnitte 
resultatlos, von welchen Reuss mittheilt, dass sie bis zu hartem Sandsteine ab- 
wechseln und auf dem oberen, gelbgrauen Tegel aufgelagert sind. Den Grund, 
warum wir von diesen Bänken heute auch nicht mehr eine Spur finden, schreibe ich 
einerseits den ungünstigen Umständen, andererseits der unbedeutenden Ausdehnung 
der zugänglichen Schichten, dann aber besonders dem Umstande zu, dass diese 
oberen Bänke theils weggeführt, theils mit dem, aus dem Einschnitt gewonnenen 
Materjal verschüttet sind, wodurch man den Einschnitt seit Jahren erweitert, um 
das fortwährende Rutschen und Reissen desselben zu verhindern. 

Von diesen Reuss’schen Sandbänken unterscheide ich streng eine ganz 
dünne Bank feinen Sandes, die in den oberen, gelben Tegel hineingelagert ist. 
Ich erblicke nämlich den Unterschied zwischen diesen petrografisch verschiedenen 
Ablagerungen nicht nur in der verschiedenen Lage, sondern auch in dem abwei- 
chenden Charakter der Fauna. 

Diese interessante Sandeinlage deckte ich im Bahneinschnitt auf, als ich 
mich bemühte, ein für die Untersuchung günstiges Profil in den dortigen Schichten 
zu finden. Dieses erkannte ich unterhalb des Wächterhauses No. 264, wo der gelb- 
liche Tegel in seiner natürlichen Lage, direct auf seiner Unterlage, dem permischen 
Sandstein aufruht Es ist das derselbe Tegel, von dem Reuss sagt, dass er auf 
grauem Tegel liegt. Dass dies thatsáchlieh der Fall, davon gibt seine Lage Zeugniss, 
denn er liegt höher als der graue Tegel, am Boden des Einschnittes, im Niveau 
der Schienen, wo er zu Tage tritt. 

Dieser graue, bis blaugraue Tegel, führt, soweit ich mich persönlich über- 
zeugte, an jenen Stellen, wo er heute aufgedeckt ist, keine grössere Menge von Austern- 
schalen. Nur hie und da stossen wir auf ein vereinzeltes Bruchstück, Auch auf 
einem Tegelhaufen aus dem Einschnitte schnüffelte ich ohne Erfolg umher, um den 
Ort zu finden, an dem sich für Reussen’s Ansicht eine Stütze ergeben, d. i. des 
Vorhandenseins einer grossen Anzahl von Austernschalen. Damit verliert die 
Ansicht Reussen’s in keiner Weise an Glaubwürdigkeit, im Gegentheile, sie beweist, 
dass, wie anderswo, auch hier die Austern sich auf die Sedimente des unteren 
grauen und blaugrauen Tegels uud auf jene Stellen beschränkten, wo sie während 
deren Sedimentation die günstigsten Lebensbedingungen vorfanden. 

Was den petrographischen Charakter dieses grauen Tegels anbelangt, so 
stimmt er ganz mit dem Abtsdorfer Tegel überein, der an Austernschalen reich ist, 
dann mit dem Tegel von Trieblitz und schliesslich mit Tegel der unteren Bank der 
Umgebung von Rybnik, welcher, sowie dieser, auch nicht eine Spur von Petrefacten 
enthält. 

Der Gesammtcharakter dieses blaugrauen Tegels zeigt sich nach vielfacher 
Richtung übereinstimmend mit dem Charakter der brackischen Tegel. Wenigstens 
zeugt hievon sein Reichthum an Austern und die Abwesenheit von rein marinen 
Arten. Das endgiltige Urtheil darüber, von welcher Facies er ist, ob von bracki- 
scher oder mariner, übelasse ich einer späteren Untersuchung, welche wohl auch 
die bisher unbekannte Fauna aufdecken wird. 

Wichtiger als dieser Tegel ist der Tegel aus höheren Lagen und vou 
gelbgrauer bis gelber Farbe. Er ist es eigentlich, auf Grund dessen Fauna 


19 


A. E. Reuss das hochinteressante Bild der physikalischen Verhältnisse der 
ostböhmischen miocaenen Bucht und ihr Verhältnis zu dem übrigen neogenen 
Meere entwarf. 

An welcher Stelle des Eisenbahneinschnittes Reuss in diesem Tegel seine 
Fauna erbeutete und zusammenlas, ist mir, zu erforschen, nicht gelungen. Aus seiner 
Beschreibung geht jedoch klar hervor, dass er dieselbe anderswo erbeutet hat, als 
ich diesmal die meine. Darüber legt einerseits die Angabe Zeugnis ab, dass seine 
Bank gelblichgrauen Tegels direct auf dunkelblauem Tegel aufruhte andererseits 
einige Unterschiede, welche meine Fauna von der seinen trennen. 

Wie schon früher erwähnt, wurde dieser Tegel, der in der Böschung des 
Risenbahneinschnittes unterhalb des Wächterhauses blosgelegt worden ist, direct 
auf Permsandstein aufruhend, befunden. Die Bank erreicht hier eine Mächtigkeit 
von etwa 0'8 m. und ist in ihrem oberen Theile durch ein schwaches Bänkchen 
feinem Quarzsands unterbrochen, bedeutende Mengen mittelgrosser, ja bis grosser 
Austernschalen von Ostrea giengensis Schloth sp. einschliessend, die jedoch ziemlich 
Schlecht erhalten sind. Diese Schalen zerfallen augenblicklich, sobald wir sie 
herauszuarbeiten beginnen, so das es nirgend gelang, freie, ganze und erhaltene 
Einzelstücke zu erlangen. 

Der petrographische Charakter des Tegels oberhalb und unterhalb der 
Sandeinlage ist derselbe. In beiden Lagen ist er fein, plastisch und aus beiden 
Bänken geschlemmt, hinterlässt er eine bedeutende Menge überaus feinen Sandes, 
aus kleinen Quarzkörnchen bestehend, die von Eisenoxyd verfärbt sind. Dieser 
Sandigen Beimengung ist im demselben mehr, als in den unteren Tegeln ent- 
halten. Wir sind daher berechtigt, ihn mit Reuss als einen sandigen Tegel 
anzusehen. Ein anderes Detrit wurde in demselben bisher nicht nachgewiesen. 
` Seine reiche Fauna ist vielfach herrlich erhalten. Die Gehäuse, z. D., der 
Foraminiferen, Gastropoden ete. haben einen braunen Anhauch, der jedoch nicht so 
Intensiv ist, wie z. B. derjenigen aus dem Trieblitzer oder Abtsdorfer "Tegel. Voll- 
Ständig erhalten wurden bisher nur die Gehäuse, der Mikrofauna sichergestellt. 

erkwürdig ist, dass nur die Schalen der Ostrakoden in dieser Hinsicht eine 
Ausnahme machen, denn diese sind in der Regel zerschlagen und nur sehr selten 
Sanz. Wenigstens ап. der Stelle, von welcher mein Material herrührt, ist dies der 
Fall; ob Reuss dieselbe Beobachtung gemacht, hat, kann ich im Momente nicht 
Entscheiden, da er nirgens darüber, wie die Gehäuse und Schalen dieser Classen 

erhalten sind, sich vernehmen lässt. 
Wie auf anderen, miocaenen, inländischen Gebieten habe ich auch hier den 
alten, nach meiner Ansicht, einzig zum Ziele führenden Vorgang bei der Aus- 
Aare und Sicherstellung des palaeontologischen Schichten-Cha trakters beibehalten ; 
: eschränkte mich nämlich auch diesmal nur auf eine bestimmte, nach längerer 
rwägung als günstigst befundene Schichte, in die erhaltene Fauna nichts auf- 
Nehmend, was von wo andersher kommt, selbst wenn es aus demselben Niveau, 

derselben Schichte herrührte. 

e н in dem weiter unten angeführten Verzeichnisse wurde aus 
К; гш schweren Tegelstücke ausgeschwämmt. Auf diese Weise habe 
utritt fremder Elemente verhindert, die nur Verwirrung verursacht hätten 


9* 


20 


und erzielte damit, dass wir in dieser Fauna ein thatsächliches, directes und wahres 
Bild besitzen, einen reinen Typus des gelblichen Rudoltitzer Tegels, der es dann 
ermöglicht die Abweichungen zu erkennen, die bei einem anderen Untersuchungs- 
vorgang entweder undeutlich hervortreten, oder gänzlich verschwinden. 


Die Fauna des Rudoltitzer Tegels. 


Pisces. 


Otolithus (Gobius) Fridi, Proch. . 
» , Воһетісиѕ, Proch. 
a » praeclarus, Proch. 
B „ Rudolticens., Proch. 
` „ elegans, Proch. 
,  (Beryeidarum) Moravicus, 
TOOL 
e „ pulcher, Proch. 
i „ Kokeni, Proch. . 
y » fragilis, Proch. 
„ (inc. sedis) formosus, Proch, 
Ostracoda. 
Bairdia subteres, Rss. 
Cythere Edwardii, Röm. . 
" hystrix, Rss. . 
Cytheridea Mülleri, Münst. 
Gasteropoda. 
Buccinum Hoernesi, R. Hoern. u. A. . 
РОО W. a rn. 
ПОЛИ doli. оО. 
к scabrum, Olivi 
WA ae ena ME) БОТ 
e Archimedis, Brong. 
^ bicarinata, Eichw. 
Fossarus costatus, Broce. . . 
Caecum glabrum, Mont. sp. 

i wachoa, Mont, „о. + 
Odontostoma plicata, Mont. . 
Turbinella costellata, Grat. 

Ў pusilla, Phil. . . 
i subumbilicata, Grat. 


ET 


h 


vc 


88 


Turbinella pygmea, Grat. . . 
Natica redempta, Michti . . 
Jhemnitzia Reussi, M. Hoern. 
Rissoa Moulinsi, d'Orb. . 

„ angulata, Eichw. . 

»  Montagni, Payr 

ya Venus, ООО. и 


Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. 


H 


Melanopsis tabulata, M. Hoern. 


Fissurella Italica, Defr. . . 
Puneturella ornata, Rss. 
Dentalium mutabile, Doderl. . 
a Jani, M. Hoern. 
j entalis, Linné . 


N Michelotti, M. Hoern. 


Chitonidae. 


Chiton Reussi, Proch. 
„  denudatus, Rss. . i 


Lamellibranchiata. 


Gastrochaena dubia, Rss. . 
Teredo Norvegica, Spengl. . 
Corbula gibba, Olivi . . 

а carinata, ријата. . 
Venus fasciculata, Rss. . 

»,  Pasterotti, Desh. 


Cytherea вр. . ... Б ДЕ 
Ciree minima, Mont... . . 
sardium papillosum, Poli . . . 


Chama gryphoides, Linné . 
Lucina Dujardini, Desh. 
»  Spinifera, Mont. 
ио APRSSIZII. МС. 
EC dal CRT 


1) Erklärung der Abkürzung: s bedeutet, dass die betreffende Art selten, ss sehr 
selten, A häufig, Ah sehr häufig vorkommt. 


Lucina oxista: Jo Wie sar MOSS Bulimina, affinis, d'Orb.. .....һ 
Cardita rudista Lam. . . . . .ss " ovata, а Олио 
равен c Goldin в d pupoides, d'Orb.: s. ss. 88 
No AA E E E " aculeata, 0 О; ee 
Nucula nucleus, Linné ee Virgulina Schreibersiana, CZiz. . . 8 | 
Leda ЛАС, Chema. 2 cio. 088 Bolivana robusta, Brady . ... 58 | 
оа Восе оро. В » puncta, ОО Ne. 
Arca NOB «ШИП E Lagena.strumosa, Rss. . . . . . . 88 
Buy: Damur qd neun USB б SU EE A ER 
Notes, Ший Ju 43 5688 Nodosaria venusta, Rss. . . . . h 
clathrata, Dein, or sn mens SS j (D) acuta, ШОР x. ов | 
Modiola Hocinesi, Ross e . 88 4 (D) acuticauda, Rss. . . ss | 
» marginata, Eichw. . KSE ў (D) elegans, d'Orb. . . . ss | 
Ostrea giengensis, Schloth. sp.. . .h E (D) Römeri, Neugeb. . . 5 | 
Ў (D) pygmaea, Neugeb. . . ss | 


Brachiopoda. s (D) bifurcata, d'Orb. . . 85 


Megerlea oblita, Miehti. . . . . .h ni (D) scabra, Res. . . . . hh | 
Marginulina Hoernesi, Rss. . . . .h | 
Bryozoa. " similis, d'Orbh; v. о. 88 
ОЯ NA рев т Cristellaria ande Month . 08 | 
етїоротга, еб Йй. : j { ' 8 i ice A Ж EN 9 | 
eteropora stipilata ER й ает à a UB dum | 
КК лата, farciminoides, Johnst. . Bs | en ER TENER | 
КАШ ste йы = Si i " depauperata, Rss. Ne) | 
Ee el Polymorphina problema, d'Orb. . . 8 
Echinodermata. S nequam Mp | 
| М digitalina, d'Orb. а.в | 
Diadema GR Ger EE Globigerina bulloides, d'Orb. . . . 8 | 
Verschieden geformte Stacheln . . . h | bulloides var. triloba, Rss. s 
Truncatulina lobatula, Walker u. Jacob. h 
Vermes. Ў Haidingeri, d'Orb. . . 8 
Serpula Она: Bs. (2:54 258 2 Ungeriana, Ог... . .s 
Rc ronagoie ВВ ach H " Dutemplei, d'Orb.. . .s 


ОДЕСИ, Ras. sos. ти ов » prapginata, Кап, Sp. ono di 

Anomalina Austriaca, d'Orb. . . . 8 

Anthozoa. " Вайепве, d'Orb. ....1һ 

Rotalia beccarii, Linné sp. . . . .8 
3 


The , 
a cocya h S du a iq 3S V x М 
yathus microphyllus, Rss. . o Nonionina communis, d'Orb. . . . .h 


Olenastraea tenera, Rss. . . . . .8 


aus | N umbilicata, Mont. sp. . .h 
иа Confer, Res. . . CH Don ee d 
` D ) VR IRRE EE 
i MO Polystomella crispa, Lam. . . . . hh 
l'oraminifera. fle Ben " 
n i N exuosa, d'Orb. . Sen 8 
Шага carinata, d'Orb. ....һ * striatopunctata, Ficht. 
8р. ЕЕЕ u.c МОЦ ара wn ui 


» 
Verneuilin 


A Spinulosà, SESS. ов " macella, Ficht. u. Moll. sp. s 


Léi 
DD 


Vergleichen wir dieses Verzeichnis der Fauna mit demjenigen Reussen’s, 
wird es uns auffallend, dass es weniger Arten enthält, als jenes. Daraus, dass es 
nur 134 Arten umfasst, während jenes Reussen’s 202, also um 68 mehr aufweist, 
ist klar, dass unsere Fauna entweder einer anderen Schichte angehört, oder dass 
Reussen’s Fauna ein Gemenge von Faunen verschiedener Orte und vielleicht 
auch aus verschiedenen Bänken enthält. Dafür spricht einerseits die Anwesenheit 
von brackischen Arten, andererseits die grosse Individuenzahl dieser im Reuss’schen 
‘Verzeichnisse und auch die Abweichungen, die z. B. darin bestehen, dass das 
erwähnte Verzeichnis eine bedeutende Anzahl von Ostrakoden- und Gasteropoden- 
Arten enthült, dagegen aber viel weniger Foraminiferen-, Lamellibranchiaten- und 
Fischotolithen-Arten, als die diesmal ausgeschlemmte Fauna. 

Dazu muss ich ferner bemerken, dass der Reichthum des Rudoltitzer 
Schlemmrückstandes an Petrefacten nicht gerade übergross ist, aber auch unbedeu- 
tend kann er nicht genannt werden. Er nimmt etwa die Mittelstellung zwischen 
thatsächlich reichen, die hunderte von Arten und tausende von Individuen liefern, 
wie z. B. der Tegel von Borač bei Tischnowic in Mähren oder der blaugraue 
feine Tegel von Lažánky bei Ruditz (ebendaselbst) u. a. — und armen, wo nur 
hie und da sich ein Petrefact findet. 

Diesmal gewährte der Schlemmrückstand des Rudoltitzer Tegels eine Fauna, 
wie bereits erwühnt, von 134 verschiedenen Arten, von denen den Fischotolithen 11, 
den Ostracoden 4, den Gastropoden 29, den Chitonen 2, den Lamellibranchiaten 28, 
den Brachiopoden 1, den Bryozoen 5, den Vermes 3, den Anthozoen 3 und den 
Foraminiferen 48 angehörten. Die Echinodermaten lassen sich nicht artenmässig 
feststellen, nachdem von denselben nur die Stacheln und die Ambulakralplatten 
sich erhalten haben. 

Bis auf die Fischotolihen waren Reuss alle übrigen, der hier angeführten 
Thierelassen bekannt. Warum ihm die ersteren nicht aufgefallen waren, und warum er 
von denselben keine Notiz nahm, trotzdem es wahrscheinlich ist, dass er auch hier 
auf sie stiess, liegt im Zug seiner Zeit, welche diesen und ähnlichen Thierresten 
eine grössere Aufmerksamkeit nicht widmete, viel und vollständigeres Material zur 
Verfügung habend, das zu durchforschen und zu studiren überaus nothwendig war. 
Heute ist das allerdings ganz anders. Man beachtet auch diese Resten und das 
aus verschiedenen Gründen. Soweit es sich um die Fischotolithen handelt, sind 
diese Gründe folgende: Lange hielt man an der Hoffnung fest, dass es auch 
in den jüngeren Tegeln doch irgendwo auf ihrem ausgedehnten Gebiete glücken 
werde, eine reichere Fischfauna zu entdecken, welche, wenn auch kein voll- 
ständiges, so doch ein annähernd richtiges Bild der Tertiärzeit bieten würde. 
Allein, diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Heute überblicken wir fast alle 
tertiären Districte in Europa und kennen ziemlich gut die Fauna, wenigstens ihre 
reichhaltigsten Gebiete, aber wir forschen bisher vergeblich in den feinen miocaenen 
marinen Tegeln und den ihnen entsprechenden Schiefern nach einer reichen Fisch- 
fauna mit Repräsentanten, die in Abdrücken vollständig erhalten wären. Gleichzeitig 
mit dieser negativen wurde eine andere Entdeckung gemacht; es wurden nämlich an 
vielen, verschiedenen Orten kleine Gehörknöchelchen von Fischen ausgeschlemmt, 
von welchen schon früher genügend bekannt war, dass sie hinreichend verlässliche 


28. 


Merkmale zur Bestimmung der Familie und der Art bieten. In Deutschland begann 
K. Koken in dieser Richtung die Fischotolithen zu studieren. Seine Resultate be- 
wogen dann auch mich, diesen thierischen Resten auf dem Gebiete des mährisch- 
niederösterreichischen Miocaens meine Aufmerksamkeit zu widmen und dadurch 
114 verschiedene Fischarten zu bestimmen. Es ist daher, wie ersichtlich, ganz na- 
türlich, dass ich, als ich in dem Rudoltitzer Schlemmrückstande Otolithen entdeckte, 
nicht säumte, sie sofort zu beschreiben und sie, soweit neue Arten unter denselben 
auftauchten, auch abbildete. Sowie an anderen Orten des inländischen Neogenge- 
bietes, so war auch hier meine erste Arbeit, nachdem ich im Rudoltitzer Tegel die 
Otolithen bestimmt hatte, ihr Verhältniss zum Charakter der übrigen, dortigen Fauna 
zu erforschen. Und zu meiner Genugthuung fand ich auch hier, dass der Charakter 
derselben sich innig dem Charakter der übrigen Thiergruppen anschmiegt und dass 
eigentlich die Fischotolithen, die auf Grund des Vorhandenseins der übrigen Thier- 
Classen geschöpften Conclusionen vertiefen und erhärten. Dass dem so sei, dafür 
Sprieht klar und laut, dass von den damals aufgefundenen Otolithenarten (11) die 
übergrosse Mehrheit Vertreter der Gruppe Gobius waren, während die übrigen der 
Gruppe Berycidae angehörten. Von den Gobien ist bekannt, dass sie in den Ufer- 
Sewüssern leben, an seichten Stellen, die hohe See meidend — und diese über- 
wiegen in den Ablagerungen der böhmischen Bucht. Betreffs der Beryciden, die ich 
diesmal sicherstellte, überzeugte ich mich schon früher, dass das Arten sind, deren 
Wir im westlichen und nordwestlichen Mähren fast überall begegnen, die aber in 
grosser Individuenzahl in den Tiefseeablagerungen anzutreffen sind, während sie in 
den Sedimenten des seichten und seichteren Meerwassers selten sind. 

6 Nicht minder interessant, als die vorhergehende Thiergruppe, sind die 
Östracoden. Ich wiederhole neuerdings, dass der Unterschied, den ich zwischen den 
Ostrakoden der Reuss’schen Fauna und der hier citirten kein zufälliger ist, sondern 
dass er auf einer festen Grundlage physikalischer Veränderungen ruht. Ich würde 
vielleicht diesem Umstande keine grössere Bedeutung beimessen, wenn ich nicht 
früher ein ähnliches Verhältnis erkannt hätte, nicht etwa zwischen zwei Faunen 
desselben Ortes, die von zwei Autoren gesammelt wurden, sondern zwischen den 
‘aunen von Bänken, die aufeinander westlich von Lomnička in Mähren direct auf- 
lagen. у , 

| Im Lomnicker miocaenen Schichtencomplexe tritt in dem oberen, gelblichen 
Tegel eine Bank weichen Leithakalkes hervor, die bis auf das Dindemittel aus- 
schliesslich aus den Schalen der Mikrofauna zusammengesetzt ist, an welcher 
Zusammensetzung sich ausser den Foraminiferen, Mollusken, der Hauptsache 
Nach, Ostrakoden, betheiligen. Der Individuen- und Artenreichthum derselben ist 
Seradezu auffallend gross, so dass ich berechtigterweise die ganze Schichtenlage 
arnach benannte. Das eingehende Studium der Ostrakodenfauna dieser Schichte för- 
derte zu Tage, dass diese Fauna ihrem Wesen nach ein verstärkter Typus der Fauna 
des Tegels ist, der das Liegende der Ostrakodenbank bilde und dass die Fauna 


1 


V. J. Procházka: Vorläufige Mittheilung über die stratigraphischen und faunistischen 


VO TNR 1 
x due des Miocaen von Mähren, Sitzungsber. der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften. Jahrg. 
9. 8, 361, 


24 


des übergelagerten Tegels nichts — als ein verwandtes Überbleibsel jenes Ostra- 
kodentypus ist. Daraus ergiebt sich natürlich, dass die Entfaltung der Ostrakoden 
von. den Lebensbedingungen abhängig ist und dass diese, auf demselben Distriete 
verschieden, auch eine verschiedene Entwickelung desselben Typus im Gefolge 
hatten. Nun ist man im Stande, sich zu erklären, wie es möglich ist, dass A. К. 
Reuss in derselben Schichte 23 Arten fand, in der es uns selbst nur glückte, 
4 Arten sicherzustellen. Bei dieser Gelegenheit, will ich auch der Grösse der Ostra- 
koden gedenken — im Hinblick auf die Anschauung Reussen's von der Zwerghaf- 
tigkeit der marinen Arten auf dem Gebiete des böhmischen Miocaens — als eines 
wichtigen. Merkmals. Als ich von der vorhergehenden Gruppe sprach, erwähnte ich 
dieses Merkmals nicht, dies für eine überflüssige Sache haltend, allein, hier halte 
ich es für. vortheilhaft, nachdrücklich daran zu erinnern, dass weder an den Oto- 
lithen, noch an den Ostrakoden auch nur ein Zeichen wahrzunehmen ist, das für 
die Ansicht Reussen’s sprechen würde. Im Gegentheil ich habe zahlreiche entwickelte 
Exemplare entdeckt, deren Dimensionen insofern abnorm sind, als sie grösser sind, 
als die normal entwickelten Exemplare aus den südlichen Fundorten des hierlän- 
dischen Miocaens. Mit Rücksicht auf diesen Umstand und auf dieses Resultat lege 
ich.dem erwähnten Merkmal kein Gewicht bei, später werden wir uns aber auch 


überzeugen, dass von irgend einer principiellen Verkümmerung — einige wenige 
Arten ausgenommen — nicht die Rede sein kann. 


An Gasteropoden ist die diesmal geschlemmte Tegelbank von Rudoltitz 
verhältnismässig arm. Diese Thatsache kann kaum als eine zufällige hingestellt 
werden, da dieselbe zweimal unter verschiedenen Verhältnissen sichergestellt wurde. 
Denn schon Reuss, der die Ausbeute unseres miocaenen Fundortes unter weitaus 
günstigeren Umständen vornahm, als dies uns beschieden war, fühlte diesen Rück- 
tritt der Gasteropoden im Bereiche des ostböhmischen Miocaens, trotzdem er 
denselben nicht besonders hervorgehoben hat. Mit Rücksicht auf dieses, bereits zum 
zweitenmale erhaltene, gleiche Resultat sind wir in gewissem Masse berechtigt, 
den Rudoltitzer Tegel als arm au Gasteropoden zu erklären. 

Mit diesem Merkmale hängt ein anderes, auf den Charakter dieser Fauna 
basirtes und nicht minder wichtiges Merkmal zusammen. Haben wir nämlich den 
l'aunen-Typus unseres inländischen Miocaen vor Augen: den von Baden, Steinabrunn, 
Pötzleinsdorf, Grund, dann den des Schlier, welchen in Mähren die Fauna von Borat, 
LaZánky, Drnowic und Pulgramsdorf entspricht, so vermissen wir beim Rudoltitzer 
Gastropodentypus vor allem jenen Familien- und Artenreichthum, welcher eben diese 
Typen auszeichnet, dann die Entwicklung der charakteristischen Familien wie da 
sind: Conus, Ancillaria, Mitra, Columbella, Buccinum, Murex, Pleurotoma und schliess- 
lich sehen wir das völlige Fehlen der folgenden Familien: Voluta, Terebra, Cassis, 
Cassidaria, Ranella, Typhis, Turbinella, insbesondere Cancellaria, Mathilidia, 
Turbo, Trochus, Solarium, Scalaria und Kulima. Nicht einmal in dem Masse, wie 
der vollständige Mangel der zuletzt, hier angeführten Familien den Gesammt- 
charakter der Rudoltitzter Fauna mit Rücksicht auf die Faunen der oberen Typen 
ändert, ändert sich diese Fauna durch das sehr bedeutend reducirte Auftreten der 
Familien Conus, Ancillaria, Mitra, Columbella, Buceinum, Fusus, Pleurotoma, denn gerade 
das Vorhandensein dieser beschreibt in groben Umrissen den Charakter des Typus 


25 


we 


und deutet jenen Typus an, dem er ähnlich ist, und an welchen er sich am meisten 
anschmiegt. Diese Fauna irgend einem jener Haupttypen zu unterordnen, ist nicht 
möglich. Da ist blos eine Parallele erlaubt, bedingt durch die gegenseitige Aehnlichkeit 
der physikalischen Verhältnisse, unter welchen dieser Typus sich herausgebildet hat. 
Und da sehen wir, dass nicht einmal daran zu denken ist, ihn etwa mit dem 
Badener Typus zu verwechseln, oder mit dem Grunder, wie dies schon wiederholt 
erfolgt ist. 

Dem gegenüber weist er noch am meisten Uebereinstimmung mit dem 
Steinabrunner Typus auf, jedoch nur mit analogen, aber keineswegs gleichen 
Merkmalen. 

Ausser dem war ich bemüht gewesen, sicherzustellen, ob und in welcher 
Häufigkeit in diesem Tegel brackische Arten vorhanden seien, von denen Reuss an- 
führt : Melanopsis impressa, M. tabulata, Nerita picta und Cerithium pictum. Trotzdem 
entdeckte ich von denselben nicht die geringste Spur. Eben dieser Umstand be- 
Stärkte mich in der Vermuthung, das Reussens Fauna aus dem Rudoltitzer Tegel 
vielleicht auch Elemente aus den brackischen Tegeln enthält. Was die Grösse der 
Gasteropoden aus dem Rudoltitzter Tegel betrifft, kann ich mit Jess nicht 
behaupten, dass sie als Brut erscheinen. Ich habe die Dimensionen ihrer Schalen 
Nicht so klein gefunden, dass ich mich dieser Anschauung anschliessen könnte. 

Es ist zwar richtig, das einzelne Schalen klein sind, jedoch sind es nicht 
alle. Ich habe das Material Reussens in der palaeontologischen Sammlung des Wiener 
Hofmuseums gesehen und dasselbe nur deshalb verglichen, um mich hievon so weit 
ps móglich war, zu überzeugen und der Eindruck, den ich mitnahm, ist der, dass 
dieser Unterschied ein unbedeutender ist u. zw. ein solcher, wie er z. В. zwischen den 
Individuen der Art Chenopus pes pelecani aus dem Baden-Vöslauer Tegel und jenen 
aus dem Grundner Sand besteht. Und doch ist es bis heute niemandem eingefallen, 
die kleineren Grunder Individuen dieser Art als verkümmert anzusehen, dafür die 
Srösseren Baden-Vöslauer als normal. Ueberhaupt thut jeder Unrecht, der die 
Grösse der Art als irgend ein wichtiges Kriterium ansieht. 

j Dasselbe gilt in gewissem Masse auch von den Lamellibranchiaten. Auch 
bei diesen ist ersichtlich, dass sie in einem seichten Meerbusen gelebt haben, in 
dem die Verhältnisse analog waren jenen des nahen Ufers. An Individuen 
Аш reichsten wurde die Art Ostrea giengensis in der Sandschichte befunden. Und 
ès ist in der That recht interessant, dass diese Art fast gänzlich verschwunden ist 
к очы aus dem Hangenden als aueh aus dem Liegenden der gelben Tegel- 
Ан, In, wie ersichtlich, interessanter Umstand, welchen man sorgfältig zu re- 

en hat. Was die individuelle Menge betrifft, so gesellt sich zu dieser Art 
Corbula carinata, Chama gryphoides, Lucina strigilata und in gewissem Masse 
ie Leda nitida. Zu diesen Auseinandersetzungen muss ich gleich hinzufügen, 

383 auch die Individuenmenge dieser Arten im Ganzen eine kleine und unter- 
Seordnete ist, denn nicht eine einzige zeigt sich im Rudoltitzer Tegel in solcher 
SC, dass sie durch die ganze Fauna in besonderem Charakter gegeben wäre, 

e Familien- u. Artenvereinigung gleicht in geradezu auffülliger Weise dem Steina- 
EN aber auch dem Grunder-Typus. Von diesem unterscheidet sie sich durch 
1e Armuth, von jenem dafür durch die Gegenwart der Arten der sandigen Facies. 


26 


Diese und die Gegenwart der rein uferländischen Art Teredo norvegica sind ein 
hinreichender Beweis von der Richtigkeit der zu Anfang der Erórterung über die 
Lamellibranehiaten ausgesprochenen Ansicht. Daraus geht hervor, dass das Resultat, 
das durch die Untersuchung der Gasteropoden erhalten wurde, sich vollständig mit 
diesen Resultaten deckt. Von etlichen Arten sind bisher nur junge Individien ent- 
deckt worden. Eines derselben habe ich abgebildet; es gehört zur Art Arca Noae. 
Doch ausserdem wurden Individiuen der Art Corbula carinata, die kleiner sind, 
als sie gewöhnlich sich an südlichen Fundorten zeigen, sichergestellt. Aber selbst 
diese Entdeckung irritirt mich nicht und genügt mir, auch nicht um die früher 
ausgesprochene Ansicht zu verlassen. 

An Brachiopoden wurde diesmal verhältnismässig wenig entdeckt, Ich ver- 
mochte nur eine Art sicherzustellen. Glücklicher war Reuss, dem es gelang, vier 
Arten in bemerkenswerther individueller Reichhaltigkeit zu constatiren. Es ist mehr 
als einleuchtend, dass auch diese verhältnismässig grosse Menge von Brachiopoden 
im Rudoltitzer Tegel mit dem Gesammtcharakter der übrigen Gruppen überein- 
stimmt; ist ja doch bekannt, dass der eigentliche Distriet der Brachiopoden die 
littorale Zone ist. 

Bryozoen finden sich im gelbliche Rudoltitzer Tegel nur spärlich vor. Ver- 
treten sind sie durch Arten, die man mit Recht Cosmopoliten im inländischen Miocaen 
nennen kann, da wir denselben fast überall begegnen, wo es eine reichere Fauna 
giebt. Die Colonien dieser Arten und ihre Zooecien sind normal. 

Auch Echinodermaten giebt es daselbst sehr wenig. Erhaltene Individuen 
sind eigentlich gar keine vorhanden, denn was von ihnen übrig geblieben ist, das 
sind blos die Stacheln und die Ambulakralplatten. 

Fügen wir zu den darin diesmal sichergestellten Arten von Seewürmern 
(Vermes) die übrigen Arten Reussen's, dann allerdings erhalten wir eine solche 
Menge, dass es im inländischen Miocaen bisher keinen Fundort giebt, der sich mit 
dem Rudoltitzer messen könnte. Nichtsdestoweniger ist jedoch diese Thierelasse den, 
übrigen untergeordnet. 

Sie ist so untergeordnet, wie die Korallen, welche ebenfalls viele Arten- 
jedoch weniger Individuen lieferte. Ueberaus wichtig ist der Charakter der Korallen. 
Schon die blosse Anwesenheit dieser Gruppe überhaupt drückt der ganzen Fauna 
des Rudoltitzer Tegels den rein marinen Charakter auf. Ein bestimmtes Licht 
wirft jedoch auf sie das Verhültnis der Einzelnpolyparier zu den Stockbildnern. 
Jene überwiegen, diese treten zurück. Mit diesem wichtigen Merkmale hängt noch 
ein anderes zusammen, d. i. dass die riffbildenden Arten zu unbedeutenden 
Dimensionen heranwachsen, gerade so, wie wir dies bei den aus dem Tegel der 
Steinabrunn- Drnowicer und Baden -Borater Facies stammenden Korallenstöcken 
kennen gelernt haben. 

Nicht minder interessant als diese Gruppen sind die Foraminiferen. Sie fesseln 
unsere Aufmerksamkeit einerseits durch «den Arten- und Individuenreichthum, 
andererseits durch die Arten- und Familiengruppirung. In dieser Richtung ist bemer- 
kenswerth, dass wir da fast dieselbe Familiengruppirung und Familienentwickelung 
haben, wie beispielsweise in den benachbarten mährischen Distrieten, auf dem 
Gebiete des Mührisch-Trübauer Tegels. Auch hier drücken die Gruppen Kotalina, 


№ 
=з 


Bulimina, Polystomella und theilweise auch die Тех шага der Fauna eine eigen- 
thümliche Charakteristik auf, welche den  Ufersedimenten zukommt, deren 
Molluskenfauna so unbedeutend ist, als ob sie decimirt wäre, 

Anders verhält sich dies mit der Artengruppirung. Dieses ist frei. Man 
würde sich täuschen, wenn man vermuthen wollte, dass die Ablagerungen derselben 
Facies dieselben Arten enthalten müssen. Wenigstens habe ich etwas ähnliches 
noch nirgends gefunden und doch erreicht die Zahl der Fundorte, die ich bis jetzt 
untersucht habe, eine bedeutende Höhe. Doch damit ist nicht gesagt, dass die 
Fauna derselben Facies nicht dieselben und gemeinschaftlichen Grundzüge hätten. 


Und gerade diese muss man beachten, sollen unsere Schlussfolgerungen 
klar und richtig sein. Diese trüben sich, wenn wir jener nicht achten und uns, 
in Details einlassend, an der Fauna derselben Facies aber von verschiedenen 
Stellen, absolute Identität verlangen. Auf Grund dieser Auseinandersetzung ist das 
Endurtheil über den Charakter der Facies des Rudoltitzer Tegels nicht schwierig. 
Es ist auch dann nicht schwer, wenn wir blos Rücksicht auf seine Gruppen nehmen, 
die seit jeher als „leitende“ angesehen werden, d. i. in erster Reihe, auf die 
Gasteropoden und Lamellibranchiaten, denn auch diese Gruppen werden uns zu 
demselben Ziele führen, nach dem der Gesammtcharakter des Rudoltitzer Tegels 


80 bedeutungsvoll hinweist. 

Berücksichtigen wir jedoch nach dem bisher beliebten Modus nur die 
Mollusken, so kann man auch dann zu keiner anderen Anschauung gelangen, als 
dass der Rudoltitzer Tegel weder in die Badener noch Grundener oder gar 
Schlierer Facies gehört, sondern dass er noch die meisten gemeinsamen Merkmale 
mit der Steinabrunner Facies aufweist, mit der er isochron und parallel ist. Diese An- 
Schauung, welche ich als die einzig riehtige und mögliche halte, erhärtet in vollem 
Masse der Charakter der Korallen, theilweise auch der Bryozoen, Foraminiferen, 
der Ostrakoden, Brachiopoden und Fischotolithen. Mit einem Worte, der gesammte 
Zuschnitt und Charakter dieser Fauna giebt unwiderlegliches Zeugnis dafür, dass der 
gelbliche Rudoltitzer Tegel in einer Meeresbucht abgelagert wurde, in welcher an 
dieser Stelle etwa ähnliche physikalische Verhältnisse bestanden haben, wie sie die 
teinabrunner Facies kennzeichnen, doch von dieser sich durch Merkmale unterschie- 
den, die auf der Verschiedenheit der Örtlichkeit und des Milieus basirten. Allerdings, 
wer dem Gesammtcharakter der Fauna kein Gewicht beilegt und nur einige Thier- 
Classen berücksichtigt und von diesen wieder nur etliche Gruppen, der gelangt 
freilich zu der Anschauung, dass der Rudoltitzer Tegel mit dem Grunder Horizont 
tsochron ist u. dergl. 


Thomigsdorf. 


Es ist nur eine ganz natürliche Sache, dass wir, indem wir die Wichtigkeit 
B nee Gestaltung des Rudoltitzer Tegeldepöts kennen gelernt haben, 

a | sind, zu erfahren, in welchem Verhältnisse zu demselben die Nachbar- 
ezirke: Thomigsdorf, Lukau und Landskron stehen. Dabei ist klar, dass ich das 


Verhültni А ; \ 
hültnis der rein marinen Sedimente zu den brakischen im Auge habend, sofort 


28 


aus dem Rudoltitzer Distriete nach dem Thomigsdorfer überging, da derselbe in 
unmittelbarer Nähe, an der Seite der brackischen Bezirke liegt. 

Betreff: dieses Tegeldepóts ist auch nicht der geringste Vermerk vorhanden. 
Was wir über ihn wissen, das danken wir ausschliesslich К. Wolf und J. Krejčí, 
die ihn entdeekt und auf ihren geologischen Blättern verzeichnet haben. Auf 
denselben ist er als kleiner elliptischer Bezirk verzeichnet, mit seiner Längsachse 
über die Bahutrace gelegt und im Westen von dieser über Hutweide die bis zum 
Walde reichend. Nach dieser Angabe müssten sich auf jener ganzen Strecke 
miocaene Tegel vorfinden. Ob sie dort thatsächlich überall sind, weiss ich nicht, 
denn ich konnte sie nicht aufstóbern, im Gegentheil; ich fand diese ganze Fläche 
mit einer Geröllanschüttung bedeckt, die sich zu beiden Seiten der Trace im 
Bereiche des Wächterhauses Nr. 262 ausbreitet. 

Gelbliche Tegel stellte ich nur in den Schluchten des Fahrweges, der von 
Thomigsdorf nach Rathsdorf führt u. z. dort fest, wo dieser die Bahntrace kreuzt. Der 
dortige Tegel ist dem Rudoltitzer bis zur Auffülligkeit àhnlich, soweit der àussere 
Habitus in Betracht kommt. Sein Rückstand besteht aus feinem Quarzsand, in dem 
man bisher vergeblich nach Petrefacten suchte. 


Lukau. 


Von demselben Schicksale, wie das Thomigsdorfer, war das Lukauer Tegel- 
depóts betroffen; man wusste bis zu diesem Augenblicke über dasselbe nichts mehr, 
als dass es einen kleinen, schmalen Streifen einnimmt, fast parallel mit dem 
Dorfe, von der Landskroner Strasse bis zur Eisenbahntrace sich hinziehend. 

Der Charakter dieser Neogeninsel war sowohl A. Wolf, als auch J. Krejčí 
unbekannt. 

Auch im Bereiche dieses Depôts überzeugen wir uns, dass die Erforschung, 
wie überall anderswo, auch hier die Decke jungen Gerölles und diluvialen Lehms 


erschwert. Diese begleiten uns überall, wohin wir auch — nach Westen oder 
Norden — aus dem seichten Bacheinschnitt heraustreten. Trotzdem sind sie nicht 


im Stande, uns den Einblick in die Verbindung mit dem nachbarlichen Thomigs- 
dorfer Depót zu verschleiern. Ich glaube nämlich fest, dass der hiesige (Lukauer) 
Miocaendistrict direct mit dem Thomigsdorfer, unter der erwähnten jungen Decke 
zusammenhängt und dass er nur dort zu Tage tritt, wo das Bachbett diese Decke 
durchbrochen hat. Auch hier giebt es kein Plätzchen, wo es möglich wäre, sich zu 
überzeugen, von welcher Mächtigkeit der miocaene Tegel ist und welches sein 
Grundgebirge, ob etwa permischen oder eretaeischen Alters. 

Der hiesige miocaene Tegel ist dadurch interessant, dass er sich durch 
seinen äusseren Habitus einigermassen vom Thomigsdorfer Tegel unterscheidet, 
dann aber insbesondere dadurch, dass er eine reiche, überaus wohlerhaltene Mikro- 
fauna birgt. Von Farbe ist er nämlich lichtblau, solange er frisch ist, ist er fast 
schwarz; er ist jedoch fein, plastisch und hinterlässt beim Schlemmen eine geringe 
Menge feinen Quarzsandes und Detritus von Bruchstücken des Pläner. 

Welch’ reiche Fauna er birgt, geht aus dem weiter unten angeführten Ver- 
zeichnisse hervor, 


Fauna des Lukauer Tegels. 


Pisces. Nodosaria venusta, Rss. . . . . . hh 

, ^ 
Otolithus (Berycidarum) pulcher, : Gem О. E 
BE e ^ jouéana, QUTD e RIS 
e semirugosa; d'Orb. <: RR 
Ga Cen e " (D) lafe WE RSS. o 0.28 
і ii (Юаш а HEES 
Bairdia subteres, Rss. . . . . . . 8 à (D) scabra, Rss.. . . . hh 
iere Hystrix; Re. eo . . . 7 Margulina Hoernessi, Rss. . . . .hh 
^ Sms СО. rn. SS 
Gasteropoda. Cristellaria minima, Katt. . . . . 8 
Cerithium spina, Partsch . — . . . ss n calcar, d’Orb.. . . . .hh 
М scabrum, Olivi . . . . 88 Б intermedia, d'Orb. . . h 
NP E Bebo suos s M " inornata, d'Orb.. . . . ss 
Turritella turris, Bart.. . . . - . 88 » depauperata, ТО. . . s 
Polymorpha problema, d'Orb. . . . h 
Echinodermata. Y d inequalis, Rss. . . . . 88 
EE eus р 2 dn Globigerina bulloides, d'Orb. . . . s 


М bulloides var. triloba, Rss. s 
Pullmia sphaeroides, d'Orb. sp. . . hh 


Foraminifera. | Si dE 
t Truneatullina Haidingeri, d'Ord. . . s 


Textularia curati ШО, S Л Н Dutemplei, d'Orb. . . hh 
Bulimina ШШШ. ШОР ы а эү e praecincta, Karr. sp. . hh 
» ovata, d'Orb. . . Lon CD Anomalina Bedense, d'Orb.. . . . hh 

„ —aculeatà, Ore . . . . h Epistorina Partschiana, d'Orb. sp.. h 
m... ‚Bucheana, dOrb. . . . . вв Rotalia Soldanii, d'Órb. . . . 8 
Virgulina Schreibersiana, CZiz. . . h ». peccati, LIONO SD s. v. os 8З 
olivina robusta, Brady . . . . . 88 Nonionina communis, d'Orb. . . . hh 
Bolivina punctata; DEEG 7 umbilicata, Mont. sp.. . 8 


Die Fauna dieses Tegels ist nach vielen Richtungen hin interessant. Vor 

allem fesselt sie unsere Aufmerksamkeit dadurch, dass ihr Gesammtcharakter 
ebhaft an die Fauna des Grossopatowitzer und Mährisch-Trübauer Tegels erinnert. 
lé stimmt mit dem letzteren theils darin überein, dass sie wenig Gasteropoden 

und Lamellibranchiaten aufweist, dann, dass sie ebenfalls genügende Mengen Ostra- 
toden enthält, demgegenüber aber weicht sie von demselben andererseits ab, als 
" eine stark entwickelte Gruppe von Foraminiferen (d. i. an Individuen reichste 
rten), in welcher die Gattungen: Bulimina, Bolivina, Nodosaria, Cristellaria und 

CORN überwiegen, enthält, Indem ich mir diese Merkmale vor Augen halte, überlege 
„einen Augenblick, die Fauna des Lukauer Tegels mit der Fauna des Mährisch- 

nur a Gross-Opatowitzer für isochron zu halten, in welcher man dann die 
ü Wen, я еп Glieder unserer ostböhmischen Faunen des marinen Miocaen mit den 
eichen Faunen der west- und südmährischen sowie niederösterreichischen 
egel zu erblicken hat. Daran knüpfe ich gleichzeitig die Bemerkung, dass in vielen 


30 


Füllen der Charakter unserer ostbóhmischen miocaenen Faunen unklar und ihre 
Beziehung zu den Faunen der südlichen Gebiete unerklärlich bliebe, wenn man 
nicht in erster Linie auf die gegenseitigen Beziehungen der Faunentypen und ihr 
Ineinandergreifen Rücksicht nehmen wollte. Diese zeigen uns den richtigen Weg, 
den wir einzuschlagen haben und wie die oft in Halden angehäuften Facta gesondert 
werden müssen, deren blendendes Durcheinander so manchen vom festen Boden 
auf das schwankende Gebiet der Vermuthungen irregeführt und verführt hat. 


Ziegenfuss. 


Auf der alten, geologischen Karte der geologischen Reichsanstalt, auch 
auf der geologischen Karte der Pardubitz-Landskroner Umgebung des Professors 
J. Krejéí ist südlich des genannten Dorfes ein Inselchen miocaener Tegel ver- 
zeichnet. Im Hinbliek auf den nicht entlegenen, miocaenen Lukauer und auch Rei- 
chenauer District (auf mährischem Boden) schloss ich, dass ich vielleicht auch dort 
diese Ablagerungen antreffen werde. Und thatsächlich fand ich daselbst am süd- 
lichen Ende des Dorfes im Abhang des Feldweges gelbgraue Tegel, welche jedoch 
auf mich denselben Eindruck machten, wie die gelblichen Tegel vom Kreuze hinter 
Landskron. Das war jedoch noch immer nicht hinreichend, zu entscheiden, welchen 
relativen Alters sie seien. Die Antwort auf diese Frage ertheilte später der Schlemm- 
rückstand. Dieser setzt sich zusammen aus feinem, quarzigem Sande und aus einer 
bedeutenden Menge von Gesteins-Bruchstücken der Kreideformation (festen Sand- 
steines und Opuka). Petrefacten wurden in demselben keine gefunden. Der petro- 
graphische Charakter dieses Tegels und die absolute Armuth an Petrefacten zwingen 
mich, ihn in die Gruppe jüngerer Tegel einzureihen, als es die miocaenen sind. 
Er gehört etwa zur Gruppe jener Tegel, die ich in der Landskroner Umgebung 
sicherstellte, nördlich von Ob.-Johnsdorf, dann zwischen Rothwasser und Vermirovic 
und endlich in der Umgebung von Wildenschwert, die auf den typischen miocaenen 
Tegeln liegen. 


Landskron. 


Über den Landskroner miocaenen Distriet berichtete zuerst im Jahre 1862 
Н. Wolf.') Sein Bericht lautet, ganz kurz gefasst, dahin, dass durch die dortige 
Gegend, gegen Norden zu, miocaene Tegel laufen. Seit jener Zeit, bis zum ver- 
flossenen Jahre, wurde seiner keine Erwähnung gethan. Und der im verflossenen 
Jahre publieirte Bericht gleicht jenem Wolfs, wie ein Ei dem anderen; denn selbst 
Dr. E. Tietze?) verzeichnet in seinem Berichte, mit Ausnahme dessen, dass er da- 
selbst miocaene Tegel sichergestellt hat, nichts, auch nicht die kleinste Bemerkung, 
dass er in diesem Tegel eine Fauna constatirt hätte. 

Auf dem geologischen Kartenblatte von H. Wolf und auf dem des Prof. 
J. Krejéí sind dann diese Ablagerungen als drei schmale, lange Streifen verzeichnet, 


1) H. Wolf. Loc. cit. 1861—09. 8. 304. 
2) E Tietze. Loc. cit. 1893. S. 263. 


31 


von welchen die beiden nördlichen durch die Stadt laufen, von Nordwest gegen 
Südost, bis fast nach Sicheldorf. 


Von diesen beiden Streifen zweigt sich dann ein dritter Streifen ab, der 
über Schlossberg nach Süden lauft. Diese Abgrenzung des Landskroner Miocaen's 
ist in gewissem Masse willkürlich, es gilt das namentlich vom óstlichen Theile. Nur 
Soweit es sich um das kleine Thal handelt, in dessen südlichem Theile sich ein 
Teichlein ausbreitet, habe ich die Verhältnisse so vorgefunden, wie sie die Karte 
Wolfs registrirt. Allerdings, stellen wir uns auf den Standpunkt, dass es unerlässlich 
Sei, von der jüngsten Schichtenhülle zu abstrahiren, falls es sich darum handelt, 
eine bestimmte Abgrenzung der unter derselben gelagerten Schichten vorzunehmen, 
dann freilich entspricht das neogene Gebiet der Umgebung von Landskron, wie 
es in der erwähnten geologischen Karte abgesteckt ist, der Wirklichkeit. Ich er- 
wähne dies hier nur deshalb, um den Leser, der sich nach jenen Karten richtet, 
von der Vermuthung abzulenken, dass er in der Umgebung von Landskron ver- 
hältnissmässig grosse und leicht zugängliche Distriete von miocaenen Tegeln vor- 
finden werde. Er wird dort nicht mehr als an den bezeichneten Stellen offene, da 
grössere, dort kleinere Einschnitte, überhaupt blosgelegte Stellen finden, wo der Tegel 
Zu Tage tritt. 

Indem wir diese Tegel prüfen, müssen wir sorgfáltig darauf achten, nicht 
früher in unserer Arbeit innezuhalten, als wir uns nicht überzeugt haben, dass 
der angetroffene Tegel factisch ein miocaener ist. Denn nicht alle Tegel sind 
dieser Gegend miocaenen und marinen Charakters. Welche von ihnen schon 
heute mit Bestimmtheit als miocaene erachtet werden kónnen, darüber belehrt uns 
der Einschnitt in der Ziegelei, nordwestlich von der Stadt, an der Strasse, die von 
Landskron nach Wildenschwert führt. Trotzdem der Einschnitt hier selbst ziemlich 
Seicht ist, finden wir ihn doch belehrend. Als ich mich in demselben befand, 
8ruben die Ziegelmacher in die Tiefe, um, wie sie behaupteten, einen für die Er- 
Zeugung der Ziegel guten Lehm zu fördern. Sie gruben in schwarzem, feinerem 
Tegel, doch von weniger fetter Beschaffenheit, der aber dafür reich uud voll kleiner 
Glimmerblättchen (Museovit) war. Der Gesammtcharakter dieses Tegels war mir, als 
ich seiner ansichtig wurde, auffällig, und ich vermuthete, dass er miocaen sei, der- 
selbe etwa, den früher Æ. Wolf und nach ihm Æ. Tietze als neogen betrachteten. 
Aber ich war darüber nicht hinreichend instruirt, da ich die erforderlichen Belege 
Dicht hatte, denn es gelang mir nicht, auch nur eine Spur von Petrefacten zu ent- 
decken, trotzdem ich eifrig nach ihnen forschte. 


Auf diesem Tegel, dessen Mächtigkeit abzuschätzen mir nicht möglich waı 
liegt ein grauer Tegel, stellenweise bis ins Grüne gehend, gleichfalls plastisch wech 
fest, jedoch ohne Glimmerblüttchen beigemengt zu enthalten. Im Hangenden dieses 
Tegels wurde schliesslich eine schwache Schichte von Diluviallehm constatirt. 


Es ist natürlich, dass die Entscheidung der Frage hinsichtlich des Alters 
der erwähnten Tegel der Prüfung ihres Schlemmrückstandes überlassen werden 
Musste, Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass der Schlemmrückstand des 
rauen bis grünlichen Tegels zusammengesetzt ist aus feinem Quarzsand, vermengt 
mit Bruchstücken des Gesteinsarten aus der Kreideformation, in dem es nicht 


82 


móglieh war, auch nur eine Spur von Petrefacten festzustellen, trotzdem alles berück- 
sichtigt wurde, was sie hätte aufdecken können. 

Ein grösseres Interesse erweckte das Schlemmproduet des dunklen Tegels 
der unteren Bank. 

Dieses besteht ebenfalls aus feinem Quarzsand, jedoch ohne Detritus der 
Gesteinsarten der Kreideformation, in dem verhältnismässig genug, durchwegs 
vortrefflich erhaltener Foraminiferen entdeckt wurden. Das vollständige Verzeichnis 
folgt hier: 


Echinodermata. Globigerina bulloides, d'Orb. . . 8 

ШАО. а ы з ee E Pullenia sphaeroides, d'Orb. . . 8 
Truncatulina Haidingeri, d'Orb. . . s 

Foraminifera. * Dutemplei, d'Orb. . . s 

Textularia carinata, d'Orb. . ~ 22. 88 Anomalina Badense, d'Orb. . . . . ss 
Bulimina pupoides, d'Orb. . . . . 88 Pulvinulina Partschiana, d'Orb. . . s 
^ ОША АКО ..@ Rotalia beccarii, Linné sp. . . . . 8 
Nedosaria (D) scabra, d'Orb. . . . h Nonionina communis, @ О. . . . 8 


Nach meinen bisherigen Erfahrungen, Ceren Resultat hier oben angeführt 
ist, ist die Fauna dieses Landskroner Tegels arm. Sie ist blos beschränkt auf ganz 
bedeutungslose Reste von Echiniden und eine ziemlich kleine Gruppe von Fora- 
miniferen. Diese letztere, trotzdem sie arm ist, enthält doch alle grundlegenden 
Züge der Physiognomie der Foraminiferen-Gruppe des Rudoltitzer und Lukauer 
Tegels. Um betreffs dessen eine klare Ansicht zu erhalten, genügt es vollkommen, 
dass wir diese Faunen mit einander vergleichen und vor allem sicherstellen, dass 
die hier in Rede stehende Fauna die Vertreter fast aller Familien enthält, welche 
in jener Fauna (d. i. der Lukauer und Rudoltitzer) eine gróssere Entfaltung finden. 

In der Umgebung von Landskron nach aufgedeckten miocaenen Tegeln 
forschend, stiess ich auf gelben, in der Böschung durchschnittenen Tegel, und 
zwar unter dem Kreuze, das am mittleren Wege steht, der vom ersten Teiche zu 
dem nach dem Schlossberge führenden Fahrwege sich hinzieht Diesen interessanten 
Tegel erkennen wir sofort als identisch mit dem oberen Tegel aus der Ziegelei; 
derselbe ist nämlich ebenfalls plastisch, fein und ohne grössere Petrefacten. Es 
gelang mir nicht, sein Grundgebirge sicherzustellen, es ist mir daher nicht möglich, 
über seine Möchtigkeit sichere Daten mitzutheilen, woraus folgt, dass wir nicht 
wissen, von welcher Mächtigkeit er ist. 

Auf demselben liegt eine verhältnismässig starke Schotterbank, zum grössten 
Theile aus Quarzgeschiebe zusammengesetzt. Diese Schotterbank gleicht, was ihren 
Charakter anbelangt, den ziemlich ausgedehnten und mächtigen Schotterschichten 
nördlich von Johnsdorf, die fast auf dem ganzen Terrain, das sich zwischen diesem 
Dorfe und Rothwasser hinzieht, ausgebreitet sind. 

Der Schlammrückstand dieses Tegels ist, wie derjenige des grauen Tegels 
aus der Ziegelei, zusammengesetzt aus feinem Quarzsand und aus Detritus von 
Gesteinsarten der Kreideformation. In diesem wurden Petrefacten entdeckt, jedoch 
nur solche der Kreideformation und nicht, wie wir erwarten würden, der miocaenen. 


33 


Aber auch von dieser habe ich wenig entdeckt, nur zwei an Individuen arme 
Arten; es sind dies: Bulimina ovulum Rss. und Textularia sp. 

Ich habe diesen Tegel deshalb hier angeführt, weil er manchen zur An- 
Schauung verleiten könnte, dass er ein miocaener sei. Wäre er es in der That, so würde 
er wenigstens eine spärliche miocaene Fauna, oder doch Spuren derselben enthalten. 
Welchen Alters er ist, ist heute noch nicht rathsam zu sagen. Sicher ist jedoch, 
dass er den Schottern näher steht, als den miocaenen Tegeln und dass er einem 
Horizonte angehórt, dem die Tegel von Ziegenfuss, Johnsdorf und Wildenschwert 
Subsummirt werden. Von diesem Fundorte gehört hierher jener gelbe Tegel, welcher 
die dortigen, mächtigen Schotterbänke unterteuft und in der Ziegelei nordwestlich 
von der Stadt im Hangenden des dunkelblauen miocaenen Tegels zu Tage tritt. 


Unter- und Ober-Johnsdorf. 


Nördlich von Ober-Johnsdorf hat К. Wolf und nach ihm J. Krejčí miocaene 
Tegel verzeichnet, die sich von dem letzten Hänschen des Dorfes bis fast zum 
Triangulirungspunkte 501 und zum Wallfahrtsorte Mra. Zell ausdehnen. 

Eigentlich schon als ich durch das Johnsdorfer Thal nach Rothwasser 
gieng, stiess ich da und dort auf gelbe, weiche Tegel, die den Landskroner und Wilden- 
Schwerter Tegeln ähnlich, ja fast mit ihnen identisch waren. Jedoch waren sie 
nirgends so schön aufgedeckt, als in der Nähe der nördlichen Spitze des Dorfes 
Ober-Johnsdorf, wo über allen Zweifel ersichtlich war, dass diese Gebilde mit 
Schotter- und Sandbünken abwechseln, dass sie also, wie К. Wolf und J. Krejei 
riehtig erkannten, jünger als das Miocaen sind. 

Nach dieser Erfahrung ist es nur natürlich, dass ich sehr neugierig auf das 
Johnsdorfer miocaene Depót war. Der Zufall wollte es, dass ich in dasselbe nach 
einem Wolkenbruch kam, der nicht nur am Getreide, sondern auch an den Feldern 
bedeutenden Schaden verursachte. In den durch den Wolkenbruch ausgewaschenen 
Furchen des Bodens konnte man besser, als anderswo das Verhältnis dieser weichen 
Tegel zu den dieselben überlagernden Schotterschichten wahrnehmen, deren Mäch- 
tigkeit in der Umgebung des Wirthshauses und der Calvaria, als auch der gegenüber- 
liegenden, rechts von der Strasse sich erhebenden Anhöhe das Maximum erreicht. 
Was den Schotter anbelangt, war mir schon im Terrain klar, dass er dem marinen 
Miocaen nicht angehört. Betreffs der hier sich vorfindenden grauen Tegel war ich 
jedoch nicht im Stande, mich so rasch zu entscheiden. Nicht einmal der Umstand, 
dass sie mit grobem Sande abwechseln, konnte mein Urtheil beschleunigen. Die richtige 
Antwort erwartete ich daher von der Untersuchung des Schlemmrückstandes. Dieser 
Wurde sorgfältig durchsucht und führte zu demselben Resultate, wie der des Lands- 
kroner Tegels, d. h. dass diese Tegel, die gleichzeitig mit Schottern auftreten, jünger 
Seien, als die miocaenen Tegel mit typischer mariner Miocaenfauna. Von dieser ist 
in denselben aüch nicht eine Spur, und falls sie überhaupt irgendwelche Petrefacten 
enthalten, sind es stets nur Arten der Kreideformation. 

Zu diesem Urtheil über den sogenannten miocaenen District von Ober- 
Johnsdorf bin ich nach eingehender Durchforschung des ganzen Terrains gekommen, 


3 


84 


das sich zwischen Ober-Johnsdorf und Rothwasser dahinzieht. Nicht einmal in 
tieferen Einschnitten habe ich die typischen marinen Tegel zu entdecken vermocht. 
Ob sie K. Wolf und J. Krejčí gefunden, weiss ich micht: sie haben uns darüber 
keinerlei detaillirteren Bericht hinterlassen. Auch zweifle ich nicht, dass irgendwo 
im Liegenden der hiesigen Schotter und des'groben Quarzsandes echte, marine, miocaene 
Tegel sich ausbreiten, denn sonst liesse sich der Zusammenhang des miocaenen 
Depóts von Rothwasser mit dem von Landskron gar nicht erkláren. Aber die d. z. Ver- 
hältnisse nördlich von Ober-Johnsdorf gestatten uns nicht, von einem selbständigen 
miocaenen District zu sprechen, nachdem dort diese Ablagerungen weder in ihrer 
typischen Entwickelung, noch fosillführend zu Tage treten. 


Rothwasser. 


Nachdem ich diese Verhältnisse in der Umgebung von Ober- und Unter- 
Johnsdorf kennen gelernt hatte, war es mir sehr daran gelegen zu erfahren, wie 
sich dieselben in dem Gebiete von Rothwasser gestalten werden, und dies um so 
mehr als А. Wolf und später J. Krejčí südlich und nördlich des Dorfes marine 
neogene Sedimente festgestellt und auf ihren Kartenblättern ausgeschieden haben. 

Bis zum nördlichen Abhang der Calvaria reichen die Schotter herab, 
ja bis an den Fuss dieser Anhöhen lassen sie sich verfolgen, und wir bemerken, 
dass sie auch in der Nähe des Dorfes unbedeutende Reste bilden. Unter diesen 
Schotterschichten treten im Abhange an zahlreichen Stellen gelbliche, bis grünliche 
Tegel zu Tage, welche jedoch im Thale plötzlich verschwinden, um sich erst westlich 
vom Teiche in einem Complex sich auszudehnen, der sich nach Westen bis in den 
Wald hinzieht. Die Grenze dieses Tegels scharf zu bestimmen ist man unter den 
d. z. Verhältnissen nicht im Stande. Auch die Mächtigkeit dieser Ablagerungen lässt 
sich genau nicht festellen, doch kann man sie mit Rücksicht auf das Grundgebirge 
unschwer abschätzen, namentlich, wenn alle Umstände dafür sprechen, dass sie 
auch hier unbedeutend ist. Schön aufgedeckt fand ich diesen Tegel im Strassen- 
einschnitt, der vom Rothwasser nach Dittersbach führt. Der dortige Tegel ist gelb- 
lich, fein und plastisch, im Wasser schwer löslich. Beim Schlemmen hinterlässt er 
oine bedeutende Menge groben Sandes und kleine Bruchstücke von Gesteinsarten 
der Kreideformation. Seine Fauna ist spärlich, jedoch schön erhalten. Sie besteht 
blos aus Foraminiferen. Ihr Charakter tritt in diesem Verzeichnisse auf: 


Foraminifera. 


Textuläria carinata,  d.Orbo oid ovv S8 Truncatulina Dutemplei, d'Orb. . . 8з 
Bulmmna auus. СОШО EN Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . 88 


Ausser diesen miocaenen Arten wurden auch die Gehäuse einer der Kreide- 
formation angehórenden Art Rotalia umbilicata var. nitida Rss. ausgeschlemmt. 

Einigermassen interessanter als der Tegel des südlichen Depóts von Roth- 
wasser, ist der im Abhang an der Strasse nördlich von Rothwasser aufgedeckte Tegel. 


85 


Es ist dies der erste auf bóhmischem Terrain sichergestellte Fundort, wo- 
selbst es möglich war, zu beobachten, von wo denn das Muttergestein der miocaenen 
Tegel Ostböhmens herstammt. Auf diese Frage gibt die Fauna des Schlemm. 
rückstandes der hiesigen Tegel eine befriedigende Antwort. Sie ist aus zwei verschie- 
denartigen Elementen zusammengesetzt: aus dem Kreideformationsty pus (der Priesener 
Stufe) und aus dem miocaenen Typus. Daraus geht hervor, dass das Muttergestein 
dieser Tegel kein anderes ist, als das der harten Mergel der Priesener Stufe. Wie er- 
sichtlich, ist diese Erkenntnis für denjenigen wichtig, dem die Aufgabe zufällt, das 
ostbóhmische Neogengebiet zu studiren, oder das Alter der dortigen Tegel zu 
bestimmen hat und die Grenze zwischen der Miocaenformation, dem Diluvium 
und Alluvium ziehen soll. Dass das keine leichte Sache ist, beweist das früher 
hier angeführte. Dass hiezu grosse Vorsicht und einige Erfahrung nothwendig ist, 
Sehen wir an der Sache selbst. Diese Umstände erschweren über alle Erwartung 
die der Erforschung des Ursprungs des Gesteinsmaterials der miocaenen, diluvialen 
und alluvialen Bänke gewidmete Arbeit. An zahlreichen Stellen unseres weiten Ge- 
bietes weicht das Wasser die Priesener Mergel auf, lóst sie, um sie an anderem 
Orte wieder abzulagern, ein Process, der seit der älteren Tertiaerperiode unaufhörlich 
bis auf den heutigen Tag dauert. Auf das diesen Schichten entrissene, dem Meere 
Zugeführte und wieder abgelagerte Material, setzten spüter die Tageswüsser ungestórt 
und unaufhórlich neue verwitterte Masse ab, auf diese Weise eine gleichmässig ent- 
Stehende Schichte bildend. Es ist daher natürlich, dass Dr. J. J. Jahn, auf dem 
Chotzen-Leitomischler Gebiete mit geologischen Aufnahmen beschäftigt, sämmmtliche 
der dortigen aufgeweichten Mergel der Priesener Stufe als miocaene erklürte. Aller- 
dings belehrte uns die Fauna dieser Ablagerungen eines anderen. 

Auch auf diesem Gebiete haben wir sorgfältig auf die Fauna zu achten, 
Sobald wir das Alter der dortigen weichen Tegel und Mergel abgrenzen und fest- 
stellen wollen. 

Diese treten nördlich hinter dem Dorfe Rothwasser im Abhang rechts, 
oberhalb der Strasse auf, wenn wir nach Wetzdorf gehen, u. z. gerade dort, wo 
die Strasse etwa 20 Schritte in die Rothwasser-Wetzdorfer Niederung einbiegt. 
Sie sind den weichen, im Wäldchen bei  Wetzdorf aufgedeckten Tegeln sehr 
ähnlich und erinnern an die harten Mergel der Priesener Stufe, die in demselben 
Abhang zu Tage treten. 

Die Durchforschung dieses Fundortes erheischt strenge Sorgfalt und Umsicht. 
Zu einem solchen Vorgang fordert das Verhältnis des dortigen marinen Tegels einer- 
Seits zum Thaltegel, andererseits zu den anstehenden Priesener Schichten und 
Schliesslich zu dem Material, das durch Verwitterung aus denselben entstanden ist. 

Der hier im Abhang an der Strasse auftretende Mergel, welchen ich 
anfänglich in dieselbe Gruppe reihte, wie den gelben Tegel von Landskron und 
Wildenschwert, der sich jedoch, wie später bewiesen werden wird, als solcher 
nicht darstellt, sondern älter ist, löst sich im Wasser sehr schwer, ist von licht- 
Srauer Farbe, im frischen Zustande plastisch und fett, dagegen ausgetrocknet 
ziemlich hart. Sein Schlemmrückstand besteht aus feinem Sande und groben Bruch- 
Stücken von Gesteinsarten der Kreideformation, in denen der Plüner und feinkórniger 
Sandstein überwiegen. 


3* 


Die Fauna dieses Mergels besteht, wie hier schon früher erwühnt wurde, 
aus zwei heterochronen Elementen. Das eine, reichere und interessantere, verlegt 
die Entstehung dieses Gebildes in die Periode der Priesener Stufe, das zweite aber 
spricht dafür, dass diese Sedimente erodirt, dann translocirt wurden, worauf ihre 
neuerliche Ablagerung durch das miocaene Meer erfolgte. 

Die Fauna dieses miocaenen Tegels ist eine spärliche. Ihren Charakter 
gibt das hier angefügte Verzeichnis in groben Umrissen an. 


Ostracoda. Lamellibranchiata. 
jairdia heterostigma, Rss. . . . . 88 ерам р na eth мр ieu" Venen ВВ 
VIAU SUI ORAS: ae дыз ИЕ 
Gasteropoda. Foraminifera. 
ДСО SUV, SM ER EEN Oristellarià cultrata, Lamk.. . . . 8 
Ceribium «теба Ben... gs б ORICAT, AE OTOSTEN a N 


Aus diesem Grunde ist es bisher nicht möglich, mit Bestimmtheit zu 
cntscheiden, welche von den vier diese Fauna bildenden Thiergruppen in derselben 
überwiegt. Ob es in Zukunft gelingen wird, ist jedenfalls fraglich; das weiss ich 
jedoch, dass im positiven Falle es dann nicht schwer wäre, das Verhältnis genau 
anzugeben, in welchem diese Fauna zu unseren marinen und brackischen Faunen- 
typen steht. Die heutigen Umstände sprechen dafür, dass wir in der vorliegenden 
Fauna die Charakteristika beider Typen vermischt vor uns haben, denn der Cha- 
rakter der Foraminiferen entspricht dem marinen Typus, während die Anwesenheit 
der Arten: Cerithium pictum und Bairdia heterostigma mit dem brackischen Typus 
correspondirt. Es wäre vielleicht richtig, wenn wir den brackischen Merkmalen 
Gewicht beilegten und den Distriet von Rothwasser als einen brackischen procla- 
miren würden, worin uns auch das Verhältnis dieses Gebietes zu den übrigen Ter- 
ritorien unterstützen würde, aber wir finden es nicht für rathsam und möchten 
derartiges nicht empfehlen; im Gegentheile, die bisherigen Erfahrungen zwingen 
uns die ganze Frage lieber ungelóst zu lassen. 

Um meine Erórterung betreffs des palaeontologischen Inhaltes der Tegel von 
Rothwasser zu ergänzen, führe ich hier auch sein zweites Element an,d. i. die Fauna 
der Mergel der Priesener Stufe. 


Ostracoda. Nodosaria divergens, Pern. 
Cythere Karsteni, Rss. i Zippei, Rss. 
Oytherella ovata, Rss. Cristellaria ovalis, Rss. 


Bryozoa. y rotulata, Rss. 


o Frondicularia angulosa, Rss. 
lilisparsa simplex, Rss. 


К cf. mierosphaera, Rss. 
Foraminifera. » inversa j Rss. 
Lituola cylindrica, Per. o striatula, Rss. 
Haplostiche clavulina, Rss. 5 cf. coronata, Pern. 
Nodosaria oligostegia, Rss. Globigerina cretaeca, d'Orb. 


pseudochrysalis, Rss. Rotalia umbilicata var. nitida, Rss. 


D 


д 

Wie aus diesem Verzeichnisse erhellt, ist diese Fauna verhältnismässig 

reich genug. Uns interessirt augenblicklich mehr als ihr Charakter der Umstand, 

dass die Gehäuse ihrer Arten wohl erhalten sind. Das hat für uns deshalb Wich- 

tigkeit, weil es beweist, dass diese schön erhaltenen Gehäuse und Schalen nicht 

von Veither sind, denn im gegentheiligen Falle hätten sie sichtliche Spuren des 
Transportes an sich. 


Jockelsdorf. 


Die miocaenen Ablagerungen von Rothwasser gegen Südwesten verfolgend, 
bemühte ich mich, den von H. Wolf nordwestlich von Jockelsdorf entdeckten kleinen 
Distriet von Tegeln, zu untersuchen. Er interessirte mich insbesondere durch 
seine geradezu auffüllige Seehöhe, welche nach der Generalstaabskarte bis 500 Meter 
erreicht. Allein, schon dieser Umstand weckte Mistrauen in mir, und zwar das begrün- 
dete Mistrauen. Aber erst an Ort und Stelle war es mir möglich, mich von dem 
Oharakter dieser interessanten Ablagerungen zu überzeugen. Ich stiess auf dieselben 
auf einer ziemlich grossen Fläche, doch überall in nicht entfernter Nachbarschaft 
von harten Kreidemergeln, in welche sie allmälig übergiengen. Diese Umstände, dann 
aber der petrographische Charakter und endlich das Resultat des untersuchten 
Schlemmrückstandes erweisen über allen Zweifel, dass der weiche Jockelsdorfer 
Tegel kein miocaener ist, sondern dass er durch Zersetzung von Priesener Mergeln 
entstanden ist. 


Wetzdorf. 


Das ganze Gebiet des kleinen Waldes, durch welchen die Strasse von 
Rothwasser nach Wetzdorf führt, nehmen weiche Tegel ein, die ursprünglich 
H. Wolf entdeckt und als miocaene Sedimente verzeichnet hat und die nach ihm 
Prof. J. Krejei ebenfalls als neogene anerkannte. Diese Tegel verschwinden all- 
mülig in der Rothwasser-Wetzdorfer Niederung, u. z. unter einer dünnen Allu- 
vialschicht, welche jedoch an zahlreichen Stellen bis auf die genannten Tegel 
durchbrochen ist. Von dem erwähnten Wäldchen ziehen sich diese Sedimente bis 
nach Wetzdorf, woselbst sie enden. Ihren Charakter und ihre Ausdehnung ent- 
hüllen auf dieser Seite die Strassengrüben der neu erbauten Strasse, die stellen- 
weise in die Tegel eingeschnitten sind. Diese Umstände waren es eben, die mich 
berechtigten, die Anschauung auszusprechen, dass die ganze Niederung von Roth- 
wasser-Wetzdorf weiche Tegel von gelblicher bis lichtaschgrauer und dunkelblauer 
Farbe ausfüllen. 

Es handelte sich nun blos darum, das Alter dieses Tegels zu bestimmen. Die 
Lage desselben und der petrographische Habitus waren für diesen Zweck über- 
flüssig und nicht vortheilhaft. Nur die Untersuchung des Schlemmrückstandes konnte 
hier entscheiden. Um betreffs dieser Sache einen verlässlichen Beweis zu erhalten, 
wählte ich eine Stelle im Wäldchen, an der die Tegel am tiefsten durchschnitten 
Sind. Hier wurde der Tegel von den dortigen beiden Tegelbänken genommen, von 
denen die untere einen dunkleren Tegel enthält, als die obere. Das Schlemm- 


38 


product aus diesen beiden Bänken ist identisch und setzt sich aus feinem Quarzsande 
und Bruchstücken von Gesteinsarten der Kreideformation zusammen. Von Petre- 
facten war nirgends auch nur die geringste Spur. 

Mich mit der Untersuchung des Schlemmrückstandes aus dem Tegel des 
Wäldchens nicht begnügend, unterzog ich auch den durch den Strasseneinschnitt 
dicht am Dorfe blosgelegten Tegel dem Studium. Interessant ist das Schichten- 
system, das in dem erwähnten Einschnitt aufgedeckt erscheint; es treten daselbst 
zu Tage von oben nach unten: 

a) Diluvialer Lehm; 

b) Tegel gemischt mit Gerölle ; 

c) gelblicher Tegel; 

d) eine róthliche Sandschichte von Eisenoxyd verfürbt; 

el das Grundgebirge: Kreideschichten. 

Der Tegel der Schichte c) ist derselbe, wie er sich im Wäldchen vor- 
findet. In seinem Schlemmrückstande wurde ebenfalls auch nicht eine Spur einer 
Fauna nachgewiesen. Fasse ich alles zusammen, was mir betreffs dieser weichen 
Tegel zu erreichen gelungen ist, so komme ich zu dem Urtheil, dass auch dieselben 
keine miocaenen Tegel sind, sondern jener Gruppe des böhmischen Schichtenhorizonts 
angehören, in die ich die weichen Tegel nördlich von Ober-Johnsdorf, nordwestlich 
von Jockelsdorf, westlich von Landskron und die der Umgebung von Wildenschwert 
einreihe, 


Böhm.-Trübau. 


Des dortigen miocaenen Districts erwähnt zum erstenmale H. Wolf 
in seinem Reiseberichte aus dem Jahre 1862. Auf seinem geologischen Karten- 
blatte der dortigen Umgebung hat er das Miocaen in zwei Inselchen verzeichnet, 
von denen das nördlichere sich im südostlichen Abschnitt der Stadt ausdehnt, 
während das südliche vom Bahneinschnitt gerade hinter der Brücke beim Bahnhofe 
durchquert wird. Auch A. E. Reuss erwähnt des Böhm.-Trübauer Miocaens, jedoch 
nur kurz und bündig. Petrefacten führt er aus demselben nicht an. Warum, das 
kann ich heute nicht entscheiden, da sich voraussetzen lässt, dass er auch die 
Tegel von dieser Stelle schlemmte und den Schlemmrückstand untersuchte. 

So wie in anderen Depöts, so erschwert auch in diesem die Decke 
junger Sedimente die Forschung sehr. Doch, trotzdem ist es nicht schwer zu 
erkennen, dass die hiesigen marinen Tegel weit nach Norden hinausragen und 
die Wolf’schen Streifen eigentlich zusammenschmelzen und bis zu dem Wäldchen 
reichen, das die Niederung, welche sich südlich des Bahnhofes ausdehnt von dem 
Schirmdorf-Gebiet trennt. Noch im Jahre 1893 vermuthete ich, dass in dieser Niederung 
das Diluvium der Kreideformation direct aufgelagert ist. Im vorigen Jahre wurde 
ich jedoch eines anderen belehrt. Während meines letzten Aufenthaltes in dieser 
Gegend stiess ich hier auf eine im Bau begriffene Strasse, die Schirmdorf mit 
>öhm.-Trübau verbindet. Die ziemlich tiefen Fundamente dieser Strasse fand ich 
an vielen Stellen in den Tegel versenkt, welcher, hiedurch aufgedeckt, fasst von 


89 


der Ziegelei bis in das Wäldchen in den Strassengräben zu sehen ist. Damit 
war gleichzeitig entschieden, dass der miocaene in der Ziegelei aufgedeckte Tegel 
sich hier unter der Decke der sandigen, diluvialen Gebilde ausdehnt und endlich, 
dass er direct mit dem Tegel des Eisenbahneinschnittes in Verbindung steht. 

Bis allher war aus diesen Tegeln auch nicht eine einzige Art bekannt. 
Heute kennen wir eine wohl kleine, aber interessante Fauna, welche nebstdem 
auch dadurch Bedeutung hat, dass sie uns jene Bank zeigt, die von den übrigen 
als miocaene unterschieden werden muss. Denn auch hier ist nicht alles, was 
weicher Tegel ist und miocaenen Sedimenten ähnlich sieht, miocaenen Alters. 

Auf diesen Gedanken brachte mich in der hiesigen Gegend die folgende 
Beobachtung. Im verflossenen Jahre war ich zufälliger Weise im Eisenbahnein- 
Schnitte, u. z. auf dessen Sohle, als man unweit der Brücke, die, wie schon erwähnt, 
in der Nähe des Bahnhofes ist, einen Brunnen grub. Man grub im gelblichen, weichen 
Tegel. Ich nahm ein Handstück davon, etwa im Gewichte von 1/5 Kilogramm, 
gleichzeitig auch ein solches in Gewichte von etwa 1 Kilogramm von der Halde 
nächst der Station und schlemmte beide Stücke, jedes für sich. Die Resultate waren 
verschieden. Das erste Stück Tegel gab einen Schlemmrückstand aus feinem Sande, 
jedoch ohne Versteinerungen; das zweite Stück lieferte ebenfals einen Schlemm- 
rückstand feinen Quarzsandes, dafür mit Petrefacten. Nach der Fundstelle des der 
Halde entnommenen Tegels war es nicht schwer zu erkennen, dass derselbe etwa 
aus der halben Höhe des heutigen Bahneinschnittes stamme. Der Vollständigkeit 
halber, schlemmte ich auch noch den aus den sandigen Tegelschichten der Ziegelei 
genommen Tegel; doch der Schlemmrückstand desselben war steril. 


Die Fauna des Tegels aus der hiesigen mittleren Bank ist folgende: 


Gasteropoda. Virgulina Schreibersiana, 0214. . . 8 
Be piota Кой. оу 7 S бїздї Scania, Rss v re yv ed 
Echinodermata. Globigerina bulloides, d'Orb. . . . 88 
EXEUNT rs a Pullenia sphaeroidina, d'Orb. . . . h 
Foraminifera. Rotalia beccarii, Linné sp. . . . . h 

Dulimina pupoides, d'Orb. . . . . hh 


Es ist richtig, diese Fauna ist ärmlich. Besehen wir sie uns jedoch genauer, 
erkennen wir, dass, trotzdem sie verhältnismässig wenig Arten bietet, sie doch reich 
an Individuen ist, wodurch sie sich einigermassen den Faunen aus rein brackischen 
Tegeln nühert. Trotz dieses Merkmals kann man sie doch nicht in den Bereich 
dieser einreihen. Der Hauptgrund hiefür liegt denn doch in der verhältnismässig 
bedeutenden Entwickelung der Foraminiferen, welche mitunter durch Arten ver- 
treten sind, die nirgends in den Sedimenten der Brack- und in Halbbrackwässern 
auftreten. 


Schirmdorf. 


Fasst dieselben Ergebnisse, wie in dem Böhm.-Trübauer Tegel, erzielte ich 
bei umfassender Untersuchung des palaeontologischen Charakters des Schirmdorfer 
T а » AIXÉ . d Kë 
Tegels. Schon H. Wolf und J. Krejčí war er bekannt, jedoch nur was dessen 


40 


Ausdehnung anbelangt. Und in dieser Hinsicht muss ich bestätigen, dass sie richtig 
bestimmt worden ist, denn thatsächlich breitet sich der dortige Tegel, hie und da 
mit einer stellenweise ziemlich mächtigen Schicht bedeckt, auf der ganzen Aus- 
dehnung des Dorfes aus, wo er im Bachbette an zahlreichen Stellen aufgedeckt ist, 
und zwar in grossen und kleinen Gruben, die entweder frisch gegraben und leer, 
oder zum Theil verschüttet sind. 

Vom Böhmisch-Trübauer Tegel unterscheidet sich der hiesige nicht einmal 
durch die Farbe. Sein Schlemmrückstand ist ziemlich reich an feinem Quarzsand, 
dafür jedoch arm an Detritus von Gesteinsarten der Kreideformation. Auch sein 
organischer Inhalt ist nicht sehr gross; er enthält durchwegs Arten, die prächtig 
erhalten sind, und die sich dureh besonderen Reichthum an Individuen auszeichnen. 
Seine Fauna ist folgende: 


Ostracoda. Bulmmasarıns WOLD vor mp 
jytheridea Mülleri, Münst. . . . . в Jristellaria intermedia, d'Orb. . . ss 
Echinodermata. Pullenia sphaeroides, d'Orb. . . . s 
SURCHOL soe em 8 Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . s$ 
Foraminifera. Rotalia beccavü, Linné sp. . з, 8 

Bulimina pupoides, d'Orb. . . . . hh 


An dieses Verzeichnis schliesse ich ein anderes, dessen Material mir der 
Herr Sanitäts-Rath Dr. К. Katholicky aus Brünn lieh. Er stellte mir einen sorg- 
fältig ausgeschlemmten Rückstand zur Verfügung, betreffs dessen man schon auf 
den ersten Blick erkannte, dass derselbe einem dem Landskroner, beziehungsweise 
Böhmisch-Trübauer Tegel aequivalenten Gebilde angehören dürfte. Dieser Rückstand 
stammt aus dem Tegel des Dorfes, er ist jedoch an Individuen reicher als der, 
dessen Fauna oben angeführt ist. Diesen Reichthum des Schlemmproductes des 
Herrn Dr. Katholicky schreibe ich dem Umstande zu, dass er ein grösseres Stück 
des Tegels schlemmte. Dass seine Fauna aus demselben Tegel stammt, wie die 
meinige, wird jeder zugeben, der die vorangeführte Fauna mit der folgenden in 
Vergleich zieht. 


Echinodermata. Bulimina afinis d ОО un a. Ш 

НОО EIN. a a a у » punctata, d’Orb. . . . .hh 
Nodosaria venusta, Rss. . . . . . 88 

Foraminifera. cute MR LP e GaU sic a 

Bulimina pupoides, d'Orb. . . . .hh Rotalia. beccarii, Linné sp. . . . . 8 
а orate, dA D onere ceo ШИ. Nonionina communis, d'Orb. . .. 8 


Beide diese Verzeichnisse sprechen klar dafür, dass die Fauna des Schirm- 
dorfer Tegels vollständig mit der des Böhmisch-Trübauer, Landskroner und, wie wir 
später sehen werden, auch mit der des Wildensehwerter Tegels übereinstimmt. Diese 
Uebereinstimmung beruht vor allem in der geradezu auffälligen Entwicklung der fol- 
senden Arten: Bulimina ovata, В. affinis und theilweise selbst B. punctata, ferner im 
allgemeinen Charakter und dann schliesslich darin, dass sie den Familien- und 
Artenreichthum der Faunen des Rudoltitzer und Lukauer Tegels vermissen lässt. Iu 
ihrem Wesen erscheint sie jedoch als ein stark redueirter Typus des Rudoltitzer 
und Luckauer Tegels. 


Wildenschwert. 


Der hiesige miocaene District ist der nordwestlichste Theil des ostbóhmischen 
Miocaengebietes. Hinter demselben gibt es weder nach Norden, noch nach Westen 
neogene, marine Sedimente. Bis in diese Gegend reichte das grosse neogene 
Meer, dessen Gewässer einst Mähren, Ober- und Niederösterreich bedeckten und 
sich über Ungarn, den Balkan und Kleinasien bis an den indischen Ocean er- 
streekten, im Norden mit dem grossen, wolhynisch-südrussischen und mittelasiati- 
schen Meere, im Westen mit dem französischen, dem  belgisch-deutschen und 
englischen, im Süden sodann mit dem Mittelmeere zusammenhängend. 

Auch betreffs des hiesigen Distrietes danken wir die erste Nachricht 
H, Wolf. Es ist merkwürdig, dass dieselbe so schnell verschwand, und dass man sich 
derselben erst wieder im verflossenen Jahre erinnerte. Dr. Æ. Tietze theilt in sei- 
nem Reiseberichte mit, dass ein grosser Theil Wildenschwerts auf den neogenen 
marinen Tegeln ruht, welche bei der Grundaushebung für Neubauten aufgedeckt 
wurden. 

Mir gelang es nicht, Tegel in den Fundamenten neuer Häuser zu finden. 
Ich kam nach Wildenschwert, als jene bereits verbaut und unzugänglich waren. 
Es blieb mir daher nichts übrig, als diese Tegel hinter der Stadt zu suchen. 

Ich wählte aus guten Gründen den Westen des städtischen Rayons. Ich 
vermuthete nämlich, dass ich in den dortigen Einschnitten, Schottergruben und der 
Ziegelei Näheres über sie erfahren werde. Die Einschnitte und die Schottergruben 
enttäuschten mich, zum Glück aber nicht die letztere. Doch auch das in den 
Schottergruben erhaltene Resultat ist lehrreich und interessant, denn es bestätigt, 
dass nicht alles, was Tegel ist, auch gleichzeitig miocaenes Sediment sei. 

In den erwähnten Schottergruben sind mächtige, geschichtete diluviale 
von sandigen Zwischenlagen durchsetzte Schotterbänke, aufgedeckt. Unter diesen 
Schottern dringt etwa 2 Meter oberhalb der Strasse ein gelblicher Tegel hervor, 
welchen wir, falls wir ihn in der Böschung durchgraben lassen, direct auf dem harten 
Mergel der Priesener Stufe aufgelagert finden. 

Was den. Schotter betrifft, muss ergänzend hinzugefügt werden, dass der- 
selbe in der hiesigen Gegend weit verbreitet ist, und dass derselbe in petrogra- 
phiseher Hinsicht mit den Schottern von Chotzen-Hohenmauth harmonirt, 

Als ich diese Umstände erkannt hatte, war ich neugierig zu erfahren, 
Welchen Alters beiläufig der erwähnte Tegel unter dem Schotter sei. Im ersten 
Augenblicke vermuthete ich sogar, dass er miocaener Herkunft ist. Von dieser 
Anschauung kam ich jedoch sofort ab, als ich die Schichtenlagerung in der Zie- 
gelei des Herrn J. Hernich eingehender studirt hatte. 


In dem dortigen seichten Einschnitte treten schwache Schotter hervor, 
unterteuft von einer Bank gelben Tegels und überlagert vom diluvialen Lehm. 
Weiter forschend stiess ich hier bei einem frisch gegrabenen Brunnen auf eine kleine 
Halde bläulichen Tegels, dessen Farbe nach dem Feuchtigkeitsgrade wechselte. 
War er trocken geworden, so hatte er eine lichtgraue Farbe mit einem Hauch 
Ins Blaue, war er jedoch feucht und aufgeweicht, so wies er eine dunkelblaue 


42 


Farbe auf. Er ist fein, plastisch und unterscheidet sich auffällig von dem oberen 
gelblichen Tegel. Betreffs dieses Tegels zweifelte ich keinen Augenblick, dass 
er miocaener Herkunft sei. 

Diese Vermuthung wurde dann zur Genüge durch den palaeontologischen 
Inhalt seines Schlemmrückstandes bestätigt. Neben den schön erhaltenen Fossilien 
besteht derselbe auch aus feinem Quarzsand, der jedoch nur spärlich vorhanden ist. 
Dagegen ist der Schlemmrückstand des gelblichen Tegels reich an grobem Sand und 
grobem Detritus von Gesteinsarten der Kreide- und Urgebirgsformation, doch Petre- 
facten wurden nicht constatirt. 

Das hier angeführte Verzeichnis enthält die Fauna des miocaenen Tegels 
von Wildenschwert : 


Foraminifera. 
Echinodermata. Bulimina pupoides. d'Orb. . . . .hh 
Stacheln und Ambulacralplatten . . . в Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . h 
Rotalia beccarii, Linné sp. . . . . hh 


Es ist zwar richtig, wie überhaupt aus diesem Verzeichnis leicht zu er- 
sehen ist, dass die Fauna des unteren Wildensehwerter Tegels (d. i. des miocae- 
nen) sehr arm an Arten ist, aber da darf gleichzeitig nicht unerwähnt gelassen 
werden, dass gerade die Individuenmenge dieser Arten in die Wagschale fällt 
und durch ihre Merkmale am wichtigsten erscheint. Die in derselben sich vorfinden- 
den Arten schmiegen sich eng in dem charakterisirenden Rahmen, nur das bestäti- 
gend, was durch diesen Rahmen begründet erscheit. Es ist uns daher auch nicht 
einen Augenblick zweifelhaft, in welehe Gruppe die in Rede stehende F'auna unseres 
ostböhmischen Miocaengebietes angehört. Alles spricht dafür, dass sie sich als am 
stärksten modifieirter und reducirter Typus der Landskroner, Rothwasser und 
Schirmdorfer Tegel prüsentirt, welche wieder ihre entwickelten Typen in den Faunen 
der Rudoltitzer und Luckauer Tegel besitzen. 


Das Gebiet der brackischen Tegel. 


Schon A. E. Reuss war der eigenthümliche Charakter der Fauna der Abts- 
dorfer und Triebitzer Tegel aufgefallen; denn es entging ihm der Unterschied nicht, 
der diese von der Rudoltitzer Fauna schied. Deshalb trennte er auch jene von dieser 
ab, und als er von derselben sprach, nahm er keine Notiz von der Rudoltitzer. In 
der Rudoltitzer Fauna hingegen erblickte er einen rein marinen Typus, in der 
Abtsdorfer und Triebitzer aber den brackischen. Es ist daher natürlich, dass er 
diese Faunen auf das Niveau jener der Cerithienstufe stellte, die wir heute mit 
einem anderen Namen bezeichnen, nämlich mit dem Namen: der sarmatischen Stufe. 

Heute allerdings, wo wir im Besitze reicherer Erfahrung sind, als man sie 
Vor 30 Jahren hatte, sehen wir die Faunen der Abtsdorfer und Triebitzer Tegel in 
einem einigermassen anderen Lichte. Ganz besonders, wenn wir sie mit jenen 
Faunen vergleichen, welche Prof. F. Тоша!) in seiner Arbeit über das Vorhanden- 
Sein der Art Cerithium lignitarum anführt. Aus dieser Arbeit Toula's geht hervor, 
dass das gemeinsame Auftreten der Arten Cerithium lignitarum, С. Duboisi, C. 
pictum, Buccinum Schöni, Nerita picta u. s. w. kein zufälliges ist, sondern, dass 
DR von gewissen physikalischen Umständen abhängt, welche den brackischen 
Charakter bedingen und dann, dass die brackischen Distriete zur Miocaenzeit 
gleichzeitig mit den marinen Districten und Gebieten bestanden haben. Toula und 
viele andere sind’ der Anschauung, dass die miocaenen, brackiscken Depöts in 
den Grunder Horizont gehören. Es ist kein Zweifel, dass einige diesem Horizonte 
einzureihen sind, aber unsere ostböhmischen Districte sicherlich nicht. 
| Mit Rücksicht auf diese brackischen Bezirke, deren Тоша in unserem 
inländischen Mioeaen verhältnismässig genug anführt, handelte es sich mir vor 
allem darum, sicherzustellen, ob da der in unseren Bezirken auftretende Faunen- 
typus mit jenem aus den brackischen übereinstimmt und weiter, ob er ein 
Ursprünglicher ist, oder aber, ob er sich nicht, allmälig durch Veränderung der 
physikalischen Verhältnisse beeinflusst, aus dem marinen Typus entwickelt hat. 
Auf diesen Gedanken brachte mich unwillkürlich der Charakter der Rudoltitzer 
Fauna, wie sie Reuss anführt, Ihn verfolgend, bin ich natürlich darauf gebracht 
Worden, auch die Mikrofauna eingehend zu beachten und das in Rücksicht auf 


SD OUO 1106 010 Юаш 


44 


alle Bänke, ja selbst die Bänke verschiedener Lage. Das Resultat dieser müh- 
samen Arbeit ist interessant, da es wichtige faunistische Details aufdeckt, welche 
uns sonst entgehen würden. Auf diese Weise wurde der Charakter der Schirm- 
dorfer Fauna entdeckt und bestimmt, welcher in vielen Stücken an die Fauna von 
[аа aus dem südlichen Mähren erinnert, denn auch diese unsere ostböhmische 
Fauna ist, wie die erwähnte südmährische, aus zwei Elementen zusammengesetzt, 
nihmlich aus dem brackischen und aus dem marinen. 

Ich beginne absichtlich mit Abtsdorf den Charakter unserer ostbóhmischen, 
brackischen Depóts zu schildern. 

Ich bin hierzu einerseits dadurch veranlasst, dass auf diesem Fundorte eine 
reiche reine Fauna vorhanden ist, andererseits, dass es dort möglich ist, eine aus 
drei verschiedenen Lagen stammende Fauna zu untersuchen und schliesslieh, dass es 
daselbst gelingt, den Charakter der Fauna der Austernschichte sicherzustellen, aus 
welcher einstens grosse Stücke zusammengewachsener Austern abgebrochen und 
blos ein einziges Stück durch Prof. Dr. Anton Frič dem böhmischen Museum ein- 
verleibt wurden. 


Abtsdorf. 


Westlich vom Südende des Dorfes, das sich in einer seichten, in die Turon- 
schichten vertieften Niederung ausbreitet und durch welche ein kleines Bächlein 
nach Südost eilt, durehfurcht der Eisenbahndamm der Staatsbahn, etwa 10 Minuten 
hinter der Abtsdorfer Station, miocaene Sedimente, gegen Norden jedoch dünn- 
blättrige harte Mergel. An den beiden Einschnittsböschungen, die stellenweise be- 
deutend hoch, jedoch nur sanft geneigt und an einzelnen Punkten tief ausgehoben 
sind, treten weiche, fette bläuliche Tegel zu Tage, auf denen gelbliche Tegel liegen, 
die von einer ziemlich mächtigen Schichte diluvialer Schotter bedeckt sind. 

Diese Tegel hat zuerst A. Æ. Reuss palaeontologiseh ausgebeutet, zwei Jahre 
später wurden dieselben durch H. Wolf und dann erst nach einer geraumen Zeit 
dureh J. Krejčí auf ihren geologischen Kartenblüttern ausgeschieden. 

Das Gebiet dieser Sedimente scheint verhältnismässig klein zu sein, denn 
nur auf einer unbedeutenden Fläche ist es möglich, die hiesigen Tegel deutlich 
zu verfolgen. Sehr leicht ist dies von der Brücke hinter dem Wüchterhause No. 191 
bis zur nördlichen Nachbarbrücke. Ebenso sind rechts und links vom Eisenbahn- 
einschnitte und der Anschüttung miocaene Schichten aufgedeckt, jedoch sehr uu- 
vollkommen. Ganz verdeckt finden wir sie dagegen westlich von der Bahntrace. 
Selbst in der Niederung, östlich vom Damme würde man sie vergeblich suchen, 
wenn sie daselbst nicht ein enger, seichter an der Mündung des kleinen Querthales, 
das von der Bahntrace zum Neuteich führt, befindlicher Graben aufgedeckt haben 
würde. Ich vermuthe, und, wie ich glaube, ganz berechtigter Weise, dass das hiesige mio- 
caene Depót im turonen Grundgebirge vertiefte Erosionswannen und Graben ausfüllt, 
in denen sich jetzt entweder sumpfige Wiesen, oder seichte, ziemlich grosse Teiche 
ausbreiten. Diese Anschauung bestätigt mitunter auch der Umstand, dass auf der 
gegenüberliegenden Seite unserer Niederung, hinter dem östlichen Rande des Neuen 


| 


45 


Teiches, beim „Viehweg“, in einer Grube blauer Tegel vom Charakter des Abts- 
dorfer und Triebitzer gleichzeitig mit gelbem Tegel im Hangenden zu Tage tritt. 

Bei den d. z. Verhältnissen gelingt es nicht, die Mächtigkeit des Abts- 
dorfer Miocaensedimente festzustellen. Es verhindert dies nicht nur die Decke 
der jüngeren Gebilde, sondern auch der Umstand, dass es hier keinen Aufschluss 
giebt, welcher bis auf das Grundgebirge reichen würde. Allerdings, annähernd 
ist es nicht schwer, diese Mächtigkeit abzuschützen. Was das betrifft, stimme ich 
mit Reuss überein, dass das hiesige miocaene Schichtensystem schwach ist. 

An einigen Punkten im Eisenbahneinschnitt ist es selbst heute nicht leicht, 
die Schichtenfolge zu bestimmen. In der Regel trit& der Rasen und die Terrasirung 
hinderlich in den Weg. Dafür giebt es aber dort Stellen, wo es unschwer gelingt, diese 
Reihenfolge zu beobachten und anzugeben. Zu diesen gehórt die Bóschung gegen- 
über dem Wüchterhause No. 191. Hier kann man rasch und leicht das Ausgehende 
der Austernbank und der übrigen an Ueberreste, namentlich der Art Cerithium pictum 
reichen Bänken wahrnehmen, deren Gehäuse sich Hunderte an der Oberfläche der 
unteren Dank im dunkelblauen Tegel verstreut vorfinden. 

Die Schichte des dunkelblauen Tegels ist mächtiger, als die des gelben. 
Ihr Tegel zeichnet sich durch einige Eigenschaften aus, denen zufolge es leicht 
möglich ist, ihn zu erkennen. Er ist weich, plastisch; wenn er frisch ist, so hat er 
eine dunkelblaue Farbe; ist er trocken, eine lichtblaue. Sein Schlemmrückstand ist 
sehr geringfügig. Dieser besteht ausser aus organischen Resten auch aus feinem 
Quarzsand und sehr wenig Detritus aus Gesteinsarten der Kreideformation. 

Aus diesem Tegel stammt das reiche Austernmaterial, welches vor Jahren 
Dr. A. Frič, als er daselbst die Kreideformation studirte, von hier fortführte. 

Als ich dieses herrliche Material erblickte, war mir klar, dass es aus einer 
Schichte stammt, an deren Ausgehenden sich jetzt zahlreiche Austernbruchstücke 
herumwälzen. Doch direkte Beweise fehlten mir damals. Diese fand ich im v. J. an 
der Stelle, woselbst ich die obere Partie durchgraben liess. Unter dieser zeigte sich 
eine solche Menge grosser Schalen, dass es keinen Zweifel gab, dass das erwähnte 
Material thatsüchlich aus dieser Bank herrührt. Noch auf eine andere Weise 
gelangte ich zu derselben Überzeugung, und zwar durch das Studium der Fauna des 
aus den Austernschalen des Frici'schen Materials gewonnenen Tegels. Diese Fauna 
lst sehr interessant und wichtig, indem sie gleichzeitig die Gelegenheit bietet, einen 
Faunen-Typus zu erkennen, der uns bisher mehr weniger unbekannt war. 

Schliesslich kann ich nicht den Eindruck verschweigen, den auf mich das 
Ausgehende dieser Austernbank im Terrain gemacht hat. Im ersten Augenblicke 
vermuthete ich, dass hier eine Austernbank vorliegt etwa vom Charakter der 
von Bedřichovic bei Brünn, der von Lul& südwestlich von bei Wischau, der Eiwa- 
nowitzer nördlich von Brünn, der von Železný und Drásov bei Tischnowitz, der 
von Předmostí bei Prerau und der Slatenicer (Gross Latein) bei Čelechovice in 
Mähren. In dieser Vermuthung bestärkten mich vielfach die gemeinsamen Arten. Trotz 
alledem verscheuchte sie wieder der U mstand, dass all die früher genannten mährischen 
Austernbänke sich auf die Abhänge der in das damalige Meer frei hinausragenden 
Erhebungen beschränken, während auf unseren ostböhmischen Fundorten die Austern- 
bank stellenweise in die übrigen Schichten ziemlich weit ausgreift. Dieser Umstand 


46 


genügte, um einen Unterschied zwischen dieser Austernbank und den erwähnten 
mährischen Bänken zu machen. Was nun dieser Umstand nur theilweise anzudeuten 
schien, bestättigte die Durchforschung und die Vergleichung der Faunen. Daraus 
geht hervor, dass die Fauna der Austernbänke Mährens eine rein marine, während 
in diesem Falle jene von Abtsdorf eine brackische ist. 

Die Fossilien dieser Austernbank, welche vom Regen ausgewaschen, an 
der Oberfläche umherliegen, sind grösstentheils schlecht erhalten. Ganz besonders 
gilt dies von den Schalen der grossen Austern. Diese zerfallen in dünne Blättchen. 
Hingegen sind die übrigen Gehäuse ausgebleicht und vielfach zersprungen. Aus 
all dem ist klar, dass derjenige, welcher unter den heutigen Verhältnissen im Abts- 
dorfer Tegel eine wohlerhaltene Fauna erbeuten will, sich nicht damit begnügen 
darf, Versteinerungen etwa an der Oberfläche zu sammeln, sondern darauf bedacht 
sein muss, Tegelmaterial zu gewinnen, welches von den Atmosphärilien unberührt ist. 
Auf diese Weise erhielt ich die hier aus dem Abtsdorfer Tegel angeführten Faunen. 

Die hier an erster Stelle angeführte Fauna entstammt einem Tegelstücke, 
welches aus einer Austernschale herausgelösst wurde, die Herr Prof. Dr. A. Frič 
heimgebrachte. Die nachfolgende Fauna habe ich jedoch aus einem Tegel ausge- 
schlemmt, den ich an Ort und Stelle einer Tegelbank entnahm, die sich in dem 
Liegenden der Austernbank befand. 


A. Fauna aus der Tegelfüllmasse einer Austernschale. 


Pisces. Odontostoma Hoernesi, Rss. . . . . 88 
Otolithus (Gobius) Bohemicus, Proch. ss Turbonilla pygmea, Grat. . . . Pë 
2.5 ШӨ) ee ow eto Nerita pieta, Per. Au. ov ww ov M 
Chemnitzia minima, M. Bast, BEE 
Ostracoda. a Reussi, M. Hoern.. . . 8 
Bairdia exilis, Rss. . . . . . . . 88 Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. .hh 
быы, POM NEN suci iet ns Й à GEN, BOW... о т v 

.. jheberoshgma, Rss. ..... .. 

Balanidae. Lamellibranchiata. 

% 3 20 
sensui EE Teredo Norvegica, Spengl. . . . . 88 
ii Ае Corbula. Mate ON as е 
Gasteropoda. * inris АЩ oves o 
Buccinum Schöni, К. Hoern u. А. . 8 о Mactea, асв, PROCI ы, oon 
Cerithium lignitarum, Eiehw. . . . h Tellina spec. (Bruchstücke) . . . . 8 
i Dubois; M. Hoori» в Circe. minina MODO Ее 
$ ll akuten EECH Erycina: Bohemica, Proch. . . . . 8 
^ HEET Echt Mie Fre Hu EE 
m LEE Pecten spec. (Bruchstück) . . ... 88 


1) Diese Art führe ich blos hier an; an a. О. dieser Schrift erwähne ich ihrer deshalb 
nicht, da mir deren kleiner Otolith leider bei Beginn der Studien in Verlust gerathen ist und ich 
nicht mehr im Stande war, andere aufzufinden, trotzdem ich mich in dieser Richtung eifrig und 
gewissenhaft bemüht habe. 


4T 


Ostrea crassissima, Lam. . . . . .hh Foraminifera. 
»  giengensis, Schoth. sp. . .hh 
m ОО БОША ШЕШ num. aeu Truncatulina praecincta, Karr. . . h 
DO COGI GARD. ШШДЕП eese ш. S lagena Epos e oro NNI RAS 


Dieses faunistische Resultat ist zwar interessant und lehrheich, allein, es 
befriedigt nicht ganz. Es giebt nämlich nicht genug genau an, welchen Charakters 
die Fauna des die Austernbank einschliessenden Tegels ist. Die physikalischen Verhält- 
nisse in den Meeresarmen sind, wie bekannt, oft viel häufiger veränderlich, als 
m offenen Meere. Es ist daher natürlich, dass wir dahin geführt werden, uns auch 
um die Fauna der untergeordneten Bänke zu kümmern und uns mit der Kenntnis 
der Fauna, die wir aus einem kleinen Tegelstücke ausschlemmen, nicht zu begnügen. 
Denn, wer bürgt dafür, dass die Bank unterhalb der Austernschichte nicht den 
Charakter des Rudoltitzer Tegels haben könnte? Nur die genaue Durchforschung 
dieser Bank ist im Stande, auf diese Frage eine verlässliche Antwort zu geben. 
Deshalb habe ich auch diese Schicht berücksichtigt. Ihr Tegel ist ebenfalls dunkel- 
lau u. z, im frischen Zustande dunkel, im trockenen dagegen licht. Die in dem- 
selben auftretenden Versteinerungen sind zumeist gut erhalten, jedoch nicht besonders 
häufig, Sein Schlemmrückstand enthält verhältnismässig wenig Detritus; die Fauna 
Ist die folgende. 


B. Die Fauna des Tegels unter der Austernbank. 


0 Pisces. HEED Spoon. rou rs "BS 
tolithus (Serranus) insignis, Proch. ss Melanopsis tabulata, M. Hoern. . . h 
Rissoa Montagni, dOr sy ... h 


Ostracoda. 
Bairdia ef. obesa.. Ras h ic SOFAS, QUUD (www vs B 
АК ШЕП ЖО M Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. . hh 


Gasteropoda. 


Buccinum Behünl, R. Hoor u А... A Lamellibranchiata. 

Cerithium ШШ, Bart: oee Ш Teredo Norvegica, Spengl. . . . . ss 
айса cf. redempta, Michli. . . . 8 ? Маса Zone, Proh . .. .. д 
Nerita ШО ШЕ ЗЛА и Psammobia spec. . . wu а жоо Ж 
Turbonilla pygmea, QAO s. >... 88 Cardium Opatovense, Proch. . . . hh 
hemnitzia Reussi, M. Hoern.. . . 88 Ostrea giengensis, Schloth sp.. . . hh 


Bn Nach diesem Resultate war ich natürlicherweise bestrebt, auch die Fauna 
i die Austernbank überlagernden Tegelschicht kennen zu lernen. Es war offenbar, 
Was eigentlich schon aus der blossen Berücksichtigung vieler Umstände hervorging, 
en Unterschiede zwischen den Faunen dieser Tegellagen, trotzdem sie gering 
пеп, sich doch offenkundig dargeboten haben. 
ев sich Auch der Tegel dieser Schichte unterscheidet sich nicht wesentlich, soweit 
nämlich nur um den petrographischen Charakter handelt, von dem die 
mE unterteufenden Tegel. Denn auch er ist fein, plastisch und hinterlässt 
emmrückstande ausser den gut erhaltenen Fosilien einen feinen Quarzsand. 


C. Die Fauna des Tegels über der Austernbank. 


Pisces. Melanopsis tabulata, M. Hoern. . . ss 
I 
Otolithus (Gobius) Dohemicus, Proch. ss Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. . hh 
I D d 
Ostracoda. Rissoa Montagn Pt. rin we 
Bairdia heterostigma, Rss. . . . . h Lamellibranchiata. 
о H 
Gasternpoda. Corbula carniata, Dura au. Я 
Buccinum Sehóni, R. Hoern u. A.. 8 ? Mactra fragilis, Pool... Geet 
Cerithium pictum, Вато. 2200, 88 Psammobia spec. . . .. A 
Bun daten (ng РИШ A E атр Cardium Opatovense, Piok MU M 
Меи MOR, D GE рер лса Ostrea giengensis, Schloth. sp. . . h 


Vergleichende Uebersicht der Faunen der Abtsdorfer Tegelbänke. 


“a2: 
БЯ нана B 
Ф.о | © Po Ф 
ЗА је |ео | e 
Name les: 
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Otolithus (Gobius) Bohemicus, Proch. . . .. f 8S-| gg N 
2 b (Serranus) insiens, Росо a... nes | 
Ostracoda. | 
ne a E ecu C EE ое р | 
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Balanidae. 
(н БАШ SOON ne Л E lee a Ў 
т uch, quere. Ae e EN ГЕ 
Gasteropoda. 
8 Buccinim У ОООО Re EIER h S 8 
9 Cerrthrum, henitarutu altehm e d ou vr dee dome h EICH 
10 Ч Duvois dee . . os sov e 8 | 8 
11 " пеш, БЕН ео Уз. cube e El S Мы а. КИ 
12 й ВСА OUVE Sa e ado e AQUA. ERR | 
19 Odontostoma Hoernesi, Res. d rn, 88 : ; 
14 | Turbonilla pygmea, Grat. . .. бы ie oe eel E EES ‚ 
15 e EE d 8 ; 
E ee E rf Eu i IST: 
17 ve on CK enger e EE EE aA à ; b 
18 Nerita picta, Fèr. . EE E ОШ Ш ERT 
19 Ohemnitzia minima, M. Hoern. Sent take at dos ET: ; 
20 у Re DEE 
Ae: EE EE A EE d 8 i 
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ЖО ШИ MEMA, ADU wo WT UP е ут; | ^ 1 
24 | Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoorn. . . . . . . . hh |hh | hh | hh 
25 А Frauenfeldi, var. Bohemica, Proch. . .|h|. ; i 
26 ý concinna Sowerb. уйлерш sch wf la Pd io 
€ . 
27 | Melanopsis tabulata, M. Hoern.. . . . . . . .| h vicis BS a 


Lamellibranchiata. 


ES | Teredo Norwegiem, Бреда ... . . (os so. ЕН |. 88 s 
РИСИ о E x s vul: 1l 
E CON ED E EE AC e S 
ЗІ „Пн Duk е ао sen BOB оо Ош 
А Е Е В i 
ED Dire minia, Mont о os cem е я TUN eo 
EE M ID. d e ERC ansehen E 

Do Daran Opktovense, Роба... ie , |. 6 

РОИ овоа PIOCHE orn ео р IDEST 
uni Moutola-biloxnis, Biss sy AN Sn). CA proque. i 
Be even. 000М1ёал Boll. стао An ix oos dEr ede 
39 El СОАУ Шеин Аз ee be h 7 i 
40 Cc OE NU DO d aci uc acc RO er] de es 
41 s . slengenais, Schoth, M. . ен, "RR Du]. 0 | mu 
42 Ие, Па EE RE es ET 4 


Foraminifera. 


48 | Truncatulina praeeincta, Karr. . Шр (bh, í 
EN ae аре mque E ets Р 


Ka Ich führe diese vergleichende Uebersicht der Abtsdorfer Hannen aus zwei 

Gründen an, erstens, damit auf leichte Weise dem Leser gezeigt werde, wie weit 

sch bisher die Fauna dieser hochinteressanten Sedimente gekannt hat, und zweitens, 

ars die durch zahlreiche Details ausgezeichneten Hauptmerkmale dieser Fauna, 
9 80 scharf charakterisiren, hervortreten. 


Bär: E wie viel die Kenntnis der Abtsdorfer Fauna durch die jetzige, neue 
ZER orsehung erweitert und vertieft wurde, ist unnóthig besonders hervorzuheben ; 
| o Uns zu sehr an dem ирин zu DENN Und Soweit es sich um 
han Ti von jenem der Fauna des Triebitzer Tegels verschiedenen Charakter 
e Ee n es nöthig, vor allem nachdrücklich zu bemerken, dass er darin beruht, 
„er Abtsdorfer Tegel viel reichhaltiger an Individuen der Art Buccinum Schöni, 
erithium pictum ist und ausserdem, dass er ferner den Individuenreichthum der 


Art 1 j | А 
t» Melanopsis tabulata vermissen lässt und endlich, dass er sich an Austern 
eich erweist, 


50 


Diese Merkmale springen bei dem Betreten des Fundortes sofort in die 
Augen und deshalb gilt von denselben mit vollem Rechte, dass sie dem Gesammt- 
charakter der Fauna in gewissem Masse den Stempel aufdrücken. 

An marinen Arten wurde im Abtsdorfer Tegel auch diesmal nur Unbe- 
deutendes gefunden, trotzdem denselben die eifrigste Aufmerksamkeit gewidmet wurde. 
Von diesen Arten gilt der Ausspruch Zeuss'ens, dass sie so verkümmert erscheinen, 
als ob sie Brut wären. Wir überzeugen uns von dieser interessanten Erscheinung, 
wenn wir zum Beispiel die Schalen der Corbula carinata aus unserem Tegel mit 
den aus dem Tegel der Badener Facies oder aus dem Grunder Sande stammenden 
Schalen vergleichen. Zu demselben Resultate gelangen wir, wenn wir ferner die 
Schalen der Art Circe minima aus dem Abtsdorfer Tegel jenen aus der Badener 
oder der Grunder Facies gegenüberstellen. Hier sei gleich hinzugefügt, dass die 
hiesigen brackischen Arten dieselben Dimensionen zeigen, wie sie sie in den marinen 
Tegeln aufweisen; ich meine z. B. die Art Cerithium lignitarum, oder Cerithium 
pictum, ferner die Foraminiferen und Ostrakoden. 

Aucb diesmal wurde alles gethan, was auf die Spur des seltenen Fundes 
des tertiaeren Säugethieres der Art Dinotherium giganteum hätte führen können, 
dessen Ueberreste hier inden 60er Jahren zufälliger weise in dem Tegel des 
Hisenbahneinsehnittes entdeckt wurden, nichtsdestoweniger blieb unser Bestreben 
erfolglos. Den seltenen, vom Hofrath Ritter von Sacher zum Geschenke gemachten 
Fund bewahren die palaeontologischen Sammlungen des Museums des Königreiches 
Dóhmen. 


Rybnik. 


Nachdem ich die Arbeit in dem Distriet der brackischen Tegel von Abtsdorf 
beendet und ihre Fauna ausgebeutet hatte, begab ich mich nach dem nächsten 
miocaenen Distriete, zum „Neuen Teiche“. Ich war wohl berechtigt zu glauben, 
dass ich ein Tegelgebiet, das jenem des Abtsdorfer aequivalent ist, betreten werde. 

Bestärkte mich doch in diesem Gedanken das Kartenblatt der geologischen 
Reichsanstalt und das geologische Kartenblatt des Prof. J. Krejčí, auf welchen 
beiden das Depót der miocaenen Tegel östlich und westlich vom Rybník deutlich 
eingetragen ist. 

An Ort und Stelle fand ich thatsächlich Tegel vor, die in zwei Bänken 
zu Tage traten. Allein der Charakter dieser Sedimente machte auf mich nicht 
den Eindruck von miocaenen Bildungen. Aus dem äusseren Habitus schloss ich, 
dass ein Sediment vorliegt, welches jünger ist als das neogaene. Trotzdem wagte 
ich nicht sofort eine bestimmte Ansicht auszusprechen, da ich das in diesem Falle 
allein entscheidende Resultat der Durchforschung des Schlemmrückstandes nicht 
vor mir hatte. 

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als das Verhältnis dieser Tegel 
zum Liegenden zu untersuchen und ihre Ausdehnung zu ermitteln. Diese ist unbe- 
deutend. Denn sie treten nur dort hervor, wo die jüngeren Gebilde erodirt sind. 
Gegenüber dem Damme am Fahrweg, auf dem sogenannten „Viehweg“ haben 
sie die Bewohner aufgedeckt, die mit denselben die Trümmer pflastern und die 


91 


Wasserdämme ausfüllen. An der gedachten Stelle haben dieselben einen Schacht 
abgeteuft, in dem, wie früher erwähnt wurde, zwei Tegelbänke erschlossen wurden, 
die untere, mächtigere von bläulicher, die obere schwächere, von gelblicher Farbe. 
Die untere Tegelbank ähnelt in ihrem Aeusseren dem bläulichen Abtsdorfer 
Tegel sehr und dies umsomehr, da dieser fein, an Kalk verhältnismässig arm 
und plastisch ist. Geschlemmt hinterliess er im Rückstand sehr wenig Detritus. 
Dieser besteht durchwegs aus überaus feinen Bruchstücken, worunter selbst bei 
mikroskopischer Betrachtung keine Spur von organischen Ueberresten nachgewiesen 
Werden konnte. 
a Zu denselben negativen Resultaten gelangte ich, als ich den gelblichen 
Tegel der oberen Bank geprüft hatte. 
s Der äussere Habitus dieser Tegelbänke, welcher jenem der alluvialen 
Gebilde gleicht, die fast in der ganzen, kleinen Ebene der Umgebung von Rybnik 
verbreitet sind und die ihr Dasein dem Priesener Mergel verdanken, ferner die 
Lagerungsverhältnisse derselben und schliesslich der Umstand, dass die gedachten 
Tegel nicht eine Spur miocaener Fauna enthalten, spricht für die Ansicht, dass der in 
Rede stehende Tegel von Rybnik dem Miocaen nicht angehört, sondern, dass 
derselbe jünger ist als sein Liegendes. 


Triebitz. 


Etwa eine Viertelstunde nordwestlich von Triebitz, nordwestlich der 
Neuen Fisenbahnstation, dehnt sich auf einer verhältnismässig kleinen Fläche ein 
Streifen miocaener Sedimente aus, die in den 50er Jahren zufällig entdeckt wurden, 
als man einen tiefen Eisenbahndurehstich hinter der jetzigen alten Eisenbahn- 
Station herstellte. Damals wollte man auch auf dieser Trace einen Tunnel haben, 
Jedoch ohne grosse Auslagen und anstrengende Arbeit. Für diesen Zweck schien 
ihnen die sich quer über das Thal dahinziehende Erdwelle sehr verlockend, da es 
leichter war ihr Material (Tegel) za durchbohren als das der benachbarten Quader- 
Sandsteine, Und so stellte man um mässiges Geld und in verhältnismässig kurzer 
Zeit einen hübschen langen Tunnel her, der leider Gottes nur kurze Zeit dauern sollte. 
m Heute, nach theueren Erfahrungen, würde es allerdings niemandem einfallen, 
In ein, dem Bau so geführliches Material, wie es der Tegel ist, einen Tunnel zu 
Braben, insbesondere, wenn dessen Liegendes eine mächtige Sandschicht birgt, zu 
Welcher die Tagwässer freien Zufluss haben. Anders war es allerdings damals! Man 
“annte seine Eigenschaften noch nicht gut genug, und da man nur den Vortheil 
Im Auge behielt, vertraute man mit um so grösserer Beruhigung das kostspielige 
nd wichtige Werk dem trügerischen Tegel an. 

Doch sehr bald sollten sich seine gefährlichen Eigenschaften geltend 
en: Durch Sickerwässer, Druck und Belastung rutschten die Böschungen des 
esigen Dammes ab, der Boden des Tunnels begann sich zu wölben, das Gewölbe 
Je weiter, desto mehr rissig zu werden; es zeigten sich plótzlich die Anzeichen, 
dass es unerlässlich sei, den der Fahrt so gefährlichen Tunnel entweder oben zu 
Öffnen oder die Trace aus seinem Bereiche zu verlegen. Das letztere wurde als das 


4% 


zweckmüssigere erkannt und so ist heute der Tunnel verlassen, verwüstet, theils 
zerfallen, theils zerstórt. 

Trotzdem er aber verlassen ist und wenig Verlockendes hat, besitzt 
er für den beobachtenden Geologen nicht geringe Wichtigkeit. Liegt es doch auf 
der Hand, dass wenn er nicht existirte, wir vergeblich nach den miocaenen Ab- 
lagerungen in der hiesigen Gegend suchen würden, etwa so vergeblich, wie zum 
D. zwischen Triebitz und Abstdorf, an solchen Orten, wo es zwar hunderte von 
Anzeichen giebt, die von der Gegenwart miocaener Ablagerungen Zeugniss ablegen, 
wo wir aber trotzdem nicht im Stande sind, sie erschlossen oder doch nur theil- 
weise zugänglich aufzufinden. 

Aber auch im Triebitzer miocaenen Districte giebt es sehr vieles, was 
nicht augenblicklich zu enträthseln ist, worauf d. z. eine befriedigende Antwort 
nicht gegeben werden kann. Die Ursache hierfür liegt in den Umständen, von denen 
weiter unten die Rede ist, die heute zu beseitigen nicht gelingt, da die uns zu Ge- 
bote stehenden Mittel bisher unbedeutend, ja vielfach geringfügig sind. 

Die grössten Hindernisse bereitet einer Durchforschung des Triebitzer 
Miocaens ohne Widerrede die aus diluvialem Lehm und aus Alluvionen zusam- 
mengesetzte Decke, Dort, wo es nieht Lehm giebt, sind es gewöhnlich diluviale Ge- 
bilde, die in Form zusammenhängender Decken auftreten. Diese Sedimente ver- 
schulden es in erster Reihe, dass es auf keine Weise gelingt, die Ausdehnung 
des hiesigen miocaenen Distrietes genau zu bestimmen, ferner, dass es nicht gelang, 
auszuforschen, ob nicht etwa die miocaenen Gebilde aus der Umgebung von Triebitz, 
durch die in die Kreidegebilde eingeschnittener Thäler ohne Unterbrechung in die 
Gebiete des Miocaenendistrietes von Abtsdorf, Rudoltitz, Landskron und Böhm.- 
Trübau sich hindurchzwängen. 


Wie auch daraus klar hervorgeht, ist der erwähnte Bahndurchschnitt für 
uns sehr wichtig und gewinnt noch unbestritten an Bedeutung, wenn wir zu diesen 
Umständen noch die Erfahrungen hinzuthuen, zu denen wir im Terrain auf Grund 
umfassender geologisch-palaeontologischer Studien gelangt sind. 


Trotzdem heute die Verhältnisse im Umkreise des Triebitzer Tunnels, auf 
dem Raume des dortigen Miocaengebietes, für eine gründliche Durchforschung weit 
ungünstiger sind, als sie s. Z. 4, E. Reuss vorgefunden hatte, so war es mir dennoch 
möglich, einestheils in dem dortigen Einschnitt, anderntheils oberhalb des Tunnels 
selbst sich von der Zusammensetzung und Schichtung des Triebitzer Miocaens zu 
überzeugen. Ich halte mich verpflichtet, hier mitzutheilen, dass als günstigster 
Orientirungspunkt daselbst der nördliche an Ausgange gelegene Theil des Tunnels 
anzusehen ist. Zwischen diesem und dem nächsten Luftschlot ist es sehr leicht möglich 
beide hiesige Tegelbänke aufzudecken. In kurzer Zeit gelingt dies in der kleinen 
trichterförmigen, nächst des ersten Schlotes befindlichen Vertiefung, da sie nicht nur 
nicht verwachsen, sondern auch hinreichend tief ist und die Abhänge abgegraben 
und abgedeckt hat. Im ganzen übrigen, bis zur Strasse reichenden Tunnelraum 
finden wir kein gelegenes Plätzchen, wo es möglich wäre, das zu beobachten, was wir 
dort gesehen haben. Nicht einmal in der beim zweiten Luftschlot befindlichen 
trichterförmigen Vertiefung sind die Verhältnisse günstiger; die Ursache liegt vor 


allem darin, dass die erwähnte Grube tief, von abschüssigen Böschungen und ganz 
mit hohem Schilf bewachsen ist. Den Tegel zu prüfen, der den Damm an der 
Mündung des Tunnels bildet und sich zu beiden Seiten desselben hinzieht, wider- 
rathe ich. Es wäre dies deshalb eine vergebliche Arbeit, da jener Tegel auf secundärer 
Lagerstätte sich befindet; von welcher Stelle des Tunnels er stammt, weiss man nicht. 
Aus diesem Grunde nahm ieh keine Rücksicht auf ihn, umso eifriger kümmerte 
ich mich um den Tegel der unversehrten Bänke, welche in der ersten Vertiefung 
und der Böschung des Eisenbahneinschnittes an der nördlichen Mündung des 
Tunnels blosgelegt wurden. 


Wie schon früher erwähnt wurde, ist es möglich, auch unter den d. z. 
ungünstigen Verhältnissen, jene zwei Tegelbänke zu untersuchen, die in den 50er 
Jahren Reuss frisch aufgedeckt gesehen hat. Wir gelangen rasch zum Ziel, wenn 
wir das Miocaen berücksichtigen, u. z. sowohl im Bahneinschnitt an der Mündung 
des Tunnels, als auch in der ersten Grube nächst des Luftschlotes. Damit der 
Zweck unter allen Umständen erreicht werde, ist es nöthig, im Einschnitt eine tiefere 
Grube graben zu lassen und dieser den Tegel zum Schlemmen zu entnehmen. 
Nur auf diese Weise überzeugen wir uns gleichzeitig, dass der Unterschied im 
lithologischen Charakter des hiesigen Tegels ziemlich unbe ist, ja auf den 
ersten Anblick minimal zu sein scheint, auf welchen Räcksicht zu nehmen, man 
Oft gar nicht verfällt. 


Trotzdem wird auch diese Seite der hiesigen miocaenen Tegel unsere Auf- 
Merksamkeit in Anspruch nehmen. Sie fesselt unsere Sinne, sobald wir ihre 
feinere Details erkannt und ihre Schiehtung genauer gelernt haben. Auffällig ist 
beim ersten Anblick die Bank des unteren, dunklen Tegels. Er gemahnt lebhaft 
an den unteren Abtsdorfer Tegel. Er ist ebenfalls bläulich, im feuchten Zustande von 
Schwarzer Farbe, ferner plastisch und fein. Dem Schlemmen unterzogen, hinterlässt 
er einen Rückstand, bestehend aus feinkörnigem Quarzsand von weisser Farbe und 
aus einem Detritus von Gesteinsarten der Kreideformation; doch davon ist nur 
wenig vorhanden. Diese Tegelbank ist an Versteinerungen ziemlich reich, aber 
nicht in jenem Masse, wie z. B. die Abtsdorfer Austernbank oder der gelbe Ru- 
doltitzer Tegel. Auch aus der Triebitzer Tegelbank sind zwar genug erhaltene 
Gehäuse und Schalen ausgeschlemmt worden, mehr jedoch an beschädigten oder 
an unbestimmbaren Bruchstücken. 


Dieser Umstand ist, soweit es sich um die Lamellibranchiaten handelt, der 

Dünne der Wandungen zuzuschreiben und vielleicht der heftigeren Durchrüttelung 

der Anschwemmung durch die Uferstrómungen. Ich habe mich nämlich häufig über- 

zeugt, dass die Bruchstücke schon im unverletzten Gestein waren und die 

ehrzahl der Schalen, namentlich die grösseren schon in der Schichte gesprungen 

g es ist daher natürlich, dass diese Schalen im Wasser zerfallen und wir im 
chlemmrückstande nur mehr Fr ragmente erhalten. 


T Die unten angeführte Fauna wurde aus einem etwa 30 Kilogramm schweren 
е 
gelstück ausgeschlemmt, das in der Nähe des südwestlichen Ausgangs des 
"u \ : ! à 5 
nnels abgegraben wurde, u. zw. zwischen diesem und dem westlichen Luftschlot. 


54. 


A. Fauna der unteren Tegelbank. 


Pisces. Chemnitzia minima, M. Hoern. . . 8 
Otolithus (Gobius) Bohemicus, Proch. ss Rissoa Montagui, Payr.. . . . . . 8 
Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. . hh 
Ostracod a. Melanopsis impressa, Kraus. . . . 88 
Bairdia heterostigma, Rss. . . . . h Р 
ee Ah Lamellibranchiata. 
Cytherella Mülleri, Münst. sp. . . 88 Psamobia, Spec. . . 2.2.0002. 88 
? Mactra E DEE 
Gasteropoda. Cardium Opatovense, Proch. . . . $ 
Buccinum Schöni, К. Hoern. u. A. . 8 Ostrea giengensis, Schloth. sp. . . . 88 
Cerithium lignitarum, Eichw. . . . ss 
` pem DE . . . . „Ai Foraminifera. 
Turbonilla pygmea, Grat, . . . . ss Polymorphina problema, d'Orb. . . ss 
Natica millepunctata, Lam. . . . 88 xlobigerina bulloides, d'Orb. . . . 83 
Кешир RUD E V vos ie o on LIU Rotalia beccarii, Linnée sp.. . . . h 
Chemnitzia perpusilla, Grat. . . . hh Nonionina communis, d'Orb.. . . . ss 


А. E. Reuss schreibt in seiner Arbeit über das böhmische Tertiär Seite 
272, dass wie in der Umgebung von Rudoltitz, so auch hier der graue Tegel von 
einem lichteren überlagert wird. Dazu bemerkt er weiter, dass der erwähnte, untere 
Tegel eine bedeutende Menge von Austernschalen birgt. 

Ich trachtete nach Möglichkeit, diese Austernbank zu entdecken, allein alle 
meine Bemühung blieb vergeblich. Dafür gelang es mir, auf eine Tegelbank von 
verhältnismässig reicher Fauna zu stossen, die ich nach ihrer Lage unmittelbar in 
das Niveau der erwähnten grauen Tegelbank stelle. Wie reichhaitig und von welchem 
Charakter diese Dank ist, von all dem giebt das vorhergehende Verzeichnis ein 
klares Dild. 

Das Übergewicht der brackischen Arten ist auch in diesem Tegel so offen- 
kundig, wie in den Tegelbünken der Abtsdorfer Umgebung. Am verbreitesten und 
am reichsten an Individuen sind hier diese Arten: Cerithium pictum, Nerita picta, 
Chemnitzia perpusilla und Hydrobia Frauenfeldi. Von Interesse ist jedenfalls, dass in 
dieser Bank die Arten Cerithiwm lignitarum, Buccinum Schóni und Melanopsis impressa 
überhaupt nicht vorkommen. Mit diesem Charakter der Gasteropoden stimmt derje- 
пісе der loraminiferen und Ostrakoden die durch brackische Arten vertreten sind, 
vollkommen überein. Die marinen Foraminiferentypen erachte ich als aus den 
benachbarten marinen Bezirken eingeschwemmt. Diesem Faunentypus gegenüber 
erscheinen die echten marinen Arten in den Hintergrund gedrängt und tragen 
auch das Kennzeichen der physikalischen Verhältnisse des brackischen Gebietes, 
unter dessen Einfluss sie zu leben bemüssigt waren, tief eingegraben. 

Fast übereinstimmend mit dem unteren Tegel ist der Tegel der oberen 
Triebitzer Bank. Die Unterschiede sind unbedeutend. Ich würde von denselben 
hier überhaupt nicht sprechen und derselben auch nicht erwähnen, wenn ich hiezu 
nicht durch die Fauna verleitet wäre. Diese zeigt nämlich merkliche und ziemlich 


ст 
ы 


gewichtige Abweichungen. Es ist zwar nicht üblich, auch auf die kleinsten Details 
Zu achten, doch in unserem Falle, wo es sich um selbst feinere Details handelt, 
muss man auch diese kennen. Unter diesen Umstünden entgeht uns ebenfalls nicht, 
dass diese obere Bank lichter ist, reicher an Kalk erscheint und dass sie mehr sandiger 
Beimengung aufweist, als der Tegel der unteren Bank. Ihr Schlemmrückstand ist aus 
feinem Quarzsand und aus einem unbedeutenden Detritus von Gebirgsarten der 
Kreideformation zusammengesetzt. 

Die Fauna dieses Tegels ist einigermassen an Arten ärmer, als diejenige 
der unteren Tegelbank, dafür ist der Individuenreichthum der Arten in jener 
grösser als in dieser Schichte. Die Gehäuse und die Schalen sind verschieden 
erhalten : im Gestein sind dieselben unverletzt, dahingegen an der Oberfläche des 
Ausgehenden zumeist beschädigt. Die vom Regen aus dem Tegel geschlemmten 
Gehäuse sind weiss, ausgebleicht, ‚während die dem Tegel frisch entnommenen 
Gehäuse braun erscheinen. Ich bemerke, dass dieses Verhältnis, welches hier oben 
erwähnt würde, auch auf verschiedenen Fundorten des marinen Miocaens auftritt. 
Es gab eine Zeit, wo man diese Färbung mit in Erwägung zu ziehen pflegte. Heute 
sd man jedoch davon abgekommen, denn wir haben erkannt, dass nicht überall die 
Fürbung der Schalen zu derjeniger der Gesteinsart in einem constanten Verhältnisse 
steht, Um wenigstens einen analogen Fundort anzuführen, erinnere ich an Borač bei 
Tischnowitz. Über diesen werde ich in meiner Schlussarbeit über das Miocaen des 
westlichen Mährens ausführlich sprechen. 


B. Die Fauna des Tegels der oberen Bank. 


Ostracoda. Chemnitzia perpusilla, Grat. . . .hh 
Bairdia obesa, Rss. . . . . . . . hh Hydrobia Frauenfeldi, Eichw. . . . hh 
Е" а Frauenfeldi var. Bohemica, 

Proh ata e aia ah Pine 

B Gasteropoda. Melanopsis impressa, Kraus. . . . h 

Eun Schöni, R. Hoern, u. A.. 8 á tabulata, M. Hoen, . . ss 

ШИШ pistum, Bart. . 2... В | N 

| à lignitarum, Eichw. . . . 8 Lamellibranchiata. 

Felle Diele Ban ЧА ah Lucia ee ee re 


: Die hier angeführte Fauna ist einerseits dadurch auffällig, dass sie der 
Foraniniferen entbehrt, andererseits dadurch, dass ihre Lamellibranchiaten stark 
reducirt erscheinen, so dass dieselben als in den Hintergrund gedrängt erscheinen. Die 
I asteropoden, obwohl arm, übertreffen die übrigen Gruppen in bedeutendem Masse. 
der Gesammteindruck, welchen diese Fauna macht, gipfelt darin, dass sie sich als 
tedueirter Faunentypus der unteren Bank zeigt. 
Behufs besseren Verständuisses des Faunencharakters des Triebitzer Te- 
ое genaue Kenntnis | unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr wün- 
Jenswerth ist, führe ich hier ein summarisches Verzeichnis seiner Fauna an, wie sie 
it CRM aus jenen beiden Bänken bekannt geworden ist, denn nur 80 ist 
Ahle Stande schnell und leicht diese Fauna mit der Abtsdorfer und mit den 
igen Faunen des ostböhmischen Miocaens zu vergleichen. 


56 


Uebersichtliches Verzeichnis der Faunen der Triebitzer Tegel. 


mt 7 партав Geer, CUTS Tegelbank | H Г 
in gibt 
25 
Мате Ple Р 
ЕЯ: 
Pisces. 
1 | Otolithus (Gobius) Bohemieus, Proch. 58 
Ostracoda. 
2 jairdia obesa, Rss. h | hh 
3 » heterostigma, Rss. h . 
4 ée) ИВОВ ваг уль ý Д 
5 * Cytheridea Mülleri, Münster. 88 
Gasteropoda. 
6 | Buccinum Schöni, В. Hoern. u. A.. edes Ja? 
7 ч miocaenicum, Michli. Н 
8 | Aporrhais pes pelecani, Phil. i . . 8 
9 | Cerithium pictum, Bast. . ий К ech 
10 lignitarium, Eichw. Bue S hh 
11 y Duboisi, M. Hoern. * vr h 
12 | Turbonilla pygmea, Grut,. . . . .. А 88 
13 | Natica redempta, Michti. 88 : 
14 »  millepunetata, Lam. h 
15 | Litorina suleosa, Rss. . - | 88 
16 | Nerita picta, Fer. } i hh | hh | hh 
17 »  Guateloupana Её M . bos 
18 | Chemnitzia perpusilla, Grat. hh | hh 
19 " minima, M. Hoern. 8 
20 | Rissoa Montagni, Payr. n Bars 
21 | Hydrobia Frauenfeldi, Eichw. . . Nee hh , hh 
22 \ Frauenfeldi var. bohemica, Proch. bebat \ 
23 | Melanopsis impressa, Kraus. . ere, ЕШ 
24 S tabulata, M. Hoern. : ss | hh 
Lamellibranchiata. 
25 | Psamobia spec ss 
| 26 ? Mactra fragilis, Proch. CEP 8 
27 | Cardium Opatovense, PEOC e єл» 8 . 
Ze Ama dee bead ....... . 8 
29 | Lucina spec. ` (SS i 
30 | Ostrea giengensis, Schloth. Sp. i 88 hh 
Foraminifera. 
| 31 | Polymorphina problema, d'Orb. 88 
32 | Globigerina bulloides, d'Orb. 88 
33 | Rotalia beccarii, Linné sp. h 
34 | Nonionina communis, d'Orb. 88 


сх 
I 


A. E. Reuss führt in seiner Arbeit 16 Arten aus dem Triebitzer Tegel an. 
In diese sind drei rein marine Arten eingereiht: Chenopus pes pelecani, Buccinum 
miocaenicum und Arca dilwii, von welchen es diesmal nicht gelang, auch nur 
eine Spur zu entdecken. Dem gegenüber wies ich in dem hiesigen Tegel Foramini- 
feren nach, ıücksichtlich welcher Reuss der Meinung war, dass dieselben in 
demselben überhaupt nicht vorkommen dürften. Ausserdem ist die Zahl der Arten 
auf 32 erhöht worden. 

Damit ist wohl angedeutet, um wieviel meine Durchforschung die Kenntnis 
der Fauna dieses Tegels vertieft hat. 

Es lag mir sehr daran, im Eisenbahndamme die erwähnten marinen Arten 
"nd Austernbünke auszubeuten, weshalb ich daselbst an verschiedenen Stellen nach- 
graben liess. Der Zufall wollte es, dass sich mir für diese Arbeit ein Greis anbot, 
der in den 50er Jahren bei dem Triebitzer Tunneldurchstich beschäftigt war. Als 
E erfuhr, was ich suche, begann er sehr lebhaft zu erzühlen, dass, als man den 
hiesigen Tunnel und Einschnitt grub, die Arbeiter sehr häufig auf Tegelbänke 
Stiessen, die überreich an grossen Abdrücken und ebenso an Austernschalen ge- 
Wesen sind. 

Diese Mittheilung des alten Mannes halte ich für hinreichend wichtig, um 
derselben Erwähnung zu thun; bezeugt sie doch, dass es auch hier, wie auf dem 
Abtsdorfer Gebiete Stellen und Bänke mit einer reichen Fauna giebt, während 
andererseits auch hier Punkte genug vorhanden sind, die auch nicht die geringste 

Pur einer Fauna aufweisen. 

Dass diesmal diese an Petrefacten reichen Tegelbänke nicht gefunden 
Wurden, braucht niemanden in Verwunderung zu setzen. Sind doch die heutigen 
Umstände namentlich für Bestrebungen dieser Art die allerungünstigsten. Und 
schliesslich bedarf es dieser Bänke nicht, um den Charakter der hiesigen Tegel 
und ihre Fauna kennen zu lernen. Es genügt hiefür ganz gut ein Tegel mit 
“егег Fauna. 

\ Die Richtigkeit dieser Anschauung bestätigt das vorhergehende summa- 
"sche Verzeichnis Es reicht aus, da ja aus demselben der Gesammtcharakter 
der Triebitzer Fauna klar und deutlich hervortritt. Weiter schen wir, dass diese Fauna 
mit der Abtsdorfer congruent ist. Denn derselbe Typus, wie auf dem dortigen 
ebiete, tritt auch hier auf. Dieselben Familien, fast durch dieselben Arten ver- 
treten, führt auch der Triebitzer Tegel. Die Unterschiede jedoch, welche diese 
eiden Faunen trennen, sind auf das Conto der Differenz der localen physicalischeu 
erhültnisse zu schreiben, welche, einen offenkundigen Einfluss auf die Art- 
ntwickelung hatten und sie auch modificirten. 
B's War die rein marinen Arten anbelangt, so vermuthe ich, dass sie in diesem 
“sKischen District autochthon sind. 


Schirmdorf. 


Nnm vom Triebitzer brackischen Depöt breitet sich der etwas weniger 
Sngliche Schirmdorfer District aus. Auf der alten geologischen Karte der Wiener 
velchsanstalt ist dieser Bezirk als ein schmaler Streifen verzeichnet, der sich 
n dem Dorfe und der Eisenbahn fast senkrecht zum Bahndamme dahinzieht. 


2Wische 


Das ist aber auch alles, was über diesen Bezirk in der Litteratur ver- 
zeichnet ist. 

Desto grösser war mein Bestreben, nicht nur seine Ausdehnung, sondern 
auch den Charakter der Fauna kennen zu lernen, ausserdem aber auch sein Ver- 
hältnis zu den Nachbarbezirken, d. h. zu dem Schirmdorfer und Triebitzer, fest- 
zustellen. 

Nach den geologischen Karten schliessend, vermuthete ich, dass ich die 
Schirmdorfer Tegel óstlich vom Dorfe, wenigstens in der Weise aufgedeckt finden 
werde, wie die Tegel in der Umgebung von Triebitz. Wie gross war aber mein 
Erstaunen, als ich an Ort und Stelle kam! 


Von den Tegeln gabs auch nicht eine Spur! Dort, wo sie sich vorfinden 
sollten, breitete sich eine in Humus verwandelte Schicht diluvialen Lehms und 
jüngerer Sedimente aus. Auf der Westseite des Eisenbahndammes, dicht an dem- 
selben, stiess ich auf einen zu Tage tretenden Tegel und verfolgte ihn von da in die 
Wiesen hinter den Damm, wo er mir wieder unter einer jungen Decke verschwand. 


Der Zusammenhang dieses Schirmdorfer Depóts mit dem  Triebitzer ist 
offenkundig. Es stellt einen schmalen Streifen dar, längs dessen sich zur Zeit des 
miocaenen Meeres die brackische Zone dem Ufer entlang, dahinzog, um von hier 
aus allmählig in die marine Zone über Schirmdorf und Bóhm.-Trübau überzugehen. 
Dafür spricht einerseits die Lage dieses Depóts, andererseits das nahe Gebiet der 
Kreideformation, ein ehemaliges Meeresufer. 


Mancher würde unserem, auf diesem Bezirke bisher einzigen Orte, wo e$ 
müglich ist, die Tegel zu studiren und auszubeuten, allerhand ausstellen. Es hat 
in der That viele Fehler, neben anderen auch den, dass die betreffende Tegel 
daselbst nicht bis zu ihrem Liegenden durchschnitten sind. Trotzdem ist es nicht 
schwer, sich zu überzeugen, dass auch hier die Mächtigkeit der neogenen Tegel nur 
eine relativ unbedeutende ist. Wichtig ist die Stelle beim Eisenbahnviaduct, durch 
welchen der Fussweg von Schirmdorf nach Triebitz läuft, dadurch, dass man auf 
derselben nach Belieben den petrographischen Charakter der Tegel und die dortige, 
verhältnismässig reiche Fauna studiren kann. Da überzeugen wir uns, dass dieser 
Tegel sich durch dieselben Eigenschaften, wie der Triebitzer auszeichnet. Er ist 
nämlich auch von bläulicher Farbe; im frischen und feuchten Zustande, zeigt er 
sich dunkel, fett, plastisch und fein. Im Wasser ist er sehr schwer löslich und 
hinterlässt einen aus feinem Quarzsand, der mit kleinen Splittern von Gesteinsarten 
der Kreideformation vermengt ist, zusammengesetzten Rückstand. Ausserdem finden 
wir im letzterem eine überaus interessante Fauna, welche, bis auf den Umstand, 
dass sie eine sehr grosse Menge mariner Foraminiferenarten führt, doch nicht 
ganz aus dem Rahmen jener Faunen heraustritt, die als brackische angesehen werden 
müssen und das nicht blos ob der Detailmerkmale, sondern auch gleichzeitig wegen 
ihres allgemeinen Habitus. Wie gross diese Übereinstimmung ist und welcher 
Unterschied zwischen der Schirmdorfer und den übrigen Faunen besteht, wird aus dem 
hier angeführten Verzeichnisse klar hervorgehen. 


Die Fauna des Schirmdorfer Tegels am Eisenbahnviaduct.') 


Ostracoda. Cardium Opatovense, Proch.. . . . ss 
Cytheridea Mülleri, Münst. sp. . . h Ostrea giengensis, Schloth. sp. . . h 
Gasteropoda. Echinodermata. 
Buccinum Schöni, К. Hoern. W A. . ss Stacheln h 
Serithium MOU DEE EE erc NER 
е Turis, DASU 1... к ie 9M Foraminifera. 
ENS DE, EBE p A an vive Dirr | | 
B oss ашыма, Мова. S EEN De e 
lextullaria abbreviata, d'Orb. . . . ss 
Lamellibranchiata. Bulimina pupoides, d'Orb. . . . . ss 
Üorbula gibba, Olivi. . . . . . . s c mue QE ou iN 
Cardium ШЕ ШО ИШ, Bol ve on Virgulina Schreibersiana, Čžiž.. . . s 
Verneuilina chu Tele ОВ Truncatulina praecincta, Кап. . . 8 
Nodosaria Viet Te . 88 Anomalina Badensis, l'Orb. . . . . h 
А ОВА Н ОНИ EE Rotalia Soldamii ООО В 
Cristellaria ИТЕК, ШОШ И, ВВ р beccarii, Linné sp. . . 
om CERT COLD. о ое Nonionina communis, d'Orb.. . . . 8 
Polymorphina problema dnb. (5. 88 » 30%ЕЛа, QUID ru 88 


^ Diese Fauna trügt den Charakter ihrer Herkunft sehr deutlich eingeprügt. 
Zwei Elemente concentriren sich in derselben. Das brackische, welches überwiegt, 
und das marine. Dass dieser Charakter mit der Lage streng übereinstimmt, 
CH nicht zu bezweifeln, im Gegentheil, wir müssen daran glauben, denn anders 
lässt Sich die Anwesenheit der erwähnten beiden Typen nicht erklären. Gehen 
Vlr auf diese Verhältnisse tiefer ein, dann finden wir, dass sie den Umständen 
entsprechen , dass sie überhaupt natürlich sind. Es ist ja auch nicht anders 
Möglich. Eine scharfe Abgrenzung gab es nicht, so wie sie auch heute nicht exi- 
Stirt, Es wäre daher die Anschauung falsch, derzufolge die Meinung verbreitet 
würde, dass es keine thierischen Übergangstypen giebt, oder, dass nur auf be- 
Stimmten Gebieten auch bestimmte Thiertypen auftreten müssen. Ein Gebiet ging 
ШҮ in ein anderes über, alle waren belebt und infolge dessen concentrirten 
Sich die Arten dort, wo sie die günstigsten Lebensbedingungen fanden. Ge waltsam 
Wurden sie nirgendshin verschleppt; dass an der Grenzscheide verschiedenartiger Be- 
zirke sich der Übergangsbezirk ausdehnte und dass in diesem sich die Typen jener 


ER E Um das SÉ organe on was oben von dem organischen Gehalt dieses Tegels gesagt wurde, 

DEA Cu nebenbei CN Fauna aus der Kreideformation an. Damit meine ich nur die Zahl der 

in T D» epóts mit Hannen zu vermehren, zum Beweise, dass diese Vormengung der Е aunen 

ersedimenten, woselbst Priesener Mergel zu Tage treten, eine gewöhnliche Erscheinung ist. 
‘Foraminifera. 


Textularia praelonga, Rss. Lagena nov., spec. 
Bulimina: variabilis, d'Orb. Jristellaria. rotulata, d'Orb. 
Bulimina ovulum Rss. l'rondicularia angulosa, Rss. 
Lagena spec. ` Globigerina cretacea, d’Orb. 


Globigerina marginata, d'Orb. 


60 


verschiedenartigen Districte untereinandermengten, ist selbstverständlich und natürlich. 
Solche Verhältnisse finden wir in den heutigen Meeren und sollten wir sie negiren 
oder auf andere Weise commentiren, wenn sie, in scharfen Umrissen angedeutet, in 
Sedimenten älterer Perioden gefunden werden? 

Scheiden wir den marinen Typus aus dieser Schirmdorfer Fauna aus, so 
erhalten wir eine, mit den Arten des Abtsdorfer und Triebitzer Typus conforme 
Gruppe. Scheiden wir sodann den brackischen Typus aus, so schmiegt sich der 
zurückgebliebene marine Antheil an die Fauna des im Dorfe Schirmdorf aufgeschlos- 
senen Tegels an, ferner an diejenige von Bóhm. Trübau, insbesondere an die vou 
Lukau und Landskron. 


Uebersichtliches Verzeichnis der brackischen Faunen: 


-— ~ " - = — ни E 
KA 
S 
"d Е N 
Name dH 3Y 
B b 8 
a |< е 
Pisces. 
1 |. Otolithus (Gobius) Bobemieus Proch... u s оа EECH 
2 Я (Serranus) аш РО 88 
Ostracoda. 
ЮП Батан ехе Б utu йе иши e det ea n БЕШТЕ 
4 б ӨЛ @ ШАШ еа А КВ e e E REG h h 
5 БЕТОБ EE жук эу IR o a URS л a ` h 
6 ООН e N E h | hh 
Kabel o Gallen MUMU s EE oos HI eu SC ER 
Balanidae. 
Sr Damus Ee Rd AN DAS a A d 8 
9 5 BD SQ d. egal MAL FU Opis. 88 
Gasteropoda. 
10 | Bucemum ШОШ, RB. Hoeth u. Aung, . e .. . „ı B8B | B.] 3 
I СӨП Glas ТОСО Вр ИО . 8 
12 $ DOCU ЕО о FI veter IER e Ae РЕШЕ ЕҢ 
18 M ШЕШ o CON e E I Kai 
14 " Шр Ma DOR m obo ood s 8 8 
15 o САО ОШУ EE Cla 
16 ў EUO Т a оао о р o a een 
Li в И ӨШИ a NERA QU; жолок ид uc ta e EG › 8 
ШИШИ ЕЕ, el Dub. V. Уук ern wl NE | 
19 ý SPO e OE a e E Eo Е TSE O г . 8 
202 Vdontostomauch ELOBDILGSA IUSSI е Een QU MESS 
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22 | Манса Coni. d OH Ee МаН ие" 8 . 
28 АШ ПОН ООШ Ие i 88 


61 


+ 
Name AE B 
а ад 
№ A EH 
| | 
EU Nenta реа, Bar o % | 8 | hh | hh 
25 | Ohemnitzia perpusilla, Grat. a h 
26 А minima, M. Hoern. E | 88 
27 ? Reussi, M. Hoern.. | 5 . 
28 | Rissoa Montagni, Payr.. . . . . ois El ae p 
29 | Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. eti irae ss | hh | hh 
30 " Frauenfeldi var. Bohemica, Proch. . sS | 8 
3l concinna, Sowerb. . B i 
32 | Melanopsis impressa, Kraus. . .,| hh | Bi 
38 li tabulata, M. Hoern. 8 h 
34 | Vissurela clipeata, Gratel. " 88 
35 | Teredo Norvegica, Spengl. | 413 
96 | Psammobia sp. . . . Pol. £1 
37 | Corbula gibba, Olivi. . FROM S 
38 ji carinata, Dujard. 5 ‹ 
39 | ? Mactra fragile, Proch. Ki 
40 | Circe minima, Mont. Sp WD 
з Шш Ер б 2717. v. Gase "eg ` 
42 Cardium papillosum, Poli. SS Nd 3 
43 3 Opatovense, Proch. ЖОК TOM S) 
ba Erycina Bohemica, Proch. h 
45 Modiola biformis, Rss. ...., 88 
46 | Ostrea cochlear, Poli. «| B. 
47 »  Doblayi, Desh., E h 8 
bn i digitalina, Dab.. ee Sala? 8 8 
49 »  giengensis, Schloth. sp. ph ph dh 
90 »  Crassissima, Lam. . . Jr Mee eat 
Foraminifera. 
: Miliolina conf. consobrina, d'Orb. 88 i 
24 | Textularia abbreviata, d'Orb. 88 ; 
93 | Verneulina spinulosa, Rss. 8 . 
94 | Bulimina affinis, d'Orb. ........ 8 
95 $ РОО ОО ОШО dE ВВ 
56 Vaginulina Schreibersiana, бій. . . . N i 
57 | Nodosaria Sa I ull. BI. ^ 
98 » БШШ MSS. ur. AC ar ae h ^ 
99 | Cristellaria cultrata, Montf.. . 0. 88 
60 s" СОАО ООО, iN 8 4 1 
61 Polymorphina problema, d'Orb. De рова 
A Globigerina bulloides, d'Orb. KE Ў i 88 
N T'runcatulina praecincta, Karr. sp.. „u... 8 һ 
b Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . h 
65 Rotalia Soldanii, d'Orb. . . . .. 8 . 
66 еви: Linné sp... coo v. h 88 
|. | Nonionina СОЛЕ TO. opa о vo 8 88 
38 | e ОНОВА BORN ehe " er "Se : 


Alle Faunen aus unseren brackischen Bezirken stellen einen scharf um- 
schriebenen Typus, der auch dann in markanter Weise hervortritt, wenn er mit 
marinen Elementen vermischt, oder vom denselben begleitet ist. 

In dem vorliegenden Uebersichtsverzeichnisse ist der brackische Typus 
unseres ostbóhmischen Miocaens, soweit er uns bis jetzt bekannt geworden, getreu 
wiedergegeben. 

Dieser brackische Tegel, der mit den rein marinen Typen des Baden- 
Borater Tegels, des Steinabrunn-Drnovicer Mergels des Nussdorfer-Pulgramsdorfer 
Sandes, des Leithakalkes isochron, jedoch jünger als der Schlier ist, gewinnt 
sofort an Bedeutung, sobald wir ihn mit ähnlichen oder identischen Typen anderer 
Distriete vergleichen und wenn wir sein Verhältnis zu den übrigen Gliedern unseres 
heimischen Miocaens bestimmen. 

Eine ganze Reihe ähnlicher Typen erweckte von dem Momente an, wo sie 
entdeckt wurden, Interesse, doch erst im Jahre 1873 wurde ihnen eine einigermassen 
grössere Aufmerksamkeit seitens des Prof. F. Toula zu Theil. 

Es war dies die interessante Fauna von St. Veit bei Triesting in Steyer- 
mark, welche Toula veranlasste, deren Stellung gegenüber den verwandten Faunen 
abzugrenzen und sicherzustellen, in wie weit sie von der Fauna der sarmatischen 
Stufe verschieden ist oder mit ihr übereistimmt. 

Es ist nicht ohne Interesse zu erfahren, dass Toula, als er sich in der Litte- 
ratur nach ähnlichen Typen, wie er sie bei Triesting entdeckt hatte, umsah, eine 
ziemlich bedeutende Menge Faunen fand, die trotzdem sie viele Aenlichkeit mit 
der St. Veiter Fauna aufwiesen, dennoch von verschiedenen Autoren verschieden 
definirt worden waren. Bald erkannte er, dass diese Typen mit der sarmatischen 
Fauna höchstens die bedeutende Entwickelung der Individuen gemeinsam haben; 
deshalb reihte er sie richtigerweise in das Miocaen ein, sie als brackische Facies 
desselben Meeres betrachtend. . Doch in. einer Hinsicht liess er sich auf einen 
Abweg verleiten. Er legte grosses Gewicht auf die Anwesenheit der Art Cerithium 
lignitarum. Dies verlockte ihn zu der Anschauung, dass die von ihm angeführten 
brackischen Typen dem Grunder Horizonte einzuverleiben sind. Ob einige von den 
angeführten Faunen Toula's diesem Horizonte angehören, weiss ich im Augenblicke 
nicht ganz bestimmt, da diese Sache bis allher noch nicht definitiv erledigt ist; 
dass unsere ostböhmischen, brackischen Tegel demselben nicht angehören, behaupte 
ich mit aller Entschiedenenheit. 

Allerdings, heute befinden wir uns auf einem andern Standpunkte. Wir be- 
urtheilen die Fauna auf Grundlage des Gesammteharakters. Die sogenannten Leit- 
fossilien beachten wir zwar ebenfalls, aber wir betrachten sie nicht als das allein 
Entscheidende. Viel grössere Bedeutung legen wir dahingegen den Detailmerk- 
malen der Fauna. Diese leitenden Gedanken gestatten uns über Klippen hinweg- 
zusetzen, an denen so manche Erklärung der Verwandschaftverhältnisse der Faunen 
gescheitert ist. Unter diesen Umständen wird es uns nicht hindern, Faunen auch 
dann für verwandtzu halten, wenn denselben die sogenannten Leitfossilien abgehen. 

Von unserem Standpunkte aus betrachtet, ergiebt sich für die Laaer-Fauna, 
- wie sie von Prof. Toula angeführt wird, dass dieselbe unseren Faunen aus der 


en 


63 


Umgebung von Triebitz, Abtsdorf und Schirmdorf entspricht, dann aber weiter, 
dass derselben Gruppe auch noch die Faunen von Diós-Gyór, Rakord, des südlichen 
Bakonyer- Waldes, aus der Gegend zwischen Szabolocs und Samogy, Pécsvárad (Un- 
garn), aus Kainyad und Salm (Steyermark) u. a. angehören. 

Zum Beweise für diese Behauptung sei mir erlaubt, einige von diesen 
fremden Faunen u. z. die am meisten typischen hier anzuführen. Absichtlich wähle 
ich vorerst die erwähnte Fauna von Laa aus dem südlichen Mähren. Mit Recht 
Sagt von ihr К. Suess,!) dass sie zusammengesetzt sei aus: Land- (Helix turonensis 
etc.) Süsswasser- (Fluviatilen) (Nerita picta, Dreissena, Melanopsis impressa) und 
marinen Conchylien (Cerithium lignitarum, С. Duboisi, C. minutum, C. pictum, C. 
nodosoplicatúm, Paludina acuta, Natica millepunctata, Venus scalaris, Arca lactea) 
usw. Vergleichen wir diese Fauna mit unserer brackischen Thierwelt, so ist es 
offenkundig, dass beide, bis auf die marinen Arten und Landformen übereinstimmen ; 
dafür giebt z. D. die Fauna von Abtsdorf oder jene von Trieblitz oder Schirmdorf 
Zeugniss. Ausser diesen Merkmalen füllt noch ein Umstand in's Gewicht, und das 
186 die Association der marinen Arten. Schon ein Blick auf dieselben belehrt uns, 
dass diese keine zufällige ist, sondern dass dieselbe durch dieselben physikalischen 
Eigenschaften bedingt ist. Wäre es nicht der Fall, so würde es sehr räthselhaft 
erscheinen, warum in unseren ostböhmischen Bezirken sich dieselben marinen Arten 
vorfinden, wie auf südlichen Fundorten. 

Und so wie diese Laaer-Fauna mit unserer brackischen verwandt ist, so 
Stehen auch die übrigen Faunen der unseren sehr nahe. Die Verwandtschaft wird 
aus dem hier folgenden Verzeichnisse ersichtlich. 


Nowosielka in Galizien.?) Herender Eisenbahnstation in Ungarn.*) 
Buceinum Dujardini, Desh. 


Cerithium lignitarum, Eichw. f 
Pleurotoma Jouanneti, Des Moul. 


N o» pietum, Bart. déen M sg 
erita Guateloupana, For. Cerithium lignitarum, Eichw. 
Strea digitalina, Dub. ^ Duboisi, M. Hoern. 
" pictum, Bast. 
Diós Györ in Ungarn.?) ied m ravicum, M. Hoern. 
Murex bl Nerita picta, Fer. 
X 8 i " : GE 
Сенин, ublavatus, Dart. Natica redempta, Michli. 
1 ic { Оц à 
m nodosoplicatum, M. Hoern. Melanopsis Escheri. 
Ner: , Pietum, Bart. S impressa, Kraus. 
b a picta, Fer. 
e i : d 2, 
Bess? Aquensis, Fer. Zwischen Szabolocs und Somogy.") 
rea dieitalin: | ` е 
= me Dub. Buccinum Dujardini, Desh. 
р опо Чо d 
B Ет ostris. Pleurotoma Jouanneti, Des Moul. 


) №. Suess. Sitzungsberichte der к. Akadem. der Wissenschaften. Wien. 1866. S. 132. 
) D. Stur. Verhand), d. geolog. Reichsanst. Wien. 1874. S. 402. 

H J. Bóckh. Jahrb. d. geolog. Reichsanstalt. Wien. 1867. S. :35. 

t) J. Böckh. Mittheilungen zum Jahrbuche der k. ungar. geologisch. Anstalt. 1879. S. 83. 
) J. Böckh. Geolog. uud Wasserverhültnisse der Umgebung der Stadt Fünfkirchen. 
der kónigl. ungar. geolog. Anstalt. 1881. S. 224, 


Mitiheil, 


64 


Cerithium pictum, Bast. 
H 
Turritella bicarinata, Eichw. 

Nerita picta, Fer. 
Kainach und Salm. 


Buceinum Dujardini, Desh. 


Pleurotoma Jouanneti, Des Moul. 


Cerithium lignitarum. Eichw. 
^ pictum, Dart. 

Nerita picta, Fer. 

Ostrea digitalina, Dub. 


Moravicum, M. Hoern. 


Pécsvárad (Ungarn).!) 


Buceinum Dujardini, Desh. 


Cerithium lignitarum, Eichw. 


e pictum, Dart. 
Nerita picta, Fer. 
Ostrea digitalina, Dub. 


Ancillaria glandiformis, Lam. 


Turritella turris, Bart. 

^ bicarinata, Eichw. 
orbula gibba, Olivi. 
Lucina Dujardini, Desh. 


Zu diesen Verzeichnissen muss ich noch bemerken, dass sie blos die Makro- 
fauna enthalten. Der Mikrofauna wurde überhaupt wenig Aufmerksamkeit gewidmet. 
Vielleicht wird später einmal nachgeholt, was man bisher verabsäumt hat. Und 
dann wird man sich auch in diesem Falle überzeugen, dass der Faunencharakter 
nur dann richtig beurtheilt werden kann, wenn alle Elemente der Fauna nicht nur | 
beachtet, sondern in allen Details studirt worden sind. Auch zweifle ich nicht, dass | 
die Mikrofauna viele Vortheile bieten wird, wie sie dieselben uns auch diesmal 
gewährt hat, und dass sie noch in höherem Masse die Resultate bestätigen wird, 
die wir durch die Durchforschung der Makrofauna erhalten haben. 

Allein, auch die Makrofauna ist im Stande, zu überzeugen, dass unsere ost- 
böhmischen brackischen Faunen sich durch denselben eigenthümlichen Charakter 
auszeichnen, welcher den hier angeführten Faunen des südlichen Mährens, Ungarns, 
Galiziens und Steyermarks zukommt. 


1) V. Hilber. Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1878. S. 500. 


Schlussbetrachtung. 


Der Charakter des Tegels von Rudelsdorf*) und Lukau, dann von Johnsdorf, 
Rothwasser, Dittersbach, Landskron, Böhmisch-Trübau, Schirmdorf und Wildenschwert, 
schliesslich jener des Tegels von Abtsdorf, Triebitz, wie er oben geschildert wurde, 
zeichnet in sicheren, klaren Zügen das Gesammtbild der ostböhmischen Bucht des 
miocaenen Meeres. Neben dem faunistischen Charakter wird dieses Bild auch noch 
durch die Mächtigkeit der Schichten, die Seehöhe der dortigen Sedimente und weiter 
durch die Physiognomie des Grundgebirges erweitert. 

Und es ist wirklich interessant, dass, ob wir nun dieses Bild entweder auf 

Grund der Eigenschaften der Fauna, oder der Lagerungverhältnisse und Mächtigkeit 
der Schichten, oder endlich auf Grund der Physiognomie des Untergrundes ent- 
werfen, überzeugen wir uns, dass wir immer zu demselben Resultate gelangen. 
: Mit Rücksicht auf diese Umstände wählen wir als Ausgangspunkt die Phy- 
Siognomie des Untergrundes und untersuchen wir, inwieweit derselben dem Gesammt- 
charakter der Faunen, dem petrographischen Charakter der Gesteinsschichten und 
ihrer Mächtigkeit entspricht. 

Betrachten wir das Gebiet des ostböhmischen Miocaens, ob nun auf der 
Generalstaabskarte, oder von einem erhöhten Punkte, am besten zum Beispiel 
SEH der in der Nähe des Wallfahrtsortes Mra. Zell bei Rothwasser befindliehen 
Côte 501, ferner von der Hochkappe 608, oder von der Côte 601 bei Klein Her- 
migsdorf, so bietet sich uns eine lange, seichte, jedoch breite Thalniederung, von 
welcher sich zwischen Abtsdorf und Triebitz ein anfänglich breites, seichtes, nach 
Norden sich verengendes Seitenthal abzweigt, das über Schirmdorf, Böhmisch-Trübau, 
Nallhütte und Langentrübe bis in die Umgebung von Wildenschwert reicht. Die 
erwähnte in die turonen Schichten eingesenkte, an zahlreichen Stellen bis auf Perm 
vertiefte Thalniederung, verengt sich allmälig nach Norden und reicht bis in die 
Gegend von Wetzdorf, woselbst sie einen halbkesselförmigen Abschluss findet. 

E Gegen Süden breitet sie sich gleichmässig aus, im Westen von einem gerad- 
linigen Wall abgeschlossen, der sich vom Nordost gegen Südwest hinzieht und den 


en a ААСО 
R *) In Folge eines Versehens ist in den vorhergehenden Zeilen statt des deutschen Namen 
»Rudelsdorf“ der deutsch transeribirte böhmische Name ,Rudoltitz^ gekommen; es wird daher der 
eser höflichst ersucht, in den vorhergehenden Blättern die diesbezügliche Correktur vorzunehmen, 
5 


66 


3 Cóten: 621 óstlich von Klein Hermigsdorf, 649 im Blosdorfer Walde, 620 südlich von 
Saukopf deutlich bezeichnen. Im Osten liegt an seiner Grenze der Ausgang mäs- 
siger flacher Bergrücken: Friedrichslahn, Kirchberg, Breite Büffelwiese, Kuttlberg, 
die sich südlieh über Moletein bis Charlottendorf ziehen. 

Der erwähnte Wall, der den südlichen Theil der Elbe-Donau-Wasserscheide 
ausmacht, dehnt sich nach Norden, hier mit dem Namen Steinwald bezeichnet, 
woselbst er gleichzeitig den östlichen Abhang des schmalen Wildenschwert-Bóhm.- 
Trübauer Thales bildet. Dieses lehnt sich im Westen an ein Plateau an, dessen 
Seehöhe im Anderlü-Chlum bei Wildenschwert eine Höhe von 558 Meter, im Suchý 
přítok 559 Meter, im Kozlauer Berg 600 Meter und im Abtsdorfer Walde 530 
bis 588 Meter erreicht. 

Auf dieses hier umschriebene und abgegrenzte Gebiet: die breite Wetz- 
dor fer- Landskron- Rudelsdorfer Thalniederung und das Schirmdorf-Bóhmisch-Trübauer- 
Wildenschwerter Thal beschränken sich die ostböhmischen miocaenen Sedimente. 
Im Süden schliessen sie sich dem Complex mariner miocaener Tegel an, die sich 
über Reichenau, Mährisch-Trübau und Trnávka in das Thal der Kleinen Hanna 
ausdehnen. Aber auch hier beschränken sie sich nur auf eine bestimmte Seehöhe, 
die 410 Meter nicht übersteigt. Diese Seehöhe, welche mit jener, die diese Sedi- 
mente in Mähren, Schlesien, Nieder- und Oberoesterreich u. A. erreichen überein- 
stimmt, bietet ein verlässliches Hilfsmittel, sobald es sich darum handelt, diese 
Ablagerungen zu bestimmen und festzustellen. Denn schon durch die Berücksichtigung 
dieser Seehöhe erhielt ich gewisse Anhaltspunkte dafür, ob der Bezirk, den wir zu 
prüfen haben, ein miocaener sei oder nicht. Uebrigens schon auf der Karte, aller- 
dings in rohen Umrissen verräth die besagte Seehöhe bis wohin etwa die miocaenen 
Tegel sich erstrecken. 

Die Seehóhe zeigt ferner, dass der Boden dieser Thalniederung und des 
Seitenthales vom Süden gegen Norden steigt, was sich in dem loealen Charakter 
der Fannen und in der Schiehtenmächtigkeit wiederspiegelt. 

Indem wir diese Ausdehnung unseres miocaenen Gebietes und seiner 
Physiognomie, insbesondere der Physiognomie der Thalsohle ins Auge fassen, ge- 
langen wir leicht zum Verständnis des Charakters der Fauna unserer Bezirke 
und das um so leichter, je sorgfültiger wir die Details der Distriete berück- 
sichtigen. Diese Umstände klären uns darüber auf, warum gerade die brackischen 
Faunen im Triebitzer und Abtsdorfer Bezirke vorhanden sind, warum der Schirm- 
dorfer Tegel ein Gemenge von brackischen und marinen Arten enthält und warum 
der Rudelsdorfer und Lukauer Tegel einen rein marinen Faunenty pus in sich einschliesst, 
einen ebensolchen, der an allen Fundorten des máhrischen Miocaengebietes zu Hause 
ist, während in der Umgebung von Landskron und von hier bis Rothwasser, weiter 
von Schirmdorf bis gegen Wildenschwert wir Faunen finden, die aus Arten zusammen- 
gesetzt sind, die sowohl an den Aufenthalt im Meereswasser als auch im Brack- 
wasser gewöhnt waren und schliesslich, warum erst im Tegel von Rothwasser rein 
brackische Arten auftreten, während z. B. in den Ladskroner Tegeln dieselben 
nicht vorzukommen pflegen. 

Dieser, wie ersichtlich, bunte Faunencharakter der ostböhmischen Tegel 
zeugt unumstösslich für die Anschauung, dass das miocaene Meer in seinem Wesen 


67 


eigentlich von Mährisch-Trübau über Tschuschitz, Reichenau, Lukau bis gegen 
Rudelsdorf reichte und dass von hier, je weiter gegen Norden, seine Wässer sich 
aussüssten und seine Tiefe abnahm. Aus der Umgebung von Rudelsdorf und Lukau 
?wängte es sich durch eine im Süden längs der Grossen Ebene, im Norden vom 
Abhang der Bergflur begrenzte Enge und drang fjordartig einerseits gegen 
Abtsdorf, wo es endete, andererseits über Schirmdorf, Bóhm.-Trübau bis Wilden- 
Schwert. Das Wasser dieses schmalen Fjordes war sehr stark ausgesüsst, an vielen 
Stellen, in den Buchten, wie z. B. westlich von Schirmdorf, Triebitz und Abtsdorf 
80 stark brackisch, dass es dem charakteristischen brackischen Typus vortheilhafte 
Lebensbedingungen bot. 


Gehen wir ferner nur vom Charakter der Fauna aus, so zerfällt unser 
0stböhmisches Miocaengebiet in drei Zonen, die ziemlich scharf von einander 
abgegrenzt, aber nichtsdestoweniger miteinander verknüpft sind, indem sie von 
gleichem Grundtypus abstammen, der sich unter verschiedenen physikalischen 
Umständen differenziert hatte und so eine verschiedene Physiognomie annahm. 


Die wichtigste dieser Zonen ist unstreitig die marine, der die Rudelsdorfer 
und Lukauer Fauna angehört. Dem Charakter ihrer Faunen zufolge schliesst sie 
Sich == allerdings bis auf einige locale Abweichungen — der Borstendorf-Mährisch- 

rübauer an. Ihr Faunen-Typus ist parallel zu den Hannen der Mergel von Trnávka 

Jaroměřic, Sudie, Boskovic, Lysic ete. überhaupt zu allen des westlichen Mährens, 

welche den Charakter des höheren, bathymetrischen Niveaus haben. Wie bekannt, 

reiht sich in dieses auch der Faunentypus von Steinabrunn, weshalb es jedenfalls 

Iehtig Sein wird, dass wir unsere Faunen mit der niederösterreichischen vergleichen. 
lér sei gleich hinzugefügt, dass die Rudelsdorfer und Lukauer Faunen mehr mit 

den westmährischen Faunen übereinstimmen, als mit der Steinabrunner, was schliesslich 

selbstverständlich ist, da sie doch unter abweichenderen physikalischen Bedin- 

Süngen lebten als diese. 

Gewissermassen als Typus der Übergangszone präsentiren sich die Faunen 
der Tegel von Landskron, Schirmdorf (im Dorfe), Böhm.-Trübau und Wildenschwert. 
Sie bestehen zwar aus marinen Arten, doch zwei Eigenschaften trennen dieselben 
von der Fauna des offenen Meeres, u. z. einerseits der verhältnismässig geringe 
Artenreichthum, andererseits der bedeutende Individuenreichthum. 

р Einen eigenthümlichen Uebergangstypus von der brackischen zur marinen 
„una gewährt der Schirmdorfer Tegel. Auf diesem Fundorte ist in frappanter 
eise zu sehen, inwieweit aus der Lage des Ortes ein Urtheil über den Cha- 

rakter der Fauna gestattet ist. In ihr sind die rein brackischen Arten mit den rein 

Marinen vereinigt, jene prävaliren jedoch. 

Demgegenüber ist die Zone der brackischen Fauna genau umschrieben. 


Sie tri 2 à Se Й Р Gees 
Ze tritt bisher im Abtsdorfer und Triebitzer Bezirke in voller Entwickelung 
` Dass sie von der marinen Zone scharf geschieden ist, geht aus ihrem 


Char 


9 akter hervor und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihre Gebiete meistens 
D 


Marinen Zuflüssen geschützt waren. Brackwässer in mariner Nachbarschaft, 
In Seegegenden setzen einerseits das nahe Ufer, andererseits das seichte 
asser voraus. Und dass damit die Schichtenmächtigkeit verknüpft ist, darüber 


b* 


68 


ist ein Streit ausgeschlossen. Soleher und ähnlicher Beispiele giebt es reichlich 
sowohl in älteren, als auch jüngeren Bildungen, ebenso gibt es in den heutigen 
Seegegenden zahlreiche Beispiele hiefür. 

A. E. Reuss wurde von den Resultaten seiner Studien zu dem Schlusse 
geführt, dass die miocaenen Ablagerungen Ostbóhmens den jüngsten neogenen 
Schichten des Wiener Beckens angehören, ja er urtheilte weiter, dass sie eben 
subapenninen Schichten, den pliocaenen Schichten Siciliens, gleichen und schliess- 
lich, dass ihre Fauna der jetzigen Thierwelt verwandter ist, als der des italieni- 
schen Pliocaens. 

Unsere Resultate führen uns nicht zu einem ähnlichen Schlusse. Reuss 
wurde, meiner Ansicht nach, durch die Faunen von Abtsdorf und Triebitz irre- 
geführt, betreffs welcher er sich natürlicher Weise keinen Rath wusste, weshalb er 
sie in den Bereich der sarmatischen Stufe gestellt hatte. 

Der Faunencharakter des miocaenen Meerbusens in Ostbóhmen bestätigt 
nur das, was die in das bóhm.-máhrische Plateau vorgeschobenen Tiefseefaunen von 
Borač, Kralie nächst Nämöst u. d. Oslava, Perná bei Lysic, Boskovic, Knihnic ебе. 
mit Evidenz zu Tage treten lassen. Sie zeigen, dass die miocaene Meeresbucht 
Ostbóhmens unmittelbar an ein weites, grosses, ganz Mähren, dann Nieder-Oesterreich, 
Steyermark ete. überflutendes Meer unmittelbar ansetzte, welehes über Ungarn und 
den Balkan nach Klein-Asien reichte, wührend es im Norden durch Schlesien mit 
der grossen wolhynisch-podolischen Bucht zusammenhieng und das sich durch den 
Süden Russlands naeh Mittelasien ausbreitete. 


Diese Bucht bestand nur so lange, als das miocaene Meer das westliche 
und nordwestliche Mähren überschwemmte. Sie hörte auf miocaen (marin) zu sein, als 
der Süden von Mähren vom sarmatischen Meere eingenommen wurde. Damals blieben 
auf unserem Gebiete wohl nur kleine Seen übrig, die im Verlaufe der Congerien- 
Stufe allmälig austrockneten und in der Diluvialzeit vollständig verschwanden ; 
denn wir finden diese Gebiete mit stellenweise müchtigem diluvialen, offenbar von 
Flüssen stammenden Gerólle verlegt. 


Uebersiehtliehes und vergleiehendes Verzeichnis der Faunen 


aus dem ostböhmischen Mioeaen. 1 
Dëss Samar gustas ramonrumam Dear PER аши | 


Die Fauna | 
der marinen Tegel n brack. Tegel | 


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3 " a praeclàrus, Proch. ep). |. |. | - | - bee] oe] e ei | 
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8 TEE LE WoW HH. IH. | 
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10 " , Kokeni, Proch. h HH.. | 
11 E s tragilis, Próch. . Aë). ].]-].]|.]- +. | 
» (inc. sedis) formosus, Proch. |ss| . | .| . |. | RE | 
Ostracoda. 
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14 » arcuata, Münst. sp.. . .|s*|. .|.|. |. l.l e| A e |, ы 
15 » uu gor MN OC e SONS Та аг | 
16 » lac Ws WP MEME LUE ДЕИ ОВЕ | 
17 » glaberescens, IUS .. SUE LUPIS TAMEO IT TEPORE Te А | 
18 » heferostigma, Rss... . . 5.1 .].189 TA |]. | E] hl. +. | 
19 » ВОСОК, BM. зл. аа Вене | 
90 Dora os EVER И “ЧЫ Кү К НЕ | 
91 ИИ, PENES. О] CS HM. | 
99 ” bitubereulata, Rss. . . . |88". 1.1, +. | 
23 » plicata, Münst.. ` 6 BB р M. | 
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95 » WHERE e ues ое D E E EE ER ud e o. du ls | 
96 » ШЕШИП ПЕЙ, RN... WEE ТЫ PV TP Ar rett КЛИ Е | 
91 n augulata, Hen, `. vA une, DIES 0 Ы. | 
98 D UNE Ren, s. IMP dS Le ps 02320 HEI, 
99 п hastata, Rss... . . . . |88". ИЕ HH. 
` Hs Rom. . . . . sh" лу, +. 


Reus, | 78; in der Colonne ‚Rudelsdorf‘ mit einem Sternchen bezeichneten Arten sind nur von А, F, 
n рема. Ир 
eckt und in die Literatur eingeführt worden, 


d 


10 


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der marinen Tegel |i. brack. Tegel 
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81 | : УВО НББ до, 298-8. |1 L|. | 
32 P canaliculata, Rss. . . . . |8"|. +H. 
33 8 Haidingeri, Rss. . . . .|88* H. 
34 5 OD ET EE |- 
35 5 EECHER TEE s an], Pol 
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37 {л ШШДЕ ОУУ. Ca RG i eb" el el 
38 ТОПО HEN. o. o к, Le ta ode gd e rv ep d 
89 Cytherella compressa, Ie sch Eee ‚|.|... dH 
40 | Cytheridea Mülleri, Mänst. ...|5\8|.|.|.].|в6[|һ|. [ssl t+ . 


Balanidae. 


AT | DEIN EEN El o 
42 ж ШЙ EN E E ERIC, 


Gasteropoda. 


43 | Conus (Lepticonus) Вїеліпае, К. 
ОИ ИР ues tbe" 
44 | гато, laevis, Don... or. v VB. 
45 | Mitra goniophora, Bellen ch 
46 | Columbella (Mitrella) fallax, R. 
Hoern. u. Ai. . GE | uk ИЧ ee 
47 | Buceinum (Cominella) Grundense, 
It; Hoan. W Ad ge 8 


гете RI 
Ud ER SOBRE RB 


48 »  (Cominella) Bohemicum, 

К, Hoern. u. Ai, . ӨШ...» ART GE), 
49 »  (Niotha) Schóni, R. Hoern. 

ü sos er eben gd ИВ H- 
50 „ (Zeuxis) ) Hoernesi, R. Hoern. 

HIE ech ss|+ + | 
01 reticulatum, Linné ‚лу |, ДАЙ vt M DAR ү 4 
52 Chenopus (Aporrhais) alatus, Eichw. Een И PH Ce Edel 
53 » pes pelecani Phil.|s* HHHH 
54 Triton (Simpulum) Tarbellianum, 

(TA a Ee dis py Ee 
55 | Murex (Occenebra) caelatus, Grat. jeet . |. |. WM OF +4. |» 
56 »  (Phyllonotus) Hoernesi, d'Ane Jann . |. .|. |. . | - | ++. |. 
57 | Pyrula (Melongena) cornuta, RE le ee ads. [od 88 |- + 
58 || Fusus (Euthria) intermedius, Michti.s$" |. . . .|1. oo oed 
59 | Pleurotoma (Drillia) obtusangula, 

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60 " (Mangelia) Vauquelini, Payr. И epe де) + 


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67 " ВОДА, Partson. о v BS uon оо (ЧЕ УШИ | 
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69 | Turritella turris, Bast. . . . . .|ss| |.|. .|.|.|88 «| HEH, 1. | 
2 » Archimedis, топо еее ++|.|.1|. 
1 " САБА VET. Teo SR CUN EN St dowd e aa | 
72 врео s E elis E le Ке Does Doi lee | 
13 | Fossarus costatus, Broech. . . . "OE TRAE о оер «ds | 
d Seissurella transylvanica, Eu. е EES EE E EST? | 
5 depressa, ДӘ... . . ss". |. “кй e Date ess Йй iyu | 
16 | Scalaria clathratula, Wi. 5. d LOL У iN + | 
TT | Skenea carinella, ER cus VN T EUM V MTM | | 


18 Vermetus avonarius, Umie. SS oe nahe 


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19 ^ "Vere nope | 
80 intortus, Rui. uM Ld sw Rer 0 HH. | 
| Caecum meri Moi. 35... 21089 11... olei one si elu icd om | 
8» taches, Mou. o ЛБ oer] db ок Е [МЕК EET | 
83 Odontostoma Hoernesi, Rss. ET Lal IV pedes deep nd lene е BB а | 
84 » plicatum. Montag. JI St Ad Kë HH.. I+ | 
85 » ünisulentum, Ras. Wë, UCL, el edel e еее а zk | 
86 ШЕ ШОШ, EE e IE E eSI IER ev | 
87 Turbonilla costellata, Grat. ... .| 8|. ||. Foll oen: Eo (er 
88 » pusilla, Phil. EISE c er E ee dE E ale KSE 
89 » subumbilicata, Grat. . | s]. DEN EERIE EEE Ae вт 
| 90 » ШАШ ОВО toe SS NL kb HH 1+ 
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| 09 » plicatula Broce. . . . Jonn, edo e MORE M "WI 3 | 
| 03 Actaeon semistriatus, Férus . . ss |. |. |. . |. ] .]- + .|. | 
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95 »  amllepumotate, Lam. . . -jh*|.|-| ^P FOE ЕДЕ 


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Die Fauna 
der marinen Tegel |. brack. Tegel 
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Name KMEEBEFHEHEF EI |. d 
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ais a 15| = 9 9|9 Реа Б 
||| | [oa on ||| || оо 
| | 
105 | Risson Venus. d'Orbig. . . . . .|88 |. |.|. ides E EES EISE mr 
106 , Hydrobia Frauenfeldi, M Hoern. | s SÉ .!. [ss hhhh|.. |- ` 
107 4 Frauenfeldi var. Bohemica | 
ШИК К dun te ht i ; ; 7 S8 8 «n 
108 3 concinna, Sowerb. . А А éi ER е. 
109 | Melanopsis impressa, Kraus. . 5 éch hh|hh . А к 
110 Ў ќаршаќа, М. Ноетп. 8 La 8 |hjh "SES 
111 || Bulla miliaris, Broce. 8s" j | | va klech ЧҮШ 
112 »  conulus, Deshayes sg" SECH | „|.|. 
118 »,  Broceii, Michel. gs" > а: DEI 
114 . unesto, Adamsa . . . . 8" do | HEI. a bt 
115 „: Lajonkaireana, Bast. . . . ss" Ari i el mE. 
116 | Fissurella Italica, Defr. d 88 i eas ў +|.!.|+ 
117 elypeata, Gral Eat SE EE ї) 88 + | 
118 Puncturella ornata, Rss. SE I. | | ; кш е 
119 Emarginula clathrataeformis, Eichw. odia et ОИ ado t "NE rk 
120 | Dentalium Badense, Partsch. . SR ; de Hi+ i 
121 ^ mutabile, Doderl. . 88^. | i (ES EN M 
122 и Jani, M. Hoen, . dëi eat? |ЧЕ ЖЕ | s diit 
123 y entalis. Linné . . Bi Ze |: PT. H4 e 
124 , Michelotti, M. Hoernesi | 8.1.1.1: 1.1.1. WE E 
| || 
| | 
Chitonidae. | EEN 
125 | Chiton fascicularis, Linné var. . .|ss" | gh ero | ú d + 
126 $ multigranosus, Reuss . SI j | 4 i EL, 
12:4 Ge denudatus, Reuss . . . . |88, | { 41 ў | 
128 á lepidus, Rss. . . . SIE ое ИЛҮҮ j 
19€ A TRRIDITCAHLUS, Кае; Elek: | 4 ЧН al c 
130 " ПОШ, Оу, у", ss”. ilis " \ ; 
181 » decoratus, Rss. SEEN ISB NRI M erer ch ` 
182 М Reussi ProM T о, 88 | ls allen el vegan 
Lamellibranchiata. | 
133 | Gastrochaena dubia, Pan. 88 |. | EA Lab р Cl 
134 | Teredo Norwegica, Spengler . 88 ў . 1888 ++ far. 
185 | Saxicava arctica, Linné. . . ss" і el a ER +. 
1:90. ЕШ ШОВ Aal un eg të Ree HK о 
19/0 Corbula BUDE OLNE nia e a ESI. Pee S ве. HHH] aea 
138 P caminata. De m... le... SCH SEU TA a 
1891 7, Маса ШӨ Froch е муза рр SE h|h].|. . n 
140 | Venus tascieulata; ДӨ wur CAE | mi Ee ЧЕ up + 
141 xc: multilamella, : Ioan а. AEN |. ++ Mo 
1422| ., Basteroti, Doph s= › үс]. Н 


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| der marinen Tegel |d. brack. Tegel 
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Name E НЕВЕНКА all, 
к ЕЕН ЕЕЕ ЕЕЕ Е 
z 4835539332554 m9"s5:455 
E а анаја |а (< |а| 
m Cytherea sp. 85 i NOR 
ët Cyrce minima, Mont. 88 HE +. 
m Tellina sp. . 18 1881. ida 
e Cardium papillosum, Poli. 88 ss|. ++ 
Me h Opatovense, Proch. i spar et dede 
145 Chama gryphoides, Linné . h ES 
150 Lucina miocaenica, Michti. EIN Tl. 
15i : Dujardini, Desh. . 88 б dev. pe 
159 » spinifera, Mont. . 8 ++. ++ 
153 ^ dentata, Dast. . s" ыш ша КА 
154 » Aggasizzii, Michti. . 58 ЕЕ 
» strigilata, Rss. h ‚||. 
ТУ exigua, Eichw. 88 RE a 
151 Erycina Bohemica, Proch. i hips 
158 Cardita rudista, Lam. 88 N H, 
159 » ` Partschi, Goldf. 8 +++» |» 
160 » calyculata, Linné . gs" ‚|. rb, rk 
161 » scalaris, Sow. S8 AHHH ete 
169 Nucula nucleus, Linné ss +++]. 1+ 
163 ucinella ovalis, Wood. 88" ale 
164 Leda fragilis, Chunn. . 88 [н bina 
165 | A? nitida, Вгосе. 8 ЕБЕ Е 
leg | "o Noae, Linné . . 88 ‚|. |+. + 
167 » barbata, Linné . IS JHH 1. |+ 
leg| " Bohemica, Rss. . gs" AM quee da 
l69| " diluvii, Lam. . ss | MESE PEE 
m| > lactea, Linné . 88 JHH -I+ 
pu) » clathrata, Defr. 88 e We e 
179 | м” pseudolima, Rss. Ss" К la 
178 odiola Hoernesi, Rss. 88 ka, 
174 » biformis, Rss. ss“ . $8 . |. HH + | 
175 » marginata, Eichw. ss У Hiel 
176 ecten substriatus, d'Orb. . ss" ‚|. HERI 
111 »  Malvinae, Dub. TH А „tt 
178 N elegans, Andr. . |ss* ++. М 
179 Pondylus heteracanthus, Rss. Iss" le SH ERA è 
180 | Os Gussonei, Josta ss" s . SA 
181 strea cochlear, Poli. i . |88| 144/4. 
189 n Boblayi, Desh. , hisi. Hl. 
183 » digitalina, Dub. . hh* 1818141 e . 
184 D giengensis, Schloth. sp. h ЪЪ. | + - 
» erassissima, Lam. . -hhi hi. HI ede 


14 


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` der marinen Tegel |d. brack. Tegel 
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в |58 || оро |е m sjz|i's 
e [ынаа о о | ече || 124 
Brachiopoda. | | 
185 || Agriope decollata, Chemnitz . . |.|... К К .|.] .]- H. Jr 
186 | Cistella Neapolitana, Secch. . . .|8*|.|.|. |. |. : HH. | 
187 б ПСО, EE ood ee JH a 
188 | :Мерегіев "орва Mich. Gs oia Ea A 1. II, lue 
Bryozoa. | 
189 | Hornera hippolythus, Defr. . . .|88|. SE "Tr ++. . 
190 | Celleporaria globularis, Bron. . . |8 |. |. /.!. |.|. (cp. 
191 || Hetepora stipilata, Rag . . . . al, |. |. | e «pe pw bes Im eR 
192 || Salicornaria fareiminoides, Johnst. |851. |. |. |. |. |. | . |. |. Lu: 
193 | ? Discuflustrella Nováki, Proch. .|88|. |. |. |. |. MM 
194 | Membranipora gracilis, Münstr. . 589 |.|. |. |. |. [TR 
195| Eschara coscinophora, Rss. . . . |88". Hn | +. . 
Echinodermata. 


196 | Diadema Desori, Rss. (Stacheln) . |ss 


d H 1, 

197 | Cidaris polyacanthus, Rss. . . .|h' | E . 
Vermes. | | 
198 | Serpula manicata; Rss... . . . .|88 |. |. |. - Ire lel Ч. ре 
199 e , ; guingwesiemate, Hos. . "e ET ele s tle eiie eile] 
200 e Е ЕСИ е Ae Von he al c M 
201 ў САЦА ЕА Жы А В Л жк ИрИ SE | EM 
202 » HERREN. TEE, Ta EE vr Lx rH 
203 Re TEE EEE PODER FE 
204 sd BEDNEEL NN. Et, T NEEN e ERU s TN 
205 » Ее IN . + 
Anthozoa. | 

206 | Caryophyllia leptaxis, Rss. . . . |88". 1.1.1.1. 1.1.1. 
207 | Paracyathus firmus, Phil. sp. . . |.|. 1.1.1.1... (er 
208 | Thecocyathus velatus, Rss. . ОШО d: . . TH . 
209 microphyllus, Bes. ^. | 8 |... |. vite peas t aa 
210 Syzygophyllia DUGVISU ШЕ A сҮ VII Se NR lt E ТИШЕТ 
211 | Mycetophyllia horrida, ME eck АЕ elle |; 
212 | Astrocaenia ornata, М. Edw., п. Н. |88 |. . |. | «| «|. [lel |, 
218 | Astraea crenulata, Gold, . . . .|h'|.|. .|« le). | НН +. . 
214 | Solenastraea tener ИК PES ЕЕ . 
215 | Cladangia conferta, Rss. . . . . |.|. | acad SEM | 
216 | Balanophyllia varians, Rss. . . .|88|.|. ix SIE PZ LC ME, . 
217 | Porites incrustans, Defr. sp.. . .|h|.|. | u Eu u а aaa 


15 | 


| Die Fauna 


| der marinen Теве! |- brack, Tegel 


Кы а fta Vaill da | Я 

D Ф н | | Е 

Name Е 5а БЕ | ig 
= 51215 ее |+ м 12 + 
09 AAR) aj 519 ale Ki 
E а ЕЕ SÉIS ЕЕЕ | 

N m| srm |o | LL | 

ЕЕ ЕЕЕ НЕЕ НЕ Н ЕЕ | 
IE ааа Elan | еа [о | |е | 


Foraminifera. 
218| Miliolina Bronniana, d'Orb. . . al, i 
290 | Texf ‚бо. eonsobrina, d'Orb, 885 |... |. |. | е || 88 
20 | Textularia carinata, d’Orb. . . .|h hj|$Ss . SS|. 
999 » abbreviata, d'Orb. . ` deque E 
993 n Hauen d'Orb. ВВ e |. [МИГ 
Es. ER E Efalt e atb 
Verneuillina spinulosa, Rss . . .| S|.|.|.|-. 
Bulimina affinis, d’Orb.. . . . .| h|h|ss,. |581. 


. EE 


КЕЕ: 
EE, +++ + 
SE 


| 

ST " ovata. ПО уа a vr dne ID. | PER ЫШЫ E | 

998 de pupoides, d'Orb. . . . . |88. |88 hh! . ЬЬ ss + + | 

299 » Bucheana, d'Orb, `. . .| PES 21. 1. 11° i | 
x aculeata, d'Orb.. . . .|88|8|.|8 


23 EE h t А 
O| Virgulina Schreibersiana, CZi. . .|5*|һ|.|.|.|.|.\8 


Bolivina robusta Brady. . . . . |5 |88. 
989 | т” punctata, d'Orb. . . . . IB R 
Lagena strumosa, Rss. . . . . .|88|. |. |. е 


ics d. 
ЕЕ: 


985 N » Spec. SE QE S8 u К 

236 odosaria (G.) laevigata, d'Orb. . Ss”) . |. ++i. (++ 

237 » venusta, Rss. . . . .| h hh дар, ‚|.|. 

93g » semirugosa, COW a BS Ir Milt ++!.|.|. 

239 » Вопёапа, d'Orb. . . .|88°|8). ++» " 

940 » (D) acuta, d'Orb. . . .|8 ss. H-H. 

941 » (D) acuticauda, Rss. . |851. |.|. H+H- 

94» »  . (D) elegans d'Orb: . . |88 |88. |. MÍ epe 

943 » (D) Römeri, Neugeb. .| 8|. |. |. Рр 

944 » (D) pygmaea, Neugeb. | 88 ES т 

945 » (D) bifurcata, d'Orb. . |851. |. | EC oe: H+. 

О мек (D) scabra, Rss, . . . |hhinh/h's|.|.|. h 414. 1+ | 

947 arginulina Hoernesi, Rss. . . . | Alssi. |. f- f Em DNE i | 

И similis, d'Orb. . . |88 | s$] - | кот. | 

949 "istellaria minima, Karr. . RUIN à JH. | 

250 » бита, Month. ве voee e sss + +. | 

251 » caban ОТВ . el hh se sole HH- |+. | 

959 » Austriaca, QUOD ©. BB Pone MR H-H- Н. | 

95; » intermedia CO e D eere Leo S RR H-H.. | 

954 » inornata, d'Orb. . . .|s9|88 1.1." ++1.|.|. | 

955 | p T depauperata, d’Orb. . |8 (51... +1 .1.1+ | 

256 Olymorphyna problema, d'Orb. . | 81.1... 58. +14. 1+ | 

951 n inaequalis, Rss. . . |88 |85. Li, | 

958 n aequalis, d'Orb. . pg . |. |. |- MIEL EP ? 

ES M S. digitalina, d'Orb. в | li, Il, вае | 
Globigerina bulloides, d'Orb. . .|8|8|8/88 -|- |-|- |- ssi +++ ins 


Кии иаа WB GERONA ericsson vaa 
EEN E GR E. Die Fauna | 
der marinen Tegel |i. brack. Тере) 
\ НЕСИЕ s | 
TREE ABEEBHHEHERBERBR 
НЕЕ ЕЕ ЕЕЕ 
SIRIS t SIS ЕЕ Л К S| ES 
S JAJAA |е | n à «eeiam 
| | , | 
260 | Globigerina bulloides var.triloba Rss.| s | s Vy | н kr, PO 
261 | Pullenia sphaeroides, d'Orb. . stib В d Р, +++] 
262 | Discorbina obtusa, d'Orb. sp. SB S . 14-14-11. 8 
263 | Truncatulinalobatula Wal. и. Јас. ѕр. h | . | . ED, ++] 
264 " Haidingeri, d'Orb. |8 |8 ++. 1. 1° 
265 | Ungeriana, d'Orb. sp. | s|.|.|.|. l AHH T 
266 И Dutemplei, d'Orb. sp | s |hh| s | . |ss о. ++. HERE 
261 praecincta, Karr. sp. | h hhl. t Е ИЕ .|. 19 
268 | Anomalina Austriaca, d'Orb. . EES soe Ep JHH. Hi, 
269 i Badense, d'Orb. .|h hh|ss| . |ss h | ss| h WEE SEO, 
270 | Epistomina Partschiana, d'Orb. вр. | . | hls epo d (H. 55+ 
271| Pulvinulina Schreibersii, d'Orb. sp. Il . |. Wé Ier, EHE 
272 | Rotalia: Soldanii, d'Orb. (ста. авт je. + 
213 » beccarii, Linné sp. Sissis]. hihh .|h|.|ss---|. bt 
274| Nonionina communis, d'Orb. . h Ihh! » ў JK 8814/1 EI, 
215 " umbilicata, Mont. sp. "his ; bai se or 
276 Bouéana, d'Orb. 8 88 D.I 
277 Polystomella crispa, Lam. . hu. i +- -HHF 
278 * flexuosa, d'Orb. h .|+. |.» 
279 ^ striutopunctata l'icht. 
| u. Moll. sp. 8 |.|, 
280 " macella, Ficht u. Moll. | 
| Sp. 8 HH 1. 
281 | Hoterostegina costata d'Orb. . ss" Dun EL CL SN 
| 


Kritisches illustriertes Verzeichnis 
der fossilen Arten der miocaenen Sedimente von Ostböhmen. 


Otolithus (Gobius) Friéi, Procházka. Vig. 1. — Derselbe weist einen lünglich- 
orthogonalen Umriss auf, ist vorne schwach verengt, 9 mm lang, 5 mm breit, 2 mm 
dick. Der Vorderrand ist mässig ausgeschnitten, der Ventralbrand beinahe gerade, 
nur hinten oft umgebogen und sozusagen aus zwei Theilen bestehend, von 
denen der caudal-dorsale kleiner als der caudal-ventrale und ausserdem ein 
bischen nach hinten gebogen, im Übrigen aber gerade ist. Der Dorsalrand ist 
dagegen gewöhnlich bogenfórmig und bei dem Hinterrande in einem starken 
Bogen ausgespannt. Die Aussenseite der Sagitta wölbt sich auf der Ventral- 
seite stärker aus als auf der gegenüberliegenden dorsalen, übrigens ist sie 
glatt, ohne Zierrath und Schichtenlinien und neigt sich mässig gegen die 
schwach zugeschärften, zahnlosen Ränder zu. Der verhältnissmässig breite und 
ziemlich tiefe Sulcus acusticus theilt die innere Fläche der Sagitta in zwei 
ungleich grosse Hälften, von denen die ventrale grösser ist als die dorsale. 
Der Sulcus stellt eine rinnenfórmige Vertiefung dar, die in der Mitte schwach 


а b à b 


Fig. 1. Otolithus (Gobius) Егіёі, Proch. Fig. 2. Otolithus (Gobius) Bohemicus, 
Rudelsdorf. II, vergrössert. a Aussen-, Proch. Rudelsdorf. 9/, vergróssert. 
b Innenseite der Sagitta. a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. 


Verengt, an den Enden ungleich stumpf zugespitzt ist. Auf seiner inneren 
Fläche gibt es keine Spur von Colliculen, ebenfalls ist es unmöglich die Scheide 


zwischen dem Ostium und der Cauda genau zu bestimmen. Diese scheint 
durch diejenige Stelle angedeutet zu sein, wo der Suleus am stürksten abge- 
Schnürt ist. Dio Christa superior stellt, obwohl sie stark entwickelt ist, doch 
nur eine niedrige, schwache und stumpfe Kante vor, welche beim carinalen 
und caudalen Ende auf einmal verschwindet. Der gegenüberliegende, d. i. 


18 


caudale, Rand des Suleus ist am Anfang der hinteren Hälfte nach oben ge- 
bogen. Auf beiden Seiten dieses Bogens liegt je ein concaves Grübchen. Ober- 
halb der Crista zieht sich eine verhältnissmäsig ziemlich geräumige Area hin, 
welche gegen den Dorsalrand zu allmälig verschwindet. Entlang des Ventral- 
randes verläuft eine sehr schmale Furche, welche die Ventralfläche der Innen- 
seite der Sagitta begrenzt. Diese Fläche ist ziemlich charakteristisch, verhältnis- 
mässig hoch gelegt und oben flach. 


Die Art Otol. Friói stimmt mit keiner Art der Gruppe der Gobiidae 
überein; es ist also unmóglich, sie mit irgend einer bekannten Species in eine 
und dieselbe Gruppe einzureihen. Sie unterscheidet sich durch ihre Merkmale 
so vollkommen von allen übrigen, dass man sie augenblicklich erkennen muss. 

Am nächsten steht sie noch der Species O. praeciosus, aber trotzdem füllt 
es nicht schwer sich zu überzeugen, dass sie von derselben gewichtige Merk- 
male trennen. Man sieht, dass einerseits die Gestalt der Sagitta überhaupt 
abweicht, anderseits die Sagitta bedeutend grósser ist und einen nicht nur 
breiteren und längeren, sondern auch abweichend geformten Sulcus besitzt. — 
Bisher ist diese Art nur vom Rudelsdorfer gelben Tegel her bekannt, wo sie 
den bisherigen Erfahrungen gemäss verhältnismässig sehr selten vorkommt. 


Otolithus (Gobius) Bohemieus, Procházka. Fig. 2. — 3 mm lang, 1:5 mm 


breit, 1 mm dick. Diese kleine Art ist schon bei einer geläufigen Betrachtung 
durch ihren Umriss auffallend. Ihre Eigenschaften treten jedoch viel stärker 
zutage, wenn wir sie eingehend beobachten. Und da fallen uns die Ränder 
auf: der carinale und der caudale, welche einen bogenfórmigen Ausschnitt 
besitzen. Verhältnissmässig sehr tief erscheint der Ausschnitt des Carinal- 
randes, der zugleich lang ist. Der dorsale und ventrale Rand ist auch zu- 
geschürft, ganz und ohne zühnchenfórmigen Zierath. Dieser zieht sich fast 
geradelinig hin, jener krümmt sich zu einem hinten stärker gekrümmten Bogen. 
Die Aussenseite der Sagitta ist glatt, unter einer starken Loupe erblicken wir, 
dass sie von concentrischen Schichten bedeckt ist. Sie wölbt sich gleichmässig; 
erreicht in der Mitte ihrer Peripherie ihre maximale Hóhe, von wo aus sie 
sich gegen die Ränder hin gleichmässig neigt. Die Innenseite der Sagitta ist 
flach, durch den Sulcus acusticus in zwei beinahe gleiche Hälften getheilt, 
von dene, bei einer sorgfältigen Untersuchung, die obere um ein bischen 
grösser als die untere erscheint. Sulcus fällt durch seine schaufelfórmige Ge- 
stalt auf. Sein Vordertheil, das Ostium, ist breit, vorne zugespitzt, besser 
gesagt gekantet durch gerade, in einem spitzen Winkel zusammenlaufende 
Seiten. Sein Hintertheil hat eine rinnenförmige Gestalt, ist verhältnismässig 
ziemlich tief und hinten durch einen Halbkreis geschlossen. Auf der Dorsal- 
seite findet sich auf der Kante des Sulcus eine sehr niedrige, schwach zuge- 
schärfte Kante, welche sich nach rückwärts hin zieht und dann allmälig 
verschwindet. An der entgegengelegenen Seite dieser Kante, der Crista superior, 
liegt der stumpfe Rand des Sulcus, der, inwieweit er das Ostium umrandet, 
schwach bogenfórmig ist, während er entlang der ganzen Cauda beinahe gerade 
ist. Hinter der Orista erstreckt sich eine seichte Area, welche gegen hinten 


19 


sieh erweitert und in dem Masse verschwindet, je mehr sie sich dem Dorsal- 
rand nähert. 


О. Bohemicus erinnert im ersten Augenblieke an jugendliche Stadien des 
O. Frici. Ich habe ihn auch eine längere Zeit hindurch dafür gehalten. Ein reicheres 
Material hat mich jedoch belehrt, dass hier zwei gänzlich verschiedene Arten 
Vorliegen. Die Gestalt der Sagitta, die verhältnissmässige Grösse des Sulcus 
gegenüber den Dimensionen derselben, die Gestalt und Grösse der Cauda und 
des Ostium unterstützen diese Ansicht, ohne die kleinsten Zweifel zuzulassen. 
Die Sagitta ist bei unserer Art immer vierseitig, beim 0. Friči lànglich, das 
Ostium ist viel breiter als die Cauda, was bei der vorigen Art nicht der Fall 
ist, es fliesst bei derselben vielmehr das Ostium mit der Cauda enge zusammen 
und lässt keine Scheide zurück. Meinen bisherigen Erfahrungen gemäss ist 
diese Art in den marinen Sedimenten des böhmischen Miocaens verhältnis- 
Mässig genug verbreitet. Sie wurde nämlich nicht nur im Rudelsdorfer, sondern 
auch im Triebitzer und Abtsdorfer Tegel, und zwar auf dieser letzten Fund- 
Stätte sowohl in den Austern — als auch in der oberen Bank entdeckt. 


Otolithus (Gobius) praeclarus, Procházka. (1893. Miocaen Zidlochovieky na 


Moravé a jeho zvffena. str. 63., tab. III., vzor 4.) In den Bereich dieser Art 
stelle ich provisorich zwei Sagitten, die vielleicht später, bis ein reicheres 
Vergleichsmaterial vorliegen wird, als eine neue Art aufgestellt werden. Einige 
von ihren Merkmalen zeugen wenigstens dafür. In erster Reihe ist die Form 
des Ventralrandes zu beachten, welche von derjenigen der typischen Individuen 
dieser Art abweicht, ferner bestätigt auch die Grösse der Sagitta diese An- 
Schauung, Inwieweit jedoch diese Ansicht richtig ist, wird naeh meiner Mei- 
Dung erst die Zukunft entscheiden. Die horizontale Verbreitung dieser Art ist 
nicht, minder interessant. Typische Vertreter habe ich im unteren Mergel des 
Vejhon bei Gross-Seelowitz, ferner im Drnovicer Mergel (Mühren), im Tegel 
von Walbersdorf (Ungarn) und im Grinzinger Mergel (Nieder-Oesterreich) sicher 
gestellt. In unserem ostböhmischen Gebiete ist die Art ziemlich selten, sie 
Wurde bis jetzt nur im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. 


Обон кз i : 
tolithus (Gobius) Rudolticensis, Procházka. Fig. 3. 1 mm lang, 1 mm breit, 


04 mm dick. Sagitta dieser Art ist breit elliptisch, vorne und hinten schwach 
Ausgeschnitten (vorne stärker als hinten), hier breiter. Der Dorsal- und Ventral- 
“апа ist bogenförmig, dieser mässig, jener stark gebogen. Alle Ränder sind 
Dänz und gestumpft. Die Aussenseite der Sagitta ist in der Mitte am stärksten 
Sewólbt, ihr gerundeter Rücken neigt sich gegen die Ränder hin allmälig, aber 
Bleichmässig. Er ist kahl und glatt. Die Innenseite der Sagitta theilt der ver- 
hältnismässig breite Sulcus aecustieus iu eine grössere dorsale und eine klei- 
Пеге ventrale Hälfte. Er stellt eine verhältnismässige breite Rinne vor, die 
Schwach gebogen, genug tief ist und keine Spur von einer Theilung in Ostium 
und Cauda bemerken lässt. Hinten ist der Sulcus breiter als vorne. Hier ist 
ee und endigt ‚stumpf, hinten dagegen ist er merklich erweitert und 

ше bogenförmige Stufe begrenzt. Seinen Dorsalrand begrenzt eine 
Schwache Kante, Crista superior, welcher gegenüber der sehr niedrige, stumpfe 


80 


Ventralrand liegt. Area seicht, ziemlich geräumig. Die Ventralfurche zwar 
sehr eng, aber scharf und bemerkbar. О, Rudolticensis erinnert ziemlich leb- 
haft an О. Bohemicus, unterscheidet sich jedoch von demselben einerseits durch 
die Gestalt des oberen und rückwärtigen Theiles der Sagitta, andererseits durch 
den abweichenden Charakter des Sulcus. Von den übrigen Arten ist er leichter 
zu unterscheiden, als von der vorigen. — Bis jetzt gelang es mir nicht, diese 
interessante Art anderswo als im gelben Tegel von Rudelsdorf sicherzustellen. 


Otolithus (Gobius) elegans, Procházka. Vig. 4. 1'3 mm lang, 1'6 mm breit, 


08 mm dick. Er ist von einem vierseitigen Umriss, die Ecken sind abge- 
stumpft. Den Vorder- und Hinterrand hat er sehr schwach ausgeschnitten, und 
zwar den letzteren stürker als den vorderen. Diese Ausschnitte vertiefen sich 
am oberen Ende mehr als am entgegengesetzten unteren. Der Hinterrand ist 
am Ventralende — dort, wo er mit dem Ventralrande zusammenläuft — schief 
zugeschnitten. Der Ventralrand zieht sich fast geradlinig hin und ist in der 
Mitte schwach bogenfórmig. Dagegen ist der Dorsalrand in einem sehr starken 
und regelmässigen Bogen gewólbt. Gegen diese geraden jedoch stumpfen, zier- 
losen Ränder neigt sich gleichmässig die Aussenseite der Sagitta, welche glatt 


Fig. 3. Otolithus (Gobius) Rudolticensis, Fig. 4. Otolithus (Gobius) elegans, Proch. 
Proch. Rudelsdorf. 9/, vergróssert. Rudelsdorf. 9/, vergrössert. 
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. 


und ohne jedwede Seulptur ist. Die Innenseite der Sagitta ist flach, durch 
den Sulcus acusticus ungleichmässig getheilt. Dieser stellt eine gebrochene, 
aus zwei in einem stumpfen Winkel zusammenlaufenden Theilen bestehende, 
verhültnismássig lange, breite und tiefe Rinne vor. Sein Vordertheil — Ostium 
— verlüuft schief gegen unten und ist breiter als der Caudatheil; das Ostium 
ist von zwar schwach, aber doch genug merkbar bogenfórmigen Seiten begrenzt. 
Der caudale Theil des Suleus breitet sich in Centrum der hinteren Hälfte der 
Sagitta aus, liegt in der horizontalen medialen Linie dieser letzteren von geraden; 
hinten unter einem stumpfen Winkel zusammenlaufenden Rändern umgeben. 
Dort, wo der übrige Theil mit dem caudalen zusammenhängt, schiesst ein win- 
ziger Ausschnitt gegen den Dorsalrand ab, ohne grössere Dimensionen zu el“ 
reichen. Entlang des Dorsalrandes des Suleus verläuft die Kante Crista supe- 
rior, dadurch ausgezeichnet, dass sie rückwärts, inwieweit sie die Cauda begrenzt 
ziemlich merklich, dagegen im hinteren, carinalen Theile sehr schwaeh, kaum 
bemerkbar ist. Area ist seicht, in der Nähe der Crista superior erreicht sie die 
maximale Tiefe, gegen den Dorsalrand zu wird sie rapid seichter. Parallel dem 
Ventralrande verläuft eine sehr schmale Furche, welche die schwach gewölbte 


81 


Ventralfläche begrenzt. Die Art О. elegans ist nach der Form der Sagitta von 
der Art О. praeclarus nicht zu unterscheiden, so ähnlich sind sie einander. 
Man wird sie aber gleich unterscheiden, sobald man ihre Sulei bemerkt. Die 
Unterschiede sind ja auffallend und wahrhaft gewichtig. Das Hauptgewicht 
ruht auf der Form des Sulcus, erst in zweiter Reihe auf dem Verhältnisse 
des caudalen Theiles zu dem ostialen. — Bisher nur im gelben Tegel von Ru- 
delsdorf sichergestellt. 


Fig. 5. Otolithus (Serranus) insignis, Proch. Abtsdorf. ?/, vergr. 
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. 


Otolithus (Serranus) insignis, Procházka. (1893, loe. cit. str. 62, tab. IL, 
vzor 9.) Fig. 5. Das vorliegende, schön erhaltene Exemplar vom Abtsdorfer 
gelben Tegel ist 3 mm lang, 9 mm breit, 05 mm dick. Es ist besser erhalten 
als mein Original aus dem unteren Mergel des Vejhon bei Gross-Seelowitz in 
Mähren. Wenn man das Exemplar von Abtsdorf mit jenem von Vejhon vergleicht, 
scheint es, allerdings nur einen ganz kurzen Augenblick, dass sie von einander 
abweichen. Das Exemplar von Abtsdorf bietet nämlich ein vollkommenes Bild 
dieser prächtigen Art; deshalb habe ich es auch hier abgebildet. Des Original 
von Vejhon hat, wie hier erwähnt werden soll, das Rostrum abgebrochen. An 
diesem Originale sind die Randzähnchen und Lappen nur angedeutet, am Abts- 
dorfer dagegen scharf begrenzt, also leicht kenntlich. Verhältnissmässig tiefe 
Furchen begrenzen diese Lappen, welche sich in das Innere der Sagitta fort- 
Setzen und dort in Rippen übergehen. 

Otolithus (Beryeidarum) Moravicus, Procházka. (1894, loc. cit. str. 57. tab. 
IIL, vzor 1.) Fig. 6. — Bis jetzt ist es mir gelungen nur ein einziges Exem- 
plar dieser im heimischen Miocaen vielleicht am weitesten verbreiteten Art her- 


b а 


Fig. 6. Otolithus (Berycidarum) Moravicus, Proch. Rudelsdorf. °/, vergr. 
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. 


auszuschlemmen. Wie überall wurde sie auch hier vorzüglich erhalten gefunden. 

Keine selbst kleinste Spur irgend einer Beschüdigung zeigt ihre Sagitta. Auch 

bietet sie keine Unterschiede von den typischen Vertretern. Ausser dem Rudels- 
6 


82 


dorfer Tegel, gelber Bank, ist diese Art aus dem Mergel von Vejhon bei Gross- 
Seelowitz, aus den Tegeln von Lažánky, Rudice, Lomnice, Bejkovice, Bosko- 
vice, Repka und Knihnice, ferner aus den Mergeln von Drnovice, Öernä Hora, 
Krälice bei Náměšť an der Oslava, Sudice und Jaroměřice (Mähren), endlich 
aus den Neudorfer Sanden (Niederösterreich), aus dem Ottnanger Schlier (Ober- 
österreich) und aus dem Walbersdorfer Thone (Ungarn) bekannt. 


Otolithus ‚Beryeidarum) pulcher, Procházka. (1893, 1. с. str. 58, tab. IIL., 


vzor 7.) Schön erhaltene Sagitten von dieser interessanten Art kann man im 
Tegel von Audelsdorf und Lukava verhältnissmässig ziemlich häufig finden. Meine 
bisherigen Erfahrungen über ihr Vorkommen im bóhmischen marinen Tegel 
decken sich mit den Erfahrungen, die ich an zahlreichen mährischen Fund- 
orten gemacht habe. Ich schliesse daraus, dass auch diese Art in dem Masse, 
wie sie für das marine Miocaen-Gebiet Mührens und Nieder-Oesterreichs charak- 
teristisch erscheint, auch für das bóhmische Gebiet wichtig ist. Wie verbreitet 
sie ist, darüber geben die zahlreichen unten angeführten Fundstütten ein klares 
Zeugnis. Hier hebe ich noch hervor, dass sich auch unsere böhmischen Exem- 
plare des O. pulcher durch alle jene Merkmale auszeichnen, welche die typi- 
schen Exemplare von Mähren und Nieder-Oesterreich charakterisiren. Ausser 
aus dem gelblichen Tegel von Rudelsdorf und dem bläulichen von Lukava führe 
ich diese Art von folgenden Fundorten an: unterer Mergel von Gross-Seelowitz, 
Borat, Lomniéka, Bejkovice, Perná bei Lysice, Boskovice, Repka, Knihnice, 
Tišnov, Lysice, Drnovice, Kralice nächst Náměšť an der Oslava, Jaroměřice, 
Lomnice, Sudice, Bedřichovice (Bellowitz) nächst Brünn (Mähren'; Nussdorf 
(Nieder-Oesterreich); Walbersdorf (Ungarn). 


Otolithus (Berycidarum) Kokeni, Procházka. (1893, 1. c. str. 59, tab. IIL, 


vzor 3.) Fünf schón erhaltene Exemplare von dieser wichtigen Art ist es mir 
bisher nur im Rudelsdorfer gelben Tegel sicherzustellen gelungen. Die Dimen- 
sionen aller gleichen den Dimensionen der typischen Individuen, die an ver- 
schiedenen Orten im Gebiete des mährischen Miocaeus entdeckt wurden. Nur 
durch natürliche Merkmale unterscheiden sich diese von den erwähnten Typen. 
Der Unterschied besteht zuerst darin, dass sie die Ränder fast ganz haben, 
der Zähnchen entbehrend, die man nur angedeutet sieht. Der Ausschnitt des 
Hinterrandes ist bei unseren Individuen nicht. so tief und kenntlich wie bei 
den mährischen. Dieses Merkmal hat zur Folge, dass die Sagitta eine fast 
ganz ovale Gestalt annimmt. In den wesentlichen Merkmalen herrscht dagegen 
eine vollständige Uebereinstimmung. Ausser der erwähnten Localität im Ru- 
delsdorfer Tegel wurde О, Kokeni im Tegel von Gross-Seelowitz, Lažánky, 
Boskovice, Knihnice, Jaroměřice, Lomnička, Kralice (Mähren); im Tegel von 
Walbersdorf (Ungarn) und Lapugy (Siebenbürgen) entdeckt. 


Otolithus (Berycidarum) fragilis, Procházka. (1893, 1. е. str. 60, tab. IIL, 


vzor 11.) Diese hochinteressante Species, die ich zuerst in dem unteren Mergel 
von Vejhon bei Gross-Seelowitz in Mähren gefunden habe, von wo sie dann 
in die Sedimente der böhmischen miocaenen Meeresbucht übergeht, kommt in 
Mähren ziemlich häufig vor. Das vorliegende böhmische Exemplar hat alle 
Merkmale, welche die typischen Individuen auszeichnen, und zwar nicht nur 


83 


äussere, sondern auch innere Merkmale, insbesondere was den Sulcus, die 
Grüsse und Gestalt der Sagitta anbetrifft. Es ist ausgezeichnet erhalten und 
entbehrt selbst der kleinsten und nebensächlichen Merkmale nicht. Im Rudels- 
dorfer gelben Tegel selten, häufiger im unteren Mergel des Vejhon in Mähren. 


Otolithus (ine. sedis) formosus, Procházka. Fig. 7. — 1 mm lang, 08 mm 


breit, 04 mm dick. Er hat einen ovalen Umriss, die Ränder sind in einen 
Saum verflossen, stumpf, ganz, ohne Zühnchen und jedwede Seulptur. Sein 
dorsaler Rand ist, ebenso wie der ventrale und der caulale, ebenso wie der 
carinale bogenförmig. Die Aussenseite der Sagitta wölbt sich gleichmässig, 
doch sehr mässig und erreicht ungefähr in der Mitte die maximale Höhe. 
Uebrigens ist sie tief und nur vorne ist ein spiessförmiges Feld zu sehen, 
dem Suleus entsprechend, den eine sehr wenig verstärkte, nur mit einer starken 


а b 


Fig. 7. Otolithus (inc. sedis) formosus, Proch. Rudelsdorf. */, vergr. 
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. 


Loupe sichtbare Kante begrenzt, die in dem Masse verschwindet, wie sie in 
die Mitte der Sagitta ausläuft. Das Innere dieser letzteren ist schwach gewölbt. 
Vom carinalen Rande erstreckt sich ein spiesfórmiger Suleus acusticus bis 
hinter das zweite Drittel des Durchmessers (von vorne nach hinten gemessen). 
Der Suleus ist ausgefüllt, sein Boden liegt in der Hóhe der beiden Sagitta- 
Hälften und unterscheidet sich von diesen durch eine intensivere Färbung. 
Parallel den Rändern verläuft eine schwache Furche bis zum Sulcus. Crista 
Superior ist kaum merkbar, Area ebenfalls stark reduciert, nur durch eine 
Sehr schwache Depression angedeutet. Ich kenne bisher keine Otolithengruppe, 
in die ich diese hochinteressante Art mit Sicherheit einreihen könnte. Durch 
die Lage des Sulcus stimmt sie noch am meisten mit der Lage der Rinne von 
Solea überein. Aber der Sulcus der Solea-Specien ist bekanntlich immer vertieft 
und, was wichtig ist, an den Enden geschlossen, was alles bei unserer Art 
nicht vorkommt. Schon dieser Unterschied gebietet selbstverständlich Vorsicht 
Es ist also wünschenswerth, diese Frage auf einige Zeit beiseite zu legen und 
zu warten, bis mehr ähnlichen oder gleichen Materials entdeckt werden wird. 
Das vorliegende Exemplar fand ich vorzüglich erhalten, ja so vollkommen, 
dass es selbst der kleinsten Details nicht entbehrt, die übrigens verhältniss- 
mässig leicht und bald zu bemerken sind. Bis jetzt nur aus dem ZAudelsdorfer 
‚ gelben Tegel bekannt. 

ardia subdeltoidea, v. Münster sp. (1849, A. E. Reuss. Die fossil. Entomo- 
Straceen des oesterr. Tertiaerbeckens. S. 49, Taf. VIIL, Fig. 1. — 1860 1. c. 
5. 271.) Typischea Individuen dieser interessanten Art begegnen wir im Gebiete 

6* 


84 


des böhmischen marinen Miocaens sehr selten. Das wird schlagend bewiesen 
durch den bisherigen Erfolg der Untersuchung der dortigen Sedimente. Reuss 
fand in den sechziger Jahren ihre Schalen nach einem offenbar langen Suchen, 
während es mir überhaupt weder im Rudelsdorfer, noch im Lukauer Tegel, 
also in Sedimenten mit einer reichen Fauna, gelungen ist, sie festzustellen. 
Dagegen ist D. subdeltoidea eine häufige Erscheinung im mährischen, nieder- 
oesterreichischen, steiermärkischen und auch im siebenbürgischen Miocaen. 
Ebenfalls ist sie im Tertiaer Italiens und Frankreichs zuhause. Sie greift in 
die Priesener und Teplitzer Schichten der Kreideformation zurück, während 
sie jetzt bei den europaeischen Küsten lebt. 

Bairdia arcuata, Münster sp. (1849, A. E. Reuss l. cit. S. 49, Taf. VIIL., Fig. 7. 
— 1860. A. E. Reuss l. c. S. 271. — 1867. A. E. Reuss. Die fossile Fauna 
der Steiusalzablagerungen von Wieliezka in Galizien. Sitzungsb. d. k. Akad. 
d. Wiss. 55. B., S. 149.) Ueber diese Art schreibt Reuss in der Arbeit über den 
Wieliezkaer Thon, dass der Umriss ihrer Schale bedeutend variirt. Das ist 7 
ein wichtiges Merkmal; ich führe es hier namentlich darum an, damit es 
vielleicht nicht übersehen werde und zu Fehltritten Veranlassung gebe, bis es 
ein zweites Mal gelingt, bei Rudelsdorf jene Bank wieder zu finden, aus 
welcher Reuss die reiche Cypridinenfauna anführt und beschreibt. Reuss bemerkt, 
dass diese Art im Rudelsdorfer Tegel selten ist, und führt sie noch von 
folgenden Fundorten an: Nussdorf, Grinzing, Móllersdorf (Nieder-Oesterreich ; 
Wieliezka (Galizien); Kostej (Banat); Dax, Leognan, Castellarquato; ferner 
aus dem oberen Oligocaen Deutschlands und dem französischen Eocaen. Nach 
Jones lebt sie im Aegaeischen Meere, bei der Küste der Insel Tenedos und 
in der Nähe der Bahamischen Inseln. 

Bairdia exilis, Reuss. (1849. А. E. Reuss, 1. c. S. 51, Taf. VII. Fig. 20. — 
1860. 1. с. S. 271.) Fig. 8. — Die zierlichen Schalen dieser interessanten Art 
wurden diesmal auch aus dem Tviebitzer und Abtsdorfer, also brakischen 


Fig. 8. Bairdia exilis, Reuss. Fig. 9. Bairdia obesa, Reuss. 
Triebitz. ?/, vergróssert. Triebitz. ??/, vergróssert. 
a seitliche, b ventrale Ansicht. 


Tegel herausgeschlemmt. In den sechziger Jahren hat sie A. E. Reuss sicher- 
gestellt, beschrieben und bestimmt, jedoch nur aus dem marinen Tegel von 
Rudels:lorf. 

Bairdia falcata, Reuss. (1849. A. Е. Reuss, 1. c. S. 57. Taf. 8, Fig. 27. — 
1860 1. e. S. 271.) Wurde ebenfalls nur im Rudelsdorfer Tegel und nur von 
Reuss sichergestellt, und zwar als eine grosse Seltenheit. 


85 


Bairdia glabrescens, Reuss. (1849. 1. с. S. 89, Taf. X, Fig. 27. — 1860 l. c. 


8. 271.) Diese Art hat А. E. Reuss aus dem Rudelsdorfer Tegel beschrieben 
und aufgestellt, wobei er in seiner Beschreibung bemerkt, dass sie dort selten 
ist. Von einer anderen Fundstätte ist sie meines Wissens bisher nicht bekannt. 
Auch von anderen Fundorten des böhmischen marinen Miocaens gelang es 
bisjetzt nicht, sie festzustellen. 


Bairdia heterostigma, Reuss. (1849, Cythaerina heterostigma A. Е. Reuss, Le 


S. 16, Taf. VIIL, Fig. 23, 24.) Bisher im brackischen Tegel bei Rothwasser 
und Abtsdorf ziemlich oft sichergestellt. Ihre Schalen sind dort schón erhalten, 
gross, wie in den Congerientegeln z. В. von Brunn oder in den Moosbrunner 
Süsswassertegeln; sie unterscheiden sich nicht von den Individuen aus der 
Leithakalkfacies von Nussdorf und Heiligenberger Sanden, wo sie Reuss 
entdeckte. 


Bairdia subteres, Reuss. (1849, Cythaerina subteres A. Е. Reuss, l. c. S. 16, 


Taf. VIIL, Fig. 25.) Kommt mit der vorigen Art im Triebitzer Tegel verhält- 
nissmässig ziemlich häufig vor. Auch ihre Schalen sind hübsch erhalten. In 
echt marinen Sedimenten des ostböhmischen Miocaens, z. B. bei Rudelsdorf, 
Lukava u. a. habe ich sie nirgends entdeckt. Bisher führte sie Reuss aus den 
Sarmatischen Sanden von Mauer bei Wien an. 


Bairdia obesa, Reuss. (1849, Cythaerina obesa А. E. Reuss, 1. с. S. 16, Taf. VIII., 


Fig. 26.) Fig. 9. — Schön erhaltene Individuen dieser Art sind namentlich im 
brackischen Tegel von Triebitz und Abtsdorf sehr häufig. Vielfach findet man 
Schalen in der natürlichen Lage, nur der Randfaltung entbehrend. B. obesa 
Ist eine vorwaltend brackische Art, aber sie ist auch in echt marinen Tegeln 
zuhause. In diesen stellte sie A. E. Reuss in der Umgebung von Vöslau und 
Oedenburg fest; ferner entdeckte er sie in den Congerienschichten bei Brunn 
nächst Wien und im Tegel von Gaya in Mähren. 


Cythere galeata, Reuss (1849, 1. с. Taf. IX., Fig. 20., S. 67. — 1870, l. c. 270.) 


Im heimischen Miocaen ziemlich selten, nur auf echt marine Sedimente be- 
Schränkt. In unserem Gebiete wurde diese Art ebenfalls nur in diesen und 
Zwar von A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. Ausserdem fand 
Sie Reuss auch im Leithakalk von Wurzing, Freibühel und St. Nicolaus (Steier- 
Mark), ferner im Salzthon von Wieliczka und im Grinzinger Tegel bei Wien. 


Cythere bituberculata, Reuss. (1849, 1. c. S. 77, Taf. X., Fig. 21. — 1860, 1. с. 


5. 270.) Gehört zur Gruppe der Arten, die in Sedimenten von ausgesüssten 
GER echt marinen Gewässern vorkommen. Von Reuss wurde sie im Brunner 
Tegel, der fast eine Süsswasserablagerung ist, und an einigen Stellen in ma- 
"пет Tegel, л. D. in Wieliczka und bei Zudelsdorf in unserem Gebiete sicher- 
sestellt, wo sie eine seltene Erscheinung ist. Ausserdem ist sie aus den sub- 
Apenninischen Sanden von Castellarquato nächst Parma bekannt. 


€ i 
Ythere plieata, Münster. (1849, A. E. Reuss, l c. S. 83, Taf. X., Fig. 21. — 


860, Le S. 270.) Auch diese Art ist in miocaenen Sedimenten selten und 
ausschliaacli. К . m D . . л 1 
ausschliesslich auf echt marine Tegel beschränkt, in denen sie in der Facies 


86 


des Leithakalkes von Nussdorf und Kostel und im Rudelsdorfer Tegel in un- 
serem Gebiete sichergestellt wurde. Ausserdem wird sie aus den Sedimenten 
von Osnabrück, Dax und Boom angeführt. 

Cythere Edwardsi, Roemer. (1849, A. E. Reuss, 1. с. S. 84, Taf. X, Fig. 24 — 
1860, 1. с. S. 270.) Schöne Schalen von dieser niedlichen Art fand ich nament- 
lich in mährischen Tegeln verbreitet, wo sie hie und da (Lomnička) eine be- 
deutendere individuelle Entwickelung erreicht. Im Gebiete des marinen Mio- 
caens von Ostböhmen ist es mir nicht gelungen sie zu entdecken. Hier wurde 
sie nur von A. E. Reuss, und zwar lediglich in marinen Tegel von Rudelsdorf 
sichergestellt. Und wie hier hat sie derselbe auch im Leithakalke von Nuss- 
dorf, im Salzthone von Wieliczka entdeckt, während F. Römer sie aus ur- 
sprünglich tertiaerem Mergel beschrieben hat. 

Cythere cinetella, Reuss. (1849, 1. c. S. 67, Taf. IX., fig. 19. — 1860, loc, cit. 
S. 270.) Diese Art ist bisher nur aus den Rudelsdorfer Tegeln bekannt, von 
wo sie von euss beschrieben und abgebildet wurde. Reuss bemerkt, dass sie 
dort sehr selten ist. Auch an den übrigen Fundstütten des marinen Tegels in 
unserer bóhmischen Miocaenbucht ist es nicht gelungen, sie sicherzustellen. 

Cythere eieatricosa, Reuss. (1849, 1. с. S. 67, Taf. IX., fig. 21. — 1860, 1. c. 
S. 270.) Bisher im Rudelsdorfer Tegel nur von Reuss festgestellt. Derselbe 
schreibt darüber, er habe sie dort ziemlich oft gefunden. Ausser diesem Fund- 
orte entdeckte er sie im Tegel von Grinzing in Niederösterreich, dann im 
gelben subapenninischen Sande in der Umgebung von Castellarquato nächst 
Parma und im groben Kalksteine von Bordeaux. C. cicatricosa lebt im Mittel- 
meere. 

Cythere angulata, Reuss. (1849, 1. c. S. 68, Taf. IX., fig. 23. — 1860, 1. c. 
S. 270.) Bisher nur aus dem Rudelsdorfer Tegel, dann aus dem Tegel von 
Grinzing und aus dem Salzthone von Wieliezka bekannt. In unserem Gebiete 
selten. 

Cythere deformis, Reuss. (1849, 1. с. S. 69., Taf. IX., fig. 25. — 1860, 1. c. 
8. 270.) Über diese Art bemerkt A. E. Reuss, dass sie im Rudelsdorfer Tegel 
sehr selten ist. Ich füge hinzu, dass ich sie weder dort, noch anderswo im 
bóhmischen Gebiete des marinen Miocaentegels gefunden habe. Und doch ge- 
hört sie der Gruppe der im heimischen marinen Miocaen am weitesten verbrei- 
teten Arten an. Ich habe sie selbst an zahlreichen neuen Fundstätten im west- 
lichen und nordwestlichen Mähren entdeckt, während A. E. Reuss sie aus dem 
Tegel von Nussderf, Steinabrunn anführt, ferner aus der Umgebung von Wur- 
zing, St. Nicolaus und Freibühl (Steiermark); Lapugy (Siebenbürgen); Kostel 
(Mähren); ausserdem auch aus dem groben Kalkstein von Bordeaux. 

Cythere hastata, Reuss. (1849, 1. c. S. 69, Taf. IX., fig. 26. — 1860, 1. с. S. 271.) 
Im Tegel von Rudelsdorf ziemlich selten. Dagegen ist sie aber sehr häufig und 
verbreitet in den südlichen Gebieten des heimischen Miocaens, wo sie sowohl 
in der Tegel-, als auch Mergel- und Leithakalkfacies zuhause ist. Borač, Drno- 
vice, Gross-Seelowitz, Kostel u. a. in Mähren; Nussdorf, Gurschenthal, Grin- 
zing u. a. in Niederösterreich; Salzthon von Wieliezka; St. Nicolaus. Wurzing 
in Steiermark sind als ihre reichsten Fundorte anzuführen. 


87 


Cythere Haueri, Römer. (1849, 1. е. S. 70, Taf. IX., fig. 28. — 1860, Le, 
S. 271.) Nach A. E. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel häufiger als die 
vorige. Im Ganzen lässt sich jedoch auf Grund der bisherigen Kenntnisse über 
ihre Verbreitung behaupten, dass sie im heimischen Miocaen seltener ist als jene. 
Ihr Gebiet 1-6 vorwaltend die Leithakalkfacies, doch kommt sie auch hie und 
da in Tegeln oder Mergeln vor. Nussdorf, Steinabrunn, Grinzing in Nieder- 
österreich, Wurzing, St. Nicolaus, Freibühl in Steiermark, Kostel, Lomnička 
in Mähren können als ihre häufigeren Fundstätten angeführt werden. Von den 
fremden Fundorten ist sie aus dem gelben subapenninischen Sande von Ca- 
stellarquato bekannt. 

Cythere similis, Reuss. (1849, 1. c. S. 72, Taf. X., fig. 1. — 1860, 1. с. S. 271.) 
Bisher nur von A. Æ. Reuss in unserem marinen Miocaengebiet sichergestellt, 
und zwar im Rudelsdorfer Tegel, wo sie nach Reuss ziemlich häufig ist. Ander- 
wärts ist sie aus dem Grinzinger (Niederösterreich), Lapugyer Tegel (Sieben- 
bürgen) und aus dem Leithakalke von Freibühel (Steiermark) bekannt. 

Cythere hystrix, Reuss. (1849, 1. c. S. 74, Taf. X., Fig. 6. — 1860, 1. c. S. 271.) 
Prächtige Schalen dieser Art habe ich bisher aus dem Rudelsdorfer Tegel, von 
wo sie seinerzeit А. Æ. Reuss in die Literatur eingeführt hat, und aus dem 
Tegel von Zukau sichergestellt. Namentlich auf dem letzteren Fundorte kommen 
verhältnissmässig grosse Individuen vor, welche eine nach aussen stachelige 
Schale und am Ende gabelfórmig getheilte Stacheln besitzen. Im mührischen 
Miocaen kommt sie ebenfalls vor, doch ist sie hier mehr verbreitet. Aus der 
Umgebung von Lapugy (Siebenbürgen) und aus den gelben Sanden von Castell- 
arquato führt A. Æ. Reuss diese Species an. 

Cythere canalieulata, Reuss. (1849, 1. c. S. 76, Taf. X., Fig. 12. — 1860, 1. c. 
8. 271.) Die winzigen Schalen dieser Art entdeckte nur A. E. Reuss im 
Rudelsdorfer Tegel und zwar fand er sie ziemlich selten. Mir ist es weder hier 
noch anderwärts gelungen ihnen auf die Spur zu kommen. Dafür ist die Art 
viel mehr im südlichen Gebiete des heimischen Miocaens verbreitet. Grinzing, 
Gainfahren, Meidling (Nieder-Oesterreich); Wurzing (Steiermark); Wieliezka 
(Polen) und gelben subappeninischen Sand führt A. E. Reuss als Fundorte 
dieser interessanten Art an. 

Cythere Haidingeri, Reuss. (1849, 1. с. S. 78, Taf. X., Fig. 13. — 1860, 
l. е. S. 271.) Nach A. E. Reuss kommt sie im Rudelsdorfer Tegel vor. Diesmal 
wurde sie in demselben Tegel vergeblich gesucht. Es war von ihr keine Spur 
zu entdecken. Ohne Wiederrede gehört diese Species der Gruppe von Arten 
àn, welche im heimischen Tegel namentlieh in den Sedimenten der Leitha- 
kalkfacies in srösserem Maasse und öfters vorkommen. Zu diesem Resultate 
bin ich in Mähren gelangt, wo ich sie in einer grösseren Menge von Individuen 
im bröckeligen Leithakalke bei Lomnička entdeckt habe. Reuss führt sie weiter 
àn aus dem Leithakalk von Nussdorf, aus dem Mergel von Grinzing (Nieder- 

| Oesterreich), von Kostel (Mühren); von Freibühl und St. Nicolaus (Steiermark). 

Cythere corrugata, Reuss. (1849, 1. c. S. 79, Taf. X., Fig. 14. — 1860, l. c. 
S. 271.) Nach Reuss ist sie im Rudelsdorfer Tegel sehr selten, aber auch an 


88 


anderen Fundstellen zeigt sie keine bedeutende individuelle Entwickelung, 
und. auch ihre Verbreitung ist nicht gross; sie ist nur aus dem Mergel des 
Leithakalks von Wurzing (Steiermark) bekannt. 

Cythere verrucosa, Moss (1849, 1. с. S. 81, Taf. X., Fig. 16. — 1860, 1. c. 
S. 271.) Im Allgemeinen mehr verbreitet im heimischen Miocaen, als die 
vorige Art. In unserem Gebiete kennt man sie nur aus dem Rudelsdorfer Tegel, 
wo sie etwas häufiger vorkommt  Nussdorf, Grinzing (Nieder-Oesterreich) ; 
St. Nicolaus (Steiermark); Wieliczka (Galizien) gibt A. Æ. Reuss als ihre 
Fundorte an. 

Cythere polyptyeha, Jee, (1849 1. c. S. 83, Taf. X, Fig. 92.— 1860 1. c. 
S. 271.) Sehr selten. Bisher wurde sie nur von A. E. Reuss im Rudelsdorfer 
Tegel entdeckt, wo sie als sehr selten erkannt wurde. 

Cythere plieatula, Reuss, (1849 l. с. S. 84. Taf. X, Fig. 23. — 18601. c. S. 271.) 
Viel verbreiteter als die vorige Art. Von unserem bóhmischen marinen Miocaen 
lässt sich leider dasselbe nicht behaupten, da sie bisjetzt nur im Rudelsdorfer 
Tegel entdeckt ward, wo sie sehr selten ist. Das gilt namentlich von West- 
und Nordwest-Mähren. In den dortigen Tegeln und Mergeln begegnet man 
ihren zierlichen Schalen fast überall. Вогаё, Drnovice, Lomniéka seien hier 
als neue Fundorte angeführt; nach Reuss kommt sie vor bei Grinzing, Nuss- 
dorf, Gainfahren (Niederösterreich); Kostel (Mähren), im Salzthon von Wie- 
liezka (Galizien), dann bei Perpignan, Leognan und Dax. 

уеге reticulata, Reuss. (1849 l. с. S. 85, Taf. X, Fig. 26.-- 1860 1. c. 
5. 271.) Bisher nur im Rudelsdorfer Tegel von A. E. Reuss sichergestellt, an an- 
deren Orten in unserem böhmischen marinen Miocaengebiete habe ich sie nicht 
gefunden. Doch auch in südlicheren Gebieten des heimischen Miocaens ist diese 
Art sehr selten; Reuss führt sie nur aus dem Mergel von Kostel in Mähren an. 

Cytherella compressa, Münster. (1849 A. E. Reuss, 1. с. S. 54, Taf. УШ, 
Fig. 15.— 1860. A. E. Reuss, l. c. S. 271.) Nach A. E. Reuss ist sie im 
Rudelsdorfer Tegel sehr selten. An anderen Orten im Gebiete unseres marinen 
Miocaens gelang es mir nicht sie zu finden. Dagegen ist sie eine ganz ge- 
wöhnliche Erscheinung in Tegeln und Mergeln, auch in der Leithakalkfacies 
nicht nur in Mähren und da besonders im nordwestlichen Theile, sondern 
auch im südlichen Theile des Wiener Beckens. Borač, Lomnička; dann Nuss- 
dorf, Grinzing, Möllersdorf; Wurzing; Osnabrück; Leognan, Tertiär Frank- 
reichs sind als ihr Terrain zu bezeichnen. 


4 


Fig. 10. Cytheridea Mülleri, Münst. Rudelsdorf. 291, vergróssert. 


Cytheridea Mülleri, Münster. (1849 A. E. Reuss, 1. c. S. 55, Taf. VIII, Fig. 
Zl 1900. 4, 2. ен, To CS. 272.) Big, 10.— 1n, unserem Neogengebiet 


D 


89 


ziemlich verbreitet. Der Tegel von Rudelsdorf, daun der von Lukau, Schirm- 
dorf und Abtsdorf beherbergt ihre prächtigen, zierlichen und niedlichen Schalen. 
Es ist interessant, dass im Tegel von Schirmdorf, den ich für eine Übergangs- 
facies von der marinen Rudelsdorfer zur brackischen Abtsdorfer ev. Triebitzer 
halte, diese Art in einer grösseren individuellen Menge vorkommt als im 
marinen Gebiete. Aber auch in südlichen Gebieten des heimischen Neogens ist 
diese Art bedeutend verbreitet. Sie kommt nach A. E. Reuss vor: im Nuss- 
dorfer Leithakalk bei Wien, im Mergel von Gainfahren (Niederösterreich) 
nach Roemer im groben Kalkstein von Bordeaux; Touraine, belgisches Ter- 
tiàer, Umgebung von Limburg u. a. Nach Bosquet lebt sie im Zuydersee. 


Balanus sp. Die Gehäuse dieser Art liessen sich zwar sehr leicht und hübsch 


Bal 


Conu 


zeichnen, da sie wohl erhalten sind, doch ich zweifle sehr, dass all das irgend 
eine Bedeutung und Wichtigkeit hätte. Ich halte dafür, dass man mit den 
miocaenen Balanen gegenwärtig nicht von der Stelle kann, dass man sie nicht 
einmal bestimmen kann, solange das reiche, grösstentheils prächtig erhaltene 
Balanusmaterial nicht bearbeitet sein wird, welches aus den zahlreichen Fund- 
orten des ausseralpinen und alpinen Wiener Beckens in die reichen palaento- 
logischen Sammlungen Wiens zusammengetragen ist. Wenn ich trotzdem dieser 
und der folgenden Art Erwähnung thue, so bezweckt es nichts anderes, als 
dass ich darauf hinweise, dass auch in den Sedimenten unseres böhmischen 
Miocaens, in den Triebitzer Tegeln diese Gruppe gelebt hat und durch zwei 
Arten vertreten war. 

Die vorliegende Art hatte kleine Dimensionen, eine niedrige, roh gefärbte 
Schale. Durch ihre Merkmale unterscheidet sie sich von allen mir bekannten 
Arten wesentlich. Die Deckelplatten wurden bisher nicht entdeckt. 
anus spec. Gemeinsam mit den oben angeführten Gehäusen wurden im Abts- 
dorfer Tegel verhältnissmässig grosse und dicke, einer von der vorigen ab- 
Weichenden Art angehörende Fragmente gefunden. Aus den erwähnten Gründen 
186 es unmöglich, auch diese Reste gründlich zu bestimmen, denn sie bieten 
keine Garantie dafür, inwieweit sie sich von den bekannten und in die Litte- 
ratur eingeführten Arten unterscheiden. Es sei hier jedoch hervorgehoben, 
dass diese Fragmente klar beweisen, dass diese Art weit grössere Dimensionen 
erreichte als die vorige und sich durch eine starke dicke Wand auszeichnete. 
Sie war gleichfalls an Austernschalen angewachsen. 

8 Biezinae, A. Hoernes und Auinger. (1879. Die Gasteropoden der Meeres- 
blagerungen der ersten und zweiten Mediterranstufe in der öst.-ung. Mon- 
archie. — 1856 Conus Dujardini, М. Hoernes, 1. c. I, S. 40, Taf. V, Fig. 8. 
1860. A. p, Reuss, 1. с. 8. 270.) Im Gebiete des marinen Міосаепѕ von Ost- 
böhmen hat ihn bis jetzt nur A. Æ. Reuss im Rudoltitzer Tegel entdeckt. Drei 
Exemplare, die er dort gefunden, bewahrt jetzt das Wiener Hofmuseum auf. 
Alle sind sozusagen makellos, schön erhalten und erwachsen, von normaler 
Grösse, Sie sind so gross wie diejenigen von Drnoviee bei Lysice in Mähren, 
Wo diese Art eine gewöhnliche Erscheinung ist. Nach den bisherigen Erfah- 
rungen kann man diese Art mit Recht als eine ziemlich charakteristische für 
die Tegel der Steinabrunner Facies bezeichnen, denn sie kommt in ihnen in 


90 


der That fast überall vor, während sie in Badener Tegeln und in Sanden, wo 
sie erscheint, überall selten ist. Wie sehr sie verbreitet ist, geht am besten 
aus der Menge der Fundorte hervor, die ich hier nach JN. Hoernes anführe: 
Drnovice, Zerütky, Grussbach, Nikolsburg, Borstendorf, Porzteich (Mühren), 
Vóslau, Grinzing, Niederleis, Steinabrunn, Gainfahren, Pötzleinsdorf, Ritzing 
(Nieder-Österreich) ; Póls bei Wildon (Steiermark); Tarnopol (Galizien) ; Lapugy 
(Siebenbürgen); Szobb, Hidas (Ungarn). 


Erato laevis, Donovan. (1876. R. Hoernes und Awinger, 1. с. S. 63. 1856. M. Hoernes, 


1. c. S. 79, Taf. VIII, Fig. 16.— 1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 210.) Drei Indi- 
viduen dieser Art, von Reuss im Rudelsdorfer Tegel entdeckt, bewahrt das 
Wiener Hofmuseum auf. Erhalten sind alle ausgezeichnet. Durch ihre Grösse 
erinnern sie an die Individuen von Drnoviee in Mähren, wo sie im dortigen 
Tegel háufig sind. Von irgend einer Degeneration ist bei diesen Individuen 
keine Spur zu merken, alles bezeugt im Gegentheil, dass sie unter denselben 
Lebensverhältnissen gelebt wie jene im Drnovicer Gebiete. Diese Art ist in 
heimischen Miocaenablagerungen bedeutend verbreitet; nach X. Hoernes ist 
sie zuhause in den Tegeln von Baden, Kostej, Lapugy, in den Mergeln von 
Gainfahren, Steinabrunn, Nikolsburg, Szobb, Drnovice, Porzteich, Grussbach, 
Lysice, Rausnitz, Forchtenau, Póls und in den Sanden von Nussdorf, Pótzleins- 
dorf und Grund. 


Mitra goniophora, Bellardi. (1860. Mitra fusiformis, A. E. Reuss, l. c. S. 271. 


— 1880 R. Hoernes und M. Auinger, l c. S. 77, Taf. VII, Fig. 9; Taf. IX, 
Fig. 11.) In den Sedimenten des ostböhmischen Miocaens selten. Nur drei 
Individuen hat in ihnen A. Æ. Reuss gefunden — zwar schön erhalten, aber 
ein bischen kleiner ala die Type, die aus den südlichen Sedimenten des hei- 
mischen Miocaens herrühren. Diesmal gelang es nicht, auch nur eine Spur 
von ihr aufzufinden, trotzdem man fleissig und gewissenhaft nach ihr forschte. 
RH. Hoernes bemerkt, auch Rudelsdorfer Exemplare unterscheiden sich von den 
typischen Individuen der M. fusiformis, gerade wie die von Steinabrunn von 
denjenigen von Póls und Pótzleinsdorf. Wie daraus ersichtlich, ist die hori- 
zontale Verbreitung dieser Art verhältnissmässig gering. 


Columbella fallax, X. Hoernes und M. Awinger. (1860. Colwmbella subulata A. 


E. Reuss, l. с. S. 270. — 1880. №. Hoernes und M. Awinger, 1. c. S. 96.) In 
miocaenen Sedimenten Ostböhmens selten. Bis jetzt stellte sie dort nur A. К. 
Reuss im Rudelsdorfer Tegel sicher, wo er zwei schön erhaltene Gehäuse von 
normaler Grösse fand. An anderen Orten unseres ostböhmischen Gebietes 
wurde von ihr keine Spur gefunden. — Doch auch ihre von Reuss constatierte 
Seltenheit bestätigen die letzten Beobachtungen. Ihr Resultat ist eine völlige 
Bestätigung und Belegung der Anschauung, dass auch diese Art, wie viele 
andere, durch ihre individuelle Menge die Tegel der Badener Facies charak- 


terisiert — während sie in den Tegeln der Steinabrunner Facies gewöhnlich, 
und zwar beinahe in allen Gebieten, selten ist — also augenscheinlich ein 


Merkmal, überall beachtet werden muss, wo es sich um eine facielle Schichten- 
eintheilung handelt. Bei der Arbeit dieser Richtung hilft dann auch der 
Habitus der Individuen und die Grösse ihrer Gehäuse aus. Man lernt es klar 


Buc 


Bue 


91 


kennen, wenn man unsere ostbóhmischen Individuen mit den máhrischen und den 
von den übrigen Fundorten des miocaenen voralpinen Beckens herrührenden ver- 
gleicht. Dieser Umstand fällt sehr auf beim Vergleiche unserer Individuen 
mit den westmührischen von Drnovice, Lysice und Boraé, wo sie sich nicht 
ausschliesslich auf die Tegel des tieferen Meeres beschränken, sondern gleich- 
sam auch in den Mergel von einem bathymetrisch hóheren Niveau hineinreichen, 
und gleichzeitig tritt er zutage, wenn man auch das Materinl von Kostel und 
Steinabrunn berücksichtigt. Fast zu denselben Resultaten gelangt man durch 
das Studium des Materials aus dem neogenen Gebiete Niederösterreichs von 
Gainfahren, Enzesfeld, Baden, Ebersdorf, Pótzleinsdorf, Grund, Grinzing, aus 
dem ungarischen von Forchtenau, dem siebenbürgischen von Lapugy und bana- 
tischen von Kostej. 

einum Grundense, R. Hoernes und М. Auinger. (1882. 1. c. S. 118, Taf. XV., 
Fig. 9. — 1860. B. miocaenicum А. E. Reuss, 1. c. S. 269.) Prüchtig erhaltene 
Individuen dieser interessanten Art entdeckte im Rudelsdorfer Tegel nur А. 
E. Reuss. R. Hoernes gelangte durch einen Vergleich mit dem Materiale aus 
südlicheren neogenen Gebieten zur Erkenntniss, dass sie nicht dem B. miocae- 
nicum angehören, wohin sie von Reuss eingereiht wurden, sondern in den 
Bereich einer dieser zwar verwandten, jedoch von ihr verschiedenen Art 
fallen, deren Vertreter im Grunder Sande, dann im Grussbacher und Forchten- 
auer Mergel vorkommen. 

einum Bohemieum, R. Hoernes und M. Auinger. (1882 1. c. S. 119, Taf. XV, 
Fig. 10.) R. Hoernes führt diese Art vom Rudelsdorfer und Triebitzer Tegel an, 
Wo sie den bisherigen Erfahrungen gemüss sehr selten ist. 


Uccinum Schöni, R. Hoernes und Auinger. (1882 1. с. S. 125, Taf. XV, Fig. 


18--20. — 1850. В. Dujardini A. E. Reuss, 1. c. S. 269.) Fig. 11. — Nur 
Reuss hat diese Art im Rudelsdorfer Tegel in einer grösseren Menge von Indi- 


Fig. If. Buccinum Schöni, R. Hoern u. A. Fig. 12. Виссіпит Hoernesi, Mayer. 
., Abtsdorf. ?/, vergrössert. Rudelsdorf. ?/, vergróssert. 
a älteres, b jüngeres Individuum. 


Dum sichergestellt. In der Schicht von Rudelsdorf, aus welcher ich hier die 
ашпа anführe, habe ich von ihr keine Spur gefunden. Dieser Umstand ist 
eachtenswerth, da die brackischen Tegel, namentlich diejenigen von Abtsdorf 


92 


und Triebitz, eine bedeutende Menge von Gehäusen des B. Schón? enthalten. 
Unter Beachtung dieses Umstandes können wir es für eine brackische, für 
unser ostbóhmisches Gebiet charakteristische Art halten. Hier kommt es zu 
derselben Geltung wie in anderen brackischen Gebieten im Bereiche der Ne- 
ogenschichten. Schon Тоша hebt das hervor, und in unserem Gebiete kann 
man sich darüber Schritt für Schritt überzeugen. R. Hoernes und Auinger 
führen es an aus den Sedimenten von Neuruphersdorf, Soos, Grussbach, Enzes- 
feld, Gainfahren, Steinabrunn, Kienberg, Bischofswart, ferner von Ebersdorf, 
Niederleis, St. Veit, Laa, Lysice, Rudice, Forchtenau, Wind.-Graetz, St. Florian, 
Králová, Bujtur, Holubice und Olesko. 

Bueeinum Hoernesi, K. Hoernes und Awinger. (1860 B. costulatum var. semi- 
striatum A. E. Reuss, l. с. S. 269. — 1882 R. Hoernes und Auinger, 1. C. 
128, Taf. XIV, Fig. 16, 18.) Fig. 12. A. E. Reuss stellte diese Art im Rudels- 
dorfer Tegel sicher, mir gelang es diesmal sie aus dem Triebitzer Tegel her- 
auszuschlemmen. In diesem Tegel wurde sie in einem einzigen, doch schón 
erhaltenen Individuum festgestellt, dessen Charakter im Ganzen mit dem 
Charakter der aus der Badener und Steinabrunner Facies bekannten Typen 
völlig übereinstimmt. 

Buccinum reticulatum, Linné. (1860. A. E. Reuss, l. c. S. 269.) Unter diesem 
Namen führt Zeuss Individuen vom Rudelsdorfer Tegel an, welche mir weder 
dort zu finden noch in der palaeontologischen Sammlung des Wiener Hof- 
museums zu sehen gelungen ist. Ebenfalls habe ich in der Monographie von 
R. Hoernes und M. Auinger irgend welche Bemerkungen über dieselben er- 
folglos gesucht. Trotzdem registriere ich hier diese kleinen Bemerkungen, um 
dem Ganzen genugzuthun. 

Chenopus alatus, Eichwald. (1860. Aporrhais pes pelecani А. E. Reuss, 1. ©. 
S. 269. — 1884. R. Hoernes und Auinger, 1. c. S. 166, Taf. XVIII, Fig. 6, 
8. — Diese weit und breit verbreitete Art wurde im Gebiete des ostböhmi- 
schen Neogens bisher nur im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. Interessant ist 
der Umstand, dass die Individuen von Rudelsdorf von denjenigen aus den Tegeln 
der Badener Facies und aus den Mergeln von Steinabrunn durch kleinere 
Dimensionen abweichen, wodurch sie sich wieder den Individuen aus den 
Grunder Banden enge anschliessen. Aus dem böhmischen Gebiet verbreitet 
sich diese Art in die mährischen (Lysice, Lomniéka, Boraé, Zerütky, Sudice, 
Borstendorf, Jaroméfice, Grussbach, Porzteich), von da in das niederósterreichische 
(Steinabrunn, Baden, Soos, Vóslau, Möllersdorf, Gainfahren, Enzesfeld, Perch- 
telsdorf), steiermärkische (Póls, Maiz), galizische (Holubica, Zukovce, Tarno- 
pol) siebenbürgische (Lapugy), banatische (Kostej) Miocaendepóts. 

Chenopus pes pelecani, Philippi. (1860 A. E. Reuss 1. c. S. 269—1882 Л. 
Hoernes и. M. Auinger 1. c. S. 167, Taf. XVIII, Fig. 7, 8; Taf. XIX, Fig. 9.) 
Auch diese Art wurde in unserem neogenen Gebiete nur von A. E. Reuss 
sichergestellt, und zwar nur im Rudelsdorfer Tegel. Auch ihre Individuen 
sind kleiner als jene aus den Tegeln der Badener und Steinabrunner Facies 
und gleichen, was die Grósse der Gehüuse betrifft, den Individuen aus den 
Grunder Sanden. Die Gehäuse Reuss's sind prächtig erhalten, fast tadellos, 


98 


gerade so wie in den benachbarten mährischen Tegeln (Borač, Drnovice, Borsten- 
dorf, Jaroměřice, Lomnička), wo von sie sich nach Niederoesterreich (Steina- 
brunn, Baden, Möllersdorf, Gainfahren, Enzesfeld) und nach Ungarn (Ritzing ?) 
verbreiten. Aus dem Miocaen geht diese Art in pliocaene Ablagerungen und 
von da in jetzige Meere über. 


Triton Tarbellianum, Grateloup. (1860 A. E. Reuss, 1. с. S. 269. — 1882. R. 


Hoernes und Auinger, l. c. S. 173, Taf. XXI, Fig. 8—11.) Diese interessante 
Art, welche sowohl in der Badener als auch in der Steinabrunner Facies ver- 
breitet ist, kommt im Gebiete des ostböhmischen Miocaens sehr selten vor. 
Bisjetzt hat sie nur A. Æ. Reuss im Rudelsdorfer Tegel festgestellt, wo er ein 
Gehäuse entdeckte, das jetzt in den palaeontologischen Sammlungen des Wiener 
Hofmuseums aufbewahrt wird. Dieses mittelmüssig grosse Gehäuse stimmt 
mehr mit den Individuen aus den mährischen, namentlich westmährischen als 
mit denen aus den niederósterreichischen Sedimenten überein. Nach R. Hoernes 
kommt diese Art im mährischen Neogen bei Jaroměřice, Lysice, Rausnitz, 
Zerütky, Kostel, Nikolsburg, in niederösterreichischen bei Baden, Vöslau, 
Möllersdorf, Gumpoldskirchen und Niederleis vor. 


Murex Hoernesi, d’Ancona. (1860. M. Sedgwicki A. E. Reuss, 1. с. S 269. — 


1885. X. Hoernes und M. Auinger, 1. c. S. 211.) Im ostböhmischen Miocaen 
selten. Bisher nur von A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. Das 
von ihm aufgefundene, gegenwärtig im palaeontologischen Museum zu Wien 
aufbewahrte Gehäuse ist sehr hübsch erhalten, von mittlerer Grösse und gleicht 
namentlich denen von den westmährischen Tegeln. Von da verbreitet sich 
diese Art nach Niederösterreich (Baden, Vöslau, Enzesfeld, Steinabrunn, Gain- 
fahren), dann nach Siebenbürgen (Bujtur, Lapugy), Ungarn (Szobb). Ferner 
ist sie von Touraine und von Leognan bei Modena her bekannt. 


Murex caelatus, Grateloup. (1860. M. subulatus A. E. Reuss, 1. c. б. 269. — 


Рур 


1885. R. Hoernes und M. Auinger, 1. с. S. 217, Taf. XXVI, Fig. 7—18.) Vier 
Individuen dieser verbreiteten Art wurden im Rudelsdorfer Tegel von A. К. 
Reuss entdeckt. Sie sind von normaler Grösse und werden in der palaeonto- 
logischen Sammlung des Wiener Hofmuseums aufbewahrt. Im heimischen Neo- 
Sen ist diese Art in der Facies der Steinabrunner Mergel, gleichzeitig auch 
in der Facies der Badener Tegel verbreitet, von wo sie in die Grunder Sande 
übergeht, Gainfahren, Steinabrunn, Enzesfeld, Nikolsburg, Rausnitz, Borač, 
Pótzleinsdorf, Grund, Grussbach werden als ihre Fundorte angeführt. 

Ша cornuta, Agassiz. (1856. M. Hoernes, 1. c. S. 220, Taf. XXIII, Fig. 1—5. 
an 1860. A. E. Reuss, 1. е. S. 269.) Diese Art kommt im heimischen Miocaen 
Nicht an bestimmten Stellen vor und beschränkt sich auch auf keine bestimm- 
беп Facies. Im Gegentheile bestätigen die über sie gemachten Erfahrungen 
die Ansicht, dass sie fast in allen Facien und zwar in den bathymetrisch 
niedrigeren Niveaux viel öfter und háufiger vorkommt als in den hóheren. 
Dass diese Ansicht richtig ist, beweisen die gesammelten Berichte über sie 
aus unserem ostböhmischen Miocaengebiete. Sie kommt hier im Tegel von 
Rudelsdorf und Triebitz vor. In jenem wurde sie von A. E. Reuss, in diesem 
vielleicht von Wolf gefunden. Aus diesen Sedimenten ist ein zwar kleines, 


doch sehr lehrreiches Material vorhanden, das ein klares und deutlich ge- 
zeichnetes Bild enthüllt. In den palaeontologischen Sammlungen des Hofmu- 
seums ist ein grosses Gehüusefragment aufbewahrt, das den Achsentheil dar- 
stellt. Die Dimensionen dieses Bruchstückes beweisen klar, dass die Indivi- 
duen dieser Art in unserem Gebiete dieselben Dimensionen und Grösse er- 
reichten, wie in südlicheren Gebieten, namentlich in Süd-Mähren (Nikolsburg); 
in Niederósterreich (Gainfahren, Niederkreuzstütten, Enzesfeld, Baden, Vóslau, 
Grund), in Ungarn (Ritzing, Szobb). Zu derselben Ansicht führt auch das 
Studium eines hübsch erhaltenen Exemplares, welchen in der palaeontologischen 
Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien aufbewahrt wird. 


Fusus intermedius, Michelotti. (1856 M. Hoernes, 1. c. I, S. 281, Taf. XXXI, 


Fig. 4, 5. — 1860. A. Е. Reuss, l. c. S. 268.) Ein prächtig erhaltenes Indi- 
viduum dieser Art fand A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel, wo seit jener Zeit 
kein ähnliches sichergestellt wurde. Es wird in den palaeontologischen Samm- 
lungen des К. К. Illofmuseums in Wien aufbewahrt. Anderswo in unserem 
ostböhmischen Gebiete ist es nicht gelungen, diese Art, die aus den Neogen- 
ablagerungen von Mähren: Drnovice, Nikolsburg, Niederösterreich (Vöslau, 
Enzesfeld, Grinzing), Ungarn (Forchtenau) und Siebenbürgen (Lapugy) bekannt 
ist, sicherzustellen. Ausserdem wird dieselbe aus dem Tertiaer von Turin und 
Modena angeführt. 


Pleurotoma obtusangula, Brocchi. (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 268. — 1891. 


R. Hoernes und М. Awinger, 1. с. S. 817, Taf. XL, Fig. 13—20.) Diese häu- 
fige Art führt aus dem ostböhmischen Miocaen nur А. Æ. Reuss an. Er schreibt 
darüber, dass sie dort selten ist. Trotz aller Versuche gelang es mir nicht, 
sie daselbst zu entdecken, noch sie wo immer auf bóhmischen Fundorten 
sicherzustellen. Doch auch in den palaeontologischen Sammlungen des Wiener 
Hofmuseums habe ich nach Reuss’ Material vergeblich gesucht und geforscht. 
Hier habe ich sie mit Recht erwartet, da fast alles hier sich befindet, was 
Reuss in Ostbóhmen gefunden hat. Offenbar ist auch R. Hoernes zu denselben 
Resultaten gelangt, denn auch er thut in seiner grossen Monographie keine 
Erwähnung davon, dass Individuen dieser Art im Rudelsdorfer Tegel vorkämen. 
Nur vermag ich es mir nicht zu erklären, warum er der Arbeit Reuss’ keine 
Beachtung geschenkt hat, aus der es ja erhellt, dass diese Art auf diesem 
Fundorte wirklich sichergestellt worden ist. 


Pleurotoma Vauquelini, Payr. (1860 А. E. Reuss, 1. c. 5 268.) Was diese 


Art betrifft, so beschränke ich mich auf das von A. E. Reuss Gesagte. ES 
veranlassen mich dazu mehrere Gründe, namentlich der Umstand, dass ich 
diese Art im Rudelsdorfer Tegel, aus dem sie Reuss anführt, nicht gefunden 
habe, und dann dass ich auch Reuss’ Material in den Wiener Sammlungen 
nirgends gesehen habe. Um zu ergänzen, was noch übrig bleibt, bemerke ich, 
dass Reuss gewisse Differenzen erblickt, welche das Rudelsdorfer Individuum 
von den Typen aus den südlichen Vorkommnissen des heimischen Neogens 
unterscheiden. Diese Differenzen bestehen darin, dass das Rudelsdorfer Indivi- 
duum ein schlankeres, dickwündigeres Gehäuse hesitzt und dass die Höhe 
seiner letzten Windung grösser ist, als es bei normalen Individuen der Fall 


95 


zu sein pflegt. Ausserdem zeichnet es sich durch schiefe, gekrümmte Rippen 
aus. Dem künftigen Studium füllt die Aufgabe zu, zu entscheiden, inwieweit 
die mit diesen Merkmalen versehenen Individuen zum Pl. Vanquelini gehören. 


Cerithium bilineatum, AM. Hoernes. (1856, 1. с. I, S. 416, Taf. XLII, Fig. 22.— 


1860. A. E. Reuss, 1. e. S. 268.) Diese Art wurde in einer bedeutenden indi- 
viduellen Menge im Tegel von Steinabrunn, seltener im Tegel von Lapugy 
entdeckt; in unserem Gebiete kommt sie sehr selten vor. Sie wurde bisjetzt 
nur im Rudelsdorfer Tegel von A. E. Reuss entdeckt und als sehr selten be- 
zeichnet. Mir ist es weder auf diesen Fundorte noch irgendwo anders gelungen, 
ihre Gehäuse sicherzustellen. 


Cerithium doliolum, Brocchi sp. (1856 М. Hoernes, 1. c. I, S. 392, Taf. XLI. 


Fig. 11.— 1860. A. E. Reuss, l с. S. 268.) Fig. 13.— Sechs schön erhaltene 
Gehäuse dieser Art vom Rudelsdorfer Teg»l habe ich in den Sammlungen des 
kön. böhmischen Museums deponiert gefunden. Alle haben die Dimensionen 
von normal erwachsenen Individuen; kein einziges trägt Anzeichen, die be- 
zeugen könnten, dass hier verkümmerte Individuen vorliegen. Ihre Merkmale 
stimmen also mit den Individuen aus dem Grunder Sande, Steinabrunner 
Mergel, den Ablagerungen von Tortone, Monte Maria u. a. gänzlich überein, 
A. E. Reuss, dem diese Art ebenfalls aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf 
bekannt war, bemerkt, sie sei daselbst sehr selten, was auch ich im vollen 
Masse bestätigen kann, da es mir von derselben nur kleine Bruchstücke 
Sicherzustellen gelang. 


Fig. 13. Cerithium doliolum, M. Hoern. Fig 14. Cerithium pietum, Bast. 
Rudelsdorf. ?/, vergrössert. Rudelsdorf. 5/, vergróssert. 


erithium pictum, Basterot. (1856 M. Ternes, 1. c. І, S. 394, Taf. XLI, Fig. 


15, 17. — 1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 268.) Fig. 14.— А. E. Reuss führt 
diose Art auch aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf an und bemerkt, dass 
Sie dort sehr häufig sei. Ich habe nach derselben in diesem Tegel auch ge- 
forscht, jedoch erfolglos. Mein Resultat führt mich zur Ansicht, dass diese 
Art in der marinen Schicht des graugelben Tegels von Rudelsdorf nicht vor- 


96 


kommt und wenn sie doch erscheint, dass sie durch vereinzelte Individuen 
vertreten ist. Alles weist darauf hin, dass Reuss die erwähnte Menge dieser 
Art im bläulichen Tegel gesammelt haben dürfte, in jener Tegelbank, wo ich 
eine bedeutende Menge von grossen Austern fand. Diese Art ist demgegenüber 
für brackische Gebiete bezeichnend, wo sie grósstentheils in einer grossen 
individuellen Menge vorkommt. Das gilt namentlich vom Abtsdorfer, Triebitzer 
und zum Theile auch vom Schirmdorfer Tegel, dagegen wurde diese Art im 
Tegel von Rothwasser bisher nur in einem einzigen Individuum sichergestellt. 


Fig. 15. Cerithium lignitarum, Eichw. Rudelsdorf. 
a Gehäuse, 1/, vergrüssert, b Oberfläche, ?/, vergróssert. 


Ferner bemerkt Reuss in seiner oben angeführten Arbeit (S. 282), es sel 
nöthig zu erwähnen, dass das böhmische C. pictum mehr mit dem marinen 
C. mitrale als mit den Typen jener Art aus brackischen Gewässern überein- 
stimmt. Dazu bemerke ich hier, dass zwar Unterschiede existieren, dass siè 
jedoch nicht von einem solchen Gewicht sind, dass sie die Verwandtschaft 
unserer böhmischen Individuen mit denjenigen der brackischen Gewässer der 
sarmatischen Stufe überwiegen möchten. Und die Aufstellung einer neuen Art 
würde sich nicht lohnen, weil ihre Begrenzung nicht genug scharf und klar 
wire, 


’erithium lignitarum, Zichwald. (1856 M. Hoernes, 1. c. I, S. 398, Taf. ХП. 


Fig. 1—8. — 1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 273.) Fig. 15.— Reuss’ Erfahrungen 
über das Vorkommen dieser Art im Abtsdorfer und Triebitzer Tegel stimmen 
mit den meinigen nicht ganz überein. Reuss schreibt, diese Art sei auf jenen 
Fundstätten sehr häufig. Diesmal habe ich sie daselbst nur in einigen dazu 
noch schlecht erhaltenen Exemplaren gefunden. Ich glaube jedoch an den 
erwähnten Beuss’schen Bericht und егіске darin einen Beweis, dass diese 


91 


Art sich auf einige Bänke beschränkt, in denen sie dann in Tausenden von 

Individuen vorkommt. Die Individuen von Abtsdorf und Triebitz sind mit den- | 

jenigen von Grund, Baden und Vóslau gänzlich congruent, Was eine nähere 

Verwandtschaft betrifft, so erblicke ich sie zwischen ihnen und denen von 

Baden, denn sie haben mit denselben nicht nur die Dimensionen des Gehäuses, 

sondern auch die Dicke der Wände gemeinsam. Früher vermuthete man, diese 

Art sei besonders für den „Grunder Horizont“ charakteristisch; D. Stur hat 

jedoch dargethan, dass sie auch in Badener Tegeln ziemlich häufig ist, ja dass 

sie auch in Sedimenten, welche man in das Schlier-Niveau eingereiht hat, 
nicht selten vorkommt. Ohne Widerrede ist sie aber für brackische Sedimente 
bezeichnend, in denen sie weit und breit verbreitet ist. Diesfalls wird sie an- 
geführt: von Set. Veit bei Triesting; Mauer; Novosielko; Zelking, Ritzing; 

Edelény, Hügel bei Vaskap, Bángahogy bei Nagy-Sárospatak, Diös-Györ, Pa- 

rastya; von dem Bojezethal nördlich von Nagy-Barod im Gebiete von Gross- 

wardein ; Herend, Hidas, Szabolcs, Peesvárad ; von Set. Florian, Póls, Windisch- 

Grätz, Guglitz, Kegelbaner, Set. Nicolaus, Plirseh, Gamlitz; Kravarsko; Laa; 

von Neu-Ruppersdorf, Neudorf, Kirchstätten, Zabern, Stronegg; Králová. Ausser 

diesen Fundorten wird sie angegeben von Gainfahren, Steinabrunn, Nikolsburg, 

| Kienberg, Niederkreuzstütten, Weiusteig, Ebersdorf, Pótzleinsdorf; Szobb; von 

| Lapugy, Tyrnau, Orlowa, Tarnopol, Korytnica, Salisze, Zukovce; Chotin, Jalo- 
vena, Braila, Kalfa, Kischenev ; von Touraine, St. Paul bei Dux, Saucats und | 
Шеш (BO 

Cerithium Duboisi, М. Ws nes. (1850, 1. с. I, S. 397, Taf. XLIL, Fig. 4, 5. — 
1860. A. E, Reuss, 1. с. S. 274.) Diese Art, welche in der Regel die vorige 
begleitet, wurde Hatt in unserem ostbóhmischen miocaenen Gebiete nur in 

| den brackischen Ablagerungen von Abtsdorf und Triebitz sichergestellt. In den 
! Triebitzer Текеш fand sie A. E, Reuss, in den Abtsdorfer ich. Die aus diesen 
beiden Localitäten herrührenden Individuen stimmen z. B. gänzlich mit Grun- 
der Individuen überein. Diese Übereinstimmung ist eine vollständige und 
bezieht, sich sogar auf die Grósse und Dicke der Wünde. Es sei jedoch gleich 
hier bemerkt, dass sie auch in unserem Gebiete dem O. lignitarum unter- 
| geordnet ist. 

Cerithium scabrum, Сію sp. (1856. M. Hoernes, 1. c. І, S. 410, Taf. XLII, 
Fig. 16, 17. — 1860. A. E. Reuss, l c. S. 268.) Grösstentheils schadhafte 
Individuen, denen gewóhnlich der Mundrand entweder günzlich oder theilweise 
fehlt, am man in unserem Gebiete ziemlieh oft antreffen, und zwar nieht 
Nur in marinen, sondern auch in brackischen Tegeln. In jenen habe ich sie 
im Tegel von Lukau und Rude Isdorf, in diesen im Tegel von Abtsdorf und 
Triebitz sichergestellt. Aeuss war dne Art nur aus dem Rudelsdorfer Tegel 
bekannt. In den Sedimenten des heimischen Neogens ist sie dagegen sehr 
Verbreitet, und zwar mehr in den Mergeln der Steinabrunner Facies, wo sie 
auch hüufiger vorkommt, als in denen der Badener oder Schlierfacies. Aus 
fremden Sedimenten wird sie aus dem Gebiete von Touraine, Castellaquato, 
Turin, von Sieilien, Rhodus u. s. w. angeführt. Sie lebt in europäischen 

eeren, 


ke 


98 


'erithium spina, Partsch. (1846. M. Hoernes, 1. с. І, S. 409, Taf. XLII, Fig. 
15.) Bisjetzt weiss man, dass diese Art am bezeichnendsten in den Tegeln 
der bathymetrisch tieferen Niveaus, in den Tegeln der Dadener Facies auftritt. 
Hier zeichnet sie sich durch eine grossentheils auffallende individuelle Menge 
und Erwachsenheit aus. Ich erinnere nur z. D. an die Tegel von Baden, 
Möllersdorf und Vóslau in Niederösterreich. Ausserdem sei jedoch gleichzeitig 
bemerkt, dass sie sowohl für diese Sedimente durch jene Eigenschaften ge- 
wissermassen charakterisierend ist, als auch für die Ablagerungen der seichteren | 
See, von einem bathymetrisch höheren Niveau dadurch bezeichnend ist, dass 
sie darin wo immer vereinzelt und sehr selten vorkommt. Dies gilt auch von 
unseren ostbóhmischen Sedimenten in denen bis jetzt ein einziges Gehäuse 
dieser Art entdeckt worden ist. Dieses hat den typischen horizontalen Doppel- 
kreis der aus kleinen, scharfen, auf jedem Umgange deutlich und verhältniss- 
mässig stark entwickelten Stacheln besteht, wodurch es sich den Typen aus \ 
dem Tegel von Baden oder von Вогаё (Mähren) enge auschliesst. Ausser 
diesen Fundorten ist C. spina im Tegel von LaZánky, Knihnice und im Mergel 
von Drnovice (Mähren) im Tegel von Möllersdorf (Niederösterreich) und 
schliesslich im Tegel von Forchtenau (Ungarn) zuhause. 


Cerithium spec. Aus den Triebitzer Tegeln wurden diesmal Gehäuse heraus- 
geschlemmt, die ziemlich hübsch erhalten sind, jedoch nicht in dom Masse; 
wie es eine richtige specifische Bestimmung erfordert. Dass sie einer neuen 
Art angehören, ist nicht schwer zu ersehen, jedoch das vorliegende Material 
ist nicht im Stande, die Garantie einer richtigen Bestimmung zu bieten. Und 
nur diesen Umstand beachtend werde ich eine zur Bestimmung und Feststellung 
dieser Individuen geeignetere Zeit abwarten. 


Turritella turris, Basterot. (1856, M. Hoernes, 1. c. I, S. 423, Taf. XLIII, Fig. 
15, 16. — 1860, A. E. Reuss l c. S. 268.) Im Rudelsdorfer Tegel wirklich 
sehr selten. Auch mir gelang es trotz meiner eifrigen und ausdauernden Durch: 
suchung nur ein einziges Gehäuse zu finden. Wie ersichtlich, ist das dasselbe 
Resultat, von welchem A. E. Reuss schreibt. Es ist ferner gewiss interessant; 
dass ich diese Art im bläulichen Tegel nächst dem Viaduct bei Schirmdorf fest- | 
gestellt habe. Dort wurde ein Individuum entdeckt, dessen Gehäusedimensi- | 
onen von den Dimensionen der Individuen z. D. aus dem Drnovicer Mergel 
oder anderswoher nicht bedeutend abweichen. Ich bemerke, dass ich nicht 
einsehe, warum das Gehäuse dieses Individuums für kleiner als die Gehäuse 
der normalen Individuen erklärt werden sollte, da doch sein Gehäuse bei einer 


gewissen Anzahl von Umgängen dieselbe Höhe hat wie Individuen von ebenso- 1 
vielen Umgängen von anderen Orten. T. turris ist im heimischen Miocaen eine | 


gewóhnliche Erscheinung. In einer grossen individuellen Menge tritt sie im 
Mergel und in den Sanden von Gainfahren, Enzesfeld usw. in Niederósterreich 
auf. Seltener ist sie in denselben Ablagerungen in Mähren, wo sie im Tege 
von Drnovice und Borač die grösste mir bekannte individuelle Entfaltung er- | 
reicht. Ausser den angeführten Localitäten ist sie auch im Tegel von Baden, ' 
im Mergel von Grinzing, Steinabrunn, Pfaffstätten, Nikolsburg zuhause. Aus 


99 


Mähren und Niederösterreich geht sie in das Miocaen von Ungarn, Sieben- 
bürgen, Polen, Frankreich (Bordeaux, Dax usw.) und Württemberg (Nieder- 
stolzingen und Emingen) über. 

Turritella Archimedis, Brongniart. (1856. М. Hoernes l c. L, S. 494, Taf. 
XLIII. Fig. 13, 14.) Auch von dieser Art wurde nur ein Bruchstück im Schlemm- 
rückstande des Rudelsdorfer Tegels nachgewiesen. Obwohl dieses nur drei Kam- | 
mern besitzt, ist es doch nicht schwer sich zu überzeugen, dass das vorlie- | 
gende Bruchstück wirklich dieser Art angehört. Eine genügende Garantie bieten 
uns dafür die charakteristischen Ringe, welche deutlich über die Aussenseite 
der Kammern bis in die Gipfelkammer hinziehen. Die Gegenwart von diesen 
Zwei Ringen ist bekanntlich das entscheidende Merkmal, wenn es sich um die 
Lösung der Frage handelt, welcher Art die Gehäuse angehören, ob dieser oder 
der T. bicarinata. Diese Art ist im heimischen Miocaen in allen Facien und 


| fast allen Gebieten verbreitet. Am hàufigsten wurde sie jedoch in der Facies 
| des Leithakalkes, und zwar in den Mergeleinlagerungen und dann in den den 


erwühnten Kalksteinen analogen sog. Turritellensandsteinen gefunden. Ihre 
Fundorte sind die Sedimente der Umgebung von Nikolsburg, Alt-Rausnitz, 
Drnovice, Lysice, Sudice (Mähren); Steinabrunn, Gainfahren, Enzesfeld, Baden, 
Grund usw. (Niederósterreich); Králová, Szobb u. a. (Ungarn); Bujtur, La- | 
pugy (Siebenbürgen); im Tertiaer Frankreichs ist sie von Bordeaux, Dax, | 
Perpignan bekannt und wird auch von Korytnica in Polen angeführt. 
Turitella bicarinata, Eichwald. (1870. A. E. Reuss, l. c. S. 268. — 1856. M. 
Hoernes I. Theil 1. c., S. 426, Taf. XLIIL, Fig. 8—12.) Nur Bruchstücke dieser 
Art wurden diesmal im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer gelben Tegels ge- 
funden. A. E. Reuss bemerkt über ihre individuelle Menge auf unserem Fund- 
orte, sie sei daselbst sehr häufig. Aus den Dimensionen der gefundenen Bruch- 
| Stücke schliesse ich, dass auch hier die Gehäuse dieser Art normale, den Di- 
| Mensionen der aus anderen Fundorten stammenden Individuen gleichende Di- 
Mensionen erreichten. Auch diese Art, wie die beiden vorigen, ist in den 
Mergeleinlagerungen des Leithakalkes häufig und für diese Mergel gewisser- 
| Massen charakteristisch, Doch kommt sie auch in diesen Sedimenten nicht 
| überall in gleicher individuellen Menge vor. Häufig ist sie nur in den Mergeln | 
| Südmährens und Niederösterreichs, in West- und Nordwest Mähren kommt sie 
| dagegen in derselben Facies sehr selten vor. Von mührischen Fundorten seien 
| folgende angeführt: Drnovice, Nikolsburg, Alt-Rausnitz, von den niederöster- 
| 
| 


oem 


reichischen : Steinabrunn, Gainfahren, Pfaffstitten, Baden, Grund. Aus diesen 
| Gebieten verbreitet sie sich nach Ungarn (Szobb), von da nach Siebenbürgen 
y (Lapugy) und Polen (Korytnice, Szuszkowce, Tarnopol). Auch wurde diese Art 
ss Tertiaer sowohl Nord- als auch Süditaliens sichergestellt. 
ritella spec. Ich erwähne hier kleine Bruchstücke aus der Austernbank von 
Triebitz, Nach allen Merkmalen schliesse ich, dass sie wirklich dieser Gattung 
angehören. Ob dies wirklich der Fall ist, dürfte eine künftige Untersuchung 
| auf Grund eines geeigneten Materials entscheiden. Zum Schlusse dieser kurzen 
merkung behaupte ich mit Bestimmtheit, dass die vorliegenden Bruchstücke 
keiner bekannten Art angehören. 


Tur 


100 


Fossarus costatus, Brocchi. (1856, М. Hoernes, l. с. L, S. 468, Taf. XLVI., Fig. 
95. — 1860. А. E. Reuss Leg 266, Taf. VIL, fig. 4) Namentlich in den 
mergeligen Einlagerungen des Leithakalkes häufig — so z. В. bei Steinabrunn — 
im Rudelsdorfer Tegel nar von A. E. Reuss sichergestellt, welcher daselbst 
kleine, von den Typen etwas abweichende Individuen entdeckte. In West- 
mähren gelang es mir, diese interessante Art, deren horizontale Verbreitung 
nach den bisherigen Erfahrungen etwas beschränkt ist, im Tegel von Borat 
zu entdecken, wo prächtig erhaltene Exemplare gefunden wurden. Ausser 
Steinabrunn wird F. costatus aus dem Tegel von Lapugy (Siebenbürgen), dann 
aus dem Miocaen von Italien und Frankreich angeführt. 

Seissurella transsylvaniea, A. E. Reuss. (1880, l. c. S. 260, Taf. VIL, fig. 6.) 
Auch diese Art wurde im Rudelsdorfer Tegel bisher nur von A. E. Reuss ge 
funden. Ich habe bis jetzt in demselben Tegel vergeblich nach ihr geforscht. 
Dieses negative Resultat ist auch in Erwägung zu ziehen, es beweist, das$ 
Reuss’ Anschauung, diese Art sei auf unserer Rudoltitzer Fundstätte sehr 
selten, richtig ist. 

Seissurella depressa, A. E. Reuss. (1860, l. т. S. 267, Taf. VIL, fig. 7.) Nach 
A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. 

Seissurella earinella, A. Æ. Reuss. (1860, 1. с. S. 266, Taf. V., fig. 10.) Nach 
A. E. Reuss ist diese Art im Tegel von Rudelsdorf höchst seiten. 

Sealaria elathratula, Turton. (1856, M. Hoernes I, l c. 8. 475, Taf. ХУ» 
Fig. 8. — 1860, А. E. Reuss l с. S. 266.) Nach A. E. Reuss ist diese Art 
im Ruddelsorfer Tegel sehr selten. Diese Ansieht wird auch durch das Resultat 
unserer Beobachtungen bezeugt; trotzlem der Schlemmrückstand aus dem 
Rudelsdorfer Tegel gründlich durchsucht wurde, wurde keine Spur dieser Art 
gefunden, die in den Tegeln des heimischen Miocaens sehr selten ist, in den 
sie sich bis jetzt auf die Tegel von Steinabrunn beschränkt. Nicht blos hier; 
sondern auch im auswärtigen Miocaen ist ihr Gebiet offenbar beschränkt; sie 
ist nur aus dem englischen Crag und aus den Zukowicer Tegeln in Polen be- 
kannt. In britischen Meeren lebend. 

Skenea cf. earinella, А. E. Reuss. (1860, 1. c. S. 266, Taf. V., Fig. 10.) Zwei 
Gehäuse aus dem Tegel von Abtsdorf reihe ich provisorisch dieser Art ein. 
Ich thue es deshalb, weil ich an den vorliegenden Exemplaren einige für diese 
Art charakteristische Merkmale vermisse. Namentlich kann ich an einem ziem- 
lich gut erhaltenen Exemplare das Fadenstreifehen auf der Aussenseite er 
Reuss’schen Typen nicht bemerken. Das Exemplar von Triebitz hat kahle 
Umgänge, ohne Zierath und nur durch quere Zuwachsringe, die jedoch seht 
fein und nur nnter einer starken Loupe sichtbar sind, geziert. Die oben auf 
geworfene Frage, ob nämlich die Individuen von Triebitz dieser Art ange 
hören, dürfte das künftige Studium entscheiden, bis genügendes Vergleichs- 
material vorliegen wird. Es wird sich dann hauptsächlich darum handeln, zu 
untersuchen, ob es Zwischenformen gibt zwischen denen, welche das erwähnte 
Streifehen stark entwickelt besitzen, und den glatten, d. h. streiflosen Formel: 
Ausser der Austernbank des Triebitzer Tegels wurde diese Art im marine? 


101 


Tegel von Rudelsdorf, jedoch auf dieser Fundstelle nur von A. E. Reuss ent- 
deckt. 


Vermetus arenarius, Linné. (1856. М. Hoernes, I. Theil, S. 483, Taf. XLVI., 


Fig. 15. 1860. 4. Æ. Reuss 1. с. S. 266.) Die im heimischen Miocaen weit 
verbreitete Art V. arenarius kommt in allen Facien und fast in allen Gebieten 
vor. Aus dem Miocaen von Mähren, wo sie sowohl im Süden (Rausnitz), als 
auch im Westen (Borač) und Nordwesten (Drnovice, Sudice u. a.) zuhause ist, 
dringt sie in den Rudelsdorfer Tegel ein, in dem sie in den sechziger Jahren 
von A. E. Reuzs festgestellt wurde. In Niederösterreich erreicht sie in den 
Sanden von Grund und den Mergeln von Gainfahren die hóchste individuelle 
Entfaltung im Badener Tegel, im Mergel von Steinabrunn, Pfaffstitten, Grin- 
zing, Forchtenau, Enzesfeld ist sie zwar auch häufig, jedoch nicht in dem 
Masse wie in dem obenangeführten Gebiet. Wie in unserem Miocaen, so ist 
Sie auch in dem französischen (Bordeaux), italienischen (Tresanti), siciliani- 
schen, in dem von Rhodus, Algerien u. a. zuhause. Im Mittelmeere lebend. 


Vermetus intortus, Lamarck. (1856. M. Hoernes, I. Theil, l. c. S. 484, Taf. 


XLVL, Fig. 16. — 1860. A. E. Reuss 1. с. S. 266.) Kommt gewöhnlich in der 
Nachbarschaft der vorigen Art vor, auf deren Röhrchen seine Gehäuse oft 
angewachsen sind, Sehr oft begegnete ich ihm im Miocaen des westlichen 
(Borač, Lomnička) und nordwestlichen Mährens (Drnovice, Lažánky, Sudice 
etc.), von wo er sich in unser böhmisches Gebiet verbreitet, wo er von A. E. 
Reuss im Rudelsdorfer Tegel zuerst entdeckt wurde. In Südmühren beschränkt 
er sich auf die Mergel der Leithakalkfacies (Nikolsburg) und geht nach Nie- 
derösterreich über, wo man ihn in den Mergeln von Steinabrunn, Pfaffstätten, 
Grinzing und Nussdorf bestimmte. Häufig kommt er vor in den subapennini- 
Schen Schichten Italiens und dann in den miocaenen Ablagerungen von Frank- 
reich (Bordeaux, Mainot nächst Dax), England, von der Schweiz, Wolhy- 
men u. a, 


Y 
Caecum trachea, Montagne. (1856. M. Hoernes, І. Theil 1. c. S. 490, Taf. XLVI., 


Fig. 19. — 1860. A. E, Reuss, 1. c. 8. 265.) Fig. 11. — Ein Gehäuse mit 
einer erhaltenen Embryonalkammer aus dem Rudelsdorfer Tegel herauszuschlem - 
Men, ist auch diesmal nicht gelungen. Das dort erbeutete Material bezeugt 
laut, dass C. trachea auf unserem Fundorte sehr selten ist, was schon in den 
Sechziger Jahren A. E. Reuss behauptete. Das abgebildete Gehäuse von Ru- 
doltitz hat das Gehäuse auf dem rückwärtigen Ende mit einem Deckel zuge- 
deckt, auf der Aussenseite mit höchst feinen, dicht gereihten Zuwachsstreifen 
bedeckt, Diese Streifen sind so fein, dass man sie nur unter einer starken 
Loupe betr achten und sich überzeugen kann, dass sie parallel der Mündung 
laufen. Die Dimensionen sind etwas kleiner als bei den Individuen von Steina- 
brunn, jedoch gerade so gross wie bei den Gehäusen aus dem Mergel von 
ьо bei Černá Нога. M. Hoernes und A. E. Reuss führen diese Art 
Айз dem Mergel von Steinabrunn an, nur gelang es sie nicht nur hier, nàmlich 
in Borstendorf, sondern auch in den Mergeln von Alt-Rausnitz sicherzustellen. 

n fr emdländischen Tertiaerablagerungen wurde sie schliesslich bei Asti, auf 


102 


der Insel Rhodos, in Griechenland usw. entdeckt. Heutzutage lebt sie im Meere 
bei den britischen Küsten. 


Fig. 16. Caecum trachea, Mont, Fig. 17. Caecum glabrum, Mont. sp. 
Rudelsdorf. 50/, vergróssert. Rudelsdorf. 9, vergróssert. 


Caecum glabrum, Montagne sp. (Wood. Crag Moll. I. S. 117, Taf. XX., Fig. 8. 


— 1860. A. E. Heuss, 1. с. S. 265.) Fig. 17. — Soweit meine Kenntnisse 
reichen, wurde bisher ein einziger Fundort dieser seltenen Art, und zwar bei 
Rudelsdorf entdeckt. Zum erstenmale bestimmte sie im hiesigen Tegel A. E. 
Reuss, zum zweitenmale ist es mir gelungen, sie dort zu entdecken. Das Ge- 
häuse dieser Art unterscheidet man von dem des C. trachea sofort. Die Unter- 
Schiede sind sehr scharf und bestehen einerseits in der Grósse, anderseits in 
der Beschaffenheit der Aussenseite. Lernen wir diese Eigenschaften kennen, 
so fällt es uns sehr leicht die beiden Arten auseinanderzuhalten. Aus dem 
Miocaen ist C. glabrum nur aus dem Crag bekannt; heutzutage lebt es im 
britischen Meere an den Küsten. 


Odontostoma Hoernesi, A. Æ. Reuss. (1860, 1. c. S. 265, Taf. VIL, Fig. 2.) In 


den Bereich dieser Art stelle ich ein schadhaftes, aus dem Tegel von Triebitz 
herausgeschlemmtes Gehäuse, das inbetreff der Gestalt und des Extérieurs mit 
der Reuss’schen Beschreibung und Abbildung vollkommen übereinstimmt. In- 
dem ich weder das Original, noch Typen aus dem Rudesldorfer Tegel, woselbst 
О. Hoernesi von Reuss zuerst erkannt wurde, bei der Hand habe, überlasse 
ich es der Zukunft, darüber zu entscheiden. Ausser dem Rudelsdorfer und Trie- 
bitzer Tegel ist diese Art im Tegel von Baden und Lapugy und im Mergel 
von Steinabrunn zuhause. 


Odontostoma plicata, Montagne. (1856, М. Hoernes 1. c. I., S. 496, Taf. ХШ, 


Fig. 26. — 1860, A. E. Reuss, 1. с. S. 265.) Erhaltene und unversehrte Ge- 
häuse dieser Art dürften im Rudelsdorfer Tegel sehr selten sein. Trotzdem ihnen 


108 


eifrig und umsichtig nachgeforscht wurde und trotzdem eine bedeutende Menge 
des Rudelsdorfer Schlemmrückstandes durchsucht wurde, gelang es nicht, sie 
zu entdecken. Nach einer langen und anstrengenden Durchsuchung wurden 
endlich doch zwei Gehäuse entdeckt, das eine von einem alten, das andere 
von einem jungen Individuum, von denen jenes die Spitze abgebrochen und 
den Mundrand stark schadhaft hat, wührend dieses zwar eine unversehrte 
Spitze, jedoch die letzte, jüngste Kammer abgebrochen hat. Auch A. E. Reuss 
machte über die individuelle Menge dieser Art im Rudelsdorfer Tegel dieselben 
Erfahrungen. Seine Bemerkung, O. plicata sei in dem dortigen Sediment sehr 
Selten, passt, wie ersichtlich, sehr gut zu unserem Resultate. Steinabrunn, 
Neudorf und Baden führt man als ihre Fundorte im Gebiete des niederóster- 
reichischen Miocaens an. Gleichzeitig ist sie aus dem Tertiär von Frankreich, 
Italien und England bekannt. Sie lebt an den Küsten Englands und im Mit- 
telmeere. 


Odontostoma unisuleata, Reuss. (1860, 1. с. S. 264, Taf. VL, Fig. 4) Winzige- 


Gehäuse dieser Art kommen nach A. Æ. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sehr selten 
vor. In dem diesmal untersuchten Sehlemmrückstande wurde kein einziges 
entdeckt. Auch ist es nicht gelungen, auf mührischen Fundorten diese Art 
Sicherzustellen, trotzdem eine bedeutende Anzahl von Localitäten durchsucht 
und beträchtliche Massen von geschlemmtem Tegel gründlich untersucht wur- 
den. Auch aus den niederösterreichischen miocaenen Gebieten liegen bis jetzt 
keine Berichte vor, dass О. unisuleata dort zuhause wäre. 


Odontostoma bisulcata, Reuss. (1860, 1. с. S. 264, Taf. VL, Fig. 6.) Auch diese 


winzige Art ist im heimischen Miocaen höchst selten. Aber auch bei Rudelsdorf, 
WO Sie von Reuss zuerst entdeekt wurde, kommt sie sehr selten vor. Das ge- 
Steht schon in den sechziger Jahren А. E. Reuss zu; auch ich habe diesmal 
dieselben Erfahrungen gemacht. In dieser Hinsicht gleichen meine Resultate, 
Was diese Art anbelangt, vollkommen den Resultaten bei der vorigen Art. Aus 
dem Rudelsdorfer Tegel geht О, bisulcata in den Tegel mit brackischer Fauna 
nicht über; diese Eigenschaft hat sie mit allen bisher aus unserem bóhmischen 
Miocaengebiete bekannten Arten der Gattung Odontostoma gemeinsam. 


Turbonilla costellata, Grateloup. (1856. M. Hoernes I. 498, Taf. XLIII., Fig. 


27. — A. Е. Reuss, 1. с. 8. 264.) Ursprünglich aus dem Badener Tegel von 
M. Hoernes beschrieben, wurde sie später von А. E. Reuss auch im Rudels- 
dorfer Tegel entdeckt. Das diesmal aus diesem Tegel ausgeschwemmte Gehäuse 
gehört einem Individuum von normaler Grösse an, ist jedoch, wie es oft der 
Fall zu sein pflegt, sehr schadhaft, indem es nicht nur die Wirbel, sondern 
auch die jüngsten Umgänge abgebrochen hat. Trotzdem es als Bruchstück er- 
scheint, kann man an ihm alle diese Art in anderen Localitäten charakteri- 
Sierende Merkmale verhältnissmässig sehr leicht erkennen. Ausser dem Tegel 
von Baden wurde T., costellata auch in dem Tegel von Lapugy und dann auf 
einigen Fundorten des mährischen Miocaens entdeckt; Zukowce in Polen, 
Saint Paul bei Dax in Frankreich, Modena und Castell’arquati in Italien wer- 
den in der Litteratur als Fundorte dieser heutzutage im Mittelmeere lebenden 
Art angeführt. 


104 


Turbonilla pusilla, Philippi. (1856. M. Hoernes 1., S. 500, Taf. XLIIL., Fig. 30. — 
1860. A. E. Reuss 1. с. S. 264.) Diese Art ist dadurch interessant, dass sie 
einer Gruppe angehórt, die aus sowohl in den echt marinen Sedimenten un- 
seres ostböhmischen Miocaengebietes, als auch in den brackischen Aequivalenten 
derselben vorkommenden Arten besteht. Hier wie dort sind ihre Gehäuse schön 
erhalten, gleich gross und bis auf den Umstand, dass sie ein wenig klein sind, 
mit den aus den südlicheren, z. B. mährischen miocaenen Fundorten herrüh- 
renden Gehäusen congruent. Es soll jedoch bemerkt werden, dass diese Art 
bei uns nicht nur im Rudelsdorfer Tegel, von wo sie A. E. Reuss zuerst in die 
Litteratur eingeführt hat, sondern auch in dem Abtsdorfer, wo ich sie diesmal 
in dem unmittelbar unter dem Schotter abgelagerten Tegel fand, selten vor- 
kommt. Viel reicher an ihren Individuen sind die Mergel, namentlich der 
Steinabrunner Facies (Steinabrunn, Enzesdorf) während man in den Tegeln 
nur vereinzelte Individuen derselben festzustellen vermag (Baden). Im franzó- 
sischen Miocaen ist T. pusilla aus der Umgebung von Dax, im italienischen 
aus der Gegend von Tarent bekannt. In den heutigen Meeren wurde sie im 
Mittelmeere erfischt, 

Turbonilla subumbilicata, Grateloup. (1856. M. Hoernes, I. Theil 1. е. S. 499, 
Taf. XLIII, Fig. 29. — А. Е. Reuss, 1. с. S. 264.) Die niedlichen Gehäuse 
dieser Art sind im heimischen Miocaen verhältnissmässig ziemlich selten. Trotz- 
dem sie nur auf einigen Fundorten entdeckt wurden (Steinabrunn, Enzesfeld, 
Nussdorf, Baden, Lapugy), erhellt daraus, dass sie in der mergeligen, Steina- 
brunner, Leithakalk- und Badener Facies sich verbreiten. Im Gebiete des 
böhmischen marinen Miocaens ist diese Art selten, indem sie sich nur auf 
den Rudelsdorfer Tegel beschränkt, wo, wie bereits Reuss bemerkt hat, ihre 
Gehäuse selten zu finden sind. Im auswärtigen Tertiär ist sie in Polen, Frank- 
reich (Gegend von Dax, Bordeaux), Italien (Modena, Castell'arquato) und auf 
der Insel Rhodos zuhause. Sie lebt bis jetzt im Mittelmeere. 

Turbonilla gracilis, Brocchi. (1856. M. Hoernes, 1. Theil Le S. 498, Taf. XLIII., 
Fig. 98. — 1860, A. Е. Reuss, l. с. S. 263.) Sie wurde im Rudelsdorfer Tegel 
von A. E. Reuss entdeckt, der sie als sehr selten hervorhebt. Im heimischen 
Miocaen ist sie zwar nur aus wenigen Fundorten bekannt, doch reichen diese 
vollkommen hin, um sich eine genügende Vorstellung von ihrer Verbreitung 
und ihrem Vorkommen in einzelnen Facien zu machen. Steinabrunn, Nussdorf, 
Pötzleinsdorf, Einzesfeld, Baden, Lapugy sind die von M. Hoernes angeführten 
Fundorte, welche genügend beweisen, dass sie ausser der Schlier- und Leitha- 
kalkfacies in allen Facien verbreitet ist. Das Miocaen von Italien, Frankreich, 
England und Rhodos ist als ihr weiteres Gebiet bekannt. — Heute lebt si- 
bei den Küsten Siciliens und Englands. 

Turbonilla pygmaea, Grateloup. (1856. M. Hoernes, 1. c. 8. 502, Taf. XLII. 
Fig. 32. — 1860, А. E. Reuss l. с. 264.) Fig. 18. — Wenn uns ein reicheres 
Material vorliegt, fällt es nicht schwer, aus demselben eine ganze Reihe von 
Übergangsformen von den typischen, aus südlichen Fundorten des heimischen 
Miocaens beschriebenen Individuen bis zu denjenigen, welche deutlich stufen- 
förmig gewunden sind und oben mit einer Falte umrandete Umgänge besitzen; 


Tur 


et 


105 


zusammenzustellen. Indem wir die einen oder die anderen erwähnten Indivi- 
duen beobachten, fällt uns inbetreff des Aeusseren auf, dass die stufenförmig 
gewundenen und mit einer Falte gezierten Umgänge besitzenden Individuen 
eine Abart der typischen Formen darstellen. Meiner Ansicht nach ist es nicht 
rathsam und nicht leicht, eine genaue Grenze hier zu ziehen. Selbst bei der 
grössten Vorsicht sind die erhaltenen Resultate nicht befriedigend. Wir sehen 


Fig. 18. Turbonilla pygmaea, Grat. Abtsdorf, 2%, vergróssert, 


immer, dass die Merkmale bald stark, bald schwach variieren. Die vorlie- 
genden Gehäuse sind grösstentheils hübsch erhalten, und zwar nicht nur die 
aus dem Rudelsdorfer, sondern auch die aus dem Abdtsdorfer und Tiriebitzer 
Tegel stammenden. Ihre Grösse ist congruent und weicht auch von der Grösse 
der Gehäuse aus dem mährischen oder niederösterreichischen Miocaen nicht 
ab. Im Rudelsdorfer Tegel sind nach dem gegenwärtigen Stand der Kenntnisse 
die Gehäuse dieser Art häufiger als auf Fundorten mit brackischer Fauna. 
Diese Erfahrungen scheinen gleichzeitig zu bezeugen, dass die individuelle 
Menge dieser Art, wie sie auf unserer bóhmischen Localitàt erkannt wurde, 
mit jener z. B. im Badener Tegel oder Steinabrunner Mergel congruent ist. 
Ausser diesen Fundorten wurde T. pygmaea noch im Tegel von Lapugy si- 
Chergestellt. Früher hat man sie aus den Sedimenten von Saint Paul nächst 
Dax (Frankreich) und von Modena (Italien) angeführt. 

bonilla plieatula, Brocchi. (1856. M. Hoernes 1. с. L, S. 503, Taf. XLIIL, 
Fig. 33. — 1860, А. E. Reuss 1. c. S. 263.) Diese seltene Art, im heimischen 
Miocaen nur in den Mergeln und Tegeln (Steinabrunn, Baden) vorkommend, 
tst laut Reuss'schen Angabe im Tegel von Rudelsdorfer sehr selten. Diesmal ist 
es nicht gelungen, aus dem Schlemmrückstande des dortigen Sedimentes auch 
Nur eine Spur von ihrem Gehäuse zu entdecken. Ausser unserem und dem 
niederösterreichischen Miocaen ist sie in den Ablagerungen Italiens: Castel’ar- 
Quato, Modena, Asti zuhause. 

aeon semistriaeus, Férussac. (1856. М. Hoernes 1. c. S. 507, Taf. XLIV. 
Fig, 22.—1870, A. E. Reuss, 1. c. S. 263.) Trotzdem diese seltene Art eifrig 
Sesucht wurde, ist es nicht gelungen, ihre Gehäuse im Rudelsdorfer Tegel 


106 


diesmal zu finden, wie es A. E. Reuss in den sechziger Jahren unter weit 
günstigeren Umständen, als es heutzutage bei den Forschungen im böhmischen 
marinen Miocaen der Fall ist, gelungen ist. Nur Gainfahren, Vóslau und Baden 
führen А. Е. Reuss und М. Hoernes als Fundorte dieser Art im heimischen 
Miocaen an. Aus den auswärtigen Miocaenablagerungen ist sie jedoch von 
Bordeaux, Dax, Leognan, Asti, Tortona, Turin, Castellarquato und Lissabon 
bekannt. 


Natiea ef. redempta, Michelotti. (1856. M. Hoernes, 1. c. I. S. 522, Taf. XLII, 


Fig. 3.—1870. А. E. Reuss 1. c. S. 263.) Fig. 19. — Auch über diese Art 
sagt A. E. Reuss in der obenangeführten Arbeit, dass sie im Rudelsdorfer 
Tegel häufig ist. Die diesmal gemachten Erfahrungen über ihre individuelle 
Menge in diesem Tegel bestätigen Reuss’s Ansicht nicht. Das soll jedoch nicht 
besagen, dass sie uicht richtig wäre. Ich bezweifle im Gegentheil ihre Rich- 
tigkeit nicht. Dieser und noch andere Umstände bestätigen mich nämlich in 


Fig. 19. Natica of. redempta, Rudelsdorf. */, vergróssert. 


der Meinung, dass Reuss eine andere Bank als ich ausgebeutet hat. Auch 
dessen wird im Abschnitte über den allgemeinen Charakter der Fauna Er- 
wähnung gethan. Trotzdem diese Art im Rudelsdorfer Tegel nicht entdeckt 
wurde, wurde sie doch in unseren Miocaenablagerungen, und zwar in den 
Abtsdorfer in der Nachbarschaft der vorigen Art angetroffen. Es wurden dort 
zwei schön erhaltene Gehäuse gefunden. Ich habe hier beide abgebildet, um 
auch auf die Unterschiede anfmerksam zu machen, die sie von den typischen 
Individuen der südlichen Fundorte trennen. Die Unterschiede bestehen ausser 
der Grösse in der auffallend stark entwickelten und verstärkten Fläche der 
Innenlippe und theilweise auch in abweichender Form. Ob diese Merkmale 
stabil sind, weiss ich nicht, ich hatte keine Gelegenheit mich davon zu über- 
zeugen; doch auch im negativen Falle sind sie beachtenswerth, N. cf. re- 
dempta ist in den heimischen Miocaensedimenten in Tegeln, Mergeln und 
Sanden verbreitet; in der Leithakalkfacies ist sie selten. Die grösste indivi- 


107 


duelle Entfaltung hat sie jedoch in den Tegeln (Vöslau) und Sanden (Grund) 
Niederoesterreichs erlangt, In den aequivalenten Sedimenten der erwähnten 
Tegel in Mähren ist sie sehr selten, welches mährische Gebiet wir auch durch- 
forscht haben mögen. Ebenfalls wurde sie im Miocaen von Siebenbürgen, Ga- 
lizien, Serbien und Steiermark entdeckt, ferner wird sie am Italien und Frank- | 
reich angeführt. | 


Natica millepunetata, Lamarck. (1856. M. Hoernes I, 1. с. S. 518, Taf. XLVII, 
Fig. 1, 2—1860. A. E. Reuss 1. с. S. 263.) А. E. Reuss führt diese Art aus 
dem Rudelsdorfer Tegel an und schreibt darüber, dass sie dort häufig und 
durch kleine Individuen vertreten ist. Mir ist es diesmal nicht gelungen, zu 
demselben Resultate zu gelangen. Trotzdem ich den dortigen Tegel sorgfältig 
untersuchte, fand ich nur ein zum Theil schadhaftes Gehäuse von N. mille- 

\ punctata. Dagegen ist es geglückt, ihre Gehäuse im Tegel der unteren Trie- 

bitzer Bank festzustellen. Das dort gefundene Exemplar ist winzig, etwa von 

gleichen Dimensionen, wie die von Reuss im Rudelsdorfer Tegel gefundenen 

Individuen. Diese Entdeckung ist in mancher Hinsicht interessant und wichtig ; 

inwieweit, darüber ist in der Betrachtung über die Faunen unseres böhmischen 

Miocaengebietes die Rede. Die horizontale Verbreitung dieser Art im heimischen 

Miocaen ist bedeutend, doch auch die verticale Verbreitung ist eine beträcht- 

liche, Fast in allen Facien kann man sie von Mähren (Borstendorf, Borat, Alt- 

Rausnitz, Nikolsburg u. a.) nach Niederoesterreieh (Steinabrunn, Baden, Gain- 

fahren, Enzesfeld, Grund), nach Oberoesterreich (Horner Becken : Molt, Loi- 

bersdorf), Ungarn, Siebenbürgen, Polen verfulgen. Ferner ist sie in den 

Tertiaerablagerungen von England, Italien und Algerien verbreitet. 


Fig. 20. Nerita picta, Fer. Rudelsdorf. °/, vergróssert. | 


Nerita pieta, Férussac. (1856. M. Hoernes, І. 535, Taf. XLVII, Fig. 14.— 1860. 
4. E. Heuss l c. S. 263.) Fig. 20. — Diese Art babe ich auf allen miocaenen 
Fundorten Bóhmens festgestellt. Bei einer sorgfültigen Beachtung ihrer indi- | 
viduellen Menge sah ich, dass sie in den brackischen Tegeln von Abtsdorf 
und Triebitz, weit reicher an Individuen ist als in dem echt marinen Tegel 
von Rudelsdorf. Ueberall aber erlangte sie dieselben Dimensionen und ihre 


108 


Gehäuse dieselbe Dicke der Wände. Es wurden verhältnissmässig wenige er- 
wachsene Individuen gefunden, die meisten Gehüuse gehóren jungen Indivi- 
duen an. Die Form dieser und jener ist mit denjenigen aus den Tegeln und 
Mergeln Mährens und  Niederoesterreichs congruent. Diese Uebereinstim- 
mung besteht darin, dass auch die Gehäuse der alten Individuen den letzten 
Umgang nicht abgeschnürt, sondern stark gewölbt haben. Die Neigung zu 
einer solchen abgeschnürten Form, welche namentlich die Individuen aus dem 
Grunder Sande aufweisen, zeigen freilich auch die grossen Gehäuse aus unse- 
rem Gebiete, doch ist dieses bezeichnende Merkmal ihnen nicht im vollen 
Masse aufgeprägt. Die Zeichnungen der Aussenseite dieser Gehäuse sind 
mit jenen identisch, welche wir an den Individuen aus südlichen heimischen 
Fundorten beobachten. Sie sind mit jenen identisch, die stark abgeschnürte Ge- 
häuse besitzen. Auch unser Material bietet die Gelegenheit, eine überaus 
grosse Menge von Veränderungen dieser Zeichnungen zu betrachten, wodurch 
entweder compliciertere oder einfachere Figuren entstehen, und man kann ] 
sich überzeugen, dass selbst bei der grössten Veränderung diese Figuren doch 
einen gemeinsamen einheitlichen Grundgedanken aufweisen. Ich stimme mit 
Prof. Drusina überein, dass man diesen Zeichnungen eine Wichtigkeit beilegen 
muss, doch bin ich nicht im Stande, Belege für die Ansicht beizubringen, 
dass diese Figuren auf die Spur von Arten führen. Nach dieser Ansicht bliebe 
dann nichts übrig, als unser reiches bóhmisches Material dieser Art in mehrere 
Arten einzutheilen, was ich jedoch nach meiner Anschauung und nach den 
bisherigen Erfahrungen nicht für richtig erachte. N, picta ist im heimischen 
Miocaen bedeutend verbreitet, am meisten in den oberen Schichten, z. B. von 
Steinabrunn und den mit diesen aequivalenten. Auch kommt sie im Sande von 
Gauderndorf und Niederkreuzstätten oft vor. In Mähren habe ich sie im Tegel 
von Borač gefunden; aus dem Nikolsburger Mergel führt sie M. Hoernes an. 
Auch in den Sedimenten des Miocaens von Ungarn, Steiermark, Siebenbürgen 
und Podolien ist sie bekannt. Ferner führt man sie aus den Tertiaerablage- 
rungen Frankreichs und Italiens an. 

Nerita asperata, Dujardin. (1856. M. Hoernes L, 1. c. 8. 532, Taf. XLVIL, 
Fig. 12. — 1860 A. E. Reuss l c. 263.) Auch in den heimischen miocaenen 
Sedimenten sehr selten. Zuerst hat sie hier A. M. Hoernes entdeckt und 
beschrieben, und zwar aus dem Sande von Grund und aus dem Tegel von 
Lapugy; in den Sechziger Jahren fand ihre hübschen Gehäuse A. E. Reuss 
im Rudelsdorfer Tegel, wo sie seit dieser Zeit nicht entdeckt, war. Nach Reuss 
ist sie hier selten. Im auswärtigen Miocaen: Touraine. 

Chemnitzia perpusilla, Grateloup. (1856. M. Hoernes, 1, 1. c. 540, Taf. XLIII., 
Fig. 19.) In den Bereich dieser Art stelle ich provisorisch hübsch erhaltene, 
im Tegel von Triebitz ziemlich häufige Gehäuse. Die Form des Gehäuses und 
des Gewindes, ferner die Anzahl der Windungen stimmt mit typischen Gehäusen 
dieser Art überein. Abweichend i-t jedoch die Beschaffenheit der Aussenseite, 
namentlich die Querstreifen, die nicht gleichmässig stark, wie bei den erwähnten 
Typen, sind, sondern gegen den in der Mitte des Umganges befindlichen Streifen 
zu an Stärke zunehmen. Diese Merkmale sind stabil und weisen darauf hin, 


109 


dass man berechtigt wäre, die Individuen von Triebitz für eine neue Varietät 
von Ch. perpusilla zu erklären. Dessenungeachtet thue ich es nicht und gebe 
mich mit der mitgetheilten Bemerkung zufrieden, wozu ich jedoch hinzufüge, 
dass ieh es nicht unterlassen werde, in naher Zeit die Stellung unserer 
böhmischen Individuen den aus den Badener Tegeln, Enzesfelder, Gainfahrener, 
Steinabrunner Mergeln und Grunder Sanden bekannten Typen gegenüber zu 
ermitteln. 


а e b 
Fig. 21. Chemnitzia minima, M. Hoern. Fig. 22. Chemnitzia Reussi, M. Hoern. 
Abtsdorf. ?"/, vergr. a, b das Gehäuse Rudelsdorf. ??/, vergróssert. 


von der Seite, c stark vergrósserte 
embryonale Windung. 


Chemnitzia minima, M. Hoernes. (1856, 1. c. S. 542, Taf. XLIIL, Fig. 22.) 
Fig. 21. — Bisher aus unseren böhmischen Miocaenablagerungen nicht bekannt. 
Ueberhaupt gehört sie unter sehr seltene Arten. M. Hoernes z. B. führt sie 
nur von Baden und Lapugy an. In unserem Gebiete habe ich sie im Tegel 
von Triebitz (untere Bank) und von Abtsdorf (Austern- und obere Bank) fest- 
gestellt, an beiden böhmischen Fundorten ist sie ziemlich selten. Ihre Gehäus e 
Sind grösstentheils prüchtigst erhalten. Das grösste ist 15 mm hoch. Die 
Oberfläche .ist glatt und glänzend, nur unter einer starken Loupe sieht 
man, dass sie mit höchst feinen Furchen, welche die Zuwachsstreifen andeuten, 
bedeckt ist. Von Rippen wurde keine Spur entdeckt. 

Chemnitzia Reussi, M. Hoernes. (1856. I. Theil 1. c. S. 541. Taf. XLIIL, Fig. 
20. — 1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 268.) Fig. 22. — Gewöhnlich prächtige 
Gehäuse dieser Art, die namentlich in der mergeligen, auch in der tegeligen 
Facies des heimischen Miocaens verbreitet ist, entdeckte in unserem Miocaen- 
gebiete bereits A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel. Aus dem Tegel dieses Fund- 
Ortes wurden Gehäuse von Ch. Reussi auch diesmal herausgeschlemmt und 
ausserdem auch im Abtsdorfer Tegel sichergestellt. Auf beiden Fundstätten 
kommt diese Art verhältnissmässig selten vor, und ist in den dortigen Sedi- 
menten dureh Individuen von normaler Grösse vertreten, die mit den aus den 
l'undorten der südlichen Gebiete bekannten Individuen vollständig congruent 
Sind. Nach M. Hoernes und A. Е. Reuss ist Ch. Reussi im Badener Tegel 


| 
| 
| 
| 


110 


selten. Im mührischen Miocaen habe ich sie im Tegel von Borat, Lomnička, 
Drnovice und Sudice gefunden. 

Rissoa inflata, Andrzejowski. (1856. M. Hoernes, l c. L, 8. 576, Taf. XLVIII. 
Fig. 22. — 1860. A. E. Reuss l c. S. 263.) Sie ist in mancher Hinsicht 
interessant. Einerseits geht sie aus der marinen miocaenen Stufe in die 
brackische über, anderseits hat sie wührend des Miocaens gleichzeitig in der 
Nachbarschaft von echt marinen und echt braekischen Fauna, sowie auch in 
Buchten gelebt, wo eine Mischung mariner und brackischer Fauna, ihr Leben 
fristete. In Mähren und Niederösterreich findet man Ihre Gehäuse auch, und 
zwar in einer bedeutenden individuellen Menge in den Congeriensanden von 
Gaya (Südmähren) und Brunn (Niederösterreich). Im Rudelsdorfer Tegel wurde 
sie von A. E. Reuss entdeckt. Diesmal wurde aus dem Tegel nur ein einziges 
Gehäuse von ihr herausgeschlemmt, welches leider bald in Trümmer gieng. 
Soweit ich das noch erhaltene Gehäuse beobachten konnte, habe ich ersehen, 
dass sie keine wesentlichen Unterschiede von den Typen zeigt, die ich in den 
Sanden von Gaya in bedeutender Menge gesammelt habe. Ausser dem Congerien- 
horizonte Mährens und Niederösterreichs ist R. inflata aus den sarmatischen 
Sanden Polens (Szydlow, Zalisce, Szukowice) und Wolhyniens (Staro-PoczacoW; 
Bilka, Kuneza) bekannt. 

Rissoa Moulinsi, d’Orbigny. (1856. M. Hoernes, l.c. L, S. 570, Taf. XLVIIL, 
Fig. 14. — 1860, A. E. Reuss, l c. S. 263.) Zuerst von A. E. Reuss im 
böhmischen marinen Miocaen entdeckt. №, Moulinsi wurde auch diesmal im 
Rudelsdorfer Tegel als sehr selten erkannt Es wurde nur ein schadhaftes Exemplar 
mit abgebrochenen Embryonalwindungen herausgeschlemmt. Bisjetzt ist diese Art 
in grósserer individueller Menge aus den Steinabrunner Mergeln und den ihnen 
aequivalenten Sedimenten (Steinabrunn, Nikolsburg, Sudice, Enzesfeld) bekannt. 
Auch wurde sie im Miocaen von Ungarn (Szobb), Italien und Frankreich 
entdeckt. 

Bissoa angulata, Eichwald. (1856 М. Hoernes 1. c. L, S. 577, Taf. ХУШ, 
Fig. 23. — 1860. A. E. Reuss 1. с. S. 268.) Im Gegensatze zur vorigen Art 
ist diese im Rudelsdorfer Tegel verhältnissmässig häufig und ausserdem auch 
im Tegeldepót von Triebitz zuhause, wo bisher ein Individuum sichergestellt 
wurde. Die Individuen von Rudelsdorf zeichnen sich durch dünne Wände, schlanke 
Gestalt und besonders dadurch aus, dass ihre Längsrippen beinahe gerade- 
verlaufen und nur sehr schwach in der Mitte der Windung gekrümmt sind. 
Von typischen (Gehäusen, wie solche in einer beträchtlichen Menge z. В. in 
den Congerienschichten der Umgebung von Gaya in Mähren vorkommen, sind | 
bisher nur einige festgestellt worden. Wenn wir die von diesen abweichenden | 
Individuen betrachten, scheint es, dass sie vielleicht besondere Varietäten 
dieser Art vorstellen. Diese Ansicht besteht nicht, wenn wir die vorhandene" 
Uebergangsformen beachten. Wie die vorige, ist auch diese Art eine brackische, 
jedoch auch in marinen Sedimenten verbreitete. Im heimischen Neogen reicht 
sie bis in die Congerien-Schichten hinauf. Für unser Gebiet ist sie noch 
dadurch wichtig, dsss sie gleichzeitig mit anderen brackischen Arten auftritt, 


was uns zu einer klaren Vorstellung über die Tegel und deren Fauna be! f 


111 


Triebitz führt. Nach б. G. Schwartz von Mohrenstern (Ueber die Familie der 
iet Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften Wien 1864, 

. 54) kommt sie ausserhalb des ausseralpinen Wiener Beckens auch im Tegel 
von Lapugy, Bujtur, in den Mergeln der Umgehend von Zalisce Szukowice, 
Olesko, Tarnopol vor. 

Rissoa Montagni, Payrandeau. (1856. M. Hoernes 1. c. I, S. 569, Taf. XLVIIL, 
Fig. 13.) In den Bereich dieser Art reihe ich zahlreiche Gehäuse aus dem 
Tegel von Rudelsdorf, Abtsdorf und Triebitz ein. Diese weichen in vielen Merk- 
malen von den Typen der A. Montagni ab, stimmen jedoch mit jenen in vielen 
Eigenschaften überein. Allem Anscheine nach gehören sie einer Varietät dieser 
Art an. Erwachsene Individuen haben sechs Windungen. Die vorletzte Windung 
hat fünf, die letzte zehn Querringe. Die Querfurche zwischen den obersten 
Qnerringen ist markanter als die übrigen. Durch dieses Merkmal erinnern 
unsere Individuen an R. Mariae. Erst ein eigehendes Studium dieser Merkmale 
wird zeigen, in wieweit man unsere interessanten Gehäuse in den Bereich 
dieser Art einstellen kann. Ausser dem Rudelsdorfer Tegel wurden Individuen 
dieser Art im brackischen Tegel von Abtsdorf und Triebitz, jedoch auf diesen 
Fundorten in einer kleineren individuellen Menge gefunden. 

Rissoa scalaris, Dubois. (1856. M. Hoernes, 1. e. I. 567, Taf. XLVIII., Fig. 12. — 
1860, A. E Reuss, 1. c. S. 262.) Diese seltene Art, die Reuss von Steinabrunn, 
Lapugy, und Modena anführt und die ich in Mähren in den Mergeln von Sudice 
wiederholt sichergestelt habe, gelang mir sowie auch Reuss in unserem Gebiete 
nur im Rudelsdorfer Tegel zu entdecken. 

Rissoa Venus, d'Orbigny. (1856. M. Hoernes, 1. c. I., S. 565, Taf. XLVIII, Fig. 
10. — A. Е. Reuss, 1. с. 8. 262.) Diesmal wurde aus dem Rudelsdorfer Tegel 
nur ein hübsches Gehäuse ausgeschlemmt. A. E. Reuss bemerkt über diese 
Art, dass sie in unserem Gebiete nur selten ist. Das vorliegende Individuum ist alt 
und mit typischen Merkmalen ausgezeichnet, nach welchen man es leicht 
unterscheiden kann. R. Venus kommt in den Mergeln und Tegeln des heimischen 
Miocaens vor; i | jenen ist sie viel häufiger als in diesen. In Mähren wurde 
Sie im Mergel von Sudice, Drnovice, Nikolsburg, dann im Tegel von Boraé 
sichergestellt; in Niederösterreich ist sie aus den Mergeln von Steinabrunn, 
Enzesfeld und aus den Tegeln von Baden bekannt. Sie wird auch aus dem 
Tegel von Lapugy und den Sedimenten von Merignac angeführt. 

Hydrobia а id itti M. Hoernes, (1856. Paludina Frauenfeld М. Hoernes, IR 
Theil, 1. e. S. 565, Taf. XLVIIL, Fig. 10. — 1860, A. Æ. Reuss, 1. е, S. 262.) 
Fig. b» анне von schön erhaltenen; in allen Entwickelungsstadien befind- 
lichen Individuen kann man in den Schlemmrückständen des Tegels von Schirmdorf, 
Abtsdorf, und Triebitz sammeln. Doch auch im Rudelsdorfer Tegel kann man 
KE ziemlich bedeutende Menge von schön erhaltenen Exemplaren sammeln. 

Die Gehäuse von unseren böhmischen Fundorten erreichen normale Dimensi- 
onen und bilden eine Wand von normaler Dicke. Irgendwelche Abweichungen 
Sind nirgends zu beobachten. Die Congruenz, namentlich von den Idividuen aus 
Unseren brackischen Sedimenten mit den Individuen der Congerienstufe ist also 
vollständig. H. Frauenfeldi bildet einen Typus für die Sande der Congerienstufe 


112 


(Hauskirchen, Frauenfeld), in denen sie hier hüufiger, da seltener vorkommt. 
In marinen miocaenen Sedimenten kommt sie aber auch vor, und zwar nicht 
nur in echt brackischen, sondern auch in echt marinen. In Mähren gelang e$ 
mir, sie in mehreren Gebieten festzustellen, jedoch immer in den Sedimenten 
der jüngsten Tegel. Vom Ausland wird sie aus Wolhynien angeführt. 


Fig. 23. Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. Fig. 24. Hydrohia Frauenfeldi var. 
Triebitz. ?'/, vergróssert. Bohemica, Proch. Triebitz. ?"/, vergr. 


Hydrobia Frauenfeldi var. Bohemica, Procházka. Fig. 24. — Gleichzeitig mit 
den Gehäusen dieser Art habe ich aus dem Abtsdorfer und Triebitzer Tegel 
(aus der oberen als auch unteren Bank) schön erhaltene Gehäuse heraus- 
geschlemmt, von denen ich eins hier abgebildet habe. Diese Gehäuse zeichnen 
sich dadurch aus, dass ihre letzte, jüngste Windung mit einem scharf ausge- 
bildeten Ringe umwunden ist, auf dessen Oberfläche man bisweilen — aber nur 
unter einer starken Loupe — winzige Höckerchen beobachten kann. Dieser 
Ring erstreckt sich von der letzten Windung auf die vorletzte, wo er entlaug 
der Unternaht mit dieser parallel verläuft. Auf ältere Windungen geht der 
Ring nicht über. Dieses Merkmal ist allen gemeinsam. An einigen Gehäusen 
ist ein Uebergang von der typischen Н. Frauenfeldi zu unserer Variationen 71 
beobachten. Inbetreff der Grösse, Menge der Windungen, Gestalt und 
allen übrigen Eigenschaften , die erwähnten ausgenommen, weicht unsere Varietät 
von den Typen dieser Art nicht ab. 

Hydrobia concinna, Sowerby. (1856. Paludina concinna, M. Hoernes. Т. Theil, 
l. с. S. 581, Taf. XLVII., Fig. 17.) Diese seltene Art, die M. Hoernes nur aus 
den Süsswasserablagerungen von Moosbrunn anführt, die jedoch anderen Autoren 
aus dem franzósischen Miocaen bekannt ist, wurde diesmal in zwei Exemplaren 
gefunden, von denen das grössere besser erhalten ist als das jüngere, das 
wiederum eine unversehrte Aussenseite und eine glänzende Oberfläche der 
Wand besitzt. Beide Individuen sind normal gross. In unserem böhmischen 
Miocaengebiete scheint sich /7. concinna nur auf Abtsdorf zu beschränken, 
wo sie in der Austernbank entdeckt wurde. Es wurde wenigstens anderswo 
von ihr keine Spur gefunden. 

Melanopsis impressa, Krauss. (1856. M. Hoernes 1. c. I, S. 596, Taf. XLIX» 
Fig. 10. — 1860. А. E. Heuss, 1. c. S. 262.) Fig. 25. — Diese in den Congerien- 
ablagerungen überaus häufige Art kommt im Bereiche unserer bóhmischen 


d 


je 


miocaenen Dopöt, sowohl in brackischen als auch in marinen Sedimenten vor. 
In den brackischen Tegeln ist sie die gewöhnlichste Erscheinung, und zwar 
nicht nur im Rayon von Abfsdorf, sondern auch in dem von Triebitz, und 
namentlich hier ist sie, wie ich mich überzeugte, häufige. Auf diesen 
beiden Fundorten ist sie eine typische und zur Bestimmung des Facien- 
charters wichtige Art. Die dortigen Gehäuse sind von wechselnder Grösse. 


Fig. 25. Melanopsis impressa, Krauss. Abtsdorf. *5/, vergrössert. 


Man kann in ihnen ganze Entwiekelungsreihen von den winzigen bis zu den 
alten erwachsenen Individuen finden. Diese erinnern an Individuen der Conge- 
rienstufe, die sich von ihnen nur durch das untergeordnete Merkmal untenscheiden, 
dass sie dickere Wünde und eine aussergewóhnlich angeschwollene Aussenflüche 
besitzen. Doch gelang es mir nicht, sie im Rudelsdorfer Tegel sicherzustellen, 
obwohl sie eifrig gesucht wurde. Ich meine, das auch sie sich auf die dortige 
untere Tegelbank beschränkt, woselbst sie von Reuss ursprünglich gefunden 
wurde, 


Melanopsis tabulata, M. Hoernes. (1856, 1. с. S. 600, Taf. XLIX, Fig. 15. — 1860. 


А. E. Reuss, 1. с. S. 262.) A. E. Reuss führt diese sehr schöne Art aus dem 
Tegel von Rudelsdorf und Triebitz an. Mir ist es diesmal gelungen, ihre Ge- 
hüuse auf ihren bekannten Fundorten im Tegel von Abtsdorf, Schirmdorf, 
und Triebitz zu entdecken, aus dem Tegel von Rudelsdorf habe ich sie nicht 
her: 'ausgesehlemmt. Dagegen habe ich ihr Vorkommen im Abtsdorfer Tegel 
fe 'Stgestellt; wo sie bisher nicht entdeckt worden waren. Indem mir auch das 
Material unseres Museums vorlag, in welchem sich prächtig erhaltene Ge- 
häuse dieser Art aus Rudelsdorf befinde on, hatte ich die Gehäuse von M. ta- 
bulata aus allen unseren bis jetzt bekannten Miocaengebieten, das Gebiet von 
Böhmisch-Tr übau, wo bisjetzt keine Gastropoden gefunden worden sind, freilich 
Ausgenommen. Diese Art ist nach den bisherigen Erfahrungen sowohl in un- 
Seren marinen als auch brackischen Sedimenten sehr selten; viel seltener als M. 
inpressa, Meine Erfahrungen darüber bestütigen und ergünzen die Reuss'schen, 
deren Sinn derselbe wie der meinigen ist; der Umstand, dass die aus den brackischen 


8 


3 


114 


Tegeln ausgeschlemmten Exemplaren klein sind und dass die aus dem Rudelsdorfer 
Tegel stammenden Gehäuse grossen Individuen angehören, ist, gewiss interessant, 
wenn man früher ersehen hat, dass die Gehäuse aus beiden Facien eine gleiche An- 
zahl von Windungen, jedoch verschieden dicke Wände haben. Diese Abweichungen 
sind den Einflüssen von faciellen Umständen und Differenzen zuzuschreiben. 
Diese Ansicht wird auch durch einen weiteren Umstand bestätigt, dass die 
von M. Hocınes beschriebenen Gehäuse dieser Art, von denen der Autor die 
Bemerkung beifügt, sie seien in den Grunder Sand eingeschwemmt, inbetreff 
der Dimensionen mit den Rudelsdorfer congruent sind. Ausser unseren böhmi- 
schen Fundorten kennt man diese Art nur aus den Grunder Sanden. 


Bulla ef. miliaris, Brocchi. (1856, M. Hoernes, 1. c. І. S. 619. Taf. L, Fig. 3. — 


1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 262.) Die Form des Gehäuses, der Charakter der 
Oberflüche und des Mundrandes veranlassen mich, das vorliegende schadhafte 
Exemplar in den Bereich dieser Art zu stellen, deren typische Individuen 
A. E. Reuss schon im J. 1860 im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt hat. Es 
stammt aus dem Tegel der Abtsdorfer Austernbank. In den Gebieten des hei- 
mischen Miocaens ist B. miliaris namentlich aus den Sedimenten der Leitha- 
kalkfaeies und des Steinabrunner Mergels bekannt, aber auch hier selten anzu- 
treffen, Aus dem ayswärtigen Miocaen wird sie von Oastellarqnato angeführt. 


Bulla conulus, Deshayes. (1856, M. Hoernes, 1. 1. т. 620. Taf. L, Fig. 4. — 1800. 


A, Е, Reuss l. с. S. 262.) Im heimischen Miocaen viel weiter als die vorige 
Art verbreitet. Aber in unserem böhmischen Miocaengebiete ist es nicht der 
Fall, hier ist sie ebenso selten wie B. miliaris. Im Rudelsdorfer Tegel stellte 
diese Art bisjetzt nur A. E. Reuss sicher. Am häufigsten trifft man sie in den 
Steinabrunner Mergeln (Niederoesterreich), seltener in den Pötzleinsdorfer 
Sanden und Badener Tegeln, in diesen nur in vereinzelten Individuen. Das 
Miocaen von Siebenbürgen, Steiermark, Polen, Frankreich, Italien und Rhodus 
wird als ihr weiteres Gebiet angeführt. 


Bulla Brocchii, Michelotti. (1856. M. Hoernes, I. Theil l. c. S. 622, Taf. L; Fig 


6.— 1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 262.) Diese seltene Art, bisher aus den San- 
den von Niederkreuzstätten bekannt, entdeckte in unserem böhmischen Miocaen- 
sprengel bisjetzt nur A. E. Reuss, und zwar im Rudelsdorfer Tegel, wo er 
ihn als sehr selten fand. Die miocaenen Sedimente von Dax, Turin, Castellar- 
quato sind als ihr Gebiet bekannt. Heutzutage lebt sie im Mittelmeere. 


Bulla truncata, Adams. (1856. M. Hoernes, 1. с. I, 5. 621, Mat. :L, Fig, б, 


1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 262.) A. E. Reuss hebt von dieser Art hervon 
dass sie im Rudelsdorfer Tegel selten ist. Nach M. Hoernes ist sie im hei- 
mischen Miocaen überhaupt eine seltene Erscheinung, indem sie bisjetzt nu” 
bei Baden, Steinabrunn um Lapugy sichergestellt wurde. Im auswärtigen Mio- 
caen ist sie in den Sedimenten von Rhodus, Sutton, von dem St. Paul-Daxer 
Becken zuhause. Sie lebt in europüischen Meeren. 


Bulla Lajonkaireana, Basterot. (1856, M. Hoernes 1. Theil, 1. c. S. 624, Taf. L, 


Fig. 9. — 1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 262.) Diese rein brackische, in den Schich- 
ten der Sarmatischen Stufe in einer grossen Menge vorkommende und für 


dieselben bezeichnende Art entdeckte im ARudelsdorfer Tegel nur A. Jg еи 


115 


und zwar in einer bedeutend geringen individuellen Menge. Diesmal ist es mir 
nicht gelungen, im Schlemmrückstande auch nur eine Spur von ihr aufzufinden. 
Wie früher erwähnt worden ist B. Lajonkaireana in den Sarmatischen Sanden, 
namentlich in Südmühren, Niederoesterreich sehr häufig, ebenfalls ist sie im 
Tertiaer von Wolhynien, Podolien, Bessarabien, Morea und Rhodos häufig. 

Fissurella Italica, Defrance. (1856. М. Hoernes, 1. c. I, 641, Taf. L, 28. — 
1860. E A. keuss 1. c. S. 262.) Nur ein kleines, jedoch ziemlich gut erhaltenes. 
Bruchstück wurde diesmal im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer Tegels 
nachgewiesen. Auch Reuss bemerkt in seiner oben angeführten Arbeit, dass er 
diese Art in demselben Tegel sehr selten fand. Wie ersichtlich, bezeugt also 
auch mein jetztiges Resultat über die individuelle Menge dieser Art die 
Reuss’sche Ansicht. Im heimischen ausserböhmischen Miocaen ist F. Italica 
namentlich im Sande von Grund, Pötzleinsdorf, im Sandmergel von Porsten- 
dorf, dann im Mergel von Gainfahren und Steinabrunn verbreitet. Sie ist 
ferner weit und breit in den Schichten des südeuropäeischen Tertiaers verbreitet, 
wo sie auf zahlreichen Fundorten in Italien, Sicilien, Frankreich, Rhodus 
u. a. gefunden wurde, Sie lebt im Mittelmeere. 

Fissurella elypeata, Grateloup. (1856. M. Hoernes, 1. 644, Taf. L, Fig. 26.) 
Das dem Triebitzer Tegel ausgeschlemmte Gehäuse trägt alle typischen Merk- 
male dieser Art, weshalb ich es in ihren Bereich einreihe. Es ist jedoch sehr 
klein, wie von einem verkümmerten Individuum und hat bedeutend schadhafte 
Ränder, aber trotzdem fällt es nieht schwer es zu bestimmen. F. clypeata 
wurde im Sande von Pötzleinsdorf, im Mergel von Steinabrunn und im Tegel 
von Lapugy bestimmt, überall in einer unbedentenden individuellen Menge. 
Aus dem auswürtigen Miocaen wird sie von Frankreich angeführt (Touraine, 
Saucats nüchst Bordeaux). 

Puneturella ornata, Reuss. (1860. Cemoria ornata А. E. Reuss, 1. c. S. 261. Taf. 
ҮП, Fig. 5.) Nur ein Gehäuse dieser Art gelang es mir diesmal im Rudels- 
dorfer gelben Tegel zu finden. Leider ist es in kleine Stückchen zerfallen, 
Sobald der sie ausfüllende Tegel trocken und hart wurde. So dünn und zer- 
brechlich wurde das Gehäuse des erwähnten Individuum gefunden. Ein ähn- 
licher Vorfall dürfte auch A. E. Reuss vorgekommen sein, denn er schreibt, er 
lege das Bild dieser Art nur auf Grund grösserer Bruchstücke vor. Was die 
änssere Physiognomie der vorliegenden Bruchstücke betrifft, so kann man mit 
Recht behaupten, dass sie mit dem Charakter und der Beschreibung des von 
Reuss abgebildeten Exemplars übereinstimmt. 

Emarginula elathrataeformis, Eichwald. (1856. M. Hoernes. I. Theil, 1. c. S. 
645, Taf. І, Fig. 25. — 1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 261.) Ihre Gehäuse fand 
im marinen böhmischen Miocaen bis jetzt nur A. E. Reuss; er entdeckte sie 
im Rudelsdorfer Tegel in einer, wie er bemerkt, sehr unbedeutenden indivi- 
duellen Menge. Doch auch in den südlichen Gebieten des heimischen Miocaens 
ist diese Art selten. Die Sande von Pötzleinsdorf und Tegel von Lapugy 
werden als ihre Fundorte angeführt. Im auswärtigen Miocaen war sie früher 
aus den Sedimenten von Italien, Sieilien, Rhodos und Polen bekannt. 


8% 


Dentalium Badense, Partsch. (1856. M. Hoernes, 1. Theil, 1. c. S. 652, Taf. L, 


Fig. 30. — 1860. A. E. Reuss, l. с. S. 261.) Diese Art stellte im Audelsdorfer 
Tegel nur A. E. Reuss sicher. Er schreibt von ihr, sie sei dort sehr selten. 
Diese Erfahrung wird auch durch meine Resultate nuterstützt und bestätigt. 
Viel häufiger ist D. Badense im Miocaen von Mähren, Niederoesterreich, Polen, 
Ungarn und Siebenbürgen. Sein eingentliches Gebiet ist jedoch der Tegel der 
Badener Facies, in den Mergeln ist es selten. Darüber haben uns die Alten 
in dieser Hinsicht erzielten Resultate belehrt, und auch die neueren pflichten 
dieser Ansicht im vollen Masse bei. Wie bei uns ist diese Art auch im Miocaen 
von Italien, Sicilien und Deutschland verbreitet. 


Fig. 26. Dentalium mutabile, Doder), Fig. 27. Dentalium Jani, M. Ноегпев. 
Rudelsdorf. 1?/, vergrössert. Rudelsdorf. !?/, vergrössert. 


Dentalium mutabile, Doderlein. (1856. M. Hoernes, 1. c. I, S. 654, Taf. L. Fig. 


32. — 1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 261.) Fig. 26. — Diese Art ist im Rudels- 
dorfer gelben Tegel sehr selten. Diesmal wurde von ihr nur ein kleines Ge- 
háusefragment herausgeschlemmt. Ich halte es für ein Bruchstück und zwar 
für die Spitze von einem grösseren Gehäuse. Trotz seiner Kleinheit lässt uns 
das vorliegende Bruchstücklein keinen Augebliek im Zweifel, welcher Art es 
angehórt. Die Form, die Art der Berippung, der horizontale Durchschnitt und 
die äussere Strucktur, all das bezeugt einhellig seine Zugehörigkeit zu dieser 
Art. Die Gehäuse von D. mutabile werden aus den Mergeln von Steinabrunn, 


Gross-Selowitz, Borač und aus den Inseln Rhodos und Cypern angeführt. Es 
lebt im Mittelmeere. 


Dentalium Jani, M. Hoernes. (1856. I. Theil, l. c. S. 658, Taf. L, Fig. 37. — 


1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 261.) Fig. 27. — Im Rudelsdorfer Tegel ziemlich 
häufig. Bisher nur Fragmente herausgeschlemmt, doch sind diese hübsch und 
von fehlerloser Oberfläche. Beachten wir die Diemensionen dieser Fragmente, 
so ist es nicht schwer uns zu überzeugen, dass sie so grossen Gehäusen an- 
gehören, wie sie uns aus dem Tegel von Baden, Lapugy, aus den Mergeln 
von Steinabrunn, Nussdorf und Borač u. a. bekannt sind. Nach M. Hoernes 


auch im russisch-polnischen und italienischen Miocaen vorkommend. 


117 


Dentalium entalis, Linné. (1856. M. Hoernes, 1. с. I, S. 658, Taf. І, Fig. 38.) 
Es wurde diesmal im Rudelsdorfer Tegel zum erstenmale festgestellt. Es ist 
überhaupt im heimischen Miocaen selten; M. Hoernes führt es von Baden 
und Lapugy an. Die vorliegenden Gehäuse sind zum Theile schlecht fragmen- 
tarisch erhalten, doch leicht zu bestimmen. Dazu verhilft nicht nur die allge- 
meine Form des Gehäuses, sondern auch die äussere Structur. In dieser Hin- 
Sicht ist die Verwechselung dieser Art vieleicht mit D. Jani unmöglich. Im 
auswärtigen Tertiär ist D. entalis bedeutend verbreitet, es wurde im Gebiete 
von Frankreich, Italien, Sieilien, Rhodos, Algerien, England a. u. sichergestellt. 

Dentalium Miehelotti, M. Hoernes. (1856, 1. с. 8. 654, Taf. L, Fig. 33.) Bisher 
nur im Rudelsdorfer Tegelnur ein Bruchstück eines erwachsenen Individuums ent- 
deckt. Die Aussenseite des Bruchstückes zeichnet sich durch scharfe, einfache 
Kanten, glatte Felder und auf diesen durch feine parallele Furchen aus. Es 
Sind, wie ersichtlich, durchwegs typische Merkmale der Individuen vom Ba- 
dener Tegel oder Steinabrunner Mergel. 

Chiton fascicularis, Zinné var. (1860, A. E. Reuss, 1. с. S. 260, Tat. ҮШ, Fig. 4.—6.) 
Nur von Reuss im Hudelsdorfer gelben Tegel festgestellt. Philippi führt ihn aus 
den Tertiärablagerungen Siciliens an, während Wood ihn im Crag von Luxon 
bestimmt hat. Er lebt im Mittelmeere und in britischen Meeren. 

Chiton multigranosus, Reuss. (1868, 1. c. S. 259, Taf. VIII, Fig. 8, 9. Auch 
diese Art, wie die vorige, ist nur aus dem Rudelsdorfer Tegel bekannt, wo 
Sie A. E, Reuss zuerst entdeckt und beschrieben hat. Sie kommt dort sehr 
Selten vor. 


€ 4 
Fig. 28. Chiton denudatus, Reuss. Rudels- Fig. 29. Chiton Reussi, Proch. Rudels- 
dorf. 201. vergróssert. dorf. 201, vergrössert. 


ne 
Ühiton denndatus, Reuss, (1860, 1. с. 8. 259, Taf. ҮШ, Fig. 14, 15.) Diesmal 


Wurde aus dem Reudelsdorfer Tegel nur das hintere, Endsegment dieser inter- 
essanten Art ausgeschlemmt, Nach dem oralen Segment wurde vergebens 
geforscht. Das vorliegende, durch die Abbildung vorgeführte Segment, ist 
Prächtig erhalten, trotzdem es auf einer Stelle ein bischen schadhaft ist. Hier 
Sieht man bei einer starken Vergrösserung, dass die ganze Schale aus sehr dünnen 
Säulchen besteht, die so liegen, dass sie alle im Gipfel zusammenlaufen. In den 
linienfórmigen Furchen zwischen den Säulchen liegen winzige Löcher, über 
Welchen auf unversehrter Oberfläche sehr niedrige, leibformige Höckerchen 
Giton Ts wölben. | : | ' e 
Pidus, Reuss. (1860, 1. c. S. 259, Taf. ҮШ, Fig. 12, 13.) А. E. Reuss 
entdeckte von seinem Gehäuse im Rudelsdorfer Tegel nur ein Mittelsegment. 


118 


Auch diesmal wurde im Schlemmrückstande ein Mittelsegment gefunden, das 
ebenfalls prüchtig erhalten ist und an dem alle Merkmale vollkommen erkenn- 
bar sind, von welchen Reuss in seiner Beschreibung Erwähnung thut. Es sei 
jedoch hier bemerkt, dass das vorliegende Segment fast gerade und nicht, wie 
das Reuss'sche, bogenförmige Arme und eine mit höchst feinem Furchen von 
verschiedenen Richtungen und mit winzigen, in den Durchsehnittspunkten der 
Furchen ligenden Grübchen bedeckte Oberfläche besitzt. 

Chiton rariplieatus, //wss. (1860, 1. с. S. 257, Taf. 258, Fig. 10, 11.) Auch 
von dieser Art wurde bisher ein Mittelsegment festgestellt, welches im Rudels- 
dorfer Tegel А. E. Reuss entdeckte. Diesmal wurde von ihr keine kleinste 
Spur gefunden. 

Chiton sieulus, Gray? (1860, A. E. Reuss, l с. S. 257, Taf. УШ, Fig. ]— 50) 
Prüchtig erhaltene Segmente (beide Endsegmente und Mittelsegment) entdeckte 
A. E. Reuss im Rudelsdorfer gelben Tegel. Seit dieser Zeit wurde nach ihnen 
vergeblich geforscht. Welchen Erhaltungszustandes sich Reuss’ Material erfreut, 
wird am besten durch die Zeichnungen bezeugt, die er in seiner Arbeit über 
das böhmische Miocaen vorführt. 

Chiton decoratus, Reuss. (1860, l. с. S. 257, Taf. УШ, Fig. 7.) Ausser Mittel- 
segmentbruchstücken wurde von dieser interessanten Art nichts gefunden 
А. E. Reuss hat sie in der gelben Bank des Rudelsdorfer Tegels gefunden. 

Chiton Reussi, Procházka. Fig. 27. — Das hier abgebildete Hintersegment weicht 
von allen bisher bekanten Arten so wesentlich ab, dass es berechtigt erscheint, 
unter einem besonderen Namen angeführt zu werden, Es unterscheidet sich 
auffallend, und man kann es leicht an der üuseren Gestalt und der Oberfläche 
erkennen. Es ist verhältnissmässig stark gewölbt, am stärksten auf den beiden 
Seiten der Längsaxe, hinten durch einen mässigen Bogen beendet, vorne über- 
hoben und mit einem stumpfen Rande umrandet. Diesem Rande parallel verlaufen 
kleinere concentrische Streifen, deren innere Ränder das hintere Ende nichb 
erreichen, da sie allmälig verschwinden. Die Mitte des Segments ist stark ge- 
wölbt, ihre Oberfläche ist mit gleichen Rippen bedeckt, welche vom Hinter- 
'ande bis zur Peripherie des inneren Streifens hinziehen, wo sie dann allmälig 
zusammenlaufen. Mit diesen Rippen sind stärkere Rippen parallel, welche pa- 


rallel dem Vorderrande verlaufen. Über diese Rippen — parallel mit dem Hin- 
terrande — legen sich feine Streifen und verleihen dem Aeusseren des Seg- 


ments ein sehr zierliches Aussehen, Das orale und mittlere Segment ist 68 
nicht gelungen zu entdecken. 

Gastrochaena dubia, Pennant. (1860, A. E. Reuss, l.c. 8. 257. — 1870, M. 
Hoernes, 1. c. IL, S. 5, Taf. I, Fig. 4.) Diesmal in einem Korallenstock der Art 
Solenastraea tenera Rss. aus dem Tegel von Audelsdorf entdeckt. Auch A. Е. 
Reuss führt sie von da an. Doch ist es diesmal nicht gelungen, unversehrte: 
erhaltene Individuen zu finden, denn bereits im Stocke wurden die Schalen 
in Scherben zerschlagen gefunden. Die Grösse der letzteren weist darauf hin, 
dass die Rudelsdorfer Individuen kleinere Dimensionen hatten als die normalen, 
wie sie in Korallenstócken der Grunder Sande eingebohrt häufig vorkommen. 
G. dubia ist nicht nur in den heutigen Meeren, sondern auch in tertiaeren 


149 


Sedimenten bedeutend verbreitet; ihre Schalen besitzen die Mergel von Gain- 
fahren und Kalkburg, die Tegel von Lapugy; ausserdem sind sie aus den 
Sedimenten von Rhodos, Sicilien, Italien, der Schweiz, England (Lutton) bekannt. 
Im Mittelmeere und an britischen Küstend lebend. 

Teredo Norvegica, Spengler. (1870. M. Hoernes, S. c. II, S. 8. Taf. I, Fig. 5.) 
Fig. 30. — Zwei Arten von Bohrmuscheln: Saxicava ar i Г. sp. und Ca- 
strochaena dubia, waren bisher aus den marinen Sedimenten des böhmischen 
Miocaens bekannt. Beide hat darin A. E. Reuss entdeckt, und zwar im 
Rudelsdorfer Tegel. Fs ist gewiss interessant, dass es diesmal geglückt ist, im 
Schlemmrüekstande des Triebitzer und denn des Abtsdorfer Tegels zwei Schalen 
von Teredo Norvegica zu finden. Ihre Dimensionen sind kleiner, als die der 
von M. Hoernes angeführten Individuen. Nur die Abtsdorfer Schale ist gut 
erhalten, während die Triebitzer den Wirbel abgebrochen und die Ränder 
schadhaft hat. Die äussere Strucktur ist an beiden Schalen unversehrt. Diese 
Art führt M. Hoernes nur aus den miocaenen Schichten von Kalksburg bei 
Wien und Neudorf an, ferner aus der Umgebung vo Szobb in Ungarn, Rako- 
vica südlich von Belgrad in Serbien, Ottnang in Oberoesterreich. Früher war 
sie aus den miocaenen Sedimenten von Turin, St. Gall, St. Jean und Saucats 
nächst Bordeaux, Modena und Asti bekannt. Ebenfalls ist sie aus der Gegend 
von Sutton une Rumholt im Gebiete des englischen Crag bekannt. Sie lebt in 
allen Meeren Europas und an den Küsten Nordamerikas. 


Fig. 30. Teredo Norvegica, Spengl. Abtsdorf. */, vergróssert. 


N H 
Saxieava aretiea, Linné. (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 256. — 1870. M. Hoernes, 
IL 1. c. 8, 24, Taf. Ш, Fig. 1, д, mm Bisher wurde sie im Rudelsdorfer Tegel 
nur von A. E. Reuss sichergestellt. Mir ist es nicht gelungen, ihre Schalen 
dort zu entdecken. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie auch in unserem 
böhmischen Gebiete eben so selten ist, wie an den übrigen Fundorten, im hei- 
Mischen Mioe aen, wo sie entdekt ward im Tegel von Vöslau, im Mergel von 
Gainfahren und овен, im Sande von Pötzleinsdorf, Grund, im Mergel von 
Grinzing und Steinabrunn. Cr ag von Sutton und Antwerpen, Pliocaenschichten 
Siciliens, von Rhodus, Modena, ferner die Tertiärablagerungen von Asti, Turin, 
Castell'arquato und {schia werden als ihre weiteren Fundorte angeführt. Sie 
ist ferner in den nördlichen Meeren verbreitet, seltener kommt sie in den 
Bund n gemässigten Zonen, 2. В. im Mittelmeere, vor. 
1a spec. In dem ich nur vier ungenügend erhaltene Schalen besitze, 
vermag ich nicht zu entscheiden, ob sie einer neuen Art oder der 7* uniradiata 


120 


Drocc. angehóren, die aus den Sanden von Grund, Porstendorf und Ebersdorf 
bekannt ist uud dort nach M. Hoernes häufig vorkommt. Gegen die Ansicht, 
sie gehöre der hier angeführten Art an, sprechen einige Merkmale, unter denen 
die Gestalt der Schlosszähne und dann der Umstand die erste Stelle einnimmt, 
dass sie keine äussere Kante besitzen, indem sie eine sanftgewölbte und nur 
mit höchst feinen Zuwachsstreifen gezierte Aussenseite besitzen. Diese Um- 
stände haben mich dahin geführt, dass ich die Fragmente erwähnter Schalen 
hier unter dieser Überschrift angeführt habe. Nach den bisherigen Erfahrungen 
zu schliessen, sind diese Schalen in den Tegeln von Abtsdorf und Triebitz 
verhältnissmässig selten, denn sie wurden darin erst nach einem langen Suchen, 
wie schon früher erwähnt, nur in wenigen Exemplaren gefunden. Das Vorkommen 
von Vertretern der Gattung Psammobia findet sich übrigens in der genauesten 
Übereinstimmung mit dem übrigen Charakter der Fauna sowohl der Abtsdorfer 
als auch der Triebitzer Tegel. Auch sie sind ein Beleg dafür, dass die Schicht, 
wo ihre Schalen vorkommen, in einer mässigen Tiefe, in der Nähe der Küste 
oder in einer Bucht mit brackischem Wasser abgelagert wurde. 


Corbula gibba, Olivi. (1860, A. Е. Reuss, 1. с. S. 256. — 1870. M. Hoernes, 


l. c. IL, S. 3, 4, Taf. IIL, Fig. 7.) Hübsch erhaltene Schalen von dieser Art 
können ausser dem Ztudelsdorfer auch in dem Schirmdorfer und Abtsdorfer Tegel 
gefunden werden. Es ist also interessant, dass diese Art sowohl in marinen, 
als auch in echt brackischen Sedimenten vorkommt. Reuss war diese Art nur 
aus dem Rudelsdorfer Tegel bekannt. Es sei hervorgehoben, dass die Rudels- 
dorfer Schalen in allen Merkmalen mit den anderwärtigen Individuen sowohl 
aus den mährischen als auch niederoesterreichischen Fundorten übereinstimmen. 
Im gefundenen Material gibt es verschieden grosse Individuen, jedoch die 
kleineren herrschen vor, aber ich zweifle nicht, dass es im Tegel von Rudels- 
dorf auch so grosse Individuen gibt wie z. B. in dem von Baden. Mann muss 
nur intensiver suchen, um si zu finden. Inbetreff der Verbreitung dieser Art 
im heimischen Miocaen soll auch hier bemerkt werden, dass sie eine sehr 
grosse ist. C. gibba kommt fast überall vor, sowohl in der tegeligen, als auch 
in der mergeligen und Leithakalkfacies vor. Dasselbe ist auch von ihrer hori- 
zontalen Verbreitung zu erwähnen. Aus unserem böhmischen Gebiete geht sie 
nach Mähren, von dannen nach Nieder- und Oberoesterreich, Galizien, Ungarn, 
Siebenbürgen, Serbien u. s. w. über. Ferner wurde sie im Tertiaer von Frank- 
reich, Belgien, England, Italien, Sicilien, Algerien entdeckt. Sie lebt in euro- 
päischen Meeren an den Küsten. 


Corbula carinata, Dujardin. (1860, A. E. Reuss, 1. c. S. 256. — 1870. M. Hoernes, 


II. 1. с. S. 36, Taf. IIL, Fig. 8.) Fig. 31. — Schön erhaltene Schalen von dieser 
Art kann man im Tegel von Ztudelsdorf in ziemlicher Menge finden. Sie scheinen 
dort häufiger zu sein als die Schalen der C. gibba. Es ist zugleich interessant, 
dass es mir gelungen ist, eine Schale der vorliegenden Art auch im dem Abts- 
dorfer, unter dem dortigen diluvialen Schotter abgelagerten Tegel zu finden. 
hudelsdorfer Schalen weichen durch nichts, auch nicht durch das kleinste 
nebensächliche Merkmal, von Schalen aus anderen Fundorten ab. Wie die 
vorige ist auch diese Art im heimischen Miocaen, sehr vertreitet, wo sie in 


H 


121 


den Sedimenten der Leithakalkfacies, namentlich bei Steinabrunn die stärkste 
Entfaltung erreicht. Im mährischen Miocaen ist sie verhältnissmässig selten. 
Man kennt sie von Steinabrunn, Gainfahren, Enzersdorf, Kienberg, Grund, 
Niederkreuzstütten, Forchtenau, Mattersdorf; ausser dem wurde sie ferner im 
Mioeaen von Ungarn, Steiermark, Krain, Siebenbürgen, Serbien, Frankreich und 
Italien entdeckt. 


Fig. 31. Corbula carinata, Dujard. Abtsdorf. */, vergróssert. 


*; Maetra 1 agilis, Procházka. Fig. 32. — Unter diesem Namen führe ich hier 


eine Art an, von welcher man ein endgiltiges Urtheil zu füllen im Stande 
sein wird, bis erhaltene, unversehrte Individuen vorliegen werden. Doch auch 
am vorliegenden schadhaften Material ist es nicht schwer, Abweichungen kennen 
Zu lernen, durch welche sich diese Art von den verwandten unterscheidet. 
Diese Differenzen sind im ersten Augenblicke auffallend, ihr Gewicht wird 
von dem ligamentaren Flügel erhöht. — Dieser nimmt an Gewicht ab, sobald 
Wir zu dem eingenthümlichen Charakter des Schlosses den Blick wenden. 
Dieses trägt den Charakter einer Übergangsform — den Gattungen 
Syndosmya und Mactra tief eingeprägt. Inwieweit es dieser oder jener ent- 
Spricht, kann ich vorläufig aus oben erwähnten Gründen nicht entscheiden. 


Fig. 32. ? Mactra fragilis, Proch. Triebitz. */, vergróssert. 
а rechte, b linke Klappe von innen, c linke Klappe von aussen. 


Auf diese Fr ragen 
durch sorgfältiges 


gibt ein erhaltenes Material eine klare Antwort, das man 
EE Schlemmen einer grossen Menge von Tegel gewinnt. Man 

n deshalb sorgfältig vorgehen, weil die Schalen dieser Art sehr dünn 
sind, so dass sie bei dem kleinsten penale zerbrechen und zerbróckeln. Nach 


meinen bisherigen Erfahruugen ist diese Art für eine echt brackische zu halten. 
Sie wurde aus dem Tegel von Triebitz und Abtsdorf herausgeschlemmt, während 
im Rudelsdorfer Tegel von ihr keine Spur zu bemerken war. 


Venus fasciculata, Reuss. (1860. Cytherea fasciculata А. E. Reuss, 1. е. S. 254, 


Tat. VL, Fig. 7. — 1870. M. Hoernes, 1. с. IL, S. 128, Taf. XIIL, Fig. 09 
Fig. 33. — Ich habe hier eine rechte Schale eines ganz jungen Individiums 
abgebildet. Ich habe dies absichtlich gethan, in dem ich die demselben eigen- 
thümlichen, von den Merkmalen der Schale eines alten Individiums etwas 


Fig. 33. Venus fasciculata, Reuss. Rudelsdorf. ??/, vergróssert. Linke Klappe von aussen. 


abweichenden Merkmale hervorheben wollte. Diese untergeordneten Abwei- 
chungen bestehen darin, dass die Aussenseite der Klappe nicht nur mit stark 
sich abhebenden Zuwachsleisten, sondern auch mit feinen Streifen bedeckt ist, 
welche letztere in den Zwischenräumen, früher bezeichneten starken Streifen 
oder Leisten eingeschlossen sind. Wie schon bemerkt wurde, sind diese Ab- 
weichungen von einem untergeordneten Charakter, und ich lege ihnen keine 
Wichtigkeit bei, immerhin ist es aber erforderlich, auch sie nicht zu über- 
gehen. А. E. Reuss und nach ihm M. Hoernes zeichnen in den angeführten 
Arbeiten ganz erwachsene Individuen. Diese Art wurde zuerst von A. Æ. Reuss 
im Miocaendepöt von Rudelsdorf entdeckt, später fand man sie auf verschie- 
denen Orten im ausseralpinen Miocaenbecken, z. B. bei Grinzing, Gainfahren, 
Enzesfeld, Steinabrunn, Porzteich, Grund, Niederkreuzstütten und Forchtenau. 
Aus den ausserwürtigen Ablagerungen ist sie von Bordeaux bekannt. Auch in 
Ungarn, und zwar in den Tegeln von Szobb und dann in Siebenbürgen, in den 
Tegeln von Lapugy, wurde sie sichergestellt. 


Venus multilamella, Lamarck. (1860. Cytherea multilamellata Reuss, 1. c. 8. 252. 


— 1870. V. multilamella М. Hoernes, 1. с. II., S. 130, Taf. XV., Fig. 2, 3.) 
Diese im heimischen Miocaen weit und breit verbreitete Art kommt im böhmi- 
schen Miocaen nur im Tegel von Rudelsdorf, und zwar sehr selten vor. Diesmal 
gelang es nicht, im denselben Tegel und auch nicht anderswo im böhmischen 
Gebiet ihre Schalen zu entdecken. Sie ist für die Tegel- und Mergelfacies 
charakteristisch, dagegen kommt sie in der Sandfacies nur vereinzelt vor. 
Fundorte gibt es in einer grossen Menge, hier seien nur die typischen ange 
führt: Grinzing, Gainfahren, Enzesfeld, Vóslau, Baden, Grund (Niederoester- 


193 | 


reich), Szobb (Ungarn), Grussbach, Drnovice, Borač (Mähren). Meissan, Aust- | 
'ank, Ottnang (Oberoesterreich); Lapugy (Siebenbürgen), Korytnice (Polen). | 
Ausser dem ist sie aus den tertiaeren Ablagerungen von Rhodos, Corfu, Si- | 
Gillen, Italien, der Schweiz, Algerien u. a. bekannt. | 
Venus Basteroti, Deshayes. (1810. Venus Brongniarti A. E. Reuss, 1. c. S. 251. | 
1870. V. Basteroti M. Hoernes, IL, 1. c. S. 180, Taf. AV., Fig. 9.) Aus der | 
Reuss'schen Reschreibung schliesse ich wieder, dass Reuss ein hübsch erhaltenes | 
Material dieser Art gehabt hat. Mir mangelt es fast an demselben. Es gelang \ 
mir nicht, im Schlemmrüekstande mehr als eine nicht allzu gut erhaltene Klappe | 
finden. Sie hat einen vorne schadhaften Капа und gehórt ausserdem einem 
jungen Individuum an. Trotzdem kann man aber ziemlich leicht erkennen, dass 
Sie der Merkmale nicht entbehrt, von denen Reuss spricht und die М. Hoernes 
in seiner Monographie der fossilen Mollusken des Wiener Tertiaerbeckens er- 
wähnt. Auf zahlreichen Fundorten wurde diese Art im heimischen Miocaen 
in der Umgebung von Grund, Gainfahren, Enzesfeld, Pótzleinsdorf, Speising, 
Ebersdorf, Kienberg, Porstendorf und Ritzing, von wo sie M. Hoernes anführt, 
Sicher gestellt. Ausserdem erwähnt derselbe Autor, dass sie in den Tertiaerablage- 
rungen von Turin, Pont-Cevoy (Italien), Pölt (Steiermark), Králová und Ne- 
mesest (Ungarn), Lapugy und Bujtur (Siebenbürgen) vorkommt und fügt hinzu, 
Sie sei auch aus Polen (Korytnice) und aus Wolhynien (Szuszkowce und Bialo- 
zurka) bekannt. 
Cythere ea sp. Das vorliegende Bruchstüc k, das aus dem gelben Tegel von Rudels- 
dorf her: ausgeschlemmt wurde, beweist seine Zugehörigkeit zur Gattung Cytherea. 
Für diese Ansicht zeugen alle Eigenschaften seines Aeusseren. Aber kein ein- 
Ziges von diesen Merkmalen erlaubt, die Artengruppe richtig zu bestimmen. 
In Anbetracht dieses Umstandes begnüge ich mich mit der eben gemachten 


e Bemerkung. 
Iree minima, Montagne. Fig" Cytherea Cyrilli Reuss, 1. c. S. 256. — 1870. 
C. minima М. Hoernes, 1. c. IL, 158, Taf. XIX., Fig. 5.) A. E. Reuss hat diese 


Art im Rudelsdorfer = "— sichergestellt. Er schreibt, sie sei dortselbst 

Sehr häufig. Diesen Bericht kann ich derzeit nicht bestätigen. Meinen Erfah- 

tungen gemäss ist sie im gelben Tegel eine seltene Erscheinung und ist durch 

kleine und gleichzeitig durch grosse Individuen vertreten. Von diesen letzteren 

Scheint es eine viel grössere Menge zu geben. Ausser dem Rudelsdorfer Tegel 

habe ich diese Art auch aus dem Abtsdorfer herausgeschlemmt, von wo ein 

kleines, schadhaftes, jedoch ziemlich gut bestimmbares Individuum stammt. 

| C. minima ist gewissermassen eine für die Leithakalkfacies bezeichnende Art, 

$ 816 kommt in deren Ablagerungen verhältnissmässig häufig vor. Dasselhe gilt | 
auch von der Facies der Steinabrunner Mergel, in denen ihre Schalen eine | 

Ziemlich häufige Erscheinung sind; im Tegel der Badener Facies ist sie da- 

Segen selten. Sie ist im heimischen Miocaen weit und breit verbreitet. Als ihre 

typischesten Fundorte sind die Umgebungen von Steinabrunn, Gainfahren, Grund, 

Baden, Pötzleinsdorf (Niederoesterreich), Nikolsburg, Grussbach, Drnovice und 

Bora& in Mähren; Forehtenau, Ritzing und Hidas in Ungarn; Lapugy und 

Bujtur in Siebenbürgen: Holubice, Alesz in Galizien zu bezeichnen. Ausserdem 


124 


ist sie aus den Kalamaker (Griechenland), schweizerichen, italienischen und 
belgischen Tertiaerablagerungen bekannt. Sie lebt im mittelländischen und bri- 
tischen Meere. 


Tellina sp. Aus dem bläulichen Tegel von Triebitz, und zwar aus der oberen 
Bank, wurden drei Schalen herausgeschlemmt, von denen kein Zweifel besteht, 
dass sie einer Art der Gattung Tellina angehüren. Welcher Art sie jedoch 
unterzuordnen sind, darüber lassen sie uns im Zweifel. Erst ein künftiges 
Studium von einem reicheren Materiale wird im Stande sein, darüber eine 
richtige Antwort zu geben. Vorläufig ist es gewiss interessant, wenn wir in 
diesen Bruchstücken vertreter der Gattung Tellina sicher gestellt haben, von 
welcher man bisher nicht gewusst hat, dass sie auch in unserem böhmischen 
Miocaensprengel vertreten ist. 


/ardium papillosum, Poli. (1860. Cardium punctatum А. E. Reuss, 1. c. S. 246. 
— 1870. C. papillosum М. Hoernes, 1. c. II., 191, Taf. XXX., Fig. 8.) Im Ganzen 
drei Bruchstücke von verschiedenen und verschiedenalterigen Schalen wurden 
diesmal aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf und eine winzige Schale aus 
dem Tegel von Schirmdorf herausgeschlemmt. Zwei Bruchstücke haben ein 
gut erhaltenes Schloss, das dritte, grösste, zwar ein abgebrochenes, doch bieten 
diese Fragmente die übrigen Merkmale der Schale prächtig erhalten dar. Das 
erwühnte Fragment ist ein hinreichender Beleg für die Ansicht, dass sich die 
Individuen dieser Art von Rudelsdorf inbetreff des Aeusseren der Schalen von 
den Individuen aus den südlichen Fundorten des heimischen Miocaens in nichts 
unterscheiden. Indem ich auch dieses Bruchstück beachte, meine ich, dass 
auch in der Grösse kein Unterschied besteht. Diese Art ist in den Sedimenten 
des heimischen Miocaens ziemlich verbreitet. Einer individuellen Menge erfreut 
sie sich nur in der sandigen und sandig-mergeligen Facies, während sie in 
der mergeligen und tegeligen selten ist. Von Böhmen kann man sie in die 
Ablagerungen von Mähren (Borat, Drnovice), von da in diejenigen von Nieder- 
oesterreich (Steinabrunn, Niederleis, Gainfahren, Vöslau u. a.), von Ungarn 
(Krälovä, Hidas), Siebenbürgen (Lapugy, Bujtur), von Polen, Wolhynien, Frank- 
reich, Italien, Sicilien, Rhodus und Griechenland verfolgen. 


Cardium Opatovense, Procházka. Fig. 34. — Wenn wir nur Bruchstücke dieser 
Art vor uns haben, erinnern uns dieselben lebhaft an C. edule L. Gewiss anders 
werden sie uns erscheinen, wenn es gelungen ist, aus den Tegeln von Abtsdorf, 
Triebita und Schirmdorf ganze Schalen herauszuschlemmen. Bereits hier sei 
bemerkt, dass es derselben sehr wenige gibt, viel mehr Bruchstücke und schad- 
hafte Schalen. Dass wir nur Fragmenten begegnen, erklüren wir uns gleich, 
wenn wir ihre äusserst dünne Wände kennen gelernt. Das war auch die Ur- 
sache davon, dass ich genöthig wurde, hier Schalen von jungen Individuen 
abzubilden. Ich habe es auch darum gethan, um ein vollständiges Bild dieser 
hochinteressanten Art zu geben. Die Figur 34 0 stellt eine linke Klappe, die 
Figur 34 a eine rechte Klappe und zwar von einem älteren Individuum vor. 
Die Schalen sind länglich-elliptisch, nach hinten ziemlich schwach gestreckt 
und hier merklich breiter als vorne. Der vordere Rand ist stärker bogenförmig 


als der hintere, der ventrale müssig. Die Aussenseite der Klappe zieren stark 
hervortretende, rundliche, durch rinnenförmige Furchen getrennte Rippen. An 
der Innenseite der Schale entsprechen diesen Rippen Rinnen, die an Tiefe 
und Breite abnehmen, je mehr sie sich dem Wirbel nähern. Ich habe an den 
vorliegenden Individuen 20—24 solche Rippen gezählt. Die stärksten befinden 
Sich in der Mitte der Schale, viel schwächere im Vorder- und Hintertheil. 


Fig. 34. Cardium Opatovense, Proch. Abtsdorf. ?/, vergróssert. 
а äussere, b innere Ansicht der Schale. 


Unter Beachtung der Dimensionen der Rippen kann man die Oberfläche der 
Schale in drei Felder theilen, von denen das mittlere immer als das grósste 
erscheint. Auf diesem Felde sind die hippen nicht nur am stürksten, sondern 
auch durch breiteste Furchen von einander getrennt. Hier finden wir den Unter 
Schied in der Grósse der Rippen am grössten und am auffalendsten. Diese An- 
ordnung von Rippen erinnert sehr lebhaft auf eine ganz ähnliche Rippenan- 
Ordnung bei dem C. plicatum Eichw. aus den sarmatischen Sanden und ist 
mit dieser ebenso congruent, wie sie von derjenigen der marinen Miocaenarten 
abweichend ist. Über die Buppen und Furchen ziehen feine, sehr dünne und 
niedrige Lamellen hin, welehe sich nur auf dem Rücken der Rippen schwach 
emporheben und der Oberfläche der Schale ein zierliches Aussehen verleihen. 
Diese Lamellen sind so fein, dass eiue starke Vergrösserung zur deutlichen 
Beobachtung derselben nóthig ist. Das Schloss der linken Klappe besteht aus 
emem schwachen Zahn, dem in der anderen Schale ein Grübehen entspricht, 


und aus zwei Seitenzühnen, gegen welche eylinderförmige Leisten zulaufen. 
Die hier eben hervorgehobenen Merkmale charakterisieren diese Art und ziehen 
ihre Grenze mit scharfen Contouren. Alle bestätigen die Ansicht, dass sie eine 
Теш brackische Art ist, was übrigens auch durch den Umstand bezeugt wird, 
dass ihre Schalen bisjetzt nicht in den typischen marinen Ablagerungen von 


Y d H DH B a D . 
Rudelsdors, sondern bloss in den brackischen bei Abtsdorf und Triebitz entdeckt 
worden sind. In diesen Sedimenten dürfen sie ziemlich häufig sein, was we- 


C Nigstens durch die Menge der von hier stammenden Bruchstücke bezeugt wird. 
han А S 
ama Styphoides, Linné. (1860. Chama asperella A. E. Reus, 1. c. S. 421—1810., 


ze 9ryphoides M. Hoernes, 1. c. S. 210, Taf. XXXI, ig. 1) ТӨЗ a 
Sieben schön erhaltene Exemplare dieser interessanten und verbreiteten Art 


1 aus dem Rudelsdorfer Tegel werden in den Sammlungen der geologischen 
er böhmischen Universität aufbewahrt. Es ist sonderbar, dass sechs 


Anstalt q 


126 


davon linke Schalen sind und nur eine rechte. Zwei gehören erwachseneren 
Individuen an (die grösste ist 28'D mm breit), die übrigen jungen. Diese Indi- 
viduen machen auf den ersten Blick den Eindruck, als ob sie der in den 
Mergeleinlagerungen des Leithakalkes, namentlich im Drnovicer Mergel (West- 
mähren) häufigen Art Ch. Austriaca angehörten. Doch nur für einen Augen- 
blick. Betrachten wir schürfer ihre Eigenschaften, so überzeugen wir uns bald, 
dass sie die Merkmale der Art Ch. gryphoides stark ausgeprügt tragen. Ihre 
Oberfläche ist mit dachförmig übereinander gelagerten, am Ende rinnenför- 
migen Platten bedeckt. Solche gefaltete Platten trägt nur die Oberfläche Ton 
jungen Individuen. An alten Schalen sind grossentheils ebene und nur an den 
Rändern rinnenfórmig gefaltete Platten zu sehen, die sich als eine grössere 
Menge von verwachsenen jüngeren Lamellen darstellen. Das hier abgebildete 
Exemplar ist jung; ich habe es stärker vergrössert als es in der Hoernes 
schen Monographie ist, um die Lage des Schlosses, der Muskeleindrücke und 
ausserdem auch des Mantelrandes genau einzeichnen zu kónnen. Aus Reuss 
Erfahrungen und theilweise auch aus dem hier angeführten Materiale ZU 
schliessen, kann man nieht umhin, diese Art als eine im Rudelsdorfer Tegel 


Fig. 35. Chama gryphoides, Linné. Rudelsdorf. Junges Individuum, */, vergróssert. 


häufige anzusprechen; ihre Schalen erfreuen sich hier einer wirklich seltenen 
Erhaltung. Unter Beachtung der vorliegenden Schalen bestehe ich ferner 
darauf, dass auch um grosse Schalen von alten Individuen keine Noth wire: 
natürlich wenn eine grössere Menge vom Rudelsdorfer Tegel, als bisher, 8018” 
fältig untersucht worden wäre. Die horizontale Region der Chama gryphoides 
im heimischen Miocaen ist eine in jeder Hinsicht bedeutend grosse. Ihre 
Blüthezeit erlebte sie ohne Widerrede in der Facies der Leithakalke UP 
Mergel, eine viel geringere Entfaltung in den Sanden. In den in die Bänke 


121 


von Leithakalk eingelagerten Mergeln ist sie eine gewöhnliche Erscheinung, 
80 z. D. bei Steinabrunn, Gainfahren u. s. w. Seltener ist sie in den Sand- 
mergeln, z. В. in der Umgebung von Grussbach. In den Sanden des Horner 
Beckens wurden ihre Schalen in den Ablagerungen von Molt und Dreieichen 
sichergestellt. In West- und Nordwest-Mähren ist sie sehr selten. Aus Nieder- 
oesterreieh kann man ihre Spuren in das Miocaengebiet von Steiermark 
verfolgen, wo sie in der Leithakalkfacies der Gegend von Wildon entdeckt 
wurde. Ferner ist si aus Galizien, Wolhynien, Podolien und Siebenbürgen 
bekannt. Im Süden verbreitet si sich in den Tertiaerablagerungen von Rhodos, 
Korinth, Sicilien, Süd- und Mittel-Italien, von wo sie dann in das Miocaen 
Frankreichs übergeht. Heutzutage lebt sie in Mittelmeere. 


Lucina miocaenica, Michelotti. (1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 246.—1870. M. 
Hoernes, II. Theil 1. c. S. 228, Taf. XXXIII, fig. 3.) Sie ist bekanntlich in den 
Miocaenen Sanden der Gegend von Grund und Grussbach häufig, während sie 
in den Tegeln und Mergeln eine sehr seltene Erscheinung ist. Im Rudelsdorfer 
Tegel entdeckte sie nur Reuss. Er fand, wie er mittheilt, kleinere Exemplare, 
als ihm aus dem Tegel von Vöslau und Szobb vorlagen. Ausser den erwähnten 
Fundorten ist diese Art auch im Miocaen von Spielfeld (Steiermark), Asti 
und St. Jeane de Marsae zuhause. 


Lucina Dujardini, Deshayes. (1870 М. Hoernes 1. c. IL, S. 235, Taf. XXXIII., 
fig. 7. — Bisher wurden drei Schalen dieser interesanten Art, deren 
Region die Sandfacies ist, herausgeschlemmt. Die Rudelsdorfer Schalen, bis 
auf eine rechte, sind schadhaft, doch ist dafür diese vortrefflich erhalten. Sie 
gehört einem kleineren Individuum an als z. B. aus den Sanden von Grund 
bekannt sind. In den Mergeln und Tegeln ist L. Dujardini sehr selten. Bisher 
kennt man sie aus der Gegend von Grund, Niederkreuzstütten, Ebersdorf, 
Kornabrunn, Pótzleinsdorf, Vóslau, Grussbach, Porstendorf, Ottnang. Ferner ist 
sie aus den Tertiaerablagerungen von Wolhynien und Frankreich bekannt. 


Lucina spinifera, Montagne. (1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 947, — 1810. M. 
Hoernes, VI. Leg 236, Taf. XXXIII, fig. 8.) Schón erhaltene Schalen dieser 
Art gelingt es sehr selten aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf herauszuschlem- 
шеп. Bruchstücke gibt es dort jedoch ziemlich genug. so dass es wahrschein- 
lich ist, dass diese Art einer im Rudelsdorfer Tegel zahlreich vertretenen 
Gruppe angehört. Schalen von alten Individuen kann man gleichzeitig mit 
denen von Jungen herausschlemmen. Ausser typischen Individuen gibt es im 
Rudelsdorfer Sprengel auch abweichende Exemplare, die den vorderen Schloss- 
rand gebogen zeigen. Lucina spinifera ist im heimischen Miocaen ziemlich 
selten. Sie kommt sowohl in der tegeligen (Baden, Möllersdorf, Lažánky), als 
auch in der mergeligen (Grinzing, Steinabrunn, Niederleis, Kienberg, Porsten- 
dorf) und sandigen Facies (Grund) vor. Ebenfall sist sie im Miocaen von Ungarn 
und Siebenbürgen und in den Tertiaerablagerungen von Rhodos, Frankreich, 
der Schweiz, Italien zuhause. Sie lebt an der Küste von Nord-Skandinavien, 
Schottland, England (im Canal la Manche), Portugall, im  Mittelmeere 

5. ү. 


128 


Lucina dentata, Basterot. (1860 A. E. Reuss, 1. с. S. 246—1870. M. Hoermes, 
l e. IL, S. 288, Taf. XXXIII, fig. 9.) Nach A. E. Reuss ist sie im Rudels- 
dorfer Tegel selten. Trotzdem sie auch diesmal sorgfältig gesucht wurde, 
gelang es nicht sie zu entdecken. Ich schliesse daraus, dass man auch 
künftighin die Ansicht Reuss' über ihr Vorkommen in unserem Miocaengebiet 
beibehalten muss. L. dentata ist in den Mergeleinlagerungen des Leithakalkes 
und dann in den Sanden häufig; in den Tegeln ist sie dagegen sehr selten. 
Sie wurde im heimischen Miocaen auf zahlreichen Fundorten sichergestellt, 
von denen die typischesten hier kurz angeführt werden sollen. Steinabrunn, 
Gainfahren, Niederkreuzstütten, Loibersdorf, Grund. (Niederoesterreich). Por- 
stendorf und Grussbach. Aus den mährischen und niederoesterreichischen 
miocaenen Sedimenten geht sie in die steiermärkischen, ungarischen, sieben- 
bürgischen und wolhynischen über und ist auch aus dem Tertiaer von Frank- 
reich, von der Schweiz und Italien bekannt. 

Lucina Agassizii, Michelotti. (1860 L. irregularis A. E. Reuss l c. S. 247, 
Taf. IV, fig. 5. — 1870 L. Agassizüi, M. Hoernes 11. 1. с. S. 239, Taf. XXXIII, 
fig. 10.) Die vorliegende Klappe, die aus dem gelben Rudelsdorfer Tegel heraus- 
geschlemmt wurde, ist trotz dem apgebrochenen Schlosse 5 mm hoch. Wie 
ersichtlich, gehört sie einem erwachsenenen Individuum an, dessen Dimen- 
sionen denen der von M. Hoernes beschriebenen Individuen gleichen. Ihre 
Merkmale, inwieweit sie erhalten und deutlich sind, weichen auch nicht 
im Kleinsten von den Merkmalen der aus südlicheren Fundorten des 
heimischen Miocaens stammenden Individuen ab. Aus dem Rudelsdorfer 
Tegel geht diese Art in die Mergel und Tegel von Niederoesterreich über, in 
denen sie in der Gegend von Gainfahren, Steinabrunn, Kienberg und Baden 
entdeckt wurde, und von dannen in die steiermärkische Leithakalkfacies und 
in den Tegel von Lapugy in Siebenbürgen. Ausser dem ist sie aus dem 
Tertiaer von Wolhynien, von der Schweiz und von Italien bekannt. 


Fig. 36. Lucina strigillata, Reuss. Rudelsdorf. 
a rechte Klappe von aussen */, vergrössert, b dieselbe von innen D, vergrössert. 


Lucina strigillata, Reuss. (1860, 1. с. S. 246, Taf. IV., Fig. 6. — 1870, M. Hoernes 
l. с. S. 240, Taf. XXXIII., Fig. 13.) Fig. 36. — Auch diesmal ist es gelungen, 


129 


diese Art im Tegel von Rudelsdorf sicherzustellen. Ausser zwei Bruchstücken 
mit einer hübsch erhaltenen Oberfläche wurde darin eine vollkommen erhaltene 
Schale eines jungen Individuums gefunden, an welcher, wie an der Abbildung 
ersichtlich, alle Merkmale der typischen Formen sich finden. Aber trotz diesen 
wechselseitigen Übereinstimmungen trägt sie dennoch ein Merkmal, das unter 
anderen Umständen zur Aufstellung einer selbständigen Species verführen 
möchte. Diese Abweichung besteht in der Form der abgebildeten Schale, welche 
anstatt eines ovalen einen etwas stärker in die Breite ausgezogenen Umriss 
besitzt, und ferner darin, dass ihr vorderer Schlossrand eingebogen ist, was 
bei den typischen Individuen nicht der Fall ist; diese haben einen fast ge- 
raden vorderen Schlossrand. Ich begnüge mich mit dieser Bemerkung und 
hoffe, dass es in der Zukuft noch besser begründet wird. L. strigillata ist eine 
im heimischen Miocaen sehr seltene Art ausser dem Rudelsdorfer Tegel 
wurde sie bisher nur im sandigen Mergel von Forchtenau entdeckt. 


Lucina exigua, Eichwald. (1860 A. E. Reuss, 1. с. S. 246. — 1870 M. Hoernes 


II. Theil, l. c. S. 243, Taf. XXXIIL, Fig. 12.). Die kleinen Schalen von dieser 
Art sind nach den bisherigen Erfahrungen in den dem Leithakalke einge- 
lagerten Mergeln am häufigsten, namentlich in der Umgebung von Steinabrunn, 
in Tegeln der Gegend von Nikolsburg, Olmütz und Grussbach in Mähren; 
Niederleis, Grund in Niederoesterreich ; Forchtenau und Ritzing in Ungarn 
entdeckt. In West- und Nordwestmühren sind sie, falls sie dort überhaupt 
vorkommen, sehr selten. Wie man schliessen darf, ist diese Art auch im Rudels- 
dorfer Tegel sehr selten, denn A. E. Reuss schreibt diesbezüglich, er habe 
Sie dortselbst sehr selten gefunden. Ich füge hinzu, dass es diesmal, trotzdem 
nach ihren Schalen sorgfältig geforscht wurde, nicht gelang, auch nur eine 
Spur von ihnen zu entdecken. 


Fig. 37. Erycina Bohemica, Proch. Rudelsdorf. *°/, vergróssert. Linke Schale. 


Erycina Bohemica, Procházka. Fig. 37. — Die Schale hat eine fast elliptische 

Gestalt, ist verhültnissmüssig stark gewölbt, symmetrisch, und an beiden Seiten 

8erundet. Die Oberfläche ist glatt, stark glänzend, und nur unter einer starken 

Loupe sehen wir daran sehr schwache Zuwachsstreifen. Das Schloss besteht 

Шш der rechten Schale aus einem stark nach vorne verschobenen Zahne, dem 

in der linken Klappe eine hart unter, dem Wirbel gelegene Grube entspricht. 
9 


130 


In der rechten Klappe verläuft vom Wirbel nach rückwärts eine enge Grube, 
in welche der mässig verlängerte Seitenzahn der gegenüberliegenden Klappe 
einfällt. In der linken Klappe hingegen erhebt sich hinter dem Wirbel der 
bereits erwähnte Seitenzahn, von welchem ebenfalls eine nach rückwärts sich 
ziehende, aber sehr enge Furche sich hinzielt, Die Muscheleindrücke kreis- 
förmig, klein und seicht, der Mantelrand ganz. E. Bohemica unterscheidet 
sich einerseits durch die Gestalt der Schale, anderseits durch die Ausbildung 
des Schlosses von den übrigen Arten des Genus Erycina. Es unterliegt daher 
keinen besonderen Schwierigkeiten, handelt es sich darum, diese Art von den 
aus dem einheimischen Miocaen bereits bekannten Formen fern zu halten. 
Dabei überzeugt man sich stets, dass dieselbe der in der dortigen Sandfacies 
ziemlich häufig auftretenden und darin verbreiteten Art E. Austriaca noch 
am nächsten steht. Vergleicht man jedoch ihre Schalen etwas genauer, erkennt 
man hinlänglich, dass die vorliegende Species bereits durch die Gestalt, resp. 
durch den Umriss der Klappen, ferner aber auch durch die Ausbildung des 
Schlosses von E. Austriaca abweicht. Noch schärfer tritt der Unterschied zu 
Tage, wenn man E. Bohemica der ebenfalls auf die Sandfacies unseres 
Miocaens beschränkten Species E. ambigua gegenüber stellt. E. Bohemica ist 
im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig; ihre Klappen finden sich darin sehr 
schön erhalten, gleichzeitig kommt sie aber auch im brackischen Tegel von 
Abtsdorf vor, worin sie ebenfalls eine häufige Erscheinung ist, und deren Schalen 
sich darin eines sehr hübschen Erhaltungszustandes erfreuen. 


Cardita rudista, Lamarck. (1860. Cardita divericosta A. E. Reuss, loc. cit. 9 


248, Tab. VIII, Fig. 16. — 1870. М. Hoernes, II. Theil. loc. cit. S. 268, 
Tab. XXXVI, Fig. 2.) A. E. Reuss bemerkt in der Beschreibung dieser Art, 
dass dieselbe in dem Rudelsdorfer Tegel häufig ist. Diesmal ist es mir jedoch 
nicht gelungen, auch nur eine Spur von ihren Schalen zu entdecken. Gewiss 
mit Reicht stellt A. E. Reuss in der oben erwühnten Monografie diese Species 
als eine für die Leithakalkfacies charakteristische dar, die in den heimischen 
Tegeln nur mehr selten anzutreffen ist; dieser Ansicht pflichte ich um 80 
mehr bei, als ich bezüglich ihrer Verbreitung im mährischen Miocaen zu 
ähnlichen Resultaten gelangt bin. Für diese Anschauung spricht nämlich der 
Umstand, dass diese Art in dem Mergel von Jaromöfice und Drnovice, der 
sich in vielfacher faunistischer Beziehung an die Seite des Mergels von 
Porstendorf stellt, von wo dieselbe von Reuss angeführt wird — zu Hause 
ist, wogegen dieselbe in den dortigen tieferen Tegeln noch mirgends anzu- 
treffen war. Aus Mähren übergeht sie in die miocaenen Gebilde von Nieder- 
oesterreich (Grinzing, Nussdorf, Heiligenstadt, Gainfahren, Baden, Möllersdorf: 
Marx) von dort in diejenigen von Siebenbürgen (Lapugy), von Galizien 
(Tarnopol, Oleszko) und von Wolhynien (Zukowee und Zalisce). Ferner ist sie 
bekannt aus den Tertiaergebilden von England, von Italien, Rhodos und Cypern: 


Cardita Partschi, Goldfuss. (1860. A. E. Reuss, loc. cit. S. 248. — 1870. M 


Hoernes, II. Theil, S. 270, Taf. XXXVI, Fig. 3.) Diese Art erfreut sich in 
den Mergeln, namentlich in den dem Leithakalke eingelagerten Mergelbänkel 
einer bedeutenden individuellen Entfaltung, dagegen in den Tegeln gehört 816 


131 


zu den Seltenheiten. ber auch т unseren ostbóhmischen Miocaentegeln 
kommt diese Form den bisherigen Erfahrungen entsprechend, selten vor. 
Wenigstens spricht dafür das von Reuss erhaltene Resultat, welches ihn zu 
der Bemerkung bewogen hat, dass Cardita Partschi in dem Rudelsdorfer 
Tegel sehr selten zu finden ist. Dieser Anschauung pflichte vollinhaltlich bei, 
denn es ist mir darin nieht gelungen deren Klappen festzustellen, [trotzdem 
ich eifrig nach ihnen geforscht habe. Aus dem ostböhmischen Miocaen lässt 
sich diese Art durch das Miocaengebiet von Mähren (Drnovice, Sudice, Alt 
Rausnitz, Hrušovany, Nikolsburg) nach Niederoesterreich (Steinabrunn, Nieder- 
leis, Grinzing, Pötzleinsdorf, Vöslau, Möllersdorf, Grund ete.), dann nach 
Ungarn (Purbach, Ritzing, Szobb), ferner nach Siebenbürgen (Lapugy, Bujtur), 
Serbien (Rakovica nächst Belgrad), Steiermark (Pólls) dann nach Galizien 
und Wolhynien verfolgen. Ausserdem ist sie in den Miocaensedimenten der 
Umgebung von Perpignan, Dax, Bordeaux und in jenen der Umgebung von 
Turin (Italien) zuhause. 


Cardita ealyeulata, Linné. (1860. А. E. Reuss, loc. cit. 5. 250. — 1870. M. 


Hoernes, II. Theil, loc. сіб. S. 274, Taf. XXXVI, Fig. 7. Auch von dieser 
Art bemerkt A. E. Reuss, dass dieselbe in dem Tegel von Rudelsdorf selten 
vorkómmt und darin durch Individuen vertreten ist, deren Klappen kleinere 
Dimensionen aufweisen, als anderswo in unserem heimischen Miocaen. M. 
Hoernes schreibt in seiner oben angeführten Monographie, dass C. calyculata 
im oesterreichischen Miocaen auf die Sandfacies (Grund und Pötzleinsdorf) 
beschränkt ist; seit der Zeit jedoch ist sie aber auch im Tegel von Lapugy 
entdeckt, was ich hier blos registrire und dem Auftreten derselben im Grunder 
Sande anschliesse, und dies nur deshalb, um zu zeigen, dass man sich selten 
auf die nur in einer bestimmten Facies auftretenden Arten verlassen kann. 
Ausserdem wurde C. calyculata in den Miocaengebilden von Frankreich 
und von Italien nachgewiesen. Lebt im Mittelmeere. 


Cardita scalaris, Sowerby. 1860. A. E. Reuss, loc. cit. 8. 248 -— 1870. M. Hoernes, 


II. Theil, S. 274, Taf. XXXVI, Fig. 12.) Auch diesmal wurde im Rudelsdorfer 
Tegel von dieser in der Leithakalkfacies sehr verbreiteten Form nur mehr 
eine kleine, linke Klappe entdeckt. Wie ferner bekannt ist, beschränkt sich 
C. sealaris nicht nur auf die Leithakalkfacies, sondern greift auch in die 
des Tegels über, wo sie jedoch zu den Seltenheiten gehört, immerhin aber 
ist ihre Verbreitung auch in den Tegeln eine ziemlich bedeutende. Im müh- 
rischen Miocaengebiete wurde dieselbe in dem Mergel von Drnowice, Sudice, 
Alt Rausnitz, Nikolsburg, dann in dem Tegel von Bora& etc. nachgewiesen; 
von hier kaun man sie in das Miocaen von Niederoesterreich (Steinabrunn, 
Porzteich, Grinzing, Gainfahren, Forchtenaa, Baden, Loos, Grund etc.), ferner 
in desjenige von Galizien, Russisch-Polen und Siebenbürgen verfolgen ; ausser- 
dem wurde sie in den Tertiaergebilden von Italien, gäeren England und 
Südamerika festgestellt. 


Nucula nucleus, Linné. (1860. A. E. Reuss, l c. S. 245—1870. M. Hoernes, 


l c. IL, S. 297, Taf. XXXVIII, Fig. 2.) Das vorliegende winzige Bruch- 
Stück aus dem Audelsdorfer gelben Tegel mag etwa einem kleinen Indivi- 
Ok 


duum angehören, einem kleineren als wir solchen in den Tegeln z. D von 
Boraé in Mähren oder von Baden in Niederoesterreich begegnen. Nicht nur 
in diesen Tegeln, sondern auch in den Mergeln und Sanden ist diese Art im 
heimischen Miocaen zuhause, wo sie die grösste individuelle Entfaltung in 
den Sanden von Grund und Grussbach erreicht. Durch Mähren (Porstendorf, 
Jaroměřice, Lažánky, Borač, Alt-Rausnitz, Nikolsburg, Grussbach) kann man sie 
nach Niederoesterreich (Grund, Niederkreuzstätten, Pötzleinsdorf, Speising), 
nach Galizien (Wieliczka, Potiliez, Holubica, Olesko), Wolhynien (Stankowce, 
Salisze) und bis nach Siebenbürgen (Lapugy, Bujtur) verfolgen. Ferner die 
Tertiaerschichten von Rhodos, Isthmos, Korinth, Sicilien, Italien, von der 
Schweiz, von England werden als ihre Fundorte angeführt. Heutzutage lebt 
sie in allen europäischen Meeren. 


Nucinella ovalis, Wood. (1860. Nuculina ovalis A. E. Reuss, 1. с. S. 244, Taf. 


IV., Fig. 4. — 1870. Nucinella ovalis M. Hoernes, 1. c. II. 201, Taf. ХХХУШ., 
Fig. 3.) Diese seltene Art entdeckte im Rudelsdorfer Tegel bisher nur Reuss. 
Doch auch anderwürts ist sie nur in wenigen Exemplaren bekannt, so z. B. 
aus den Sanden von Forchtenau und den Tegeln von Lapugy. 


Leda fragilis, Chemnitz, (1860. Leda minuta, A. E. Reuss, 1. c. 8. 255. — 1810. 


Г. fragilis M. Hoernes 1. c. П. S. 307, Taf. XXXVIIL, Fig. 8.) Sechs mehr 
oder minder gut erhaltene Bruchstücke ist es diesmal gelungen, aus dem gelben 
Tegel von Rudelsdorf herauszuschlemmen. Wenn wir ihre Merkmale eingehend 
betrachten, überzeugen wir uns bald, dass sie erwachsenen, ebenso grossen 
Individuen angehóren, wie aus zahlreichen Fundorten des heimischen Miocaens 
vorliegen. In der tegeligen, mergeligen und auch sandigen Facies ist diese 
Art zuhause. Die grösste individuelle Entfaltung erreicht sie in den Tegeln, 
während sie in den Mergeln und namentlich in den Sanden selten ist. Sie ist 
von überaus zahlreichen Fundorten bekannt. Es seien hier nur einige wichtigere 
angeführt: Porstendorf, LaZánky, Jaroméfice und Porzteich (Mähren), Baden, 
Loos, Vöslau, Steinabrunn, Grund (Niederoesterreich), Marx, Forchtenau, Szobb 
(Ungarn), Korod, Lapugy, Bujtur (Siebenbürgen), Wieliezka, Lemberg (Ga- 
lizien), Zalisce (Wolhynien). Aus den auswärtigen Tertiaerablagerungen ist sie 
von der Insel Rhodos, von Sicilien, Italien, Frankreich und Belgien bekannt. 
Bisjetzt lebt sie im Mittelländischen und Adriatischen Meere. 


Fig. 38. Leda nitida, Вгосс. Rudelsdorf. */, vergrössert. Linke Schale. 


Leda nitida, Brocchi. (1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 245. — 1810. M. Hoernes Il. 
l c. 8. 308, Taf. XXXVIII., Fig. 9.) Fig. 38. — Schön erhaltene Schalen 
dieser Art, welche in der sandigen, mergeligen und tegeligen Facies des hei- 
mischen Miocaens verbreitet ist, wurden auch diesmal aus dem Tegel von Ru- 


183 


delsdorf herausgeschlemmt. Drei Schalen von verschiedenen Individuen wurden 
gefunden. Alle sind tadellos und verschieden gross. Daraus schliesse ich, dass 
es auch im hiesigen Miocaendepót Exemplare von Dimensionen z. D. der Ba- 
dener Individuen gibt. Aus den mährischen Tegeln (Lažánky, Borač) und san- 
digen Mergeln (Vejhon bei Gross-Seelowitz und Grussbach) geht diese Art in 
die Tegel von Baden und Sande von Grund über. Ferner ist sie aus den 
Tertiaerablangerungen von Sicilien, Corfu, Italien und Frankreich bekannt. 


Area Noae, Linné. (1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 241. — 1870. M. Hoernes, 


Ате 


П. Theil, 1. c. S, 324, Taf, XLIL, Fig. 4.). Fig. 39. — А. E. Reuss fand von 
dieser Art im ZAudelsdorfer Tegel nur Bruchstücke; mir gelang es, aus dem- 
selben eine schön erhaltene Klappe von einem jungen Individuum herauszu- 
Schlemmen. Ich habe sie hier stark vergróssert abgebildet. Auf den ersten 
Bliek scheint sie von den bekannten Typen etwas abzuweichen. Diese Unter- 


Fig. 39. Arca Noae, Linné. Rudelsdorf. ?/, vergróssert. Rechte Schale. 


Schiede werden zu nichts, wenn wir sie sorgfältig beobachten und die Form 
der Rippen und Anwachsstreifen dieser Schale mit den Rippen der jungen 
Individuen aus südlichen Fundorten vergleichen. Es erscheint uns dann die 
Oberflächenbeschaffenheit unserer Klappe als eine einfache, während wir die 
Rippen und ihre Queranwachsstreifen als verstärkt und theilweise durch eine 
Verschmelzung von mehreren Streifen entstanden erkennen. Je älter das Indi- 
viduum, desto mehr weicht es von unserem Individuum ab, und zwar gerade 
durch die ehen erwähnten Merkmale. A. Noae kommt noch am häufigsten in 
den Leithakalkmergeln (Steinabrunn, Gainfahren, Niederleis) vor, während sie in 
den Tegeln (Lapugy) und Sandmergeln (Grussbach) selten ist. In den auswärtigen 
liocaensedimenten ist sie bedeutend verbreitet; sie wird in der Litteratur aus 
den Inseln Rhodos und Cypern, aus dem Isthmus, aus Italien, Sardinien und 
Frankreich angeführt. Sie lebt im Adriatischen und Mittelländischen Meere. 
a barbata, Linné. (1860. Arca Helbingi, A. E. Reuss, l. c. S. 243, Taf. IV., 
Fig, 6, — 1870. А. barbata М. Hoernes, П. Theil, S. 327, Taf. XLII., Fig. 
6-11.) Nach A. E. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel háufig. Er be- 
Schreibt und bildet hier eine schön erhaltene Schale ab, welche lebhaft an die 
Schalen aus dem dunkeln Tegel von Borač in Mähren erinnert. Diesmal ist 
es nicht gelungen, im Rudelsdorfer Tegel auch nur ein Bruchstücklein dieser 
Art zu entdecken. Wie auf diesem Fundorte, ist sie auch anderswo in den 
mährischen Tegel- und Mergeldepöts sehr selten. Nur in den Grunder Sanden 
ommt sie in einer grösseren individuellen Menge vor. Aus dem niederoester- 


reichischen Miocaen geht A. barbata in das Miocaen von Steiermark (Um- 
gebung von Wildon), Siebenbürgen, Galizien, Wolhynien, dann in dasjenige von 
der Schweiz, von Frankreich, Italien, Sicilien, Rhodos und Cypern über. Heut- 
zutage lebt sie im Adriatischen und Mittelländischen Meere. 


Arca Bohemica, Reuss. (1860, l. c. S. 241, Taf. IIL, Fig. 13). Sie wurde bisjetzt 


im Rudelsdofer Tegel nur von Reuss entdeckt. M. Hoernes thut von ihr in 
seiner grossen Monographie keine Erwähnung. Diesmal blieben alle Versuche, 
im Schlemmrükstande des Rudelsdorfer Tegels ihre Schalen aufzufinden erfolglos. 


Arca diluvii, Lamarck. (1860, A. E. Reuss, l c. S. 241. — 1870 M. Hoernes, 


l c. IL, S. 333, Taf. XLIV, Fig. 3.) Es wurde ein Bruchstück von einem 
erwachseneren Individuum aus dem Tegel von Rudelsdorf herausgeschlemmt ; 
ganze Schalen wurden nicht entdeckt. euss sind junge, von den Typen aus 
den südlichen Fundorten etwas abweichende Individuen bekannt. A. diluvi 
kommt in allen Facien vor. Die grösste individuelle Entfaltung hat sie in der 
Leithakalkfacies, namentlich im südmährischen und niederoesterreichischen Ge- 
biete, erreicht. Hier wie dort und dann im Miocaengebiet von Steiermark, Krain, 
Ungarn, Siebenbürgen, Serbien, Russisch-Polen ist sie an zahlreichen Fund- 
stellen zuhause. Doch auch über die auswärtigen Tertiaerablagerungen ist sie 
weit verbreitet; sie kommt in Frankreich, in der Schweiz, in Italien, auf der 
Insel Corfu und in Algerien vor. 


Arca lactea, Linné. (1860. Arca nodulosa A. E. Reuss 1. c. S. 246. — 1870 A. 


lactea M. Hoernes П. Theil, 1. с. S. 336, Taf. XLIV., Fig. 6.) Aus dem Rudels- 
dorfer Tegel wurden zwei Bruchstücke herausgeschlemmt. Die Dimensionen 
derselben und die Dieke ihrer Schalenwand bezeugt, dass sie grossen Indivi- 
viduen angehóren, in dem sie die Dimensionen der Individuen aus den Mergel- 
einlagerungen des Leithakalks besitzen. A. lactea ist in den Mergeleinlage- 
rungen des heimischen Leithakalkes (Sudice, Drnovice, Mikulov, Gainfahren 
u. 8. w.) eine bekannte Erscheinung, eine seltene jedoch in den Sanden z. В. 
von Grund, in den Sandmergeln z. B. von Grussbach und in den Tegeln von 
Móllersdorf. In diesen Verhältnissen kommt sie dann im Miocaen von Steier- 
mark, Ungarn, Siebenbürgen und Galizien vor. Im auswärtigen Tertiaer ist sie 
ebenfalls bedeutend verbreitet, sie wird von zahlreichen Fundorten von Italien, 
Frankreich, auch in denen von der Schweiz, von Wolhynien, von England, 
von den Iseln Rhodos und Cypern angeführt. Sie lebt an den Küsten von 
Britannien, Nord-Spanien, Portugal, im Mittelländischen und Adriatischen Meere. 


Area elatbrata, Defrance. (1860. A. E. Reuss 1. с. 8. 240. — 1870. M. Hoernes, 


VI. Theil, 1. с. S. 340, Taf. XLIV., Fig. 10.) Ganze Schalen von dieser im 
heimischen Miocaen fast auf die Mergeleinlagerungen des Leithakalkes be- 
schränkten Art wurden bisher im Zudelsdorfer Tegel nicht gefunden, Die zwei 
herausgeschlemmten Bruchstücke sind von verschieden alten Individuen. Das 
grössere von ihnen gehört einem Individuum von normalen Dimensionen an 
Reuss hebt hervor, diese Art sei auf unserem böhmischen Fundorte klein und 
selten. Ausser den Mergeln von Steinabrunn und Jaroméfice wird sie auch 
aus den Sandmergeln von Porstendorf und den Sanden von Pótzleinsdorf angeführt, 
ferner noch aus dem Tegel von Lapugy und Bujtur, aus dem Tertiaer von 


135 


Frankreich, Italien, Rhodos und Cypern. Ob sie im Mittelmeere lebt, ist 
bisher unentschieden. 

Area pseudolima, Reuss. (1860, 1. c. S. 239, Taf. IV., Fig. 2.) Auch diese Art 
führt M. Hoernes in seiner grossen Monographie nicht an. Ich beschränke 
mich nur auf die Bemerkung, dass ich in dem Tegel von Rudelsdorf nach 
ihren winzigen Schalen umsonst geforscht habe. Ebenfalls wurde auf den 
zahlreichen Fundorten Mährens von ihr keine Spur entdeckt. Reuss schreibt 
von ihr, sie sei auf unserem böhmischen miocaenen Fundorte sehr selten. 


Fig. 40. Modiola Hoernesi, Reuss. Rudelsdorf. ??/, vergróssert. 


Modiola Hoernesi, Reuss. (1870. M. Hoernes 1. c. IL, S. 347, Taf. XLV., Fig. 2.) 
Fig. 40. — In den Bereich dieser Art stelle ich vorläufig eine winzige, aus 
dem Rudelsdorfer Tegel herausgeschlemmte Schale, trotzdem sie einige von 
den Typen abweichende Merkmale besitzt. Sie unterscheidet sich von ihnen 
einerseits durch den allgemeinen Umriss, andererseits durch kleinere Dimen- 
віопеп und dann auch durch eine äusserst dünne Schalenwand. Ob diese Merk- 
male wesentlich oder nebensüchlich und untergeorgdnet sind, darüber wird eine 
künftige Forschung auf Grund von einem reicheren Materiale, als das vor- 
liegende ist, zu entscheiden haben. 

Modiola biformis, Reuss. (1860 1. c. S. 239, Taf. IV., Fig. 3. — 1870 M. Hoernes, 
l. c. IL, S. 348, Taf. XLV., Fig. 4) Von A. Е. Reuss zuerst im Rudelsdorfer 
Tegel entdeckt, wurde diese Art später von M. Hoernes im Mergel von Steina- 
brunn, Gainfahren, im Tegel von Möllersdorf sichergestellt und ausserdem 
wurden zahlreiche Schalen von ihr in den Tegeln Siebenbürgens gefunden. 
Diesmalaber wurde keine einzige Schale dieser hübschen Art im Schlemmrück- 
Stande des Rudelsdorfer Tegels gefunden. Dieser Umstand bestütigt meine 
Vermuthung, das der Ausspruch Reuss über das Vorkommen dieser Art auf 
unserem bóhmischen Fundorte richtig ist. 

9diola marginata, Eichwald. (1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 239. — 1870 M. 
Hoernes, 1. c. П. 8. 351, Taf. XLV., Fig. 6.) Aus dem Zudelsdorfer Tegel 
Wurde eine winzige, ziemlich günstig erhaltene Schale dieser Art herausge- 
Schlemmt ; sie ist nur 2 mm breit. Ich kann auf Grund dieser Schale nicht 
entscheiden, ob alle Individuen dieser Art so waren wie diese Schale erscheint, 
nämlich verkümmert. Ich halte unter Beachtung anderer Arten von Rudels- 
dorf einen solchen Schluss für voreiltig. Eher meine ich, dass die vorliegende 
Schale einem ganz jungen Individuum gehört. Es sei jedoch bemerkt, dass 
man unter dem Mikroskop fast alle Merkmale erwachsener Individuen zu be- 
Merken vermag. Doch auch dieser Umstand ist in unserem Falle nicht mass- 


gebend. Ich überlasse absichtlich diese problematische Frage der Zukunft, 
indem ich fest überzeugt bin, dass sie gelöst werden wird, aber nur auf 
Grund eines reichen Materials. Diese Art ist für unsere Rudelsdorfer Fund- 
stätte und gleichsam für das ganze böhmische Miocaengebiet interessant. Sie 
interessiert vorerst deshalb, weil sie eine lange und lange Zeit hindurch, und 
zwar richtig, für ein Leitfossil der sarmatischen Stufe gehalten wurde, in 
welcher sie in einer grósseren individuellen Menge im sogenannten Hernalser 
Tegel, dann in den Sanden von Wiesen unweit Mattersdorf u. a. sichergestellt 
wurde. Gegen Süden erstreckt sich ihre Region in die Tertiaerablagerungen von 
Süd-Steiermark, gegen Osten in die Umgebung von Pest, in das Comitat 
Borsod, gegen Norden und Osten nach Galizien, Wolhynien "und Bessarabien. 

Pecten substriatus, d’Orbigny (1860. Pecten pusio A. Е. Reuss, 1. c. S. 236, Taf. IV., 
Fig. 9. — 1870 Pecten substriatus M. Hoernes. IL Theil, 1. с. б. 408, Taf. 
LXIV., Fig. 2.) Im Rudelsdorfer Tegel nur von Reuss sichergestelt. Die Schalen 
wurden als sehr kleine Dimensionen besitzend und sehr leicht zerstórbar ge- 
funden. Diesmal wurden von ihnen keine selbst kleinsten Bruchstücklein ge- 
funden. Р. substriatus geht aus dem böhmischen Miocaen in das mährische 
über, wo er in den mergeligsandigen Sedimenten von Porstendorf und in den Mer- 
geln von Grussbach sichergestellt wurde. In den letzteren verbreitet er sich 
dann über Niederoesterreich (Steinabrunn, Gainfahren, Marz u. s. w.), wo er 
auch in den Grunder Sanden vorkommt. Aus diesen Sanden lässt er sich in 
den Sand des Horner Beckens, namentlich von Burgschleinitz, Meissenan 
u. 8. w. verfolgen, von dannen in die Miocaengebiete von Steiermark, Un- 
garn, Danat, Siebenbürgen und Wolhynien. Ausserdem wird er aus dem fran- 
züsischen, schweizerischen und englischen Tertiaer angeführt. 

Pecten Malvinae, Dubois. (1860. Peeten opercularis. A. E. Reuss, 1. с. S. 236. 
— 1870 P. Malvinae M. Hoernes, l. c. IL. S. 114, Taf. LXIV., Fig. 5.) Nach 
А. Е. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Er bemerkt, er 
habe winzige Schalen von geringen Dimensionen gefunden, welche eine kleinere 
Anzahl von Rippen als die Individuen aus den Fundorten des südlichen 
Miocaengebietes besassen. P. Malvinae ist in der Leithakalkfacies weit ver- 
breitet. In Mähren wurde er in den Mergeln von Gross-Seelowitz, Austerlitz, 
Drnovice und Sudice, in Niederoesterreich in der Umgebung von Grund, 
Pötzleinsdorf, Gainfahren u. s. w. entdeckt, auch in den Sanden des Horner 
Beckens ist er anwesend und erreicht in den Sanden von Grübern eine s0 
starke Entfaltung, dass er dort ganze Schichten zusammensetzt. Er wurde 
dort in der Umgebung von Mailberg, Loibersdorf, Molt, Burgschleinitz u. s. w. 
nachgewiesen. Auch im auswärtigen Miocaen ist er bedeutend verbreitet. 
Desgleichen ist er in den Miocaensedimenten von Steiermark, Polen und Un- 
garn zuhause. Der Miocaen von Frankreich (Touraine, Perpignan, Barcelona, 
die Sande der Gegend von Bordeaux), Baiern, der Schweiz, Wolhynien hat 
seine Schalen in Fülle geliefert. 

Pecten elegans, Andrz. (1860. Pecten sarmentilius A. Е. Reuss, 1. c. S. 326. — 1870. 
P. elegans М. Hoernes, II. Abth., 1. с. S. 416, Taf. LXIV., Fig. 6.) Auch diese 
Art gelang es bisher nur A. Æ. Reuss im marinen miocaenen Tegel Böhmens 


131 


Sicherzustellen. In den Schlemmrückstünden, die ich bisher zur Verfügung 
hatte, habe ich nicht einmal winzige Schalen von kleinen Individuen gefunden, 
von denen Reuss in der hier angeführten Arbeit Erwähnung thut. Reuss be- 
merkt, seine Schalen kommen im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig vor. 
Meine Erfahrungen widersprechen diesem; doch beachtet man die Umstände, 
unter welehen dieselben gewonnen wurden, so führt man diese Resultate auf 
ein richtiges Mass zurück. Auch P. elegans ist im heimischen Miocaen sehr 
verbreitet. Sein eigener Rayon ist die Leithakalk- und dann die Sandfacies. In 
den Tegeln ist er selten. Sehr häufig wurde er in den Mergeln von Grinzing, 
Nussdorf, Heiligenstadt, Gainfahren, Kostel, Steinabrunn, Nikolsburg und Ze- 
rütky (Mähren) gefunden, dann in den Sanden von Gainfahren, Burgschleinitz, 
Meissenau. Ausserdem ist er im Miocaengebiet von Steiermark, Ungarn, Sie- 

: benbürgen, Galizien und Serbien zuhause. 

Spondylus heteraeanthus, A. E. Reuss. (1860. l c. S. 237, Taf. V., Fig. 1.) 
Im Rudelsdorfer Tegel bisher nur von А. E. Heuss entdeckt. Es wurden zwei 
rechte Schalen gefunden. M. Hoernes thut von ihnen im II. Theile seiner 
Schrift über die tertiaeren Fossilien des Wiener Beckens keine Erwähnung. 
Er dürfte sie nicht zur Hand gehabt haben. A. E. Reuss behauptet, die 
Rudelsdorfer Schalen weichen von den Lapugyer ab. Ich registriere nur diesen 
Ausspruch. Vielleicht wird eine künftige Zeit in dieser Sache entscheiden. 

Spondylus Gussonei, Costa. (1860. A. E. Reuss 1, c. S. 237, Taf. IV, Fig. 8.) 
Diese Art ist bisher nur aus den Rudelsdorfer Tegeln bekannt, anderswo in 
miocaenen heimischen Gebieten wurde sie nicht entdeckt. Im böhmischen 
Gebiete hat sie Reuss sichergestellt, wo er eine linke obere Schale fand. 

Ostrea cochlear, Polih. (1870 М. Hoernes, II. Theil, l. c. S. 435, Taf. LXVIII, 
Fig. 1—3.) Ein grosses Bruchstück einer linken (grösseren unteren) Schale 
wurde im Rudelsdorfer Tegel entdeckt. Von gleich grossen Schalen aus anderen 
Fundorten ist sie nicht zu unterscheiden. Die Übereinstimmung ist gross und 
offenbar. Sie besteht nicht nur in der Grósse, sondern auch in der Dicke der 
Schale und überhaupt im ganzen üusseren Charakter. Bisher war diese Art 
aus dem böhmischen Miocaen nieht bekannt. Nach den bisherigen Erfahrungen 
ist sie daselbst selten, doch etwa so selten wie in den Mergeln und Mergelein- 
lagerungen des Leithakalkes. O. cochlear ist im heimischen Miocaen weit und 
breit verbreitet, und zwar in allen Facien. Aus Böhmen geht sie nach Mähren 
über (Porstendorf, Jaroměřice, Drnovice, Lysice, Lažánky, Borat, Lomnička, 
Kostel, Pozořice u. s. w.), von dannen nach Niederoesterreich (Steinabrunn, 
Grinzing, Sievering, Nussdorf u. m. a.), dann nach Ungarn (Forchtenau, Marx, 
Margarethen, Kostej usw., Steiermark, Kroatien, Siebenbürgen, Galizien, 
Oberschlesien. Ferner ist sie aus den tertiaeren Sedimenten von Italien, Corfu 

v ARES Sie lebt im Mittelmeere. 

x oblayi, Deshayes, (1870, M. Hoernes, П. Theil 1. c. S. 444, Taf. LXX., 
Fig. 1—4.) Fig. 41. — Die Abtsdorfer Exemplare dieser Art weichen vom Typus 
dureh untergeordnete Merkmale ab; am meisten jedoch durch die allgemeine 
l'orm, die vielfach sehr veründerlich ist, und auch dureh das Schloss, dessen 
Dimensionen gewöhnlich kleiner sind als bei den Typen. Trotzdem kann man 


138 


jedoch nicht umhin, sie in den Bereich dieser Art einzureihen. Sie haben so viele 
gemeinsame Merkmale, dass es keine schwierige Aufgabe ist, ihre systematische 
Stellung richtig anzugeben. Um ein Beispiel anzuführen, woraus erhellen móchte, wie 
die Gestalt der Schale Veründerungen unterliegt, bildete ich hier eine rechte 
Schale eines mittelgrossen Individuums ab, welche, wie es nicht nöthig ist 
besonders hervorzuheben, sehr schón erhalten ist, wie überhaupt das ganze 
Austernmaterial von Abtsdorf als ein der Durchforschung sehr günstiges zu 
bezeichnen ist. A. Е. Reuss führt diese Art in der Monographie von M. 
Hoernes aus dem Tegel von Triebitz an. Das Gebiet dieser Art im heimischen 


Fig. 41. Ostrea Boblayi, Desh. "Triebitz. Eine rechte Schale in der nat. Grösse. 


Miocaen ist kleiner als dasjenige der vorigen Art. Sie ist im mührischen 
Miocaen selten. Bisher wurde sie dort nur in den Mergeln von Gross-Seelo- 
witz und Nikolsburg entdeckt. Auch in Niederoesterreich ist sie, soweit 
bekannt, auf die Mergel von Steinabrunn und Grosshóflein und auf die Sande 
von Gauderndorf und Bischofswart beschränkt. Aus dem auswärtigen Miocaen 
wird sie von Cilicien, Lycien, von den Ufern des Tajo, von der Insel Майа, 
von Algerien, von den Inseln Cypern und Kreta angeführt. 


Ostrea digitalina, Dubois. (1860. Ostrea Meriani A. E. Reuss, l с. S. 988 


Taf. V, Fig. 3—4, 6. — 1870 О. digitalina М. Hoernes, 1. c. II, S. 447, 
Taf. LXXIII, fig. 1—9.) A. E. Reuss führt diese Art aus dem gelben Tegel 
von Rudelsdorf an. Er fand sie daselbst durch sowohl kleine als auch grosse 
Individuen vertreten. Mir gelang es, hübsch erhaltene Schalen dieser Art Ш 
einer reichen, von Prof. Dr. A. Frič von Abtsdorf gebrachten Collection ZU 


139 


finden. Der gründlichen Beschreibung der Rudelsdorfer Individuen in der 
oben angeführten Arbeit von Reuss füge ich über die Abtsdorfer Exemplare 
nur eine kleine Bemerkung bei, und zwar, dass die Oberfläche der linken 
Schalen selten mit hervortretenden Rippen bedeckt- ist. Häufig zieren nur 
schwach angedeutete Rippen die Oberfläche dieser Schalen; manchmal sind 
diese so schwach, dass die Oberfläche rippenlos scheint. Die Art O. digitalina 
ist im Abtsdorfer Tegel ausser der О. giengensis und О. crassissim« am 
häufigsten. Dagegen ist sie auf den übrigen böhmischen miocaenen Fundorten 
selten und wurde bisher nicht entdeckt. Verbreiteter als hier ist sie im Miocaen- 


F | | 
ig. 42. Ostrea giengensis, Schloth. sp. Abtsdorf. a linke, b rechte Schale von innen, verkleinert. 
2/, der nat. Grösse. 


gebiet von Mähren (Porstendorf, Lysice, Borač, Alt-Rausnitz, Pozořice, Kostel, 
Nikolsburø) ; von Niederoesterreich (Umgebung von Wien, Steinabrunn, Bischofs- 
wart, Grund usw.); vom Horner Becken (Eggenburg), von Ungarn (Oedenburg, 
Marx, Margarethen etc.), von wo sie in das Miocaen von Steiermark, Slavo- 
men, Istrien, Banat, Siebenbürgen, Galizien, Baiern u. a. übergeht. Ferner 
Wurde sie in den tertiaeren Sedimenten von Frankreich, Belgien u. a. be- 
Obachtet. 


0 А 
strea giengensis, Schlotheim sp. (1860. Ostrea Cyrnusi A. E. Reuss l. c. S. 
230, Taf. VII. Fig. 1. — 1870. O. giengensis M. Hoernes, ЇЇ. Theil, l. c. 8. 
452, Taf. LXX VIII, Fig. 1; LXXIX, Fig. 1, 2; Taf. LXXX, Fig. 1.) Fig. 42. — 


140 


Die hier abgebildete linke Schale gehört einem ungewöhnlich grossen Indivi- 
duum. Wenn man sie mit Schalen von anderen Fundorten, namentlich aus den 
südlichen Gebieten, vergleicht, so überzeugt man sich leicht, dass die kleineren 
den dortigen Schalen von mittelgrossen Individuen entsprechen. Ich habe sie 
hier auch deshalb abgebildet, damit die Auschauung von der Beschaffenheit 
des Muskeleindruckes documentiert werde, welcher sozusagen die Mitte der 
Längsaxe einnimmt und gegen aussen hin verschoben ist. Darauf muss ich 
gleichzeitig die Bemerkung anknüpfen, dass bei einigen, namentlich bei den 
unregelmässig gewachsenen Individuen von Abtsdorf der Muskeleindruck in 
der Regel gegen den Vorderrand verschoben ist, manchmal so weit, dass e$ 
den Eindruck macht, wie wenn sie in den Bereich der Art O. crassissima 
gehóren und ihr junges Stadium vorstellen móchten. Doch bald überzeugt 
man sich, dass dies nicht der Fall ist, dass diese Schelen wirklich in den 
Bereich dieser Art gehóren. Dafür bieten immer die auffallendsten Belege die 
von den Schlössern der О. crassissima leicht unterscheidbaren Schlösser, Die 
Art О. giengensis ist im Tegel von Abtsdorf überaus häufig. Sie setzt dort 
fast eine Bank zusammen. Manchmal grübt man ganze Schollen von ver- 
wachsenen Schalen in der natürlichen Lage aus. Ganze entwickelungsge- 
Schichtliche Reihen lassen sich aus dem mir vorliegenden Materiale zusammen- 
stellen Diese begründen zur Genüge die Ansicht, dass dem Abtsdorfer Tegel 
Schalen von mehreren Arten eingelagert sind. Diese Art ist auch im Rudels- 
dorfer Tegel zuhause. Häufig ist sie dort nur in der sandigen Einlagerung 
der kleinen Kuppe, auf welcher das Wüchterhaus am Rudelsdorfer Eisenbahn- 
einschnitt steht. Auch die dortigen Individuen erreichen keine grösseren 
Dimensionen als die Abtsdorfer. Sie sind schlecht erhalten, zerfallen gleich, 
sobald man sie іп die Hand nimmt oder aus dem Tegel herauspraepariert- 
O. giengensis ist sowohl in dem heimischen, als auch in dem auswärtigen 
Miocaen weit verbreitet. Aus den Loibersdorfer Sanden kann man sie bis in 
den Lithothamnienka!kstein und von dannen in die Sande der sarmatischen 
Stufe verfolgen. Im Horner Becken kommt sie ausser den Loibersdorfer Sanden 
auch in denjenigen von Dreieichen, Eggenburg, Thallern vor; in Mähren 
findet sie sich in den Mergeln von Nikolsburg, in Niederoesterreich in den 
Mergeln von Nussdorf u. s. w. Ebenfalls ist sie in Ungarn, Steiermark: 
Kroatien, ferner in den Tertiaerablagerungen von Frankreich, der Schweiz 
Italien, Kleinasien u. a. verbreitet. 


Ostrea erassissima, Lamarck. (1870. M. Hoernes, II. Theil, 1. c. S. 455, Taf. 


LXXXL, Taf. LXXXIL, Fig. 1, 2, Taf. LXXXIIL, Fig. 1, 3, Taf, LXXXIV.) 
Diese Art führte aus den böhmischen Miocaensedimenten A. E. Reuss in 

Hoernes Monographie über die Mollusken des Wiener Tertiaerbeckens in die 
Litteratur ein. Er stellte ihre Vertreter im Tegel von TYiebitz sicher. Die 
auffalende Dicke und Grösse einiger Schalen aus dem Abtsdorfer Tegel hat 
mich genöthigt, sie in den Bereicht dieser Art einzureihen. Diese Ansicht hat 
namentlicht eine durch ihren Charakter von den Schalen der vorigen Art 
auffällig abweichende Schale bestätigt. Diese sind nie so dick und besitze! 
kein so starkes Schloss wie jene. Eine endgiltige Entscheidung darüber be 


141 


halte ich mir für die Zukunft vor, bis ich ein reicheres und besser erhaltenes 
Material aus unseren böhmischen mioeaenen Fundorten vor der Hand haben 
Werde. O. crassissima wird von zahlreichen Fundorten des heimischen Miocaens 
angeführt. Grosse Individuen finden sich oftin den Sanden des Horner Beckens 
(Nondorf, Holenstein, Kieuberg bei Eggenburg u. s. w.). Auch in den Mergeln, 
namentlich in den sandigen, ist sie häufig; sie ist aus dem Mergel von Steina - 
brunn, Niederleis, Nikolsburg, Kfenovice, Ritzing u. a. bekannt. Aus dem 
mährisch-böhmischen und niederoesterreichischen Miocaen geht sie in die ter- 
tiaeren Sedimente von Steiermarck, Kroatien, Ungarn, Siebenbürgen, Würt- 
temberg, Italien, Albanien, Frankreich, Algerien u. a. über. 
Автіоре decollata, Chemnitz. (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 227. — 1889. Dreger, 
Die tertiären Brachiopoden des Wiener Beckens, S. 283, Taf. I., Fig. 1- 5.) 
Bisher hat sie auf unserem Gebiete nur А. E. Reuss im Tegel von Rudelsdorf 
entdeckt, wo er sie ziemlich oft fand. In den Anmerkungen der oben ange- 
führten Schrift lesen wir, dass die Rudelsdorfer Exemplare dieser Art den 
im Meere lebenden Individuen gleichen, was eine wahrhaft interessante Erkennt- 
Півв ist, indem sie einen Beweis mehr liefert, dass nicht alle Arten im Tegel 
von Rudelsdorf gegenüber den Individuen aus den Fundorten der südlichen 
Gebiete verkümmert erscheinen. Die horizontale Verbreitung dieser Art in 
пеорепеп Sedimenten ist ziemlich bedeutend, das wird durch den Umstand 
Schlagend bewiesen, das ihre Individuen im Wiener Becken (Eisenstadt, Fels- 
berg, Forchtenau, Niederleis, Rausnitz), ferner in Galizien (Holubice, Pieniaki, 
Podjarkow), in Steiermark (Wildon), in Siebenbürgen (Lapugy), in Italien 
(Turin, San Fernando, M. Pelegrino bei Palermo, St. Filippi bei Messina) 
auf der Insef Cypern (Larnaka), Rhodos (Hedenborg), dann im südlichen 
Frankreich, in Wolhynien und auf Malta sicher gestellt wurden. Sie lebt im 
Mittelmeere auf sandigem Boden und in der Nulliporenfacies in der Tiefe von 
18 bis 364 Knoten; auch wurde sie im Atlantischen Ocean sicher gestellt. 
ella Neapolitana, Scacchi. (1860. Agriope Neapolitana A. E. Reuss, S. 228. 
— 1889. Dreger 1. c. S. 185, Taf. L, Fig. 6, 7, 8) Auch diese Art stellte in 
den Sedimenten unseres marinen Miocaens nur A. E. Reuss sicher, wo er 
Ihre Schalen im Rudelsdorfer Tegel entdeckte und bemerkte, dass sie dort eine 
Seltene Erscheinung sind. Ich habe ihr auch nachgeforchst, jedoch umsonst, 
"nd zwar sowohl im Rudelsdorfer Tegel, als auch in den übrigen Fundorten 
unseres böhmischen Gebietes. Daraus kann man schliessen, dass auch diese 
Art hier seltener ist als die vorige, was mit dem Umstande übereinstimmt, 
ass sie diese Eigenschaft auch auf den übrigen Localitäten des heimischen 
Miocaens theilt, wo sie im Mergel von Steinabrunn, in der Umgebung vom 
rünen Kreuz, Nussdorf, ferner bei Lysice, Lapugy, Kostej und ausserdem 
auf der Insel Rhodos gefunden wurde. In den heutigen Meeren lebt sie im Adria- 
tischen, Mittelländischen Meere und nächst den Canarien- Inseln in den Tiefen 
von 80—130 Knoten. 
ella Squamata, Eichwald. (1860. Agriope squamata A. E. Reuss, 1. c. S. 228. 
— 1889. Dreger 1. c. S. 186, Taf. L, Fig. 12—14.) Diese seltene Art ist 
bisher nur aus dem Audelsdorfer Tegel bekannt, von einem anderen Orte 


Cist 


Ci st 


142 


unseres Miocaensgebietes gelang es nicht sie sicherzustellen. Ausserdem wurde 
sie auch in den Mergeln von Galizien (Holubice, Pieniaki, Zukowce),' Sieben- 
bürgen (Lapugy), Steiermark (Kochmühle nächst Ehrenhausen) und auf Rhodos 
gefunden. Sie lebt im Mittelmeere. 


ne 


Fig. 43. Megerlea oblita, Michel. sp. Rudelsdorf. a,Seitenansicht von verbundenen Schalen. 
b Schalen von einem älteren Individuum, Innenansicht, */, vergróssert. 


Megerlea oblita, Michelotti. (1860. A. E. Reuss 1, c. S. 227. — 1889. Dreger 
l c. S. 190, Taf. IL, Fig. 6—9.) Fig. 48. — Diese Art ist im Rudelsdorfer 
Tegel die häufige. In der Regel sind ihre Schalen schön erhalten, so dass 
man sehr bald alle ihre selbst feinsten Merkmale kennen lernen kann. Ursprün- 
glich wurde sie von A. E. Reuss, später auch von mir entdeckt, doch nur iM 
Schlemmrückstande des Rudelsdorfer Tegels, und zwar nur in Bruchstücken. 
M. oblita ist in den heimischen Miocaenablagerungen verhältnissmässig ziemlich 
verbreitet; sie wurde ausserdem Rudelsdorfer Tegel auch im Tegel von Јаго" 
měřice, Porstendorf, ferner in der Leithakalkfacies der Umgebung von Gries, 
Wildon und Ehrenhausen (Steiermark) nachgewiesen. Aus dem italienische? 
Neogen wird sie aus der Umgebung von Turin und Tortona angeführt. j 

Hornera hippolythus, Defrance. (1818. A. Manzoni. I Briozoi fossili del d’ Austria 
e Ungheria. Denkschr. d. К. Akad. d. Wiss. Wien Band 38, Ses Тай ҮІ, 
Fig. 22; Taf. VIL, Fig. 26.) Fig. 44. — Diese Art ist im mährischen Miocaen- 
gebiete fast überall zuhause. Soweit wenigstens meine Erfahrungen reichen 
habe ich wenige von den dortigen Fundorten kennen gelernt, wo sie nicht 
vorküme. Auf dem Gebiete unseres ostböhmischen marinen Miocaens ist © 
anders, hier kommt sie sehr selten vor, denn bisher ist es mir gelungen, sie 
nur im Rudelsdorfer Tegel in einem Bruchstücke ferstzustellen. Anders W? 
und auch in dem fossilienreichen Tegel von Lukau wurde sie erfolglos ge 
sucht. Und wie in Mähren, wo sie in den Mergeln und Tegeln von Lomni&k? 
Drnovice, Borač, Rausnitz, Kostel, Porzteich ete. gefunden wurde, so wurde 
sie auch anderswo im beimischen Miocaen in der Umgebung von Nussdo!^ 
Eisenstadt, Morbisch, Podjarkov, Baden, Steinabrunn, Niederleis, Forchtenal 
Kroisbach, Wildon und Ehreshausen entdeckt. 

Celleporaria globularis, Bronn. (Cellepora globularis А. E. Reuss l. c. 5. 226. 


— 1878 Manzoni 1. c. S. 51, Taf. L, Fig. 2.) Sie wurde bisher im gelben 


143 


Tegel von Rudelsdorf nur von A. E. Reuss sichergestellt. Reuss bemerkt, sie 
sei dortselbst selten. Diesmal gelang es nicht, sie dort nachzuweisen, und 
auch anderswo wurde nach ihr vergebens geforscht. Viel ófter kommt sie 
im Süden des heimischen Miocoengebietes vor. Eigentlich ist sie bereits in 
Mähren eine ziemlich häufige Erscheinung, namentlich in den Sedimenten der 
Leithakalkfacies und des oberen Mergels. Von daher ist sie aus dem Mergel 
von Drnoviee bekannt; Manzoni führt sie an aus der Umgebung von Kostel 
(Mühren), Gaudenzdorf, Steinabrunn, Garschenthal, Niederleis, Kalladorf, Grin- 
zing (Niederoesterreich); Miechowice (Oberschlesien); Wielizka, Podjarkov 
(Galizien); Lapugy (Siebenbürgen); Dios Jenö, Bujtur (Ungarn). 


LS Se 
"n 44. Hornera hippoly- Fig. 45. Salicornaria far- Fig. 46. Discoflustrella Nováki, Proch. 
E us, Reuss. Rudelsdorf. ^ ciminoides, Johnst. Rudels- Rudelsdorf. ?°/, vergróssert. 
4n "9, vergr. Stock von dorf. ?*/, vergrössert. 
vorne. 


Meteropora stipilata, Reuss. (1878 Manzoni 1. c. Taf, XL, Fig. 45.) Die se 
seltene Art führt Manzoni ausserdem Nussdorfer Tegel auch aus dem gelben 
Tegel von Rudelsdorf an, wo ich sie bis jetzt vergeblich gesucht habe. 

Salicornaria fareiminoides, Johnston. (1874. A. E. Reuss, 1. c. S. 143, Taf. XII, 
Fig. 8218.) Fig. 45. — Diese Art gelang es mir diesmal zum ersten male im 
Rudelsdorfer Tegel zu entdecken. Es wurde eine winzige Colonie heraus- 
seschlemmt, die zwar abgebrochen war, doch ziemlich gut erhalten um an 
ihr alle für diese Art bezeichnenden Charaktere zu abwahren. Auf anderen 
Fundorten unseres böhmischen Miocaens habe ich ihr vergeblich nachgeforscht. 
Dagegen findet sie sich im Gebiete des mährischen Miocaens fast auf jeder 
Fundstätte, namentlich in der Sand- und Mergelfacies. Dasselbe gilt auch 
yon dem niederoesterreichischen und ungarischen Gebiete. Hier wie dort wurden 
ihre gewöhnlich schön erhaltene Colonien in Hülle und Fülle nachgewiesen. 

euss führt sie an: von Nussdorf, Enzersdorf, Steinabrunn, Niederleis, Raus- 

nitz, Winden, Eisenstadt, Morbisch, Podjarkov, Wieliczka, Miechovice; ferner 
ist sie aus dem englischen Crag, aus den neogenen Sedimenten von Rhodos 
und aus dem oberen und mittleren Oligocaen Deutschlands (Cassel, Nieder- 
kaufungen, Kleinfreden, Söllingen) bekannt. 


Membranipora gracilis, Münster sp. (Lepralia gracili A. E. Reuss, 1. c. 8. 


266. — 1874. А. E. Reuss, 1. с. S. 184, Taf. X, Fig. 5—7). Ich kann nur die 
Ansicht Reuss' bestátigen, dass diese Art im ostbóhmischen Neogen selten 
vorkommt. Reuss hat sie den Schalen von den im Rudelsdorfer Tegel gefun- 
denen Austern aufgewachsen gefunden. Diesmal wurde jedoch von ihr auf 
dieser Localität keine Spur nachgewiesen. Dagegen wurde ihre Colonie auf 
einer Austernschale aus dem Tegel von Abtsdorf gefunden. Der Vergleich 
mit Arten aus marinen Sedimenten führte zur Ansicht, dass die veründerten 
physikalischen Einflüsse weder auf den Zellen, noch auf der Colonie eine 
merkbare Aenderung hervorgerufen haben. Wenigstens konnte man es erwarten ! 
Diese Art scheint nach den bisherigen Erfahrungen auch im bóhmischen 
Miocaengebietet genug verbreitet, wenigstens mehr als die dort entdeckten 
Arten. Ich berühre diese Eigenschaft absichtlich. Ich sehe darin ein ge- 
wichtiges, nützliches Merkmal. Ich erblicke darin nichts Zufälliges. Es müsste 
ja dann auch das ein zufälliger Umstand sein, dass sie auch auf den übrigen 
Fundorten des ausser alpinen neogenen Beckens verbreiteter ist als die Mehr- 
zahl der von daselbst bekanten Bryozoenarten. Die reichste individuelle Ent- 
faltung erreicht sie in der Bryozoenfacies, doch auch in der sandigen kommt 
sie häufig und oft vor, dagegen begegnen wir derselben in den Tegeln und 
Mergeln selten. Aus dem mährischen Miocaen ist sie von Kostel, Kralie und 
Zatany, aus dem niederoesterreichischen von Steinabrunn, aus dem steir- 
märkischen von der Gegend von Guschenthal, aus dem ungarischen von Eisen- 
stadt und Kroisbach, aus dem siebenbürgischen von Buytur bekannt. Ferner 
kennt man sie aus dem Miocaen von Frankreich (Doué, Thoringe), Italien 
(Castellarquato), Rhodos. Sie reicht bis in die Sedimente des oberen Oligocaen 
(obstrupp) zurück — durch Miocaen und Pliocaen geht sie in die heutigen 
Meere (Adriatisches Meer) über. 


? Discoflustrella Nováki, Procházka. Fig. 46. — Das spärliche Material, das 


ich bisher aus dem — Ziudelsdorfer Tegel herausgeschlemmt habe, lässt keine 
eingehende Beschreibung und Aufstellung dieser für unser ostböhmisches 
Miocaen interessanten Art zu. Bisher wurde darin nur ein Exemplar, eine 
nicht einmal ganze Colonie entdeckt. Es fehlt derselben das obere Ende, 
welches abgebrochen ist. Dieser Umstand hat verschuldet, dass ich vorläufig 
noch die Gattung, zu welcher sie gehört, nicht genau feststellen kann. Nach 
den übrigen Merkmalen theilt sie noch am meisten gemeinsame Eigenschaften 
mit der Gruppe, welche d'Orbigny Discoflustrella benannt hat. Der Stock ist 
cylinderförmig, oben sehr schwach verengt, innen hohl. Die Zellen liegen in 
schiefen von rechts und links nach oben verlaufenden und einander schnei- 
denken Reihen. Sie haben keine Ränder, diese hiegen in der Oberflächen- 
peripherie. Ihre Gestalt ist trichterförmig, ihre Längsaxe steht zur Lüngsaxe 
des Stockes senkrecht. 


Eschara coseinophora, Reuss. (1860, 1. c. S. 223. — 1877 Manzoni 1. c. 9 


62, Taf. VIII, Fig. 2, 5). Diese interessante Art, deren Vertreter man durch 
die miocaenen Sedimente in das obere und untere Oligocaen verfolgen kan 
kommt in unserem Gebiete nur im Rudelsdorfer Tegel, und zwar auch hier 


| 


145 


Sehr selten, vor. In dieser Hinsicht stellt sie sich den vorigen Arten zur 
Beite, die ebenfalls in den Tegeln der Badener und in den Mergeln der Steina- 
brunner Facies selten sind. Aus dem ostböhmischen Miocaen gebiete verbreitet 
sich diese Art nach Mähren (Kostel), von dannen nach Niederoesterreich 
(Nussdorf) Ungarn (Forchtenau) Sie reicht in die Sedimente des oberen und 
mittlereu Oligocaen zurück, von woselbst sie aus der Umgebung von Latdorf 
bekannt ist. 

Serpula manicata, /еиѕѕ. (1860, 1. c. S. 223, Taf. III., Fig. 5.) Die zierlichen 
Röhrchen dieser Art sind bisher blos aus dem Rudelsdorfer Tegel und nur 
A. E. Reuss bekannt. Diesmal wurde von ihnen nichts entdeckt, trotzdem 
ihre Spuren eifrig gesucht wurden. Ich kenne sie aus eigener Auschauung 
nur aus den Tegeln von Borat, wo sie in der Nachbarschlaft einer überaus 
reichen Tiefsee-Fauna liegt. 

Serpula quinquesignata, Reuss. (1860, 1. с. S. 224, Taf. III, Fig. 6.) — Nach 
А. E. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel seltener als die vorige. Ob 
es wirklich der Fall ist, kann ich nicht entscheiden, da es mir mich vergónnt 
worden ist, ihre hübschen Röhrchen zu entdecken. Zu den bisherigen Kennt- 
nissen über sie füge ich noch bei, dass sie wie im Rudelsdorfer Tegel, so 
auch im Вогаёег Tegel und ausserdem auch im Drnovicer Mergel gleichzeitig 

| mit der Art S. manicata auftritt. 

Serpula granosa, Aeuss. (1860, 1. c. S. 225, Taf. Ш, Fig. 9.) — Nach А. 
E. Reuss ist diese leicht erkennbare Art in dem Rudelsdorfer Tegel sehr 
Selten. 

d 

Serpula earinella, Reuss. (1860, 1. е. S. 224, Taf. Ш, Fig. 7.) Unversehrte 
Exemplare dieser Art sind im Rudelsdorfer Tegel sehr selten, doch auch 
Fragmente spärlich. Diese Erfahrungen hat schon Reuss gemacht und diesmal 
wurden sie nur bestätigt. Trotzdem wir gewöhnlich nur Bruchstücke gewin- 
nen, fällt es nicht schwer, sie von anderen Arten zu unterscheiden. Am 
Meisten verhilft dazu die äussere Form des Röhrchens, theilweise auch der 
Durchschnitt. Inwieweit es am vorliegenden Materiale möglich war fest zu- 
stellen, ist die äussere Form bedeutenden Veränderungen unterworfen, die 
darin bestehen, dass die Längskanten bisweilen stark verschwinden und selten 

Scharf sind, 

Serpula crispata, Reuss. (1860, 1. c. S. 225, Taf. III, Fig. 8. — Die Röhrchen 

dieser Art sind nach meinen Erfahrungen im Rudelsdorfer gelben Tegel ver- 

hältnissmässig ziemlich häufig. Es ist jedoch gleich hinzuzufügen, dass es 

“war genug Bruchstücke, doch sehr wenige erhaltene Individuen gibt. Einige 

von diesen Röhrchen weichen von den Typen ab, indem sie eine Oberfläche 

ohne Furchen und convexe Kanten besitzen, doch auch in diesem Falle wird 

Ihre Oberfläche mit Anwachskreisen desselben Gepräges bedeckt, wie wir 

816 an mit einer Furche gezierten Exemplaren gewahren. 

"ula lacera, Reuss. (1860, 1. с. S. 225, Taf. Ш, Fig. 10.) — Auch diese Art 

ist im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Bisher kennt sie nur A. Æ. Aeuss, 

welcher schreibt, es seien von ihr nur Bruchstücke gefunden worden. 


Seri 


10 


Serpula placentula, Reuss. (1860, 1. с, S. 226, Taf. ПІ, Fig. 11.) — In den 


Bereich dieser Art stelle ich winzige, sehr kurze Röhrchen von grösseren 
Windungen, welche diesmal aus dem gelben Arudelsdorfer Tegel hübsch er- 
halten herausgeschlemmt wurden. Ich hatte ursprünglich die Absicht, sie auf 
eine günstigere Zeit zu verschieben, doch habe ich mich spärter anders ent- 
schlossen ; es veranlasste mich hiezu namentlich der Umstand, dass ich einige 
hübsche Bruchstücke mit fast unversehrter Oberfläche fand. Diese haben 
mich auf die Spur dieser Art geführt. Trotzdem zweifle ich noch jetzt, ob 
diese Bruchstücke wirklich hieher gehören. Darum bestehe ich darauf, dass 


auch in dieser Sache nur ein künftiges Studium eines reichen — entschieden 
reicheren, als ich eben vorhanden habe — Materials uns eine richtige Antwort 


zu geben vermag. 


Spirorbis deelivis, Reuss. (1860, 1. c. S. 226, Taf. П, Fig. 12.) — Den feinen 


Röhrehen dieser Art begegnen wir in den heimischen Miocaenablagerungen 
ziemlich häufig. Gewöhnlich sind sie den Austernschalen aufgewachsen, selten 
den Schalen von anderen Arten. Häufig kommt es vor, dass man von ihnen 
nur einen Abdruck der Basis findet. Die Ursache hievon ist die in der Regel 
dünne Wand, welche sehr oft bei einen Auschlage zerfällt. Im Rudelsdorfer 
Tegel ist die vorliegende Art sehr selten, in den Littoralablagerungen des 
nordwestlichen und westlichen Mähren kommt sie aber öfter vor. 


? Diadema Desori, Reuss. (1560, 1. с. S. 218, Taf. П, Fig. 3.) — Mit diesem 


Namen bezeichnete Reuss sehr dünne Echinidenstacheln von” cylindrische” 
Form, welche gewissermassen aus kurzen, dutenförmig ineinandergestechten 
Kegeln zusammengesetzt sind, deren Oberfläche gleiche, regelmässig gewölbte 
Faden zieren. Den Körper, dem diese Stacheln angehören, kennt man nicht. 
Nach einem langen Suchen habe ich im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer 
Tegels nur ein Stachel gefunden. Und est ist interessant, dass auch sie die 
Spitze und den Stiel abgebrochen hat, wie die Stacheln, welche ich auf ver- 
schieden Orten im mährischen Miocaen entdeckte. 


ydarus polyacanthus, Reuss. (1860, 1. e. S. 223, Taf. III, Fig. 4.) — Ich er- 


wähne hier auch diese Stachel, welche ebenfalls im mährischen Miocaen 
vorkommt. Doch auch hier kennt man bisher die Art nicht, welche die Stacheln 
dieser Form, geziert haben. Reuss bemerkt, diese Art von Stacheln sei in 
Rudelsdorfer Tegel häufig. Mir gelangen nicht, auch nur eine einzige im 
Schlemmrückstande des dortigen Tegels zu finden. — Ausser diesen Stacheln 
habe ich auch andere Arten von Stacheln im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt 
Sie sind gänzlich denjenigen ähnlich, welche ich seinerzeit aus dem Tegel v0" 
Walbersdorf, und zwar aus dem aus den Schalen herausgeschabten und aus 
den Körpern des Seeigels Brissopsis Offnangensis gewonnenen Tegel heraus- 
geschlemmt habe. Soweit meine bisherigen Erfahrungen von diesen schönen 
winzigen Stacheln reichen, bezeugen sie, dass dieselben sowohl in den Tegeln 
und Mergeln von Mähren, Niederoesterreich und Oberoesterreich, als aut 
in unseren böhmischen verhälnissmässig häufig sind. 


Jaryophyllia leptaxis, Zeuss. (1860. Cyathina clavus Reuss, 1. с. 8. 213. — 


1872. Die fossilen Korallen des österr.-ungar. Miocaens. S. 207, Taf. J, 


Pa 


141 


Fig. 8) — 4. E. Reuss bemerkt in seiner Abhandlung über das bóhmische 
marine Miocaen, diese Art komme im Rudelsdorfer Tegel sehr selten vor. 
Da es an geeignetem Materiale mangelte, vermuthete Reuss damals, er habe 
einen Vertreter der Scacchischen Art Oyathina clavus vor sich, was er spärter 
in seiner grossen Monographie über die fossilen Miocaenkorallen richtigstellte. 
Die Erfahrung Reuss' über die individuelle Menge dieser Art im Rudelsdorfer 
Tegel bestätige diesmal auch ich vollinhaltlich. Es gelang nämlich auch mir 
nur ein Fragment von dem oberen Kelch dieser interessanten Art zu finden, 
trotzdem nach ganzen Kelchen lange und eifrig geforscht wurde. Auf den 
ersten Blick scheint es, dass sich dieses Bruchstück nicht gut bestimmen 
lässt. Wer jedoch das Reuss’sche Original dieser Art nur eimal in der Hand 
hatte, wird nicht lange im Zweifel sein; ihre Merkmale sind so auffallend, 
dass sie uns keinen Augenblick im Zweifel lassen, 


'acyathus firmus, Philippi sp. (1860 A. E. Reuss, l. с. S. 213, Taf. I, 


fig. 1—8. — 1872. 1. с. S. 218, Taf. IIL, fig. 4, 5.) —. Ursprünglich von 
Philippi in den oberen Oligocaenschichten Deutschlands entdeckt, wurde diese 
Art spärter von A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel festgestellt, wo auch ich 
die Gelegenheit hatte, sie zu erkennen und aus dem dortigen gelben Tegel 
herauszuschlemmen. Was Reuss’ Beschreibung betrifft, kann ich nichts hinzu- 
fügen, als dass diesmal ein sehr kleines Polyparium mit voller Anzahl der 
äusseren Querleisten entdeckt wurde. Diese Art ist sehr selten. Bisher wurde 
Sie ausser dem Rudelsdorfer Tegel nirgendswo im heimischen Miocaen nach- 
gewiesen. 


Theeoeyathus velatus, /еиѕѕ. (1860. Paracyathus velatus Reuss, 1. c. S. 214, 


Taf. 1, fip 4—7..-— 1872, Le, 8 218, Taf. II, fig: D.) — Diese seltene, im 
heimischen Miocaen sehr spärlich auftretende Art wurde eine lange Zeit 
hindurch nur aus dem [tudelsdorfer Tegel bekannt, wo sie A. Æ. Reuss zu- 
erst entdeckte. Vor Jahren gelang es mir, sie auch im Boraéer Tegel festzustellen 
in einer individuellen Menge, die man mit Recht eine bedeutende neuen kann. 
In unserem böhmischen Tegel ist sie dagegen eine verhältnissmässig seltene 
Erscheinung., Erst nach einer längeren Durchsuchung gelingt es, ihre winzige 
Polyparien zu finde n, welche leider fast immer stark schadhaft sind. Reuss’ 
Originale bezeugen zur Genüge, dass im Rudelsdorfer Tegel auch ganz 
erhaltene, tadellose Individuen zu finden sind. 


Theeoeyathus mierophyllus, Zeuss. (1872, 1. e. S. 220, Taf. П, fig. 8, 9. 


Taf, XIX, fig. 1.) Diese Art finden wir in der Regel gleichzeitig mit der 
vorigen. Reuss hat dies im Rudelsdorfer Tegel, ich wieder auf einigen Fund- 
Orten im Gebiete des mährischen Miocaens z. В. in Borač festgestellt. Diesmal 
gelang es mir nieht, ihre Polyparien im Rudelsdorfer Tegel zu finden. Die 
Ursache davon erblicke ich natürlich in ihrer unbedeutenden individuellen 
Menge. Ich habe mich fast auf allen ihren Fundorten überzeugt, dass ihre 
individuelle Menge der vorigen Art gegenüber untergeordnet ist. Überall sind 
aber die diese Arten trennenden Unterschiede gleich deutlich und von Gewicht. 
Ihre horizontale Verbreitung ist nicht gross, im Gegentheile verhältnissmässig 
klein, beschränkt, Von ihren Gebieten ist vor allem der westmährische Sprengel 


10* 


zu nennen, wo sie im Tegel von Borač eine genug häufige Erscheinung ist; 
ausserdem ist auch das südmährische Gebiet beachtungswerth, wo sie im Tegel 
von Porzteich nachgewiesen wurde. 


Syzygophyllia brevis, Reuss. (1860, 1. с. S. 217, Taf. I, fig. 10—12; Taf. П, 


fig. 10. — 1872, 1. c. S. 232, Taf. V, fig. 6—9.) Ursprünglich im Rudelsdorfer 
Tegel von Reuss entdeckt, wurde sie von ihm auch in dem Tegel von Lapug 
sichergestellt, doch auf diesem Fundorte in einer weit grösseren Menge als 
in unserem Tegel. Diesmal wurde nach ihren Polyparien erfolglos geforscht. 


Mycetophyllia horrida, Reuss, (1860, 1. c. 8. 217, Taf. II, fig. 1, 2. — 1872, 


1. e. S. 285, Taf. VI, fig. 5.; Taf. VII, fig. 1.) — Beim Verfassen der Mono- 
graphie der fossillen Koralen des oesterreichisch-ungarischen Miocaens hatte 
Reuss dasselbe Material, das er in der Arbeit über die marinen Miocaen- 
schichten Bóhmens beschrieben und abgebildet hatte. Ein paar Stockfragmente 
von dieser interessanten Art, von welchen diesmal leider keine Spur zu ent- 
decken war, trotztdem ihnen eine besondere Aufmerksamkeit gescheukt wurde 
und ich bemüht war sie festzustellen, das ist alles. Doch auch dies bestätigt 
die Angabe von A. Е. Reuss, dass diese Art in Rudelsdorf sehr selten ist, 
wührend sie anderenorts im bóhmischen Miocaengebiete überhaupt nicht vor- 
kommt. 


Astroeaenia ornata, M. Edw. et Н. (1872. A. E. Reuss, 1. с. S. 236, Taf. ХШ, 


fig. 4.) Ebenfalls eine sehr seltene Art, und zwar nicht nur in unserem 
böhmischen Miocaen, sondern überhaupt. — Ausser dem Rudelsdorfer Tegel ist 
sie nur noch aus den Sedimenten von Turin bekannt, aus denen sie von 
M. Edwards zuerst beschrieben wurde. 


Astraea crenulata, Goldfuss. (1860. Siderastrea crenulata A. E. Reuss, 1. C. 8. 


18. — 1872, 1. c. S. 245, Taf. XII, fig. 12.) Den kleinen Stöcken von dieser 
Art begegnen wir im heimischen Miocaen ziemlich häufig, in unserem bóhmi- 
schen jedoch sehr selten. Nur im Zudelsdorfer Tegel hat sie vor Jahren A. 
E. Reuss entdeckt. Von dieser Zeit bis heutzutage wurden sie dort nicht 
entdeckt. Vergeblich ist auch meine Mühe gewesen. Aus dem böhmischen 
Miocaentegel geht A. crenulata in den mährischen über (Porstendorf und Мар. 
Trübau), aus diesem in den niederoesterreichischen (Vöslau, Gainfahren, 
Möllersdorf, Pótzleinsdorf (Sande), dann in die ungarischen Mergel (Rohrbach, 
Mattersdorf und Marxer Kogel bei Oedenburg), endlich in die Leithakalke 
von Steiermark (Wildon, Flamberg) und ausser dem ist sie auch in den 
Molter Sanden des Horner Beckens zuhause. Ebenfalls wurde sie in der Um- 
gebung von Saucats und Piacenza entdeckt. 


Solenastraea tenera, Reuss. (1872, l c. S. 246, Taf. VII, fig. 5.) Fig. 47. — 


Prächtig erhaltene, vom verewigten Landskroner Apotheker Æ. Hrælebon 
geschenkte Bruchstücke von zwei Stöcken habe ich in der palaeontologische 
Sammlung des Museums des Königreiches Böhmen gefunden. Die Dimensione? 
von diesen aus dem gelben Rudelsdorfer Tegel stammenden Bruchstücken 
unterscheiden sich nicht bedeudend von den Stücken aus z. B. Sudicer Mergel. 
Wodurch sie einen überraschen, ist freilich ihr Totaleharakter; sie sind vet 
hältnissmässig klein, etwas kleiner als diejenigen aus den mährischen Mergel? 


Cla 


Ba] 


149 


der Leithakalkfacies. Doch in den Dimensionen der Zellen gibt es gar keine 
Abweichung. Übrigens werden die hier geschilderten Betrachtungen schon 
durch die hier ausgeführten Abbildungen zur Genüge documentiert. Ferner 
liefern sie den Beweis, dass auch die Anordung des Septalapparates der 
Rudelsdorfer Stöcke mit derjenigen der mir bekannten Typen von südlichen 
Fundorten congruent ist. Das eigene Gebiet dieser hochinteressanten Art ist 
sowohl Tegel als auch Mergel. In jener Facies ist sie jedoch selten, durch 
kleine Stöcke vertreten, in dieser ist sie häufig und die dortigen Stócke 
weisen grössere Dimensionen auf. Kostel und Sudice in Mähren und Cilli in 
Steiermark führt Reuss als Fundorte dieser Art an, wozu zur Vervollständi- 
gung noch Borač, Lažánky, und Drnovice beizufügen sind. 


b 
а 
Fig. 47. Solenastraea tenera, Reuss. Fig. 48. Cladangia conferta, Reuss. 
« Ansicht eines Stockes in halber nat. ; Rudelsdorf. \ 
Grösse; b */, vergrósserte Kelche und Ein Stock von der Seite in natürlicher 
Zwischenraum. Grösse. 


dangia conferta, Reuss. (1860. Cladocera multicaulis Reuss, 1. c. S. 219, 
Taf. II, Fig. 3—6. — 1872. A. E. Reuss 1. c. S. 247, Taf. XVI, Fig. 1—7; 
Taf. XVIII, Fig. 3.) Fig. 48. — Zwei schön erhaltene Exemplare dieser weit 
Und breit verbreiteten Art von Rudelsdorf bewahren die palaeontologischen 
Sammlungen des Museums des Königreiches Böhmen auf, ausserdem ist ein 
gleichfalls tadelloser Stock in den Sammlungen des geologischen Instituts der 
böhmischen Universität aufbewahrt. Alle haben ziemlich hübsch erhaltene, nur 
an den Rändern ein bischen abgeriebene Kelche. Es ist überhaupt interessant, 
dass auch diese Art in den sandig-mergeligen Miocaenablagerungen von Porsten- 
dorf unweit von Mührisch-Trübau zuhause ist, von wo sie sich nach Süd- 
Mähren dann nach Niederoesterreich (Steinabrunn, Kienberg) und Ungarn 
(Ritzing) verbreitet. 

anophyllia varians, Reuss. 1860, 1. c. S. 220, Taf. П, Fig. 7 bis 9. — 1872, 
d €. S. 252, Taf. XV, Fig. 3—6.) Bisher wurde diese Art im Rudelsdorfer 
Tegel nur von A. E. Reuss nachgewiesen, der sie auch aus den Miocaen- 
Sedimenten von Porstendorf, Hausbrunn (Westmühren) und Lapugy (Sieben- 


150 


bürgen) beschrieb. Aus anderen böhmischen Fundorten ist sie nicht bekannt, 
In der grössten individuellen Menge habe ich sie in den Tegeln von Boraé 
kennen gelernt, wo bedeutend grosse und dieke Polyparien abgelagert sind, 
die jedoch ebenso unvollkommen erhalten sind wie die Rudelsdorfer, von 
welchen Reuss bemerkt, dass sie abgebrochene Kelche haben. 

Porites inerustans, Defrance sp. (1860, A. E. Reuss, 1. c. S. 221. — 1872 
A. E. Reuss, 1. с. 8. 261, Taf. XVII, Fig. 5, 6. Auch diese Art hat im 
Rudelsdorfer Tegel bisher nur A. E. Reuss sichergestellt. In den südlichen 
Gebieten des heimischen Miocaens ist sie sehr verbreitet, und zwar nicht nur 
in Mähren, sondern auch in Niederoesterreich, Ungarn und Steiermark. Ihre 
Stöcke erreichen in den Sanden eine bedeutende Grösse, während sie in den 
Tegeln nur in geringe Dimensionen wachsen. 

Miliolina Bronniana, d'Orbigny. (1846 Qwinqueloculina Bronniana d'Orbigny 
Die foss. Foraminiferen d. Tertiaer-Beckens von Wien 8. 287, Taf. ХҮШ. 


Fig. 4 bis 6. — 1860, А. E. Heuss. Die marinen Tertiaerschichten Dóhmens 
und ihre Versteinerungen, S. 213.) — Diese ziemlich seltene Art hat in den 


marinen Sedimenten Böhmens bisjetzt nur A. E. Reuss entdeckt. Die Arten 
dieser Gattung nehmen bekanntlich je näher der Littoralzone, desto mehr ab. 
Auch unser Gebiet ist ein, wie ersichtlich, hinreichender Beleg dafür. 

Miliolina ef. consobrina, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 277, Taf. XVII, Fig. 10— 12.) 
Bisher nur im Tegel von Schirmdorf in einem hübsch erhaltenen und ganz 
erwachasenen Exemplare gefunden. Das vorliegende Gehäuse weicht von den 
Typen dieser Art namentlich durch einen schlankeren Umriss und dann 
dadurch ab, dass es eine in ein sehr kurzes cylinderfórmiges Röhrchen ver- 
längerte Mündung besitzt. Unter Beachtung dieses Merkmals trenne ich das 
Schirmdorfer Exemplar von den Typen und stelle es beiseite. Vielleicht bis ein 
reicheres Material vorliegen wird, wird es uns gelingen festzu stellen, inwieweit 
die Exemplare von Schirmdorf von den d’Orbigny’schen Typen abweichen und 
ob man einen Vertreter einer neuen Art oder nur eine Varietät dieser Art 
vor sich hat. 

Textularia carinata, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 248, Taf. XIV, Fig. 82—84. — 
1860, А. E. Reusss, 1. с. S. 213. — 1886. H. Brady, Raport on the Fora- 
minifera, S. 360, Taf. XLII, Fig. 15, 16.) Fig. 49. — Diesmal in schön 
erhaltenen und ganz erwachsenen Exemplaren gefunden. Der allgemein® 
Charakter derselben stimmt mit demjenigen der Individuen, die ich auf zahl- 
reichen Orten in den miocaenen Gebieten von West- und Nordwest-Mähre 
herausgeschlemmt habe. Von den Individuen aus den Tegeln der Badene! 
Facies des inneren Wiener Beckens weichen sie namentlich darin ab, dass 
sie einen verhältnissmässig stark hervortretenden Medianrücken besitze, 
was dem Gehäuse eine flache, zusammengedrückte Gestalt verleiht. Dies® 
hochinteressante Art reicht bis in das Eocaen zurück, und zwar in die Lon 
doner Thone, geht durch alle Stufen des Oligocen in das Miocaen über, ui 
sie weit und breit und fast in allen Horizonten verbreitet ist, von dad) 
durch das Pliocaen in die heutigen Meere, wo sie in mässigen Tiefen vou 99 
Knoten lebt. — Im heimischen Miocaen ist sie in allen Facien verbreitet 


151 


aber am gewöhnlichsten ist sie in den Tegeln der Badener Facies, wo sie 
grossentheils durch bis auffallend grosse Individuen vertreter ist. Solche habe 
ich im Tegel von Lukau entdeckt. Überhaupt kann man von dieser Art, 
soweit es sich um ihre Verbreitung im böhmischen Gebiete handelt, mit Recht 
behaupten, dass sie auch hier — im marinen Sprengel — häufig ist, trotzdem 
ihre individuelle Menge nicht so gross ist. Sie wurde ausser dem Tegel von 
Lukau auch im Tegel von Rudelsdorf, Landskron und Rothwasser entdeckt. 


Fig. 49. Textularia carinata, Fig. 50. Verneuilina spinu- Fig. 51. Bulimina affinis, 
d'Orb. losa, Reuss. d'Orb. 
39/, vergrössert. DI, vergróssert. »/, vergróssórt. 


Textularia abbreviata, d'Orbigny. 18/6, 1. c. S. 249, Taf. XV, Fig. 6—11. 
Im Tegel von Schirmdorf wurde ein Gehäuse von dieser interessanten Art 
entdeckt, die bisher im Gebiete unseres ostböhmischen marinen Miocaens 
unbekannt war. Es gehört einem erwachsenen Individuum an, von gewöhn- 
lichen Dimensionen, wie sie die Individuen dieser Art auf südlichen heimischen 
Fundorten aufweisen. Sie ist hier aus der Badener und Leithakalkfacies 
bekannt (Nussdorf). 

Textularia Hauerii, d Orbigny. (1846, 1. с. S. 250, Taf. ХУШ, Fig. 4—6. — 


1860 A. E. Reuss, 1. e. S. 213.) Über diese Art schreibt A. E. Reuss, sie 
sei im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Damit müssen wir uns zufriedengeben. 
Uns gelang es nicht, sie zu entdecken, trotz einem emsigen Nachforschen, 
Dieses negative Resultat bestätigt nur die frühere Erfahrung Reuss’. Nur aus 
den Mergeln von Nussdorf und Grinzing ist diese Art bekannt. Von einer 
anderen Localität kennt man sie nicht. 

Textularia spec. Indem ich nur drei Bruchstücke aus dem gelben Ziudelsdorfer 
Tegel habe, wage ich es nicht zu behaupten, dass sie einer neuen Art an- 
gehören. Einige Umstände bezeugen zwar diese Ansicht, doch andere wieder- 
Sprechen ihr, indem sie an eine bereits von Reuss aus den Rudelsdorfer Tegeln 
angeführte Art, nämlich 7. Hawerü, erinnern. Zuerst habe ich auch vermuthet, 
diese Fragmente gehören ihr an, doch später, als ich sie mit den Typen der 
erwühnten Art verglichen hatte, belehrte ich mich eines anderen. Wodurch 
diese Bruchstücke vor allem von allen Arten abweichen, ist einerseits die 
Oberflüchenbeschaffenheit der Kammern, welche mit groben unregelmüssig 
vertheilten Höckerchen bedeckt sind, andererseits die winzigen Dimensionen 
des Gehäuses. Dieses Merkmal scheint darauf hinzuweisen, dass es vielleicht 
Junge Individuen sind, diesem widerspricht jedoch die nur den erwachsenen 
Individuen eigene Anzahl der Kammern. Aus diesen Gründen bin ich ge- 
nöthigt, ein endgiltiges Urtheil über diese Exemplare einer künftigen Unter- 


suchuug zu überlassen, der es vielleicht gelingt ein reicheres Material zu 
finden. 


Verneuilina spinulosa, Reuss. (1849, l. е. S. 10. Taf. IL, Fig. 12. — 1884. 


Н. Brady, l. c. S 884, Taf. XLVII, Fig. 1—3.) Fig. 50. А. Е. Reuss bemerkt 
in seiner Abhandlung, diese Art sei im Rudelsdorfer Tegel selten. Diesen 
wiedersprechen gewissermassen die Erfahrungen, welche ich diesmal darüber 
gewonnen habe. Das Resultat meiner Forschung führt mich naturgemäss zu! 
Ansicht, dass Verneuilina spinosa im Rudelsdorfer Depót eine ziemlich ge- 
wöhnliche Erscheinung ist und dass sie sich nicht nur durch eine seltene 
Niedlichkeit der Gehäuse, sondern auch durch Erwachsenheit und Grösse 
auszeichnet. Die bisher gefundenen Gehäuse sind insgesammt schön erhalten. 
Die Übereinstimmung der Rudelsdorfer Individuen mit anderwürtigen Exem- 
plaren ist in jeder Hinsicht eine absolute. Abweichungen entdeckt man nicht 
selbst wenn man eifrigst darnach forscht. Diese Art lässt sich bis in das 
obere Oligocaen, aus diesem durch das Miocaen von Mähren, Niederoesterreich, 
Steiermark, Baiern, Schlesien in das Plicaen von Italien und Spanien und 
durch das Postpliocaen der Insel Ischia in die heutigen tropischen und sub- 
tropischen Meere verfolgen, wo sie in mässigen Tiefen lebt. Nur aus dem 
Rudeisdorfer Tegel ist sie im böhmischen Miocaengebiet bekannt, aus den 
übrigen dortigen Fundorten wurde sie nicht nachgewiesen. 


Bulimina affinis, d'Orbigny. (1884 Brady, 1. c. S. 400, Taf. L, Fig. 13 a 0) 


Fig. 51. — Ich habe absichtlich von der Gruppe B. affinis, B. ovata und В. 
pupoides diese Art abgebildet, weil sie dazu am geeignetsten befunden wurde 
und vor allem um zu ermöglichen, unsere böhmischen Individuen von dieser 
Art mit den Individuen Brady's zu vergleichen, welche bekanntlich von den 
abgebildeten Individuen d'Orbigny's etwas abweichen. Wie schon ein flüch- 
tiger Vergleich uns hinreichend belehrt, ist unser Individuum mit denjenigen 
Brady's identisch und von den Individuen der oben erwühnten Arten genau 
different. Nicht nur jenes, sondern alle gefundenen Individuen sind práchtig 
erhalten, tadellos. Am abgebildeten Individuum fällt die Mündung durch ihre 
verhältnissmässig grosse Dimensionen auf. Da bemerke ich sogleich, dass ich 
im vorliegenden reichen Materiale Individuen mit normaler Mündung habe. 
Diese Art gehört zu einer Gruppe, die in unseren miocaenen Sedimenten 
bedeutend verbreitet ist. Ihren prächtig erhaltenen Gehäusen begegnet mal 
sehr häufig im Tegel von Rudelsdorf, Lukau, Landskron, Rothwasser und 
Schirmdorf. Und es ist wirklich interessant, dass ihre individuelle Mengt 
gegen die Küste des derzeitigen mioeaenen Meeres zu wächst. 


Bulimina ovata, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 185, Taf. XII, Fig. 13, 14. — 1860 


A. E. Reuss, l. c. S. 212.) Auch diese Art ist in den Ablagerungen, die wir 
nach den heutigen Erfahrungen für littoral halten, häufiger als in den weiter 
vom Gestade abgelagerten Sedimenten, Sie vervollständigt mit B. affinis un 
B. pupoides das Bild, dessen Positiv sich uns auch in den jetzigen Meere 
zeigt, denn auch in diesen sind sie auf fast dieselben Zonen beschränkt wie 
zur Zeit des Neogens. Wir finden ihre höchst prächtigen Gehäuse im Тере 
von Rudelsdorf, Lukau und Schirmdorf. Und wie hier, ist sie auch über das 


Be 


153 


neogene Gebiet von Mähren, Niederoesterreich verbreitet, von wo sie gegen 
Norden ins Neogen von Polen, gegen Osten über Ungarn nach Siebenbürgen, 
gegen Süden nach Italien, ferner gegen Norden nach Schottland vordringt; 
ausserdem ist sie im Tertiaer Kanadas zuhause. Durch das Miocaen kann 
man sie bis in das Eocaen der Insel Wight verfolgen. In den jetzigen Meeren 
ist sie ebenfalls ziemlich verbreitet, wo sie im nördlichen und südlichen 
Atlantischen Ocean in der Littoralzone an den Küsten lebt. Auch wurde sie 
aus verschieden Tiefen von 1400—2100 Knoten ausgefischt. 

Bulimina pupoides, d'Orbigny. (1846, l. c. S. 185, Taf. XI, Fig. 11, 12. — 
1860 A. E Reuss, Lo би 219...— 1884. Brady, l.c. 9.400, Taf. L, 
Fig. 15.) Zuerst hat sie im böhmischen Miocaen, im Rudelsdorfer Tegel, Reuss 
nachgewiesen. Auch mir gelang es, ihre prächtig erhaltenen Gehäuse in dem- 
selben Tegel festzustellen. Dagegen überzeugte ich mich, dass sie zu jenen 
Arten gehört, welche in diesem Gebiete fast überall vorkommen und deren 
individuelle Menge gegen die ehemalige Küste zunimmt. Diese Ansicht hat in 
mir die Unmasse ihrer Gehüuse erhürtet, die ich aus dem Tegel von Bóhmisch- 
Trübau, Wildenschwert und Schirmdorf herausgeschlemmt habe. Ausser- 
dem wurde sie auch, jedoch selten, im Tegel von Schirmdorf unweit von dem 
Eisenbahneinschnitt nachgewiesen. Und wie hier im böhmischen Gebiete ist 
sie auch im Neogen von Mähren, Niederoesterreich, Ungarn etc. verbreitet, 
von wo sie in das Tertiaer von Italien, Schottland und Kanada übergeht. 
Sie lebt im nördlichen Atlantik, im Indischen und Süd-Ocean, ausserdem 
wurde sie an den Küsten vom Kap ausgeschwemmt. 


Fig. 52. Bulimina aculeata, d'Orb. Fig. 53. Virgulina Schreibersiana, CZiZ. 
Rudelsdorf. 89, vergrössert. Lukava. ?"/, vergróssert. 


Bulimina aculeata, d’Orbigny. 1849, A. E. Reuss, Neue Foraminiferen aus den 
m * . M D 
Schichten des oesterreichischen Tertiaerbeckens. Denkschriften der kais. Aka- 
demie der Wissenschaften Wien I. Band, S. 374, Taf. XLVIII, Fig. 13. — 


1860. А. E. Reuss, 1. c. 8. 919. — 1884 Brady, l c. Taf. LI, Fig. 7—9.) 
VH б * a ы 
Fig. 52. — Unsere böhmischen Exemplare, von denen das abgebildete aus 


dem Rudelsdorfer Tegel stammt, sind, wie man erkennt, wenn man sie mit 
Brady’s Original vergleicht, mit diesem vollständig übereinstimmend. Nur die 
Stacheln findet man kürzer und nur auf die ältesten Kammern beschränkt. 
Was jedoch die Erhaltung des Gehäuses betrifft, kann man sie ebenfalls als 
eine sehr günstige bezeichnen. In dieser Hinsicht steht das vorliegende Ma- 


terial von Rudelsdorf und Lukava dem mührischen und niederoesterreichischen 
nicht nach, wo sie in der mergeligen und tegeligen Facies entdeckt wurden. 
In den heutigen Meeren lebt sie in den Tiefen von 1000—2740 Knoten und 
zwar, soweit unsere Erfahrungen gehen, im nórdlichen und südlichen Atlan- 
tischen Ocean. 


Virgulina Schreibersiana, 02е. (1848.  Haidingers Naturwissenschaftliche 


Abhandlungen II, S. 147, Taf. XIII, Fig. 18—21. — 1860 A. E. Reuss, 
L ep 918. —— 4884. Brady, k c. S. 414, Taf. LIE Fig. 1—8.) Fig. Dë 
Seltsam ist, dass diese Art im Tegel von Lukau oft vorkommt, während es 
in dem benachbarten Rudelsdorfer nur nach einem mühsamen Suchen gelingt, 
ihre gewöhnlich prächtig erhaltenen %ehäusen zu finden. Ebenffalls schön 
erhaltenen Gehäusen dieser charakteristischen Art begegnen wir auf zahl- 
reichen Localitäten des heimischen Miocaens. Sie sind in der Tegelfacies von 
Mähren (Borat, Knihnice, Sebranice u. 8. w.), Niederoesterreich (Grinzing 
Enzersdorf ete.); ebenfalls kennt man sie von Castellarquato und Astrupp- 
Auch unsere Rudelsdorfer Individuen sind höchst schön erhalten, indem sie 
durchwegs eine glänzende und glatte Oberfläche und vollkommen entwickelte 
Gehäuse besitzen. Und wie im Міосаеп, so ist auch in den jetzigen Meeren 
diese Art weit und und breit verbreitet, denn sie wurde im Südlichen, Nördli- 
chen, Paeifischen und Indischen Ocean festgestellt, dann im Mittelmeere und 
im Rothen Meere, wo sie überall in verschiedenen Tiefen — von 10 bis 8000 
Knoten — lebt. 


Bolivina robusta, Brady. (Non B. Karreri Procházka, 1893, Miocaen Zidlocho- 


viek na Moravé a jeho zvífena, tab. VI, vzor 6 ab. — 1884. Brady, 1. © 
S. 421, Taf. LV, Fig. 7—9.) Die aus dem Gross-Seelowitzer Tegel heraus- 
geschlemmten Individuen, die ich im J. 1895 beschrieben und abgebildet habe; 
unterscheiden sich auf den ersten Blick von Brady's Typen auffallend genug: 
Namentlich weichen von denselben jene Individuen ab, deren Oberfläche von 
einander entfernte Höckerchen trägt, wodurch die ganze Oberfläche gehóckert 
erscheint. Das Material von Rudelsdorf und Lukau lehrt jedoch, dass es ausser 
diesen Individuen andere gibt von denselben allgemeinen Charakteren, doch 
mit den von Brady beschriebenen Individuen congruent, und zwar haben diese 
auf der Oberfläche anstatt begrenzter Höcker Knospen von stumpfen Contouren, 
die in einander übergehen, verchwimmen und einander durchsetzen, was zur 
Folge hat, dass die ganze Oberfläche einen entweder netzartigen oder unregel- 
mässig warzenförmigen, für die Individuen Brady’s bezeichnenden Charakter 
annimmt. Eben diese Merkmale haben mich veranlasst, die Individuen von 
Gross-Seelowitz der Brady’schen Gruppe unterzuordnen, und zwar umso eher, 
je gróssere Uebereinstimmungen und kleinere, ja unbedeutende Differenzen 95 
gibt. Bisjetzt wurde diese Art aus den jetzigen Meeren angeführt. Sie wurde 
aus den Tiefen von 10—1900 Knoten im südlichen Pacifik, ferner im nórdlichen 
Pacifik und im nördlichen Atlantischen Meere entdeckt. 


Bolivina punetata, d’Orbigny. (1846. Bolivina antiqua d'Orbigny, 1. с. S. 240, 


Taf. XIV, Fig. 11—13. — 1860. А. E. Reuss 1. с. 213.) A. Е. Reuss bemerkt, 
sie sei im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig. Diesmal gelang es mir nicht; 


155 


dasselbe festzustellen. Trotzdem ich von dortselbst ziemlich viel Material 
(Tegel und seinen Schlemmrückstand) hatte und es sorgfältig durchsuchte, 
gelang es mir nicht ihr Gehäuse zu entdecken. Das soll niemand für einen 
Gegenbeweis von Reuss’ Angabe halten. Es ist ja hinreichend bekannt, wie 
unsicher in dieser Hinsicht die Littoralsedimente sind. Nach meiner Meinung 
ergibt eine künftige Ausbeute wieder ein anderes, wenn auch im Wesentlichen 
congruentes Resultat. Dagegen wurde aus dem Tegel von Lukaw eine Anzahl 
von schön erhaltenen Individuen herausgeschlemmt, welche ebenso gross sind, 
wie jene anderswoher aus dem heimischen Miocaen und dieselben Merkmale 
zur Schau tragen wie diese. Ueberhaupt kann man kein selbst kleinstes Unter- 
schiedehen gewahren, das darauf hinweisen möchte, dass unsere ostböhmischen 
Individuen von z. B. mährischen, nieder- oder oberösterreichischen o. a. Indi- 
viduen difterieren. Im Miocaen von Mähren und Niederösterreich treffen wir 
ihre Gehäuse fast auf jeder Localität; von den mährischen sollen hier folgende 
erwähnt werden: Borač, Drnovice, Boskovice, Knihnice; von den niederöster- 
reichischen: Baden, Grinzing und Enzersdorf, ausserdem sind sie aus dem 
Tegel von Lapugy (Siebenbürgen) und Wieliezka (Galizien) bekannt. Ferner 
wurde diese Art im Londoner Tegel, in den Tertiaerschichten von Hampshire, 
Baiern und in den Glacialablagerungen von Schottland nachgewiesen. Sie ist 
eine cosmopolitische Art, nach Brady lebt sie zwischen 75° 35 nördlichen und 
583° südlicher Breite im nördlichen und südlichen Atlantischen Ocean, im 
| Rothen Meere und im Mittelmeere. 
Lagena strumosa, Reuss. (1862. A. Е. Reuss. Die Foraminiferen-Familie der 
Lagenidae. Sitzurgsberichte der k. Akademie der Wissenschaftee in Wien, 46. 
Band S. 328, Taf. IV, Fig. 49.) Fig. 54. — In den Bereich dieser Art stelle 
ich vorläufig (bis auf den abgebrochenen Hals) ein schön erhaltenes Exemplar 
aus dem Rudelsdorfer Tegel, welches ich nicht als Typus von einer neuen 
Art aufstellen will, trotzdem manche Umstände dazu auffordern. Zu dieser 
That nöthigt mich das ungenügende und spärliche vorliegende Material. Die 
zu einer vorsichtigen Einreihung dieses Exemplares zwingenden Merkmale 
weichen auffallend genug von jenen ab, welche wir an typischen Individuen 
von Lagena strumosa sehen. Vorerst fällt die Berippung unseres Exemplars 
auf, Wahrlich ist dasselbe den Typen der Reuss'schen Species ühnlich, doch 
nicht gleich. Es weicht von ihr theils durch die Form des Gehäuses, welche 
birnförmig angeschwollen ist, theils durch die Rippen ab, deren es weniger 
gibt als bei den typischen Individuen. Dann auch dadurch, dass seine Rippen 
gegen den Hals und gegen den unteren Mittelpunkt des Gehäuses zu verschwin- 
den. Dieser Abweichnngen eingedenkt, halte ich dafür, dass es vielleicht später, 
bis mehr und auch besser erhaltenes Material vorliegen wird, gelingt, die 
Grenzen zwischen den Typen dieser Art und den hier aus dem Rudelsdorfer 
marinen Miocaentegel angeführten Individuen zu ziehen. 
ena spec. Indem ich nur ein Exemplar zur Disposition habe, das überdies 
SA Halse schadhaft ist, vermag ich nicht seine Artengrenze bestimmt zu be- 
Zeichnen, weshalb ich mich damit zufrieden gebe, dass ich es verzeichne und 
Mit den verwandten Arten vergleiche. Zu diesen gehören in erster Reihe 


L ag 


156 


L. hispida und L. aspera, welche, wie unser Rudelsdorfer Exemplar eine mit 
winzigen unregelmässig vertheilten und zusammengedrückten Höckerchen be- 
deckte Oberfläche besitzen. Was die Form des Gehäuses betrifft, so besteht 
fast kein Unterschied zwischen dem vorliegenden Rudelsdorfer Individuum und 
den hier aufgeführten Arten. Ob es aber wirklich einer von den genannten 
Arten angehört, darüber wird auch in diesem Falle die Zukunft entscheiden. 


Nodosaria (G.) laevigata, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 29, Taf. I, Fig. 4—7. — 


1860. Glandulina ovula A. E. Reuss, 1. c. 8. 209. — 1884. Brady, 1. c. 8. 120, 
Taf. LX.) Bisher hat sie im Rudelsdorfer Tegel nur A. E. Reuss sichergestellt, 
welcher bemerkt, sie sei dort sehr selten. Eine ziemlich gewöhnliche Erschei- 
nung ist sie dagegen in den miocaenen Sedimenteu von Mähren, dann in 
denen von Niederösterreich (Nussdorf, Grinzing, Baden u. s. w.), dann in 
Steiermark (St. Egid). Mit ihren Abarten reicht sie bis in die untere Trias 
zurück, von wo sie sich durch fast alle geologischen Epochen verbreitet. Heut- 
zutage ist sie auch im Meere verbreitet, sie lebt von 79° 45' nördlicher Breite 
angefangen bis zu 53° südlicher Breite. 


Fig. 54. Lagena strumosa, Reuss. Fig. 55. Nodosaria venusta, Reuss. 
Rudelsdorf ??/, vergróssert. Rudelsdorf. 211, vergróssert. 


Nodosaria venusta, Reuss. (1849, 1. c. 8. 3, Taf. I, Fig. 5. — 1860, 1. €. 5. 


209.) Fig. 55. — Bereits А. E. Reuss erwähnt diese Art im Tegel von Ru- 
delsdorf. Auch diesmal wurde sie darin entdeckt, nur in einer verhältnis“ 
mässig grossen Menge, so dass die Ansicht Reuss’, sie sei im Ru.lelsdorfer 
gelben Tegel selten, in dem Sinne richtiggestellt werden muss, dass diese 
Art in der unmittelbar dem permischen Sandstein auflagernden Bank gelbe? 
Tegels verhältnissmässig häufig und durch insgesammt hübsch ja herrlich er 
haltene Ivdividuen vertreten ist. Das abgebildete Exemplar ist dadurch interes 
sant, dass es längs der Längsaxe schwach einigebogen ist, wodurch es gewis- 
sermassen die Regelmüssigkeit der Individuen verliert, von deren Reihe Reuss 
das am regelmässigsten entwickelte abbildete. Trotzdem es dieser ziemlich 
viele gibt, ja diese auch manehmal überwiegen, so gibt es doch ausser ihnen 


Individuen, aus deren Gruppe das vorliegende stammt. Auch die Rippenzall 
variert oft. Ebenfalls pflegt die Länge derselben verschieden zu sein. Und zu 
diesen Merkmalen gesellt sich endlich auch dasjenige, dass bei manche? 
Individuen die erste Kammer der Stacheln entbehrt, oder sehr oft eine ve 


157 


kümmerte und nur durch ein winziges Knöpflein vertretene Stachel besitzt. 
М. venusta ist nach meinen bisherigen Erfahrungen im Tegel von Rudelsdorf 
und ebenso in dem von Zukau häufig, wo ihre Individuen auch prächtig er- 
halten sind, während sie im Tegel von Schirmdorf sehr selten ist. Von Böhmen 
geht sie in das Miocaen Westmährens (Sebranice) und von dannen in das- 
jenige Niederoesterreichs (Grinzing bei Wien) über. 

Nordosaria semirugosa, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 34, Taf. I, Fig. 20—23.) 
Sie ist überhaupt in den heimischen Miocaenablagerungen selten. Dasselbe 
gilt auch von unserem Gebiete. Nur auf einer Fundstütte wurde sie dort nach- 
gewiesen, und zwar im Tegel von ZLwkaw. Zwei hübsche Exemplare wurden 
im Schlemmrückstande des dortigen Tegels gefunden. Das grössere von ihnen 
ist prächtig erhalten, bis auf die embryonale Kammer, die zur Hälfte zer- 
quetscht ist, dem kleineren fehlt der Hals der Endkammer. Die bei dieser 
Art besonders charakteristische Oberfläche besitzen sie unberührt. Die sehr 
kurzen Stacheln ragen auf alle Seiten fast diametral heraus. Bisher wurde diese 
Art in der Regel im Tegel der Badener Facies gefunden; unsere Entdeckung 
Stellt sie auch im Thone einer seichteren See fest und ist in dieser Hinsicht 
also auch interessant und hat ihre Bedeutung. 

Nodosaria Bouéana, d'Orbigny. (1846. Dentalina Bouéana d'Orbigny, l. c. S. 
47, Taf. I, Fig. 4—6. — (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 209). Diese im hei- 
mischen Miocaen weit und breit verbreitete Art, wo sie nicht nur in Tegeln, 
sondern auch in Mergeln auftritt, wurde in unserem böhmischen Gebiete der 
marinen miocaenen Tegel zuerst von A. Е. Reuss im Budelsdorfer Tegel 
entdeckt. Trotz einem emsigen Suchen und Forschen gelang es mir nicht, ihre 
Srösstentheils immer hübschen Gehäuse im Schlemmrückstande des Tegels von 
Rudelsdorf nachzuweisen, dagegen gelang es mir ihr Gebiet dadurch zu er- 
weitern, dass ich sie im Tegel von Lukau fand, wo sie nach den bisherigen 
Erfahrungen eine seltene Erscheinung ist und jener vortheilhaften Erhaltung 

N entbehrt, der sie sich namentlich auf den mährischen Fundorten erfreit. 

9dosaria (D.) acuta, d'Orbigny. (1846, 1. с. S. 56, Taf. II, Fig. 40—45.) 
Bisher wurde diese Art nur in zwei Exemplaren im Rudelsdorfer Tegel ge- 
fanden. Beide sind schadhaft. Das kleinere besitzt einen erhaltenen hinteren 
Theil des Gehäuses, der grössere vordere Theil ist abgebrochen. Dagegen 
Sind beide Fragmente vortrefflich erhalten, so dass ihre Vergleichung mit den 
Typen keine Schwierigkeiten bereitet. Was die Dimensionen der Kammern 
betrifft, ist es nöthig zu erwähnen, dass sie den Dimensionen der Individuen 
aus dem inneralpinen Becken gleichen. Ausserdem wurde sie auch im Tegel von 
Lukau gefunden. N. acuta ist nicht nur im Miocaen, sondern auch im Oli- 
S0caen verbreitet Prof. M. Hantken entdeckte sie in oligocaenen Mergeln 
von Ungarn, mir gelang es sie auch im oligocaen von Pausram nachzuweisen. 
Weit verbreiteter ist sie jedoch im Miocaen, wo sie in den Tegeln, im Schier, 
Schliesslich im Mergel und im Leithakalke von Mähren, Niederoesterreich, 

Noqo oosterreich und Schlesien zuhause ist. di n 
saria (D.) acuticauda, Reuss. (1851, Ueber die foss. Foraminiferen und 
Entomotraceen der Septarienthone der Umgebung von Berlin. — 1863. A. E. 


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158 


Reuss. Beiträge zur Kenntniss der tertiaeren Foraminiferenfauna. Sitzungs- 
berichte der К. Akademie der Wissenschaften 48. Band S. 45, Taf. ш, 
Fig. 26.) Bisher nur im Zudelsdorfer Tegel in einem schónen Exemplare 
jedoch ohne Terminalkammer sichergestellt. Dieses Gehäuse stimmt in der 
Anzahl, Form und Grösse der Kammern gänzlich mit den Individuen der 
Art N. elegans überein. Ich trenne es doch von dieser Art auf Grund eines 
Merkmals, das ich von hinreichendem Gewichte finde, namentlich da ich e$ 
früher an vielen und vielen Individuen als constant kennen gelernt habe. Ich 
kehre, wie ersichtlich, über die Ansicht Brady's zu derjenigen A. E. Reuss 
zurück. Über dieses und andere ebentalls als geringfügig anerkannte Merkmale 
werde ich binnen Kurzem auf einem anderen, passenderen Orte sprechen. 


Nodosaria (D.) elegans, d'Orbigny. (1846, 1. c. 8. 45, Taf. I, Fig. 52 -56.) 


Nodosaria (D.) Roemeri, Neugeboren. (1856, 1. c, 5. 12 


Nodosaria (D.) pygmaea, Neugeboren. (1856. Die Foraminiferen aus der Or 
nung der Stichostegier. 12. Band, S. 80, Taf. IL, Fig. 9.) Fig. 57. 
Art ist im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Bisher wurde daraus nur ein scl 


Diese Art war bisher aus marinen miocaenen Sedimenten Böhmens nicht 
bekannt. Diesmal wurde sie jedoch in einigen Individuen aus dem Tegel von 
Lukau und ein erwachsenes Exemplar aus dem Rudelsdorfer Tegel heraus- 
geschlemmt. Die Individuen von Lukau sind so gross wie die aus dem 
mährischen Miocaen, auch ihre embryonale Kammer läuft in eine Stachel 
aus, was dem Gehäuse das Ansehen der von А. E. Reuss N. acuticauda 
benannten Art verleiht. (Ueb. d. foss. Foraminiferen und Entomostraceen d. 
Septarienthones d. Umgebung von Berlin. 1851.) N. elegans ist ziemlich stark 
im Oligocaen verbreitet, wo sie Reuss in Ungarn und Deutschland und ich in 
Mähren fand. Einer viel grösseren Verbreitung erfreut sie sich im Miocaen; 
wo sie in der Tegel, Mergel- und Leithakalkfacies zuhause ist. 


Fig. 56. Nodosaria (D) Roemeri, Neugeb. Fig. 57. Nodosaria (D) pygmaea, 
Rudelsdorf. 28/, vergróssert. Neugeb. Rudelsdorf. ?З/, vergróssert. 


Taf. II, Fig. 18—17 
— 1884. Brady, l c. S. 505, Taf. LXII, Fig. 1.) Fig. 56. Sie wurde bisher 
nur im Rudelsdorfer Tegel in zwei hübsch erhaltenen Individuen gefunden 
von denen das grössere ganz erwachsen ist und sich durch die Merkmale der 
als typisch von Neugeboren beschrieben und abgebildeten Individuen aus den 
siebenbürgischen Tegeln auszeichnet. Brady führt diese Art aus dem nördli- 
chen Atlantischen Ocean aus den Tiefen bis 400 Knoten an. 


.— Diese 
1007 


159 


erhaltenes Individuum mit Merkmalen herausgeschlemmt, welche die Individuen 
aus den Lapugyer Tegeln in Siebenbürgen zur Schau tragen, von wo sie 
vom Pfarrer Neugeboren zuerst beschrieben und in die Litteratur eingeführt 
wurden. 

Nodosaria (D.) bifurcata, d'Orbigny. 1846, 1. c. S. 26, Taf. П, Fig. 38, 39. — 
1849. A. E. Reuss, 1. c. S. 367, Taf. XLVI, Fig. 10. — 1860. A. E. Reuss, 
L e. S. 209.) Von dieser seltenen Art wurde aus dem Rudelsdorfer Tegel 
nur ein stark schadhaftes Individuum herausgeschlemmt. Wenn wir die Menge 
des geschlemmten Tegels erwägen, müssen wir der Ansicht Reuss’ beipflichten, 
dass diese Art im Rudelsdorfer Tegel sehr selten vorkommt. Von dem vorlie- 
genden Gehäuse ist die terminale und die embryonale Kammer abgebrochen, 
an den übrüggebliebenen kann man sich jedoch genau überzeugen, dass die 
Merkmale unseres schadhaften Individuums mit den Merkmalen der Individuen 
derselben Art aus dem Badener Tegel übereinstimmen. Ausser diesem Fund- 
orte kennt man N. bifurcata noch aus der Gegend von Nussdorf, Lapugy, 
Miechowice u. a. 


b 


a Seit | | Fig. 58, Nodosaria (D) scabra, Reuss. Wn 
"ienansicht eines 23, vergrósserten Gehäuses, b stark vergrösserte zwei jüngste Kammern. 


Nodosaria (D.) seabra, Reuss. (1849, l. c. S. 3, Taf. I, Fig. 7, 8. — 1860. 
Dentalina pilosa, Reuss 1. с. S. 209, Taf. Ш, Fig. 1.) Fig. 58. — Nachdem 
ich schön erhaltene Rudelsdorfer Exemplare mit den Typen dieser Art ver- 
Slichen hatte, gewann ich die feste Überzeugung, dass D. pilosa aus dem 
Rudelsdorfer Tegel nichts anderes ist als ein Vertreter der N. scabra. Durch 
die Untersuchung der Oberfläche der Rudelsdorfer Gehäuse unter einer starken 
Loupe überzeugte ich mich, dass sie eine gerippte Oberfläche besitzen und 
dass zwischen den — allerdings sehr schwachen — Rippen eine Reihe von win- 
zigen Grübchen liegt. Die jüngste Kammer entbehrte dieser Zierden. Auf 
älteren Kammern werden die Rippen niedriger und dafür treten kleine Stacheln 
auf, welche gegen die erste Kammer zu grösser werden. Je nach dem Alter 
des Individuums reichen die Stacheln entweder hoch hinauf bei jungen oder 
Niedrig bei alten Individuen. Dadurch ist eine Verschiedenheit der Gestalten 
und auch der von den wirklichen Typen der N. scabra abweichende Charakter 
unserer Individuen bedingt. Und wie in Rudelsdorf, so ist diese Art auch 
Im Tegel von Lukau, Landskron, Bóhmisch-Trübau und Schirmdorf (Viadukt) 


160 


zuhause. Auf allen diesen Fundorten sind ihre Gehäuse erwachsen, vielfach 
auch abnormal gross und beinahe tadellos. Eine ganz gewöhnliche Erscheinung 
ist N. scabra in den Miocaenablagerungen von Mähren und Niederoesterreich. 
Sie bindet sich an keine bestimmte Facies, im Gegentheil ist sie in allen 
zugegen. Im J. 1892 habe ich ihre Geháuse auch im oligocaenen Mergel von 
Pausram gefunden. 

Marginulina Hoernesi, Reuss. (1860 Cristellaria Hoernesi, l. c. S. 210, Taf. III, 
Fig. 2.) Fig. 59. — Die Gehäuse dieser schönen Art wurden auch diesmal 
günstig erhalten gefunden. Sie gehören erwachsenen Individuen an, von denen 
das grössere 2 mm länge misst. Reuss schreibt in der erwähuten Abhandlung, 
sein Exemplar von 7 Kammern messe 0'75 mm. Daraus geht natürlich hervor, 
dass die Grösse des Gehäuses dieser Art in verhältnissmässig bedeutend von- 
einander entfernten Grenzen variiert. Es sei noch hervorgehoben, dass die 
Kammern nicht immer gleich gewólbt sind. Vielfach kommen Exemplare mit 
fast flachen Kammern vor, infolgedessen erscheint das Gehäuse stark zu- 
sammengedrückt. Das kann man jedoch durchwegs an älteren Kammern, nie 
an der terminalen betrachten. Diese ist immer stark convex und an der / 
Mundseite mit einer schwachen abgestumpften Kante geziert. Wenn wir A. E. 
Reuss’ Resultate mit den unsrigen zusammenziehen, gewinnen wir den Schluss, 
dass sich diese Art nicht nur auf den Rudelsdorfer gelben Tegel beschränkt, 
sondern auch im Tegel von Lukau, wo sie verhältuissmässig ziemlich selten 
ist, vorkommt. Auf den übrigen miocaenen Fundorten wurde sie bisher nicht 


entdeckt. 
o b 
Fig. 59. Marginulina Hoernesi, Reuss. Fig. 60. Marginulina similis, d’Orb. 
Rudelsdorf. ??/, vergróssert. Rudelsdorf. ??/, vergróssert. 


в Vorder-, b Seitenansicht des Gehäuses. 


Marginulina similis, d'Orbigny. (1846, l. c. S. 69, Taf. III, Fig. 15, 16.) 
Fig. 60. — Diese Art hat H. Brady der Gruppe untergeordnet, auf deren 
Spitze er die Typen der Art М. glabra gestellt hat. Ich folge hier aus 
wesentlichen und gewichtigen Gründen Brady nicht, von welchen Gründen 
ich spärter in einer selbständigen vergleichenden Arbeit über die Foramini- 
feren des mährischen Miocaens sprechen werde. Das Resultat meiner ver- 
oleichenden Studien führt zu den älteren Meinungen d'Orbigny's, Reuss’ und | 


| F. Karrers, nach welchen man die Individuen dieser Art in die Schrünke 
jener Species nicht hineinbringen kann — wie es Brady für möglich hält. 
Das Individuum dieser Art von Rudelsdorf und Lukau bietet uns auch 
einen Beleg dafür; inwieweit, darüber ein anderesmal. 


161 


Cristellaria minima, Karrer. (1864, Ueber das Auftreten der Foraminiferen 
in den Mergeln der marinen Uferbildungen des Wiener Beckens, L Theil, S. 
707, Taf. I, Fig. 8) — Winzige, gewöhnlich prächtig erhaltene Gehäuse 
dieser Art sind im heimischen marinen Miocaen verhältnissmässig sehr selten. 
Sie wurden ursprünglich im Tegel Westslavoniens in der Umgebung von Ben- 
kovac entdeckt; auch in Mähren habe ich Gelegenheit gehabt, von ihrer Ge- 
genwart mich zu überzeugen. Zufällig habe ich sie auch in unserem Gebiete, 
und zwar im Tege! von Lwkaw entdeckt. Das von dort stammende Gehäuse 
ist prächtig erhalten, jedoch von Dimensionen wie die gewöhnlichen Typen. 

Cristellaria cultrata, Montf. (1846 d’Orbigny, 1. с. S. 96, Taf. IV., Fig. 10—13. 
— 1884. H Brady, 1. c. 8. 550, Taf. LXX., Fig. 4. 6.) Verhältnissmässig 
selten findet man im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer und Schörmdorfer 
Tegels die Gehäuse dieser Art. Sie sind durchwegs flacher als die aus dem 
mährischen Miocaen, ihr Mitteltheil tritt mehr hervor und der Nabel ist stark 
hervortretend, gerundet. Ihr Lamellarrand erreicht keine grössere Breite, ist 
jedoch scharf und dünn. Diese Art erscheint zum erstenmale im Oligocaen von 
Ungarn und Mähren, ebenfalls ist sie auch aus dem Oligocaen von Italien 
bekannt. Aus dieser Formation geht sie in das Miocaen über, wo sie 
eine grosse nicht nur horizontale, sondern auch vertikale Verbreitung erreicht. 
Sie ist nicht nur aus dem Schlier, sondern auch aus den Badener Tegeln, 
Steinabrunner Mergeln und Einlagerungen im Leithakalke bekannt, und zwar 
in mährischen, ober- und niederösterreichischen, ungarischen und schlesischen 
Gebieten. Im böhmischen Miocaensprengel wurde sie bisher nur im gelben 
Rudelsdorfer und blaugrauen Schirmdorfer Tegel entdeckt. 


Fig. 61. Cristellaria calear, d’Orb. 
Rudelsdorf. 29/, vergrössert. а Seiten-, b Vorderansicht des Gehäuses. 


Cristellaria calcar, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 99, Taf. IV., Fig. 18, 20. — 1860 

4. E. Reuss, l. б. S. 210). Fig. 61. Diese Art kommt im Rudelsdorfer gelben 
Tegel häufiger als im Tegel von Zukau vor. Die Individuen von verschiedenen 
Entwickelungs-Stadien kann man hier durchwegs schön erhalten herausschlemmen. 
Gleich beim ersten Anblick der Rudelsdorfer Individuen wird es uns auffallend 
sein, dass sie mehr oder minder der zierlichen Stacheln entbehren. Wenn wir 
Sie aber sorgfältiger beobachten, finden wir auch diese Dornen an ihnen, jedoch 
verkümmert. Nur an einem Individium war ich im Stande, erwachsene Stacheln 
zu finden. Mit langen und dünnen Stacheln gezierte Gehäuse möchten wir ver- 
geblich suchen. Cr. calcar gehört ohne Widerrede der Gruppe der interes- 
Santesten Arten an. Sie reicht bis in das untere Oligocaen von Deutschland, 


11 


in das mittlere Oligocaen Mährens, von dannen geht sie in die Miocaensedi- 
mente über und ist in ihnen weit und breit verbreitet (Mähren, Schlesien, 
Ober- und Niederósterreich, Siebenbürgen, Ungarn). In den heutigen Meeren 
lebt sie in verschiedenen Tiefen und steigt bis in die Tiefe von 580 Knoten hinab. 


Cristellaria Austriaea, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 102, Taf. V., Fig. 1, 2). Diese 


leicht erkennbare Art, deren horizontale und vertikale Verbreitung im heimi- 
schen Miocaen bis auffallend gross ist, war bisher uns dem böhmischen Miocaen 
nicht bekannt. Diesmal gelang es mir zwar, sie nachzuweisen, doch wurden 
nur ein Paar Individuen im Rudelsdorfer Tegel entdeckt. Diese stimmen mit 
den typischen Exemplaren von Mähren und Niederösterreich völlig überein. 
Wie dort, so sind auch auf unserem böhmischen Fundorte ihre Gehäuse schön 
erhalten, vielfach tadellos gefunden worden. 


ristellaria intermedia, d’ Orbigny. (1846, 1. c. S. 104, Taf. V., Fig. 3, 4). 


Ein schön erhaltenes Gehäuse eines jungen Individiums wurde diesmal aus 
dem gelben Tegel von Rudelsdorf herausgeschlemmt. Von den typischen mähri- 
schen und niederösterreichischen Formen ist es nicht zu unterscheiden und 
auch nur durch die kleinste Abweichung zu trennen. Die Lage und das gegen- 
seitige Verhältnis der Kammern, die Lage und Form des Nabels und der 
peripherischen Rückenkante sind aueh an ihm so charakteristisch, dass man 
die vorliegende Art keineswegs der Art Cr. crepidula Fichtel et Moll sp., wie es 
Brady that, unterordnen kann. Im Gegentheil zeugen die erwähnten Merkmale nur 
für die Ansicht d'Orbigny's von der Selbständigkeit dieser Art. Jedoch auch die 
Individuen aus dem Tegel von Zukau, wo es derselben eine ziemlich bedeutende 
Menge gibt, und auch aus dem Tegel von Schirmdorf bestätigen jene Ansicht. 
Was die Verbreitung dieser Art in mührischen und überhaupt heimischen 
Tegeln betrifft, so kann hier erwühnt werden, dass sie eine bedeutende ist. 


Cristellaria inornata, d Orbigny. (1846 Robulina inornata d’Orbigng, 1. c. S. 102, 


Taf. IV, Fig. 25, 26. — 1860 А. E. Reuss, l c. S. 200). Trotzdem ich nach 
den winzigen Gehäusen dieser prächtigen und interessanten Art fleissig 66° 
forscht habe, habe ich sie bisher im Rudelsdorfer und Lukauer Tegel nicht 
gefunden. Dagegen ist sie in den Tegeln Mährens (Drnovice, Pamötice, Knih- 
пісе, Jaroměřice, Boskovice u. s. w.), Niederósterreichs (Baden), Siebenbürgens 
(Lapugy) häufig und verbreitet. 


"ristellaria depauperata, Reuss. (1851, 1. c. S. 70, Taf. I., Fig. 29). Drei Ge 


häuse gelang es bis jetzt nachzuweissen. Alle sind theilweise schadhaft, doch 
nieht dermassen, dass sie eine genaue Bestimmung erschweren möchten. Sie 
fallen durch winzige Dimensionen auf, sonst sind sie mit den aus mührischen 
Fundorten bekannten Typen congruent. Ursprünglich von A. Æ. Reuss iM 
Septarienmergel des deutschen Oligocaens entdeckt, wurde diese Art von mir 
im J. 1890 von mir im Oligocaen von Pausram sichergestellt und früher auf 
verschiedenen Orten Mährens und im Tegel von Dombrau nachgewiesen. Im gelben 
Tegel von Rudelsdorf und im bläulichen von Lukau ist sie eine seltene 
Erscheinung, auf den übrigen Miocaenfundorten scheint sie zu fehlen. 


163 


Polymorphina (6.) problema, d'Orbigny. (1846. Guttulina problema d'Orbigny 
1. с. S. 224, Taf. XII., Fig. 26—28. — 1860. A. E. Reuss, l. с. 5. 212. — 1884. 
Brady 1. с. S. 568, Taf. LXXIL, Fig. 20; Taf. LXXIII, Fig. 1) Fig. 62. — 
Diese Art entdeckte im Audelsdorfer Tegel ursprünglich А. Æ. Reuss. Das 
hier abgebildete Individuum nimmt, was die allgemeine Form des Gehäuses 
und die Anordnung der Kammern betrifft, die Mittelstellung zwischen den 
typischen Individuen dieser Art und der ursprünglich von А. Æ. Reuss aus 
dem Oligocaen Deutschlands beschriebenen Art P. lanceolata ein. Es ist vorzüg- 
lich erhalten seine Oberfläche glatt und glänzend. Aber auch im Tegel von 
Lukaw gelang es schöne Individuen dieser Art zu finden, welche ich auch aus dem 
Tegel von Schirmdorf berausgeschlemmt habe. Die Art P. problema gehört 
der kosmopolitischen Gruppe der Foraminiferen an. Sie lebt in allen Meeren 
von 79° 26° nördlicher Breite an in mässigen Tiefen, indem sie in die maxi- 
male Tiefe von 155 Knoten hinabsteigt. Ihre Varietäten gehen bis in den 
Lias und kommen fast in allen geologischen Horizonten vor. Namentlich sind 
sie im Miocaen von Mähren (Hausbrunn, Borač u. s. w.) Niederösterreich 
(Möllersdorf, Grinzing, Nussdorf), Steiermark (Wurzing), Galizien (Lemberg, 
Wieliezka), Oberschlesien (Miechowice), Baiern, von der Schweiz und von 
Italien verbreitet. 


A 


v 
Fig. 62. Polymorphina problema, Fig. 63. Polymorphina inaequalis, 
d'Orb. Rudelsdorf. ?9/, vergróssert. Reuss. Rudelsdorf. 291, vergróssert. 


Polymorphina inaequalis, Reuss. (1849 Globulina inaequalis Reuss, 1. c. S. 18, 
Taf. IIL, Fig. 9). Fig. 63. — Das abgebildete Exemplar erinnert lebhaft an 
das Original der Brady’schen Art P. gibba. Ich habe früher gemeint, dieses 
Rudelsdorfer Exemplar gehöre wirklich dieser Art an, doch ein eingehenderes 
Studium hat mich belehrt, dass dies nicht der Fall ist. Diese Art ist überhaupt 
selten, wo sie immer zuhause ist, dasselbe gilt auch vom Tegel von Zukau. 
Gewöhnlich ist sie hübsch erhalten. Auch von unserem Individuum kann man 
dasselbe, doch nur insoferne behaupten, dass es einen stark schadhaften Mund- 
theil hat. "Trotzdem ist es nieht schwer, sich mit seinen interessanten Merk- 
malen vertraut zu machen. Zu diesen ist auch das zu reihen, dass sie ver- 
hültnissmüssig stark, stürker als die typischen Individuen, zusammengedrückt 
ist. Bis jetzt beschränkt sie sich nur auf das mährische, steiermärkische und 
niederösterreichische Miocaengebiet, wo sie in grösserer individueller Menge 
in den Mergeln der Leithakalfacies gefunden wurde. 

Plymorphina aequalis, d'Orbigny. (1846. Globulina aequalis d'Orbigny, l. е. 
S. 227, Taf. XIIL, Fig. 11, 12. — 1860. A. E. Reuss, l. c. S. 212.) Wurde 


(Bi 


bisher im ARudelsdorfer Tegel nur von A. E. Reuss entdeckt. Er bemerkt, 
" o 
dass sie auf dem erwähnten Fundorte sehr selten ist. 


Polymorphina digitalina, d’Orbigny. (1846, 1. с. 8. 235, Taf. XIV., Fig. 1—4. 


— 1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 212.) Zuerst von Reuss im gelben Rudelsdorfer 
Tegel entdeckt, wurde sie diesmal nicht nur da, sondern auch im Tegel von 
Triebitz festgestellt. Die Gehäuse von unseren beiden Fundorten sind hübsch 
erhalten und geichen in dieser Hinsicht den anderwärtigen. Namentlich gilt 
dies von den Gehäusen aus dem Rudelsdorfer Tegel. Diese Art gehört der 
Gruppe der im heimischen Miocaen weit verbreiteten Arten an. Sie geht aus 
dem böhmischen Gebiete in das mährische (Boraé, Drnovice u. a.) über, dann 
in das niederösterreichische (Nussdorf); steiermärkische (Wurzing, Freibühl), 
siebenbürgische (Lapugy), oberschlesische (Miechowice) u. a. 


Globigerma bulloides, d’Orbigny. (1884. Brady, 1. с. 8. 593; Taf. LXXVIL, 


Taf, LXXIX, Fig. 8—7). Fig. 64. — Bisjetzt waren die Globigerinen aus 
böhmischen miocaenen Sedimenten nicht bekannt. Reuss gelang es nicht, sie 
in irgend welchem dortigen Depöt zu finden, und es ist wahrscheinlich, dass 
er ihnen emsig nachforschte. Dieser Umstand scheint mir genug von Gewicht, 
um von ihm Gebrauch zu machen und einige Worte an ihn anzuknüpfen. Es 
ist hochinteressant, dass sich die Globigerinentegel und -Mergel ausschliess- 
lich nur auf Mittelmähren beschränken. In den Ausläufern der böhmisch- 
mührischen Hochlandes sucht man sie vergebens. Sie existieren dort überhaupt 
nicht. Wenn wir die Globigerinen im nord- und westmührischen Miocaen be- 
trachten, gewahren wir eine merkwürdige Erscheinung, die darin ihr Interesse 
hat, dass die individuelle Menge, je mehr man sich den Küsten des Miocaen- 
meers nähert, d. h. je weiter man in die Ausläufer der dortigen Miocaen- 
gebiete vordringt, desto mehr abnimmt. Das habe ich früher in Mähren bê- 
obachtet und durch zahlreiche Belege erhürtet. Die grosse Seltenheit von 
Globigerinen im Tegel von Rudelsdorf, Lukau, Landskron und Böhmisch Trü- 
bau ist nur ein weiterer Beweis von der richtigen Beobachtung — und hat 
ihren Grund nur in der Lebensweise der Globigerinen. Sie sind bekanntlich 
pelagische, auf offener See lebende Thiere. In unsere Bucht wurden sie, wie 
ersichtlich und klar, nur in einer unbedeutenden Menge durch Strómmungen 
eingetragen, die Hauptmasse von ihnen sank abgestorben in der Region der 
damaligen hohen See zu Boden. Auch das bisher einzige im Rudelsdorfer Tegel 
entdeckte Gehäuse ist vortrefflich erhalten. Es ist gross wie jedes von ander- 
würts, die Kammern sind so wie bei typischen Individuen angeordnet — mit 
einem Wort, es weicht auch nicht in einem einzigen Merkmale von den Iu 
dividuen aus den mährischen Globigerinen-Tegeln und Mergeln ab. Von der 
Kreideformation angefangen ist diese Art in allen jüngeren Formationen ZU 
hause. Als sehr verbreitet wurde sie im Miocaen und zwar sowohl in dem 
heimischen, als auch in dem auswärtigen erkannt. Bei uns kommt sie fast 
in allen Facien vor, die sandige nicht ausgenommen. In den heutigen Meeren 
ist sie ebenfalls weit und breit verbreitet, Mit Recht wurde sie unter die 
kosmopolitischen Arten eingereiht. 


165 


Globigerina buloides var. triloba, Reuss. (1849, 1. c. vol. I., S. 374, Taf. XLVII., 
Fig. 11. — 1884. Brady, 1. с. S. 595, Taf. LXXIX., Fig. 1, 2; Taf. ХХХІ, 
Fig. 2, 3). Fig. 65. — Auch die Gehäuse von dieser Art sind offenbar im 
Tegel von Rudelsdorf und Lukaw höchst selten. Es wurden nur acht Exem- 
plare gefunden. Sie ist vorzüglich erhalten, entbehrt jeder selbst kleinsten 
Beschädigung. Sie ist vorzüglich dadurch interessant, dass sie ein unversehrtes 
und so vollkommen entwickeltes Mündungsdüchlein besitzt, dass dasselbe ein 
vollständiges Bild über seine Beziehung zur Mündung gibt. Diese durch die 
Anordnung der Kammern auffallende Form begleitet überall die vorige Art. 
Sie ist aber kein junges Stadium von derselben, wie man es auch seinerzeit 
vermuthete. Ihre horizontale und vertikale Verbreitung im heimischen Miocaen 
ist gross, der der vorigen Art gleich. 


Fig. 64. Globigerina bulloides, d'Orb. Fig. 65. Globigerina bulloides var. 
Rudelsdorf. ®°/, vergróssert. triloba, Reuss. Rudelsdorf. ®°/, vergr. 


Pullenia sphaeroides, d'Orbigny. (1826. Nonionina bulloides d'Orbigny Ann. Se. 
Nat. vol. VIL, 8. 293, Nr. 1, I. Modele. — 1846. d'Orbigny 1. c. S. 107, 
Taf. V., Fig. 8—10. — 1884. Brady, l. c. S. 600, Taf. LXXXIV., Fig. 3, 4). 
Bisher wurde sie im böhmischen Gebiete des marinen Miocaens zwar nur im 
Tegel von Zukau und Landskron nachgewiesen, doch hier in einer bedeuten- 
den individuellen Menge und in schón erhaltenen Individuen. Diese decken 
sich vollkommen mit den mährischen und zeigen weder in der Grösse des 
Gehäuses noch in was anderem irgend welche Abweichungen. Ihre horizontale 
Verbreitung ist sehr bedeutend. Aus dem mührischen Miocaen verbreitet sie 
sich in das nieder- und oberósterreichisehe, von dannen nach Ungarn, Danat 
und Galizien; sie ist in den neogenen Sedimenten der Insel Malta, im Crag 
von Norfolk und Suffolk, dann im Septarienmergel von Deutschland zu finden. 
Reuss und Murson führen sie aus den Kreideablagerungen von Westfalen, von 
der Insel Rügen und aus der Umgebung von Krakau an. Sie gehört der Gruppe 
der kosmopolitischen Arten an sie lebt in den Meeren zwischen 70" nórd- 
licher und 54° südlicher Breite, gewöhnlich in der Laminarienzone, wo sie bis 
in die Tiefe von 2700 Knoten hinabsteigt. 

Discorbina obtusa, d' Orbigny. (1846). Rosalina obtusa d Orbigny, S. 179, 
Taf. ХІ, Fig. 4—0. — 1860. A, E. Reuss, 1: c. 8. 219. — 1884. Brady, 
L с. 8. 644, Taf. ХОТ, Fig. 9.) Diese seltene Art gelang es im böhmischen Mio- 
caen nur A. E. Reuss im gelben Rudelsdorfer Tegel sicherzustellen. Überhaupt 
ist es ein Zufall, wenn man aus dem Tegel irgend eines Fundortes ihre inte- 
ressanten Gehäuse herauschlemmt. Und doch scheint sie nach den bisherigen 
Erfahrungen ziemlich verbreitet zu sein; sie wurde in den Sedimenten der 


166 


Umgebung von Nussdorf, Grinzing, Enzersdorf, Baden (Niederoesterreich) ; 
Orlova und Knihnice (Mähren); St. Nicolaus (Steiermark); Wieliezka (Gali- 
zien); Miechowice (Oberschlesien); Cassel; Castellarquato nachgewiesen. In 
den heutigen Meeren beschränkt sie sich auf die Littoralzone, wo sie in mäs- 
sigen Tiefen lebt. 


Fig. 66. Truncatulina lobatula, Fig. 67. Truncatulina praecincta, 
Walk. u. Jacob. sp. ??/, vergróssert. Karr. sp. а Untenansicht, b Obenansicht 
у des Gehäuses. 201. vergrössert. 


Truncatulina lobatula, Walker et Jacob. sp. (1846. Rotalina lobatula, d Orbigny ) 
1. с. S. 168, Taf. IX, Fig. 18—28. — 1860. А. E. Reuss, 1. с. S. 211. = 


1884. Brady, 1. c. S. 600, Taf. ХСП, Fig. 10., Taf. ХОШ.) Fig. 66. — Sie 
ist im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig, vorzüglich erhalten und durch 
normal erwachsene Individuen von gewöhnlicher Grösse vertreten. Ich habe 
ein Exemplar von Rudelsdorf abgebildet, um gleichsam einen Beweis darzu- 
bringen, dass die dortigen, Individuen auch vom Originale Brady’s in nichts 
abweichen. Auch an ihm sieht man ja klar, wie ihr Gehäuse von starken 
Wänden umgeben wird, die auf der Oberfläche in Gestalt von verhältniss- 
mässig dicken Leisten hervortreten, welche einen mit zahlreichen breiten 
Knötchen wie besäten Rücken haben. Diese Eigenschaften sind am Bilde 
d’Orbigny’s nicht zu sehen. Ich bemerke, dass dieses der Gruppe von Indi- 
viduen angehört, welche dünne, niedrig beendete Wände besitzt. In den ma- 
rinen miocaenen Sedimenten des böhmischen Gebietes ist diese Art nur auf 
den Rudelsdorfer Sprengel beschränkt, dagegen ist sie im  Miocaengebiete 
von Mähren, Nieder- und Oberösterreich, Galizien, Ungarn und Steiermark 
verbreitet. Sie kommt da fast in allen Faeien vor, am häufigsten in der tege- 
ligen, obwohl sie auch in der mergeligen häufig ist. Ihre Varietäten gehen bis 
in die Steinkohlenformation. Bedeutend verbreitet ist sie jedoch nur im Ter- 
tiaer. Doch auch in den heutigen Meeren ist sie eine gewöhnliche Erschei- 
nung. Sie lebt in der Littoral-, Laminarien- und Corallenzone, wo sie in ver- 
schiedenen Tiefen vorkommt, indem sie auch bis in die Tiefe von 3000 
Knoten hinabsteigt. 

Truncatulina Haidingeri, d Orbigny. (1846. 1. е. S. 154, Taf. VIL Fig. 7-9. 
— 1884. Brady, 1. c. S. 663, Taf. ХОУ, Fig. 6.) Ursprünglich beschrieb sie 
d'Orbigny aus den Miocaensedimenten des Wiener Beckens, später wurde 
sie als die im heimischen Neogen horizontal verbreiteteste Art erkannt. Dann 
wurde sie auch im Eocaen und im Pliocaen von Italien, Spanien und Sicilien ent“ 
deckt, vor einigen Jahren wurde sie endlich in heutigen Meeren nachgewiesen 


167 


wo sie in verschiedenen Tiefen im südlichen und nördlichen Atlantischen 
Ocean, im Indischen, Rothen and Mittelländischen Meere lebt. Auf unserem Ge- 
biete stellte sie zuerst A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel fest, wo es mir eben- 
falls gelang, hübsche Gehäuse von ihr zu finden, ausserdem habe ich sie im 
Tegel von Lukau und Landskron nachgewiesen. 

Truneatulina Ungeriana, d' Orbigny sp. (1846, 1. c. S. 157, Taf. ҮШ, Fig. | 
16—18. — 1884. Brady, 1. с. S. 664. Taf. XCIV, Fig. 9.) Auch die Gehäuse | 
dieser Art, aus dem Rudelsdorfer Tegel herausgeschlemmt, sind tadellos und, | 
wie ich mich überzeugt habe, ziemlich häufig. Gross sind sie wie die Gehäuse 
der Typen aus den südlichen Fundorten des heimischen Miocaens. Nur selten 
findet man dort kleine, wie verkümmerte Gehäuse. Und es ist wirklich nichts 
Schweres sich zu überzeugen, dass diese scheinbar verkümmerten Gehäuse uner- 
wachsenen, jungen Individuen angehören. Im heimischen Miocaen ist diese 
Art sehr verbreitet fast in allen Facien, ebenfalls auch im auswürtigen Neogen 
sind ihre Grenzen ausgedehnt. Auch in pliocaenen Ablagerungen ist sie häufig 
namentlich in südeuropäischen Gebieten. Dagegen ist sie im Londoner Thone 

› Selten. In den heutigen Меегеп ist sie ebenfalls eine gewöhnliche Erscheinung. 
Sie lebt im Atlantischen Ocean, im Mittelmeere in den Tiefen von 70—600 
Knoten, ferner im Südatlantischen Ocean und im nördlichen Pacifik in der | 

„ Tiefe von 37—2600 Knoten. | 

Truneantulina Dutemplei, d' Orbigny. (1846. l. с. S. 157, Tat. УШ, Fig. 
19—91. — 1860. A. E. Reuss, l c. S. 211. — 1884. Brady, l. c. S. 665, 
Taf. XCV, Fig. 5.) Die grósstententheils schön erhaltenen Gehäuse dieser 
Art kommen im Tegel von Rudelsdorf, Lukau, Landskron und Rothwasser 
verhältnissmässig ziemlich häufig vor, obwohl nicht in dem Masse wie z. В. 
Rotalia beccari. Ihre Grösse und allgemeiner Charakter unterscheidet sich 
nicht von typischen Individuen aus Fundorten sei es des nörddlichen sei es 
des südlichen Gebietes, wo sie bekanntlich fast überall vorkommen, wo ein 
Tegel, Mergel oder diesen analoge Sande sind. Es ist also natürlich, dass es 
sehr viele Fundorte dieser Art gibt; wir führen hier nur die wichtigsten von 
ihnen an: Borač, Drnovice, Raitz, Knihnice (Mähre); Baden, Vöslau, Grinzing, 
Steinabrunn (Niederoesterreich); Rohit, Freibiehl (Steiermark); Wieliczka, 
Lemberg (Galizien); Habühl, Mairhof (Baiern); Lapugy (Siebenbürgen); Mie- 
chowice (Preussisch-Schlesien); Castell’ arquato (Italien). In den heutigen 
Meeren (im südlichen Atlantik und Pacifik) lebt sie auch bis 1900 Knoten 
Tiefe, 

Truncatulina praeeineta, Karrer sp. (1867. F. Karrer, Zur Foraminiferen- 
Fauna in Oesterreich, S. 189, Taf. V, Fig. 7. — 1884. Brady, 1. e. S. 667, 
Taf. XCV, Fig. 1—8.) Fig. 67. — Sie ist ohne Widerrede die gewóhnliste 
Foraminiferenart im Tegel von Awudelsdor/ und Lukau; sie wurde jedoch 
auch aus dem Tegel von Abstdorf und Schirmdorf herausgeschlemmt Hunderte 
von herrlich erhaltenen, grossen und erwachsenen Individuen kann man dort 
herausschlemmen. Ihr Charakter fällt gleich beim ersten Anblick auf. Die | 
Oberfläche des Gehäuses verbindet und die hervortretenden Kammern- | 
Scheidewände identificieren diese Individuen mit den Typen Karrers. Inwieweit 


168 


darüber belehrt hinreichend schon das abgebildete Ivdividuum. Unter Be- 
achtung der Menge von Gehäusen dieser Art in unserem böhmischen Miocaen- 
tegel kann man ihr mit Recht eine gewisse Wichtigkeit zuerkennen, doch 
nur eine solche, wie sie ihr auch auf südlichen Fundorten zukommt. Da wurde 
sie zuerst von F. Karrer im Tegel von Kostej im Banat entdeckt; mir ge- 
lang es, das Gebiet ihrer Verbreitung auf Mähren auszudehnen, während es 
J. Sequenza gelang. sie im Miocaen und Pliocaen Süditaliens festzustellen. 
Brady entdeckte sie in der Korallenriffacies in den Tropen unweit von den 
Philippinischen Inseln in der Tiefe von 95 Knoten und im südlichen Pacifik 
in der Tiefe von 15—255 Knoten. 


Anomalina Austriaca, d’Orbigny. (1846, 1. c. S. 172, Taf. X, Fig. 4—9.) Sie 


wurde nur aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf herausgeschlemmt. Das vor- 
liegende Individuum zeichnet sich durch etwas grössere Dimensionen als die 
gewöhnlichen sind. Dies scheint durch die jüngste Kammer verschuldet zu 
sein, deren Dimensionen diejenigen einer jungen Kammer überbieten. Im 
Übrigen ist sie mit den Typen aus den südlichen Fundorten congruent. 


Fig. 68. Anomalina Badensis, d’Orb. Fig. 69. Rotalia beccarii, L. sp. 
Rudelsdorf. ?°/, vergrössertes Gehäuse: Rudelsdorf. ??/, vergrössertes Gehäuse: 
a von oben, ó von unten. a von oben, b von unten. 


Anomalina Badensis, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 171, Taf. X, Fig. 1—9.) 


Fig. 68. — Die prächtigen Gehäuse dieser Art findet man im Gebiete unseres 
ostbóhmischen marinen Miocaens bedeutend verbreitet und auf ihren Fundorten 
gewöhnlich in einer namhaften Menge von Individuen. Als an Individuen am 
reichsten habe ich sie im Tegel von Zukau sichergestellt, auch im Tegel von 
Rudelsdorf, Wildenschwert und Schirmdorf ist sie eine gewöhnliche Erscheinung, 
während sie im Tegel von Landskron, Rothwasser und Sschirmdorf (Dorf) seht 
selten ist. Auch im Gebiete des mührischen Miocaens ist sie bedeutend ver- 
breitet, von wo sie dann nach Niederoesterreich, Ungarn u. s. w. eindringt. 


Epistomina Partschiana, d'Orbigny sp. (1846. Rotalina Partschiana d'Orbigny 


1. 1. 8. 153, Taf. VII, Fig. 28—30, Taf. VIII, Fig. 1—3. — 1884. Brady 
l. с. S. 699, Taf. ХОУ, Fig. 3—21.) Bisher in unserem Gebiete nur im Tegel 
von Lukaw und Landskron nachgewiesen, jedoch auch hier nur in einigen 
schön erhaltenen Individuen, deren Gehäusedimensionen von den Dimensionen 
der Individuen aus südlichen Fundorten nicht abweichen. Im mührischen Mio- 
caen ist sie dagegen eine gewöhnliche Erscheinung, namentlich in den Tegeln 
der Badener Facies, in einer kleineren Menge tritt sie in Mergeln von ba 
thymetrisch höheren Niveau auf. Dieselben Merkmale trägt sie auch im Mio- 


169 


caen von Niederoesterreich, Süditalien, Spanien, auch im Londoner Thone und 

im Septarienthone Deutschlands. In den heutigen Meeren lebt sie im nórd- 

lichen Atlantischen Ocean, im nördlichen Pacifik und auch in Mittelmeere. 
Pulvinulina Schreibersii, d Orbigny sp. (1846, 1. c. S. 154, Taf. ҮШ, Fig. 


4-6. — 1860. A. E. Reuss l. c. S. 7. — 1884. Brady 1. c. S. 697, Taf. 1 
ХОУ, Fig. 1.) Fig. 66. — Bisher wurde sie nur im KRudelsdosfer Tegel von D 


A. E. Reuss sichergestellt. Diesmal wurden ihre Gehäuse vergeblich gesucht. 
Sie ist namentlich in der Leithakalkfacies, viel seltener in der Sandfacies in 
den miocaenen Sedimenten von Oesterreich, Süditalien und Spanien verbreitet. | 
In heutigen Meeren lebt sie in müssigen Tiefen von 3—435 Knoten. 
Rotalia Soldanii, d' Orbinny. (1826. d' Orbigny. Ann. Sei. Nat. vol. 7, S. 218, 
Nr. 5, Modéle Nr. 36.) Sie ist in böhmischen marinen Miocaensedimenten N 
selten, bisher wurde sie nur im Tegel von Lwkaw nachgewiesen. Hier ist sie 
dureh typische Individuen vertreten, welche, indem sie wahrhaft charakteri- 
stieche Merkmale besitzen, nicht zulassen, dass man sie in den Bereich 
anderer verwandten Arten einreihe. Dieser Umstand hat mich veranlasst, der 
] urprünglichen Auffassung d' Orbigny's beizupflichten. Schon in den benach- | 
barten Gebieten des westmährischen Miocaens ist R. Soldanü eine häufige, | 
ja gewöhnliche Erscheinung; von dorther verbreitet sie sich über die Gebiete | 
des nieder- und oberósterreichischen, galizischen, ungarischen, siebenbürgischen 
Miocaens und dringt auf die Insel Malta vor. Reuss entdeckte sie auch im | 
Septarienmergel Deutschlands nnd Hantken im Oligoeaen Ungarns. In den | 
heutigen Meeren lebt sie im nördlichen und südlichen Atlantischen Ocean, 
im Mittelmeere, im südlichen und im nördlichen Pacifischen Ocean, wo sie 
in verschiedenen Tiefen lebt und nach den bisherigen Erfahrungen in die 
Tiefen von 2000 Knoten hinabsteigt. | 
Rotalia beecarii, Linné sp. (2846. Rotalina Vienensis d' Orbigny, 1. с. S. 177, |) 
Taf. X, Fig. 22—24. — 1860 А. E. Reuss, 1. c. 8. 212. — 1884. Brady, | 
l e, 8. T04, Taf OVIL Fig. 2. 9.) Fig; 09. — A. E. kenas bemerkt in 
seiner Arbeit über die ostböhmischen Miocaenablagerungen, diese Art sei | 
im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Meine Erfahrungen bezeugen dies nicht, | 
im Gegentheile ist sie laut denselben dort ziemlich häufig und vielfach durch | 
prächtig erhaltene Individüen vertreten. Doch auch schadhafte gibt es dort | 
genug, was auf die Rechnung des — in der Regel dünnwändigen Gehäuses | 
fällt. Und deshalb ist es kein Zufall, dass wir oft Gehäuse ohne die jüngsten 
Kammern herausschlemmen. Was die Grösse betrifft, muss ich Zeugniss abgeben, 
dass ich keine Unterschiede zwischen den Rudelsdorfer Gehäusen und denen 
Von südlichen Fundorten finde. Einige unsere Individuen scheinen auffalend 
gross und erreichen die Dimensionen der grössten Individuen. Ausser dem 
Rudelsdorfer Tegl habe ich diese Art im Tegel von Lukau, Landskron, Roth- 
Wasser, Wildenschwert und Schirmdorf sichergestellt. Es ist kein Zufall, dass sie | 
in den Littoralsedimenten von Rothwasser, Wildenschwert, Schirmdorf sehr reich | 
an Individuen ist. Es stimmt ja damit auch die Beobachtung ihrer recenten 
Vertreter überein. Diese Art und die Gruppe, welcher schon frührer Erwähnung d 
gethan wurde, bieten erhebliche Belege für die Anschauung, dass auch die | 


170 


Foraminiferen zu den in Betracht zu ziehenden Thierklassen zählen können, 
wenn es sich um die Bestimmung der Facies oder des relat. Alters handelt. 
Das eigentliche Gebiet dieser Art ist die Leithakalkfacies; hier erreicht sie einen 
bedeutenden ja den gróssten individuellen Reichthum und Dimensionen. Diese 
Eigenschaft tritt desto mehr hervor, je seltener sie in den Tegel- und Schlier- 
ablagerungen auftritt. Unter denselben Umstünden kommt sie auch im Tertiaer 
Italiens und Spaniens vor. Ebenfalls wurde sie auf der Insel Rhodos, in Bul- 
garien u. a. sichergestellt, ferner ist sie im englischen Crag und den post- 
tertiaeren Ablagerungen Englands, Schottlands, Islands und Italiens zu hause. 
In den jetzigen Meeren lebt sie häufig in der Littoral- und Laminarienzone. 

Nonionina communis, d Orbigny. (1846, 1. с. S. 106, Taf. V, Fig. 78.) Ich 
habe sie diesmal im Tegel von Rudelsdorf, Landskron, Schirmdorf, Triebitz 
und Lwkaw nachgewiesen. Sie kommt, wie daraus ersichtlich, in unseren echt 
brackischen (Triebitz) und auch echt marinen Tegeln (Rudelsdorf und Lukau) 
vor. Es liegen schön erhaltene, normal grosse Individuen von typischen Merk- 
malen vor, Trotzdem ich möglichst bemüht war, Differenzen zwischen brackischen 
und marinen Individuen zu entdecken, ist dieses Streben erfoglos geblieben. 
N. ammunis kommt fast in allen Facien vor, am häufigsten jedoch in der 
Tegelfacies, während man in der Sandfacies ihre Individuen vereinzelt und 
nach einer langen Zeit, mühseligen Suchens findet. 

Nonionina umbilicata, Montagne sp. (1846. N. Soldani$ d’ Orbigny, l. с. 8. 
106, Taf. V, Fig. 15, 16. — 1860. А. E. Reuss, l. с. S. 210. — 1884. Brady 
l. с. S. 740. Aat. OIX, Fig. 3.) Fig. 70. — Ich habe sie diesmal wie А. Е. 
Reuss im Rudelsdorfer und dann auch im Tegel von Lukau festgestellt. ES 
wurden durchwegs schóne, nicht schadhafte Exemplare gefunden, namentlich 
die von Lukau überraschen durch bedeutende Dimensionen des Gehäuses. 


Fig. 70. Nonionina umbilicata, Mont. sp. Fig. 71. Nonionina Bouéi, d'Orb. 
9» vergrössertes Gehäuse: 30/, vergrössertes Gehäuse von der Seite. 
a von vorne, b von der Seite. 


Nonionina Bouéana, d’ Orbigny. (1846, 1. e. S. 108, Taf. V, Fig. 11, 12.) 
Bisher wurden ihre Gehäuse nur im Tegel von Kudelsdorf und Гат nach- 
gewiesen, auf beiden Fundorten nur in einer unbedeutenden Individuenmenge- 
Brady bildete ein von dem d' Orbigny's bedeutend abweichendes Individuum 
ab. Das hier abgebildete stimmt völlig mit denjenigen von d’ Orbigny überein 
und weicht bis auffallend von jenem Bradys’s ab. Dieser Umstand ist 8% 
wichtig genug, um erwähnt zu werden. Es könnte denn leicht geschehen, dass 
die Grenzen dieser Art auf Kosten der Richtigkeit und der genauen Arten“ 


171 


bezeichnung erweitert würden. Zurück reicht sie bis in das Oligocaen Deutsch- 
lands, verbreitet is sie im Miocaen des Wiener Beckens und Süditaliens. Sie 
lebt in mässigen Tiefen von 11—200 Knoten, grósstentheils in der Litto- 
ralzone. 

Polystomella erispa, Lamarck. (1846 d' Orbigny, 1. c. S. 125, Taf. VI, Fig. 
9—14. — 1884. Brady, l. c. S. 136, Taf. OX, Fig. 6. 7.) Fig. 72. — Schon 
А. E. Reuss bemerkt, diese Art sei fm Rudelsdorfer Tegel sehr häufig. Auch 
diesmal wurde die Wahrheit dieser Betrachtung bestätigt. Ihre zierlichen Ge- 
häuse erfreuen sich einer geradezu seltenen Erhaltung. Sie sind so gross, wie 
die typischen Individuen aus den Fundorten der Mergel- oder Sandfacies, wo sie, 
wie es lüngst bekannt ist, sehr häufig sind; auch die Dimensionen haben sie wie 
diese. Das wird am besten durch das abgebildete Exemplar bestätigt. In der 
Tegelbank ist P. erispa selten. Dieser Umstand im Vorkommen ist charakte- 
ristisch und verdient Beachtung Die horizontale Verbreitung dieser Art erscheint 
bedeutend. Man begegnet ihren Individuen fast überall, wie in mührischen 
Gebieten (Borat, Drnovice, Lomnička, Lažánky, Jaroměřice, Porstendorf, 
u. à.), so in niederoesterreichischen, (Baden, Nussdorf, Grinzing, Euzersdorf, 
Gótzleinsdorf); in oberösterreichischen (Kienberg), steiermärkirchen (Ro- 
hitsch, Freibühl, Wurzing, St. Nicolaus), ungarischen (Králová n. ak 
Galizischen (Wieliezka), oberschlesischen (Miechowice), bairischen (Hausbach, 
Buchleiten, Mayerhof) Ferner ist sie der in Umgebung von Bordeaux, Caste- 
larquarto und Siena, auf der Insel Rhodos zuhause. Sie reicht in das 
Eocaen von Paris zurück, geht durch das deutsche Oligocaen, durch das oben 
angeführte Miocaen in das Pliocaen Italiens und Südwest. Spaniens über, von 
dorther dann in die Sedimente des Quaternärs von Nord- und Süd- Europa 
und weiter in die heutigen Meere, wo sie in mässigen Tiefen bedeutend ver- 
breitet ist. 


Fig. 72. Polystomella erispa, Lamk. Rudelsdorf. ?/, vergrössertes Gehäuse. 


A 

Polystomella flexuosa, d'Orgigny. (1846 1. c. S. 127, Taf. VI, Fig. 15, 16.) 
E^ Sie kommt in der Regel mit P. crispa vor, mit der sie verwandt ist. 
Bisher kennt man sie aus dem ostböhmischen Miocaen nur aus dem Tegel 
von Rudelsdorf, wo es mir diesmal gelang, hübsch erhaltene Gehäuse zu ent- 
decken. Die Grósse derselben und ihre allgemeinen Charaktere sind mit den 
Gehäusen aus südlichen Fundorten des heimischen Miocaens, woselbst sie auch 
eme seltene Erscheinung sind, congruent. Nussdorf, Baden führt d’Orbigny 
als ihre Fundorte an, nebstdem kennt man sie aus dem Tegel von Boraé 
und dem Mergel von Drnovice (Mähren). 


172 


Polystomella striatopunetata, Fichtel und Moll. sp. (1846. d’Orbigny, 1. €. 


8, 199, Taf. VL; Fig, 1, 2..— 1884. Brody 1.6. 8. 181, Taf. ОХ, Fig. 100 
Diese von den Polystomellen verbreiteste Art warde bisher in unserem Ge- 
biete im ARudelsdorfer Tegel in prächtig erhaltenen Exemplaren festgestellt. 
Es dürfte kein Zufall sein, dass sie auch in Mähren eine geringe Verbreitung 
besitzt, während sie sich in Niederösterreich als eine gewöhnliche Erscheinung 
zeigt. Auch sie reicht bis in das Eocaen des Pariser Beckens und in die 
Nummulitenablagerungen Steiermarks zurück, von wo sie durch das untere 
und obere Oligocaen von Deutschland und Frankreich in das Miocaen von 
Oesterreich und Baiern, in den Crag Englands und in das Tertiaer Italiens 
übergeht. Sie lebt noch heutzutage in allen Meeren in mässigen Tiefen von 
600—2000 Knoten. 


Polystomella macella, Fichtel und Moll. sp. (1846. P. Fichteliana d'Orbigny, 


l. е. S. 116, Taf. VL, Fig. 7, 8. — 1884. Brady 1. с. 8. 181, Taf. XC., Fig. 5i 
9, 11). Sie ist in den Sedimenten des marinen bóhmischen Miocaens selten. 
Sie wurde dort nur im Tegel von Awdelsdorf sichergestellt. In dieser Hinsicht 
stimmt dieses Gebiet, was die horizontale Verbreitung dieser Art betrifft, mit 
dem Miocaen von Mähren überein. Aus diesem verbreitet sie sich in die Tegel 
von Wieliezka, von Italien und ist auch aus dem Pliocaen der Nikobaren-Inseln 
bekannt. Auch kommt sie im Crag von Suffolk, im Postpliocaen von Kalabrien 
vor. In den heutigen Meeren beschränkt sie sich auf den Süden, wo sie an 
der Küste in der Boreal- und Littoralzone lebt. 


Heterostegina costata d'Orbigny. (1846. 1. c. 8. 121, Taf. XII. Fig. 14—17. — 


1860. A. E. Reuss 1. с. S. 212). Diese in der Leithakalkfaeies besonders 
häufige Art stellte im Gebiete des böhmischen marinen Miocaens nur A. Ё. 
Reuss sicher und zwar im Rudelsdorfer Tegel, wo er sie häufig fand. Trotz 
dieser Erfahrungen war ich nicht im Stande, in demselben Tegel auch nur 
eine Spur von ihr zu finden. Diese Erscheinung erkläre ich mir dadurch, dass 
Reuss eine andere Bank ausgebeutet hat als ich, eine Dank, während deren 
Ablagerung höchstwahrscheinlich andere physikalische Umstände herrschten, als 
zur Zeit, wo der gelbe, unmittelbar der Permformation auflagernde Tegel unter 
dem Rudelsdorfer Wächterhaus abgelagert wurde. Jedoch man kann auch eine 
andere Erklärung zulassen, und zwar in dem Sinne, dass der Tegel in welchem 
diese Art von Reuss in einer grösseren Menge nachgwiesen wurde, aus einer 
anderen Localität stammt. Inwieweit dieses oder jenes richtig ist, wird in 
der Zukunft zu entscheiden sein. — Gewissermassen ist man berechtigt, diese 
schöne Art für einen Vertreter der seichteren Meeres zu halten. Das wird 
durch alle unsere Kenntnisse von ihr bestätigt, Sie wurde entdeckt in der 
Gegend von Nussdorf, Grinzing, Enzersdorf, Steinabrunn (Niederösterreich) ; 
Wurzing (Steiermark); Wieliczka (Galizien); Miechowice (Oberschlesien); ferner 
in der Umgebung von Cassel und Castell'arquato. 


C vv Om AUCH FAR 


— 


INHALI 


Seite 

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Litteratur-V erzeichnis Ee Ии И лр. H 
Historischer ARTE OTTO E Е del SR EE SR a N | 

Das Gebiet der marinen Ао ати 

Rudelsdorf (Rudoltitz) . BR ONE ar LE e 


Die Fauna des Rudelsdorter (Rudoltitzer) ' ЕВ Pru E a 
ШИШ, эшл ae E EE АО 
ШК у, M NUNC n Rr MU Pus Ope Ade ооох а о ecu een 
Die Fauna des T SANTA én EEN C. VAL UT aH E ds DR an HIER ERATUM 
КООШ А ае RN { ў И ОО 
Landskron . . . Wee KH EN) a Huc us TNR .. 00 


Unter- und EEN D EE EE 
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POMON BR E A E EE 
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Wildenschwert . . . . Pee EE 


Di 
6 Gebiete der brackischen Tegel RU LER EE e e Кы В 


ЕСТИ oc P ecu ао ыч нк S AE E ТЕБЕ, d eO QUEM 
Die Fauna aus dem Tegel der Austernschalem . . «4 4 2.200. Pa ren ug 
Die Fauna des Tegels aniar dan ECH edel AT Re ISO RT TER a Um EM er 
Die Fauna des Tegels über der Austernbank . . . .. d КТ А . 48 
Vergleichende Uebersicht der Faunen der Abtsdorfer Tegelb: Anke le "Md 
Dehati EE ER EE 


Tri DH 
АИО ООС аии 
Die Fauna der unteren Tegelbank . ........ ; Башкы EE 
Die Fauna der oberen Tegelbank . . . cn . . .- quad aq QUI Md TAM La UD 
Vergleichendes Verzeichnis der Faunen der Triebitzer Tegel . . CU E eeu ОВ 
^| D ke 
Bonon (Бей KEE E EE EE 
Uel Dous des Sehirmdorfer Tegels. . . sc... on ju CURT dera e UM 
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Tsichtliches Verzeichnis der brackischen Faunen . . . ФО ку 3 23 20:00) 
Schluss | 65 
Gë í e EL 
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Se гіс Кае, ud Шолбан тейін dw байо aus ERN шшш 2 Niloobod 69 
i 18 N 
Ches illustrirtes Verzeichnis der fossilen Arten . . . . . . TORUM RE эшш 76 


ZWEITER BAND. 
Zweiter Theil. 


II. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: 


Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil). 
CVePEPHIDen) PEOS ad E T A e fl. 2:60 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthàlt: 
a) Prof. Dr. Ant. Frié: Die Wirbelthiere Bóhmens. 
ge ^ ” n Die Flussfischerei in Böhmen. Ў 
aig E n " Die Krustontniere ВОНО PROS. ... 5... Haan 
V. Chemische Abtheilung. 
Prof. Dr. Em. Bořický: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure 
‚п den Gosteinen Böhmons. Pros cu... d Eu e POMMES 60 kr. 
Preis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5'— 


DRITTER BAND. 


I. Topographische Abtheilung. ; 
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und 
Major Е Шаир ерау von ӨӨ ШШК а siir ЫЫ A a D ДАВО 
П. Geologische Abtheilung. 
I. Hett, Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von 
Pron Div. ВБ ОСУ PRE o fav Ce EE ААШ 
Il. Heft, Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von 
Блог Dr Dnm БОТО bres E et, 
Ш. Heft, Die Geologie des bóhmischen Erzgebirges (L Theil von Prof. Dr. 
Gustav Laube. Preis. NH C xU i RENE tios ^ e dE aud 
ПІ. Botanische Abtheilung. : 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (III. Theil 
Schluss.) Preis... . a ER en EE EE Bel 
IV. Zoologische Abtheilung. 
I. Heft. Die Myriopoden Bóhmens von F. V. Rosick Y. Dro A 
U. Heft, Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis. . . . . .fl. 1:60 
V. Chemisch-petrologische Abtheilung. 


Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse 
pon Prod Dr. БОРОШ Bio r er LS i шеи IR ULT EE EE 


VIERTER BAND. 


No. 1 Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen- 
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič. Preis. .. H. 3:— 

No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von 
reich und. Не Һе da un OV VV m LU M. Hali TT 

No. 3, Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky 
(IV. Theil.) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . .. . . fl. 2:40 

No, 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bóhmens von Prof Dr. 
N JEE und Jose К1хайёз. one VE 
9. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. mE 
No. 6, Der Hangendflötzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 
Ire E е cest nexa О Lp HON S 

FÜNFTER BAND. 

No. ı Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezné hory) 
und der angrenzenden Gegenden im óstlichen Bóhmen von J. Krejéí und 

e. К. Helmhacker . .. MURUS ENIM. m 
9. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IIL Die Iser- 
No Schichten. von DN Anton Brio. won we; RR. dee een E m 
: 9. Die mittelböhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . .fl. 1:20 


Ко. 4. Die Lebermoose (Musci Hepatici Böhmens von Prof. Jos. Dědeček. fl. Lien 
eh, Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im 
N mittleren Böhmen. Von Johann Krejéí und Karl Feistmantel. dm . fl. 2— 
9. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hansgirg. fl. 1:40 


Nr. 


D 


9 


SE CS HSTER BAND. 


Über die Torfmoore Böhmens in naturwissenschaftlicher und nationa l- 
ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachba r- 
länder. Von Dr. Fr. Site nsky. 1. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . .fl. 2:80 
Die Süsswasserbryozoen Böhmens. Von Josef Kafka. . .. rid EN KOL 
Grundzüge einer Hyötographie des Königreiches Böhme en. Von Dr. F. J. 
ҮЙ ЕК SPA LN Ju std dM Ж ое PNIS Ole: 1 
Geologie des bóhmischen Erzgebirges. IL. Theil. Von Dr. Gustav C. Laub e. 

fl. 2:50 
Untersuchungen über die Fauna der Gewüsser Bóhmens. I. Metamorphose 
der Trichopteren. Т. Serie. Von Fr. Klapálek S E T vL cs D D 
Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton 
EEE Nur be ЖО етл аат» жиле WARE SW do opm EK 

SIEBENTENR BAND. 

Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. . .fl. 1.— 
Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer. 
Schichten. Von Prof. Dr. Ant. Frié i ; П. 8— 
Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und 
Gesteine Bóhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos. 


POOL ERHALE oues sott не o0 en Kb ` EEE RE RN RV TIU ` 
Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von 
оте рака. x ЕЕ т. 


Die Myxomyceten Böhmeus von Dr. Lad. Čelakovský (Sohn) icr rs m dea A 


Geologische Karte von Böhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh. Krejčí 
Duct Brlaunterung von bro Dr A.STrI16 Preis) Vans e NUT MU 


A € ELTE R BAND. 
Übersicht der Thätigkeit der naturw. Landesdurchforschung v. J. 1864 


bis 1890 von Prof. Dr. К. Kořistka МА е. Аа Came RL 
Untersuchungen der Fauna d. bóhm. Gewässer. IL Fauna d. bóhm. Teiche 
von Jos. Kafkan <; vues $1 Senn Da 
Monographie der Ostr acoden Böhm ens. Von "Wenzel Vávra ; ih 20 
Prodromus der Algenflora von Böhmen. Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton 
Hansgirg . ; e SE 2 A Ae à piker 


` e AUT 
Recente und fossile Nagethiere Bóhmens. Verfasst von Josef Kafka. fl. 2.20 
Untersuchungen über die Fauna der Gewüsser Bóhmens. I. Metamorphose 
der Тоо Өгей, LL ‚Serie. Von Phot Ir. Карте . 5.7. Wo. os erf, РАДЫ 


NEUNTER BAND. 
Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. V. Priesene 
Behiechten.‘.Von Prof Dr. Ant. Erie ... 4 fl. 8 — 
Untersuchungen über diebauna der Gew asser Bóhmens. IV. Die Thierwelt 
des et uge dz und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar- 
beiten an.der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr. 


Ant. Егіё und Dr. V. Vávra.. ath; ae 

Das Moldauthal zwischen Pra E und Kr alup. Eine petrograph. Studie von Jose f 
ИСТА, ; F КЫ «Hl; DRE 
Die chemische Beschaffenheit der fliessenden Gew ässer Bóhmens. I. Theil. 
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann .. В DEO 
Geologische Karte von Böhmen. Section III. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frié 
ЧИРКОО GNU UO URUDS V. oro s pv DN UU Ie beu» sil Ый. ДЫП 


Z E HI WD E EX BAND. 
Geologische Karte von Böhmen. Section II. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frié 
und Prof. Dr. Gustav C, Laube. via, е a ан EE И 
Das ostbóhmische Miocän von V. J. Procházka .... 3 Й li. 
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. IH. Untersuchung 
zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Durchgeführt auf der über- 
tragbaren zoologischen Station. Von Prof Dr Ant, Frié und Dr. V. V ávra .fl 250 
Studien im Gebiete der böhmichen Kreideformation, VI. Die Chlomekerr 
ОИСЕ ШИЕ VOM DE ATUS RENE... uv VA SL NET Re be 
Die chemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Böhmens: 
П. Theil. Hydrochemie der Elbe. Von Dr. Jos. Hanamann VEND e Eat 


Же Л ER БОШУ КА BAND; 


Geologische Studien aus Südböhmen. I. Aus dem böhmisch-mährischen 
Mochlande. Das Gebiet der Oberen NeZárka. Von J. N. Woldřich. 0. 250 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1900 — Selbstverlag. 


AITNEY LIBRARY, 
MUS. COMP. ZOOL. 


d 


UNTERSUCHUNGEN 


ÜBER DIE 


FAUNA DER GEMÄSSER BÜHMENS 


100 


UNTERSUCHUNG ZWEIER BONMERWALDGEEN, DES SCHWARZEN UND DES TEUFELSOCES. 


DURCHGEFÜHRT 
AUF DER ÜBERTRAGBAREN. ZOOLOGISCHEN STATION. 


VON 


Prof. Dr. ANT. FRIC und Dr. V. VÁVRA. 


MIT VIELEN ABBILDUNGEN IM TEXTE, 


ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG 
VON BÖHMEN 


А. andi Дїй. 0, 


e 
PRA 6. 
In Commission bei FR. RIVNÁC. 


DAS EE KN 


für die 
naturwissenschaftliche Landesdurehforsehung von Dóhmen 


I. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. J. Krejčí, 
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. Dr. A. Frič, 


enthåit folgende Arbeiten : 


ERSTER BAND. 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 
a)Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
b) Erste Serie gemessener Hóhenpunkte in Bóhmen (Sect.-Blatt IL) von Prof. 
Dr. Kofistka. 
c) Hóhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Koristka. Preis fl. 4'— 
СӨ. ЖИШШ а уз, caua M e vi ЛЖИ > NAI EISE е Re VE ee ЕИ 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: 

a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd- 
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejéf. 

b) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Kreiéf. 

c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. 
Kreideformation u. s. w. von Dr. Anton Frič. 

d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel. 
РОГ E Weng cu ow ed P Ca ee DU e E d dO ESL ET 


Ш. Die Arbeiten der botanischen A!theilung. Dieselbe enthält: 
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.) 
(Verg EO) Preis. ^ wma ut a ооо а Л ШШ 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
a) Verzeichniss der Käfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj. 
b Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavik. 
c) Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer 
IS OH DEE, ee ae ne RN N a EE 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis. . . . . 25 К 
Preis des ganzen I. Bandos (АЛ, ТОЙ АЛ ДӨ о а и оо 


ZWEITER BAND. 
Erster Theil. 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 

a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen 
gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Kar 
Koristka. 

b) Zweite Serie gemessener Hóhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt II.) von Prof 
Dr. Kofistks8 

c) Höhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Koristka. 

d) Hóhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka 
dieser Abtheilung esi a US бк къ. M" И Eau 


Preis 
4:50 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens. 
b) Karl Feistmantel: DieSteinkohlenbecken bei Klein-Prílep, Lisek, Stíleo 
Holoubkow, Mireschau und Letkow. 
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gege 


von Prag und Beraun. | 
d) В. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegen“ 
vis be : PUE od 


zwischen Beneschau und der Sázava. Preis VR 


nd 


II. Theil enthält: d 
Dr. Em. Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen 350 
Preis ў b 


Preis der ganzen e ersten Hälfte des zweiten Bandes [i id IL. Abtheilung zusammen) geb. я. 108 


UNTERSUCHUNGEN 


ÜBER DIE 


FAUNA DER GEWÄSSER BÜHMENS. 


LLI. 


Untersuchung zweier Bóhmerwaldseen, des Schwarzen 
Sees und des Teufelssees. 


Durchgeführt 
auf der übertragbaren zoologischen Station 


von 


Prof. Dr. Ant. Егіс und Dr. У. Vávra. 


Mit vielen Abbildungen im Texte. 


(Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurohforschung von Böhmen.) 
Band EE Фф 


PRAG. 
DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÁC. 
1897. 


Einleitung. 


Die Seen des Bóhmerwaldes übten gewiss von jeher auf jeden Freund un- 
SeréS Vaterlandes einen besonderen Zauber aus und umsomehr auf den Natur- 
lorscher, der in ihren der Sage nach unergründlichen Tiefen grosse Schütze aus 
der Thierwelt vermuthete. 

Die landschaftlich prachtvolle Lage derselben rief manche begeisterte Schil- 
Ee, hervor, auch wurde ihre Grösse und Tiefe oberflächlich untersucht, aber 

' 4Dlerwelt blieb lange unbekannt. 

Als beim Beginne der zoologischen Arbeiten der Landesdurehforschung Vieles 
EU чекде ап Crustaceen in den verschiedenen Gewässern Böhmens 
E oe, da entschlossen wir uns auch einen Versuch der Untersuchung der 

'rwaldseen in Angriff zn nehmen. 

Ges Zeen Sei begannen Dr. A. Frič, B. Hellich und unser Diener Jos. Stiaska 

(e KE 8 imo aus Austiüige zu machen, und zwar wurde am 14. Juni der Teufel- 
` am 18. der Schwarze See untersucht. 

eines е Gg SCH n Mi nur einigen Klótzen verfertigten Floss шеш 

|| ме mr Em ap | og koa Sue paier vm Se ial 

ie wi du ее je E in das eine Stunde weit entfernte Seeförsterhaus 

rt mikroskopirt. 

* E pon Tage wurde zum erstenmale an einem Süsswasser die Fauna nach 
(en, der Lage und Tiefe untersucht. 

Auch die Tiefenverhültnisse wurden einigermassen sichergestellt und zwar 

pe NE vor der Seewand auf 120' sowie die allmühlige Abnabme der- 

Segen den Abfluss hin constatirt. 

Über die interessanten Resultate berichtete Dr. Frič bereits am 15. Juli 1871 


die g 


in der с; 
r г, " fe VW , ` d 
ege шш der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag und da 
"eme Aufsatz wenig bekannt und schwer zugänglich ist, reprodueiren wir 


denselh 
e 1 roi X ч ^A ' (s D d 
N soweit er den Schwarzen See betrifft, wie folgt: 


Schwarzer See. Dieser grösste und schönste aller Böhmerwaldseen hat 


Unter] 

1а] UG Я 4 ` Oe . "m $ 

und p. b der Seewand an manchen Stellen bis 120 Tiefe, in der Mitte etwa 60° 
d af ARE 3 a А v А ` . 

u entgegengesetzten Ende gegen die Schleusse hin wird er immer seichter 


ld seichto, 
eichter, so dass er da oft nur 10—15' Tiefe hat. 


1* 


Fischt man am Ufer stehend mit dem Schöpfnetze die reinen unbewachsenen 
Stellen ab, so fängt man den grossaugigen Polyphemus oculus dann Cyclops coro- 
пайиз ©), Cyclops minutus), Diaptomus castor?) und zahlreiche Cyclopsbrut. 

Als wir auf dem Floss über den See hinüber fuhren, lieferte die Oberfläche: 
Diaptomus castor ?), Cyclops coronatus *), Cyclops minutus) Claus, Bosmina longi- 
spina^) und zahlreiche Cyelopsbrut. Alle diese Arten waren von auffallend leb- 
hafter rother Farbe. 

Das grosse Schópfnetz in einer Tiefe von 3° unter dem Wasserspiegel gehalten, 
erschien etwa nach 5 Minuten mit einer gallertigen Masse angefüllt, die das Aus 
sehen von gekochtem Sago oder von farblosen Fischroggen hatte. In ein Glas mit 
Wasser gethan, liess sich die Masse als Tausende von Individuen des Holopedium 
gibberum erkennen, unter denen fast gar keine der anderen kleinen, den See be- 
wohnenden Arten sich befanden. Die ganze unzählbare Menge waren lauter 
Weibchen. 

Dadurch aufgemuntert, liessen wir das grosse Schöpfnetz zu einer Tiefe von 
circa 15—90^ auf einem Seil herab und fuhren dann über den See der Länge nach 
hinüber. Wier erhielten wieder lauter Holopedium gibberum (Weibchen). 

Als das Netz später auf die Tiefe von 60' herabgelassen wurde, enthielt e$ 
fast lauter grosse Daphnia ршех °) und longispina °) und nur einige wenige Holo- 
pedien, welehe beim Heraufziehen durch die hóheren Wasserschichten mógen hinein- 
gekommen sein, jedenfalls scheinen die Daphnien die alleinigen Bewohner der 
grössten Tiefen des Schwarzen Sees zu sein. Sie zeichnen sich von den an der 
Oberfläche vorkommenden Arten durch Farblosigkeit aus. 

Stellt man sich die Vertheilung der verschiedenen Örustaceenarten des Sees 
tabellarisch zusammen, gewinnt man nachfolgendes Bild: 


Oberfläche. 


Polyphemus oculus Cyclops Bosmina Polyphemus oculus 
minutus, coronatus longispina 


Diaptomus castor Diaptomus castor 


Holopedium gibberum 
3—20 


Daphnia pulex et longispina 
40—60’. 


Es wäre sehr zu wünschen, dass der See zu verschiedenen Jahreszeiten gründlich 
nach Crustaceen hin untersucht werden möchte; denn, abgesehen von dem wissen“ 


1) Cyclops fuscus, Cyclops serrulatus. 

з) D. denticornis Wierz. 

3) Cyclops strenuus. *) Bosmina bohemica. 
55, Daphnia ventricosa. 


5 
Schaftlichen Interesse, haben besonders die Holopedien wegen ihrer ansehnlichen 
Grösse als Fischnahrung eine praktische Bedeutung. Ich wüsste mir in der That 
nicht recht zu erklären, wovon die jungen Forellen leben sollten, falls sie diese 
Crustaceen verschmähen möchten. 

Von Insecten fanden wir im Wasser bloss zahlreiche Phryganeaenlarven, dann 
Gyrinus natator, Hydroporus palustris, un auf der Oberfläche zwei Hydrometra- 
Arten, 

Ausserdem füllte sieh gewöhnlich das Schöpfnetz mit verschiedenen Käfern, 
die von den überhängenden Bäumen in’s Wasser gefallen sind. 

Die Würmer waren sparsam durch zwei Blutegel vertreten: Nephelis vulgaris 
und Aulacostoma gulo. ' 

Bei Vergleich mit dem jetzigen Stand der Fauna wird es zu ersehen sein, 
Wie sehr sich die Verhältnisse in beiden Seen nach 25 Jahren verändert haben 
| (Über die Untersuchung der übrigen Böhmerwaldseen berichtete Prof. Dr. Frič 
m Jahre 1873 am 21. März ebenfalls in den Sitzungsber. d. К. b. Ges. der Wissen- 
Schaften.) 

Einige Jahre später sandte die naturhist. Section des Museums über meinen 
Antrag zwei jüngere ‚Kräfte nach dem Böhmerwalde, damit sie die Arbeiten an 
den Seen fortsetzen, dieses führte aber zu keiner Publication. 

. B. Hellich arbeitete später eingehend an dem von uns mitgebrachten Mate 
lale und berichtet in seinem Werke: Die Cladoceren Böhmens auf Seite 120 über 
die Cladoceren-Fauna der Bóhmerwaldseen. 

Im Jahre 1887 brachte W. Vávra einige Proben aus dem Sehwarzen See und 
dem Teufelsee mit, von welchem Materiale im speciellen Theile eine Erwähnung 
Semacht werden wird. 

Im Ganzen konnte von einer Kenntniss der Fauna der Seen mit Ausnahme 
der Crustaceen keine Rede sein und erst als die übertragbare (oder auch ,flie- 
Sende“) Station ins Leben gerufen wurde und an zwei Teichen *) gute Dienste 
Machte, entschlossen wir uns, dieselbe an das Ufer des Schwarzen Sees zu stellen, 
VO sie fast 4 Jahre unseren Arbeiten die erspriesslichsten Dienste erwies und über- 
Wunnt eine solche Untersuchung, wie über dieselbe in diesem Buche berichtet wird, 
Möglich machte. 

i Mit den Resultaten sind wir nur theilweise zufrieden, denn wir erwarteten bei 
80 intensiver Arbeit, wie wir sie vornahmen, viel mehr und waren überrascht von 
dem Verschwinden mancher Arten oder deren Abnahme im Vergleich zu der ersten 

htersuchung. Das óftere bedeutende Wechseln des Wasserspiegels, die Besetzung 
Чез Sees mit Fischen mögen darauf Einfluss gehabt haben. 

Während dieser 4 Jahre besuchte ich mit Dr. Vävra die Station achtmal in 

den Monaten Mai bis November. Wir arbeiteten daselbst im Ganzen 64 Tage und 
Yachten der Sache viele Opfer an Zeit und Bequemlichkeit. 


ОГ А, Frič und Dr. V. Vávra. Untersuchung zweier Teiche. Archiv für Landesdurch- 
ng. Band IX. Nro 2. 


forschu 


Wie bei den Schilderungen der oben erwähnten Teiche wollen wir zur Ver- 
vollständigung des Bildes auch hier eine kurze Schilderung der Flora und Fauna 
der Umgebung der Seen voranschicken und einige Daten zur Frage über die Ent- 
stehung der Seen beifügen. 

Durch Bearbeitung einzelner Partien fórderten uns Prof. Dr. Hansgirg, Di- 
rector K. Steinich, K. Polák und Dr. K. Hanamann. 


Die fürstl. Hohenzollernsche Domänenverwaltung gestattete freundlichst über 
Ansuchen des Comités für Landesdurchforschung die Aufstellung der Station am 
See und wies die Forstverwaltung an, uns nach Kräften zu unterstützen. Dies 
geschah vom Herrn Oberfórster Jul. Komárek aufs ausgiebigste, wofür wir ihm 
den besten Dank aussprechen. 


| Transport und Aufstellung der fliegenden Station, und Auszug aus 
| dem Tagebuche, 


| Nachdem die Station vom Ufer des Gatterschlagerteiches mühevoll per Axe 
| bis auf den Bahnhof in Neuhaus gebracht wurde, füllte sie hier einen Waggon, der 
| Im Gewichte von 1500 kg als Bilgut nach der Station Spitzberg gesandt wurde. 


Fig. 1. Die fliegende zoologische Station am Ufer des Schwarzen Sees. 1892—96. 


Wir reisten nach und fanden denselben bei unserer Ankunft in Spitzberg schon 
am Platze. Auf zwei Fuhren mit Ochsengespann brachte man bis 2 Uhr Alles zum 

fer des Sees und bis 47, Uhr Nachmittag stand das Häuschen fertig da, zur 
 W'óssten Überraschung der Holzarbeiter, die hier passirten. 


Die Ebenung des Terrains machte bei der blockigen Deschaffenheit sehr viel 
Mühe, Alte Bäume mussten beseitigt und grosse Blöcke gesprengt werden. Wegen 
der Feuchtigkeit des Bodens wurde ein gemauerter Sockel angefertigt, auf den- 
selben ein Holzrahmen gelegt und erst auf diesen die Station aufgestellt (Fig. 1). 

Für die Durchführung dieser Vorbereitungen, welche mehr als eine Woche 
in Anspruch nahmen, sagen wir der löblichen Forstverwaltung in Eisenstein unseren 
besten Dank. 

Das Häuschen wurde mit den Fenstern nach Norden am rechten Ufer des 
Sees aufgestellt und später zum Schutze gegen neugierige Touristen mit einem 
Verhau umzäumt. 


Auszug aus dem Tagebuche. 


1892. Genehmigung der Aufstellung der zool. Station am Ufer des Schwarzen 
Sees. 
26. VIII. Excursion zum Schwarzen See behufs Auffindung des Platzes zur Aufstellung 
der Station. 


29. VIII. Commission mit Herrn Oberförster Komárek. Genaue Bezeichnung des 
wo die Station aufzustellen ist. 
Versuche mit Planktonfischen ergaben Holopedium und Polyphemus. 


30. VIII. Orientierungsausflug zum Teufelssee, behufs Constatirung der Verhältnisse, 
unter denen daselbst gearbeitet werden könnte. 


3. X. Übersiedlung der Station vom Gatterschlager Teiche nach dem Bahnhofe 
Neuhaus. 


4. X. Reise nach dem Spitzberge. 


5. X. Transport der Station vom Bahnhof Spitzberg zum Ufer des Schwarzen Sees 
und Aufstellung des Häuschens in 3 Stunden. 


6. X. Erste Versuche mit 'Planktonfischerei. 


9780. X. Dr. Vávra photografirte den stark entblóssten Seegrund, da wegen 
Reparatur der Schleuse um 2'70 m der See abgelassen wurde. 
Fauna sehr arm, die Oberfläche lieferte auf etwa 100 m blos 3 Cyclops 
strenuus. 
Isoetes Wiesen gut sichtbar. 


1893. 

18. 7.—30. VII. RegelmässigeßArbeit auf der Station. 
Untersuchungen der Fauna in Abständen von je zu D bis zu 40 m. 
Messungen der Temperatur. 


9 


22. 9.—9'1. IX. Regelmässige Arbeit. Planctonuntersuchungen. 'l'emperaturmessungen. 
Durchsichtigkeit des Wassers bei Sonnenschein auf 2:40 m constatirt. 
Beobachtungen der Fauna und Flora der Umgebung des Sees. 

Gelegentlich Tiefenmessungen. 


1894, 
20.—98. Juni. Normale Arbeit. (Verlust zweier Tiefennetze.) Temperatur- und 
Tiefenmessungen. 


11.—18. September. Normale Arbeit. 


1895. Im Juni wurde eine kleine Hütte am südlichen Ufer des Teufelssees aufge- 
stellt, um die Instrumente, die von der fliegenden Station herübergetragen 
wurden, in Sicherheit bringen zu kónnen. 


16.—23, Juli. Arbeiten am Schwarzen See und am Teufelssee. 
Temperatur- und Tiefenmessungen. 


(Erkrankung des Prof. Frič machte in diesem Jahre den abermaligen Besuch 
des Bóhmerwaldes unmöglich). 


1896. Im April wurde Herr Hótelier Prokop ersucht über den Zustand des Eises 
am Schw. See zu berichten. Derselbe theilte mit, dass der See mit einer 
Eisdecke von 90 em bedeckt sei, auf welchem 58 em Schnee und Wasser 
liege. 

Aufs Eis kónne man sich nicht wagen und der Weg vom Horizontalweg 
zum бее sei nur mit Schneerüdern passirbar. 

Dadurch zeigte es sich, dass es unausführbar ist, die Temperatur des Sees 
zur Zeit, wo er noch mit Eis bedeckt ist, sicherzustellen. 


9.— 12. September. Arbeiten am Teufelssee, namentlich die Untersuchung des Lito- 
rale und der Bodensedimente. Absendung von Wasserproben à 10 L. an 
Dr. Hanamann in Lobositz behufs chemischer Untersuchung. Genaue Tempe- 
raturmessungen des Schwarzen Sees. Übertragung der Station nach Podiebrad. 


Die Flora des Schwarzen Sees und des Teufelssees und ihrer Umgebung. 
Von Karl Polák. 


l Von Seite der zoologischen Abtheilung des Comités für die Landesdurchfor- 

Schung von Böhmen ergieng an mich der ehrende Auftrag, eine botanische Skizze 

Unserer zoologisch nun erforschten Böhmerwaldseen, d. i. des Schwarzen Sees und 

S Teufelssees zu entwerfen u. z. in dem Sinne, wie ich eine solche schon früher 

B Teiche in Unter-Poternitz entwarf und für das „Archiv der Landesdurch- 
ung“ niederschrieb. } 


de 


10 


Diesem Auftrage folgend, unternahm ich zu Pfingsten 1895 einen Ausflug zu 
den genannten Seen, um auch den Charakter der Frühjahrsflora daselbst kennen 
zu lernen, als mir die Sommerflora jener Gegend schon von früher her bekannt war. 

Der Schwarze See bildet gewissermassen ein von drei Seiten durch hohe Berg- 
wände eingefasstes und daher stark beschattetes Basin der von der torfigen See- 
wand (1343 m ü. d. M.) herabstürzenden, namentlich im Frühjahr ausgiebigen und 
sich hier ansammelnden Wassermassen und füllt somit mit seinem 1008 m ü. d. M. 
gelegenen Wasserkórper den Grund des hier entstandenen Bergkessels aus. 

Rundum ist der See von Fichtenwald umgeben, in dem von anderen Baum- 
arten zumeist nur die Buche hervortritt. 

An den meisten Stellen tritt der Baumwuchs und die Waldflora bis dieht ans 
Wasser heran zur Ansiedelung einer eigentlichen Strandflora keinen Raum lassend. 

Die hier in zusammenhängender Masse den Boden überziehenden Heidelbeeren 
stehen bei höherem Wasserstande, so namentlich im Frühjahre, z. Th. im Wasser, 
bildend so eine unnatürliche Strandvegetation und wetteifernd in der Behauptung 
des Terrains nur mit den saftig grünen Polstern der Torfmoose. Selbst die, wie 
die Reste von Pfahlbauten aus dem Wasser ragenden morschen Baumstrünke, be- 
herbergen eine üppige Heidelbeervegetation. 

Obzwar der Schwarze See im Gebiete der Flora von Böhmen als Fundort 
zweier seltenen Pflanzen berühmt ist u. z. des interessanten Sparganium affine (Fig. 2) 
das nicht gar zahlreich in der Nühe des Hauptzutrittes zum See wächst und dessen 
am Wasser fluthende Blätter an jene von Glyceria fluitans erinnern, ferner des in 
der Flora von Böhmen so seltenen Wasserfarnes, Isoötes lacustris (Fig. 8) der nur 
bei niedrigem Wasserstande dort zu entdecken ist, so ist doch dieser See einer der 
pflanzenärmsten Wasserkörper unserer Heimat. Übertroffen wird er nur durch 
seinen Nachbar, den Teufelssee, der auch eine Art Bergkessel ausfüllend, bei 
sonstigem Pflanzenmangel auch diese zwei Pflanzen nicht beherbergt. Nur einmal 
erhielt ich von Dr. V. Vávra ein Stückehen Zanichelia aus dem Teufelssee, das er 
bei seinen zoologischen Forschungen ausfisehte, doch dürfte die Pflanze wohl nur 
zufällig durch Wasservógel hierher gerathen sein, ohne sich angesiedelt zu haben. 

Von jenen Wasserpflanzen, deren Vorhandensein für die Entwickelung der 
verschiedenen, als Fischnahrung geschützten Kerbthiere so wichtig ist, ist hier 
mit Ausnahme einer kleinen Colonie von Glyceria fluitans keine Spur zu finden. 
Man wäre geneigt anzunehmen, dass der in einem anderen Böhmerwaldsee, dem 
Lakka-See, als häufig angegebene Potamogeton rufescens auch hier zu finden 
wäre, doch ist dem nicht so, denn Niemand fand die Pflanze hier. Selbst Calli- 
triche und Lemna, deren Existenz auch das reinste Quellwasser zusagt, konnte 
ich hier nicht entdecken. Auch die an Gewässern welch immer Art selten man- 
gelnde Uferflora, bestehend aus Carexstöcken, Juncusarten, Münzen und Wasser- 
ehrenpreis u. à. vermisst man gänzlich und in dem Mangel an diesen Pflanzen 
entbehren auch viele Wasserinsecten, beziehungsweise deren Larven die nöthigen 
Schutzplätze für ihre Überwinterung und Entwickelung, als sie das Wurzelgeflecht 
dieser Pflanzen für diese Zwecke vornehmlich aufsuchen. Kein Schilf und kein 
Schilfgras ragen am Ufer empor und nur die Moosdecke ist da, wo es für die 
Heidelbeere zu feucht ist — oder, bei niedrigem Wasserstande, nur der Sand. 


11 


Der Böhmerwald stand schon seit jeher im Rufe botanisch arm zu sein. In 
der That, wenn hier auch einige Pflanzen vorkommen, die im Gebiete der Flora 
von Bóhmen nur von da verzeichnet sind und an die sich auch ein weiteres geo- 
graphisches Interesse knüpft, so gehört die Umgebung dieser Seen, mit Ausnahme 
der in dem Schwarzen See vorkommenden zwei seltenen Wasserpflanzen, zu jenen 
pflanzenarmen Localitäten, die für den Böh- 
merwald so allgemein charakteristisch sind. 
Bei der botanischen Durchfschung dieses 
Gebietes entsteht hier ein für die Flora 


Ts ү j я Че P i i 
1g, 2, SparganiumYaffine. ?/, der nat. Grösse. Fig. 3. Isoëtes lacustris. 


Photogr. Dr. V. Vávra. 
Уб ууу . . 
Sewissermassen negatives Interesse, indem man wahrzunehmen beginnt, dass hier 
@ ; А Ч 
"ine Menge von gewühnlichen Pflanzenarten fehlt, die man auf anderen Loca- 


12 


lititen unter gleicher Hóhe und an demselben Substrat, gewiss finden würde, sei 
auch dass der Gneis, das hier vorkommende Gestein, von vielen Pflanzenarten 80 
gemieden wird wie der rothe permische Sandstein. 

Die Flora des hier zu schildernden Gebietes gehórt ihrem hauptsüchlichen 
Charakter nach zu unserer gewóhnlichen Flora des Bergwaldes, doch untermischt 
mit Elementen, die zur subalpinen Flora gehören, so man die Riesengebirgsflora in 
Vergleich zieht, als dort dieselben Arten in entsprechen Höhenlagen häufig vor- 
kommen. Von diesen, soweit in der weiteren Umgebung des Schwarzen Sees vor- 
kommend, wären anzuführen: 

Athyrium alpestre (Auf der Seewand), Luzula maxima, sehr häufig und oft 
auf den schattigsten Waldstellen, Homogyne alpina, Mulgedium alpinum an Bächen 
und Ranunculus aconitifolius, auch häufig; ferner ist eine kleine Partie Legföhre 
(Pinus pumilio) an der Seewand und eine kleine, freudig vegetirende Gruppe dieser 
Baumart hart am Schwarzen See hervorzuheben. 

Ausserordentlich arm ist daselbst die Flora des Frühjahrs und des Vorsommers. 
Die Wahrnehmung, welch’ eine grosse Anzahl von gewöhnlichen Waldblumen, die 
sowohl der Ebene als dem waldigen Berglande angehören, hier fehlt, kommt um 
diese Zeit am meisten zur Geltung. Auffallend ist hier der gänzliche Mangel der 
bei uns so weit verbreiteten Waldveilchen, Viola silvestris und Riviniana. Anch 
keine der Frühjahrspotentillen zferte hier den Waldsaum und die lichten Gebüsche. 
Von Papilionaceen und Crueiferen, bis auf Cardamine amara beim Seeförster, sah 
ich hier auch keine Vertreter. — Saxifraga granulata fehlt hier auch gänzlich und 
die beiden Chrysosplenium-Arten, halten sich nur an der Thalsohle und kommen am 
Bache, der aus dem Schwarzen ‚See entspringt aufsteigend, nicht bis zu diesem 
hinauf. Hepatica triloba, Ranunculus auricomus, Galeobdolon, Lamium maculatum 
nnd viele andere Repraesentanten der Waldflora scheinen hier auch zu fehlen. Diese 
Umstände sprechen dafür, dass in der relativ niedrigen Höhe des Schwarzen Sees. 
solch’ klimatische Verhältnisse -herrschen mögen, die nur wenig höheren Pflanzen 
zusagen, wozu noch vielleicht die von vielen Arten gemiedene Bodenart, Gneis, viel 
beitragen dürfte. 

Wie sonst an rauhen und höher gelegenen Fundorten, so holt auch hier die 
Frühlingsflora das Aufblühen der Sommerblumen ein. Am 2. Juni vorigen Jahres 
blüthen im Walde entlang des Weges, der von dem Pensionat am Spitzberge zum 
Schwarzen See führt, beispielweise: Homogyne alpina, Caltha palustris, Anemone 
nemorosa, Viola palustris, V. arenaria, Oxalis acetosella, Soldanella montana, Me- 
landryum rubrum, Alchemilla vulgaris und noch wenige andere. Luzula maxima war 
erst im Aufblühen begriffen. Auch von den verschiedenen gemeinen Waldseggen 
(Carex digitata, verna, etc.) bemerkte ich keine Art. 

Der hier zumeist sehr schattige Hochwald, dessen Boden mit einer Moosdecke 
überzogen ist die an Üppigkeit ihres gleichen sucht, gewährt zumeist nur an seinen 
lichterenzStellen, namentlich am Rande Raum zur/Ansiedelung der Waldflora. Nur 
einige Bärlapparten, namentlich Lycopodium annotinum, ferner das hier unter den 
Farnen häufigste Blechnum spicant, bringen Abwechslung in dieses einförmige, nicht 
nur den Boden, sondern alle Steinblócke und felsigen Erhóhungen rundum über- 
ziehende Grün der schwellenden, fenchten Moosdecke. Da wo das Terrain für die 


18 


Ansiedelung der Heidelbeere günstiger war, ist sie das dominirende Element. Die 
dichte Moosdecke durchrieseln stellenweise kleine Bäche, zumeist nur Wasser- 
Striemen, die oft nach kurzem Lauf sich in der Moosdecke wieder verlieren. Ent- 
lang dieser Bächlein und an feuchten Stellen siedelte sich Caltha palustris in Menge 
an zumeist ohne mit einer anderen phanerogamen Pflanze untermischt zu sein und 
es contrastirt dieser Standort nicht wenig mit jenem, an dem man diese Pflanze zu 
Sehen gewohnt ist, als sie doch sonst offene Wiesen vorzieht. Аш 2. Juni stand 
diese Pflanze in den Wäldern an dem Schwarzen See noch in ihrem vollen Blüten- 
Schmucke. In den tieferen Lagen, so in den Wäldern um das Haus des Seeförsters, 
weist die Flora eine grössere Mannigfaltigkeit auf, und zu den bereits erwühnten 
Pflanzen gesellen sich noch Petasites albus, Senecio crispatus, Circaea lutetiana 
u. à. bei. Mulgedium alpinum kommt am Bache, der durch den Abfluss des Sehwarzen 
Sees entsteht, häufig vor, und steigt bis zum See hinauf. — Von nicht blühenden 
Pflanzen wurden hier noch bemerkt Polygonatum verticillatum, Actaea spicata und 
Senecio fuchsii, Prenathes purpurea u. a. Später im Sommer ist Trientalis euro- 
раеа an passenden Standorten häufig zu finden. Sehr arm ist dieses Gebiet an 
Hieracien; auf meinem Sommerausfluge fand ich hier nur Н. vulgatum und mu- 
rorum, doch auch diese nur sehr zerstreut. An offenen quelligen Stellen mit tor- 
figem Wiese grund, wo im Frühjahre Pinguicula vulgaris, Valeriana dioica, Pedi- 
cularis sylvatica, Scorzonera humilis, Coeloglossum viride u. ä. blühen, ist später 
im Sommer Willemetia hieracioides zu finden, interessant mit Rücksicht auf unsere 
heimatliche Flora dadurch, als sie im Böhmerwalde und dem angrenzenden Gebiete 
die Nor dgrenze m Verbreitung in Europa erreicht und sonst nirgends in Böhmeu 
mehr zu finden ist. 


Wie bereits SC ist es nicht uninteressant zu bemerken, welche Pflanzen 
man in den Wäldern in der Höhe des Schwarzen Sees vermisst. 


Die in unseren Bergwäldern so massenhaft vorkommenden Farne Aspidium 
filix mas und Athyrium filix femina möchte man als hier gänzlich fehlend anzu- 
nehmen geneigt sein, wenn an dem westlichen Ufer des Sees auf berieselten Felsen 
nicht einige Stücke wachsen würden u. z. in Gesellschaft von A. oreopteris. Pteris 
aquilina, die doch gerne in Gesellschaft von Heidelbeeren wächst, sah ich hier 
nirgends. Vielleicht bedingt es die grosse Feuchtigkeit der Wälder, dass sich dieser 

'arn selbst auf trockeneren Stellen nicht ansiedeln kann. Blechnum spicant ist 
hier, wie bereits erwi ähnt, der häufigste Farn, neben dem kommt recht häufig, doch 
nicht üppig, Aspidium spinulosum und Phegopteris Dryopteris. Sonderbar auch, 
dass auch auf entsprechenden Localitäten die Rubusarten nur sporadisch vorkommen. 

ie Himbeere bemerkte ich überhaupt nieht und von Brombeeren fand ich zer- 
Streut nur hie und da einen Strauch von Rubus glandulosus und Rubus radula. — 

on Sträuchern fallen Sambucus racemosa und Sorbus aucuparia auf, bildend hie 
"Und da das Unterholz. Selten steht unter denselben auch Lonicera xylosteum. 


Bemerkenswerth ist, dass die Heide, Calluna vulgaris, auch die offenen 
tellen meidet. In der Umgebung des Schwarzen Sees konnte ich keinen Stock 
"Avon entdecken und weiter davon fand ich kleine Colonien. die nur ein kümmer- 
lches Dasein fristeten. 


14 


Um ein botanisches Bild dieser Localität so im einzelnen zu entwerfen, dass 
nicht nur alle Pflanzenarten, die hier zu allen Jahreszeiten zu finden sind, aufge- 
zählt werden, sondern dass auch diejenigen Arten, die für unsere Gebirgswülder 
charakteristisch sind, hier als fehlend namhaft gemacht werden, dazu wären weit 
mehr Excursionen nöthig als vielleicht der Zweck dieser flüchtigen Skizze bean- 
sprucht. Diese Skizze genügt aber, dass die grosse Pflanzenarmut dieses Gebietes 
soweit geschildert erscheint, als man darnach schliessen kann, wie artenarm auch 
die Insectenfauna hier sein muss, und die, soweit sie als Nahrung der in den Seen 
lebenden Fische in Betracht gezogen werden kann, nur weuig zur Geltung kommen 
dürfte. 


Die Fauna der Umgebung des Schwarzen Sees und des Teufelssees. 
Bäugethiere. 


Von grösseren Säugethieren kommen auf der Seewand regelmässig Rehe vor, 
von denen jährlich 4—8 Stück erlegt werden. Das Wahrnehmen eines Hasen von 
Seite der Touristen gehört zu den grossen Seltenheiten, dennoch werden bei den 
Jagden in der Umgebung des Sees jährlich 25—50 Stück erlegt, Diese Armut 
an Wild hängt mit dem rauhen Klima und den hier im Winter lagernden unge- 
heuren Schneemassen zusammen. 

Vom Hirschwild verirrt sich zuweilen ein Stück vom Kubani bis nach dem 
Spitzberg, wo ein Stück bei der Baumschule am Horizontalwege gespürt wurde. 

Im Jahre 1894 wurde ein 16ender verfolgt, aber nicht erlegt. Im 17. Jahr- 

hundert sprechen alte Urkunden nur von „Rehstuck“. 
Im Jahre 1754 geschieht in einem Vertrage, mittelst dessen Graf Kolovrat in 
Deschenitz die Waldweide in den See-Waldungen den Bauern von Eisenstrass 
verpachtete, die Erwähnung, dass sie „von jedem Büren die Bratzen und vom 
Hirschen den Ziemer, was die Hirten abzuführen haben“, woraus zu schliessen ist, 
dass hier so wohl Hirsche als Bären vorkamen. Der Tradition nach wurde 1811 
am südlichen Ende der Seewand im sogenannten Spiegelwald ein Bär erlegt. 

Von schädlichen Säugethieren werden im Durchschnitt jährlich 3 Füchse, 3 
Marder, 2 Iltise, 2 Wieseln geschossen. 

Ein verwildeter Kater, der mehr als ein Jahr in der Umgebung des Sees be- 
obachtet wurde und der Losung nach zuweilen mit den grossen Waldameisen für 
lieb nehmen musste, wurde bei der Station in Eisen gefangen und erwies sich 
als ein vom Seeförster desertirtes Individuum. 

Fischottern wurden im Jahre 1895 4 Stück gefangen. 

Diese Daten erhielt ich vom Herrn Oberförster Jul. Komärek.*) 

Bei dem blockigen Terrain in der Umgebung des Schwarzen Sees war es 
eine schwere Aufgabe die Uferfauna sicherzustellen. Bald bemerkten wir, dass 


*) Vergleiche Excursion des Forstvereines 1882. 


15 


Unsere Küchenabfälle von verschiedenen kleinen Nagern besucht werden und stellten 
nahe der Station Federfallen auf, welche Arvicola glareola, Agricola agrestis und 
Mus sylvaticus lieferten. Ausserdem setzten wir ein verkehrt conisches aus Zink- 
blech verfertigtes Gefüss (Fig. 4.) am Ufer in den Boden ein, bedeckten es lose 


Fig. 4. Fangapparat auf Insecten, Mäuse und Eidechsen. 


mit Reisern, und um die Öffnung vor Regen zu schützen, deckten wir es mit einem 
Interlegten Brette zu. Täglich fanden wir darin verschiedene Insecten, Eidechsen 
Pitzmäuse, Wühlmäuse ete. 

Könnte dieser Apparat täglich revidirt werden, dann würde man gewiss eine 
Namhafte Reihe von Thieren am Ufer des Sees nachweisen, von deren Gegenwart 
Man sonst keine Ahnung hat. 
| Von Nagethieren ist das häufigste die Waldwühlmaus Arvicola glareola, welche 
Ш sehr grossen Exemplaren in der Nähe der Station gefangen wurde. Ein Weib- 
Chen hatte die Länge von 15 cm. 

Ein einzigesmal wurde die Erdmaus Agricola agrestis knapp am Seeufer be- 
Obachtet und am nächsten Tage gefangen. Es ist dies das erste in Böhmen sicher- 
Sestellte Vorkommen. SE ; 

Ziemlich häufig war auch Mus sylvaticus, der im letzten Winter sogar in das 
RE der Station eindrang und hier viel Schaden verursachte. Fünf Exemplare 
En i ‚eine Flasche, in welcher, Reis enthalten war, nachdem dieser ver- 
hb da. Se frassen sie sich wechselseitig auf und wir fanden bei unserer Ankunft 
` Mlasche ein ganzes mumificirtes Exemplar und von den übrigen 4 die 
" manze und die ausgefressenen Schädel. 
E ies der weiteren Umgebung des Sees uns eingelieferten Hausmäuse Mus 
"Ze ae sen durch bräunlich ockergelbe Bauchseite aus, welche Farbe 
. “en ausgestopften Exemplaren stark verblasste. 
1 D^ < TNefepitzmians Crossopus fodiens und Sorex vulgaris geriethen etwa 
Inseren Fangapparat. 


16 


Crocidura aranea wurde todt auf einem Fusssteig gefunden. 

Der Dachs fehlt hier ganz, aber der Igel soll sich in den letzten Jahren stark 
vermehrt haben. 

Von Fledermüusen konnten wir trotz fleissigen Aufpassens keine sicherstellen. 
Einmal sahen wir eine ganz kleine Art fliegen, wahrscheinlich V. pipistrellus. Das 
Vorkommen von V. Leisleri aus dieser Gegend ist früher constatiert worden. 

Es sind also in der Umgebung des Sees zu verzeichnen: 


1. Vesperugo Leisleri — die rauhhaarige Fledermaus. 
2. Vesperugo (pipistrellus?) — die Zwergfledermaus. 
3. Стоѕѕориѕ fodiens — die Wasserspitzmaus. 

4. Sorex vulgaris — die Waldspitzmaus. 

5. Erinaceus europaeus — der Igel. 

6. Felis catus. domesticus — die Hauskatze. 

7. Canis vulpes — der Fuchs. 

8. Ursus arctos — der Bär. 

9. Mustela martes — der Baummarder. 

10. Foetorius putorius — der Iltis. 


11. Foetorius vulgaris — das Wiesel. 
12. Lutra vulgaris die Fischotter. 
13. Seiurus vulgaris — das Eichhörnchen. 
14. Mus musculus — die Hausmaus. 
15. Mus sylvaticus — die Waldmaus. 
* 16. Arvicola glareola — die Waldwühlmaus. 
17. Agricola agrestis — die Erdmaus. 
18. Lepus timidus — der Haase. 
19. Cervus elaphus — der Edelhirsch. 
20. Cervus capreolus — das Reh. 


Die Vógel. 


Der Bóhmerwald steht im Rufe sehr vogelarm zu sein, was davon herkommt, 
dass die Touristen meist erst im August und September hier eintreffen, wo jeder 
Wald stille ist. 

Ganz anders verhält sich die Sache, wenn man schon im Mai, zur Zeit, W? 
noch meterhoch der Schnee liegt, hier eintrifft. 

Da ertönt vom frühen Morgen bis tiefin die Nacht der melodische Gesang des 


Rothkehlchens von dem an den Ufern des Sees etwa 15 Paare brüten. Auch de! 
Gesang der Drossel und der Finken trägt zur Anmut dieser idillischen Gegend bel. 


Doch wollen wir unsere Beobachtungen dem System nach verzeichnen. Wir 
hatten erst spüter uns mit Schusswaffen versehen, aber konnten doch bei dem 
blockigen Terrain manche Art kleiner Vógel, die wir hórten, nicht erlegen, um die 
Species sicherzustellen. 


17 


Der gemeine Bussard flog nur einmal über den See und ein Wespenbussard 
Wurde in der Nähe erlegt. 

. Der Finkensperber nistet einige Hundert Schritte nördlich vom Pavillion und 
An anderes Paar in der Nähe des Spitzberges. Zahlreiche Skelette von Drosseln, 
Finken und Meisen, die wir unter dem Horste sammelten, zeigt die Gefährlichkeit 
dieses Räubers für die kleine Vogelwelt. 


Ein mir vom Herrn Oberförster Komárek eingeliefertes altes Weibchen des 
Y y " ` 
Thurm fallen hatte 14 Stück Bergeidechsen im Kropfe und dieses war wohl die 
tsache, dass es während der Verdauungssiesta erlegt werden konnte. 


Von Eulen vernahmen wir nur die Stimme einer kleinen Art, wahrscheinlich 
Athene noctua auf der Seewand und eine ganze Familie des Waldkauzes liess sich 
. o 
eines Abends an der Lehne unterhalb des Horizontalweges laut hóren. 


. Der Schwarzspecht ist in der Umgebung des Sees Standvogel und hatte am 
Bpitzberg sein Nest in einer kernfaulen Buche und nachdem der Baum gefüllt 
Wurde, fand man, dass vom Eingangsloche zum Grunde des Nestes die Entfernung 
ast | m betrug. Es enthielt nur ganz wenig Federn. 

Ein anderes Exemplar des Schwarzspechtes wurde kürzlich im Dohnensteig 
Sefangen und kam in eine Privatsammlung. Andere kleinere Spechtarten hörten 
Fir wiederholt, aber bekamen sie nicht zu Gesicht. 

| Den Kukuk hörten wir aus der Ferne tiefer unten, etwa beim Seeförster 
öfters rufen, 

Der Eisvogel erschien nur einmal am Seeufer. 

Der Zaunkönig ist ein ständiger Bewohner der Umgebung des Sees und die 
"Secten, welche sich in Menge bei unseren Kjökenmöddings einfanden, lockten ihn 
I5 in die unmittelbare Nähe der Station. 

Den Baumläufer erlegten wir in der Form von Certhia familiaris mit rost- 
m Rücken und schneeweissem Bauche. Der Kleiber Sitta caesia W. et M. lüsst 
beet, ев C Herbst hóren. Von Meisen wohnen hier in Menge die 'annen 
histeto, Pigs Gesang man den ganzen Tag hört und die auch unweit der Station 
Meran т Dgeniert nahm die Meise zum Nestbau das Werg aus den Stricken 
ransportkórbe. 
ài ee ist die Haubenmeise, die aber auch in der Nähe des Sees genistet 
` m Junges Exemplar erlegten wir am 24. Juli. 
Der Baumpieper war regelmässig in der Umgebung des Teufelssees zu hören. 
i; tm Schwarzplatl Sylvia atricapilla nistet regelmässig in der Nähe der „grossen 
am Horizontalwege, wo wir auch öfters seinen Gesang wahrnahmen. 
9n Laubvögeln vernahmen wir nur die Sylvia fitis. 
i p. е Goldhähnchen ist wohl der häufigste Vogel der Umgebung des 
© brütet auch daselbst. 
am Ba Be des Sees wurden häufig von der Gebirgsbachstelze besucht, welche 
1.716 unterhalb des Sees nistete. 


Tothe 
Sic 


h 


Pav; 16 weisse Bachstelze erschien seltener und hielt sich mehr bei dem grossen 
villon auf, 
Unter der Seewand nistete ein Paar des Wasserschwätzers knapp am Wasser- 


9 


18 


spiegel unter den Felsblöcken. Ein junges eben flügges Exemplar erlegten wir 
28. Juli. 

Die Wacholderdrossel hörten wir Ende Juli. Die Singdrossel sang sehr fleissig 
im Mai an den Ufern des Sees, im Juli nicht mehr. Die zahlreichen Reste dieses 
Vogels unter dem Sperbernest zeigen, wie gefährlich dieser Räuber diesem edlen 
Singvogel ist. 

Die Ringdrossel, Turdus torquatus kommt etwas weiter am Oser vor. Das 
Bothkehlchen ist sehr häufig und der Hausrothschwanz zeigte sich im Herbst in 
der Nähe der Station. Eine Dorfschwalbe wurde am 25. August am See ре“ 
obachtet. 

Der Kreuzschnabel hält sich constant in der Nähe der grossen Fichten AN 
der Tunnelhalde auf und überflog auch oft den See. Am 17. März erhielten wir 
von der genannten Localitàt ein Nest mit 3 halbflüggen Jungen, deren Schnabel 
noch keine Andeutung der Kreuzung zeigte. Das Nest bestand aus 'l'annenreisern 
und war mit Moos und Wolle ausgepolstert, aber enthielt kein Pech. Es war blos 
3 m vom Boden entfernt, nahe beim Stamme auf einem Seitenaste. Breite 23 ст, 
die Vertiefung 9 cm. 

Der Buchfink sang sehr eifrig im Mai an den Ufern des Sees. Dass er später 
verschwand, mag das nahe nistende Sperberpaar am Gewissen haben. 

Den Zeisig hörten wir nur einmal. 

Der Gimpel kommt im Winter an den Seeufern auf den Sperberbäumen vor: 

Ein Sperling erschien einmal am 29. August. 

Die Rabenkrähe, Corvus corone nistet in der Partie zwischen dem See und 
dem Spitzberg. 

Der Tannenheher, Nucifraga caryocatactes ist in dem vom See nach Norden 
gelegenen Oser-Walde Standvogel und nistet hier, da ganz junge Vögel vom Forst- 
personale im Sommer beobachtet wurden. Seine Stimme hörten wir auch im Sep“ 
tember auf der Seewand. 

Von Tauben kommt nur die Hohltaube vor. 

Das Awerwild ist hier ein häufiger Standvogel und es werden alljährlich 
mehrere Stücke in der Balz erlegt. Der Birkhahn fehlt. 

Das Haselhuhn nistete unweit vom See und die Stimme der Jungen lockte zu 
Jagdversuchen, welche bei dem blockigen Terrain leider erfolglos blieben. Ein аш 
Boden im Moose angelegtes Nest mit 2 Eiern brachten wir von da für die Mu- 
seumssammlung. 

Ein Nest der Waldschnepfe mit vier leeren Eiern wurde uns vom Oserwalde 
eingeliefert. 

Von Wasservögeln kamen blos 2 Arten zur Beobachtung und zwar ein paat 
Knäckenten am 26. Juli, welche früh um 8 Uhr den See umkreisten, um gleich 
darauf zu verschwinden. 

Eines Tages gewahrten wir in der Dämmerung unter der Seewand eine? 
jungen Lappentaucher etwa in der Grösse des Pod. rubricollis. Derselbe war WÉI 
niger scheu, tauchte nicht bei unserer Annäherung und als er endlich aufflog 
schien er verwundet zu sein. Wir verschoben die Jagd auf den nächsten Morgen: 
aber der Vogel war nicht mehr zu sehen. 


19 


Verzeichnis der in dor Umgebung des Schwarzen Sees beobachteten Vogelarten.*) 


Buteo cinereus Вр. Turdus musicus L. 
Pernis apivorus Cuv. Turdus torquatus Fr. 
Aceipiter nisus Pall. Phyllopneuste trochillus Meyer. 
Tinuneulus alaudarius Br. 
Athene noctua Вр.(?) Regulus cristatus Ray. 
Syrnium aluco Sav. Sylvia atricapilla Lath, | 
Picus martius L. Lusciola rubecula K. et DL | 
Lusciola erythaca Bp. | 
Cuculus canorus L. Hirundo rustica L. | 
Alcedo ispida L. Nucifraga cariocatactes Cuv. 
Troglodytes europaeus Cuv. Corvus corone L. 
Certhia familiaris L. Fringilla coelebs L. 
Sitta caesia M. et W. Passer domesticus Bp. 
Parus ater L. Fringilla spinus L. 
Parus cristatus L. Pyrrhula vulgaris Pall. 
Anthus arboreus Bechst. Loxia curvirostra L. 
Jolumba oenas L. 
Motacilla sulphurea Bechst. Bonasia sylvestris Brehm. 
Motacilla alba L. Tetrao urogallus L. 
Cinclus aquaticus Bechst. Querquedulla circia Bp. 
Turdus pilaris L. Podiceps subcristatus ? 
Reptilien. 
Bes яз “ж ‚häufigsten Erscheinungen gehört in der Umgebung des Schwarzen 
Uhren ar ergeidechse Lacerta vivipara, welche an sonnigen Tagen im Sommer aus 
llupfwinkeln hervorkommt. 
E ihrer Häufigkeit kann man sich ‚einen Бери machen nach der That- 
E us eit Weibchen des Thurmfalken im Kropfe 1% зак erwachsener Exem- 
Ds Eidechse enthielt. Die meisten hatten den Kopf abgerissen und diese 
8e Mahlzeit mag wohl die Erlegung des Vogels begünstigt haben. 
Ens тн» kommt an der unterhalb des Sees und des Horizontalweges 
then à dachung in der Varietüt Pelias prester vor, die nur ein altes Weib- 


"T gewóhnlichen Pelias berus ist. 

cna Tüngelnatter, Tropidonotus natrix wurde im Juli 1895 in der Nähe des 
AS am Seeufer in zwei Exemplaren erlegt. 

Die Würfelnatter Tropidonotus tesselatus wurde unterhalb des Dammes des 

` Bees von Dr, Vávra am 21./7. 95 beobachtet. 


AL 


Schw 


E D 
) Die Nomenclatur stimmt mit derjenigen, die in dem bei uns weit verbreiteten Werke | 


»Die Vi Т 
бро] Eur ї i TM 
Publicis gel Europas“ angewandt ist, und mit dem im Archiv für Landesdurchforschung Band II. 
Mri. en Verzeichnis der Vögel Bóhmens. Die neu geänderten Namen findet man in Reichenow's 
JN d 


Mätischas d А KA 
&йзсһев Verzeichnisg der Vögel Deutschlands". 


20 
Amphibien. 


Am bezeichnendsten für den See ist der Alpenmolch Triton alpestris, welcher 
im Winter unter Steinen und Baumrinden verweilt, aber dann schon im Mai im 
See unterhalb der Seewand angetroffen wird. Die Ablage der Eier fällt in den 
Monat Mai, scheint aber längere Zeit zu dauern, denn wir fanden zu gleicher Zeit 
Eier und mehrere Stadien der Larven. Im nächsten Frühjahre erhalten die Larven 
eine Länge von 3 em und sind schon am Bauche schön roth. 

Die leeren Eierschalen findet man später im Jahre oft am Ufer von ver- 
schiedenen niederen Organismen überfallen. Auch ein isolirtes Spermatozoon wurde 
in dem mit dem See in Verbindung stehenden Tümpel beim Місгоѕсорігеп gefunden: 


Fig. 5. Triton alpestris. Oben das Männchen, unten das Weibchen. 
Es wurde mittelst Formalin ein Pärchen für die Museumssammlungen prae 
parirt. In den Lungen fanden wir an 8 Stück einer Ascaride. Im Dickdarm zwel 
Infusorien, eine schmale Bursaria und ein Nyetotheres. 


Von Fröschen ist Rana temporaria sehr häufig und paarte sich im Mai 
zwischen den abgerindeten am Ufer im Wasser herumliegenden Baumästen und 
Wurzeln, denen sie in der Farbe auffallend glich und zwischen denen sie, 80 lange 
sie stillstand, nur schwer bemerkt werden konnte. Die in Paarung begriffenen Thiere 
hatten folgende Fürbung. Das Münnchen unten schwach rosa, die  Schläfenfleck®n 
blass, oben stark dunkel gefleckt. Das Weibchen unten schwefelgelb. Im Ju 


Waren Kaulquappen ohne und mit Füssen häufig am Ufer zu beobachten und 
sammelten sich an ins Wasser geworfenen Geflügelknochen massenhaft. Vorjährige 
kleine Fröschehen hielten sich in Menge im Moose am Ufer auf. Die alten Thiere 
trafen wir dann im Juli einzeln im Walde. 

Zu Bombinator igneus gehörige Kaulquappen fanden sich im Juli massenhaft 
an der Sparganiumlocalitàüt. 

Kröten (Bufo cinereus) hielten sich in der Nähe des Pavillons auf. 


Fische. 


Das Vorkommen von grossen Forellen bis 60 cm Länge war längst constatiert 
Und es erhielt das Museum zwei Exemplare schon in den 50. Jahren durch Ver- 
Mittlung des Prof. Emanuel Purkyně. Alle Bemühungen diese grossen Exemplare 
mit der Angel zu fangen blieben erfolglos. 

Dass sie zuweilen doch angebissen haben, beweist ein Exemplar, das wir 
vom Herrn Oberförster Komárek erhielten, bei welchem die vordere Schnauze fehlte 
Und zugeheilt war. 

Der grossen Forellen wird man nur dann habhaft, wenn sie zur Laichzeit 
im October in das von der Seewand herabfliessende Bächlein aufsteigen, wobei 
sie entweder geschossen werden oder es wird ihnen durch eine Schleusse vor- 
Sichtig der Rückgang gesperrt. 

In den letzten Jahren wurden diese laichreifen Fische zur Erziehung von 
embryonirten Eiern benützt. 

Da der aus dem See fliessende Bach Forellen führt, so ist das Vorkommen 
der Forellen im See leicht erklärlich. 

Ein von uns im Juni 1894 geschossenes Exemplar von 50 cm Länge erwies 
Sich als ein unausgelaichtes Weibchen, dass immerfort die Laichstelle unter der 
Seewand besuchte. 

Sehr verändert hat sich aber die Fischfauna des Sees, seitdem Herr Ober- 
fürster J, Komárek die Einsetzung von Brut verschiedener Edelfische alljährlich 
KS Die mir freundlichst mitgetheilten Daten sind folgende: 

. Im Mai 1890 wurden 1800 Stück junge in Brutapparaten in Eisenstein ge- 
Ka Saiblinge in deu Schwarzen See eingesetzt. In 18 Monaten, am 29. Oktober 
1891 wurden davon mehrere gefangen in der Lünge von 20—22 cm, im Jahre 1892 
atten sie schon 25—26 cm. 

2. Im Mai 1892 wurden abermals 8950 junge Saiblinge eingesetzt. 


^. Im Mai 1893 setzte Herr Komárek 30.000 junge Saiblinge in meiner Gegen- 
wart i in den Schw. See und äusserte Besorgnis, ob die jungen Fische in dem klaren 
Wasser genug Nahrung finden. 

Durch Zufall geschah es, dass wir am nächsten Tage beim Fischen auf der 
Isootes-Localitit einen der eben ausgesetzten Saiblinge fingen. Die Untersuchung 
Сев Darminhaltes erwies, dass der Fisch etwa 40 Stück kleine Krebse Acroperus 
Pucocephalus zu erhaschen verstand und man daher um sein Fortkommen nicht 


22 


besorgt zu sein braucht. Ein Saibling von 32 em Länge, der auch gefangen wurde, 


hatte 3000 Holopedien im Magen. 
Die Besetzungsversuche wurden durch guten Erfolg gelohnt, denn schon 
wurden Saiblinge von 30 cm Länge gefangen und häuften sich heuer im Juni in 
Schaaren beim Pavillon, wo sie von den Touristen gefüttert wurden. 
Heuer im September schwammen 30 cm lange Saiblinge ganz ungeniert vor 
der Station und vom Forstpavillon aus wurden viele mit der Angel auf Schmetten- 
käse gefangen. 
4. Am 10. April 1893 wurden 5000 junge Marünen, Corregonus Wartmani 
in den See eingesetzt, aber bisher keine herangewachsene bemerkt. 
Die Wirbellosen. 
Die Mollusken- Fauna erscheint als sehr arm. In der Umgebung des Schwarzen 
Sees und des Teufelssees wurden im Moos, unter grossen Blöcken und unter der 
Rinde modernder Baumstrünke folgende Arten gesammelt: 
Limax maximus L. var. cinereo-niger Wolf. 
Limax maximus L. var. cinereus Lister. 
Malacolimax tenellus Nils. Patula ruderata Stud. 
Agriolimax agrestis L. Helix arbustorum L. 
Vitrina diaphana Drap. Ulausilia cruciata, Stud. 
Vitrina elongata Drap. Olausilia laminata Mtg. 
Hyalinia fulva Müll. Clausilia bidentata Ström. , 


Arion subfuscus Fels. 


Von den Käfern sind für die Umgebung besonders bezeichnend die Gebirgs- 
arten: Carabus auronitens, Linnei und arvensis, und Leistus piceus. 

An den Holzhaufen wurden Hylecoetes dermestoides, Bostrychus autographus; 
laricis, lineatus, bidens, Hylesinus paliatus, Ips quadripustulatus, Rhizophagus dispa”, | 
Rhagium bifasciatum und Toxotus cursor gesammelt. | 

Von den Fliegen war im Walde hinter der Station besonders auffallend die 
schöne, eine Hummelart nachahmende Mesembrina mystacea. Die Bremsen be 
suchten öfters das Innere der Station, es waren die über 3 cm grossen Tabanus 
sudeticus, dann Tabanus glaucopis und autumnalis. 

Im Mai 1895 wurden wir bei schwüler Luft von einer grossen Menge der 
winzigen Flohschnacke (Ceratopogon pulicarius L.) überfallen, die sehr empfindlich 
sticht. 

Die Netzflügler sind durch die Wasserflorfliege (Sialis lutaria L.) und durch 
die Kócherfliegen Phryganea striata und Chaetopteryx villosa vertreten. 

Im Moose waren besonders zahlreich die Springschwänze Orchesella rufescens, 
Maerotoma plumbea und flavescens. 


А 
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23 


Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Schwarzen See,” 


Von Dr. J. Hannamann in Lobositz. 


Das Wasser, geschöpft 


am 3/9. 1866, war sehr klar, mit einem sehr schwachen 


Stich ins Gelbe, geruch-, geschmacklos, sehr weich und gab nur einen Gesammt- 
rückstand von 18 Milligramm im Liter, wovon 19:3 mgm mineralischen und 5'7 mgm 
organischen Ursprungs sind. 


Beitr 


50 


In 10 Liter des Seewassers waren enthalten Grammes und in 1 Liter Milli- 
Stammes; 


In 10 Litern 
3rm. 


Kochsalz . . . 00079 
Bittersalz . . 0:0218 
Kalisulfat . . 0175 
Gyps И VURGU 
Eisensulfat . . 00041 
Mangansulfat . 00075 
Kieselsaueres | 0:0275 
Humussaueres | 00570 
Natron 00112 


Summa . . 01800 


Bestandtheile In 10 Litern In 1 Liter 
Gims. — Milligrms 


Natron ET 1:54 
Ball, s t Men DU UD 0:95 
Kalk E ENER T. 1:07 
NEIE 0.71 
МИЙ АЛО УЧ. EE 0'29 


ЕЛО УОТ en ccv Old 014 
Schwefelsäure . . . . . . . 00448 448 
Ono е o at ШОШО 0:48 
кезенге, оу ООДО 2:75 
Quellsäure u. Extractstoffe . . 00570 570 

01811 St 
Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:0011 OECD 


gms 0'1800 18:00 mgs 


Die Gesammthürte des Wassers beträgt nur 0'2 deutsche Härtegräde. 


In 100 Gew.-Theilen des Gesammtrückstandes und des mineralischen Rück- 
Standes sind: 


Natriumoxyd 


Kaliumoxyd 
 Caleiumoxyd 
Magnesia 
Manganoxyd 
Eisenoxydul 


Schwefelsäur 


Chlor 
Kieselsäure 


BOO deet 

WO ENEE 

wenigen. E M 

91005 он DNS 

2503/59. E 

le ШЧ бы ИВЕ 

«с ee ee 
ОС cA. IST 

ADOI 290 


Organische Stoffe 50... 9 „Ole 100700 


- 100:00 


р Wührend des Druckes erhielten wir die Disertation des Herrn Karl Metzger aus Urach: 

ns "a Kenntniss der hydrographischen Verhältnisse des bayr. Waldes, wo die Analyse des 
В Im Schwarzen See folgendermassen angegeben wird: 

100 Theile Rückstand enthielten Na,0 29°%/,, K,O 259/,, СаО 6°54%,, MgO 2:489/,, CI 7°560/,, 


3 8:909 ; ? à m á > 
в 990%, SiO, 10:97 Al,O, Fe,O, 209%, CO, 7:88%,. Trockenrückstand in 1000 ccm. 0'0600. 


Unter den Extractstoffen befindet sich auch ein durch Alkohol ausziehbarer, 
harziger Stoff, der dem Wasser eine gelbe Färbung verleiht. 


Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Teufelssee. 


Das eingedampfte concentrirte Wasser, geschöpft in der Mitte des Sees am 
3/9. 1896, war stark gelbgrün gefärbt, sehr klar, geschmacklos, schwach alkalisch 
reagirend, hinterlies nach dem Eindampfen am Wasserbade und Troeknen bei 
150° C nur einen Gesammtrückstand von 19:36 Milligram pro Liter oder 019 gr 
pro 10 Liter. Die 19:36 mgm bestanden aus 19:49 mgm mineralischen und 6:94 mgm 
organischen Ursprungs. 


In 10 Litern des Seewassers waren enthalten Grammes u. in 1 Liter Milli- 


grammes ` 


In 10 Litern 


In 10 Litern 


In 1 Liter 


Gramms Bestandtheile Gramms Mllgrm 
Kochsalz . . 0:0157 Natron . . 00220 220) 
Bittersalz Er nola 009080 Kali . . 00098 0:98 
Kaliumsulfat . 2 ~ 300181 Kalk . 0:0097 0:97 
Gyps qo uu uM NU OOTOD Magnesia . . ("0085 0:85 
köhlens, Kalk... v 1 OUUDA Manganoxyd AER BHO BS 0:18 
Eisenoxyd u. Thonerde 0:0012 Kisenoxyd u. Thonerde . 00019 0:12 
Manganoxyd оо, « 00018 Kieselsäure . 00265 2:65 
Kieselsaueres . . . . . 0'0265 Schwefelsäure , . 0:0350 3:50 
u. Humussaueres . . . 0'0694 Chlor 0:0095 0:95 
Natron . a VOL Kohlensäure . 0:0023 0:28 

Summa : . . . 0"1936 Quellsäure 

Humussäure . 0.0694 6:94. 

u. Extraetivstoffe Do 
Summa . .01957 19:07 
Sauerstoff ab für Chlor. . 00021 0'21 


0:1936 or 19:86 Mg. 


In 100 Gew. des Gesammtrückstandes nnd des Mineralrückstandes sind ent- 


halten : 


Bestandtheile in Procenten : 


МА ОТОУ о еи. eding 1401 
ПОШО S и Ute UR T4 
атоо Ое АО T69 
Magnesiumoxyd . . dou сүз, 670 
Eisen- u. Alluminiumoxyd . 0:60 ogi 
LATE DOS E ne en 0:90 1:40 
Eh esti. or v DOORS 2775 
КОИНОТ ah ann e ГДАЙ 1.79 

Ка Ол 46:18 11:49 


25 


Übertrag . . 4618 11:49 
Ohlon: ouium чеш. 90 1:59 
Kieselsüuroow. З d оо TO DE 20:92 
Org. Stoffe „re of, E summa 10000 


Summa . . . 100:00 


Die beiden untersuchten Seewässer sind ungewöhnlich weiche Wüsser. Dem 
organischen Leben schädliche oder conservirende Stoffe sind in irgend erheblicherer 
Menge in keinem dieser Seewässer zu finden, überhaupt überrascht das Wasser 
durch seine Armuth an Mineralstoffen, während es Extractivstoffe organischen Ur- 
Sprungs bis zu 30°/, seines fixen Rückstandes enthält. 

Der gróssere Gehalt an Alkalien und organischen Stoffen im Verhältnis zu 
den übrigen Bestandtheilen verleiht dem Wasser die gelbgrüne, in grosser Tiefe 
und Schattiger Umgebung bis schwarze Farbe, weil die Humussäuren und der harz- 
artige gelöste Körper, der dem Wasser eine deutliche grünlich-gelbe Färbung 
verleiht, von den Alkalien im Wasser in Lösung gehalten werden und der Kalk- 
gehalt der Seewüsser ein äusserst geringer, der der organischen Stoffe ein hoher 
ist, kann eine Ausscheidung der letzteren durch die alkalischen Erden nicht er- 
folgen, wie dies an kohlensaueren Kalk reicheren und an Humusstoffen armen 

ässern sofort geschieht. 

Aber auch der Gehalt an fixen und kohlensaueren Alkalien trägt zur Lösung 
der organischen Extractivstoffe wesentlich bei. Ihre Menge steht dem Schwefel- 
Säuregehalt der Wässer nicht sehr nach. Die Quantität der Sulfate aber über- 
Schreitet nicht 6 Мог per Liter und die an Kali, Magnesia, Kalk und Eisen ge- 
bundene Schwefelsäure ist theilweise aus verwitterten, im Urgebirge eingesprengten 
Sehwefelkiesen, theilweise aus den organischen Zersetzungsproducten des Waldes 
durch Oxydation hervorgegangen. 

Die merkwürdige Erscheinung, dass die Holzstàmme im Wasser dieser Seen 
Sehr langsam verfaulen, dürfte auf dem Umstande einer starken Auslaugung aller 
elweissartigen extractiven organischen Materien, so wie auf die gleichzeitige Ab- 
Scheidung der gelösten Kieselsäure in den feinen Poren des Holzes zurückzuführen 
Sein, wodurch nach und nach eine Verkieselung der Holzfaser eintritt, die dem 
auerstoff des Wassers den Zutritt verwehrt. Sobald sich nämlich das alkalische 

asser noch weiter mit Extractivstoffen des Baumsaftes sättigt, vermag es die 
gelöste Kieselsäure nicht länger in Lösung zu erhalten und diese verbindet sich 
Tut Kalk und Eisenoxyd des Holzsaftes zu in Wasser unlöslichen Verbindungen, 
= m den Poren und Zellgängen des Holzes niedergeschlagen werden und die 
er vor dem weiteren Z rstórungsprocess schützen, sie förmlich verkieseln 
a ersteinern. Auch die Eisensalze des Wassers können durch Wechselzersetzung 
Un Holzstam me abgelagert werden, und so dürfte sich aus der Analyse eines im 
= Site lang gelegenen Holzstammes besser noch als aus der Analyse des 
"488678 die Ursache des fäulniswidrigen Verhaltens des Holzes feststellen und 
genügend erklären lassen. 
Das Wasser des Teufelssees unterscheidet sich vom Wasser des Schwarzen 
nun wenig. In Reinheit und Weichheit wetteifert es mit diesem. Es enthält 


26 


aber mehr harziger quantitativ nicht genau genug trennbarer und bestimmbarer 
Stoffe, mehr OChlorverbindungen und etwas weniger Sulfate als das Wasser des 
Schwarzen Sees, dagegen noch mehr Natron. Es ist weicher als das Flusswasser 
der oberen Moldau, das bekanntlich zu den weichsten bekannten Flusswässern 
Europas gehö.t. 

Die Rückstände der Wässer sind in dem diesjährigen regenreichen Jahre noch 
etwas geringer als in trockenen Jahren. Es ist aber die dunkle, von organischen 
Materien herrührende Fürbung und die Armut an Mineralstoffen, namentlich an 
Kalk, für die Seen des Bóhmerwaldes charakteristisch, im Gegensatz zu dem grossen 
Kalk- und Mineralstoffgehalt des Wassers der Seen in den Kalkalpen, die dadurch 
ihre Klarheit und schón grüne bis blaue Farbe erhalten und eine reichere Flora 
und Fauna bergen. 


Schon Weith hat 1877 vor etwa 19 Jahren in einer, die chemische Zusam- 
mensetzung der schweizerischen Gewässer enthaltenden Schrift mit Rücksicht auf 
deren Fauna nachgewiesen, dass unter sonst gleichen Verhältnissen dasjenige Ge- 
wässer am fischreichsten war, welches am meisten gelösten doppelt kohlensaueren 
Kalk enthielt. Man kann daher durch zerfallenen Kalk ein weiches Teichwasser 
verbessern. Die von den Wasserthieren ausgeathmete Kohlensäure löst den frisch 
gefällten staubfeinen kohlensaueren Kalk auf, was man durch Experimente in 
Gefässer von Glas leicht nachweisen kann. Das Kalken der Teiche wurde übrigens 
schon am Anfang dieses Jahrhunderts empfohlen, aber zu dem Zwecke, um die für 
die Aufzucht der Forellenbrut nachtheiligen kleinen Stichlinge zu tödten. 


Der Kalkgehalt des Wittingauer Goldbachwassers, das die sämmtlichen Teiche 


lel 

dieser Gegend speist, ist ebenfalls sehr klein, er beträgt im Durchschnitt. vielfacher 
und verschiedenjähriger Untersuchungen nur 3 Mier, in 1 Liter oder 3 gm in 
100 Liter. In 1900 7 oder 19 q Goldbachwasser ist erst die Kalkmenge für einen 
ausgewachsenen Karpfen enthalten, der nach meinen Analysen 36 gm Kalk in 
runder Zahl bedarf. Es beanspruchen daher Fische und Krustenthiere in der That 
bedeutende Kalk- und Phosphorsäuremengen zum Aufbau ihres Körpers, welcher 
sich bekanntlich verhältnismässig sehr rasch vollzieht und ebenso natürlich ist е8, 
dass mit solchem Lebewesen reich besetzte Gewässer eine starke Entkalkung gf" 
fahren müssen, die nur durch reichliche Zuflüsse oder künstliche Zuthaten oder 
durch consequente Zufütterung paralisirt werden kann. 


Chemische Untersuchung eines Schlammes aus dem Schwarzen See. 


Wassergehalt 87:88*/,, Trockensubstanzgehalt desselben 12'12°/,. 


Der untersuchte Schlamm hat eine tiefschwarze Farbe, ist von teigiger, fettiger 
Consistenz, von schwach harzartigem Geruch, der nach kurzer Zeit an der Luft in 
einen übelriechenden Fäulnisduft übergeht, 88"/, Wasser und 19°, Trockenmass? 
enthält. Letztere besteht zu 48%, aus organischen u. etwa 52°), aus Mineralstoffen, 
indem sich die zersetzten organischen Substanzen des Waldes mit verwittertem De- 
tritus vermengt am Boden des ruhigen Sees ablagern. 


2 


In 100 Gew. bei 110° C getrockneten Schlammes 


Gebundenes Wasser . . i . . . . .16:82 
Werbe S ue A7 IX yg. O 
Fettsüuren MERI" ТҮ NUS е, 
MErdo (URBS. ch, me е АИ ENEE 
Stickstoffhältige Ze grues Weer Ern 
Humussäuren SANI CUN IU ОШО 
о S.L II VV UY SN 
D ME 0 наь RD. 
KEINER V ouv ko ceo roS ON 
Schwefelsäure Be PONE RS MEO 
„>| Kaleiumoxyd ил p ымы к Ж Об 
$ iri anen i P E eg In Salzsáure lósliche 
ig, Мшишшшшохуай........... 06 Mineralstoffe 18:34*/, 
E anmelden x uar e MN 
E СИУ END 
NH Као EE 
© ИИИ Ne ОО 
= | Zeolithische Kieselsäure . . . . . . . 978 In Kali löslich 9:78. 
Eisenschüsslger Thon ... <.. <n 845 | In Säuren und Alka- 
Quarz u, viel Glimmef q ev о 1 B2 fJ lien unlósliche Mineral- 


Summa  . .99:'007, sioe == 287777, 
Kohlenstofigehalt = 19:01"/,, Stickstoffgehalt = 1:39*/,. 


Wie aus der vorliegenden Analyse ersichtlich ist, enthält der trockene Schlamm 
an 59/0 Harze, 2%, Fette und Fettsäuren, Humussäuren und Pflanzenreste und 
emen nicht unbeträchtlichen Phosphorsäuregehalt über O'7?/j der Trockensubstanz. 

gegen ist die Schwefelsäure durch das Seewasser gelöst worden und ein sehr 
Seringer Antheil im Schlamm zurückgeblieben. An Kalk sind die Verwitterungs- 
Producte des Schlammes sehr arm, daher können auch nicht grössere Kalkmengen 
m Wasser der beiden Seen enthalten sein, dagegen ist der Schlamm reich an 
Eisenoxyq und Eisenoxydul und würde bei grósserem Gehalt an Schwefel, nach 
aulen Eiern riechen müssen, was der Schlamm nicht thut. 

Der hohe Gehalt an zeolitischer Kieselsäure, die Armut an Alkalien zeigt 
Sehr fortgeschrittenen Zersetzungsgrad des feldspatigen Antheiles unter dem Ein- 
flusso organischer Zersetzungsproducte der Mineraltrümmer an, deren schwer ver- 
Witterbare Reste wesentlich aus Glimmer und feinem Quarz bestehen. 


29 
A) Sehwarzer See. 


Lage, Grósse, Zuflüsse und die Entstehung des Schwarzen Sees. 


Der Schwarze See, auch Bistritzer See genannt. liegt nordöstlich am Urge- 
birgskamm, der sich vom Spitzberge gegen Zweerek und Oser hinzieht. 

Er liegt vor der steilen, an 300 m hohen Seewand in der Meereshöhe von 
1008 m und hat bei vollkommener Spannung die Ausmass von 1846 Hektaren. 


1030 m 


Fig. 6. Plastische Darstellung der Terrainverhältnisse in der Umgebung des Schwarzen Sees und 
des Teufelssees. Photographirt nach einem vom Generalstabe verfertigten Gypsmodelle. 


Die im Westen sich erhebende Seewand besteht aus drei parallel laufenden 
Felsrücken, von denen der dem See am nächsten stehende, der niedrigste ist. Das 
südliche Ende dieses niedrigsten Kammes ist durch eine Kluft abgetrennt und 
eben in Fortsetzung dieser Kluft in den See hinein ist die tiefste Stelle des Sees 
40 Meter. 


Б.и 


е 


29 


Der zweite Rücken zieht sich etwa in der Mitte der Seewand ober dem 
ersten Rücken. 

Der dritte Rücken erreieht die Hóhe von 1843 » und bildet den obersten 
Kamm der Seewand. 

Der einzige Zufluss des Schwarzen Sees mündet als ein kleines aber munteres 
Bächlein unter der Seewand in der südwestlichen Ecke. An seiner Mündung hat Herr 
Oberförster Komárek eine Sehleusse errichtet, in der während der Laichzeit die 
Forellen und Saiblinge gefangen werden, wenn dieselben in das Bächlein zur Bier- 
ablage einzudringen trachten. 

Die Lagerungsverhältnisse beider Seen sind recht klar an der Photographie 
eines Models des Generalstabes zu sehen (Fig. 6.). 

Das Gestein ist ein quarzreicher Glimmerschiefer mit Einlagerungen von 
Pegmatit. 

Die von der Seewand gegen den Abfluss des Sees zusammenlaufenden Ab- 
hänge bestehen aus grossen Felsblócken, die gegenwärtig einen etwa 40jáhrigen 
Nadelwald tragen. 

Diese Blöcke reichen tief, etwa 20 m in den See hinein, wie man deutlich 
an der von Dr. Vávra angefertigten Photographie (Fig. 7.) wahrnehmen kann. 

In Bezug auf die Entstehung des Sees bestehen verschiedene Ansichten. .Die 
Ansicht, dass das Becken im festen Felsen ausgehöhlt ist, widerlegt wohl der 
Anblick auf die entblóssten Ufer. (Fig. 7.) 

Man stimmt meist darin überein, dass die den See im Winkel umgebenden 
Blockmassen durch Gletscherthätigkeit entstanden sind. 


Über diese Frage zu urtheilen, sind wohl nur diejenigen berechtigt, welche 

die Gletscherfünomene der Alpen studirt haben. Aber auch diese differiren mehr- 

fach in ihren Ansichten. Mit dieser Frage beschäftigte sich Fr. Bayberger: 
Geographisch-geologische Studien aus dem Böhmerwalde. Die Spuren alter 

Gletscher, die Seen und Thäler des Böhmerwaldes. 

Petermanns Mittheilungen. Ergünzungsheft Nr. 81. Derselbe sagt p. 34.: ,Der 
Wall des Schwarzen Sees ist eine echte Moräne mit Blöcken verschiedenster 
Grösse, mit geglättetem und geritztem Gerölle. 

Eine polemische Kritik Baybergers Arbeiten erschien: 

Bericht über eine gemeinsame Excursion in den Bóhmerwald von A. Penck, 
A. Bóhm und A. Rodler in Wien. Zeitschrift der Deutschen Geol. Gesell- 
schaft. 1887 p. 68. 

Aber auch diese giebt p. 74 in Beziehung auf den Schwarzen See zu, das 
die grösseren Blöcke des Walles Kritzungen erkennen lassen. 

Wir benutzten den längeren Aufenthalt am Schwarzen See, um auch Daten 
zur Lösung dieser Frage zu sammeln und beschränken uns auf das Hervorheben 
zweier interessanter Erscheinungen. Erstens die Darstellung des Seebodens wáhrend 
der starken Ablassung des Sees. (Fig. 7.) Man sieht, dass der Blockwall bis auf 
25 m in den See hineinragt, aber dies scheint schon die ganze Breite des Walls 
im See zu sein, denn wir kamen beim Dredgen in der mittleren Partie nie in 
Collision mit Felsblócken. 


Fig. 7. Der Schwarze See bei Herabsetzung des Wässerspiegels um 275 cm. Photographirt von Dr. Vávra im Oktober 1892. 


81 


Zweitens sicherten wir das Bild eines frisch ausgegrabenen Blockes, der 
Glüttung und Kritzung zu erkennen giebt. (Fig. 8.) 

Ich veranlasste die Überführung dieses Blockes in das Forstpavillon, um sein 
Zerstóren zu verhindern, aber man hat spüter den Block wieder herausgeschafft 
und mit der geglätteten, abgerundeten und gekritzten Fläche nach unten gewendet. 


Fig. 8. Abgerundeter, gekritzter Felshlock, ausgegraben am nördlichen Rande des bees. Durch- 
messer 60 cm. Gewicht muthmasslich 4 mg ` Photografirt von Dr. Vávra. 


Ein interessantes Phaenomen beobachteten wir an der Seewand während der 
Schneeschmelze im Mai 1894. Es bildeten sich mehrere nach unten gebogene 
Sättel-Linien von Schnee, welche allmählig mit Getóse herabrutschten. 

Diese Erscheinung hinterliess auch in der Waldvegetation Spuren und wenn 
man die südlichere Partie der Seewand betrachtet, so gewährt man, dass der Wald- 
bestand eben solche Sättel bildet. 


Die Tiefenmessungen. 


Über die Tiefe des Schwarzen Sees war bei meinem ersten Besuche des Böh- 
merwaldes die Sage verbreitet, dass dieselbe unergründlich ist. Die von mir im 
Jahre 1881 mit sehr primitiven Mitteln vorgenommene Messung ergab 120 Fuss 
als grösste Tiefe unter der Seewand. 

Die Forstverwaltung nahm im Winter durch im Eise gehauene Öffnungen 
einige Messungen vor im Jahre 1881, welche die grösste Tiefe auf 40 m sicherstellte. 

Um die Form des Grundes sicherzustellen, führten wir an 117 Messungen 
(Fig. 9.) aus und zwar folgendermassen : 


Zuerst wurden dem Ufer entlang 21 Puncte fixirt, welche entweder durch 
markante Gegenstände erkennbar waren oder die auf Felsen und Bäumen mit Kalk 
kenntlich gemacht wurden. Die Punkte waren: 


1. Die fliegende Station. 6. Pavillon. 

2. Die Schleusse. 7. Weisses Dreieck. 

3. Weissbezeichneter Block. 8. Weisse runde Scheibe. 
4. Ein Baumstrunk. 9. Weisses Kreuz. 


5. Ein weissbezeichneter Block. 10. Durchhau. 


Fig. 10. Apparat zu Tiefenmessungen. Photografirt von Dr. V. Vávra. 


11. Weisses Kreuz an der Seewand. 16. Ein Baumstrunk im See. 
12. Weissbezeichneter Block. 17. Durchhau. 
13. Weissbezeichneter Baum. 18. Eine Weissbuche. 
14. Ein bezeichneter Baum am rechten 19. Durchhau. 
Ufer des Laubwäldchens. 20. Durchhau. 
15. Ein bezeichneter Baum am linken 21. Ein bezeichneter Baum. 


Ufer des Laubwäldchens. 


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-— 


33 


Bei Windstile, die hier eine grosse Seltenheit ist, stellten wir den Kahn 
zuerst zwischen zwei Puncte z. В. 18. und 7., (siehe Fig. 9) wandten dann den- 
selben in die zwei andere Punkte verbindende Linie um, z. B. 14—20; und liessen 
nun das Senkblei herab, wobei 33 m Tiefe constatirt wurde. Die ersten Messungen 
wurden mit einer Schnur gemacht, die von Meter zu Meter mit rother Seide 
markirt war. Da zeigte es sich, dass die trocken gemessene Schnur im Wasser 
sich um 10°/, verkürzte. 

Das nächste Jahr verschafften wir uns ein Drathseil, zu dessen Gebrauche uns 
die Direction der Gewerbeschule in Prag eine geeignete Winde anfertigen liess, deren 
Bild wir in Fig. 10. geben. 

Das Drathseil wurde mit Messingdrathringen von Meter zu Meter signirt 
und von 5—5 m mit rother Seide markirt. Zum Bremsen der Winde wurde das 
Ruder benutzt. 

Als Ergebnis der durchgeführten Messungen erwies sich vor Allem, dass 
der Seegrund unterhalb der Seewand steil abfällt (siehe die Karte Fig. 9. Mes- 
sungspuncte 12, 13) und in der Fortsetzung der Spalte des ersten Seewandrückens 
die grösste Tiefe von 40 m erreicht. 

Ferner wurde in der Tiefe von 32 m zwischen Punkt 14 und 15 ein Platteau 
constatirt, das etwa 200 m im Durchmesser hat. 


Weiter gegen den Abfluss ist eine auffallende Abnahme der Tiefe von 32 zu 
zu 17 m (zwischen den Puncten 19 und 6) wahrzunehmen. 

Dann nimmt die Tiefe allmählig bis zum Schleussen-Damm ab. Die Errichtung 
des Dammes hob nur unbedeutend den Stand des Sees. 


Der See bestand schon vor der Anbringung des Dammes und dieser war wohl 
ursprünglich durch einen natürlichen Blockwall gebildet, bevor er behufs Anlegung 
des Fahrweges modern regulirt wurde. 


Temperatur, Farbe und Durchsichtigkeit des Wassers des Schwarzen 
Sees. 


Die Temperatur des Wassers des Schwarzen Sees wurde wiederholt während 
der Sommermonate gemessen und zwar mittelst des Tiefseethermometers von Negretti 
et Zambra (Fig. 11), welches beim Heraufziehen umgekippt wird, wobei die Queck- 
silbersäule abreisst und auf der Skala am ursprünglich oberen Ende der Röhre ge- 
messen wird. 

Somit erhält man genau die Grade, welche in der gemessenen Tiefe waren, 
ohne dass beim Heraufziehen die wärmeren oberen Schichten darauf Einfluss hätten. 


In der Regel wurden die Messungen an der tiefsten Stelle durchgeführt, indem 
man den Kahn mittelst eines grossen Steines verankerte und dann von 5—10 m das 
Thermometer immer auf 10—15 Minuten herabliess. Auch das war ähnlich wie 
bei den Tiefenmessungen nur bei vollkommener Windstille móglich. 


A B 


Vig. 11. Das Tiefseethermometer von Negretti et Zambra in '/, nat. Grösse. 
A. beim Негарѕіпкеп. B. beim Heraufziehen. 


= 
- 


Temperatur des Wassers des Schwarzen Sees in €". 


| | Luft О | m 10m | 15m | 20m | 25m | 30m | 3b m 
| | | ES | 
1893. | | me 
OK dte | 16:0 SC | | 42 42 
JUI S е 14:8 | | EN 
92:5 164 |144| 58 48 |45 | 46 | 46 | 44 

September 15:4 [О | 11:5| Gi 50 | 48 46 | 

| 1894. | | | 

| dai ch ert bei ai 78 52 |50 | 49 | 48 | 46 

| | | | AS Wet | 


In der vorliegenden Tabelle ist die plötzliche Temperaturabnahme zwischen 
| und 10 m Tiefe auffallend. 

Richter”) hat nun festgestellt, dass in den Alpenseen zwischen 9 und 11 m 
eine Schicht vorkommt, in der ein plótzlicher Sprung in der Temperatur vorkommt 
mit einer Differenz von 6—8" € und nennt dieselbe ,Sprungschicht^. Es werden 
also damit von uns ganz ähnliche Verhältnisse für die Bóhmerwaldseen konstatirt. 

Die Farbe des Wassers wird durch eine von Forel konstruirte Skala in Glas- 
röhre untersucht. Er hat dazu bestimmte Mischungen von Salzen, welche verschie- 
dene Färbungen von blau bis grün ergeben, gebraucht. Die Forel’sche Skala weist 
13 verschiedene blaue und grüne Farbentóne auf. Diese hat U/e durch eine braune 
Salzlösung auf 21 Töne vermehrt. Herr O. Wagner aus Leipzig hat nach dieser 
Skala die Farbe des Wassers im Schwarzen See als einen zwischen Nro 12 
und 13 stehenden grünlichbraunen Ton bestimmt. 

Ріс Durchsichtigkeit des Wassers im Schwarzen See wurde durch Herablassen 
eines weissen Tellers im September 1893 an 260 cm bestimmt, variert aber. 


Algen des Schwarzen Sees. 


Zusammengestellt mit Hilfe von Prof. Dr. A. Hansgirg. 


Die Algen-Flora des Schwarzen Sees ist sehr arm. Die am Ufer unter- 
tauchten Baumstämme und Steinblócke sehen fast wie rein geputzt aus, nur hie und 
da trifft man einige Algenfüden. Eine reichlichere Menge trifft man an den Isoötes- 
Wiesen, doch nirgends findet man grössere Algenanhäufungen. Im Schwarzen See 


*) Richter H., Die Temperaturverhältnisse der Alpenseen.Verh. d. 9. Deutsch. Geographen- 
tages zu Wien. 1891. 


8* 


36 


und theils auch im Teufelssee wurden von uns und vom Autor des „Prodromus 
der Algenflora von Böhmen“ *) folgende Arten sichergestellt: 
I. Rhodophyceae. 
Batrachospermum vagum (Roth) Ag. auch var. b), 
keratophytum (Borg.) Sir. An den Isoötes-Wiesen. 
Chantransia Hermani (Roth) Dew. An Steinen festsitzend. 
II. Chlorophyceae. 
Oedogonium erispulum Wittr. & Nordst., 
A cryptoporum Wittr., tenuissimum Hansg. 
Stigeoclonium tenue Ktz. Im Teufelssee an Baumstämmen unter der Seewand, 
aus dem Zufluss verschleppt. 
Conferva floccosa, Vauch., tenerrima Ktz., am Ufer. 
Ophiocytium cochleare Eichw. Unter anderen Algen. 
Tetraspora gelatinosa (Vauch.) Desv. In dem Tümpel neben dem Abflusse. 
Protococcus botryoides (Ktz.) Krch. Zwischen den Litoralalgen. 
Mongeotia parvula Hass., viridis (Ktz.) Wittr. 
Closterium striolatum Ehrb., parvulum Näg. Zwischen den Litoral-Algen. 
Euastrum didelta (Turp.) Ralfs., ansatum (Ehbg.) Ralfs. Ebenfalls mit folgenden: 
Dysphinctium palangula Bréb. 
Tetnemorus minutus De By. Staurastrum muticum Bréb., hirsutum (Ehbg) Bréb., 
Micrasterias notata (Grév.) Ralfs. 
III. Cyanophyceae. 
Stigonema informe Ktz., ocellatum (Dillw) Thr. 
Seytonema figuratum Ag. Am Ufer häufig. 
Tolypothrix lanata (Desv.) Wartm. Häufig an den untertauchten Baumstämmen 
festsitzend. 
Calothrix parietina (Nüg.) Thr., oolitaria Krch. In beiden Seen. 
Lyngbya rigidula (Ktz.) Hansg. Ebenfalls. 
Gleocapsa magna (Breb.) Kütz. Am Ufer beider Seen. 
Chroococcus minutus (Ktz. Nüg. Zwischen Litoralalgen. 


Diatomeen des Schwarzen Sees. 
Von K. Steinich. 


Die beigefügte Fig. 12. stellt die Diatomeen, die sich in dem Schlamm 
aus einer Tiefe von 20 bis 35 m befanden vor. Es sind folgende Arten: 

Navicula gigas Е. Fig. 12. Nr. 5) stimmt gänzlich mit der Abbildung bei Schmidt 
(Taf. 42. Fig. 12), aber ist noch grösser. Während Schmidt die Exemplare 
von 0:38 mm Länge abbildet, kommen im Schwarzen See Exemplare von 
0:39 bis 0:41 mm Länge vor, bei denen, wie in der unseren Abbildung oben 


*) Dr. A. Hansgirg „Prodromus der Algenflora von Böhmen“. 2. Archiv der naturwissen- 
schaftl. Landesdurchforschung von Bóhmen. I. Theil. Im IV. Bd. Nr. 6. II. Theil. Im Bd. VIII. Nr. 4. 


— 


— 


> 


ee 


Fig. 12. Diatomeen des Schwarzen Sees. 
13. Navieula tabellaria Kg. 2. Navicula stauroptera Grn. 4. Navicula gibba Kg. 5. Navicula 
gigas E. 6. Navicula rhomboides E. 7. Navicula Hilseana Jan. 8. Navicula serians Kg. 9. Nitzschia 
Sigma Sm. 10. Stauroneis anceps var. gracilis. 11. 14. Surirella linearis Sm. 12. Navicula Bré- 
bissonii Kg. 13. Navicula borealis Kg. 14. v. 11. 15. 20. Suriella biseriata var. bifrons Kg. 
16. Himantidium arcus. 17. Gaillonella distans E. 18. Himantidium pectinale Kg. 19. Tabellaria 
Посшова Ag. 20. v. 15. 21. Eunotia robusta Pritsch. 22. Cocconema parvum Sm. 23. Cymbella 
Stomatophora Gr. 24. Hantzschia amphioxys Grun. 25. Gaillonella lirata Kg. 26. 28. Gaillonella 
sp. 27. Himantidium majus var. bidens. Sm. 28, v. 26. 


rechts veranschaulicht ist, leicht eine dichte Schraffirung wahrzunehmen ist, 
von der Grunow bei Pinnularien eine Erwähnung thut. 

Navicula major E. Bis 0'30 mm lang. Häufig. 

Navicula viridis Kg. Nur 0:5 mm L., mit überall paralleler Schraffirung. 

Navicula tabellaria Kg. (Nro 1.) Länge 0:00—0:14 mm. Stimmt mit der Ab- 
bildung von Vanhoerck. Immer ohne Punkte in dem medianen Zwischen- 
raum. Seltener ist die Form Nro 3., die von einigen zu Navicula acro- 
sphaeria — punctata gestellt wird, obzwar bei dieser der mediane Zwischen- 
raum meiner Meinung nach immer punctirt ist. 

Navieula stauroptera Grw. (Nr. 2) mit den ähnlich wie bei N. mesolepta E. ge- 
well: en Seiten, manchmal zur N. divergens übergehend. Nur der von der 
Mitte zu den Seiten sich yerbreitende Stauros macht dieselbe erkennbar. 
Nicht häufig. 

Navicula gibba Kg. (Nr. 4). Bis 0:08 mm lang, mit dem zu den Seiten sich 
verengenden Stauros. 

Navicula Brébissonii Kg. (Nr. 12). Ziemlich häufig. 

Navicula borealis Kg. (Nr. 13). Selten 

Navicula Hilseana Jan. In schmalen Exemplaren, aber zuweilen auch in so breiten, 
dass dieselben an N. Brauniana erinnern. Selten. 

Navicula affinis E. In typischen Formen. 

Navicula amphirrhynchus E, Grën 

Navicula rhomboides Е. (Nr. 6) 0:10—0:14 mm Länge. Von regelmässiger rhom- 
boischen Form. 

Navicula crassinervis Breb. Kleiner, von nur 0:05—0:065 mm Länge. 

Navicula serians Kg. (Nr. 8). Sehr häufig von 0:06—0'10 mm Länge, manchmal 
auch winzig, nur von 0:025 mm Länge. Kommt in den beiden, rhomboischen 
und seltener lanzettförmigen Formen vor. 

Stauroneis phoenicenteron E. 0°09 m» lang, sehr selten. 

Stauroneis anceps var. gracilis (Nr. 10), einziger Zeuge von der geographischen 
Höhe des Sees. Zart, 0:05—0'06 mm lang, mit vorgezogenen, selten keulen- 
fórmigen Spitzen. Selten. 

Cymbella stomatophora Gr. (Nr. 

Cocconema parvum W. Sm. (Nr. 

Amphora ovalis K. Sehr selten, 

Cocconeis pediculus E. Ebenfalls sehr selten. 

Himantidium pectinale Kg. (Nr. 18). 0°0'—0:05 mm lang. Sehr häufig 

Himantidiwn arcus E. (Nr. 16). 006—012 mm lang. Ziemlich selten. 

Himantidium majus, var. bidens Sm. (Nr. 27). Eine in höheren Lagen vorkommende 
Diatomee. Sehr selten. 

Eunotia robusta Pritsh. (= Himantidium polyodon E.) (Nr. 21). Sehr häufig. In 
Formen mit 5 bis 19 Zähnen am Rücken. Dabei nimmt die Länge in ge- 
wissem Verhältnis zu, so dass durchschnittlich bei einer Länge von: 

Ms Uo qo Ta M. dar My M eeng ^ AES c 
ist die Zahl der Zähne: di 8 О е ТЕА TO. 10) 


3). Selten. 
22). 0:086 —0:04 mm lang. Ziemlich häufig. 


3 


89 


Surirella biseriata var. bifrons Kg. (Nr. 15, 20). 0:14—0:24 mm lang. In symme- 
trischen und auch häufig seitlich assymmetrischen Formen. Sehr häufig. 

Surirella linearis Sm. (Nr. 11—14). 0'04—0'09 mm lang und von veränderlicher 
Form. Ziemlich hänfig. 

Hantzschia amphioxys Grun. (Nr. 24) in kurzen Formen von 0:04—0:06 mm Länge. 

Nitzschia sigma Sm. (Ni. 9). Nur in einigen Exemplaren. Der Kamm unregel- 
mässig punetirt. 

Tabellaria floceulosa Ag. (Nr. 19), 002—908 mm lang. Häufig. 

Tabellaria fenestrata, E. Seltener. 

Meridion constrictum R. Sehr selten. 

Gaillonella (Meridion) distans E. (Nr. 17), sehr häufig. 

Gaillonella lirata, Kg., eine in den Seen vorkommende Art. 

Gaillonella sp. (Nr. 96. 28). 

In jedem Tropfen fanden sich Eunotia robusta Pr., Surirella biseriata Kg., 
Navieula serians Kg., und Himantidium pectinale Kg. vor. Dem Vorkommen dieser 
Arten nach lässt sich die Beschaffenheit des Sees gar nicht zu bestimmen. 

Die oben erwühnten Arten kommen fast alle auch in der Ebene, z. D. in den 
Elbetümpeln vor, die ausgesprochenen Bergarten werden dagegen trotz der hohen 
Lage des Schwarzen Sees gänzlich vermisst. 


Fauna des Schwarzen Sees, 


l. Pelagische Fauna. 


Die pelagischen Fünge wurden in den Monaten Mai bis October gemacht, 
da der Sehwarze See und der Teufelssee vom Monate November bis Ende April 
fast gänzlich unzugänglich ist. 

Eine interessante Vergleichung bieten die jetzigen Resultate mit den von 
Prof. Dr. A. Frič im Juni im Jahre 1871 erzielten. 

Damals enthielt das Netz Tausende von Individuen des Holopedium, während 
in der jetzigen Beobachtungsperiode diese Art sehr spärlich war. Daphnia ventri- 
cosa wurde damals ebenfalls in grosser Menge in den tieferen Schichten beobachtet, 
jetzt haben wir dieselbe im Schwarzen Sce nur im October 1892 gefischt, in den 
drei folgenden Jahren ist sie gänzlich verschwunden. Auch eine Diaptomusart 
(Diaptomus denticornis Wierz.) wird damals erwähnt, während sie jetzt vermisst wird. 

Diese Veränderung der pelagischen Fauna ist wahrscheinlich Folge von äusseren 
Einflüssen. 

Zuerst wurde der Seein der Zeit stark mit Saiblingen besetzt und wir hatten 
Gelegenheit uns zu überzeugen, welchen Einfluss deren Gegenwart auf die Fauna 
ausübt. Bei den frisch eingesetzten Fischehen haben wir bei den nach zwei Tagen 
gefangenen Exemplaren den Darm mit, Acroperus leucocephalus vollgestopft gefunden. 
In einem grossen, 32 cm langen Saibling haben wir im Magen 3000 Individuen 


A0 


von Holopedium gezählt, an einem Tage im Juni, während an demselben Tage dass 
pelagische Netz auf einer Strecke von etwa 500 Metern nur einige Exemplare dieses 
Krebses enthielt. 

Ein weiterer Umstand, der auf die Veränderung der Fauna wirken kann, ist 
die Trockenlegung der Uferregion. Aehnlich haben wir schon dies am Gatter- 
schlager Teiche erlebt.*) 

Im Jahre 1892 wurde der Wasserspiegel des Schwarzen Sees um 275 cm 
herabgesetzt (Fig. Nr. 7. Seite 30), wodurch grosse Flächen des Ufers trocken- 
gelegt wurden. 

Im nächsten Sommer ist in Folge dessen aus der Uferregion Polyphemus, 
aus der pelagischen Daphnia verschwunden, deren Wintereier eben an diesen Stellen 
sich ansammeln und so am trockenen Ufer liegen blieben. Als der See dann wieder 
zwei Jahre vollgespannt war, wurde eine Zunahme des Planktons, was seine Menge 
betrifft, wahrgenommen und Polyphemus ist wieder in der Uferregion erschienen. 

Die pelagische T’hierwelt bildet im Schwarzen See an der Oberfläche bis zu 
drei Meter Tiefe Holopedium gibberum und Cyclops strenuus, in den grösseren 
Tiefen erscheint Daphnia ventricosa und Bosmina bohemica. lu den späteren Mo- 
naten ist dann ausschliesslich Cyclops strenuus der einzige Bewohner des Sees. 

Im Folgenden ist der Erfolg der pelagischen Fänge chronologisch zusammen- 
gestellt. 


1892. Oberfläche | Fang sehr arm Holopedium 
6. October T. des Wassers 12° C | 
| | 
1 Meter Tiefe | Fang sehr sparsam Holopedium 


| | Daphnia ventricosa 
| | Cyclops strenuus 


5 M. Tiefe | Holopedium 
| Daphnia ventricosa 
27. October Oberfläche Auf eine lange | 
Luft-T. 9° С Strecke: 3 Exempl. | Cyclops strenuus 


Wasser-T. 5:5" С | 
| 
1893. | 
13.—18. Mai Oberfläche Sparsamer Fang | Junge Holopedien 
(13.) Luft-T. 13° € | 
Wasser- T. 7° О | 


10 M. Tiefe Sparsamer Fang | Cyclops strenuus 
© 


*, Frič und Vávra, Die Thierwelt des Unterpočernitzer und Gatterschlager Teiches als 
Resultat der Arbeiten an der übertragbaren zoolcgischen Station. Archiv f. nature, Landes- 
durchf. v. Böhmen. IX. 2. Prag 1894. 


| 


_ ege 


| 


en ` 


18.—80. Juli 


22—26. 


September 


1894. 


20—28. Juni 


Oberfläche 


1 M. Tiefe 


5 M. Tiefe 


Oberfläche 


5 M. Tiefe 


10 M. Tiefe 


15 M. Tiefe 


20 M. Tiefe 


Oberfläche 


1 M. Tiefe 


5 M. Tiefe 


15 M. Tiefe 


| Über die ganze Länge’ 

des Sees, der stark 

unter dem Normale 
stand: 


5 Exempl. 
Zahlreich : 


Sehr armer Fang 


Sehr sparsames Ma- 
terial 


Spärliches Material 


Sehr spürliches Ma- 
terial 
Uber die ganze Lünge 
des Sees: 


Einige Exemplare 
© 


41 


Einige Oyelops stre- 
nuus,* Holopedium, 
und diekwandige 
Algen Scytonema. 


Holopedium 
Nauplius 


Holopedium 
^osmina bohemica 
Cyclops strenuus 


osmina bohemica 
Holopedium (2 Exmpl.) 


Holopedium mit Som- 
mereiern 

Bosmina bohemica 

Cyclops strenuus 

(zahlreiche Metanau- 
plien) 


Cyclops strenuus 
(in copula) 
Bosmina bohemica 


Cyclops strenuus 
(einige Exemplare) 


Cyclops strenuus 


Holopedium (adult. 
etwa 30 Exempl.) 
Blüthenstaub der Co- 

niferen 
Floscularia an den 

Algen 
Holopedium 

(adult. und juv.) 


Holopedium 
Cyclops strenuus 
(Metanauplien) 


Einige Metanauplien 
v. Cyclops strenuus 


42 


| Metanauplien von 
20 M. Tiefe Cyclops strenuus 
11—18. | | 
September | Oberfläche Einige Exemplare | Holopedium 
| | jyelops strenuus 
| spärlich 
| 10 M. Tiefe | Zahlreich Bosmina bohemica 
| 


Cyclops strenuus 


| 
| 15 M. Tiefe | Spürliches Material | Wie in 10 m 
| 90 M. Tiefe | | (Verlust des Tief- 
| | |  netzes) 
1895. | | 
16—28. Juli | Oberfläche | Sehr spärliches Ma- | Holopedium juv. 
| | . 
| | terial Cyclops strenuus 
| 
5 M. Tiefe | Zahlreich osmina bohemica 
Spärlicher Jyclops strenuus juv. 
10 M. Tiefe | Cyclops strenuus 
| Cyclops strenuus 
| WA 
| 15 M. Tiefe | Josmina bohemica 
| spärlich 
| 
20 M. Tiefe | Cyelops strenuus 
1896. | 
September Oberfläche Sehr arm Cyclops strenuus 
| Lye10] 
2 M. Tiefe | Reichliches Material | Cyclops strenuus 
| | їп copula! 
| | 


5 M. Tiefe | Spärliches Material | Cyclops strenuus 


2. Ufer- und Bodenfauna des Schwarzen Sees. 


Die Ufer des Schwarzen Sees sind vorwiegend von Felsblócken gebildet. 
Zwischen den Felsentrümmern liegen da ganze Daumstümme oft von grossen Di- 
mensionen. Doch fast keine lebenden Wesen finden da ihre Wohnstütte. Die 
Steine sind von den Wellen hier ganz rein geputzt, nur hie und da findet man eine 
Nephelis und ihre Cocone, oder das Larvengehäuse einer Köcherfliege, eine Sialis- 
oder Libellula-Larve. Die Stämme sind äusserst sparsam von braunen Algen 
Tolypothrix und Scytonema besetzt. Der einzige rege Bewohner dieser öden Ufer- 
region ist Polyphemus oculus. 


|— Ee 


7 ee 


48 


Belebter ist schon das Ufer, wo Sphagnum und Preiselbeeren vegetiren. Da, 
Wo der torfige Untergrund des Ufers vom Wasser bespült wird, findet man regel- 
mässig gewisse Rhizopoden und die für den See eigenthümliche Alonopsis elongata 
nebst einigen anderen Cladoceren. 

Nur an zwei Stellen sind kleine Flüchen von besonderer Vegetation bedeckt, 
nämlich die nordóstliche Ecke, und am südlichen Ufer eine kleine Bucht nahe der 
Seewand, die von Sparganium affine und von Glyceria bewachsen sind. Da herrscht 
verhältnismässig schon regeres Leben, das in dem Bilde (Fig. 13) einigermassen 
für den Laien veranschaulicht ist. Neben der Alonopsis ist daselbst noch Acro- 
perus und Ceriodaphnia, dann zwei OCyclops-Arten vorhanden, die von kleinen 
Fischehen, Saiblingen und Forellen, eifrig verfolgt werden. Auch verschiedene 
Larven von Köche:fliegen und Gelsen fallen denselben zum Opfer. Im Boden- 
Schlamm lebt an diesen Stellen die seltene Acantholeberis curvirostra. 

Eine Eigenthümlichkeit des Schwarzen Sces sind die Isoetes- Wiesen, die sich 
in einer Tiefe von etwa 6 m unter dem Wasserspiegel, bei vollgespanntem See, 
in der Nähe des Abflusses, am südlichen Ufer unweit der zoologischen Station und 
dann unter der Seewand bei der Mündung des Seebaches befinden. (Siehe Fig. 9. 8. J.) 

Die starke Herabsetzung des Wasserspiegels, welche wegen Schleussenrepa- 
ratur nöthig, aber für unsere Arbeiten in vieler Beziehung ungünstig war, hatte 
wieder den Vortheil, dass die Isoetes-Wiesen leicht zugänglich wurden und mit 
einer Stange von 2!/, m ausgebeutet werden konnten. 

Hat man die in der Tiefe durchschimmernden Pflanzen aus dem sandigen, 
zwischen Felsblöcken gelagertem Boden herausgestochen, so kamen sie von selbst 
auf die Oberfläche geschwommen. 

Wir legten uns ein Isoetesaquarium an und hatten so Gelegenheit, die Thier- 
Welt, welche an diese Pflanze gebunden ist, genau zu untersuchen. 

Im Folgenden sind die faunistischen Resultate nach den verschiedenen Fund- 
Orten zusammengestellt. 


1. An dem felsigen Ufer. 


October 1892. Polyphemus oculus, zahlreich 
Alonopsis elongata 
Ceriodaphnia pulchella , 
Acroperus leucocephalus 
Ohironomus-Larven 


n 


Juli 1893. Polyphemus oculus, zahlreich. 
Alonopsis elongata 
Acroperus leucocephalus 
Alona guttata 
‚yclops fuscus 
Taphrocampa annulosa 
Difflugia globosa 


Leben am Ufer bis zum Niveau der Isoetes-Wiesen uud in der Mitte des Schwarzen Sees. 


(Nach Skizzen von Dr. Ant. Frič gezeichnet von Prof. B. Bau&e). 
1 Grossáugiger Seekrebs (Polyphemus oculus). 2. Gestrichelter Linsenkrebs (Alonopsis elongata) 3. Langarmiger Buckelkrebs (Holopedium 
4. Brauner Hüpferling (Cyclops fuscus). 5. Forelle (Salmo fario). 5a. Alpensaibling (Salmo salvelinus). 6. Larve der gestreiften 
7. Kócherfliegen-Larve (Limnophilus-larva). 8. Glockenthierchen (Vorticella nebulifera). 9. Räderthierchen 
11. Räderthierchen (Floscnlaria edentata) 12. Strudelwurm (Stenostoma leucops). 


Fig. 13. 


gibberum). 
Kócherfliege (Phryganea striata). 
(Rotifer macrurus). 10. Brachsenkraut (Isoëtes lacustris). 


45 


A 
— 


M Juli 1893. Difflugia pyriformis 

| Eylais setosa 

| Diplodontus fuscatus 
Larven von Köcherfliegen : 
Uhaetopteryx villosa 

| Phryganea striata. 


| Juni 1894. (Polyphemus gänzlich verschwunden). 
| Alonopsis elongata, zahlreich. 

| Pleuroxus nanus 

Chydorus sphaericus 

| Stigmaeus scapularis 

| Larven von Chaetopteryx villosa 


1896. Polyphemus, Acroperus leucocephalus, 
Pleuroxus excisus. 
Im Torfe vor der zool. Station: Difflugia arcula 


| Navieula rhomboides 
n Tabellaria floculosa 


Guillonella lirata. 


2. Uferfauna an den von Glyceria und von Sparganium bewachsenen 


Stellen. 

| Acroperus leucocephalus Diaschiza paeta 
| Ceriodaphnia pulchella Stylodrilus Gabretae 
^ Eurycercus lamellatus Chironomus-(Larven) 

Acantholeberis eurvirostra Chaetopteryx villosa-(Larve) 

Chydorus sphaericus Navicula gibba 
| Cyclops fuscus Navieula gigas 
) Oyelops serrulatus Larve von Triton alpestris (24. VI. 1894). 


3. Bodenfauna an den von Brachsenkraut (Isoetes lacustris) bewachsenen 


| Stellen. 
| Alonopsis elongata Dorylaimus stagnalis 
| Acroperus leucocephalus Pachydrilus sphagnetorum 
| Eurycereus lamellatus Mesostoma rostratum 
Ilyoeryptus sordidus Stenostoma leucops 
Cyclops fuscus Diplodontus fuscatus 
yclops serrulatus Eylais setosa 
Diaschiza paeta Stigmaeus scapularis 
у Metopidia lepadella Macrobiotus 
| Floscularia edentata Limnophilus-Larven 
( Rotifer macrurus Ohironomus-Larven 
| Taphrocampa annulosa Acineta (auf Cyclops) 
É | Monostyla lacustris Vorticella nebulifera 


46 


Difflugia acuminata Navicula borealis 
Difflugia globulosa Navicula rhomboides 
Sentropyxis aculeata Navicula tabellaria 
Nebella collaris Navicula serians 
Euglypha ciliata Surirella biseriata 
Navieula Brebissonii Kunotia robusta. 


4. Fauna am Grunde. 


а) Grund in der Tiefe von 6 m. 


Gemulae und Nadeln von Zwspongilla lacustris gemein. 


Nebella collaris Köpfe und Schalen von Bosmina 
Vorticella nebulifera Surirella biseriata zahlreich. 


b) Grund in der Tiefe von 15 m. 


Ausgewaschener Schlamm besteht aus pflanzlichen Resten, macerirten Blättern 


von Sphagnum, aus Holzfasern, Blüthenstaub von Nadelhölzern und feinen Sand- 
körnchen und Glimmer. 


Alonopsis elongata Difflugia acuminata 
Pleuroxus excisus Difflugia pyriformis 
Canthocamptus Schmeili Difflugia arcula 
Cypria ophthalmica Corythion dubium 
Leere Schalen und Köpfe von Bosmina Nebella collaris 
Ephippien Nebella bohemica 
Stylodrilus Gabretae 

Tubifex rivulorum Surirella biseriata 
Arcella vulgaris Navicula rhomboides 
Pentropyxis aculeata Kunotia robusta. 


с) Grund in der Tiefe von 20—25 m. 


Allona affinis Difflugia pyriformis 

Köpfe und leere Schalen von Bosmina Difflugia urceolaris 
Ephippien von Daphnien Öyphoderia ampula 

Cypria ophthalmica Nebella collaris 
Canthocamptus Schmeili р DoLlemióa 

Monotus lacustris Surirella biseriata 
Dorylaimus stagnalis 

Chironomuslarven blüthenstaub der Nadelhólzer 


Nadeln von Euspongilla lacustris Exeremente von Chironomus-Larven. 


47 


d) Grund in der Tiefe von 30—35 m. 


Arcella vulgaris Nebella collaris 
5 angulosa » . bohemica 
Difflugia pyriformis Jyphoderia ampula 


ii arcula 
Im Ganzen alles todt. 
Köpfe, leere Schalen und Ephippien von Bosmina bohemica, Daphnia ventri- 
cosa, Ceriodaphnia pulchella und Alona affinis. 
Dann zühe Excremente und Blüthenstaub. 


Diatomeen siehe pag. 86. Fig. 12. 


Der Bodenschlamm. 


Der dunkelbraune Schlamm, welchen das Netz aus verschiedenen Tiefen 
herausholt, hat je nach der Tiefe, aus der er stammt, auch eine etwas abweichende 
Deschaffenheit und wir kónnen vier Categorien unterscheiden: 1. Tiefen-Schlamm. 
2. Plateauschlamm, 3. Abflussschlamm, 4. Litoralschlamm. 

1. Der Tiefenschlamm von 35—40 m ist fast ganz leblos. 

Er besteht aus lauter thierischen Exerementen. die theils rund theils walzen- 
förmig sind und wahrscheinlich von Phryganaenlarven, Chironomuslarven und von 
Orustaceen herrühren mögen. Pflanzlicher Detritus, z. В. Holzfasern, Blüthenstaub 
von Coniferen und macerirte Blüttchen von Sphagnum bilden einen geringen Theil 
dieses Bodenschlammes. Sandkörner gehören zu Seltenheiten, häufiger sind Glimmer- 
blättchen. Häufig sind Diatomeen. Auf dem Schlamme liegen Reste von Bosminen 
und Daphnien, dann Ephippien von Daphnia ventricosa, Oyprissehalen, Gemmulen 
von Spongillen und zahlreiche Rhizopodenschalen. 

Im Ganzen ist alles todt. 


2. Der Plateauschlamm aus der Tiefe von 20—25 m zeigt schon mehr Leben. 
(Fig. 14.) Seine Zusammensetzung ist dieselbe wie beim Tiefenschlamm, lässt man 
ihn aber etwas durchgesiebt 1—2 Tage auf einer seichten Schüssel stehen, so 
kommen allmählig mehrere lebende Thiere zum Vorschein. Als weisse Puncte 
erscheinen die sehr bezeichnenden Monotus und hie und da ein Tubifieid. Auch 
fanden wir da den Strudelwurm Mesostoma rostratum. 

Von Crustaceen hat hier seinen Wohnsitz der Canthocamptus Schmeilii und 
die Oypria ophthalmica. 

Von den Rhizopoden waren manche lebend, so auch die grossen Diatomeen. 


Diesen Platteauschlamm untersuchten wir hauptsächlich von dem Plateau vor 
der Seewand, südlich von der grössten Tiefe und aus der Mitte des Sees. 

З. Der Abflussschlamm findet sich im untersten Theile des Sees gegen die 
Schleusse hin und zeichnet sich durch sehr viel Pflanzendetritus, namentlich Blättchen 
von Sphagnum, aus.  Massenhaft sind oft stellenweise Crustaceenschalen und 
Ephippien angehäuft. 

4. Der Litoralschlamm ist stellenweise sandig, stellenweise torfig. 


Fig. 14. Leben am Boden des Schwarzen Sees. (Nach Skizzen von dr. A. Frič gezeichnet von Prof. B. Bause). 
1. Langstacheliger Wasserfloh (Daphnia ventricosa). 2. Böhmischer Rüsselkrebs (Bosmina bohemica). 3. Rothgelber Linsenkrebs (Alona affinis 


4. Gezühnter Linsenkrebs (Pleuroxus excisus). 5, 6. Veränderlicher Hüpferling (Cyclops strenuus) 7. Schmeil’s Hüpferling (Canthocamptu 

Schmeili. 8. Kopf vom böhm. Rüsselkrebse. 9. Wintereier (Ephippien) vom Wasserfloh. 10. Tubifiid (Stylodrilus Gabretae). 11. Larve de 

Wasserfiege (Sialis lutaria). 12. Gemmula des Sumpfschwammes (Spongilla lacustris). 13. Blüthenstaub von Nadelhólzern. — Wurzelfüsser: 

14. Difflugia pyriformis. 15. Centropyxis aculeata. 16. Arcella vulgaris. 17. Cyphoderia ampula. 18. Schalenkrebs (Cypria ophthalmica). 19. Dia- 
tomee (Surirella biseriata). 20. Einohriger Strudelwurm ,Monotus lacustris). 21. Rösseliger Strudelwurm (Mesostoma rostratum). 


49 


3. Verzeichniss der im schwarzen See beobachteten Arten. 
Wurzelfüssler (Rhizopoda). 


Am Grunde sowohl beim Ufer als auch in den tieferen Schichten findet man 
im schwarzen See die Wurzelfüssler. Es sind zuerst die unumgünglichen Arcella 
und Difflugien-Arten, und daneben die den torfigen Grund liebenden Nebelliden. 


Hyalodiscus limax Duj. An den von Glyceria bewachsenen Stellen. Diese Amoebe 
änderte sehr rasch ihre Körperform von der länglichen in eine birnförmige 
und wieder in die längliche. 


Arcella vulgaris Ehbg. (Fig. 13. Nr. 16.) [Arch. IX. 2.*) p. 41 Fig. 11.] Regel- 
mässig am Grunde bis zu 20 m Tiefe. In 30 m Tiefe selten, auch die var. 
angulosa Ehbg. 


Difflugia pyriformis Perty. (Fig. 13. Nr. 14.) [Arch. IX. 2. p. 41. Fig. 12]. In 
allen Tiefen häufig. 


Difflugia acuminata Ehbg. Am Ufer [Arch. IX. 2. p. 42. Fig. 13] auf Brachsen- 
kraut-Wiesen und in 15 m Tiefe. 


Difflugia urceolata Cor. [Arch. IX. 2. p. 42. Fig. 14]. Einmal in ТУУМ, 
25 m Tiefe. : APR 


Difflugia globulosa Duj. Am Ufer und auf Brachsenkraut-Wiesen. 


js : : d Н ` MIRA Fig. 15. Difflugia 
d Hd r d ^ d a D | H d 4 "n id 

Difflugia. arcula Leidy. (Fig. 15.) Ihre Schale ist chitinös, durch- ^ seent Leidy. 

scheinend und von spärlichen Glimmerplättchen bedeckt. Sie  Verer. 180mal. 

kommt regelmässig ziemlich häufig am torfigen Ufer vor. Sel- 

tener in 15 m bis 30 m Tiefe. 


Centropyxis aculeata (Vig. 18. No. 15.) St. Nicht selten auf den Brachsenkraut- 
Wiesen und in 15 m Tiefe. 


Cyphoderia ampulla Leidy. Nur am Grunde in 20 bis 35 m Tiefe. 
Nebella collaris Leidy. Regelmässig überall am Grunde zu treffen. 


Nebella bohemica Tar. (Fig. 16). Diese im südlichen Böhmen weit verbreitete Art 
fanden wir im Schwarzen See am Grunde in einer Tiefe von 15—30 m. 


Sr ER emis 


*) Frič und Vávra, Die Thierwelt des Unterpoternitzer und Gatterschlager Teiches als Re- 
Sultat der Arbeiten an der übertragbaren zoologischen Station. Archiv der naturw. Landes- 
durchforschung von Böhmen. IX. Band. Nr. 2. 


50 


Euglypha ciliata Leidy. (Fig. 17.) Selten an den Isoötes-Wiesen und am Grunde 
in 15 m Tiefe. 


Corythion dubium Tar. Am Grunde in 15 m Tiefe. 


Fig. 16. Nebella bohemica Tar. Fig. 17. Euglypha ciliata Leidy. 
A. Schale mit dem Thiere von Vergr. 300mal. 
vorne. B. Schale von der ge- (nach Tar.). 


drückten Seite.  Vergr. 400mal 
(nach Таг.). 


Aufgussthierechen (Infusoria). 


Die Aufgussthierchen kommen im Plancton des Schwarzen Sees üusserst 
selten vor. Nur als wir uns ein Aquarium mit Isoötes anlegten, sind in dem- 
selben nach mehreren Tagen Infusorien erschienen, von denen wir nur flüchtige 
Skizzen aufnehmen konnten, da dieselben nur sehr vorübergehend sich unter dem 
Mikroskope zeigten. Es waren einige Euglena-Arten, Glaucoma seintillans, Colpoda 
Steinii und einige Paramecium und Stylonichia. 


Zwischen den Algen an den Isoötes-Wiesen trafen wir regelmässig Vorticella 
nebulifera an. (Fig. 12. Nr. 8). 


An den Antennen und an den Mandibeln von Cyclops fuscus fanden wir im 
October 1892 eine schon von uns im Arch. IX. 2. p. 43. Fig. 19 abgebildete 
Acineta mit dicken, kurzen Tentakeln. Wir hofften dieselbe in den folgenden 
Jahren näher studieren zu können, dieselbe kam aber leider nicht mehr zum 


Vorschein. 


Spongiae (Schwänme). 


Euspongilla lacustris L. Süsswasserschwamm. Bei der Durchmusterung von Grund- 
proben aus einer Tiefe von 6 bis 25 m fanden wir häufig Nadeln und 
Gemmulae einer Spongilla-Art. Die letzteren sind dadurch interessant, dass 
sie mit einigen Nebenmicrodioden und nebstdem mit 
stacheligen, schwach gekrümmten Nadeln versehen sind. 
(Fig. 18. Wir haben also mit einer Übergangsform 
zwischen Sp. lacustris und rhenana zu thun. Diese 
letztere Varietät besitzt an den Gemmulen glatte Nadeln 
und Nebenmicrodioden, während die typische Sp. lacustris 


xemmulae ohne Mierodioden mit stacheligen Nadeln hat. Fig. 18. Gemmula 
Den Sehwamm selbst haben wir vergeblich gesucht. Auch Ginen ege: 
d GE ё : үл schwammes (Eu- 
bei dem niedrigsten Wasserstand des Sees im Jahre 1892 spongilla lacustris L.) 
kam er nirgends zum Vorschein. Das häufige Vor- aus dem Schwarzen 


ч Р i d See, Vergr. 50mal. 
kommen der Gemmulen und Nadeln im Grundschlamm 


zeigt aber, dass dieser Schwamm ап einem unzugänglichen Orte in beträcht- 
licher Menge vegetirt. 


Würmer (Vermes). 


Die Fauna der Würmer im Schwarzen See ist als arm zu bezeichnen. Die 
von Brachsenkraut bewachsenen Stellen lieferten hauptsächlich Räderthierchen, 
während das Auswaschen des Grundschlammes einige Strudelwürmer, unter diesen 
den interessanten Monotus, und spärliche Oligochaeten lieferte. 


Stenostoma leucops Osc. Schm. (Arch. IX. 2. p. 45. Fig. 22). Selten zwischen 
Isoötes im Juli. 


Fig. 19. Mesostoma Fig. 20. Monotus lacustris 
rostratum Ehbg. Vergr. 40mal. Zach. Vergr. 40mal. 


52 


Mesostoma rostratum Ehbg. (Wig. 19.) Zwischen Isoëtes und am Grunde in 15 m 
Tiefe. Im September waren viele Exemplare mit Eiern angefüllt. 


Monotus lacustris Zach. (Fig. 20). Dieser interessante, mit einem Gehörsteinchen 
versehene Strudelwurm wurde zuerst im Jahre 1881 im sogenannten „Grossen 
Koppenteiche“ im Riesengebirge von Dr. Otto Zacharias gefunden”) und be- 
schrieben. Später wurde dieselbe Art in Russland in Peipus und in meh- 
reren Schweizer Seen **) gefunden. Die Art ist also für die hochgelegenen Seen 
charakteristisch und vielleicht hängt seine Verbreitung mit den Erscheinungen 
der Glaeialperiode zusammen. Wir fanden das Thier am 23. Juni 1894 im 
Sehlamme aus 25 m Tiefe. Es erschien am nächsten Tage auf der Ober- 
fläche des in einer flachen Schale unter Wasser gehaltenen Schlammes als 
weisser Punkt. Die von uns im Juni gefundenen Exemplare waren geschlechtlich 
unreif und von 1:5 mm Länge. Zacharias gibt die Grösse der von ihm im 
August im grossen Koppenteiche gefangenen Exemplare bis an 3 mm Länge 
an, wobei die Thiere geschlechtsreif waren. In den zwei folgenden Jahren 
ist uns dieser interessante Strudelwurm nicht mehr zu Gesicht gekommen. 


Dorylaimus stagnalis Duj. Ziemlich regelmässig an den Brachsenkraut-Wiesen, 
auch aus 25 m Tiefe. 


Stylodrilus gabretae Vejd ***) Dieser interessante Lumbrieulid wurde im J. 1881 
zuerst im Böhmerwalde und zwar in einem sumpfigen Graben zwischen 
Panzer und Spitzberg entdeckt. "7731 Der Schwarze See ist bisher also 
der zweite Fundort dieses interessanten Wurmes. Die Art ist durch die 
langen Penisröhren ausgezeichnet. Wir fanden diesen Wurm am 16. Mai 1893 
im Grundschlamme vor der zool. Station in einer Entfernung von 15 m vom 
Ufer und am 26. Juli 1894 zwischen Glyceria am Damm und im Grund- 
schlamme aus 15 m Tiefe. Die Exemplare erreichten eine Länge von 3,5 cm 
und waren nicht geschlechtsreif. 


Tubifex rivulorum Lam. Nicht häufig im Grundschlamme aus 15 und 30 m 
Tiefe. Die Exemplare waren nicht geschlechtsreif. 


*) Dr. O. Zacharias, Studien über die Fauna des grossen und kleinen Teiches im Riesen- 
gebirge. (Zeitschrift f. wiss. Zool. XLI. 1885.) 


in Fp, Zschokke, Die 'Thierwelt der Hochseen. Verh. der deutsch. zool. Ges. auf der 
I. Jahresvers. von 1891. 


"**) Vejdovskj, System und Morphologie der Oligochaeten. Prag 1884. 


nz) Silva gabreta heisst bei Balbin (Miscellanea Regni Bohemiae) der Böhmerwald. 


Pachydrilus sphagnetorum Vejd. Diesen Enchy- 
treiden fanden wir am torfigen Ufer und 
auf den Drachsenkraut-Wiesen, die Exem- 
plare waren ebenfalls nicht geschlechtsreif. 

Aulostomum gulo Moq.-Tandon. Wurde vom Dr. 
A. Frič im Jahre 1871 im Seebache unter 
dem Damm gefunden. Jetzt haben wir die- 
selbe weder im See noch im Abflusse gefunden. 


Nephelis vulgaris Moq.-Tand. Cocons und junge 
Individuen fanden wir unter den Steinen am 
Ufer im September 1896. 

Floseularia edentata Coll. (Fig. 21). Kommt regel- 
mässig an den aus den Brachsenkraut-Wiesen 
stammenden Algen festgesetzt vor. Einmal 
fanden wir dieselbe an der Oberfläche des 
Wassers auf macerirten Holzfasern. Beson- 
ders auffallend ist der Stiel, der im contra- 
hirten Zustande scharfe, spitzige Dornen auf 
jedem Ringe bildet. 


Rotifer macrurus Schrank. Ebenfalls an den 
Brachsenkraut-Wiesen ziemlich häufig. 


Taphrocampa  annulosa Gosse. Kommt nur ver- Fig. 21. Floseularia edentata, Coll. 
einzelt vor. Wir fanden dieselbe an den Vergr. 230mal. 
Isoötes-Wiesen und auch in der Uferzone am 
felsigen Ufer. 

Diaschiza paeta Gosse. (Fig. 22.) Erscheint nur auf den von 
Isoëtes und Glyceria bewachsenen Stellen. 

Monostyla lunaris Ehbg. Ziemlich häufig zwischen Isoötes. 

Metopidia lepadella Ehbg. Zwischen Algen aus den von Isoëtes 
und Glyceria bewachsenen Stellen. 


Krustenthiere (Crustacea). 


Wasserflöhe (Cladocera). 


Holopedium gibberum Zad. (Fig. 13., 23., 24.) (Arch. IX. 2. p. 104. 
Fig, 69.) Ist der bezeichnende pelagische Bewohner in der Fig.22. Diaschiza 
Mitte des Schwarzen Sees. Im Jahre 1871 (Siehe pag. 4.) E pecie, ы. 
wurde das Netz mit einer unzühlbaren Masse von Holopedium Я 
angefüllt, wührend der letzten Jahre kann man dessen Vor- 
kommen nur als spärlich bezeichnen. Die Ursache dieser Erscheinung wurde. 
schon auf Seite 39. besprochen. Im Mai erschienen im See die ersten Jungen. 


54 


(Fig. 94). Diese entbehrten gänzlich des Buckels am Rücken und sind mit 
einer ansehnlichen Drüse im Nacken versehen, die wohl die gallertige Hülle 
secernirt. Die jungen sind auch schon von einer äusserst zarten Hülle um- 
geben, die sich während des Lebens mittelst Methylenblau färbt. Sie schwimmen 
mit dem Kopfe nach unten gewendet, während die älteren, sobald der Rücken- 
buckel zur Aufnahme von Eiern ausgebildet ist, mit diesem nach unten 


Fig. 23. Holopedium gibberum Zadd. in Fig. 24. Holopedium gibberum Zadd. Junges 
der gallertigen Hülle. Vergr. 20mal. Thier. 80mal vergr. 


sewendet sich bewegen. (Fig. 23.) Die gallertige Hülle ist sofort zweimal so 
gross als das Thier selbst. Am Vorderende ist dieselbe mit einem tiefen 
Ausschnitt (a), durch welchen die Antennen hervorragen, versehen. Am Hinter- 
ende ist in der Hülle in der Gegend des Afters auch eine Spalte (b) wahrnehmbar. 
Der Buckelkrebs erscheint im Schwarzen See im Mai, wo wir im Plancton 
nur ganz junge Individuen fanden. Im Juli trafen wir dieselben neben 
erwachsenen Individuen, die schon im Brutraume Sommereier trugen. In der 
ersten Hälfte des Octobers erscheint Holopedium im Schwarzen See nur noch 
spärlich und Ende dieses Monats wurde es dann nicht mehr beobachtet. Ver- 
gleichen wir das Auftreten des Holopediums im Sehwarzen See mit dem im 
Gatterschlager Teiche in Süd-Böhmen bei Neuhaus (Arch. IX. 2. p. 104), 
so sehen wir, dass es im See um einen Monat spüter auftritt, da dort das 
Holopedium schon im März in jungen Individuen und in den drei folgenden 
Monaten massenhaft vorhanden ist. Dagegen verschwindet dasselbe im Gatter- 
schlager Teiche, der um 600 m o. d. M. niedriger als der Schwarze See liegt, 
schon im September, im Sehwarzen.See lebt es noch im October. Das Holo- 
pedium bildet im Schwarzen See eine wichtige Nahrung der Saiblinge und 


Db 


Forellen, was wir schon oben (Seite 39.) besprochen haben. In Folge dessen 
hat das frühere massenhafte Auftreten des Holopedium aufgehórt. Das Holo- 
pedium wurde bei Königsberg von Zaddach entdeckt und bisher noch in 
Böhmen, Galizien, Frankreich, England, Schottland, Dänemark, Norwegen, 
im nördlichen Russland, in Island, in Grönland und in Nordamerika gefunden. 
Daphnia longispina, O. F. Müll. var. ventricosa, Hellich (Fig. 25) (Syn. Daphnia 
brevipennis Sars). Diese von Hellich aufgestellte Art bildet eine Varietät 
von Daphnia longispina О. F. Müller und ist mit Daphnia brevipennis Sars 


Fig. 25. Daphnia longispina var. ventricosa, Hell. 


identisch. *) (l. е. p. 293.) Im Jahre 1871 wurde dieselbe vom Prof Dr. Frič 
und B. Hellich in grosser Menge im Schwarzen See in der Tiefe von 20 m 
gefischt, jetzt haben wir dieselbe nur am 6. October 1892 in einer Tiefe von 
5 m beobachtet. Wie schon erwähnt wurde, ist in demselben Monate der 
Wasserspiegel fast um 3 m wegen der Schleusse-Reparatur erniedrigt worden, 
und von der Zeit an sahen wir die genannte Art im Schwarzen See nicht 
mehr. Dagegen war diese Daphnia im Teufelssee ununterbrochen vorhanden. 

Ceriodaphnia pulchella Sars. Häufig in der 
Uferzone, hauptsächlich an den von 
Glyceria bewachsenen Stellen vom Juni 
bis October. Im September erschienen 
auch die Männchen. 

Bosmina bohemica Hell. (Fig. 26.) Lebt in 
der Mitte des Sees in einer Tiefe von 
1 bis 15 m in reichlicher Anzahl vom 
Juli bis September. Diese Art wurde vom 
Hellich im Jahre 1871 im Schwarzen 
See entdeckt und beschrieben W. Hart- 
wig) sagt von der ähnlichen Bosmina EN. \ 
berolinensis Imhof: „Hatten die Stücke Fig. 26. Bosmina bohemica Hell. 90mal vergr. 


— 


*) J. Richard, Revision des Cladoceres. II. Partie. Paris, 1896. 
"y W, Hartwig, Die Krebsthiere der Provinz Brandenburg, (Naturw. Wochenschr. Х Band. 


Nr, 43. 1895.) 


56 


2—8 Eier im Brutraume, so war ich oft im Zweifel, ob ich sie als В. bohemica 
oder Bosm. berolinensis ansprechen sollte. Die Stücke, welche ich ohne 
Bedenken sofort als D. berolinensis ansprach, hatten meist keine Eier oder 
Embryonen im Brutraume. Ich bin, nachdem ich eine grössere Anzahl von 
Stücken beider Formen untersuchte, zu der Überzeugung gelangt, dass Bosmina 
berolinensis Imhof keine Species ist, sondern nur aus jüngeren oder sonst wie 
im Wachsthum zurückgebliebenen Stücken der Bosmina bohemica, Hellich 
besteht. 


| 


Mm, 
IN, 


X 


Fig. 27. Acantholebeis curvirostris O. F. Müll. 40mal vergr. 


Acantholeberis ewrvirostris O. F. Müll. Diese Art haben wir im September im 
Grundschlamme zwischen Glyceria und Sparganium in grosser Anzahl gefunden. 
Der Hinterrand ist sehr lang beborstet, die Borsten brechen aber sehr leicht 
ab. Diese sind auch nicht an der Figur dieser Art bei Hellich abgebildet. 
(Arch. TIE pag, 09. Fig. 80.) 

Ilyoeryptus sordidus Liév. (Arch. IX. 2. p. 53. Fig. 35.) Nur spärlich im Schlamme 
von Brachsenkraut-Wiesen. 

Eurycereus lamellatus, О. F. Müll. (Arch. II. 4. p. 239. Fig. 45.) Zwischen 
Glyceria und Isoétes. 

Acroperus leucocephalus Koch. (Arch. Ш. p. 79. Fig. 37.) Am Ufer und zwischen 
Isoëtes, Glyceria und Sparganium vom Juni bis October gemein. Bildet die 
Nahrung der jungen Saiblinge, bei 
denen wir den Darm mit dieser 
Art vollgestopft fanden. 

Alonopsis elongata Sars. (Vig. 28.) nach 
Hellich, Arch. III. p. 81. Fig. 39.) 

у m Kommt am Ufer und zwischen 

чаб. Isoëtes und Sparganium und am 
< Grunde bis zu 15 m Tiefe in 
grosser Menge vor. Sie hält sich 
am Grunde und wurde vom Juni 


Fig. 28. Alonopsis elongata, Sars (nach Hellich). 
70mal vergr. al Lippenanhang. си Cutieularor- 


nament, e Embryo. bis October beobachtet. 


57 


Alona affinis, Leyd. (Arch IX. 2. p. 108. Fig. 74). Nur spärlich im Boden- 
schlamme bis zu 25 m Tiefe. 

Alona guttata, Sars. (Hellich, Clad. pag. 92. Fig. 49. 50). Nur vereinzelt an 
felsigen Ufern. 

Pleuroxus excisus Fischer. (Hell. Clad. p. 99. Fig. 56. Nicht häufig im Litorale 
und am Grunde bis zu 15 m Tiefe. 

Pleuroxus nanus Baird. (Archiv IL. 4. Orust. p. 246. Fig. 59). Vereinzelt an dem 
felsigen Ufer. 

Pleuroxus truncatus О. Е. Müll. (Archiv II. 4. p. 244. Fig. 53). Nur spärlich 
in der Uferzone. 

Chydorus sphaerieus O. F. Müll. (Arch, IX. 2. Fig. 39). Ziemlich häufig am Ufer 
und zwischen Glyceria. 


Fig. 29. Polyphemus pediculus De Geer. 40mal vergr. 

Polyphemus pediculus De Geer. (Fig. 29.) Lebt vorzugsweise an den felsigen 
Ufern, wo es keine Vegetation gibt und zwar in der Regel in grosser Anzahl 
Wir haben denselben vom Juni bis September beobachtet. Nach dem niedrigsten 
Wasserstande im Jahre 1894 erschien diese Art im nüchsten Jahre nicht mehr. 
Nachdem der See dieses Jahr vollgespannt wurde, erschien Polyphemus in der 
Uferzone wieder. 


Muschelkrebse (Ostracoda). 


Cypria ophthalmica (Jur) (Arch. IX. 2. p. 56. Fig. 41) (Fig. 14 nr. 18). Ist der 
einzige Muschelkrebs, der im Schwarzen See lebt. Er kommt häufig in der 
Uferzone und am Grunde bis zu 25 » Tiefe vor. In einem nahe am Damm 
gelegenen Tümpel, der mit dem See oft in Verbindung ist, trafen wir Cyclo- 
eypris globosa (G. O. Sars), die wir aber niemals im See selbst fanden. 


Spaltfüssler (Copepoda). 


V H m N . . 
Cyclops strenuus Fisch. (Arch. IX. 2. p. 57. Fig. 44). Lebt mit dem Holopedium 
in der pelagischen Zone und setzt in einigen Monaten allein das Plancton 
zusammen. Im Mai und im Juli sind die Nauplien und Metanauplien, die 


58 


durch grosse Fetttropfen lebhaft roth gefärbt erscheinen, häufig. Im August und 
September sind die geschlechtsreifen Individuen in grosser Menge vorhanden. 
Ende September sind wieder die Nauplien vorherrschend. Dieser Hüpferling 
lebt in der pelagischen Zone grösstentheils in einer Tiefe von 1 bis 5 m, 
doch trifft man ihn auch an der Oberfläche und in der Tiefe bis von 15 m. 

Cyclops fuscus Jur. (Arch. III. 4. p. 218. Fig. 11). Lebt vorzugsweise in der 
Uferzone und ist ein steter Bewohner der Brachsenkraut-Wiesen und zwischen 
Glyceria und Sparganium. Die Exemplare waren dunkeloliv gefärbt. 

Cyclops serrulatus Fisch. (Arch. Ш. 4. p. 222. Fig. 18). Häufig zwischen Glyceria 
und Sparganium. 

Cyclops nanus Sars. Diese Art hat Dr. Mräzek*) an einer von Sparganium be- 
wachsenen Stelle im Schwarzen See gefunden. Wir haben dieselbe nicht 
beobachtet, In dem neben dem Damm gelegenen Tümpel haben wir Cyclops 
crassicaudis Sars gefunden. Dieser winzige Hüpferling war von einem kreide- 
weissen Aussehen. 

Canthocamptus Schmeili Mráz. Diese von Dr. Mrázek in Příbram entdeckte Art 
wurde ausser Böhmen noch in Deutschland und in Schottland gefunden. Wir 
haben dieselbe aus dem Bodenschlamm aus einer Tiefe von 15 m erhalten. 

Diaptomus denticornis Wierz. (Fig. 24.) (Diaptomus castor b. Frič, 
Sitzungsber. d. b. Ges. d. Wiss. 1871, siehe auch Seite 4 der 
vorliegenden Arbeit.) Bei der Revision des vom Jahre 1871 
stammenden Materiales fanden wir, dass die früher als Dia- 
ptomus castor bezeichnete Art der von Wierzejski beschrie- 
bene Diaptomus denticornis ist. In der Beschaffenheit des 
fünften männlichen und weiblichen Fusspaares stimmten die 
erwähnten Exemplare mit dieser Art gänzlich überein, doch 
das letzte Glied der rechten, männlichen Antenne, zeigte 


н { Zwei 

рн nicht den charakteristischen Zahn, sondern nur einen stumpfen, 

rechten männli- hyalinen Vorsprung (Fig. 30). Dies stimmt also mit den von 

lichen Antenne үө а: б be See im Tatragebiree gefundenen Exem- 

von Diaptomus ierzejski im Czorba-See im Tatragebirge gefundenen Exem 

denticornis Wierz. plaren.”*) Der erwähnte Autor hält diese Varietàt nur für 
eine Frühlingsform.  Wierzejski hat diese Form Ende Mai 


gesammelt, Frič hat sie im Juli gefunden. Wir haben diesen Diaptomus 
weder im Schwarzen See noch im Teufelssee gefunden, obzwar ihn Frič und 
Hellich im J. 1871 als häufig angeben. In Böhmen ist diese Art noch aus 
dem Plóckelsteiner unl dem Arber-See im Bóhmerwalde bekannt. 


Spinnenthiere (Araehnoidea). 


Die Wassermilben (Hydrachnidae) sind im Schwarzen See nur durch einige Arten 
vertreten. "Wir trafen dieselben an den von Glyceria und Sparganium be- 


*) Mrázek, Dr. Al, Příspěvky k poznání sladkovodních Copepodü (Sitzungsber. d. к. böhm. 


Ges. d. Wiss. 1893. VIII.). 
в) Wierzejski A., Übersicht der Orustaceen-Fauna Galiziens. (Akad, d. Wiss. in Krakau 1895.) 


59 


wachsenen Stellen, wo sie nur vereinzelt leben. Folgende Beschreibung der 
von uns gesammelten Hydrachniden des Schwarzen Sees verdanken wir Herrn 
K. Thon. 

Eylais setosa Koenike. Nur eine Nymphe. Diese stimmt mit der aus einem 
Teiche bei Golé-Jenikau gefundenen Art, die Herr Е. Koenike in Bremen als 
Eylais setosa anerkaunt hatte. Die vorliegende Nymphe weicht nur unbe- 
deutend in der Form der Palpen von den reifen Exemplaren ab. 

Diplodontus fuscatus Thon (Fig. 31.) weicht von der bekannten Art (Diplodontus 
despieiens O. F. Müll.) so ab, dass man dieselbe als eine neue Art betrachten 
muss. Das Männchen ist L:2 mm lang, der Leib ist kugelfórmig, etwas flach, 
ähnlich wie bei D. despiciens. Die Farbe ist tief braun. Die Augen ähnlich 
wie bei D. despiciens gestellt. Die Palpen weichen von dieser Art wesentlich 


Fig. 31. Diplodontus fuscatus, Thon. 1. Von unten. 45mal vergr. 2. Palp. mit der Lippe. 
3. Mandibel, 4. Genitalplatte. 


ab. Das zweite Glied ist viel länger, die Dorsten sparsamer. Das vierte 
Glied stärker und kürzer, das letzte, scheerenförmige Glied, mächtiger. Man- 
dibel länger und schlanker als bei D. despiciens. Die Lippe weicht nur 
wenig ab, das Rostrum ist länger und schwächer. Die Epimeren sind ver- 
hältnissmässig kleiner und weiter von einander gerückt. Alle Borsten sind 
feiner als bei D. despiciens. Die Genitalplatten sind viel schmäler und länger, 
fast gerade, die Zahl der Stigmen eine geringere. Die Arme des Chitingerüstes 
‚Sind stark und kurz. Die Oberfläche des Leibes ist granulirt. 
Arrhenurus virens, Müll. Auf den Isoétes-Wiesen nur vereinzelt. 
Die Tardigraden sind durch den Macrobiotus macronyx Duj. vertreten, der 
in der Uferzone und zwischen den Algen auf den Brachsenkraut-Wiesen lebt. 
Es werden auch einige Acariden in der Uferzone und auch zuweilen pelagisch 
in der Mitte des Sees beobachtet, die zufällig aus dem Moose am Ufer in das 
asser gelangen. Unter diesen war Stigmaeus scapularis ©. L. Koch häufig. 


60 


Die Insecten-Larven findet man im Schwarzen See nirgends in grósserer Menge. 


Die Chironomus-Larven leben im Schlamme am Ufer und am Grunde, aber 


immer nur vereinzelt, 


Zwischen Glyceria und Sparganium kommen die Larven von Cloë und Nemura 


Inseeten (Hexapoda). 


vor und nur ganz vereinzelt eine Zibellula-Larve. 


Ziemlich häufig ist da die Larve von Sialis lutaria L. (Fig 14. Nr. 11.) 


An den Ufern sind die Köcherfliegen-Larven von 
besonders von Chaetopteryx villosa, nebst einer näher unbestimmbaren Limno- 


philus-Larve häufig. 


Die Wasserwanzen sind durch die seltene Glaenocorisa cavifrons Thoms. und 
die Wasserläufer durch die Hydrometra paludum Тарт. und Velia currens Fabr. 


vertreten. 


Am Ufer tummeln sich einige Wasserküfer Gyrinus natator L., Fydroporus 


palustris L. und der seltene Hydroporus latus Steph. herum. 


Systematische Übersicht der im Schwarzen See gefundenen Arten. 


Hyalodiseus limax Duj. 
Arcella vulgaris Ehbg. 


Arcella vulgaris var. angulosa Ehbe. 


Difflugia pyriformis Perty. 
Difflugia acuminata Ehbg. 
Difflugia urceolata Cor. 
Difflugia globulosa Duj. 
Difflugia arcula Leidy. 
Centropyxis aculeata St. 
Cyphoderia ampulla Leidy. 
Nebella collaris Leidy. 
Nebella bohemica Tar. 
Euglypha ciliata Leidy. 
Corythion dubium Tar. 
Acineta crassipes Fr. 
Euglena sp. 

Glaucoma scintillans Ehbg. 
Colpoda Steinii Maup. 
Vorticella nebulifera Ehbg. 
Euspongilla lacustris L. 
Stenostoma leucops Ose. Schm. 
Mesostoma rostratum Ehbg. 


Monotus lacustris Zach. 
Dorylaimus stagnalis Duj. 
Stylodrilus Gabretae Vejd. 
Tubifex rivulorum Lam. 
'achydrilus sphagnetorum Vejd. 
Aulostomum gulo Moq.-Tand. 
Nephelis vulgaris Moq.-Tand. 
Floscularia edentata Coll. 
hotifer macrurus Schr. 
Taphroeampa annulosa (osse. 
Diaschiza paeta Gosse. 
Monostyla lunaris Еро, 
Metopidia lepadella Ehbg. 
Holopedium gibberum Zadd. 


Daphnia longispina О. Е. Müll. 


ventricosa Hell. 
Ceriodaphnia pulchella Sars. 
osmina bohemica Hell. 


Acantholeberis curvirostris O. F. Müll. 


Ilyoeryptus sordidus Liiv. 
Eurycercus lamellatus О. F. Müll. 
Acroperus leucocephalus Koch. 


Phryganea striata und 


61 
Alonopsis elongata Sars. Macrobiotus macronyx Duj. 
Alona affinis Leyd. Chironomus (Larven). 
Alona guttata Sars. Cloé (Larven). 
Pleuroxus exeisus Fisch. Nemura (Larven). 
Pleuroxus nanus Daird. Libellula (Larven). 
Pleuroxus truncatus O. F. Müll. Sialis lutaria L. 
Chydorus sphaerieus O. F. Müll. Phryganea striata L. 
Polyphemus pedieulus De Geer. Chaetopteryx villosa Pict. 
Cypria ophthalmica Jur. Limnophilus (Larven). 
(Cyclocypris globosa Baird.) Glaenocorisa cavifrons Thoms. 
Cyclops strenuus Fisch. Hydrometra paludum Fabr. 
Cyclops fuscus Jur. Velia currens Fabr. 
Cyclops serrulatus Fisch. Gyrinus natator L. 
Cyclops nanus Sars. Hydroporus palustris Fab. 
| (Cyclops erassicaudis Sars.) Hydroporus latus Steph. 
Canthocamptus Schmeili Mraz. Salmo trutta. 
Diaptomus denticornis Wierz (Salmo salvelinus.) 
Eylaïs setosa Koen. (Coregonus maraena.) 
Diplodontus fuscatus Thon. hana temporaria. 
Arrhenurus virens Neum. Triton alpestris. 


b) Der Teufelssee. 


Ursprünglich hatten wir die Absicht nach Abschluss der Arbeiten am 
Sehwarzen See die fliegende Station auf 1 oder 2 Jahre an das Ufer des Teufels- 
sees zu übertragen. Nach reiflicher Erwägung der Unzugänglichkeit mittels Wagen 
entschlossen wir uns die Untersuchung des Teufelssees von der Station am 
Sehwarzen See aus durchzuführen. Auf Fürsprache des Herrn Oberfórster Komárek 
verschaffte der Waldverein in Eisenstein einen Kahn nach dem Muster des von 
Uns eebrachten und sind wir dem Vereine für die Gestattung der Benützung des- 
selben zu Dank verpflichtet. Um die mit grosser Mühe hierhergeschafften Geräth 
Schafften nicht jeden Tag zurücktragen zu müssen, sowie um Obdach bei starkem 
legen zu finden, liessen wir nahe dem Fusssteige, der vom oberen Wege herab- 
führt, ein kleines Häuschen von 4 CJ Meter Bodenflüche nach dem Entwurfe des 
Herrn Oberfürsters Komárek herstellen. Trotz diesen zwei Hilfsmitteln war das 
Übertragen des Materials mit vielen Unzukömmlichkeiten verbunden. Dazu gesellte 
) Sich noch die günzliche Ruin der Schleusse, welche den Wasserspiegel um 2'/, m 
herabsetzte und die Uferfauna stark schädigte. Es kann daher die nachfolgende 
Schilderung der gemachten Erfahrung keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen. 


Es war aber doch behufs des Vergleiches mit dem Schwarzen See und bei | 
dem Umstande, dass der Teufelssee um 30 m höher liegt, nóthig, denselben zu- 
d gleich zu untersuchen. 


62 
Lage, Grósse, Zuflüsse und Entstehung des Sees. 


Der Teufelssee lieet in derselben Gebirgskette wie der Schwarze See, von 
dem er durch die 1343 m hohe Seewand getrennt ist. 


Der Teufelssee liegt an der südöstlichen Seite der Seewand, die im Hinter- 
srunde des Sees ebenfalls steil in den See herabfällt, so dass hier auch eine an 
Gletscherphänomen erinnernde Cirkusbildung entsteht, ähnlich wie beim Schwarzen 
See. (Fig. 32.) 


Fig. 32. Der Teufelssee. (Phot. von F. Krátký in Kolin.) 


Die Ausmass des Teufelssees beträgt 10'87 Hektar. 


Am nördlichen Ufer mündet in den Teufelssee ein kleines Bächlein, das von 
den Abhängen des Spitzberges (1199 m o. d. M.) herabfliesst, ein anderes Bächlein 
stürzt gerade von der Seewand am westlichen Ufer herab. Andere Zuflüsse trocknen 
im Hochsommer aus. Der Abfluss, der Seebach, mündet in den Eisenbach und dieser 
in den Fluss Regen in Bayern. Somit gehört der Teufelssee zu dem Donaugebiete, 
während der Schwarze See zu dem  Elbegebiete gehört, da sein Abfluss bei 
Klattau in die Uhlavka mündet. 


Was die Entstehung des Teufelssees anbelangt, so gilt das von der Entste- 
hung des Schwarzen Sees Gesagte. (Siehe pag. 29). 


Die Tiefenmessungen. 


Die Tiefenmessungen wurden am Teufelssee in der beim Schwarzen See be- 
Sprochenen Weise (Seite 31) durchgeführt. 
Die Tiefe wurde an 64 Punkten gelothet. (Fig. 33.) 


Fig. 33. Tiefenkarte des Teufelssees nach 64 von Dr. Frič und Dr. Vávra durchgeführten Mes- 
Sungen. о, 0, c Zuflüsse, d Abfluss. 1—19 markirte Messungspunkte, s die Schutzhütte. Der 
Kreis in der Mitte deutet die Ausdehnung der gróssten Tiefe an. 


64 


Die grösste Tiefe liegt nicht wie im Schwarzen See nahe der Seewand, 
sondern ziemlich in der Mitte des Sees, wo die Lothung 35 m als die grösste 
Tiefe ergab. Die Ufer fallen hier auch nicht so steil ab, so dass der Boden des 
Teufelssees eine kesselfórmige Vertiefung darstellt. 


Temperatur, Farbe und Durchsichtigkeit des Wassers des Teufelssees. 


Die Temperaturmessungen des Wassers ergaben, dass ähnlich wie im Schwarzen 
See in einer Tiefe von 20 m bis zum Grunde eine stete Temperatur von 42^ bis 
4'8*" C. herrscht. Wir hatten Gelegenheit die Temperaturmessungen nur in zwei ver- 
schiedeneu Monaten durchzuführen, wegen der hier selten herrschenden Windstille. 


Luft Oberfläche | 5m | 10 m | 15 m | 20 m | 25 m | 30—35 m 


September 1896 . 


| 

Sal мБ. s 19:5 | 179 | 981 50 48 | 48| 46| 46 
| d 
| 130 | 119 102 58 146149 | 491 42 


Die Farbe des Wassers stimmt nach Herr О. Wagner mit dem Nr. 15 der 
Seala nach Ule überein. 

Die Durchsichtigkeit des Wassers haben wir an einem hellen, sonnigen Tage 
im September auf 430 cm bestimmt. 


Fauna des Teufelssees. 


Vom Teufelssee sagt dr. Етіс in der auf der Seite 4 erwähnten Abhandlung: 
„Der Teufelssee hat schon eine viel geringere Tiefe, stimmt aber bezüglich der 
Orustaceen ganz mit dem Schwarzen See, nur sind die Holopedien viel sparsamer 
vorgefunden worden. Weil die Ufer gar nicht mit Schilf bewachsen sind, fehlen 
auch hier die Lynceuse ganz.“ 

Die Ufer des Teufelssees sind gänzlich kahl, ohne jede Vegetation. Nur im 
Jahre 1894, als der See noch vollgespannt war, fanden wir in der nordwestlichen 
Ecke am Ufer eine kleine Wiese von Zanichelia palustris, die aber, nachdem der 
Wasserspiegel um 250 cm herabgesetzt wurde, in Folge der Trockenlegung 
gänzlich verschwand. 


1. Pelagische Fauna. 


Während unserer Arbeit am Teufelssee vom Jahre 1894 bis 1896 erschien 
Holopedium gar nicht mehr. Dasselbe wurde noch von Hellich 1877 in reichlicher 


LA 
65 


Menge gefangen. Während der erwähnten Zeit wurden die pelagischen Fänge nur 
von Cyclops strenuus und von Daphnia ventricosa gebildet. 


In nachstehender Tabelle sind die pelagischen Fánge chronologisch angeführt: 


1894. 


September 


1895. 
Juni 


Juli 


1896. 
September 


| 
| 
| 
| 


Oberflüche 


5 Meter Tiefe 


15 M. Tiefe 


30 M. Tiefe 


Oberfläche 
1 M. Tiefe 
9 M. Tiefe 
3 M. Tiefe 


5 M. Tiefe 


10 M. Tiefe 
15 M. Tiefe 


20 M. Tiefe 
95 M. Tiefe 


Oberfläche 


| Sehr spärliches Ma- 
terial 


Spärliches Material 


Spärliches Material 


Reichliches Material 


Aufstellung der Schutz- 
hütte 


Spärlicher Fang 
Reichlicher Fang 
Reichlicher Fang 


Reichlicher Fang 


Reichliches Material 


Spärliches Material 


Spärliches Material 


Cyclops strenuus 


Daphnia (auch juv.) 
ventricosa 
Cyclops strenuus 


Daphnia ventrieos: 
(ohne Eiern) 
Cyclops strenuus 


Daphnia ventricosa 
mit 1—2 Sommer- 
eiern 


Cyclops strenuus 
Oyclops strenuus 
Cyelops strenuus 


Cyclops strenuus 
Daphnia ventricosa 


Oyelops strenuus 
Daphnia ventricos: 
(junge Stadien) 


Dasselbe 


Daphnia ventricos: 
einige grosse Exem- 
plare 

Cyclops strenuus 

Exuvien. 


Cyclops strenuus 


Jyelops strenuus 


Cyclops strenuus 


c 


66 


1896 1 M. Tiefe Reichlicheres Material| Cyclops strenuus 
September viele Männchen 
5 M. Tiefe Reichliches Material jyelops strenuus 
einige Exemplare mit | Daphnia ventricosa 
Sommereiern 
10 M. Tiefe Spärliches Material | Cyelops strenuus 
15 M. Tiefe Spürliches Material | Cyelops strenuus 
| Einige Exemplare Daphnia ventricos: 


2. Ufer- und Grundfauna des Teufelssees. 


Hellich (1877) führt einige Lynceiden an, die er am Ufer des Teufelssees 
gesammelt hat. Es sind Acroperus leucocephalus, Alonopsis elongata, Pleuroxus 
excisus und Pl. truncatus. Dieselben Arten kommen auch im Schwarzen See 
vor. Wir fanden nachstehende Verhältnisse: 


1. An den Ufern. 


Überall an den Ufern ist Polyphemus pediculus vorherrschend, gewöhnlich 
in grossen Massen. 

Hie uud da, wo Pflanzendetritus zwischen Steinblöcken angehäuft ist, 
hält sich auch Alonopsis elongata und Acroperus leucocephalus auf. 

Am westlichen Ufer, wo im Wasser viele Baumstämme liegen, trifft man 
ausser den genannten Arten noch Ceriodaphnia pulchella und Eurycereus lamellatus. 

Hier beleben den Wasserspiegel grosse Schaaren von Glaenocorisa cavifrons 
und Gyrinus natator. 


2. Fauna am Grunde. 


Im Grundschlamme in einer Tiefe von 20 bis 35 m ist ebenfalls wie im 
Schwarzen See fast alles todt. 

Im Grundschlamme aus einer Tiefe von 20 m (siehe Fig. 33. zwischen Punkten 
11 und 16) waren besonders auffallend leere Schalen und Köpfe von Bosmina 
bohemica, obzwar wir dieselbe im Teufelssee in den Jahren 1898—1897 niemals 
lebend fanden. 

Auch Hellich (1877) führt dieselbe nicht aus dem Teufelssee an, so dass 
man annehmen kann, dass dieselbe jetzt günzlich aus dem Teufelssee verschwunden ist. 

Es wurden noch in diesem Schlamme einige Rhizopoden und Diatomeen, dann 
zähe Excremente, vermuthlich von Phryganeen- und Chironomus-Larven, Blüthen- 
staub von Nadelhólzern und Pflanzendetritus wahrgenommen. 


67 


Im Grundschlamme aus 35 m Tiefe wurde lebendig nur der Muschelkrebs 
Cyclocypris laevis angetroffen. Der Schlamm ist da sehr zähe, riecht nach Eisen 
und enthält viele Glimmerplüttchen. Ausser den Resten von Bosminen, Daphnien 
und verschiedenen Inseetenlarven findet man nur macerirte Blättchen von Sphagnum 
und Pflanzendetritus. 


3. Bemerkungen zu den im Teufelssee gefundenen Arten. 


Euspongilla lacustris. Auch im Teufelssee findet man im Grundschlamme zahl- 
reiche Nadeln des Süsswasserschwammes, den Schwamm selbst haben wir 


nicht beobachtet. 

Holopedium gibberum. ` rie und Hellich führen dasselbe aus dem Teufelssee an, 
sagen aber von demselben, dass es nicht in so grosser Menge vorhanden ist 
als im Schwarzen See. Uns kam es während den Jahren 1893 bis 1896 
nicht mehr zu Gesicht, so dass man annehmen kann, dass es gänzlich aus 
dem Teufelssee verschwunden ist. 

Daphnia longispina var. ventricosa Hellich. Lebt in ähnlichen Verhältnissen wie 
im Schwarzen See. Sie bevorzugt eine Tiefe bis 15 m und war im Juli sehr 
zahlreich vorhanden. Im September erschienen auch die Männchen. 

Ceriodaphnia pulchella. An den Ufern ziemlich gemein. Im September fanden 
wir auch viele Männchen. 

Bosmina bohemica. Hellich hat dieselbe nur im Schwarzen See gefunden. Im 
3rundsehlamme des Teufelssees sind aber viele leere Schalen und Köpfe von 
Bosmina bohemica, im See selbst haben wir dieselbe auch nicht mehr wieder- 
gefunden. 

Polyphemus pediculus. Lebt an den Ufern oft in grosser Menge, und sammelt 
sich hauptsächlich an flachen, mit Steinblöcken besetzten Uferpartien, wo er 
schon mit blossem Auge wahrgenommen werden kann. 

ICyclops strenuus. Setzt hauptsächlich das Plancton zusammen. 


4. Verzeichniss der im Teufelssee beobachteten Arten. 


Arcella vulgaris. Eurycercus lamellatus О. F. Müll. 
Acroperus leucocephalus Koch. 
Difflugia pyriformis Perty. Alonopsis elongata Sars. 
acuminata Ehbg. Pleuroxus excisus Fisch. 
globulosa Duj. Pleuroxus truncatus O. F. Müll. 


Polyphemus pediculus De Geer. 
Euspongilla lacustris L. 
;ypria ophthalmica Jur. 


Holopedium eibberum Zadd. ЈусІосургіѕ laevis О. Е. Müll. 
Daphnia longispina var. ventricosa Hell. 

Ceriodaphnia pulchella Sars. Cyclops strenuus Fisch. 
Bosmina bohemica Hell. Cyclops fuscus Jur. 


bt 


Cyelops serrulatus Fisch. Chaetopteryx villosa. 
Glaenocorisa cavifrons. 


Diplodontus fuscatus Thon. Notonecta glauca. 
Arrhenurus virens Neum. Gyrinus natator. 
Perla (Larve). Salmo trutta. 

Chironomus (Larve). Rana temporaria. 
Phryganea striata. Triton alpestris. 


Vergleich der untersuchten zwei Bóhmerwaldseen mit anderen Seen 
Bühmens und mit den hochgelegenen Gebirgsseen überhaupt. 


I. Vergleich der Bóhmerwaldseen mit einander und mit den Riesen- 
gebirgsseen. 


Ausser den zwei untersuchten Seen, nämlich dem Schwarzen See und dem 
Teufelssee ist im Böhmerwalde als Gebirgssee nur noch der Plöckersteinersee an- 
zusehen, der alle Eigenschaften des Gebirgssees trägt. Der schon in Bayern ge- 
legene Arbersee weist eine üppige ausgedehnte Wasserflora auf, so dass auch die 
Fauna einen vorwiegend litoralen Charakter trägt. 

Die Fauna dieser Seen ist durch zwei Formen charakterisirt, die allen ge- 
meinsam sind. Es ist Daphnia longispina var. ventricosa (Schwarzer See und 
Teufelssee), und var. caudata (Plöckensteiner und Arber-See) und Diaptomus 
denticornis. 

Im Plöckensteiner See kommt ausserdem auch Heterocope saliens vor. Der 
Schwarze See und der Teufelssee sind ausserdem durch das Holopedium gibberum 
charakterisirt, das aber auch in einigen grösseren Teichen von Südbóhmen ge- 
funden wurde. 


| | Schwarzer Plöcken- | 
| "an. | Teufelssee | Arber S. AES | 
| Bee "i steiner 8. | 
| | 
" А | | 
Holopedium gibberum . . . .| | bc 
| 
Polyphemus oculus . . . . .| J- Е | | | 


Daphnia ventricosa . 


Daphma Caudata с ү y PS | 
} 


Diaptomus denticornis . . . . + 4 F 


Heterocope salienS .. . . . .| + | Fr 


| 

Ausser den Bóhmerwaldseen gibt es in Böhmen nur noch zwei Gebirgsseen, 
die beiden Koppenteiche im Riesengebirge. Diese wurden schon zweimal vou Dr. 
Otto Zacharias eingehend untersucht. 


69 


Die beiden Seen sind fast um 200 M. höher als die Böhmerwaldseen gelegen. 
(Schwarzer See 1008 M., Teufelssee 1039 M., kleiner Koppenteich 1168 M., grosser 
Koppenteich 1218 M. o. M.) 

Die Böhmerwaldseen sind bedeutend grösser. Das Ausmaass des kleinen 
Koppenteiches beträgt 2'9 Ha., des grossen Koppenteiches 6'5 Ha., des Teufelssees 
10:87 Ha., des Schwarzen Sees 18:46 Ha. 

Die Tiefe der beiden letztgenannten Seen ist ebenfalls bedeutender. Die grósste 
Tiefe des kleinen Koppenteiches beträgt 6'5 M., des grossen 25 M., des Teufelssees 
35 M. und des Schwarzen Sees 40 M. 

Es sei noch bemerkt, dass das Decken aller der genannten Seen im Urgebirgs- 
massiv eingebettet ist. 

Interessant ist die Thatsache, dass der grosse Koppenteich und der Schwarze 
See den Strudelwurm Monotus lacustris und das Brachsenkraut (Isoetes lacustris) 
bewirthet, die beide in Böhmen nur in diesen zwei Seen vorkommen. 

Das Holopedium gibberum fehlt aber in den Riesengebirgsseen. Aus dem 
faunistischen Verzeichnisse der beiden Koppenteiche ist ersichtlich, dass viele Rhizo- 
poden, Strudelwürmer, Räderthierchen, Cladoceren, dann die Forelle und der Alpen- 
moleh den Bóhmerwaldseen gemeinsam sind. 

Unser Verzeichnis der im Schwarzen See beobachteten Arten weist 83 Arten, 
das von Dr. Zacharias*) aus dem grossen Koppenteiche 36 Arten auf. Dieser Unter- 
schied ist wohl der Hilfe, die uns die übertragbare zoologische Station geboten 
hat, zuzuschreiben. 

Folgende Arten kommen sowohl im Schwarzen See im Böhmerwalde, als im 
grossen Koppenteiche im Riesengebirge vor: 


Difflugia pyriformis Monostyla lunaris 
Difflugia' globulos: Daphnia longispina 
Euglypta ciliata Alona affinis 
Oyphoderia margaritacea Aeroperus leucocephalus 
Vorticella sp. auf Cyclops Chydorus sphaericus 
Stenostoma leucops Polyphemus oculus 
Monotus lacustris Cyclops strenuus 
Dorylaimus stagnalis Trutta fario 

Rotifer vulgaris (macrurus im Schwarz. See) Triton alpestris 


*) Dr. О. Zacharias und E. Lemmermann, Ergebnisse einer biologischen Excursion an die 
Hochseen und Moorgewässer des Riesengebirges. Berlin 1896. 


10 


II. Vergleich der Bóhmerwaldseen mit anderen hochgelegenen 
Gebirgsseen. 


Am nächsten liegt uns der Vergleich mit den Tafraseem, deren Fauna durch 
Wierzejski”) und Daday **) bekannt wurde. 

Die Tatraseen sind ähnlich wie die Böhmerwaldseen durch das Vorkommen 
von Holopedium gibberum, Polyphemus oculus, Diaptomus denticornis und Hetero- 
cope saliens charakterisirt. Es ist fast die südliche Grenze von Holopedium, da 
es in den Alpenseen nicht mehr zum Vorschein kommt. 

Fauna der Alpenseen ist von Imhof und Zschocke "71 zusammengestellt. 

Das Resultat dieser Forschungen zeigt, dass wir in hochgelegenen Gebirgsseen 
eine überraschend kosmopolitische Fauna nebst nordisch-alpinen Formen antreffen. 

Eine ziemliche Reihe von den Kosmopoliten treffen wir ebenfalls in den 
Böhmerwaldseen. Es ist unter anderen Difflugia pyriformis, Dorylaimus stagnalis, 
Daphnia longispina, Alona affinis, Pleuroxus excisus, Acroperus leucocephalus, Chy- 
dorus sphaericus, Cyclocypris laevis, Cypria ophthalmica, )ус1орв strenuus, Cyclops 
serrulatus, die sowohl in den Alpenseen, als auch im Flachlande wiederkommen. 

Überraschend ist, wenn wir das Verzeichnis der Thierwelt der Seen des 
Felsengebirges in Nordamerika betrachten, und nebst alten Bekannten aus unseren 
Seen auch Holopedium und Polyphemus wiederfinden, Forbes +) führt folgende 
Arten an: 


Difflugia globulosa Burycercus lamellatus 
Hydra fusca Simocephalus vetulus 
Cyelops serrulatus Acroperus leucocephalus 
Daphnia pulex Chydorus sphaericus 
Sida crystallina Holopedium gibberum 
Scapholeberis mucronata Polyphemus pediculus 


Es ist ersichtlich, dass die Bóhmerwaldseen eine Fauna beherbergen, die am 
meisten den Tatra-Seen ähnlich ist. 

Zum Schlusse sei noch hervorgehoben, dass, wie wir es bei Schilderung der 
Fauna der untersuchten Böhmerwaldseen besprochen haben, die Fauna der Seen 
nicht gänzlich constant ist, sondern im Laufe der Jahre sich in Folge üusserer 
Verhältnisse ändert, indem einige Formen, die einst sogar den Hauptbestandtheil 
der Fauna zusammensetzten, verschwinden können, manchmal wieder neue erscheinen. 


*) Dr. A. Wierzejski. Przegląd fauny skorupiaków galicyjskich. (Sprawozdanie komisyi 
fizyograf. Akad. Um. w Krakowie. T. XXXI. 1895.) 
**) Daday Beiträge zur Kenntniss der Microfauna der Tatraseen. (Term, Füs. XX.) 1897. 
***) Zechocke F., Die Fauna hochgelegener Gebirgsseen. (Verh. d. Naturf. Ges. in Basel 
Bd. XI. Heft 1.) 
T) Forbes 8. A. A preliminary report on the aquatic invertebrate fauna of the Yellowston 
National Park, Wyoming and of the Flathead Region of Montana. (Bull. of the U. S. Fish 
Comm. for 1891. Wah. 1893.) 


11 


Durch unsere Arbeiten erscheint die Aufgabe der Untersuchung der beiden 
Böhmerwaldseen nicht definitiv gelöst, was die Folge der schwierigen Verhältnisse 
ist, mit denen wir zu kämpfen hatten, und spätere Forschungen werden hoffentlich 
das entworfene Bild ergänzen. 


Literaturverzeichnis. 


Indem wir auf die neueren Literaturverzeichnisse bei Zschocke (35) und 
Apstein (36) verweisen, führen wir hier nur einige der für unsere Arbeit wichtigen 
Schriften an. 


1 1871 Frič A. Über die Fauna der Bóhmerwaldseen (Sitzungsber. | 
d. К. bóhm. Akad. d. Wiss. 1871 Prag). | 
2 1872 Frič Dr. Ant. Die Krustenthiere Böhmens. (Arch. f. Lan- 
desdurchf. v. Böhmen. II. Bd. IV. Abth.) 
3 1813 Frič Dr. A. Über die Crustaceenfauna der Wittingauer Teiche 


und über weitere Untersuchungen der Böhmerwaldseen. 
(Sitzungsber. der k. böhm. Akad. d. Wiss. 1873 Prag.) 


4 1877 Hellich B. Die Cladoceren Bóhmens. (Arch. f. nat. Landes- 
durchf. v. Bóhmen.) Bd. ТП. IV. Abthlg. 
5 1882 Taránek R. Monographie der Nebelliden Böhmens. Mit 5 


Tafeln. (Abh. d. kónigl. bóhm. Ges. d. Wiss. VI. Folge 
11. Band Nr. 8.) 


6 1882 Wierzejski Dr. A. Materiały do fauny jezior tatraüskich. 

Spraw. kom. fyz. t. XVI. | 
1 1884. Vejdovskó F. System und Morphologie der Oligochaeten. 

Prag. 
8 1885 Bayberger Fr. Geographisch-geologische Studien aus dem 


Böhmerwalde. (Petermann’s Mittheilungen Ergänzungs- 
heft Nr. 81.) 

9 1885 Imhof О, E. Studien über die Fauna hochalpiner Seen, ins- 
besondere des Kantons Graubünden. (Jahresb. d. nat. 
Ges. Graubünden. Jahrg. XXX. 


10 1887 Imhof О, E. Über die mikroskopische Thierwelt hochalpiner 
Seen. (Zool. Anz. X.) | 
11 1887 Penck, Böhm u. Rodler. Bericht über eine gemeinsame Ex- 


cursion in den Böhmerwald. (Zeitschrift d. deutsch. geo- 

logischen Ges. 1887). | 
12 1887 Zacharias Dr. O. Zur Kenntnis der pelagischen und lito- | 
ralen Fauna norddeutscher Seen. (Zeitschrift f. wiss. 

Zoologie. Band XLV. 2.) 

13 1888 Imhof E. О. Die Vertheilung der pelagischen Fauna in den 

Süsswasserbecken. (Zool. Anz. ХІ.) 


ER 


1890 


1890 


1891 


1891 


1891 


1891 


1892 


1892 


1893 


1893 


1894 


1894 


1894 


1894 


1895 


1895 


Imhof E. О. Das Cladocerengenus Bosmina. Zool. Anz. XIII. 
1890 

Selögo. Hydrobiologische Untersuchungen. 1. Zur Kenntnis 
der Lebensverhältnisse in einigen Westpreussischen Seen. 
Schr. d. Naturf.-Ges. zu Danzig. N. Е. Bot. 7. Heft. 8. 

Richter E. Die Temperaturverhültnisse der Alpenseen. Ver- 
handlung d. 9. deutseh. Geographentages in Wien 1391) 

Vávra Dr. V. Monographie der Ostraeoden Böhmens. (Archiv 
f. Landesdurchf. v. Bóhmen. VIII. Band Nr. 3.) 

Zacharias Dr. O. Die Thier- und Pflanzenwelt des Süss- 
wassers. II Bände. Leipzig. 

Zschocke Dr. F. Weiterer Beitrag zur Kenntnis der Fauna 
der Gebirgsseen. Zool. Anz. Nr. 860 u. 361. 

Kafka F. Untersuchungen der Fauna der Gewässer Böhmens. 
II. Fauna der böhm. Teiche. (Archiv f. Landesdurchf. 
v. Bóhmen. VIII. Dand Nr. 2.) 

Juerne J. de et Richard J. Sur la faune pélagique de quel- 
ques lacs des Hautes-Pyrénées. (Assoc. fr. pour Pavane. 
des sciences Congrés de Pau). 

Forbes S. A. A preliminary report on the aquatie inverte- 
brate fauna of the Yellowstone National Park, Wyoming 
and of the flathead Region of Montana. (Dull. of the 
U. S. Fish. Com. Washington). 

Klapalek Е. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer 
Bóhmens. I. Metamorphose der Trichopteren. I. Serie. 
(Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen). 

I. Serie VI. Bd. Nro 5. 
Il. Serie, VIII. Bd. Nr. 6. 

Mrázek Al. Beitrag zur Kenntnis der Harpacticidenfauna des 
Süsswassers. (Zool. Jahrb. v. Spengel. VII. Band. 
Imhof E. О. Das Flagella'engenus Dinobryon. (Zool. Anz. 

XVII. 1894). 

Stingelin Th. Zwei neue Daphniden aus dem schweizer. Hoch- 
gebirge. (Zool Anz. Bd. XVII). 

Frič Dr. A. und Vávra Dr. A. Untersuchungen über die 
Fauna der Gewässer Bóhmens. IV. Die Thierwelt des 
Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat 
der Arbeiten an der übertragbaren zoologischen Station. 
(Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen. IX. Bd. Nr. 2.) 

Zschocke F. Die Thierwelt der Juraseen. (Revue suisse de 
zoologie. Тош. II. Livr. 2.) 

Hartwig W. Die Krebsthiere der Provinz Brandenburg. (Nà- 
turwiss. Wochenschrift. X. Band Nr. 43.) 

Kofoid C. A. A report upon the Protozoa observed in lake 
Michigan and the inland lakes in the neighborhood of 


De 


43 


1895 
1895 
1895 


1895 


1895 
1896 
1896 
1896 
1896 
1896 


1896 


1897 
1897 


1897 


1897 


1897 


1897 


„лї 


Charleroix, during the summer of 1894. Bull. Michig. 
Fish Comm. Nr. 6. 

Stenroos R. E. Die Cladoceren der Umgebung von Helsing- 
fors. (Acta Soc. Fauna. Faunica. XI. Nr. 2.) 

Stingelin Th. Die Cladoceren der Umgebung von Basel. 
(Revue Suisse de Zoologie. Bd. III.) 

Wierzejski Dr. A. Przeglad fauny skorupiaków galicyjskich 
(Sprawozdanie komysii fyz. Akad. Um. Kraków. T. XXXI. 

Zacharias Dr. O. Über den Unterschied in den Aufgaben 
wandernder und stabiler Süsswasserstationen. (Biolog. 
Centralblatt. Bd. XV. Nr. 9.) 

Zschocke 17. Die Fauna hochgelegener Gebirgsseen. (Verh. 
d. naturf. Ges. in Basel. Bd. XI. Heft І.) 

Apstein Dr. C. Das Süsswasserplankton. Methode und Re- 
sultate der quantitativen Untersuchung. Kiel. 

Illinois State Laboratory of Natural History. — Biennial 
Report of the State Laboratory and special report of 
the University Biological Experiment Station. 

Richard J. Revision des Cladocéres Paris 1896. 

Ward Н. B. А biological examination of lake Michigan in 
the traverse Bay region. Bull. of the Michigan Fish 
Comm. Nr. 6. 

Zacharias Dr. O. Quantitative Untersuchungen über das 
Limnoplankton. Berlin. 

Zacharias Dr. О, u. Lemmermann E. Ergebnisse einer bio- 
logischen Excursion an die Hochseen und Moorgewüsser 
des Riesengebirges. Derlin. 

Daday Dr. Eug. v. Beiträge zur Kenntniss der Microfauna 
der Tatra-Seen. (Termeszetrajzi Füzetek. Vol. XX.) 
Fritsch Anton MD. Fresh-Water biological Stations: Europes 

Example. „Nat. Science". Vol. X. Nr. 61. 

Kofoid C. A. Plankton Studies. Methods and apparatus in 
use in plankton investigations of the biological expe- 
riment Station of the University at Illinois, Bull. of 
the" Hi, St. tab: of Nat; Hist Uro, Il Vol Vo REUS. 

Scourfield D. J. Wanted, a British fresh-water Biological 
Station. ,Nat. Sc.^ Vol. V. Nr. 59. 

Wagner Dr. P., Die Seen des Bóhmerwaldes. Eine geo- 
logisch-geographische Studie, zugleich ein Beitrag zur 


Lösung des Karproblems. Leipzig. 
Vesmír. Im Jahre 1897 wurde eine Reihe von Abhandlungen 
über die Böhmerwaldseen veröffentlicht. 


Inhalt. 


UR ua We o» wy dU V ACNRL. (e EHE UA EUR ICE a) sd 
Transport und Aufstellung der Hidgenden Station und Auszug aus dem Tagebuche . . . 


Die Flora des Schwarzen Sees und des Teufelssees und ihrer Umgebung. Von Karl Polák 


r 


TER GER S cote da 


Die Fauna der Umgebung des Schwarzen Sees und des 


Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Schwarzen See. Von Dr. J. Hannamann 


Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Teufelssee . . . . PN ETAPAS 


A. Der Sehwarze See. 


Lage, Grösse, Zuflüsse und die Entstehung des Schwarzen Sees . dieu EO D 
Die Tiefenmessungen . . . ql ‚ ec ME QUESTI RNC кух 
Temperatur, Farbe und Derchkichiigkeit: dos Schwarzen Вер «т 

Algen des Schwarzen Sees. Von Prof. Dr. A. Hansgirg 

Diatomeen des Schwarzen Sees. Von ern VOLU RENTEN NR IRRE EIN. ST M 


Fauna des Schwarzen Sees. 


Pelagische Fauna . . .. T nin ACT CU d EN A du Ew Meist 
2. Ufer- und Bodenfauna . . . " T bi A 
3. Verzeichniss der im RE Seo AIR ӨП Sue een 


B. Der Teufelssee. 


Lage, Grösse, Zuflüsse und Entstehung des Sees . . e . «een on ng. 
Die Tiefonmessungen ne E бу» А At Ue ALI N MUN е 
Temperatur, Farbe und Därchsiehtigkeit: ge. Wahsers des Teufelssees . . .. 


Fauna des Teufelssees. 


 Pelagische Paund siens e s E e УЛЫ? 
2. Ufer- und Grundfauna Sen T O DET Ra EE 
3. Bemerkungen zu den im Teufelssee gefundenen Arten . . . . . . .. 
4. Verzeichniss der im Teufelssee beobachteten Arten. . . e ue 


Vergleich der untersuchten zwei Bóhmerwaldseen mit anderen Seen Bóhmens und mit den 


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AE eich der Bóhmerwaldseen mit einander und mit den Riesengebirgsseen 
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. Vergleich der Böhmerwaldseen mit anderen hochgelegenen Gebirgsseen . 
g 


Literaturverzeichniss . . d е ў ылу jS FONTANA О RR ЛУ a 


A 
—офо— 


14 
28 
24 


28 
31 
88 
85 


36 


39 
42 


49 


62 
63 


66 


ZWEITER BAND. 
Zweiter Theil. 


II. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: : 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (II. Theil 
(Veraritten.) Drelsu oe ere tueur PS EEN EE fi. 2:60 
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthàlt : 
a) Prof. Dr. Ant. Frié: Die Wirbelthiere Bóhmens. 


Du Ы " j һ Die Flussfischerei in Bóhmen. 
LA NUS " o e Die Krustenthiere Bóhmens Preis. . ...-.- fl. 3:— 


V. Chemische Abtheilung. 
Prof. Dr. Em. Воѓіску: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure 
in den Gesteinen Bóhmens. Preis . .. es ee ы Ue u OD Ab. 
Preis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5'— 


DRITTER BAND. 


I. Topographische Abtheilung. 
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Коїіѕёка und 
Major R. Daublebsky von Sterneck EUIS i CAD UH areis b UU 


II. Geologische Abtheilung. 
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von 


Prof DA Eiu Donio Eon Prane (oos INR a ea ee fl. 1:— 
Il. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von 
Pro: Dy BINOS DREI en ee ск» н lore 
UI. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (1. Theil) von Prof. Dk 
@ їй АӨ qu UO HA LI FIC S DAC Sets Hd e SUE UON UR бүз ле к а. 2— 


ПІ. Botanische Abtheilung. і 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Gelakovsky. (IH. Theil 
Schluss.) Preis. ah ( Ыз oso АШ bU 


IV. Zoologische Abtheilung. 
L Heft. Die Myriopoden Böhmens von F. V. Rosicky. IOS еро тИ 60 kr. 
Il. Heft. Die Cladoceren Bóhmens von Bohuslav Hellich. Preise oe отт 


V. Chemisch-petrologische Abtheilung. 
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- un d Gesteinsanalyse 
von Pron Dr. ОСУ КИШ We xen nea ror ius tes VOTATO, 


VIE PDRP BAND. 


No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weisses 
berger und Malnitzer Schichten von Dr Anton Fri. Preis. .- d fi. 3° — 
No. 2. Erläu terungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von 
| J. Krejéí und R. Helmhacker ARE CARET E OREA ug "t as. fl. 4:50 
No. 3. Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. 
(IV. Theil) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . PM “Л. 240 
No. 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bóhmens von Prof. Dr. 
Em. Boricky und Jos. Klvana ee Ee SE EN NAU 
No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina un d Mrdlina von Prof. Ed. Pospích al 


fl. 1:— 
No. 6, Der Hangendflötzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 
АИА UV TA er EE EE EE .1l. 2— 


FÜNFTER BAND. 
No. 1, Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezné hory) 
und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejéí un d 
R. Helmhacker D , UA i dp rut RO ту жы бү Seno еее 
No. 2. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. III. Die Iser- 
schichten. Von Dr. Anton Frič. ` Mi omm 


No. 3, Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . “ШО 
No, 4, Die Lebermoose (Musci Hepatic Böhmens von Prof. Jos. Dédeéek. fl. 1'— 
No. 5, Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im 

mittleren Böhmen. Von Johann Krejčí ШЧ Karl Bolstmantel. i =- W А 
No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hensgirg. Н. 1:40 


SS E CH St PP BAND. 


No. 1. Über die Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national- 


No. 9 


No. 
No. 
No. 
No. 


3 


4. 


ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar- 
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil . . .fl.. 2:80 
Die Süsswasserbryozoen’Böhmens. Von Josef Kafka. . ``... H." 190 
Grundzüge einer Hyétographie des Königreiches Böhmen. Von Dr. F. J. 
SPEI OLI QIMA о, % A Aa Dae cao RI EE VERIS PPS ТАЛ 
Geologie des böhmischen Erzgebirges. II. Theil. Von Dr. Gustav C. Laube. 

fl. 12:50 


5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. І. Metamorphose 


6 


der Trichopteren. L Serie. Von Fr. Klapálek A е cao b vU 
.Prodromus der Algenflora von Bóhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton 
Hansgirg Ек ти H. 8— 


© 1 E ЕРЕ N DER BAND. 


Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. , fl 1.— 
Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer. 
sonrehton "won Bron Dre Ant ERO. US f Eu. | SE s . fl. 8— 
Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und 
Gesteine Bóhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos. 
ШӨ ШЕШ ӨТ e cot, BON AU oco Ww, MX ACE у Na ur EA NV Ee 
Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von 
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Die Myxomyceten Bóhmens von Dr. Lad. Celakovsky (Sohn). . . . .fl. 1:90 
Geologische Karte von Bóhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh Krejét. 
Mit Belauterung von КОДАШ A. EIOS Preis 20 u... ier iq ens Ds o) MOTA 


ACHTER BAND. 


Übersicht der Thä tigkeit der nature, Landesdurchforschung v. J. 1864 
bis 1890 von Prof. Dr. K. Kofistka Muer Bee E EN eg , fl. —:30 
Untersuchungen der Fauna d. böhm. Gewässer. I. Fauna d. bóhm. Teiche 
ТООСУ КН А Ee s a a Scu re a EE TE 
3. Monographie der Ostracoden Bóhmens. Von Wenzel Vávra . . ..fl. 260 


Prodromus der Algenflora von Bóhmen. Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton 
Hansgirg daba Ln Pase n Sla I MM SS M к А P eaa T ibi M Rabe E 

. Recente und fossile Nagethiere Bóhmens. Verfasst von Josef Kafka. 1l. 
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. I Metamorphose 
der Dnchopreren He Serie: Von Prot, Bav de pls u. И 1:80 


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Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. V. Priesener 
SICH chen. уоп, DIA КО К QUE LU SU t c Rt diy cd „Я. 19:25 
Untersuchungen über dieFaunader Gewässer Böhmens. IV. Die Thierwelt 
des Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar- 
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr. 
Dro ABOUT e dro qo E ETC 
Das Moldauthal zwischen Prag und K ralup. Eine petrograph. Studie von Josef 
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- Die chemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Bóhmens. I. Theil. 
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann .. ..f 150 
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ZEHNTENR BAND. 


Geologische Karte von Böhmen. Section IL. Entworfen von Prof. Dr, Amt КҮШ 
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Das ostböhmische Miocän von V. J. Procházka Wa P tare oH Le Т 
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. III. Untersuchung 
zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees, Durchgeführt auf der über- 
tragbaren zoologischen Station. Von Prof. Dr. Ant. Frič und Dr. V. Vávra . f. 250 


Druck von Dr, Ed. Grégr in Prag 1897 — Selbstverlag. 


WHITNEY LIBRARY, 
MUS. COMP, ZOOL. 


STUDEN 


im Gebiete der 


BÜHNISCHEN KREIDEPORMATIUN 


Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten. 


VI 


Die Chlomeker Schichten, 


VON 


Prof. Dr. ANT. FRIČ. 


Mit vielen Textfiguren. 


ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG 
VON BÖHMEN 


(Band X. Nro. 4. Geolog. Abtheilung.) 


egg 
PRA 6G. 
In Commission bei ER. ИТҮ АО. j 


"1897 


DAS ARKCHEFY 


für die 
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen 


I. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí, 
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. К. Kofistka und Prof. Dr. A. Erig, 


enthäit folgende Arbeiten : 


ERSTER BAND. 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 
a Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
b) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IL) von Prof. 
DI. ОЕА; 
c) Hóhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kofistka. Preis fl. Ar 
Preis der Karte app. . e er fl. 1:60 


IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: 

a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des »örd- 
lichen Böhmen von Prof. Johann Kreti. 

à) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Kreióf. 

c) Palàontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bóhm. 
Kreideformation u.s. үу. von Dr. Anton Fric, 

d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel. 
Preis I А, MP AS NM Tr mE OU een) 


III. Die Arbeiten der botanischen A th«ilung. Dieselbe enthält: | 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) 
СУТО ORDER o du E E e e "un eR A Bis 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
a) Verzeichniss der Käfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj. i 
L) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Ass 
stenten Alfred Slavik. 
c) Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer 
Jost n POT oe АО s ON o FI CV qr S Kon uc HS PV Le ИН 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis. . ... 25 kr 
Preis dos ganzen. Io Bandes (АИД. sv.) geb, un ee, Де БЕ 


ГУ BEITER BAND. 
Erster Theil. 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 

a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen- 
gebirges und seiner südlichen und óstlichen Vorlagen von Prof. Dr. Kar 
Koristka. 

b) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IIL) von Prof. 
Dr. Koristka. 

с) Höhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Kořistka: ў 

d) Höhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka Preis 
dieser Abtheilung ч z í jobs DN > 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält: 

a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens, 

5) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Prilep, Lísek, 51160, 
Holoubkow, Mireschau und Letkow. 

c) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun. 

d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und der Säzava. Preis ...... ў ДО 


П. Theil enthält: 
Dr. Em. Воїіску: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Böhmen® 
Preis AP ALT e Der aae UM, cie a MR а CA Re ao. ZU ae 
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. fl. 10'— 


E 


im Gebiete der 


BÖHMISCHEN KREIDEFORMATION. 


Palasontologische Untersuehungen der einzelnen Schichten. 


YT 


Die Chlomelker Schichten. 


Von 


Prof. Dr. ANT. FRIC. 


Mit vielen Textfiguren. 


(Archiv der naburwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen.) 


(Band X. Nro. 4. Geolog. Abtheilung.) 


PRAG. 


DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÁC. 


1897. 


VORWORT. 


Mit der vorliegenden Abhandlung über die jüngsten Schichten unserer 
Kreideformation beschliesse ich die Reihe der Studien, die ich im Jahre 1864 an- 
Sefangen und im Jahre 1869 zu veröffentlichen begonnen habe. 

Es sind dies die von uns als Chlomeker Schichten bezeichneten 
Sandsteine, welche den Priesener Schichten aufgelagert sind. Wir wählten diese 
Bezeichnung aus dem Grunde, weil auf der Localität Chlomek bei Jungbunzlau 
Zuerst ein zur Beurtheilung des palaeontologischen Charakters hinreichendes Ma- 
teria] aufgefunden wurde. Bevor dies geschah, wurden diese Schichten von Prof. 
Krejčí als Grossskaler Sandstein bezeichnet. Es sind dies Schichten, die meist als 
Ueberquader bezeichnet wurden und die in Bezug auf die Fauna den Schichten 
von Kieslingswalde aequivalent sind. 

Der einzige Fundort, welcher Geinitz und Reuss Material lieferte, war 
Kr eibitz, doch fehlten dort eben die für diesen Horizont bezeichnenden Arten, 
Weil daselbst nur die tiefsten Lagen der Chlomeker Schichten entwickelt sind. 
Die mangelhafte Erhaltung der Versteinerungen, die mit wenig Ausnahmen nur als 
Steinkerne vorliegen, erschwerte sehr die genaue Bestimmung und oft musste zur 
Anfertigung von Gypsabgüssen in die Negative geschritten worden, um wenigstens 
eine annähernd richtige Bestimmung zu ermöglichen. 

Palaeontologen, welche gewohnt sind mit prachtvoll erhaltenen Exemplaren 
aus Frankreich, England, Deutschland und von Mastricht zu arbeiten, sehen freilich 
Verüchtlich auf unser Material, aber uns bleibt nichts anderes übrig als es so zu 
Verarbeiten, wie es vorliegt, und eine Vervollkommnung unserer Arbeit der Zukunft 
zu überlassen. 

Wir werden sehen, dass im Bereiche der Chlomeker Schichten mehrere 
Petrefacten führende Horizonte vorkommen und auch die Gruppirung der Arten 
po dem Umstande variert, ob wir es mit Ablagerung in grósseren Tiefen oder 
mit Ufergebilden zu thun haben. 

1* 


Seit dem Erscheinen der Schriften von Walther ,Bionomie des Meeres“ 
ist der Werth solcher Arbeiten, wie es die vorliegende ist, ein sehr fraglicher und 
deren Durchführung eine ziemlich undankbare Sache, aber die begonnene Schil- 
derung der Aufeinanderfolge von palaeontologischen Horizonten unserer Kreide- 
formation musste vollendet werden und wird doch späteren Forschungen zur 
Basis dienen. 

Der Umstand, dass eine Anzahl von Arten Protocardium Hillanum, Car- 
dium productum und die Gattungen Acteonella, Nerinea und Keilostoma, die bei 
uns in den cenomanen Korytzaner Schichten auftraten, später verschwanden, um 
wieder in den Chlomeker Schichten aufzutreten, zeigt, wie sehr viel von den Facies- 
verhältnissen in Bezug auf das Erscheinen mancher Arten abhängt. 

In Bezug auf die Durchführung des illustrirten kritischen Verzeichnisses 
verfolgte ich dieselben Grundsätze wie in den früheren Studien, indem ich mit 
Rücksicht auf die einheimischen Freunde der Palaeontologie recht viele Abbil- 
dungen gab und in Bezug auf Citate der nicht abgebildeten Arten mich nur auf 
die bei uns leicht zugänglichen Schriften beschränkte. 

Bei den Gastropoden halfen mir die vorbereitenden Studien über die Ga- 
stropoden der böhmischen Kreideformation des Herrn Prof. Weinzettels, aus denen 
auch viele Abbildungen mit seiner Einwilligung entlehnt wurden, wofür ich ihm 
zum besten Danke verpflichtet bin. 

Eine Zusammenfassung der Gesammtresultate meiner Studien über die 
böhmische Kreideformation soll Gegenstand der nächsten Studie sein. 


Prag, im August 1897. 


Dr, 2. ETG, 


l. Charakteristik und Gliederung der Chlomeker Schichten. 


Die Chlomeker Schichten sind in Form von mächtigen Quadersand- 
Steinen entwickelt, die nur an wenigen Orten Petrefacten führen. Sie wurden theils 
als oberer Quader theils als Ueberquader bezeichnet, da die wenigen Petrefacten, 
die Sie führten, auffallend von denen des unteren cenomanen Quaders (Korytzaner 
Schichten) verschieden waren. 

Petrefacten dieses Horizontes wurden zuerst von Reuss und zwar von Krei- 
bitz angeführt,') aber als aus dem unteren Quader stammend betrachtet, reichten sie 
nicht hin das Alter dieser Schichten zu präcisiren; dann wurden von Geinitz ?) 
Mehrere Arten erwähnt. 

Während man ausserhalb von Böhmen im Glatzischen durch die Arbeit 
von Geinitz über Kieslingswalda") über den Reichthum der Fauna belehrt wurde, 
blieben wir bei uns in den ersten Jahren der Landesdurchforschungsarbeiten ganz 
Im unsicheren über den palaeontologischen Charakter dieser Quader, welche stellen- 
Weise auf den Priesener Schichten gelagert erschienen, stellenweise aber direkt 
den älteren Quadern der Iserschichten auflagerten, ohne dass zwischen denselben 
еше Grenzsehicht erkannt werden konnte. Zu dieser Zeit nannte sie Prof. Krejčí 
die Grossskaler Sandsteine. Erst nachdem am Chlomekberge bei Jungbunzlau und 
beim Eisenbahnbau am Tannenberge zahlreiche Petrefacten gefunden wurden, er- 
kannten wir ihre Ähnlichkeit mit denen von Kieslingswalda.*) 

Da uns die Localitit Chlomek zuerst in Böhmen hinreichendes Material 

an Petrefacten lieferte, so benannten wir diese Schichten Chlomeker Schichten. 
Namentlich war es Cardium Ottoi, welches uns die Gleichältrigkeit mit Kieslings- 
Walda erwies, 
3 Die Hauptmasse der Chlomeker Schiehten besteht aus Quadersanden, welche 
Im Habitus kaum von den Kokofiner Quadern der Iserschichten abweichen, aber 
Viel mürber sind und leicht verwittern. Dass nicht alle diese Quaderpartien bereits 
Verschwunden sind, hat man den Dasalten zu verdanken, von welchen sie vielfach 
durchbrochen sind und wie von Nägeln festgehalten werden. (Vergl. Priesener 
Schichten Profil. Nr. 20, 21, pag. 37, 88.) 


') Reuss. Verst. z. B. p. l'haladomya caudata II. p. 18. 
?) Das Quadersandgebirge, p. 60. 
?) Versteinerungen von Kieslingswalda, 1843. 


am 


*) Archiv für Landesdurchf. I. Band II. p. 167. 


ei ni 


a. i i get 


Fig. 1. Partie der Chlomeker Sandsteine unweit des Marienfelsens in Grossskal (Bad Wartenberg). 
1. Feste Schichte mit grossen wagrechten Höhlungen. 2. Schichte mit unregelmässig vertheilten 
Höhlungen. 3. Schichte mit kleinen in Reihen gestellten Höhlungen nach Spongien. 4. Oberhalb 
des festen Sandsteins liegende Schichte mit zwei regelmässigen Reihen von Höhlungen. 5. Sandstein- 
conglomerat mit Reihen von rundem Gerölle und einer weicheren mit Höhlungen versehenen Schichte. 


Dasliegende der Chlomeker Quader sind in der Regel die Priesener 
Schichten, wie man das deutlich in der Linie zwischen Böhm. Kamnitz und Krei- 
bitz, dann bei Dneboh am Fusse des Muskiberges bei Münchengrätz (Priesener 
Schichten pag. 39), bei Chlomek und an mehreren anderen Orten beobachten kann. 
Oft verdeckt, aber der von den verwitterten Quadern herrührende Sand ganz das 
Liegende und nur zahlreiche Quellen und üppige Vegetation verrathen das Vorhan- 
densein der fetten Mergel der Priesener Schichten z. B. beim Bad Wartenberg 
und bei Sobotka. (Fig. 2.) 

Nordóstlich von Turnau bei Zbiroh und Vodérad liegen die Chlomeker 
Quader direkt auf den Iserschichten, so dass die Grenzschichte nicht nachweisbar 


Fig. 2. Chlomeker Schichten unterhalb des Muskiberges bei Waldek unweit Münchengrätz. Die Basis der Wände ist durch das Verwitterungsprodukt 
der Quader in Form losen Sandes verdeckt. 


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ist. Dies führte uns in den ersten Jahren 
der Arbeiten zu der irrigen Ansicht, 
dass die Priesener Sehichten an die 
Grossskaler Quader bei Wartenberg nur 
angelagert und daher jünger seien als 
die Quader selbst. 

Ein Hangendes der Chlomeker 
Schichten giebt es eigentlich nicht, 
denn dies sind die jüngsten Ablage- 
rungen unserer Kreideformation, welche 
dann nur selten mit etwas diluvialem 
Lehm oder bloss von der Ackerkrume 
bedeckt sind. 

Die Lagerung der Quader der 
Chlomeker Schichten ist durchwegs ho- 
rizontal und auf dem Wege von Tan- 
nenberg nach Schönlinde kann man die 
wagerechte Anlagerung an das Urge- 
birge gut beobachten. Die höchste 
Schichte der Sandsteine ist sehr reich 
an Pectuneulus Geinitzii, welcher das 
letzte Thier der Kreideperiode bei uns 
in Bóhmen darstellt.*) 

Bezüglich der Lagerung der Chlo- 
meker Schichten in ihrem Verhältnisse 
zu den älteren Schichten unserer Krei- 
deformation dürfte man aus dem in 
Fig. 3. gegebenen schematischen Profil 
die richtige Anschauung gewinnen. Im 
ganzen sieht man, dass vom westlichen 
Rande bei Tissa die Schichten alle 
mässig nach Osten einfallen. Die ceno- 
manen Korytzaner Schichten, die 
bei Tissa in einer Seehöhe von 565 m 
anstehen, liegen in Tetschen schon nahe 
dem Wasserspiegel in 120 m Seehöhe, 
wo sie zuweilen mit ihrer charakte- 
rischen Versteinerung dem Pecten asper 
aufgedeckt werden; nach Osten hin 
verschwinden sie ganz. 

Die sandigen Facies der Weissen- 
berger Schichten mit Inoceramus, 

*) Uiber die Lagerungsverhältnisse ver- 
handelt Prof. Krejčí im Archiv für Landes- 
durchforschung I. B. II. Abth. p. 50, 129, 157. 


9 


Welche die eigentlichen malerischen Felswände oberhalb Tissa in einer Seehöhe 
von 615 m bilden, erheben sich in dem Elbethal bei Tetschen nur noch zur Höhe 
von 295 m, um auch nach Osten hin ganz zu verschwinden. (Die Malnitzer Schichten 
wies ich am Fusse des Schneeberges nach 530 m.) 

Die Iserschichten bilden den Hohen Schneeberg in einer Höhe von 
719 m, bilden im Elbethal die höchsten Gipfel der malerischen Sächsischen Schweiz 
bis zu einer Höhe von 443 m (Prebischtthor), fallen dann bei Dittersbach stark 
nach Osten ein und bei Rennersdorf liegen ihre höchsten Lagen nur noch in 371 m, 
um unter den Priesener Schichten zu verschwinden, 

Diese grauen feuchten Letten bei Limpach in einer Seehöhe von 400 m 
verrathen sich überall durch die üppige Vegetation, durch Binsen, Krautfelder und 
reiche Obstbaumzucht. Sie umsäumen die Basis der Chlomeker Schichten, unter 
denen sie bei Kreibitz und B. Kamnitz verschwinden. Die darauf liegenden Quader 
der Chlomeker Schichten, deren Basis in Kreibitz etwa 352 m beginnt, und am 
Dachsenstein 600 m beträgt, haben demnach eine Mächtigkeit von beiläufig 
258 m. 

Die Petrefactenreichen oberen Schichten im Bahnhofe Tannenberg liegen 
etwa 544 m Seehöhe, was desshalb interessant ist, weil die Gosauer Schichten am 
Wolfgang-See, die meiner Ansicht nach mit den Chlomeker Schichten gleichaltrig 
Sind, fast in derselben Höhe liegen und zwar vom 539 m (Wasserspiegel des Sees) 
bis circa 559 m (Hotel Peter). 

Das Auftreten der Chlomeker Schichten in Böhmen ist auf den von uns 
Publieirten Geol. Karten Section II. und III. unter dem Titel Grossskaler Sand- 
Stein angedeutet. Die nördliche Partie liegt nördlich von Böhm. Leipa 
und reicht von da bis oberhalb Kreibitz, der Breite nach erstreckt sie sich von 
Böhm. Kamnitz bis klein wenig nach Osten von Zwickau. 

Die südlichere Partie ist in isolirten Partien östlich vom Iser- 
flusso bei Jungbunzlau und Sobotka, dann von der Gegend von Turnau bis gegen 
Jičín zerstreut, 

Die beiden Partien waren gewiss einmal im Zusammenhang und der da- 
Malige Meerbusen reichte viel weiter, als es die noch erhaltenen Sandsteine an- 
deuten. Bei Kieslingswalda war einst das östliche Ufer, an dem sich vor dem Zu- 
Tückziehen des Kreidemeeres aus Böhmen die mächtigen conglomeratigen Sand- 
Steine ablagerten, deren sparsame Reste nun die Hirtensteine darstellen. 

Die Verwitterung der senkrechten Flächen der Ohlomeker Quader seht 
Sehr regelmässig vor sich, denn es bleiben in ungleichen Abständen horizontale 
dünne, feste Schichten stehen und der zwischen ihnen gelegene lockere Sandstein 
Wird durch Wind und Regen nur theilweise erodirt, so dass ungleich grosse ovale 
Oder unregelmässige Höhlungen entstehen, die durch verschieden starke Säulchen 
getrennt werden. (Fig. 4.) 

Erinnert man sich, dass das Vorkommen von Höhlungen in den ähnlichen 
Quadern der Iserschichten (Isersch. p. 67. 133.) als von Schwämmen herrührend 
nachgewiesen wurde, so liegt der Gedanke nahe, dass auch hier organische Pro- 
dukte des Meeres die Bildung dieser nun in Reihen stehende Höhlungen vorbe- 
reitet haben. 


10 


Es erscheint wahrscheinlich, dass in gewissen Zeiträumen sich der Boden 
des Meeres mit Schwämmen deckte, welche dann von Sand zugedeckt wurden, der 
nun die festere nicht verwitternde Lage des Quaders darstellt. (Fig. 4. d) 


Fig. 4. Chlomeker Quader mit Reihen von senkrechten Hühlungen nach 
Spongien; (а) die durch feste Lagen (d) von einander getrennt sind. 
(Bad Wartenberg unweit des Marienfelsens.) 


Die Produkte der zerfallenen Chlomeker Quader decken oft als weisser 
Sand ausgedehnte Partien und wurden bisher als Diluvialsande aufgefasst, z. В. 
bei Tfni$t. Zuweilen werden die Chlomeker Sandsteine auch zu Wohnungen und 
Kellerräumen benützt, wie man das z. B. bei Einsiedlerstein (Fig. 5.) wahrnimmt. 


Fig. 6. Dünnschliff des Gesteines vom Tannen- Fig. 7. Dünnscbliff des Gesteines von Kreibitz, 
berge, 48m. vergróssert."d]Brauner,pflanzlicher ^ vergróssert 48mal. № Quarzkórner, « Kohlen- 
Detritus, k Quarzkórner, u Kohlentrümmer, trümmer, g Glauconit. 

r rostrothe Körner und Platten. 


Fig. 5. Der Einsiedlerstein bei Böhm. Leipa. Isolirte Scholle der Chlomeker Sandsteine, Nach einer Photographie des Herrn Eckert. 


Die mikroskopische Untersuchung an Gesteinschliffen war nur an den fei- 
neren Petrefactenführenden Schichten möglich und verdanke ich die Anfertigung 
der Praeparate dem Herrn Dr. Jar. Perner. 

Das eine Turritella füllende gelbliche Gestein vom Та nnenberg (Fig. 6.) 
zeigt eckige Quarzkórner in einer braunen wahrscheinlich aus pflanzlichem Detritus 
bestehenden Grundmasse, der nur spärliche pechschwarze Kohlentrümmer und ein- 
жеше licht rostrothe Körner und Platten beigemischt sind. Kalkspathtrümmer sind 
selten und von Foraminiferen keine Spur wahrzunehmen. 

Das einen Steinkern von Cucculaea bildende Gestein von Kreibitz 
(Fig. 7.) zeigt ein ganz verwaschenes Bild, an dem die Contouen der Quarz- und 
Kalkspathkórner undeutlich sind. Glauconitkörner sind gross und deutlich, Kohlen- 
trümmer spärlich, von organischen Resten nichts wahrnehmbar. 

Das graue Gestein aus einem Ammoniten von Kieslingswalda (Fig. 8.) 
zeigt grosse eckige Brocken von Quarz und Kalkspath, dann braune unregelmässige 
Trümmer von Pflanzendetritus, rostrothe Kerne (r), Kohlendetritus (и) und Glau- 
conit (9). Die grünliche Färbung mancher Gesteinsvarietäten rührt von Anhäufung 
des Glauconits her. 


Fig. 8. Dünnschliff des grauen Gesteines von Kies- Fig. 9. Dünnschliff des sogen. Eisensteines von 

lingswalda, 48mal vergróssert. Æ Quarzkórner, Kieslingswalda, 48mal verer. л Quarzkörner, 

b braune Trümmer, u Kohlendetritus, r rostrothe е Kalkspath, r rostrothe Kerne, u Kohlen- 
Kerne, e Kalkspath, g Glauconit. detritus, b Pflanzenreste, y Glauconit. 


Die festen in Platten auftretenden petrefactenreichen Kalksteine, welche in 
Kieslingswalda ihrer Festigkeit wegen „Eisenstein“ (Fig. 9.) genannt werden, zeigen 
am Dünnschliffe ein dichtes Gemenge von kleinen unregelmüssigen Quarz- und 
Kalkspathkernen in einem braunen Magma eingebettet, das wohl pflanzlichen Ur- 
sprungs sein mag, denn man gewahrt (z. B. bei Fig. 9. b) hie und da deutliche 
Pflanzenfasern. Rostrothe Kerne, Glauconit und Kohlentrümmer sind auch hier 
eingestreut. Foraminiferen fehlen auch hier. 


RA 
o2 


Endlich wurde auch ein Dünnschliff 
eines festen grauen Gesteines mit Am. 
subtricarinatus aus den Prachover 
Felsen bei Jitin angefertigt. (Fig. 10.) 
Dieser zeigte meist grosse abgerundete 
Quarzkórner und sparsame Kalkspath- 
reste in einem braunen Magma ein- 
gebettet. 


Bei Betrachtung dieser Schliffe ist 
es auffallend, dass nicht die geringste 
Spur von Foraminiferen und Spongien- 
nadeln wahrzunehmen war, die doch 
für die übrigen Kreideablagerungen bei Vig. 10. Dünnschliff einer grauen Coneretion aus 
uns so bezeichnend. sind. den Prachover Felsen, vergr. 48mal. d Brauner 

Detritus, % Quarzkörner, c Kalkspath. 


Der palaeontologische Charakter der Chlomeker Schichten. 


Die in den Chlomeker Schichten vorkommenden Arten zerfallen in mehrere 
Gruppen. Vor allem ist eine nahmhafte Zahl derer, welche durch alle Schichten 
unserer Kreideformation entweder schon von den Korytzaner cenomanen oder we- 
higstens von den Turonen Weissenberger Schichten angefangen durch alle jüngeren 
Schichten hindurchgehen. 

Mehrere haben die Chlomeker Schichten mit den Priesener gemeinschaftlich, 
Ohne dass sie früher vorgekommen wären und zwar: 


Ammonites Tannenbergicus Aporhais n. sp. 

Scaphites binodosus Liepodesthes papilionacea 
Hamites bohemicus Acteon doliolum 

Trochus Engelhardti Cylichna eylindracea 
Solarium baculitarum Leda siliqua 

Scalaria Philippi Hemiaster regulusanus. 


Aporhais arachnoides 


Zum erstenmale treten in den Chlomeker Schichten 108 Arten auf, die in 
hachfolgendem Verzeichniss aufgezählt sind. 


Verzeichniss der Arten, die in den Chlomeker Schichten zum 
erstenmale auftraten. 


Nautilus sinuatoplicatus, Gein. Hamites Roemeri, Gein. 
Ammonites Tannenbergieus, Fr. et Sch. Hamites Denn, Phil. 
Hamiteg Striatus, Fr. et Schl. Helicoceras ellipticum, Mant. sp. 


Hamites trinodosus, Gein. Baculites incurvatus, Duj. 


14 


Daculites Gallischi, Fr. 
Turritella nodosa, Róm. 
Turritella sexlineata, Róm. 
Turritella nerinea, Róm. 
Turritella iniqueornata, Drescher. 
Omphalia ventricosa, Drescher. 
Natica acutimargo, Róm. 

Natica Geinitzii, D'Orb. sp. 
Xenophora onusta, Nils. sp. 
Trochus tuberculatocinctus. 
Margarita radiatula, Forb. sp. 


Keilostoma labiatum, Weinzettl. 
ChemnitziaKieslingswaldensis 


Weinz. 
Aporrhais anserina, Nils. 
Aporrhais arachnoides, Müll. sp. 
Rapa costata, Röm. 
Rapa quadrata, Sow. sp. 
Tritonium proserpinae, v. Münst. 
Fusus plicatus, Röm. 
Cerithium Chlomekense, Weinz. 
Cerithium fasciatum, Reuss. 
Voluta semiplicata, Münst. 
Nerinea cf. Buchi, Zeck. 
Acteonella Beyrichii, Drescher. 
Avellana Humboldti, Müll. 
Avellana sculptilis, Stol. 
Ringicula Hagenovi, Müll. 
Dentalium laticostatum, Reuss. 
Dentalium decussatum, Sow. 
Cardium Ottoi, Gein. 
Jardium Becksii, J. Müller. 
Astarte multistriata, Sow. 
Crassatella tricarinata, Róm. 
Crassatella Bockschii, Gein. 
Cyprina rostrata, Sow. 
Cyprimeria Geinitzii, Müll. sp. 
Trigonia alaeformis, Park. 
Nucula impressa, Sow. 
Pectunculus Geinitzii, D’Orb. 
Arca tenuistriata, Reuss. 
Arca Raulini, D’Orb. 
Arca cf. vendinensis, D’Orb. 
Mytilus lineatus, Sow. 
Mytilus reversus, Gein. 


Mytilus Galienei, D'Orb. 

Mytilus inornatus, D'Orb. 

Solen Guerangeri, D'Orb. 

Solen lamellosus, Reuss. 
Modiola flagellifera, Forb. 
Modiola typica, Forb. 
Pholadomya designata, Goldf. 
Mactra porrecta, Gein. 
Anatina lanceolata, Gein. 
Tellina plana, Róm. 

Tellina costulata, Goldf. 

Venus Goldfussi, Gein. 
Venus faba, Sow. sp. 

Venus fabacea, Róm. 

Avicula triloba, Róm. 

Corbula striatula, Sow. 

Gerwillia Holzappeli Fr. 
Gerwillia ovalis, Fr. 
Clavagella elegans, Müll. 
Inoceramus Geinitzianus, Stol. 
Inoceramus paradoxus, L. et G. 
Plicatula inflata, Sow. 

Ostrea Longirostris, Lam. 
Paleocorystes callianassarum, Fr. 
Hoploparia sp. 

Callianassa Faujassi, Desm. sp. 
Callianassa n. sp. 

Hemiaster sublacunosus, Gein. 
Cardiaster Cotteanus, Otto. 
Cardiaster ananchytis, Leske. 
Asplenites dubius, Vel. 
Pteridoleima durum, Bayer. 
Smilax panartia, Bayer. 

Myrica acutiloba, Brongn. 

Alnus Kefersteinii, Ung. 

Quercus pseudodrymeja, Vel. 
Quercus westfalica, Hos. et v. d. MK. 
Quercus Velenovskyi, Bayer. 
Ficus fracta, Vel. 

Credneria superstes, Vel. 
Dryandroides quercina, Vel. 
Dryandroides geinoglypha, Bayer. 
Cocculus extinctus, Vel. 
Cinnamomum personatum, Bayer. 
Laurus affinis, Vel. 


15 


Ld 
Pisonia atavia, Vel. Rhus eretacea, Vel. 
Platanus onomastus, Bayer. Cissites crispus, Vel. 
Prunus cerasiformis, Vel. Aralia Chlomekiana, Vel. 
Cassia melanophylla, Vel. Phillyrea Engelhardti, Vel. 
Cassia atavia, Vel. Bignonia silesiaca, Vel. 


Auffallend ist der Mangel an Foraminiferen, der wohl nicht ganz auf der 
Gesteinsbeschaffenheit beruhen kann und wohl noch andere Gründe haben muss. 

Bei Vergleich der Chlomeker Schichten mit auswärtigen Ablagerungen 
ähnlichen Alters ist es vor allem klar, dass wir es mit demselben Niveau zu thun 
haben, wie es aus der Gegend von Löwenberg in Schlesien von R. Drescher *) be- 
Schrieben wurde. Namentlich sind folgende Arten die unsere Fundorte mit denen 
von Lówenberg gemeinschaftlich haben hervorzuheben: 

Ammonites subtriearinatus, Baeulites incurvatus, Glauconia (Omphalia) 
ventricosa, Turritella nodosa, Turritella iniqueornata, Turritella nerinea, Acteonella 
Beyrichii, Aporhais vespertilio, Voluta semiplicata, Cardium Ottoi, Pholadomya 
nodulifera. Anatina lanceolata, Trigonia alaeformis ебе. 

Die Vergleichung mit den Gosauablagerungen ist schon schwieriger wegen 
der bedeutenden Faciesverschiedenheit, doch ist eine Reihe wichtiger Petrefacten, 
die auf die Gleichalterigkeit dieser Schichten mit den Chlomeker hinweisen. 

Vor Allem ist Cardium Ottoi anzuführen und Modiola flagellifera. Ausser- 
dem ist das Auftreten der Gattungen Omphalia und Acteonella, wenn auch in an- 
deren Arten auffallend. 

Die von Schlónbach versuchte Parallelisirung mit den Schichten des Be- 
lemnites Mercei entbehrt aller reeler Basis, denn das von Chlomek herrührende 
einzige abgerollte Fragment ist absolut unbestimmbar. 

Es ist sehr zu bedauern, dass die Belemniten bei uns nicht zur praecisen 
Altersbestimmung mithelfen, doch darf man vermuthen, dass die Chlomeker Schichten 
älter sind als die Schichten mit Belemnitella quadrata im nördlichen Deutschland. 
Jedenfalls haben sie sich unter anderen Faciesverhültnissen, mehr als Uferablage- 
rungen gebildet. 


*) Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 1863. Band XV. p. 291. 


1 
i 
| 


П. Beschreibung der im Bereiche der Chlomeker Schichten 
untersuchten Localitäten. 


Seit dem Jahre 1864 bis in die letzten Jahre wurde den Chlomeker Schichten 
gelegentlich der Begehungen Aufmerksamkeit gewidmet, aber die Armut an Petre- 
facten war Ursache, dass man ihren palaeontologischen Charakter lange nicht 
sicherstellen konnte, bis zwei wichtige Aufschlüsse von Chlomek bei Jungbunzlau 
und der Eisenbahneinschnitt am Tannenberg Licht in die Sache brachten. 

Im Jahre 1864 beging ich mit Prof. Krejčí die Gegend vom rechten Elbeufer ab 
bis an das Jeschkengebirge. 

1865. Untersuchte ich die Gegend zwischen Jungbunzlau und dem Kozákow und 
nahm genau das Profil am Chlomekberge bei Winafic auf. 

1867. Unternahm ich einen Ausflug nach Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz. 

1868. Beuteten wir den Eisenbahneinschnitt in Tannenberg aus. 

1883. Sammelte der Museumsassistent J. Kafka längere Zeit in Kieslingswalde 
und nahm Detailprofile auf. 

1887. Untersuchte ich die Gegend von Wartenberg und machte das Profil von dort 
gegen den Kozákov. 

1893. Untersuchte ich nochmals die Gegend von B. Kamnitz, Dittersbach, Kreibitz, 

Tannenberg und Böhm. Leipa, dann den Chlomekberg bei Jungbunzlau. 
1895 und 1896. Ordnete und studirte ich das Material aus den Chlomeker Schichten 

und führte die Aufstellung der Sammlung der B. Kreideformation im Mu- 

seum durch. 

Ferner besuchte ich die Sammlungen in Salzburg, Dresden und Berlin und 
machte mehrere Ausflüge in der Gosauformation am Wolfgangssee, wobei ich die 
schöne Sammlung des Herrn Bezirksrichters Aust in St. Gilgen kennen lernte. 

1897. Besuchte ich nochmal Kieslingswalda, besichtigte die Sammlung 
des Herrn Lehrers Gallisch in Niederlangenau, dann das Museum in Breslau, 
die Sammlung des Herrn A. Langenhan in Liegnitz, des Naturforschenden Vereins 
in Górlitz und das Museum in Linz. 


Im Ganzen wurden 14 Localitäten besucht und über 200 Arten in vielen 
Exemplaren den Museumssammlungen eingereiht. (Im Saale Nr. 5 des neuen Mu- 
seums sind jetzt alle Originale, über die in meinen Studien gehandelt wurde, auf- 
gestellt.) 


17 
1. Chlomekberg bei Vinařice. 


Im Süden von Jungbunzlau erhebt sich der Chlomekberg, der aus grauen 
Mergeln der Priesener Schichten besteht, die nach oben hin mit 5 Bänken von 
festeren und mürberen Sandsteinen wechsellagern. Ein im August 1865 am süd- 
lichen Abhange aufgenommenes Profil fand ich im Jahre 1891 derart verwachsen, 
dass es nicht wieder zu erkennen war. Beim ersten Besuche fanden wir in den 
Sandsteinen ausser Spongiten kein einziges Petrefact. In den Mergeln ein Fragment 
non Schlönbachia Texana. Später erfuhren wir von Prof. Em. Purkyně, dass man 
beim Graben von Gründen zu einem Schafstalle in Winařic auf dem Berge 


Fig. 11. Profil der oberen Partie der Schichten des Chlomekberges bei ;Vinafic, aufgenommen im 

Jahre 1865. 1, 3, 5, 7 graue merglige Pläner vom Aussehen der Priesener Schichten. 2, 4. feste 

Sandsteinbänke mit Pflanzenresten und Fucoiden, 6. Mürber brüunlicher Sandstein, der in einem 

Steinbruch abgebaut wird. 8, 9. Schwache Bünke etwa in dem Niveau, in welchem weiter ostwärts 
die petrefactenreichen Schichten gefunden wurden. 


Chlomek auf Petrefacten führende Sandsteine gekommen sei. Ich reiste sogleich hin 
und fand beim Verwalter Herrn Honzík eine Menge von Petrefacten, aber der 
Sandstein war so mürbe, dass er untransportabel war und wir mussten die Stücke 
mit Leinwasser tränken, um sie mitnehmen zu können. Später wurden festere Lagen 
aufgeschlossen und unser Petrefactensammler Staska arbeitete dann mehrere Wochen 
daselbst und brachte Hunderte von Exemplaren von diesem Fundorte, der seit- 
dem ganz unzugänglich wurde, mit. Dies war nun zum erstenmale, dass wir die 
Fauna der Quader, welche über den Priesener Schichten lagern, kennen lernten 


9 


E 


18 


und desshalb nannten wir diese Schichten „О hlomeker*. Wir erkannten bald die 
Ähnlichkeit der Fauna mit der von Kieslingswalda und machten schon im I. Bande 
des Archivs für Landesdurchforschung davon Erwähnung (II. pag. 59, 129 u. 157). 

Der Erhaltungszustand der Petrefaeten dieses Fundortes deutet darauf hin, 
dass sie im Bereiche der Uferbrandung lebten und abgelagert wurden, denn ihre 
Schalen, wo sie sich erhalten haben, sind auffallend dick von krystalisirtem Kalk- 
spathe gebildet und meist ganz abgerieben. In anderen Fällen fehlt die Kalkschale 
und ausser dem glatten Steinkern hat man vor sich ein gutes Negativ der Aussenflüche 
der Schale das Gelegenheit zur Anfertigung von guten Gypsabgüssen bietet. Das 
Gestein, in dem sie liegen, ist ein mürber grobkörniger Sandstein ganz mit dem 
übereinstimmend, der die Quader der Chlomeker Schichten zwischen Vinaric, S0- 
botka und Grossskall bildet. Diese Petrefaeten führenden Schichten sind die obersten 
der am Chlomekberge abgelagerten. Bei einem vor 2 Jahren hierher gemachten 
Ausfluge fand ich keine Spur dieser so reichen Schichten und auch die Tradition, 
dass dieselben einmal vorkamen, ging ganz verloren. 

Die festen Bänke, welche mit den höchsten Lagen der Priesener Schichten 
wechsellagern, sind vorerst sehr feste Sandsteine mit undeutlichen Spuren von 
Pflanzenresten ähnlich wie sie nördlich von Böhm. Leipa vorkommen; die höheren 
Lagen sind mürber, grobkórniger und werden in einem Steinbruche ausgebeutet. 


Verzeichnis der beim Meierhofe auf dem Chlomek-Berge beim 
Grundgraben zu einem Schafstalle gesammelten Arten. 


Ottodus appendiculatus, Ag. 
Nautilus Reussi, Fr. 

Scaphites binodosus, Róm. 
Baculites incurvatus, Duj. 
Turritella sexlineata, Róm. 
Turritella iniqueoruata, Dresch. 
Turritella Noegerathiana, Goldf. 
Natica acutimargo, Róm. 
Natica dichotoma, Gein. 
Margarita radiatula, Forb. sp. 
Turbo decemeostatus, v. Buch. 
Trochus Engelhardti, Gein. 
Xenophora onusta, Nils. 

Rissoa Reussi, Gein. 

Solarium baculitarum, Gein. 
Keilostoma labiatum, Weinz. 
Aporrhais megaloptera, Reuss. 
Aporrhais stenoptera, Goldf. 


Liepodesthes papilionacea, Goldf. sp. 


Кара cancellata, Sow. 
Fusus Nereidis, Münst. 


Tritonium Proserpinae, Münst. 
Cerithium fasciatum, Reuss. 
Cerithium Chlomekense, Weinz. 
Voluta semiplicata, v. Münst. 
Voluta elongata, Sow. sp. 
Mitra Roemeri, D'Orb. 

Acteon Doliolum, Müll. 
Avellana Humboldti, Müll. 


(Cyprina) Venilicardia van Reyi, Bosq. 


Mutiella ringmerensis, Mantel. 
Eriphyla lenticularis, Goldf. sp. 
Trigonia alaeformis, Park. 
Nucula semilunaris, v. Buch. 
Nucula pectinata, Sow. 
Nucula impressa, Sow. 
Pectunculus Geinitzi, D'Orb. 
Area subglabra, D'Orb. 

Area cf. pholadiformis, D'Orb. 
Arca sp. 

Mytilus lineatus, Sow. 
Clavagella elegans, Müller. 


19 


Dentalium glabrum, Gein. 
Dentalium laticostatum, Reuss. 
Dentalium medium, Sow. 
Cardium productum, Sow. 
Cardium Beksii, Müll. 
Protocardium Hillanum, Sow. 
Crassatella regularis, D'Orb. 
Crassatella sp. 


Solen compressus. 

Solen Guerangeri, D'Orb. 
Gaeniaemya designata, Goldf. 
Pholadomya aequivalvis, Goldf. 
Mactra porrecta, Gein. 

Tellina plana, Röm. 

Tellina strigata (?), Goldf. 
Venus fabacea, Röm. 


Corbula striatula, Sow. 
Avicula triloba, Römer. 
Gerwillia solenoides, Defr. 
Inoceramus Cuvieri (?) 
Lima granulata, Desh.? 


Ostrea hippopodium, Nils. 
Ostrea frons, Park. 


Anomia subtruncata, D,Orb. 


Petalopora seriata, Nov. 
Serpula gordialis, Goldf. 


Vola quadricostata, Sow. Serpula socialis, Goldf. 

Exogyra lateralis, Nils. Knollen, welehe vermuthlich Spongien 
Exogyra laciniata, D'Orb. angehóren. 

Cylichna expansa, Fr. 


2. Umgebung von Turnau, Wartenberg und Jičin. 


Die Lagerung der mächtigen Quadersande der Chlomeker Schichten zwischen 
Sobotka, Turnau und Jičin ist an den in der Studie über die Priesener Schichten 
U 37. KT ОЛ Fig. 20., 21.) gegebenen Profilen ersichtlich. Man sieht daselbst, 
wie sie den Priesener Schichten aufgelagert sind, die sich auch da, wo sie mit 
Sand der verwitterten Quader maskirt sind, durch Quellen kenntlich machen. 

Den sie manigfach durchbrechenden Basalten hat man ihre Erhaltung bis 
auf den heutigen Tag zu verdanken. 

Diese Partie der Chlomeker Quader ist äusserst arm an Petrefacten und 
während man z. B. bei Grossskall nicht die geringste Spur von Versteinerungen 
aufzufinden im Stande ist, ist in den Steinbrüchen am Fusse der Trosky die 
emzige Pinna decussata sichergestellt worden. 

Aus den Prachower Felsen erhielt ich von Dr. Erben ein Fragment von 
Am. subtricarinatus aus einem festen grauen Knollen. 

Aus der Gegend von Sobotka erhielt ich von Prof. Bernard eine Phola- 
domya nodulifera. 

Südlich von Jiéin sind die Chlomeker Sandsteine nur noch bei Podhrad 
ausstehend, wo sie auf Priesener Schichten liegen, und 9 Bänke von Sandstein 
erkennen lassen, zwischen welchen oben dreimal graue Latten eingelagert sind, aus 
denen aber keine Petrefacten bekannt sind. 

Die tiefste der ausgebeuteten Sandsteinbänke wird von den Arbeitern 
„б ра1 ку“ genannt nnd hat 3:9 m Mächtigkeit, darauf folgt die beste untere 
“age 8 m und eine mittlere 2 m, auf welche eine 1 m starke conglomeratige 
Schichte folgt, die „Svrabäk“ genannt wird und undeutliche Abdrücke von kleinen 
Muscheln enthält. 


9k 


20 


Nun folgen die oberen Felsen „Svrchní skály“ 8'0 m, auf denen eine 
Lage von grauen Mergeln liegt, die den Priesener Schichten ähneln und ganz 
merkwürdig unterschlagene schwache Sandsteinbänke zeigen. 

Nun folgen Schleifstein-Schichten „Brusäk“, dann eine Sandsteinschichte 
,Cokle*, dann eine quarzige Bank „Baby“. 

Zuletzt kommen drei sandige Lettenlagen, die durch schwache feste Sand- 
steinbänke getrennt sind. 

Das genaue Studium dieses Steinbruches würde eine wünschenswerthe 
Aufgabe eines Geologen in Jiéin bilden. 


3. Umgebung von Böhmisch Leipa. 


Nördlich von Böhmisch Leipa kann man die Randgebilde der Chlomeker 
Schichten studiren. Sie treten in Form von festen Blöcken auf, die z. D beim 
Graben eines Brunnens bei der Ackerbauschule auf den höchsten Lagen der Prie- 
sener Schichten aufgefunden wurden. 

Dieselben kann man auch in den Eisenbahneinschnitten beobachten, z. D. 
auf der Rampe beim Schranke am Eichberge, wo sie Spuren von Blattabdrücken 
und Muscheln zeigen. Einen solchen losen aus den Chlomeker Schichten ausge- 
waschenen Block trafen wir im Jahre 1865 auf einem Felde zwischen В. Leipa 
und Pisnik. Derselbe war reich an Blattabdrücken und wir sprengten denselben 
und machten eine reiche Ernte. Die bedenkliche Controverse, die wir dann mit 
dem Besitzer des Feldes wegen Zerschlagung des Steines hatten, wurde durch 
die gütige Intervention des M. Dr. Watzel geordnet. 

Die Pflanzenarten, die von Dr. Velenovsky beschrieben wurden, hatten 
vielfach einen tertiàren Charakter, aber das Auffinden einer Schuppe von Osme- 
roides sowie von Steinkernen von Nucula und Cardium in demselben Block, sowie 
die Übereinstimmung derselben mit den Pflanzen anderer Kreideablagerungen 
lassen keinen Zweifel darüber, dass diese Pflanzen den Chlomeker Schichten 
angehóren. 

Weiter nórdlich treten die Chlomeker Sandsteine schon als grosse Linsen 
von Quadern auf, z. D. am Knapphübel. 

Dann erst werden sie mächtig und man kann am Tannenberge ihre Mäch- 
tigkeit über 300 m schätzen. 

Da diese Quadersande sehr mürbe sind, so sind sie an den Rändern der 
ganzen Ablagerung oft als isolirte Schollen zu treffen, z. B. Schwoika, Slavíček 
und Einsiedlerstein nördlich von Böhm. Leipa. 


Verzeichniss der in dem harten Block zwischen B. Leipa und Pisnik 
aufgefundenen Petrefacten. 


Osmeroides Lewesiensis, Schuppe. Cardium (?) 
Nucula Steinkern (wahrscheinlich sp. Lima (?) 


impressa). Asplenites dubius Vel. 


Pteridoleima durum, E. Bayer. Hymenaea elongata, Vel. 
Gleichenia Zippei, Corda Cassia melanophylla, Vel. 
Gleichenia camptoni, Heer. Rhus cretacea, Vel. 
Myrica acutiloba, Brongn. Cissites crispus, Vel. 
Credneria superstes, Vel. Aralia Chlomekiana, Vel. 
Pisonia atavia, Vel. Phillyrea Engelhardti, Vel. 


E ips AM NC 
Chl. K B uh BL 
Fig. 12. Stark verkürztes Orientierungsprofil in der Richtung von Aschendorf über B. Leipa nach 
dem Tannenberge. Z. Iserschichten bei Aschendorf. Pr. Priesener Schichten. Æ B. Bóhmisch 
Leipa. B' Brunnen bei der landwirtschaftlichen Schule. 5" Blöcke mit Pflanzenresten. К. Knapp- 
hübel Chl. Ohlomeer Sandsteine. T. Petrefactenreiche Knollen am Bahnhofe Tannenberg. 


4. Tannenberg. 


Während des Baues der Tetschen-Rumburger Bahn begingen wir die Strecke, 
sahen in Böhm. Kamnitz am Bahnhofe gut aufgeschlossene Priesener Schichten, 
besuchten das Geburtshaus Zippes in Falkenau (von wo wir durch ihn schon vor 
Jahren einen Am. subtricarinatus erhielten) und kamen dann zu dem tiefen Ein- 
schnitte am Tannenberg, wo wir aufs angenehmste von einer Menge von Petre- 


Fig, 13. Bahnhot Tannenberg. 1. Bahn nach Böhm. Leipa. 2. Bahn nach Tetschen. «) Quader 
im mürben grauen sandigen Mergel eingelagert. b) Petrefaktenreiche Knollen. c) Feste fast 
leere Bank. 


fakten überrascht wurden, und hätten wir Tannenberg früher gekannt als den 
n) m H H 
Fundort am Chlomekberge, so hütten wir die uns beschäftigenden Schichten Tannen- 


berger benannt. 


Der Bahnhof mit den petrefactenreichen Knollen liegt in einer Seehóhe von 
544 m und an dem westlichen Abhang oberhalb der Bahn nach Tetschen (Fig. 
13. 2) fanden wir drei festere Bänke, die durch mürbe Schichten getrennt sind. 

Die mittlere der drei Bänke besteht aus rundlichen flachen Knollen, welche un- 
gemein reich an Petrefacten ist und in der wir die meisten der in nachstehendem 
Verzeichnis angeführten Arten aufgefunden haben. Das Gestein ist grau ins grün- 
liche und auf der Strecke gegen B. Leipa (1) fanden wir ausgetrocknete Blöcke, 
die gelblich waren und in denen die Petrefacten mit Eisenoxyd roth gefärbt 
erscheinen. 


Verzeichnis der am Tannenberge gesammelten Arten. 


Nautilus sublaevigatus D’Orb. ? 

Nautilus rugatus Fr. et Schl. 

Ammonites (Schloenbachia) subtricari- 
natus D’Orb. 

Ammonites (Placenticeras) D’Orbignya- 
nus, Gnein. 

Ammonites (Pachydiscus) Tannenber- 
gicus Fr. et Schl. 

Hamites bohemicus, Fr. et Schl. 

Hamites striatus, Fr. et Schl 

Turritella nerinea, Röm. 

Turritella Naegerathiana, Goldf. 

Turritella iniqueornata, Drescher 

Glauconia (Omphalia) ventricosa, Dr. sp. 

Natica acutimarga, Röm. 

Natica (vulgaris) cretacea, Goldf. 

Xenophora onusta, Nils. sp. 

Lispodesthes (Aporrhais) papilionacea, 
Goldf. sp. 

Aporrhais (Cultrigera) arachnoides, 
Müller 

Aporrhais n. sp. 

Aporrhais anserina, Nils. sp. 

Rapa cancellata, Sow. 

Rapa costata, Röm. 

Fusus Nereidis, Münst. 

Jerithium pseudoclathratum, D'Orb. 

Voluta elongata, Sow. sp. 

Nerinea ef. Duchi, Zeckeli 

Acteonella Briarti, Gein. 

Acteonella Beyrichi, Drescher 

Avellana Humboldti, Müller 


Cylichna expansa, Fr. 
Cardium productum, Sow. 
Cardium alutaceum, Münst, 
Cardium Обої, Geinitz 
Protocardium Hillanum, Sow. sp. 
Isocardia cretacea, Goldf. 
Astarte 

Crassatella regularis, D’Orb. 
Crassatella tricarinata, Róm. 
Venilicardia, von Reyi Bosq. 
)yprina rostrata, Sow. 
Eriphyla lenticularis, Goldf. sp. 
Суртітегіа Geinitzi, Müller sp 
Trigonia alaeformis, Park. 
Pectunculus Geinitzii, D'Orb. 
Area subglabra, D'Orb. 

Pinna nodulosa, Reuss 

Pinna decussata, Goldf. 
Mytilus (Cottae) lineat. Sow. 
Mytilus cf inornatus, D'Orb. 
Modiola flagellifera, Forb. 
Modiola typica, Forb. 
Glyeimeris Geinitzii, Holzapfel. 
^anopaea perlongata, Fr. 
Panopaea gurgitis, Brongn. 
Goniomya designata, Goldf. 
Pholadomya aequivalvis, Goldf. 
Pholadomya nodulifera, Münst. 
Tellina semicostata, Röm. 
Tellina costulata, Goldf. 

Venus fabacea, Röm. 

Venus faba, Sow. 


D 


23 


Avieula triloba, Róm. Pecten‘ virgatus, Nils. 

Gervillia ovalis, Fr. Vola quadricostata, Sow. 

Gervillia Holzapfeli, Fr. Ostrea frons., Park. 

Gervillia solenoides, Defr. Exagyra laciniata, D'Orb. 

Inoceramus Cuvieri, Sow. Anomia semiglobosa, Gein. 

Inoceramus latus, Mant. Serpula socialis, Goldf. 

Inoceramus paradoxus L. et G. Serpula gordialis, Goldf. 

Lima multicostata, Gein. Bryozoa, Sp. 

pia Hoperi, Mant. Cardiaster Ananchytis, Leske. 

-ecten Nillsoni, Goldf. Flache Kohlengeschiebe mit Bernstein. 


5. Kreibitz. 


Geinitz, der aus der petrefactenleeren Sächsischen Schweiz endlich in 
Kreibitz Petrefacten auffand, nannte dies einen ,sicheren Hafen für den Palaeonto- 
logen, von wo aus er den Charakter der Schichten ruhig beurtheilen kann*.*) 
Hier sammelte später durch viele Jahre Herr Grohmann aus Bóhm. Kamnitz, durch 


Së Schematisches Profil vom Orte Kreibitz bis zum Bahnhofe Kreibitz. 1. Priesener Schichten. 
üt Hi Mergel. 2. Unterer petrefactenführender Horizont. 3. Ziegelei, in der aus den Sandsteinen 
bn ове von oben herabgestürzte Blócke liegen. 4. Oberer petrefactenführender Horizont 
Bahnhofe. (Gleich den Schichten am Bahnhofe Tannenberg). B. Bach. Br. Brüuhaus. A, Fabrik. 

Z. Ziegelei. Bh. Bahnhof. S. Strasse. 


Welchen dann die Museen in Deutschland und namentlich in Dresden mit Petrefakten 
B т Ich kaufte dann von ihm im Jahre 1864 eine Reihe dieser 
Bud "wa Petrefacten und später erhielten wir auch mit der Zeidlerischen Sammlung 
“a eme von Grohmann stammende Suite. 


*) Quadersandsteingebirge p. 60. 


Grohmann führte mich im Jahre 1864 zu dem Fundorte der sogenannten 
Pechhütte. Erst im Jahre 1893 prücisirte ich diesen Fundort am Wege, der hinter 
dem Gasthause beim Lówen Nro 270. bergauf und dann horizontal führt. 

Ich erkannte, das diess der unterste petrefaktenführende Horizont sei, der 
wenig jünger ist als die Priesener Schichten und dadureh erklärt es sich, dass 
hier noch nicht so bezeichnende Arten vorkommen, welche auf den Horizont von 
Kieslingswalda hinweisen möchten. 

Es muss daher dieser im Orte Kreibitz selbst gelegene Fundort genau 
unterschieden werden von dem in Ober-Kreibitz, hinter dem Dahnhofe aufgeschlos- 
senen Steinbruche, der um vieles hóher gelegen ist und daher viel jünger ist, und 
mit den Schichten am Tannenberger Bahnhofe übereinstimmt. 

Das Verzeichniss der aus Kreibitz stammenden Arten muss mit Reserve 
aufgefasst werden, denn die meisten Sachen rühren von dem Petrefactensammler 
Grohmann her, der den Fundort nicht genau präcisirte. Reuss führt auch manche 
Arten von Kreibitz an, aber nicht aus den Chlomeker Schichten, sondern aus den 
unter denselben liegenden Priesener Schichten. 


Verzeichniss der von Geinitz Reuss aus Kreibitz angeführten und 
theils von uns gesammelten Arten aus dem unteren Horizont der 
Chlomeker Schichten. 


Baculites baculoides, Mant. sp. (viel- 
leicht nur ein junger D. incurvatus, 
Duj.) 

Ammonites sp. 

Turrifella Noegerathiana, Goldf. 

Turritella multistriata, Reuss. 

Turritella nodosa, Röm. Gein. 

(Turritella alternans). Gein. 

Natica vulgaris (eretacea), Goldf. Gein. 

(Natica unicarinata, бейш.) 

Trochus tuberculatocinctus, 


Münst. беш. 
Fusus Nereidis, Münst. Gein. 
Aporhais vespertilio (anserina), Nils 

Sp. Gein. 


Tritonium proserpinae, v. Münst. Gein. 
Fusus (Кара) quadratus, Low. Gein. 
Crassatella (arcacea) regularis, D'Orb. 
Oyprina (?) 

Oyprimeria Geinitzi, Müller. 

Trigonia alaeformis, Park. 

Pectunculus sp. 

Area Sp. 


Arca striatula, Reuss. 

Area subglabra, D'Orb. 

Arca undulata, Reuss. 

Panopaea n. sp. 

(Panopaea plicata) Gein. 
(Pholadomya aequivalvis, Goldf.) 
Toredo sp. 

(Tellina subdecussata). 

Tellina costulata, Goldf. 

Venus Goldfussi, Gein. 

Venus fabacea, Róm. 

Venus faba, Low. sp. 

(Fusus elathratus). Gein. 
(Nerinea bicincta). Gein. 
üngicula (avellana) archiaciana. Gein. 
(Acme concentrica). 

(Acme comosa). 

Dentalium glabrum, Gein. 

Cardium alutaceum, Münst. Gein. 
Protocardium Hillanum, Low. 

(Venus laminosa). 

(Inoceramus.) 

Lima semisulcata, Nils. 


25 


Lima granulata, Deshais. Exogyra lateralis, Nils. sp. 
Lima multicostata, Gein. Ostrea frons, Park. 


Vola quadricastata, Sow. 


Demselben Niveau gehört der Steinbruch neben dem Bahnhofe bei Ober- 
Kreibitz an. Hier sind die Petrefacten in sehr grobem, mürben Sandstein sehr 
schlecht erhalten, reichen aber hin die Übereinstimmung mit denen am Bahnhofe 
Tannenberg zu constatiren, 


Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz, 


Obzwar dieses Land, das einst zum Königreiche Böhmen gehörte, jetzt aber 
im Besitze eines anderen Staates ist, so müssen wir die daselbst entwickelten 
Kreidegebilde in das Bereich unserer Betrachtungen ziehen, denn hier erkennen 
wir die Ufergebilde des grossen Kreidemeeres, das sich über das ganze nordöstliche 
Böhmen ausbreitete und bis in die Grafschaft Glatz hinüber reichte. 

Wir sind dazu namentlich durch den Umstand gezwungen, dass diese Ufer- 
gebilde eben zu den uns beschäftigenden Chlomeker Schichten gehóren und beim 
Vergleich mit ähnlichen Vorkommnissen in Böhmen erst ihre Altersverhältnisse 
recht klaar werden. 

Da unlängst in dem Werke von Langenhan und Grundey *) berichtet wird, wie 
Schon im vorigen Jahrhundert Leop. v. Buch über Kieslingswalda schrieb, wie 
Geinitz, Góppert und Gürich an der Palaeontologie dieses interessanten Ortes ge- 
arbeitet haben und überdies Dr. Michael in Berlin demnächst, ausführlich über 
Kieslingswalda publieiren will, so beschränke ich mich auf das zur Vergleichung 
mit den böhmischen Vorkommnissen Nothwendigste. 

Ich besuchte Kieslingswalda mit meinem Petrefaetensammler Staska auf längere 
Zeit im Iahre 1867 und sandte dann 1883 den Museumsassistenten Herrn J. Kafka 
dahin, so dass wir über ein reichliches Material von diesem Fundorte disponiren. 

Im April 1897 besuchte ich nochmals Kieslingswalda, sammelte Manches und 
besichtigte die Sammlung des Lehrers Herrn Gallisch in Niederlangenau, der 
früher in Kieslingswalda wohnte und vor 13 Jahren vom Herrn Adjunkten Kafka 
zum Sammeln angeeifert wurde. Auch besichtigte ich das Museum in Breslau, 
m dem aber die Kieslingswalder Sachen nur mässig vertreten sind, und lernte auch 
die Sammlung des Herrn Langenhan in Liegnitz kennen, welehe die meisten Ori- 
Sinale zu seiner mit H. Grundey publicirten Arbeit enthält und der mir bereit- 
willigst mehrere Belegstücke zur Vergleichung geliehen hat. 

; In Bezug auf die Stratigrafie gebe ich blos ein schematisches Profil, um 
die Vertheilung der petrefactenführenden Lagen anschaulich zu machen. 


А *) Das Kieslingswalder Gestein. — Dieses Werk hat blos den Zweck, die einheimischen 
Freunde der Naturwissenschaften auf die Vorkommnisse von Kieslineswalda aufmerksa m zu machen 
und macht keinen Anspruch eine exacte wissen schaftliche Monographie zu sein. Jedenfalls liegt 
in dessen Erscheinen ein Ausdruck des Bedürfnisses eines ähnlichen Buches, das längst von 
berufener Seite hätte publicirt werden sollen. 


| 


26 


Das Profil (Fig. 15) zeigt die Schichtenfolge, wie man sie lüngs eines Fahr- 
weges unweit des Mittelhofes verfolgen kann. 

Der Ausdruck „Eisenstein“ ist daselbst von den Steinbrechern für die äusserst 
harten dunkelgrauen Knollen im Gebrauch und diese sind die Hauptfundorte für 
die Petrefacten. 

Localsammler sollten in der Zukunft jedes Petrefact genau bezeichnen, aus 
welchem dieser 4 Eisensteinlager dasselbe stammt. 


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Fig. 15. Schematisches Profil der Kieslingswalder Schichten, nach den Skizzen des Herrn Museums. 
adjunkten J. Kafka aufgenommenen im Jahre 1983. 
W. Der Weisswasserbach. A Fahrweg. 1. Lichte, geschichtete, weiche, spärliche Reste führende 
Sandsteine. 2. Schichte mit spärlichen Blattabdrücken und Callianassa. За. Erste Eisenstein- 
lage. Harter grauer sandiger Kalkstein. 35. Röthliche Schichte mit vielen Blattabdrücken. Ober- 
und unterhalb derselben helle Sandsteine mit wenig Petrefacten. 4. Lichter Sandstein mit wenig 
Petrefacten. ба. Zweite Bisensteinlage. 5b. Inoceramenschichte. 6. Dritte Eisensteinlage. 7. Vierte 
Eisensteinlage. 8. Oberer Sandstein. 9. Grobkörniger Sandstein. 10. Conglomerat (Hirtensteine). 


Den Schluss der Schichtenfolge bilden Conglomerate, welche nur noch in 
sparsamen Resten als senkrechte flache Spaltsäulen übrig blieben und hier Hirten- 


27 


steine genannt werden (Fig. 16). An diesen sieht man ein mässiges Einfallen der 


Schichtung nach dem Thale hin. 


Fig. 16. Einer der sieben Hirtensteine oberhalb Kieslingswalda. 


Verzeichnis der in Kieslingswalda gesammelten Arten. 


Lamna Sp., 6 cm lang 

Otodus appendiculatus Agass. 

Corax heterodon Reuss 

Nautilus sp. (junges von N. rugatus?) 

Hamites trinodosus (=? angustus 
Dixon.) | 

Scaphites binodosus Röm. 

Hamites bohemieus Fr. et Schl. 

Baculites incurvatus Duj. 

Ammonites (Placenticeras) D’Orbignya- 
nus Gein. 

Ammonites (Schlönbachia) subtricari- 

Je natus D'Orb. 

Turritella nodosa Röm. 

Turritella multistriata Reuss. 

l'urritella nerinea Roem. 

Хайса (vulgaris) eretacai Goldf. 

; atica dichotoma? Gein. (? Roemeri.) 
айса bulbiformis Sow. 

Natica Roemeri Gein. 

Scalaria Philippi Rss. 

Trochus Engelharti Gein. 


Rissoa Reussi Gein. 

Margarita radiatula Forb. sp. 

Aporrhais anserina Nils. sp. 

Lispodesthes papilionacea Goldf. 

Aporrhais arachnoides Müll. 

Rapa cancellata Sow. 

Rapa costata Röm. 

Tudicla (Rapa) quadrata Sow. sp. ` 

Fusus Nereidis Münst. 

Fusus plicatus, Röm. 

Voluta semiplicata Münster. 

Chemnitzia Kieslingswaldensis Weinz. 
in Lit. 

Ringicula Hagenovi Müll. 

Cylichna cylindracea Gein. 

)ychlina expansa Fr. 

Acteon doliolum Müll. 

Acteonella Beyrichi Drescher 

Avellana Humboldti Müll. 

Dentalium glabrum Gein. 

Dentalium polygonum Rss. ? 

Isocardia cretacea Goldf. 


28 


Eriphyla lenticularis Goldf. sp. 
Protocardium Hillanum Sow. 
Card. productum Sow. 
Cardium Ottoi бейш. 
Clavagella elegans Müller. 
Oyprina rostrata Sow. 
Nucula pectinata Sow. 
Anatina lanceolata Gein. 
Mactra porrecta Gein. 
Panopaea gurgitis Brongn. 
Goniomya designata Goldf. 
Veuus Royana D'Orb. 

Venus faba Sow. 

Tellina plana Róm. 

Tellina costullata Goldf. 
Tellina strigata Goldf. 

Leda siliqua Reuss sp. 
Modiola concentrica Goldf. 
Leguminaria truncatula Reuss. 
Gervilia solenoides, Defr. 
Pinna decussata Goldf. 
Corbula striatula Sow. 
Pectunculus Geinitzii D'Orb. 
Inoceramus cf. Koeneni Müll. 
Inoceramus latus Mant. 
Trigonia Vaalsiensis Boehm. 
Trigonia alaeformis 


Lima Hoperi Desh. 

Vola quadricostata Sow. 

Anomia subtruncata D'Orb. 
Rhynchonella alata Lam. 
Jalianassa antiqua Otto. 
Oardiaster Ootteanus Otto. 
Jardiaster ananchytis Leske. 
Hemiaster sublacunosus, Gein. 
Sequoia Reichenbachi Gein. sp. 
Smilax panartia Bayer. 

Alnus Kefersteinii Ung. 
Quercus pseudodrymeja Vel. 
Quercus westfalica Hos. et v. Mk. 
Quercus Velenovskyi Bayer. 
Ficus fracta Vel. 

Dryandroides quercina Vel. 
Dryandroides geinoglypha Bayer. 
Cocculus extinctus Vel. 
Cinnamomum personatum Bayer. 
Laurus affinis Vel. 

Platanus onomastus Bayer. 
Prunus cerasiformis Vel. 

Cassia atavia Vel. 

jucalyptus angusta Vel. 

Aralia coriacea Vel. 

Bignonia silesiaca Vel. 


Ш. Tabellarische Uebersicht 


der in den Chlomeker Schichten in Böhmen und in Kieslingswalda 


aufgefundenen Petrefacten. 


Saurier. 
Mosasaurus? (bei L. et G.) . 


Pisces. 


Oxyrhina Mantelli Ag. 

Otodus appendiculatus 4g. 
Corax heterodon Reuss 
Lamna sp. : 
Osmeroides Lewesiensis Ag. . 


Mollusca. 
Cephalopoda. 


Nautilus sublaevigatus D’Orb. 
Nautilus rugatus Fr. et Schl. 
Nautilus Reussi Fr. 
Nautilus sinuatoplicatus Gein, 
Ammonites (Schlönbachia) subtricari- 
natus D'Orb. . 
Ammonites (Placenticer as) D'Orbi- 
gnianus Gein. : 
Ammonites (Pachydiscus) Tannenber- 
gicus Fr. et Schl. ie Eer ТЖ 
Scaphites binodosus pe ' 
amites bohemicus Fr. t Set, 
Hamites striatus Fr. et $ М. 
Hamites trinodosus Gein. 
Hamites Roemeri Gein. 
Hamites Beanii Phill. 
elicoceras Reussianum D’Orb. 
elicoceras ellipticum Mant. sp. 
Baculites incurvatus Duj. 
Baculites Gallischi Fr. 


Gastropoda. 


Turritella nodosa И sa re i 
Turritella sexlineata Róm. . . . . - 
urritella nerinea Am. . . 


SIR ho to DP NEN 


39 


JMESEREREAEAE 

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—|—|—|—|—|— + 
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Sab ува тып Л 


| 

Turritella iniqueornata Dresch. . .| 

Turritella multistriata Reuss. . . E 

Turritella Noegerathiana Goldf. . | 

Glauconia (Omphalia) ventricosa Diesel 

Glauconia (Omphalia) ornata Drescher ? 

Natica vulgaris Reuss (cretacea Sie 

Natica dichotoma Gein. | 

Майса acutimargo Röm. . 

Natica bulbiformis Sow. . 

Natica Roemeri Gein. . 

Хайса Gentii Sow. 

Хайса (Amauropsis) exaltata. Golf. Si 

Rissoa? Reussi Gein.. . jit eig 

Xenophora onusta Nils. sp. 

Trochus Engelhardti Gein. 

Trochus tuberculatocinctus Münst. 

Turbo decemecostatus v. Buch 

Margarita radiatula Forb. sp. 

Solarium (Pleurotomaria) baculita- 
rum Gene. „=, Oe 

Keilostoma labiatum Weinz. in Lit. i] 

Scalaria Philippi Reuss | 


Chemnitzia noe Weinz. | 


in lit. e 
Aporrhais anserina Nils. sp. 
Aporrhais arachnoides Müll. sp. 
Aporrhais stenoptera Goldf. sp. 
Aporrhais megaloptera Reuss sp. 
Aporrhais sp. . . 
Aporrhais (Lispodesthes) papilionacea 

Goldf. sp. . an dien m e 
Rapa cancellata Sow: 4 
Rapa costata Jm. 
Rapa quadrata Sow. sp. . 
Tritonium иро v. Münst. 
Fusus ne sp... o. vs 
Fusus plicatus Rm. 
Fusus Nereidis Münst. 
Cerithium Chlomekense Weinz. in lit. 
Cerithium fasciatum Reuss. . . 
Cerithium ана D'Ovb. . 
Voluta semiplicata Münst., . . . | 
Voluta elongata Sow. sp. 


Perutzer Schichten 


J 


| Korytzaner Schichten | 


AlI E] 


Weissenberger Sch. 


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| Malnitzer Schichten 


Teplitzer Schichten 


| Iser-Schichten 


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| 


Priesener Schichten | 


Ealain 
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+++ ++++++ 


| Chlomeker Schichten 


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Acteonella Beyrichii Drescher . . . | — |—|— 


Acteonella ef. Briarti Geín.— .—. :|— .—|— 
Acteonella acuminata, Fr.. . . . .|—|— vw 
Avellana: Humboldti Mill... . ch Les Lee 
Avellana D'Archiaciana D'Orb. `. .| — | — |+ 


Avellana sculptilis Sto. . . . . . .|—|—|—. 
Ringicula Hagenovi Müll. sn . . .|—|—- | 
Oyliehna cylindraca Gein. . . . . .|——.—|— 
ylichna expansa Pre . sei уз, .|— —|-—| 
| 
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Dentalium laticostatum Reuss . . .|—|—-|— 
Demum melum ow V. o | ës 
Dentalium decussatum Sow. . . wel —|—|— 
Dentalium glabrum Gem. . ....|—|—|— 


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2» Жыш. 


EXEREEFEEFTETITEIFITI 


FLTEEEEEFEEEEFEELE 


3544341337322 24355 


| 
1 


Pelecypoda. 


Cardium productum Sow. . . . . .|— [+ 
Сата Ottol Geím-.-; va corso] m mms 
Cardium Becksii J. Müller . . . .|—|— 
Cardium alutaceum Münst. — . . .|—|— 
Protocardium Hillanum Sow.. . . .|— T 
Isocardia sublunulata D'Orb.. . . .|—|— 
Isocardia cretacea QUO Uto eg amm s |—|— 
AslnrioldQHEA Лонва - .— vu EE 
Astarto multistriata Sow. . . . . .|—,— 
Crassatella tricarinata Röm. . . . » | — | — 
Crassatella Bockschii Gein. . . . .|— | — 

ie 

ls 


== 
ET 


TE] 
ISIN 
SÉ 


Crassatella regularis D'Orb. . . . .|— 
enilicardia von Reyi Bosqu. . . .|— 
(УША rosa, Sw. vs vs el 
yprimeria Geinitzii Müll. sp. . . .|— 
"utiella Ringmerensis Mant. sp. . .|— 
Eriphyla lenticularis Goldf.sp.. . .|— 
rigonia alaeformis Park. . . . . .|— 
Nucula semilunaris v. Buch. . . . Er 
Nueula peotinatar Sow: vic 0. ml 
Yucula impressa Sow. cu СУЛ ee 
Pectunculus Geinitzii D'Orb.. . . .|— 
Arca Striatula Reuss . . 2 . ln 
Arca tenuistriata Münst. . . . . .|— 


ГЕТЕ ТЕЕ Та 

LELI тта 
ЕЕРЕЕ ТРЕЕ СЕРЕ EEE] 
FEFFE LEELEE ELETT] 
ВЕ ЕЕЕ ЕКЕТ ЕЕЕ ЕЕ 


Arca Raulini .D’Orb. i 

Arca cf. vendinensis .D’Orb. 

Arca subglabra .D’Orb. 

Scapharca ponticeriana Stol. 

Pinna decussata Goldf. . ... 
Pinna cretacea Sc hlottheim 

Pinna nodulosa Reuss . 

Mytilus lineatus Sow. . 

Mytilus reversus G'ein. . 

Mytilus Gallienei D'Orb. . . . . . . 
Mytilus inornatus D'Orb. . . ... 
Solen Guerangeri .D'Orb. 3 
Solen lamellosus еи 


Modiola flagellifera Forbes . 
Modiola typica orb. 
Panopaea (Glycimeris) gurgitis Brong gn. 
Panopaea mandibula Sow. sp. 
Panopaea Geinitzii Holzapfel . ; 
Pholadomya aequivalvis @oldf. . 
Pholadomya nodulifera Münst. 
Pholadomya designata @oldf. . 
Pholadomya perlonga Fr. 
Mactra porrecta Gein. . 
Anatina lanceolata Gein. . 
Tellina plana Röm. . 

Tellina semicostata ёт. 
Tellina strigata Goldf. . 
Tellina costulata Goldf. . 
Venus Goldfussi Gein. 

Venus faba бош. sp. 

Venus fabacea Röm. 

Avicula triloba ёт. 

Corbula striatula Sow. . 

Leda siliqua Reuss sp. j 
Gerwillia solenoides Defr. . 
Gerwillia Holzapfeli Fr. . 
Gervillia ovalis Fr. . 
Clavagella elegans Müll. . 
Inoceramus Geinitzianus Stol. 
Inoceramus Cuvieri Sow. 
Inoceramus paradoxus Haenl. 
Inoceramus latus Mant. . 


Siliqua (Leguminaria) truncatula Reuss| 


| Perutzer Schichten 


Korytzaner Schichten 


EHETBDBEEFEEBEEBEEBELBEEBEEBEBEEBHI 


Weissenberger Sch. 


DEPT Fa KEE) 
FE FE ЕЛ HN 


FSNEES 
I+II I+I++I++I ETE EE I+II 


Et 1 


| Malnitzer Schichten 


| 


Iser-Schichten 


ER 
Se E Ee с ш SIEHE SS ш SEHE SEE 


ke ЕТЕР 


544934174343 


+4 Teplitzer Schichten 


EC ТЕРЕТНА РЕЧ ЧЕ ТУНУ ТА 


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KEE EE 


Priesener Schichten 


Chlomeker Schichten 


| 


ch. 


| Teplitzer Schichten 


Perutzer Schichten 
Korytzaner Schichten 
Malnitzer Schichten 


| Priesener Schichten 
| Chlomeker Schichten 


| Weissenberger 
| Iser-Schichten 


Lima Норегі Mant.. . . . . . . .|— A | Hi+—|+ m ele 
Lima multicostata Gein.. . . . . lo 1 | ++ +1 1—|+ 
Lima semisuleata Nilss.. .....|—|1—ı+ ES des des 
Lima granulata Desh. . { | - 1-11 /— AE AEN 
Lima pseudocardium Reuss? . HE AE HE AE AE | 
Pecten Nilssoni Goldy. l- l + äh | 

—\4+ +4 


Plicatula inflata Sow. . 
Exogira laciniata D’Orb. 

| Exogira lateralis Nils. sp. . 
| Ostrea frons Park.. 


| 

| 

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| 
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Pecten virgatus Nilss. (curvatus Gein) eumd 
Vola quadricostata Sow. . . . . . l ; 
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Ostrea semiplana Sow. EE DE DE AE р | 
Ostrea hippopodium Nilss. . pen Fi Fach 17 | 
Ostrea longirostris Lamrk,. vm gane rea e үүт ach 
Anomia semiglobosa Gein. . ids B EE E AE | +] 
Anomia subtruncata D'Omb. .... © М 419 + | 
| 
М | | | 
Brachiopoda. | | | 
| 
Rhynchonella alata Lam. oa — к —|——|—|- 
agas Geinitzii Schlönd. . . . sen | HIHIHIHI +I HIH 
| Bryozoa. | 
| Petalopora seriata Mon... . . . .|— | e [җи жил, ео 
| 
Crustacea. | | | 
| | 
Palaeocorystes eallianassarum Jv. . .|— 1 | [— EE | 
Podocrates Dulmensis Beks. . . . .| — | — SE DEE A 
| loploparia a EE Bun Ue ушр e oes | луу | eis. 
N Callianassa antiqua Otto. . . . .. Ud lend ier eni е | - mw 
| EY | 
Vermes. TE | 
| Serpula gordialis Goldf- . . . . . .|—|-F|-F|- | +++ E: 
| Serpula socialis Goldf. . . сой. МЕ mm om mper Lomas 
à || | | 
| Echinodermata. lang | | 
Cidaris Subvesiculosn D'Orb. . . . . |. —1 a | Fiat | vi een 
| Hemiaster ПЕШ ПШ D'UI. л р рт та кес ыз | 
Hemiaster sublacunosus Gein. . . .|—|—|—,— | AE +- | 
Cardiaster Cotteanus Otto. . . . i Blies iom: Kan ocn ысы кк, 
| | | | 


Cardiaster ananchytis Leske sp. . 


Schizaster Roemeri n. sp. L. et G..| 


Stellaster Schulzei Cotta et Reich 


Plantae. 


Asplenites dubius Vel. 
Pteridoleima durum Bayer . 
Gleichenia Zippei Corda spec. 
Gleichenia comptoniaefolia Heer 
Sequoia Reichenbachi Gein. sp. 
Smilax panartia Bayer . . . 
Myrica acutiloba Brongn. . . 
Alnus Kefersteinii Ung. . 
Quercus pseudodrymeja Vel. 


Quercus westfalica Mos. et v. d. MK. | 


Quercus Velenovskyi Bayer 
Ficus fracta Vel. . 

Credneria superstes Vel. . 
Dryandroides quereina Vel. : 
Dryandroides geinoglypha dnd 
Pisonia atavia Vel. . . . . 
Cocculus extinctus Vel. CIR 
Cinnamomum personatum Bayer 
Laurus affinis Vel. 

Platanus onomastus Bayer . 
Prunus cerasiformis Vel. . 
Hymenaea elongata Ve/.. 

Cassia melanophylla Vel. . 

Cassia atavia Vel. 

Rhus cretacea Vel.. 

Cissites crispus Vel. . 

Eucalyptus angusta Vel. . 
Aralia Chlomekiana Vel. . 

Aralia coriacea Vel.. . 
Phillyrea Engelhardti Vel. 
Bignonia silesiaca Ve. | з 
2 Chondrites furcillatus 4. Römer 3 


| 


Perutzer Schichten 
Korytzaner Schichten | 


Weissenberger Sch. 


Malnitzer Schichten 


Iser-Schichten 


Teplitzer Schichten 


Priesener Schichten 


Chlomeker Schichten 


| 


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IV. Kritisches illustrirtes Verzeichnis der iu den Chlo- 
meker Schichten vorkommenden Versteinerungen. 


Vertebrata. 


Saurier. 


Mososaurus sp.? Langenhan und Grundey. Das Kieslingswalder. Gestein und 
seine Versteinerungen. Breslau 1891. pag. ТОД TRIB LZ 
Schlanke Röhrenknochen und flache Deckknochen wurden wiederholt 
in Neuwaltersdorf gefunden. Die Röhrenknochen haben die Gelenkenden 
nicht erhalten. und es ist daher eine selbst annäherungsweise richtige Be- 
stimmung unmöglich; es reichen die Funde blos hin nachzuweisen, dass 
auch noch zur Zeit der Ablagerung der Chlomeker Schichten es grosse 
Saurier am Ufer des Kreidemeeres gegeben hat. Da schlanke Röhren- 
knochen bei Mosasaurus nicht vorkommen, dürfte es sich hier eher um einen 
Ignanodonten uu In Böhmen a es bisher ähnliche Reste zu finden 
Oxyrrhina Mantelli, Ag. Fr. Rept. u. Е. p. 7. Fig. 12. 
Selten in Kiesling din dud ub enr em 
Otodus appendieulatus, Ag. Fr. Rept. u. Fische, pag. VID. D 
Ein einziges 20 mm langes Exe moli in den Ge Lagen der Chlo- 
| meker Schichten in Vinafic. 
Corax heterodon, Reuss. (Galeus pristiodontus, Ag.) — Tuy Жее E 
Fig. 23, 94. 
Selten in Kieslingswalda und Neuwaltersdorf. Nach Geinitz in Kreibitz 
Lamna sp. 
Ein riesiger Lamnazahn von 5 cm Länge befindet sich. in unserer 
Sammlung von Kieslingswalda. 
Osmeroides lewesiensis, Fr. R. u. F. p. 34 Fig. 55. 
Eine Schuppe fand sich in Y an Pflanzenresten reichen Felsblock bei 
Böhm. Leipa. 


Cephalopoda. 24 sp. 


(Belemnites Merceyi, Mind Fr. et Schl. Cephal. pag. 17.) 

Unter dem Namen Belemnites Merceyi führten wir in genauntem Werke 
ein unbestimmbares Fragment eines Delemniten von Chlomek an, von welchem 
Schlónbach vermuthete, dass es zur genannten Art gehóren kónnte. Neue 

№, Funde wurden nicht gemacht, wesshalb die Sache ganz unsicher bleibt. 
autilus sublaevigatns, D'Orb. Fr. et Sehl. Ceph. p. 21. Tan 19. Fg d 

Nicht sicher bestimmbare Steinkerne besitzen wir aus den Chl. Schichten 
von Tannenberg. 

Dieselben können eventuell junge Exemplare von N. rugatus sein. 


m 


36 


Nautilus rugatus, Fr. et Schl. (Fr. et Schl. Cephalop. p. 28. Taf. 19. Fig mi 
Taf. 15. Fig. 2. — Iserschichten, p. 90. Fig. 50.) 
Von Tannenberg besitzen wir zwei Exemplare von 99 em Durchmesser, 
die mit dichten 4 mm breiten Rippen geziert sind. 
Nautilus Reussi, Fr. & Schl. (Fr. et Schl. Cephal. p. 25. Taf. 19. Fig. 4, 5. 
Priesener Schichten, pag. 74. Fig. 41.) 
Ein Steinkern von 15 mm Durchmesser aus dem groben Sandstein von 
Chlomek zeigt an einer Stelle die für N. Reussi charakteristische Verzierung: 
Nautilus sinuato-plieatus, Gein. (Geinitz Kieslingswalda p. 8. Taf. 1. Fig. 6) 
Geinitz. Das Quadersandsteingebirge. 1849. pag. 110. L. G. das Kiesl. W. 
Gest. pag. 9. Taf. II. Fig. 9.) Fig. 17. 
Wir besitzen nur mangelhafte Fragmente dieser Art von Kieslingswalda. 


Fig. 17, Nautilus sinuatoplicatus, Gein.“ von Kieslingswalda. Copie nach Geinitz. 


Ammonites (Schlönbachia) subtriearinatus, D'Orb. R. Drescher. Kreide von 
Löwenberg. p. 331 Taf. VIIL Fig. 3. Fr. et Schl. Cephalopoden pag. 26. 
Taf. I. Fig. 1—8, Taf. 10. Fig. 1—3. — Priesener Sch. р. 74. Fig. 49 
A. tricarinatus Schlüter. Ceph. d. deutsch. Kr. p. 44.) | ) 
Schon Zippe brachte unserem Museum ein Exemplar aus Falkenau iM 
Leitmeritzer Kreise. Später fanden wir mehrere Exemplare in Tannenberg 
und das Negativ eines sehr grossen Exemplares von 35 cm Durchmesser D 
Kieslingswalda. Dieses letztere scheint dem Gestein nach aus den tiefere” 
Lagen, etwa Nr. 4 des Profiles auf Seite 26 zu stammen. Nach Schlüter 
soll der Name subtricarinatus D'Orb., mit welchem diese Art nun lange 
bezeichnet wird, aufgelassen werden und die Art nur tricarinatus heissen." 
Ammonites (Placenticeras) D'Orbignyanus, Gein. Fr. et Schl. Cephalop- 
p. 36. Taf. 11. Fig. 2. — A. Vibrayanus D'Orb. bei Geinitz Kiesl. pag. ® 

Ab Л Hu B. Fig.18. 
Diese Art wurde zuerst von Kieslingswalda aus dem Horizont der Chlo- | 
meker Schichten angeführt, später fanden wir dieselbe in schalenlosen Stein 


$3 D ү D D a 5 P uf 
*) Ich gedenke eine Reihe von typischen Exemplaren der böhm. Kreidecephalopoden n 
Wunsch des Herrn Grossouvre in Abgüssen zu reproduciren, um das Studium derselben fremde 
Forschern zu erleichtern. 


| 


37 


kernen !in Tannenberg. Grossouvre betrachtet die böhmischen Exemplare 
als zu Placenticeras Fritschi gehörig, welche Art er aus dem Cogniacien 
Frankreichs beschreibt, was sehr unwahrscheinlich ist. 


Fi 
10. 18, Ammonites ‚D’Orbignyanus, Gein. Von Tannenberg. ?/, nat. Grösse. (Das untere Drittel 
ist restaurirt. Die Höcker am Nabelrande etwas zu deutlich.) 


Ammonites (Paehydiseus) Tannenbergieus, Fr. & Schl. Fr. et Schl. Cepha- 
lopod. p. 37. Taf. 9. Fig. 19. 

Ein einzigesmal beim Bau des Einschnittes bei Tannenberg von Herrn 
Dlouhý gefunden. Der Sprengschuss vernichtete das Centrum, das dann 
testaurirt wurde. Das Exemplar ist fast ganz aus Schwefelkies und wird 
dem Verderben nicht lange widerstehen. 

(Geinitz führt auch Am. varians Sow. von Kieslingswalda an und zwar 
nach einem Fragment, das er nieht abbildet. Nach neuerer Untersuchung 
desselben Autors sollen diese Fragmente auf eine Art aus der Verwandt- 
Schaft von A. tricarinatus und trinodosus Schlüter hinweisen.) 

“aphites binodosus, Róm. (Fr. et Schl. Cephal. p. 43. Taf. 14. Fig. 13.) Fig. 20. 

Von dieser in Beziehung auf Ausbildung der Rippen und Knoten sehr 
variablen Form besitzen wir ein Fragment einer Wohnkammer von Chlomek, 
Welches in Bezug auf die Form, welche Langenhan und Grundey als eine 
neue Art Sc. Kieslingswaldensis (p. 9. Taf. II. Fig. 1) anführen, übereinstimmt. 

Das Exemplar von Kieslingswalda wurde mir von Herrn Langenhan ge- 
fälligst geliehen und ich liess es photographisch reproduciren, um späteren 

Onographen Gelegenheit zu geben, über die Berechtigung der neuen Art 
Zu urtheilen, glaube aber nicht, dass zu der Trennung von binodosus Ursache 


DR 


Fig. 20. Scaphites binodosus, Кт. von Kieslingswalda. Coll. Langenhan, Nat Grösse: 


2 


39 
vorhanden ist, wie man bei der Betrachtung der Figur bei L. u. G. hätte 


vermuthen können. 
Hamites bohemicus, Fr. (Ceph. Pag. 44. Taf. 13. F. 20.) Fig. 21. 


Vig. 21. Hamites bohemicus, TUN 
Ein Fragment aus dem gelben Sandstein von Tannenberg. Die Art 


1 kommt schon in den Priesener Schichten vor. 
lamites striatus, Fr. (Ceph. pag. 45. Taf. 13. Fig. 17.) Fig. 22. 


Fig. 22. Hamites striatus, Fr. von Tannenberg. 


Sandstein von Tannenberg kann mög- 


Dieses Fragment aus dem grauen 
t vorkommenden 


licherweise als Wohnkammer des an demselben Fundor 
H. bohemicus aufgefasst werden. 

Hamites trinodosus, Gein. (Das Quadersandsteingebirge p. 118. Taf. IIL Fig. 
4. а. b.). 


Fragmente dieser typischen Art mit 3 Kn 
lingswalda in dem sogenannten Eisenstein vor und ich sah dieselben in den 


Sammlungen in Dresden und Berlin und auch wir besitzen ein gutes Fragment. 
Hamites Roemeri, Gein. (H. intermedius, Róm. P. 92. XIV. Fig. 9.) 
Wird von Geinitz aus Kreibitz und Kieslingswalda angeführt. 
Hamites Beanii, Phil. (Gein. Kiel, p. 9. Кош. Kr. T. 13. F. 11.) 
Wird von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt. Rómer bildet ein kleines 


Fragment mit regelmässigen Rippen und je zwei dorsalen Knotenreihen ab. 
(Fr. et Schl. Ceph. p. 45. Taf. 13. к o2) e 


oten-Reihen kommen in Kies- 


(Hamites strangulatus, D'Orb. 


Fr. Iserschichten, p. 137. Fig. 132.) 


40 


Diese Art, von der nur Steinkerne im grobkernigen Sandstein vorliegen 
und von der es noch überhaupt zweifelhaft ist, ob sie ein Cephalopode ist, 
befinden sich Fragmente von Neusorge bei Pankrac in Dresden und in der 
geol. Reichsanstalt. 

Helicoceras Reussianum, D'Orb. (Priesener Schichten p. 79. Fig. 62.) 

Wurde als Hel. armatus von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt. Wir 

besitzen von daselbst das Fragment eines Exemplars mit Schale. 
Helicoceras elliptieum, Mant. sp. Geinitz Nachtr. Taf. V. 1. 2. (Hamites ellipticus, 
Mant.) — Hamites Geinitzi, D'Orb. Prodr. Et. 29. Nro 81. 

Wird von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt. 

Baeulites incurvatus, Duj. (Fr. et Schl. Cephal. p. 51. Taf. 13. 
Fig. 12) Fig, 29. 

Wurde in sehr typischen Exemplaren in den grobker- 
nigen Sandsteinen am Chlomek bei Jungbunzlau vorgefunden 
und ist sein Vorkommen auch bei Kieslingswalda constatirt, 
wo er von den Arbeitern fälschlich als Donnerkeil (Bele- 
mnites) bezeichnet wird. 


Baeulites Gallischi, Fr. 

In der Sammlung des Lehrers Herrn Gallisch in Nieder- 
langenau fand ich eine glatte Wohnkammer eines grossen 
Baculiten nebst zwei undeutlichen Kammern. Das Stück 
ist 15 cm lang, 4 cm breit, aber nicht so erhalten, um 
genau studirt werden zu können. Es erinnert an die 
grossen amerikanischen Arten, aber es muss das Auffinden 
von besseren Exemplaren abgewartet werden. 

(Turrilites sp.) 
a eg Was aus Kieslingswalda als Turrilites angeführt wird, 


Aus dem groben dürfte nur auf Fragmente von Helicoceras Reussianum zurück- 
Sandstein am Chlo- VOR, s 

mei bel Jungbons- zuführen sein. 

lau. Nat. Grösse. 


Gastropoda. 


Turritella подова, Кот. (Nordd. Kreideg. p. 80. T. XI. Fig. 20.) 
Kommt in Tannenberg und Kieslingswalda vor. — Fig. 24. 


Fig. 24. Turritella nodosa, Róm. von Kieslingswalda. 


41 


Turritella sexlineata, Róm. (Verst. d. n. Kr. p..80.. Tab. XL Fig. 22.) Pig. 20. 
Blos in zwei Exemplaren aus dem groben Sandstein von Chlomek und 
wurde nach einem Gypsabgusse gezeichnet. 


а b 


Fig. 25, Turritella sexlineata, Róm. von Chlomek. а. Nat. Grösse. 0. Eine Windung vergrössert. 


Turritella nerinea, Röm. (Geinitz Kiesl. p. 10. Taf. I. Fig. 16.) Fig. 26. 

Wir besitzen grosse bis 7 cm lange Exemplare von Steinkernen von 
Tannenberg. Die Negative gaben Gelegenheit zur Anfertigung von Gyps- 
abgüssen, nach denen die beifolgende Zeichnung gemacht ist. Die Art kommt 
nach Geinitz und Langenhan Grundey auch in Kieslingswalda vor. 


Fig. эв, Turritella nerinea, Róm. von Tannenberg. Fig. 27. Turritella iniqueornata, Dre- 
S Nat. Grósse. scher. Aus dem groben Sandstein 

а. Nat. Grüsse. b. Fragment vergróssert. von Chlomek. a. Natürliche Grösse. 

i b. Letzter Umgang 9mal vergróssert. 


42 


Turritella iniqueornata, Drescher. (Kreidebild. v. Löwenberg. Zeitschr. d. d. 
Geol. Gesellschaft. XV. p. 333. Taf. IX. Fig. 1.) Fig. 27. 

Es liegt ein einziges Negativ von Chlomek vor, nach dessen Abguss 
die beiliegende Zeichnung gemacht wurde. Auf den stärkeren Rippen ist 
bei schiefer Beleuchtung auch die Krümmung zu sehen. Von den bei Geinitz 
(Kieslingswalda) unter dem Namen T. nerinea angeführten Stücken gehört 
Fig. 17. wahrscheinlich dieser Art an. 

Turritella multistriata, Rs. (Fr. Weissenberger Schichten p. 104. Fig. 38.) 

Häufig und bis zu einer Länge von 8 cm in Tannenberg, Chlomek, 
Kreibitz und Kieslingswalda. 

Turritella Noegerathiana, Goldf. (Petr. Germ. Ш. p. 107. Taf. 197. Fig. 1.) 
Mangelhaft erhaltene Exemplare, die durch vier gekrümmte Rippen kenntlich 
sind, besitzen wir von Tannenberg. 
Glaueonia (Omphalia) ventricosa, Drescher (Kreidebild. v. Lówenberg, p. 334. 
"Rb. IX. И ор 28. 

Diese Art kam zusammen mit Acteonella in einem flachen Schwefel- 
kiesknollen in Tannenberg vor. 

Der Steinkern war glatt und füllte nicht die Hóhlung nach der Schnecke. 
Das Negativ eignete sich zum Abguss, nach dem die Zeichnung gemacht 
wurde. Unser Exemplar stimmt mit dem von Drescher abgebildeten Exemplar, 
aber die welligen Anwachsstreifen sind feiner. 

Glauconia (Omphalia) ornata, Drescher. (Kreidegeb. Lówenberg, p. 335. Taf. IX. 
pe 09%) 


Fig. 28. Glauconia (Omphalia) ventri- Fig. 29. Natica dichotoma, Geinitz. Von 
cosa, Drescher. Von Tannenberg. Nat. Ohlomek. 2mal vergr. 


Grösse. Nach einem Gypsabgusse. 


Ein schlecht, erhaltener Steinkern deutet darauf hin, dass auch diese 
Art in Gesellschaft der vorigen, ähnlich wie in Lówenberg, in Tannenberg 
vorgekommen ist. 
Natica vulgaris, Reuss. (eretacea Goldf.) (Nat. lamellosa, Róm. — Gein. Kieslw. 
p. 10. Taf. I. Fig. 21—29). 


43 


Von Kieslingswalda besitzen wir eine ganze Entwickelungsreihe von 

Exemplaren von 2 mm bis 20 mm, die Mündung ist aber nirgend gut erhalten. 
Natica dichotoma, Gein. (Gein. Kiesl. p. 10. Taf. I. Fig. 19.) 

Das Negativ eines kleinen 12 mm breiten Exemplares ermöglichte die 
Darstellung dieser mit diehotomirenden Rippen versehenen Art. Es bleibt 
aber unsicher, ob dies die bei uns schon in den cenomanen Korycaner Schichten 
vorkommende Art ist. 

Natica (&yrodes) aeutimargo, Röm. (N. Kr. p. 83. Taf. 12. Fig. 14. — Holz- 
apfel. Moll. d. Aachn. Kr. p. 145. Taf. XIV. Fig. 19—21.) Fig. 30. 

Kin guter Steinkern aus dem groben Sandstein von Chlomek zeigt die 
Gesammtform, ein Negativ ermöglichte die Darstellung der Mündung nach 
einem Gypsabguss. 

Natica bulbiformis, Sow — Gein. Kiesl. p. 10. Taf. І. Fig. 24, 9n uu. D'Orb. 
p. 162. Taf. 174. Fig. 3.) Fig. 81. 
Ein gut erhaltener Steinkern ohne Mündung aus dem Eisenstein in Kies- 


lingswalda ist in unserer Sammlung. 


Fig. 30. Natica (Gyrodes) acutimargo, Röm. von Chlo- Fig. 31. Natica bulbiformis, 
mek. Prof. Weinzettl gez. Sow. von Kieslingswalda. 


Natiea Roemeri, бейш. (Weissb. Sch. p. 105. Fig. 44.) 

Ein Steinkern von Tannenberg stimmt mit der citirten Abbildung gut 
überein. 

Natica Gentii, Sow. sp. (Priesener Schichten p. 82. Fig. 66.) 

Steinkerne besitzen wir von Kieslingswalda und Tannenberg. Das Ver- 
hältnis zu Lunatia Geinitzi D’Orb. (Holzapfel p. 141.) lässt sich nach unseren 
Exemplaren nicht präcisiren. 

Amauropsis exaltata, Goldf. sp. (Litorina rotundata, Sow. bei Reuss. I. p. 49. 
Taf. X. Fig. 15. Holzapfel. Aachner Kreide p. 189. Taf. IV. Fig. 22 und 
25. — Hieher gehört wohl auch Litorina conica, Gein. Kieslingswalda, p. 10. 
Taf. I. Fig. 24, 25.) 

Unsere Exemplare von Kieslingswalda, deren Steinkerne 25 mm Länge 
erreichen, haben die Mündung nicht erhalten und es bleibt ungewiss, ob 
diess nicht blos grosse Exemplare von Natica cretacea Goldf. sind. 

Rissoa Reussi, Geinitz. (Gein. Elbthalgeb. II. p. 163. Taf. 31. Fig. 6. — Weissen- 
berg. Sch. p. 106. Fig. 46.) 


44 


Selten in den grauen Schichten von Tannenberg als Steinkern. In Chlomek 
gaben gute Negative Gelegenheit zu Abgüssen. In Kieslingswalda kommt 
die Art in den sog. Eisensteinen vor. Nach Holzapfel soll dies kaum eine 
Rissoa sein, sondern eher zu Mesostoma gehören. 

Xenophora onusta (Nils) (Trochus onustus, Nils Petr. Suec. p. 12. Tab. III. 
Fig. 4. Fig. 32. 
Steinkerne kommen selten in Tannenberg und Chlomek vor. 
Trochus Engelhardti, Gein. (Priesener Schichten, p. 82. Fig. 68.) 

Wir besitzen ein ganzes gutes Exemplar von Kieslingswalda und ein 

mangelhaftes aus dem groben Sandstein von Chlomek. 


Trochus tubereulatocinetus, Münst. (Goldfuss III. pag. 60. Taf. 181. Fig. 12.) 
IUE 09. 

Wir besitzen einen guten Steinkern von Kreibitz, der die doppelte 
Knotenreihe an den Windungen erkennen lässt. Die Kanten stehen aber dichter 
als bei der Goldfussischen Abbildung und sind an beiden Knoten eut entwickelt. 
Das Goldfussische Exemplar stammt aus der Gasauformation vom Sonnenwendjoch 
in Tyrol. 


а b 


Fig. 32. Xenophora onusta, Nils. Von Chlomek. Fig. 33. Trochus tubercu- 
Nat. Grósse. latocinctus, Münst. Nat. 
Grösse. Von Kreibitz. 


Turbo decemeostatus, v. Buch. (Teplitzer Schichten, p. 75. Fig. 50). 
Ein einziges Exemplar von Chlomek. 


Turbo glaber, Müll. (Margarita radiatula, Forb. sp. Holzapfel, Mall. d. Aachner 
Kreide, p. 171. Taf. ХҮП. Fig. 1—9. — Ach. Kreide, p. 43. Taf. V. Fig. 6.) 
Fig. 84. 
Wir besitzen Steinkerne von Kieslingswalda und Chlomek. Die Art ist 
häufig im Grünsande von Aachen. 
Solarium baculitarum, Gein. (Priesener Schichten, p. 84. Fig. 73). 
Ein einziges Negativ dieser in den Priesener Schichten häufigen Art 
besitzen wir von Chlomek. 


Keilostoma labiatum, Weinz. in lit. Fig. 35. 
Unterscheidet sich von den bekannten Arten hauptsächlich durch die 
starke Wulst am Innenrande der Mündung und viel kürzeres Gehäuse, 
Häufig in den Sandsteinen am Chlomek bei Jungbunzlau. 


45 


Sealaria Philippi, Reuss. (Reuss II. p. 114. Taf. XLIV. Fig. 14.) 
Reuss führt die Art als selten von Kreibitz an. Die beigefügte Zeichnung 
ist nach dem Reussischen Original aus dem Pyropenconglomerat gemacht. 
Wir besitzen blos ein Negativ von Kieslingswalda. 
Chemnitzia Kieslingswaldensis, Weinz. in lit. Fig. 37. 


Fig. 34. Turbo glaber, Müller. Von Fig. 35. Keilostoma labiatum, Weinz. in lit. Von 
Ohlomek. 3mal vergróssert. Chlomek. | 


Die Art von Kieslingswalda ist nach Weinzettl der Chem. Stoliczkai 
sehr ähnlich, aber die letzte Windung ist bauchiger, gegen die früheren 
Windungen viel breiter. Die letzte Windung hat Zuwachsstreifen und im 
oberen Theile auch Lüngsstreifen. Die oberen Windungen zeigen im oberen 
Drittel eine deutliche kielartige vorspringende Linie. Wir besitzen nur 2 
Exemplare. 


N 


Fig. 36. Salaria Philippi, Reuss. Fig. 37. Chemnitzia Kieslings- Fig. 38. Aporrhais апѕегіпа, 
Copie nach Reuss. waldensis, Weinz. in lit. Von Nils. sp. Von Kieslingswalda. 
Kieslingswalda. 


Aporrhais anserina (Nils.) (Geinitz Kiesl. p. 9. Taf. I. Fig. — Rostellaria vesper- 
tilio, Goldf.) Fig. 38. 
Häufig, aber selten mit erhaltenem Flügel von Tannenberg und Kies- 
lingswalda, Reuss bildet die Art von Kreibitz ab. 
Aporrhais arachnoides (Müll) (Fr. Pries. Sch. p. 86. Fig. 80.) 
Kin typisches Gewinde besitzen wir von Tannenberg. 
Aporrhais stenoptera (Goldf) (Rostellaria stenoptera, Goldfuss, p. 18. Taf. 170. 
Fig. 6.) Fig.,39. 


46 


Das abgebildete Exemplar von Ohlomek zeigt den Flügel von unten 
und die Umgebung der Mündung. 

Aporrhais megaloptera, Reuss. (Reuss Verst. d. b. Kr. I. p. 45. TAS ТАӘ.) 
(В. Reussi var. megaloptera Weissenb. Schichten, p. 108. Fig. 50.) 

Gute Steinkerne mit wohlerhaltenem Flügel besitzen wir aus dem groben 

Sandsteine von Chlomek. 
Aporrhais Tannenbergica, Fr. Fig. 40. 

Diese Art steht der R. papilonacea nahe, aber der Flügel ist nach oben 
in eine lange Spitze ausgezogen und am Gewinde reicht er nicht auf die 
vorletzte Windung. Die Längsrippen sind sparsamer und zwischen den 
Umgängen zieht sich eine doppelte Nathlinie. Mehrere Steinkerne von Tannen- 
berg wurden zur Herstellung der Abbildung benützt. 

Aporrhais (Lispodosthes) papilionacea (Goldf.) (Rostellaria papilionacea Taf. 
170. Fig. 8. — Fr. Priesener Schichten p. 85. Fig. 77.) 

Steinkerne besitzen wir aus dem groben Sandstein von Chlomek, dann 

von Kreibitz, Tannenberg und Kieslingswalda. 
Вара cancellata, Sow. (W. Sch. p. 110. Fig. 57). 
Selten im groben Sandstein von Chlomek und in Kieslingswalda. 


Iig. 39. Aporrhais stenoptera, Fig- 40. Aporrhais Tannenbergica, Fig, 41. Вара can- 


Goldf. sp. Von Chlomek. Nat. Fr. Von Tannenberg. Nat. Grosse, cellata, Sow. Von 
Grósse. Chlomek. 


Rapa costata, Röm. (Nordd. Kr. p. 79. ай Sal, Lid. 10) 
Geinitz führt die Art von Kreibitz und von Kieslingswalda an. 
Rapa quadrata, Sow. sp. (Geinitz Elbthalgeb. П. p. 174. Pan 8O Fig: 16б, 1] 
Nach Geinitz in Kreibitz und Kieslingswalda. 
Tritonium proserpinae v Münst. (Fusus Proserpinae Mstr. 
Petr. Germ. III. p. 23. Taf. 171. Fig. 17.) Fig. 42. 
In dem tieferen Horizont der Chlomeker Schichten 
in Kreibitz und уоп Chlomek. 
Fusus plieatus, Röm. (Nordd. Kreide, pag. 79. Taf. XI. 


Fig. 42. Tritonium pro- 


Fig. 15. Langenhan u. Grundey, p. 9. Taf. П. Fig. gerpinae v. Münst. Von 
e De Kreibitz. Nat. Grösse. 


41 


Fin gut kenntliches Exemplar befindet sich in der Sammlung des Herrn 
A. Langenhan in Liegnitz. Die Abbildung, die er auf Taf. II. Fig. 24 giebt, 
hätte sollen vergrössert gezeichnet werden. 

Fusus Nereidis, Münst. (Priesener Sch. p. 86. Fig. 81.) 

Selten in Chlomek und Tannenberg. 

Cerithium ehlomekense, Weinzettl in lit. Fig. 43. 

Ist verwandt mit C. belgicum v. Münst. aus dem Cenoman, ist aber 
schlanker, die Windungen sind dicht berippt, die Rippen gebogen. Die Art 
liegt in einigen mangelhaft erhaltenen Exemplaren von Chlomek vor. 

Cerithium fasciatum, Reuss. (Verst. p. 42. Taf. X. Fig. 4.) Fig. 44. 
Ein gutes Negativ von Chlomek ermöglichte die Bestimmung dieser Art. 
Cerithium pseudoclathratum, D'Orb. (C. clathratum, Róm. p. 79. Taf. 11. 
Кш ЫИ) 
Wir besitzen blos das Fragment eines Negativs von Tannenberg. 
Voluta semiplicata, Münst. (Goldfuss, p. 19. Taf. 70. Fig. 11.) Fig. 45. 
Diese Art kommt in Chlomek, Kreibitz und Kieslingswalda vor. Fig. 45. 


lim. 43. Cerithium Fig. 44. Cerithium fascia- 
chlomekense. Weinz. tum, Reuss. Nach einem 


in lit. Aus dem gro-  Abguss von Chlomek ver- 
ben Sandstein von gróssert. 
Chlomek. 


Vig. 45. Voluta semiplicata. Münst. Von 
Kieslingswalda. 


Voluta elongata, Sow. sp. (Weissenb. Sch. p. 109. Fig. 56.) 
Ein Fragment des Negativs besitzen wir aus dem groben Sandsteine 
von Chlomek. 
Mitra Roemeri, D'Orb. (Weissenb. Sch. p. 110. Fig. 58.) 
Selten in Chlomek, von wo wir blos zwei sehr gute Negative besitzen. 
Nerinea ef. Buchi, Zek. (Gastr. d. Gosau, p. 34. ОМ 
Mangelhafte Steinkerne, die in den Schwefelkiesplatten in Gesellschaft | 
von Glauconia und Acteonella Briarti in Tannenberg vorkamen, gehören | 


48 


in die Nähe der N. Buchi Zekeli, aber der Erhaltungszustand erlaubt eine 
genauere Bestimmung nicht. 
Acteon ovum, Duj. (Gein. Elbthalgeb. П. p. 176. Taf. 29. Fig. 16, 17.) 

Ein gutes Exemplar mit dicker, aber abgeriebener Schale aus dem groben 
Sandsteine von Chlomek. 

Acteon doliolum, Müll. (Aachner Kreide, p. 11. Taf. 3. Fig. 11. — Act. Reussi, 
D'Orb. — Priesener Sch. p. 89. Fig. 93.) 

Desitzen wir von Chlomek und Kieslingswalda. 

Aeteonella Beyrichii, Drescher (Kreideg. v. Lówenberg, p. 337. Taf. VIX. Fig. 

8—11. Fig. 46.) Selten in Tannenberg und Kieslingswalda. 

Acteonella Briarti, Gein. Fig. 47. 

In den Schwefelkiesplatten am Tannenberg kamen in Gesellschaft von 
Glauconien und Nerineen auch Acteonellen vor, die in Gestalt und in der 
Faltung der Spindel an A. Briarti erinnern, die bei uns massenhaft in den 
Korytzaner Schichten vorkommt, aber sie ist noch einmal so gross. Von 
dieser Form mit ganz verkürztem Gewinde besitzen wir nur 1 Exemplar. 

Acteonella acuminata, Fr. Fig. 48. 

Wir besitzen 8 Steinkerne dieser Art, die alle ein hohes Gewinde haben 
und kaum mit der in Fig. 47 abgebildeten Acteonella mit ganz niedrigem 
Gewinde zusammengezogen werden kann. Dieselben kamen in den Schwefel- 
kiesplatten am Tannenberg mit Acteonella und Nerinea vor. 


Fig. 46. Acteonella Fig. 47. Acteonella Briarti. Gein. Verkiester Fig. 48. Acteonella acu- 
Beyrichii, Drescher. Steinkern. a. von vorne, 0. von oben. Nat. minata, Fr. Verkiester 
Von Tannenberg. Grósse. Steinkern іп nat. Grösse. 


Avellana Humboldti, Müll. (Müller, Aachner Kreide, p. 12. Taf. III. Fig. 15. 
Priesener Schichten, pag. 89. Fig. 96.) 
Kommt in Kieslingswalda, Tannenberg und Chlomek vor. 
Avellana Archiaciana, D'Orb. (Geinitz, Elbthalgeb. II. p. 177.) 
Kommt nach Geinitz in Kieslingswalda vor. 

Avellana seulptilis, Stol. (Geinitz, Elbthal. II. p. 178. Taf. 29. Fig. 15.) 
Grosse Exemplare in Kieslingswalda und nach Geinitz in Kreibitz. 
Ringieula Hagenovi, Müll. sp. (Aachner Kreide. Suppl. p. 13. Taf. 3. Fig. 16. 
К. pinguis, Müll. Auricula incrassata, Sow. bei Geinitz Kiesl. p. 11. Taf. I. 

Fig. 26.) Fig. 49. 


49 


Häufig in dem sogen. Eisenstein in Kieslingswalda. Nach Holzapfel 
häufig im Grünsand von Vaals. 
Cylichna eylindracea, Loven. (Priesener Sch. p. 88. Fig. 92.) 
"Gei Selten in Kieslingswalda im sogen. Eisenstein. 
Cylichna expansa, Fr. Fig. 49. 
Ein Exemplar von Tannenberg als Steinkern erhalten zeigt die Mündung 
sehr gross, flügelartig ausgebreitet. Die Länge beträgt 25 mm, die Breite 
99 mm. Auch von Chlomek besitzen wir ein Exemplar dieser Art von 
gleicher Grösse. 


Fip. 49. Ringicula Hagenovi, Müll. Von Kieslingswalda. Vergrössert. 


Patella inconstans, Gein. (Elbthalgeb. П. p. 167. Taf. 30. Fig. 1, 2.) 
teinitz führt diese Art aus Kreibitz an. Dieselbe erreicht 30 mm Länge 
und ist durch zwei vom Wirbel nach dem Vorderrande ausstrahlende Rippen 
gekennzeichnet. 
Dentalium latieostatum, Reuss. (Reuss Verst. р. 41. Taf. ХІ. Fig. 3.) Fig. 50.) 
Ist die häufigste und grösste Art der Chlomeker Schichten, die wir aber 
nur von Chlomek besitzen. 
Dentalium medium. Sow. (Fr. Pries. Sch. p. 90. Fig. 100.) 
Selten als Steinkern und gutes Negativ in dem groben Sandstein von 
Chlomek. 
Dentalium glabrum, Gein. (Gein. Kieslingsw. p. 11. Taf. I. Fig. 27. Fr. Prie- 
sener Sch. p. 90. Fig. 99.) 
Selten in Kieslingswalda und Chlomek. 


Fig. 50. Cylichna expansa, Fr. Von Tannenberg. Fig. 51. Dentalium laticostatum, Reuss. 
Von Chlomek. A. B. Nat. Grösse. 
C. Fragment vergrössert. 


Pelecipoda. 


Cardium (Granocardium) productum, Sow. (C. tubuliferum, Goldfuss. — 
Drescher, p. 346. Taf. IX. Fig. 14.) Fig. 52. 

Diese Art besitzen wir von Kreibitz, Tan 
nenberg, Kieslingswalda und von Chlomek, auf 
welchem jetzteren Fundorte trotz des groben 
Sandsteins doch die dicke Schale gut erhalte" 
ist und im Bau genau mit dem bei Drescher 
dargestellten übereinstimmt. Diese Art gehört 
zu denen, welche in Böhmen schon im Cenoma? 
auftritt, später verschwindet, um in den höchste 
Schichten wieder zu erscheinen. 


'ardium Ottoi, Goin. (Gein. Kieslingswalda p. 14 
, o 

Taf. 1. Fig. 31—32. — Drescher Kreideb. Y 

Lóvenberg. P. 347 (Taf. 9. Fig. 15.) C. Pectin! 

Fig. 52. Cardium productum, Sow. = EE ( ois ).) ` aller. 
Steinkern in Nat. Grósse. Von forme, J. Müller. — C. Becksii, J. Mü | 
7 \ М r : 3 € Ma], 

Chlomek. Frech. Zeitschr. d. d. G. Ges. Band 39, T? 


ALLY RE ba 
Die seit Jahren als Cardium Ottoi, Goin. bekannte und für den Но 
rizont der Chlomeker und Kieslingswalder Schichten bezeichnende КОШ 
wurde in neuester Zeit von Frech und Holzapfel zum Theil zu Card. рес!” 
forme gezogen zum Theil als Card. Becksii von derselbeu abgetrennt. 


51 


Die Exemplare von Kieslingswalda zeigen bei gut erhaltener Schale die 
Rippen gekernt und die Zwischenräume schmal (Fig. 53. А 1.), wo die 
oberste Schichte fehlt erscheinen die Rippen schmal und die Zwischen- 
räume breit (Fig. 53. A 3). In diesen Zwischenräumen liegt noch ein dicker 
runder Stab (2) und zwei feine Leisten (4). Dei gründlich abgeriebenen 


Fig, 53, Cardium Ottoi, Gein. 1. Steinkern von Kieslingswalda. 2. Oberfläche der Schale. 3. Schloss 
vergrössert. A, Schale 6mal vergrössert. (1. Oberste Schichte. 2. dicker Stab. 3. schmale gekerbte 
Rippen. 4. Zwei feine Leisten.) 

(4. Form des Card. Becksii, J. Müller. 5. Schale vergrössert. В. Schale stärker vergróssert. 


| Exemplaren von Chlomek erscheinen die Rippen schmal, elatt, die Zwischen- 

räume doppelt so breit. (Fig. 53. 4 und 2.) Dies entspricht der als 

О. Becksii angeführten Form. Das ©. Ottoi kommt häufig in Kieslingswalda 

vor. Von Kreibitz, das den tiefsten Horizont der Chlomeker Schichten dar- 

stellt, ist es nicht bekannt. Das Vorkommen dieser Art in der Gossau 
4% 


52 


wird für die Parallelisirung der Chlomeker Schichten gewiss wichtig sein. 
In Chlomek ist blos die Form mit scharfen Rippen häufig und von dieser 
ist in Fig. 3. auch das Schloss dargestellt. 
lardium alutaceum, Münst. Teplitzer Schichten, p. 77. Fig. 58. (Geinitz Kies- 
lingswalda, p. 14. — Elbthalgeb. П. Taf. 18. Fig. 67.) 
Selten und mangelhaft erhalten von Kreibitz, Tannenberg und Kieslings- 
walda. 
Protoeardium Hillanum, Sow. (Weissenb. Schichten, p. 113. Fig. 64.) 
Diese schon in den cenomanen Koritzaner Schichten auftretende Art 
findet sich häufig in Kieslingswalda, Chlomek und Tannenberg. 
lsocardia eretacea, Goldf. (Kieslw. p. 15. Taf. П. Fig. 14. a. b. — Teplitzer 
Schichten, p. 76. Fig. 54.) 
Geinitz führt diese Art aus Kieslingswalda und Reuss aus Kreibitz an. 
Wir besitzen ein gutes Exemplar mit beiden Schalen als Steinkern von 
Tannenberg und mehrere von Kieslingswalda. 
Astarte acuta, Reuss. (Weissenberger Schichten, p. 115. Fig. 73.) 
Reuss führt die Art von Kreibitz an und wir besitzen ein schlechtes 
Exemplar von Tannenberg. 
Astarte multistriata. Sow. 
Wird von Geinitz aus Kreibitz angeführt. 
Crassatella tricarinata, Röm. (Römer: Могай. Kreidebild, р. 74. Taf. 9. Fig. 23). 
Einen guten ganzen Steinkern besitzen wir von Tannenberg, sowie 
mehrere bis 35 mm lange einzelne Schalen. 


Fig. 54. Crassatella tricarinata, Röm. Fig. 55. Crassatella Bookschii, Gein. von Kieslings- 
von Tannenberg. walda. (Copie nach Geinitz.) 


Crassatella Bockschii, Gein. (Geinitz Kieslingsw., p. 12. Taf. IL. Fig. 17.) Fig. 55 
Wird von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt. 
Crassatella regularis, D'Orb. (Gein Kieslw. p. 12. — Cr. arcacea, Róm. W. Sch. 
Di TID EN (2, 
Echte Steinkerne von 40 em Länge besitzen wir von Ohlomek und Tau- 
nenberg. Exemplare mit Schale vou Chlomek und Kieslingswalda. 
(Cyprina) Venilieardia van Кеуі, Bosquett. (Holzapfel. Mollusken d. Aachner 
Kreide. Palaeontogr. Band XXV. p. 175. Taf. XVI. Fig. 1—8.) Fig. 56. 
Diese Art ähnelt äusserlich der Cyprina ligeriensis (D’Orb, Pl. 275.) 
aber wir besitzen ein gutes Schloss, das mit der bei Venilicardia von Holz- 
apfel dargestellten Abbildung genau übereinstimmt und auch in der Dë 
sammtgestalt mit der V. von Bet übereinstimmt. Wir besitzen gute Exem- 
plare von Tannenberg, Kieslingswalda und Chlomek. Die C. rostrata, die 


53 


Geinitz von Kieslingswalda abbildet. Taf. IL Fig. 12. scheint ebenfalls 
hieher zu gehören, zweifelhafter ist der (Fig. 13) abgebildete Steinkern. 
Cyprina altissima, Fr. Fig. 57. 
Diese Art gehórt in die 
Nühe von Oyprina ligeriensis 
und ist durch ganz bedeutende 
Hóhe und dureh den Kiel ge- 
kennzeichnet, welcher vom 
Wirbel sich zum Unterrande 
der Schale hinzieht. Der hin- 
tere: Muskelansatz ist stark 
vorspringend, die Mantelfalten 
am hinteren Rande stark ent- а ne 
; Fig. 56. Schloss von Venilicardia van Reyi, Bosquet. 
wickelt. i Von Chlomek. 
Cyprimeria Geinitzi, Müller sp. 
(Lucina Geinitzii, Müller. I. p. 66. Holzapfel. Mollusken der Aachner Kreide, 
p. 174. Taf. XII. Fig. 1—4.) Fig. 58. em 
Diese, einer riesigen Eryphila äh- "m | 
nelnde Muschel besitzen wir in einigen 


Fig, рт, Cyprina altissima, Fr. а Steinkern der rechten Hälfte. Nat. Grösse. b Ansicht von oben 
desselben Exemplars, c) Junges Exemplar von oben. Aus dem gelblichen Sandstein von Tannenberg. 


54 


Exemplaren von Tannenberg, Kiesllngswalda und ein mangelhaftes von 
Kreibitz. Holzapfel führt sie aus dem Horizont des Grünsandes von Vaals 
von mehreren Fundorten an und wird diese Art für die Parallelisirung der 
Chlomeker Schichten gewiss sehr wichtig sein. 


D . А 1 A 
Fig. 58. Cyprimeria Geinitzii, Müller sp. Aus den grünen Sandsteinen in Tannenberg. Nat. Grösse 


Mutiella ringmerensis, Mant. sp. (Geinitz Elbthalgeb. II. p. 61. Taf. 16. Fig. 
11—18) Fig. 59. 

Von dieser Art, welche in den tieferen Sehichten unserer Kreideformation 

nur als Steinkern vorkam, besitzen wir von Chlomek aus den grobkernigen 

Sandsteinen ein Exemplar mit sehr dicker Schale, an deren Oberflüche die 


Fig. 59. Mutiella ringmerensis, Mant. sp. Exemplar mit Schale. 


Aus dem grobkórnigen Sand- 
stein von Chlomek, 4. Evemplar in nat. Grösse. 


В. Kin Theil des Schlosses. 


concentrischen Furchen sehr deutlich ausgeprägt sind und von feinen, aber 
deutlichen Längsstreifen gekreuzt werden. 


55 


Das in Fig. B. dargestellte Schloss scheint einem abgerollten Exemplare 
anzugehören. 

Jüngere Exemplare von nur 4 cm Durchmesser zeigen sehr vorsprin- 
gende concentrische Rippen, wie sie D’Orb. bei Corbis striatocostata (Pl. 281. 
Fig. 1, 2) abbildet, doch glaube ich, das diess keine selbständige Art ist, 
sondern nur eine Jugendform, bei der später diese stark vorspringenden 
Rippen schwächer werden, wie dies an dem abgebildeten Exemplare (Fig. 59.) 
zu sehen ist. 

Eriphyla lenticularis, (Goldf.) (Lucina lenticularis, Goldf. Weissenb. Schichten, 
De 110. Bio. 8.) 

Exemplare mit Schale von Kieslingswalda, Steinkerne von Kreibitz, 

Chlomek und Tannenberg. 


pi s n DH e DËS AO. xt . d SE э 
Trigonia alaeformis, Park. (Geinitz Kieslingsw. p. 114. Taf. II. 10.) Fig. 60. 


Fio a i Е d 
D T 60. Trigonia alaetormis, Park. а. Von vorne, 
" von der Seite, c. von oben, d. Fragment der Schale. 


Ich gebe die genaue Zeichnung eines 

der besterhaltenen Steinkerne von Kies- 

lingswalda, der sehr stark nach hinten 

ausgezogen ist, sowie eine Probe der Art 
der Kernung der Rippen. 

Dass die Art der schon im Gault 
auftretenden Form einer Reihe ange- 
hört, ist wohl sicher und sie ähnelt in 
der Wölbung der Schale mehr der alten Form als den später als Trigonia 
limbata scabra und Vaalsensis angeführten Arten. 

Will man die Art aus den Chlomeker Schichten nicht mit der Gault Art 
vereinigen, dann bliebe wohl nichts anderes übrig, als ihr einen neuen 
Namen zu geben, denn wenn auf die variirende Verlängerung der Schale 


56 


nach hinten und die Kernung der Rippen Gewicht gelegt wird, dann kann 
man unsere Art mit keiner der bekannten Arten identifieiren. 
Die Art liegt ausser Kieslingswalda noch von Kreibitz, Tannenberg und 
Chlomek vor. 
Nucula semilunaris, Gn. (Teplitzer Schichten, p. 92, Fig. 102). 
Selten als Steinkern in Kreibitz und Chlomek. 
Nueula peetinata, Sow. (Weissenb. Sch. p. 117. Fig. 79.) 
Selten als Steinkern in Kieslingswalda, Kreibitz und Chlomek. 
Nucula impressa, Sow. (Reuss. Verst. П, p. 6. Tab. 3, 4. Fig. 6, 7.) Fig. 61. 


Diese von Reuss aus den Priesener 
Schichten von Priesen und Luschitz, sowie 
aus dem Pyropenconglomerate von Meronie 
angeführte Art kommt in den grobkórnigen 
Sandsteinen in Chlomek in grossen kräftigen 
Exemplaren und guten Steinkernen vor. 


Fig. 61. Nucula impressa, Sow. von Chlo- 
тек. o Exemplar mit Schale. b Steinkern. 


а b с 
Fig. 62. Pectunculus Geinitzii, D'Orb. Nat. Grósse. а. Innenansicht eines Exemplars von Chlomek 
в. Nach einem Gypsausguss. b. Exemplar mit Schale von Kieslingswalda. e. Fragment der Schale 
vergrössert. 


Pectunculus Geinitzii, D'Orb. (Prodrom. Et. 21, Nro 132. — Рес. sublaevis 
Geinitz. Kieslw. p. 14. Taf. 2 Fig. 90. D'Orb. Prodrom. 21. Nro 132. Holz 
apfel, Aachner Kreide, p. 210. Taf. XXIIL Fig. 11, 12. Taf. 126, Fig. 3.) 
Da die Identificirung der Art mit P. sublaevis, Sow. sehr schwierig ish 
so fasste D’Orbigni die Art von Kieslingswalda als eine neue auf. 


b 


Fig. 63. Arca vendinensis, D'Orb. a. Nat Grösse. b. Fragment vergrössert. Von О. Кге)" 
jahnhof. 


57 


Bei uns kommt sie in Kreibitz, Tannenberg und Chlomek vor und ist 
die letzte aller böhmischen Kreideversteinerungen. 

Area vendinensis, D’Orb. (Pal. fr. p. — Taf, 315. Fig. 4—7 — wahrscheinlich 
identisch mit Cueulaea gosaviensis, Zittl. Taf. X. Fig. 4) Fig. 63. 

Häufig mit Schale und als Steinkern in den grobkernigen Sandsteinen 
von Chlomek. Ein gutes Negativ, das zum Abgusse des abgebildeten Stückes 
benützt wurde, fand ich im Steinbruche hinter dem Bahnhofe in Ober- 
Kreibitz. 

Arca striatula, Reuss. (Reuss. Verst. II. p. 15 Taf XXXIV; BM. 29) 

Wird von Reuss aus dem glauconitischen unteren Quader (— Chlomeker 
Schichten) angeführt. 

(Arca Raulini, D'Orb. Ist von Kieslingswalda notirt und wird von Drescher aus 
Lówenberg als fraglich angegeben, aber wir besitzen kein sicher bestimm- 
bares Exemplar.) 

Scapharca ponticeriana, Stol. (p. app Pl ХУП. Fig. 39. Im Texte als 
Anomalocardia bezeichnet.) Fig. 64. 

Gute Steinkerne, an denen man die drei 
Längsfalten gut beobachten kann, stimmen 
mit den Darstellungen von Stolička. 

Exemplare mit Schale von Chlomek 
zeigen dieselbe ganz abgerieben. Stein- 
kerne aus dem grauen und auch aus dem 
oelblichen Sandstein von Tannenberg. 

Arca subglabra. D’Orb. (Iserschichten, p. 103. 
Fig. 6Ta—c.) 

Steinkerne häufig in Chlomek, Tan- 
nenberg und Kieslingswaldá. Fig. 64. ef. Scapharca ponticeriana, Stol. 

Pinna decussata, Goldf. (Geinitz Elbth. I. ШОШО 
b 211. I DT. In ЕЩ. e 2з Weissenb, Schichten, p. 120. Fig. 86.) 

Ist durch 8 Längsrippen auf der unteren Seite gekennzeichnet und ist 
in den Chlomeker Schichten weit verbreitet und auch in Steinbrüchen, wo 
kein anderes Petrefact zu eruiren ist, z. D. unterhalb der Trosky und in 

Ebenso kommt sie in Kieslingswalda und 


den Quadern von Grossskal. 
Chlomek vor. 
Pinna eretacea, Schlottheim (Gein. Elbthalgeb. IL p. 54. Taf. 14. Fig. 2, 3.) 
Diese Art hat auf der unteren Hälfte nur 4, zuweilen nur 2 Längs- 
rippen. Sie kommt in Kieslingswalda und Tannenberg vor. 
Pinna nodulosa, Reuss. (Mytilus Neptuni. Fr. Weissenb. Sch. p. 120. Fig. 87. 
— Priesener Schichten, p. 96. Fig. Bed 
Kommt nach Reuss in Kreibitz, dann in Kieslingswalda und Tannen- 
berg vor. 
Mytilus (Septifer) lineatus, Sow. (Holzapfel, p. 216. Taf. XXV. Fig. 10—18.) 
Fig. 65. 
Unsere Exemplare sti 
von Vaals abgebildeten überein. 


mmen mit denen von Holzapfel aus dem Grünsand 


58 


Mytilus reversus, (Gein. Kieslingsw. p. 15. Taf. IIT. Fig. 11.) 
Kommt nach Geinitz selten in Kieslingswalda vor. 
Mytilus Galliennei, D'Orb. (Geinitz Elbthalgeb. І. p. 213. Taf. 48. Fig. 213.) 
Fig. 66. 
Kommt in Kreibitz, Kieslingswalda und Tannenberg vor. 
Mytilus inornatus, D’Orb. (D'Orb. p. 277. Pl. 541. Fig. 8—5.) 
Kin Exemplar von Tannenberg stimmt in der Form ganz mit dem von 
D'Orbigni abgebildeten M. inornatus und zeigt eine schwache concentrische 
Streifung, wie die Abbildung, ist aber nieht glatt polirt, wie es in der Be- 
schreibung heisst. 


Fig. 65. Mytilus lineatus! von Fig. 66. Mytlus Gailiennei, D'Orb. 
Chlomek, Vergrössert. aus Kreibitz. 


Fig. 67. Solen macromyus, Fr. von Chlomek. Fig. 68. Solen Guerangeri, D'Orb. A. Exem- 
a. Mit Schale, 5. Steinkern. plar mit Schale in nat. Grósse von Chlomek. 
B. Bteinkern. 


Solen maeromyus, Fr. Fig. 67. 
Dieser schmale Solen ist durch die ungewöhnlich grossen Muskelansätze 
charakterisirt und kam im groben Sandstein in Chlomek vor. (Ist in die 
tabellarische Uibersicht einzutragen.) 


59 


Solen guerangeri, D'Orb. (Pl. 351. Ке, ЭЗ.) Eig. 08. 
Kam selten in den grobkernigen Sandsteinen als Steinkern in Chlomek vor. 
Solen lamellosus, Reuss (Reuss: Verstein. Il. Fig. 16. Tab. 36. Fig. 5.) 
Nach Reuss selten im glauconitischen Quader von Kreibitz. 
Siliqua (Leguminaria) truncatnla Reuss. (Reus. Verstein. II. Fig. 17. Tab. 86. 
Vig. 18, 16, 17. — Weissenb. Schichten, p. 123. Fig. 95.) 
Selten in Kieslingswalda. 
Modiola flagellifera, Forbes. (Mytilus flagelliferus, l'orb. Trans. Geol. Soc. London 
NL, 199. риу к EID Уу. гч Zittel Biv. d. Gossau, p. 82. pl. XII. Fig. 2. 
Geinitz Elbthalgeb. II. p. 55. Taf. 15. Fig. b)" Eig. 6v. 


[Д 
"Mo o WK? d vi ^ 1 А m Cl 
Vis. 09. Modioia flagellifera, Forbes. Fig 70. Modiola typica, Forb. von l'annenberg. 
on Tannenberg. Nach 2 Fragmenten a, Ganzes Exemplar in nat. Grösse. b. Gefalteter oberer 


restaurirt. Nat. Grösse. Rand. Vergrössert. 


Das fast ganze Exemplar eines Seulptursteinkerns besitzen wir aus dem 
grauen Sandstein von Tannenberg. In Form und Sculptur erinnert diese 
Muschel sehr an Mytilus plicatus aus der Juraformation (Goldf. Kar 190. 
Big. 12), 

Modiola typiea, Forb. (Zittl. Bw. d. Gossau. Taf. 11. Fig. 5. — Iserschichten 
p. 106. Fig. 73.) 

Steinkerne ohne Seulptur von Tannenberg stimmen in Form und Grósse 

mit den von mir aus den Iserschichten abgebildeten Stücken. 
Panopaea (Glycimeris) gurgitis Autorum. 

Die meisten Exemplare von Tannenberg und Kieslingswalda ähneln in 

der Stellung der Wirbel im vorderen Drittel der Goldfussischen Abbildung 


60 


(Petr. Germ. Taf. 153. Fig. 7.) In Kieslingswalda kommen bauchige Exem- 
plare bis zur Länge von 28 cm vor. 
(Glicimeris Geinitzii, Holzapfel). 
Von Tannenberg besitzen wir Panopaeen, welche vielleieht zu der Aachner 
Art gestellt werden kónnten, da sie die Wirbel fast in der Mitte haben, 
aber die Übergünge aus Pl. mandibula zu dieser Art machen es fraglich. 
Panopaea mandibula, Sow. (Geinitz. Elbthalgeb. II. Fig. 70. Tab. 18. Fig. 20, 21.) 
Unter den Panopaeen von Tannenberg und Kieslingswalda kommen auch 
Exemplare vor, welche zu dieser sehr kurzen Art gestellt werden kónnten. 
Andere stimmen genau mit der von Holzapfel. Taf. XX. Fig. 1 abgebildeten, 
aber nicht benannten Schale vom Preussenberge. 
Pholadomya aequivalvis, Goldf. (Weissenb. Schichten, p. 124. Fig. 98.) 
Häufig in Kieslingswalda, Chlomek, Tannenberg und Kreibitz. 
Die Exempl. erreichen bis 6 cm Länge bei 4 cm Höhe. 


Inocer. Ostrea Brachiopoda. 


Pholadomya nodulifera, Münst. (Ph. elliptica, Münst. Goldf. p. 273. Taf. 158. 
Figs 1. Gem. ОТ, Ж. рас. 19. Tat. 19, Fig. 2.) Е. 


Fig. 71. Pholadomya nodulifera, Münst. von Tannenberg, Nat. Grösse, a. Seitenansicht. b. Vorder- 
ansicht. c. Schwach geknotetes Exemplar. 


Diese in Bezug auf Form, Zahl der Rippen und deren Beknotung sehr 
variable Form besitzen wir von Tannenberg, Chlomek und Kieslingswalda 


61 


aber es sind kaum zwei ganz gleiche Exemplare vorhanden. Die besterhal- 
tenen von Tannenberg stehen am Nächsten der Ph. elliptica Münst., es 
kommen aber mit ihnen Exemplare vor, die der eigentlichen nodulifera 
gleichkommen, andere, die zu Ph. Esmarki übergehen. 

Ein Extrem mit wenig unbeknoteten Rippen kam unter den geknoteten 
Formen am Tannenberg vor. (Fig. 71. c.) 


Fig. 72. Pholadomya designata, Goldf. sp. Nat, Grösse. Von Kieslingswalda. 


M ^ ME on ч 
Fig. 73, Pholadomya perlonga, Fr. von Tannenberg. Nat. Gr. a. Von der Seite, b. von oben. 


Unser Material wird einem zukünftigen Monographen der bóhm. Kreide- 
bivalven Gelegenheit geben, an ganzen Reihen von Übergängen den geringen 
Werth der bisher aufgestellten Arten nachzuweisen. 

Pholadomya designata, Goldf. sp. (Petr. Germaniae, p. 264. Fig. 13. — Lycia- 
nassa designata, Goldf.) Fig. 72. 


Diese Art kommt in der normalen Form in Chlomek bis 7 cm, in Kies- 
lingswalda bis 85 cm Länge vor und zeigt keine Neigung sich so stark 
nach hinten zu verlàngern, wie es bei der folgenden Art der Fall ist. 

Pholadomya perlonga, Fr. (Weissenb. Sch. p. 124. Fig. 99.) Fig. 73. 

Schöne Exemplare der stark nach hinten verlängerten Art besitzen wir 
aus den grauen merkligen Sandsteinen von Tannenberg. 

Mactra porrecta, Gein. (Geinitz. Das Quadersandsteingebirge. Taf. 10. Fig. 15.) 
Fig. 74. 

Zu dieser Art gehören wahrscheinlich 5 Exemplare, die wir aus dem 

groben Sandstein von Chlomek besitzen. 


Anatina (Cereomya) lanceolata, Gein. (Kieslingsw. p. 12. Taf. П. Fig. 3. — 
Elbthalgeb. p. 69. Taf. 19. Fig. 9.) Fig. 75. 


Fig. 74. Mactra porrecta, Gein. von Fig 75. Anatina lanceolata, Gein. von Kieslingswalda. 
Kieslingswalda. (Copie nach Geinitz.) (Copie nach Geinitz.) 


Diese interessante Art wird von Kreibitz, Kieslingswalda und von Hoch- 
wald bei Zittau angeführt. Unsere Sammlung besass nur ein schlechtes 
Fragment von Kieslingswalda, aber kürzlich erhielt sie ein sehónes Exemplar 
von demselben Fundorte vom Herrn Lehrer Galisch in Niederlangenau bei 
Habelschwerdt, das mit dem von Geinitz abgebildeten Stücke vollkommen 
übereinstimmt. 


Tellina plana, Röm. (Reuss. Verstein. II. pag. 19. Taf. 36. Fig. 22. — Römer. 
Nordd, Kreideb. Fig. 74, Taf. 9. Fig. 19.) Fig. 76. 


щш n bna i 


ктт EC aw b 


Fig. 76. Tellina plana, Röm. «a. Steinkern von Chlomek. Vergróssert. б. Exemplar mit Schale. 


Wir besitzen gute Steinkerne mit Schloss und Muskelabdrücken aus 
dem Sandstein von Chlomek, Von Kieslingswalda kleine Exemplare mit 
schlecht erhaltener Schale. 

Tellina semicostata, A. Röm. (Reuss. Taf. 36. Fig. 11, 12. Fr. Weissenb. 
SCH. р. 126, ШЕ. 102) 


63 
Von Tannenberg besitzen wir Exemplare von 42 cm Länge. Es sind 
das Steinkerne mit spärlichen Resten der Schale. Reuss führt die Art von 
Kieslingswalda an. 


М 


Reuss. Verst. IL. p. 18. Taf. 30. Fig. 


Tellina strigata, Goldf. (Goldfuss. Petr. Germ. p 294. UTAL däit TE 1g: 1018 
210 


«Big. ui v. 

Diese Art, welche Reuss aus den cenomanen Korytzaner Schichten von 
Zlosejn darstellt, kommt in viel kräftigeren bis 45 mm langen Exemplaren 
in Kreibitz und Kieslingswalda vor. 


Die abgebildeten Exemplare rühren vou Chlomek her und die abge- 
riebene Oberfläche der d 
Verzierung. 


icken Schale zeigt nur noch schwache Spuren der 


Fig. 77. Tellina strigata, Goldf. von Ohlomek 


a. Glattes Exemplar mit abgeriebener Schale. 
b. Steinkern mit Muskelabdrücken. 


162. Taf. XV. Fig. 11—16.) Fig. 78. 


ma Н d KR ч; 5 r Ч 

Telllna eostulata, Goldf. (Petr. Germ. Taf. 147. Fig. 19. Holzapfel. Aachn. 
Kreide. p. 

Kommt in Kreibitz, Tannenberg und Kieslingswalda vor. 


«а 


А 
Fig. 78. Tellina costulata, Goldf. von Tan- 
nenberg. A 


Big. 7 
. Nat. Grösse. B. Sculptur des 
Steinkernes vergrössert. 


9. Venus Goldfussi, Gein. von Tannenberg 
Nat. Grósse. 


Venus Goldfussi, Geinitz. (Elbthalgeb. II. p. 67. Taf. 18. Fig. 16, 17. — Venus 
parva, Sow. bei Reuss. 


Priesener Schichten, p. 97. Fig. 118.) Fig. 19. 
Exemplare von 27 mm Durchmesser von 
kerne. 


Tannenberg sind blos Stein- 
Geinitz führt sie von Kieslingswalda an. 


Ob die Stücke zu Tapes nuciformis, Müller gehören, lässt sich wohl 
naeh Steinkernen nicht entseheiden. 
Venus (Tapes) faba, Sow. sp. (Gein. Kieslingsw. p. 13. Taf. II. Fig. 7, 8, 9 
— Holzapfel, p. 165. Taf. XIII. Fig. 7—10.) Fig. 80 a, b. 


Steinkerne sind häufig in Tannenberg und Kieslingsw 


alda. 


64. 


Venus subfaba, D'Orb. (Prodrome de Palaeont. stratigrafique. II. p. 237.) Fig. 81. 
Diese nach hinten verlängerte niedrigere Form kommt mit der V. faba 
zugleich in Kieslingswalda vor. 
Avieula triloba, Röm. sp. (Gervillia triloba Röm. Verst. p. 64. Taf. VIII. Е. 13. 
— A. anomala, Gein. Kieslw. p. 15. Taf. III. Fig. 8. Fig. 82. 


а 


Fig. 80. Venus (Tapes) faba, Sow. sp а. Exemplar mit Schale. b. Steinkern. Von Tannenberg. 
Nat. Grósse. 


b 


Fig. 81. Venus subfaba, D'Orb. von Fig. 82. Avicula triloba, Röm. sp. von Tannenberg. 
Nat. Grósse. Nat. Grósse. 


Das von Römer abgebildete Exemplar ist wohl nur ein Junges dieser 
durch die drei Längswülste charakterisirten Art, welche in Kieslingswalda 
eine ansehnliche Grösse erreicht und auch in Tannenberg die Länge von 
6 cm besitzt. 

Corbula striatula, Sow. (Goldf. Petr. Germ. II. p. 251. Taf. 151. Fig. 6.) Fig. 83. 

Häufig in dem grobkörnigen Sandstein von Chlomek. Ein Exemplar 
von Kieslingswalda mit erhaltener Schale zeigt gut die starken concen- 
trischen Falten. 


65 


Leda siliqua, Goldf. sp. (Weissenb. Schichten, p. 118. Fig. 81.) 
Selten in den sogen. Eisensteinen von Kieslingswalda. 
Gervillia solenoides, Defr. (Weissenb. Schichten. p. 129. Fig. 109.) 
Wird sehon von Reuss aus Kreibitz angeführt und kommt auch wirklich 
als Steinkern in Kreibitz und Kieslingswalda vor. 


"o € А " 
Fig. 83. Corbula striatula, Sow. von Ohlomek. œ. Von Aussen, b. von Innen, бта] vergróssert, 
е. Steinkern mit deutlichen Sehloss-, Muskel- und Siphonalröhren-Abdrücken vergróssert. 


Gervillia Holzapfeli, Fr. n. sp. Fig. 84. 
Exemplare mit wohlerhaltenem Schlossabdruck sind ähnlich der G. sole- 
noides, aber das Schloss-Ligament trägt 6 (wahrscheinlich 9 ) schmale, durch 


Fig. 84. Gervillia Holzapfeli, Fr. von Tannenberg. Nat. Grösse. 


breite Zwischenräume getrennte Zähne. Der das Schloss tragende Flügel 
ist nieht dreieckig wie bei G. solenoides, sondern gleich breit. Die Schloss- 
zühne unter dem Ligament sind am Steinkern deutlicher, als es die Zeichnung 


darstellt. 


© 


66 


Gervillia ovalis, Fr. 
Sowohl von Chlomek als auch von Tannenberg besitzen wir länglich- 
ovale Gervillien, deren Schloss nur mit wenig Zähnen versehen ist. 


Fig. 85. Gervillia ovalis, Fr. von Chlomek. Nat. Grösse. 


Clavagella elegans, Müll. (Müll. Aach, Kr. Supplement, pag. 17. Taf. 8. Fig. 3. 
— Holzapfel, Moll. d. Ach. Kr. Palaeontografica XXXV. p. 148. Taf. үш. 
Figs 105 MT DIES 50. 
Obzwar die Exemplare von Kieslingswalda viel kleiner sind als die aus 
dem Grünsand von Vaals, so dürften sie doch zu der Aacher Art gehören. 
Kin Fragment besitzen wir auch von Chlomek. 


Wig. 86, Clavagella elegans, Müll. aus den Fisensteinen von Kieslingswalda. Nat. Grösse. 


Bemerkungen über die Inoceramen. 


Von Inoceramen werden von Reuss der I. mitiloides und Cripsi, sowie con“ 
centricus und Brongniarti aus Kreibitz angeführt, über welche sehr zweifelhafte 
Angaben sich bei dem Abgange der Reussischen Originalexemplare nichts Sicheres 
eruiren lässt; der wahre I. labiatus kommt in den quadrigen Schichten vom Alter 
der Weisenberger unweit Kreibitz vor und mag so von Kreibitz, aber nicht aus 
den Chlomeker Schichten eitirt worden sein. 

Der von Geinitz als concentricus von Kieslingswalda abgebildete Inoceramus 
wurde von Stoliezka als neue Art I. Geinitzianus aufgefasst. 

Der I. tegulatus Gein wird von demselben Autor (Elbthalgeb. II. p. 45) als 
eine schmale Form des I. latus aufgefasst. 


67 


Langenhan und Grundey führen von Kieslingswalda mehrere Alten an, zu 
denen sie als Autor Herrn v. Haenlein, Rittmeister in Blankenburg am Harz 
eitiren. Ich wandte mich an den genannten Herrn und erfuhr, dass seine Arbeit 
über Inoceramen erst erscheinen wird. 


Inoceramus Geinitzianus, Stoll. (I. concentricus, Gein. Kieslw. p. 15. Taf. 3. 
Fig. 19. — Stoliczka. Pal. Ind. Cret. Fauna II. p. 407. Pl. 27. Fig. 45.) 
Fig. 87. 

Stoliczka hat die Identität der als In. 
concentricus von Kieslingswalda angeführten 
Art mit der indischen I. Geinitzii nach- 
gewiesen. Derselbe soll einen Übergang 
von І. striatus (concentricus) zu latus dar- 
stellen. 

Wir besitzen solche Exemplare auch 
von Tannenberg. 

Inoceramus Cuvieri, Sow. (Teplitzer Schichten, 
p. 82. Fig. 74.) 
Häufig in Tannenberg und Chlomek. 
Inoceramus paradoxus, v. Haenelein. (Langen- 
han et Grundey. Das Kieslingswalder Ge- 
stein und seine Versteinerungen. (Pag. 11. 
Tat, V. Big, 3.) 

Diese grossen Inoceramen sind so stark Fig. 87. _ Inoceramus Geinitzianus. 
involut, dass man im ersten Augenblicke — 9'^! bipes pee SES 
glaubt einen Nautilus vor sich zu haben. 

Wahrscheinlich ist dies nur eine in der Brandungsregion entstandene Form 
einer bekannten Inoceramenart, die wohl schwer zu eruiren sein wird. 

Inoceramus latus. (I. tegulatus, Gein. Kiesiw. Taf. VI. Fig. 11. — Elbthalgeb. Il. 
p. 45.) 

Der von Geinitz als tegulatus aus Kieslingswalda angeführte Inoceramus 

soll nach Stoliezka blos eine schmale Form von I. latus sein. Wir besitzen 
, nur wenig instruktive Exemplare. 
Lima Hoperi, Mant. (Weissenb. Sch. p. 133. Fig. 121.) 
х Selten und mangelhaft erhalten in Tannenberg und Chlomek. 
Lima multicostata, Gein. (Isersch. p. 112. Fig. 82.) 
Selten in Kreibitz (Reuss) und in Tannenberg. 
Lima semisuleata, Nilss. (Weissenb. Schichten, p. 132. Fig. 115.) 

Selten in Kreibitz (Reuss), dann in Chlomek, Tannenberg und Kies- 
lingswalda. 

Lima granulata, Desl. (Teplitzer Schichten, p. 83. Fig. 76.) 

Selten in Kreibitz, Tannenberg und Chlomek. 

Lima pseudocardium, Bn. (Cardium dubium, Geinitz. Kieslw. p. 14. Weissenb. 
Schiehten, p. 133. Fig. 119.) 


Reuss führt die Ar von Kreibitz, Geinitz von Kieslingswalda an. Es 
ist aber zweifelhaft, ob es nicht nur Steinkerne von L. granulata waren. 
Peeten Nilssoni, Goldf. (Weissenb. Schichten, p. 134. Fig. 194. — Iserschichten 
pe 115. Fig 98.) 
Selten in Kreibitz (Reuss), Kieslingswalda und Tannenberg. 
Pecten virgatus, Nilss. (curvatus, Gein.) (Geinitz Kieslw. p. 16. Taf. 3. Fig. 13. 
Weissenb. Schichten, p. 136. Fig. 127. — Holzapfel Aachner Kr, р. 229, 
Taf. XXVI. Fig. 7—9.) 
Selten in Chlomek, Kreibitz (Reuss), Tannenberg und Kieslingswalda. 
Vola quadrieostata, Sow. sp. 
Diese Art variirt an Exemplaren von Chlomek und Tannenberg во, 
dass bald 3, bald 4 niedrigere Rippen zwischen den stürkeren sich befinden. 
Plieatula inflata. Sow. (Goldfuss, Petref. Germ. IL Fig. 109. Taf. 107. Fig. 6.) 
l'ig. 88. 
Sehr selten in Chlomek. 
ixogira laeiniata, D'Orb. (Isersch. p. 119. Fig. 93.) 
Selten als grosser, bis!45 mm langer Steinkern 
in Chlomek und Tannenberg. 
Exogira lateralis, Nilss. sp. (Weissenb. Sch. p. 140. 
Fig. 88. Plicatula inflata, Fig. 136.) : 
Вот, SC a» Gute Oberschalen selten in Chlomek und Kies- 
lingswalda. 
Ostrea frons, Part. (Iserschichten, pag. 121. Fig. 96.) 
Selten in Chlomek, in Tannenberg gute typische Exemplare. 
Ostrea semiplana, Sow. (Weissenb. Sch. p. 141. Fig. 138.) Selten in Chlomek 
und Tannenberg als Steinkern. 
Ostrea hippopodium, Nilss. (Weissenb. Sch. p. 140. Fig. 137. 
Selten in Chlomek. 
Ostrea longirostris, Lmk. L. et G. Taf. IV. Fig. 4, 8. 
Eine riesige Auster von Habitus der tertiären bilden Langenhan und 
Grundey von Kieslingswalda ab. Das Ligament ist 6 cm, der erhaltene 
Theil der Schale 27 cm lang, Gil, cm breit. Ich habe das Original nicht 
gesehen, aber man versicherte mich, dass ein Zweifel über den Fundort 
ausgeschlossen ist. 
Anomia semiglobosa, Gein. (Geinitz, Quadersandsteingeb. Taf. XI.. Fig. 6—9. — 
Weissenb. Schichten, p. 142. Fig. 141.) 
Gute Exemplare, bis 3 cm hoch besitzen wir von Tannenberg, kleinere 
von Chlomek und Kieslingswalda. 
Anomia subtruncata, D’Orb. (Weissenb. Schichten, p. 142. Fig. 139.) 
Diese mit precise centralem Winkel gekennzeichnete Art besitzen wir 
von Chlomek und Kreibitz. 


Rhynehonella alata, Lam. sp. (Gein. Kieslw. p. 17. Taf. Ш. Fig. 17.) 
Kommt nach Geinitz in Kieslingswalda .vor. Unser Material ist ZU 
mangelhaft, um über die Art eine Untersuchung zu gestatten, 


69 


Magas Geinitzi, Schlb. (Weissenb Sch. p. 145. Fig. 148.) 
Sehr selten im Chlomek und Kreibitz. Was ich von Kieslingswalda als 
Terebratula Walterdorfensis, Lang. und Gn. gesehen habe, dürfte wohl hierher 


gehóren. 
Bryozoa. | 
| 
Petalopora seriata, Nov. (Dr. О. Novák, Bryoz. der böl Kreidefor Kais | 
; | URRE ák, Bryoz. der böhm. Kreideform. Kais. 
Akad. Wien 1877. p. 41. Taf. IX. Fig. 21—28. Taf. X. Fig. 3, 4. — Iser- \ 
Schichten, p. 126. Fig. 111.) 
Selten in Kieslingswalda. Nicht sicher bestimmbare andere Bryozoen | 
besitzen wir von Chlomek. | 
Crustacea. | 
Palaeocorystes Callianassarum, Fr. (Fr. et K. Orust. p. 47. Fig. 68. Fig. 89. | 
Diese Krabbe wurde zuerst durch Geinitz als der Thorax von Callia- jl 
nassa aufgefasst, später aber von mir in oben eitirtem Werke als zu pa- | 
| laeocorystes gehórig beschrieben. 
Podoerates Dulmensis, Becks, (Geinitz Quader- sandstein Geb. p. 96. Taf. П. 
Fig. 6. a, b. Fr. et Kafka Crustaceen, p. 21. Fig. 44. Nach Geinitz in Kies- 
| lingswalda. 
Glyphaea7sp.' 
Ein Cephalothorax von Kieslingswalda als Steinkern deutet auf das Vor- 
; kommen dieser Gattung hin, reicht aber nicht zur genaueren Bestimung. | 
Callianassa;antiqua, Otto. (Róm. p. 109. Taf. 16. Fig. 25. — Geinitz Kieslw. p. 6. | 
Taf. I.. Fig. 1. Fritsch und Kafka, Crustaceen der Böhm. Kreideformation, 
p. 42. Text Figur 62—65.) Fig. 90. || 
: 
| 
| 
ul 
© 
Fig. 59, Palaeocorystes Callianassarum, Fr. Kieslingswalda. 2mal vergróssert. в. Von oben. | 


b. von der Seite, c. von vorne. | 


70 


Nach Revision unseres Materials blieb ich bei der früheren Auffassung 
dass in Kieslingswalda nur eine Art von Callianassen vorkommt, denn die 
Form der Scheerenfinger variirt so stark, dass nach derselben keine Arten 
gebildet werden können. 

Die Exemplare mit stumpfen Fingern wurden bisher als C. Fuujassı 
aufgefasst, aber an demselben Exemplar ist oft die zweite Scheere mit 
spitzigen Fngern versehen. 


Vig. 90. Callianassa antiqua, Otto, von Kieslingswalda. «a. Restaurirtes ganzes Exemplar, ^. eine 
Scheere, е. das Abdomen. Nat. Grösse. 


Pollicipes glaber, Röm. (Fr. et K. Die Crustaceen der В. Kreideform. pag. ® 
Fig. 13.) 
Selten in Chlomek als Steinkern. 


1 


Vermes. 


Serpula gordialis, v. Schloth. 
| Selten in Kieslingswalda und Kreibitz. 
Serpula Socialis, Goldf. 

Selten in Kieslingswalda und Kreibitz. 


Echinodermata. 
Cidaris subvesieulosa, D'Orb. (Teplitzer Schichten, p. 97. Fig. i24) 
NM Das Negativ eines Stachels besitzen wir von Ohlomek. 
lemiaster Regulusanus, D'Orb. (Priesener Sch. p. T12."Fig. 147.) 
Schlecht erhaltene Steinkerne besitzen wir von Kreibitz. Geinitz führt 
die Art, die bei uns in den Priesener Schichten häufig ist, von Kieslings- 
А ) мајда an (Mus. Dresden). 
lemiaster sublaeunosus, Gein. (Geinitz, Elbthalgeb. П. p. 14. Tat, 4 «Fig. 5, 6.) 
: Nach Geinitz in Kieslingswalda. 
Cardiaster ananchytis, Leske sp. (Spatangus granulosus, Goldf. Petr. Germ. 1. 
p. 148. Taf. 45. Fig. 8. — C. ananchytis, Geinitz, Elbthalgeb. IL. pag. 10. 


Taf. 3. Fig. 4. Taf. 4. Fig. 7.) Fig. 91. 


Fig, 91 
х bei Tannenberg. 


Cardiaster Ananchytis, Leske sp. Steinkern aus dem Dachsloche 
Zeichnung des Prof. Novák. 


Steinbrüchen im Dachsloch bei Tannen- 


Die Steinkerne kommen in den 
Aus seinen zur Publi- 


berg vor und wurden von Dr. Ot. Noväk bestimmt. 
cation vorbereiteten Tafeln gebe ich hier eine Copie. 


12 


Cardiaster Cotteanus, Otto. L. et G. Taf. L Fig. 17.) 
Ein wohlerhaltener Steinkern aus Neu Waltersdorf wird von Langenhan 
und Grundey abgebildet. 


Schizaster Hoemeri, n. sp. L. et б. Taf. 1. Fig. 18. 
Langenhan und Grundey bilden einen verdrückten Steinkern von Neu- 
waltersdorf ab und beschreiben denselben als neue Art. was bei so mangel- 
haften Erhaltung eine undankbare Arbeit ist. 


(Asterias Sehulzii, Cotta) L. et. G. pag. 8. Taf. I. Fig. 19, 20.) 

Die von Langenhan und Grundey angeführte Art wurde jedenfalls in 
tieferen Schichten beim Bahnbau zwischen Glatz und Mittelwalde gefunden 
und dürfte kaum dem Kieslingswalder Horizont angehören. Auch ich erhielt 
von Herrn Lehrer Gallisch ein Exemplar, das bei Alt-Lomnitz gefunden 
worden sein soll, aber dem Gesteine nach wohl aus dem Horizont der oberen 
Quader der Sächsischen Schweiz (Iserschichten) stammt. 


Porifera. 


Cylindrites spongioides, Goepp. (Vora Act. Leap. XXII. p. 358. Taf. XXXV. 
XXXVI. Fig. 1—4.) — (Spongites saxonicus, Gein. Iserschichten, p. 135. 
Fig. 128.) 

Dieses rüthselhafte Petrefaet kommt sehr häufig in den Chlomeker Sand- 
steinen, die mit den mergligen Schichten wechsellagern, am Chlomekberge 
vor. In dem Steinbruch beim Bahnhofe in Oberkreibitz fand ich grosse 
Exemplare als Hóhlung, die eine hóckrige Beschaffenheit zeigte und darin 
lag der glatte Steinkern als Ausguss des Hohlraumes des einstigen Schwammes: 


Bemerkungen zu den Pflanzenresten. 


Die Bearbeitung der aus Bóhmen und aus Kieslingswalda stammenden Pflanzen- 
resten unternahm Herr Dr. Edwin Bayer und legte die Resultate am 96. Juni 1896 
der königl gelehrt. Ges. der Wissenschaften in Prag in böhmischer Sprache nebst 
deutschem Resume vor. In Nachfolgendem werde ich mich bei den dort neu be- 
schriebenen Arten auf diesen Aufsatz „О rostlinstvu vrstev chlomeekych^ berufen. 


Das aus Böhmen stammende Material rührt grösstentheils aus einem grossen 
Block festen Sandsteins her, den wir zwischen Böhm. Leipa und Pisnik auf dem 
Felde fanden und der aus den Chlomeker Schichten stammt. Das Material von 
Kieslingswalda sammelte ich und Herr J. Kafka auf mehreren Exeursionen. 


Asplenites dubius, Vel. (Velenovsky: Die Farne der b. Kreideform. pag. 16: 
Taf. IL. Fig. 17—19.) Fig. 92. 

Eine Aehnliehkeit dieser Blattüberreste mit der Gattung Asplenium 

lässt sich nicht in Abrede stellen, allein eine definitive Bestimmung der- 


18 


selben ist bis jetzt unmöglich. Aus dem festen Sandsteinblock von Böhm. 
Leipa. 
Pteridoleimma durum, Bayer. (Resume, p. 31.) Fig. 9. 

Diese 2 kleinen Farnüberbleibsel erinnern an Aspidien-Fiedern. Unter 
den fossilen Farnen findet man eine Aehnlichkeit bei dem Aachener Pteri- 
doleimma Kaltenbachi Deb. et Ett. Aus dem Sandstein von Böhm. Leipa. 

Gieichenia Zippei, Corda sp. (Bayer. Resumé p. 31.) Fig. 94. 

Ein kleines Bruchstück einer Blattfieder, allein gut erhalten, so dass 
man daraus an die Existenz der Spec. daselbst sicher schliessen kann. 

Sehr selten in Böhm. Leipa. 


| №7 


ig. 92. Asplenites dubius, Fig. 93. Pteridoleimma durum, Fig 94. Gleichenia Zippei, 
Vel. von Bóhm. Leipa, nat. jayer, von Böhm. Leipa. CordaB. Leipa 
Grösse, Nach Velenovsky. 


g! 
| 
\ 
n ex 
8-95. Gleichenia comptoniaefolia, Fig. 96. Sequoia Reichen- 
eer, v, Böhm. Leipa. bachi, Gein. sp. Kislings- 


walda. Nat. Grösse. Nach 
Velenovsky. 


Fig. 97- Smilax panarlia, Dayer. 
Von Kieslingswalda. 


1 e 
Gleichenia comptoniaefolia, Heer. (Didymosorus comptoniaefolius, Deb. et Elbg.) 
Fig. 95. 
M In einigen Exemplaren in Böhm. Leipa. й 
190іа Reichenbachi, Gein. sp. (Velenovsky: Die Gymnosp. der böhm. Kreide- 
Form. p. 90. Taf. IX. Fig. 14. — Langenhan und Grundey: „Das Kieslings- 


walder Gestein etc.“ Taf. VI. Fig. 2. als Getnitzia  cretacea bekannt, von 
Neuwaltersdorf.) Fig. 96. 
Die drei Zweigüberreste, die wir von Kieslingswalda besitzen, bestättigen 
wohl die Meinung Velenovsky’s 1. с. pag. 20., dass die tertiären Sequoien- 
Arten zweifellos als die unmittelbaren Nachkommen der Kreide-Sequoien 
aufzufassen seien. 
Selten in Kieslingswalda. 
Smilax panartia, Bayer. (Bayer Resume, p. 32.) Fig. 97. 
Ein unverkennbar richtig bestimmtes Smilacoideen-Blatt. Die recenten 
Arten Smilax californica Gray und S. aspera L. haben die ähnlichsten 
Blätter. 
Sehr selten in Kieslingswalda. 
Myrica acutiloba, Brongn. (Bayer Resume, p. 32.) Fig. 98. 
Das Blattfragment kann man am besten mit der M. acutiloba Brongn. 
und der recenten Art M. asplenifolia Rich. vergleichen. Selten in Böhm. 
Leipa. 


Ch, 


AL. 


Fig. 98. Myrica acuti- Fig. 99. Alnus Kefersteinii, Ung Von 


loba, Drongn. von B. Kieslingswalda. 
Leipa. 


Fig. 100. Quercus pseudodrymeja, 
Vel. Kieslingswalda. Nat. Grösse 
Nach Velenovsky. 


Alnus Kefersteinii, Ung. (Bayer Resume, p. 33. Fig. 10.) 
Diesen Blattabdruck kann man noch am besten mit den Blättern der 
Alnus Kefersteinii vergleichen, wozu besonders die breitere Form der Spreite; 


der dicke Hauptnerv und die nicht zahlreichen Secundärnerven einen 
sicheren Beleg bieten. Selten in Kieslingswalda. 
Quercus pseudodrymeja, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. IL Th. pag. 17. 
Taf. П. Fig. 21, 22. — IV. Th. pag. 13. Taf. VII. Fig. 10. — А. L«ngenhan 
und M. Grundey: Das Kieslingswalder Gestein 1891. Taf. VI. Fig. 11, 15 
als Phyllites Geinitzianus, Gópp. und Carpinites arenaceus Gópp. angeführt.) 
Der tertiàren Art Quercus drymeja Ung. sind die uns vorliegenden 
Exemplare sehr verwandt, sind aber grósser und etwas breiter. Diese 
schöne Pflanze belehrt uns noch besser, als die weit häufiger vorkommende 
folgende Quereus-Art, dass wir es hier mit echten Quercus-Blättern zu thun 
haben. Selten in Tannenberg, häufiger in Kieslingswalda. 
Quereus westfaliea, Hos. et. v. d. M. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. П. Theil, 
pag. 17. Taf. II. Fig. 20, 28. — IV. Th. pag. 13. Taf. VII. Fig. 7, 12, 13. 


Fin 
Gr 101. Quercus west- 
Н 1108, Host. et v.d.M. 
es] mgswalda. Natürl, 
rössse, Nach Vele- 
novsky. 


\ 
Fig. 102. Quercus Velenovskyi, Bayer. Von Kieslingswalda. 


Langenhan und Grundey: „Das Kieslw. Gestein“. 1891. Taf. VI. Fig. 18, 
19,! 20. 

Die Blätter, die wir in einer ziemlich reichen Anzahl besitzen, waren 
von einer sehr variablen Form. Trotzdem erkennt man sie selbst an Bruch- 
Stücken ziemlich leicht und die Zugehörigkeit zu der Gattung Quercus kann 
auch nicht geleugnet Werden. Die häufigste Art in Kieslingswalda. 


76 


Quercus Velenovskyi, Bayer Resumé p. 33. Fig. 102. 
Weder mit der Q. westfalica noch mit der Q. pseudodrymeja ist diese 
Pflanze zu verwechseln, da diese 3 Blattabdrücke mit keiner von denjenigen 
Arten, die Velenovsky beschrieben hat, identisch sein können und müssen 
als selbständige Art anerkannt werden. Selten in Kieslingswalda. 
Credneria superstes, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Kreidef. I. Theil, pag. 15. (8.) 
Taf Va Pig 80d Eig«08. 
Es scheint, dass die Bestimmung dieser Dlattreste richtig ist und dass 
wir es hier noch mit einer echten Credneria zu thun haben. 
Von Böhm. Leipa. 
Ficus fracta, Vel. (Velenovsky: Die Flora der bóhm. Kreidef. IV. Th. Taf. УШ. 
Fig. 15. pag. 10.) Fig. 104. 


7 


Fig. 103. Credneria superstes, F'ig. 104. Ficus fracta, Vel. 
Vel. Bóhm. Leipa. Nach Ve- Kieslingswalda. Natürliche 
lenovsky. Natürl Grösse. Grösse, 


Fig. 105. Dryandroides quercina, 
Vel. Kieslingswalda. Nach Vele- 
novsky. Natürl. Grösse. 


Wenn auch vorläufig nur dieses alleinstehende Fragment vorliegt, 80 
deuten doch nur alle Merkmale auf die Gattung Ficus hin. Das Kieslings- 
walder Exemplar ist nach Velenovsky selbst von der tertiären Art Ficus 
multinervis Heer, gar nicht zu unterscheiden. Selten in Kieslingswalda. 

Dryandroides quercina, Vel. (Velenovsky: Die Flora der böhm. Kreideform. 
П. Th. pag. 8. Taf. П. Fig. 88 —15. — IV. Th. pag. 18. Taf. VIL.2Fig. 8.) 
Fig. 105 und 106. 

Die Blattfragmente, die in den beiden Fundorten ziemlich häufig ver- 
treten sind und gut übereinstimmen, weissen nach Velenovsky 1. с. pag. 13. 
auf das identische Alter der beiden Fundorte hin und zugleich auf die Ahn- 


77 


lichkeit derselben mit der tertiären Ablagerungen. Velenovsky betont noch 
l. c, dass ihm die Stellung dieser Blätter nicht richtig gedeutet zu sein 
scheint und dass noch eine weitere Vergleichung mit der Gattung Myrica 
nothwendig sein wird. 


Ы. 


lu 


Fig. 106. Dryandroides quereina, Vel. von Kieslingswalda. 


Dryandroides geinoglypha, Bayer (Resumé p. 35). Fig. 107. 

Die ziemlich gut erhaltenen Blatthälften erinnern zwar stark an die 
vorhergehende Art, allein die unter einem weit stumpferen Winkel auslau- 
fenden und nicht so bogigen Secundärnerven ete. sprechen sehr für eine 

pi andere Art. Selten in Kieslingswalda. 

Isonia atavia, Vel. (Velenovský: Die Fl. d. b. Kreideform. IV. Th. p. 6. Taf. 
ҮШ. Fig. 13, 14. — A. Langenhan und Grundey: „Das Kieslingswalder 
Gestein“ 1891. Taf. VI. Fig. 8.) Fig. 108. 

Diese Blattform stimmt sehr gut mit den zahlreichen Abbildungen überein, 
welche in Ettingshausen's „Flora von Haering*, p. 43. als Pisonia eocenica 
Ettg. beschrieben sind. Velenovsky hat sie jedoch des verschiedenen Alters 
wegen getrennt. Von Kieslingswalda. 


78 


Cocculus extinctus, Vel. (Velenovusky: Fl. d. 


Fig. 1, 3.) Fig. 109. 


Ñ 


Fig. 107. Dryandroides geinoglypha, Bayer. Von 


Kieslingswalda. 


Fig. 108. Pisonia 
atavia, Vel. Bóhm. 
Leipa. Nach Vele- 
novsky. Nat. Grösse. 


Fig. 110. Cinnamomum per- Tig. 
sonatum, Bayer. Von Kies Vel. 


I 
N 


SEENEN 


111. Laurus afiinis. 
Von Kieslingswalda, 


lineswalda. Nach Velen. Nat, Grösse, 


b. Krdfm. IV. Th. pag. 3. Taf. IT. 


Fig. 109. Cocculus extinc- 
tus, Vel. Kieslingswalda. 
In halber natürl. Grösse. 


Velenovsky stellt diese 
schónen Blattabdrücke zu der 
Gattung Cocculus hin und be- 
spricht 1. с. eingehend die 
Gründe, die ihn dazu geführt 
haben. Selten in Kiesling$- 
walda. 

Cinnamomum personatum; 
Bayer. (Resumé p. 35.) F. 110. 

An dem erst später 8°- 
fundenen und nicht abgebil- 
deten Exemplare habe ich die 
Richtigkeit dieser Bestimmung 
noch besser erkannt. Selten 
in Kieslingswalda. : 

Laurus affinis, Vel. ( Velenovski í 
Fl. d.b. Krdf. IV. Th. pag. 9 
Tu, NG Pig 4,5, 4. 95. 77 
Langenhan und Grundey : DaS 
Kieslgsw. Gest. 1891. Taf. VL 
Fig. 19. wird wahrscheinlich 
hierher gehóren.) Fig, 111. 

Es steht uns eine Reihe 
schön erhaltener Exemplare 
von dieser Art zur Verfiigung: 


79 


Die ganze Beschaffenheit des Blattes entspricht derjenigen, die wir bei der 
Gattung Laurus wiederfinden, die Kieslingswalder Blütter aber sind von 
denjenigen der Laurus Plutonia Heer, welche Art auch in den böhmischen 
Kreideschichten vorkommt, speeifisch verschieden, folglich ist die neue Art 
aufrecht zu erhalten. Häufig in Kieslingswalda. 

Platanus onomastus, Bayer. (Resumé p. 35.) Fig. 112. 

Ein schön erhaltenes Bruchstück, das den recenten Platanen-Blättern 
sehr ähnlich ist. Dieser schöne Blattabdruck kann als ein weiterer Beweis 
für die Existenz der genannten Gattung in der Kreideperiode dienen, denn 
für die älteren Cenomaner Schichten haben sie Heer und besonders Vele- 
novsky in seiner böhmisch abgefassten Arbeit „Die Flora des böhm. Ce- 
noman’s“ unfehlbar bewiesen und genügend illustrirt. Selten in Kieslings- 


walda. 


| 


Fig. 113. Prunus cerasiformis, 
Vel. Kieslingswalda. Nach Vele- 
novsky. Natürl. Grösse. 


Fi i € 
Б. 112, Platanus onomastus, Bayer von Kieslingswalda, 


Prunus cerasiformis, Vel. (Velenovsky: Fl. d.b. Krdfm. IV. Th. pag. 8. Taf. VI. 
Bi, A. 1) Fig. 113. 
Die fossilen Blütter sind etwas breiter als bei Prunus Cerasus, kónnen 
aber in jeder Hinsicht mit einigen Arten der Gattung Prunus gut verglichen 
i werden. Selten in Kieslingswalda. 
lymenaea elongata. Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. III. Theil, p. 10. Taf. V. 
Fig. 3.) Fig. 114. 
Dieses Blattpaar ist dem Blattpaare von Kuchelbad, welehes Velenovsky 
l. е. unter demselben Namen anführt, sehr ähnlich und folglich ist es sehr 
Wahrscheinlich, dass wir es da mit einer Pflanze zu thun haben, die sich 


in der ganzen Kreideperiode Böhmens erhält. Selten in dem festen Sand- 
stein in Böhm. Leipa. 
‚assia melanophylla, Vel. (Velenovsky: Dio Flora der böhm. Kreideformation. 

ТУ:; Труб: Bat. VEL, Fig. 1,,2,:.8,.9, 11,:12,)., Fig. AU 

Langenhan und Grundey: Das Kieslgsw. Gest. 1891. Taf. VI. Fig. 14 
ist nur ein Cassia-Dlatt und gehört sicher zu einer unserer beiden Arten 
hin. Ich halte es für ein Blatt der Cassia melanophylla Vel. 

Man kann nach Allem sicher schliessen, dass diese Blätter zu einer 
Cassia oder wenigstens einer von den derselben nächst verwandten Gattungen 


Fig. 116. Cassia atavia, Vel. Kies- 
lingswalda. Nach Velenovsky. Zi 
der natürl. Grösse. 


Fig. 114. Hymenaea elongata, Vel. 
Böhm. Leipa. Nach Velenovský. 
Natürl. Grösse. 


Fig. 117. Rhus cretacea, Velen. 
Böhm. Leipa. Nach Velenovsky. 
Natürl. Grösse. 


Fig. 115. Cassia melanophylla. 
Böhm. Leipa. Nach Velenovský, 
Natürl, Grösse, 
hin gehören. Die verzogene Blattspitze, durch die sich diese böhmische Art 
von allen verwandten, fossilen Arten specifisch unterscheidet, kommt eben 
wieder bei den lebenden Cassien öfter vor. Nicht selten im festen Sand- 
stein von Böhm. Leipa. 
Cassia atavia, Vel. (Velenovský: Die Flora der b. Kreideform. IV. Theil, Taf. УШ. 

Fig. 3—7, 10, pag. 6.) Fig. 110. 


81 


Velenovsky sagt l. е. wörtlich: „Diese Blätter kann ich eigentlich von den 
tertiären C. phaseolites oder C. hyperborea specifisch nicht unterscheiden. 
Wenn die Sandsteine von Kieslingswalda der tertiären Zeit zugezählt werden 
sollten, wie es z. B. Goeppert gethan hatte (Fl. d. Quadersf.), so müsste 
C. atavia sowie einige andere Arten dieser Schichten mit den tertiüren 
identifieirt werden. Die Flora dieser schlesischen Sandsteine entspricht 
sehr gut derjenigen, welche in den Chlomeker Schichten Bóhmens begraben 
ist. Diese Schichten werden aber von den böhmischen Geologen als die 
jüngste Formation der Kreidezeit angesehen, 50 dass ich die Pflanzenab- 


e : 
pH 118. Cissites crispus, 
p m. Leipa. Nach Vele- 

Ovsk$. Natürl. Grösse. 


Fig. 121. Aralía coriacea, Vel. 
Von Kieslingswalda. 


Bän 4; ` T ^ А 
um 120. Aralia Chlome- Тіс. 119. Eucalyptus angusta, Vel. Fig. 122. Phillyrea Engelhardti, 
dr Vel. Bóhm. Leipa. Vel. Bóhm. Leipa. Nach Vele- 
ach Velen. Verkleinert. novsky. Natürl. Grösse. 


drücke von Kieslingswalda z. B. jenen von Böhm. Leipa im Alter gleich 
stellen muss. Ziemlich häufig in Kieslingswalda. 
hus сгеќасеа, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. IV. Theil, p. 7. Taf. IV. Fig. 
7—19.) Fig. 117. 
In der Flora von Häring sind sehr ähnliche Blätter als ws prisca 
Ette. abgebildet. Um die Identität der beiden Blattarten zu constatiren, 
6 


82 


wäre es nothwendig diese Abdrücke von В. L. mit den betreffenden Ort: 
ginalen zu vergleichen. Häufig in dem festen Sandstein von Böhm. Leipa. 

Cissites Crispus, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Kreidef. IV. Theil, p. 12. Taf. IV. 
Fig 0.) 10118. 

Dieser Abdruck konnte zwar nicht zuverlässig bestimmt werden, scheint 
aber mit einigen Cissus-Arten am besten übereinzustimmen. Selten in dem 
festen Sandstein von Böhm. Leipa. 

Eucalyptus angusta, Vel. (Bayer, p. 36. Fig. 19. — Langenhan und Grundey: 
Das Kieslgsw. Gest. 1891. Taf. VI. Fig. 13 dürfte wahrscheinlich hierher 
gezogen werden.) Fig. 119. 

In einigen gut erhaltenen Exemplaren gefunden. Die Species ist unver- 
kennbar. Selten in Kieslingswalda. 

Aralia Chlomekiana, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Kreidf. I. Theil, pag. 20 (13.) 
TAL КҮШ) Big. 3.) Jig. 120. 

Die Art der Theilung des Blattes, die Nervation, sowie die feste, leder- 
artige Beschaffenheit der Spreite sprechen sämmtlich für eine Araliacee. ES 
hat auch die Aralia quinquepartita, Lesq. die ähnlichsten Blätter. Sehr 
selten im festen Sandstein von Böhm. Leipa. 

Aralia coriacea, Vel. (Bayer, p. 27. Fig. 20.) Fig. 121. 

Ein ganzes, schön erhaltenes, kleines Blatt, dass auf den ersten Blick 
an Aralia dentifera, Vel. erinnert, bei näherer Betrachtung aber nur zu 
Aralia coriacea zu ziehen ist. Selten in Kieslingswalda. 

Phillyrea Engelhardti, Vel. (Velenovsky: Fl- d. b. Kreidef. IV. Th. p. 7. Taf. IV. 
ШО кй, D)! Pig. 122 

Langenhan und Grundey: Das. Kieslingsw. Gestein 1891. Taf. VI. 
Fig. 7. dürfte wahrscheinlich hierhergehören, falls es nicht ein junges 
Blättchen von Prunus cerasiformis ist. Es könnte auch mit einer Wein- 
mannia-Art verwandt sein. 

а Diese Blattart kann mit dem besten Erfolg mit 

- den Blättern der jetzt lebenden Phillyrea latifolia 

Kai / L. verglichen werden. 

Bignonia silesiaea, Vel. ( Velenovsky: Die Flora der 

bóhm. Kreideform. IV. Th. pag. 8. Taf. VII. Fig. 1, 
9, 0,1], 15) fig. 198. 

Diese Blätter können mit einigen Bignonien, 
welche unpaarig gefiederte Blätter besitzen, ver- 
glichen werden. Die Nervation ist sehr charakte- 
ristisch und stimmt mit einer solchen von den 
lebenden Arten gut überein. Die Blattspreite war 
sehr lederartig, was auch bei den recenten Bigno- 
nien der Fall ist. Häufig in Kieslingswalda. 


Fig. 123. Bignonia silesiaca, 


Vel. Kieslingswalda Nach Ve- (Chondritten fureillatus, A. Römer. Algae (Florideae)- 
Es ist fraglich, ob diese wurmartigen, aber 
verzweigten Überreste, die der Fig. 5. Tb. 46. Geinitz’s „Elbthalgeb.* Il. 
entsprechen, einer Floridee, um so mehr gerade einer Gigartinaeee, ange- 


lenovsky. Natürl. Grösse. 


83 


hören. Einem Algenkörper ist dieses Gebilde wohl ähnlich, es mag hier 
also der Vollständigkeit wegen vorläufig unter diesem Namen angeführt 


werden. 


Alge? 


Fig. 124, Chondrites furcillatus, A. Róm. Auf dem Sandstein von Fig. 125. Alge? Von Kreibitz 
Chlomek. 1/ nat. Grösse. 
Dieses Petrefaet war auf einem grossen Block der Chlomeker Sandsteine, 
den ich in der Ziegelei in Kreibitz auf secundürem Lager vorfand, aber 
nicht herausarbeiten konnte. Es scheint eine flache laminarienartige Alge 
darzustellen. 


| 
d 
T 
| 
Wi 
| 
I 
| 


Aschendorf . . 
Bóhm. Kamnitz 
Böhm. Leipa 
Ohlomekberg . 
l'alkenau 
Grosskall 
Hirtensteine . 
Kieslingswalda 
Knapphübel. . . 
Kreibitz . 


Vorwort 


Alphabetisches Verzeichnis der untersuchten Localitäten. 


Seite 
21 
21 
20 
19 
21 
19 
27 
25 
20 
23 


Ober Kreibitz Bahnhof . 


Písnik $ 
Podhrad bei Јел 
Prachover Felsen 
Schwoika 
Slavíček 

Sobotka 
Tannenberg 
Trosky 

Voděrad 


пла 


I. Charakteristik abd идеке CH сао аР SECH 
Der palaeontologische Charakter der Chlomeker Sc Шеба. 


П. Вевс gien der im Bereiche der Chlomeker Schichten untersuchten Looalitäten 


Chlomekberg bei Vinařice { à 
2. Umgebung von Turnau, Wartenberg xii лий 
3. Umgebung von Böhm. Leipa . 
^ Tannenberg 
. Kreibitz 
ата іп дег тай hatt. Glatz. e 
III. Tabellarische Uibersicht der in den Chlomeker Schic Шоп in ‚Bohnen Ad let 


aufgefundenen Petrefacten 


IV. Kritisches illustrirtes Verzeichnis der in Del Gase dide Шоп Eege ев 


steiner ungen 


Alphabetisches Verzeichnis der anter sachsen Lo calitàten. 


Pag. 


Pag. 35. 


19. 


Corrigenda. 


" 


Mosasaurus statt 


7. Zeile von unten Zetten statt Latten. 


Mososaurus. 


ZWEITER BAND. 
Zweiter Theil. 


III. Botanische Abtheilung. Dieselbe euthält: 
Prodromus der Flora von Böhmen von Brot Dr. Ladislav Celak ovsky (II. Theil 
(Vergriffen.) Preis NECEM NC er fua qu US le ДИ 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bóhmens. 
EE: A » ^ Die Flussfischerei in Bóhmen. 
E ger ^ И " Die Krustenthiere Bóhmens Preis. . .. eo. 4 8'— 
V. Chemische Abtheilung. 
lod Dr. Em. Boficky: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure 
n ^ in den Gesteinen Böhmens Press u...“ "Ue WE a ME 
Preis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5'— 


DRITTER BAIN D. 


I. Topographische Abtheilung. 
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und 
Major R. Daublebsky von Sterneck Ne Ў Ka : .fl. 1:80 


IL Geologische Abtheilung. 
L Heft Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von 
Prof. Dr. Em. Boricky. Preis BO N E A ER NE I АШ 
I. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von 
Реб Di Rime BOr ОД ИОД е а Ud po Hg 
UI. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (L Theil) von Prof Dr. 
Gustav Laube. Preis. ga Hee et Fa, 


III. Botanische Abtheilung. ^ 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Oelakovsky.. (Ill. Leu 
Schluss.) Preis . ^ ; en ERS eet Ko fl. 2:40 
IV. Zoologische Abtheilung. 
I. Heft. Die Myriopoden Bóhmens von F. Yi Rosicky. Prois ae ee MON) EU 
Il. Heft. Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis злу. ушей 1:00 
V. Chemisch-petrologische Abtheilung 
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Min eral-und Gesteinsanalyse 
von Prof, Dr. Boricky. PIOS ruS Red DENN WM d s su fl. 1:40 


vVIERTER BAND. 


No. 1, Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen 


berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič. Preis. . .— 

No. 2, Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von 
ү бггеу und EE к i Крд fü 450 
No. 3, Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. 
| (IV. Theil) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . er PU b 2220 
No. 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Dóhmens von Pror DE 
: B Bofickv mi Toi Ee ur E dS H. 1:80 
No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. ra Acne 
1 tl. 1:[- 

No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 
К do deb is д = 


Кер tm Antel Ve Ло ы n ULIS bs UN 


FÜNFTER BAN D. 


No. 1, Erlàuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezné hory) 
und der angrenzenden Gegenden im óstlichen Bóhmen von J. Krejéí und 

N ега оке x dn us CU d RANDE Us 
9.9, Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Ш. Die Iser- 


N schichten. Von Dr. Anton Frié. iR RO о: ОО eng 
о. 3. Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . . 1 1:20 


No 4. Die Lebermoose (Musci Hepatici) Böhmens von Prof. Jos. Dédeéek. fl. 1'— 

0. 5. Orographisch-geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im 
OU D M AS UU e GEN 

mittleren Böhmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel. . . .fl. 2— 


No, 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. L Ih Von Dr, А, Hensgirg. fl. 1:40 


SECHSTENR BAND. 


No. 1. Über die Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national- 
ókonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar- 
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . . fl. 2:80 


Nu 2. Die Süsswasserbryozoen Bóhmens. Von Josef Kafka. . . . ‚fl. 120 
No. 8. Grundzüge einer Hyétographie des gel ín ios Böhmen. Von Dr. F. J. n 

Studniöka .. ; EE NU bes fl. 1:50 

No. 4. Geologie des bóhmischen E rzgebirges. IL. Theil. Von Dr. Gustav Lei ru 

fl. "ol 

No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Dóhmens. I. Metamorphose 

der Irichopteren. L Sene, Von Er тараа s 7.2.2... E, ШЦ 

No. 6, Prodromus der Algenflora von Bóhmen. I. Th. Forts Von Prof. Dr. Anton 

ET Ono Ии И BL s OD VACUA C Ad M, UU ылын Др E H ЖОШ 


SIEBENTER B AUN D. 


No. 1. Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. . .fl. 1.— 
No. 2. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer. 
Schichten Von Prof. Dr. Ant. Frié ant H. 8— 

No. 8. Über die chemische Zusammensetzung "verschiedener Ackererden und 
Gesteine Böhmen’s und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos. 


Hanamann .. sed ORO ОЯ 
No. 4. Die tertiären Land- und Büsswasser-Conehylien des nordw. Böhmen von $ 
Gottlieb KATRA v. J o2 ДНЮ 
No. 5. Die Myxomyceten Böhmeus von Dr. Lad. Celakovsk y ! (Sohn) . iab io Sa LT: UAE 
No. 6. Geologische Karte von Bóhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh Krejéf. 
Mit Erläuterung von Prof. Dr. A. Frič. Preis. . . . КЕЕ ous EN 


ACHTER BAND. 


No. 1. Übersicht der NE it der naturw. Landesdurchforschung v. н, 1864 
bis 1890 von Prof. Dr. na en . fl —:30 

No. 2. Untersuchungen goe Kai d. bóhm. Gewüsser. IL Fauna d. bóh m. Teiche 
vOn Jos KATRA . ^... A o aU 

No. 3. Monographie der Ostracoden Böhmens. Von Wenzel Varras 1. fi 1200 

No. 4. Prodromus der Algenflora von Böhmen. Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton 
Hausgirg . 2 Mo A 


No. 5. Recente und fossile Nagethiere Böhmen s. Verfass; von Josef Kafka. fl. 2.20 | 
No. 6. Untersuchungen über die Fauna der EE yi Böhmens. I. Metamorphose | 


der; Irichopteren. 1L. Serie. Von, Prof, Er, Klopalek «0. ил ә. de i b 
NEUNTER BAND. a3 
No.1. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. V. Priesener Do 
Schichten, Von Prof. Dr. Ant. Біб, i fl 3 


des Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar: 


No. 2. Untersuchungen überdieFaunader Gewässer Böhmens. IV. Die Thierwelt | 
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr. | 


Ant Erig und Dr Ve VAYA. "oi ee: 
No. 3. Das Moldauthal zwischen Prag und Kralup. "Eine petrograph. Studie von Josef 
А fl. 150 
No. 4. Diechemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Bóhmens. I Theil. 
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann . fl. 150 
No. 6, Geologische Karte von Böhmen. Section III. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frié 
Ue dg Poor Gustay UT V MOS MED ME, e, ү, PUR FORUM 


ZEHNTER BAND. 


“No. 1. Geologische Karte von Böhmen. Section П. Entworfen von Prof. Dr. Ant. F rié 
und Prof. Dr. Gustav C. Laube. j deeg ee 

No. 2. Das ostbóhmische Miocän von V. J. Procházka ein, VU 
«No. 3. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. III. Untersuchung 
zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Durchgeführt auf der über- 
tragbaren zoologischen Station. Von Prof. Dr Ant. Frič und Dr. V. Vávra .fl. 250 

V ANY. 4, Studien im Gebiete der bóhmichen Kreideformation. VI. Die Ghio megi 
Schichten. Von Dr. Ant. Fric M Tho 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1897 — Selbstverlag. 


LIBRARY, 
MUS, COMP. ZOOL. 


JUL 17 1900 


DIE CHEMISCHE 


ОЕШ. 


HYDROCHEMIE DER ELBE 


und ihrer Zuflüsse aus den nördlichen und östlichen Theilen des Landes, sowie 


einiger Zuflüsse aus dem nördlichsten Flügel des Erzgebirges. 


VON 


Dr. JOS. HANAMANN, 


Vorsteher der agrieulturchemischen Versuchsstation Lobositz. 


ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG 
VON BÖHMEN 


(Band X. Nro. 5.) 


собо 
PRA б. 
In Commission bei FR. RIVNÁG. 
"1898 


DASARGCHIV 


für die 


naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen 


I. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí, 
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. Dr. A. Frič, 


entháit folgende Arbeiten : 


ERSTER BAND. 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 
а) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof Dr. Karl Kořistka. 
0) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IL) von Prof. 
Dr. Kofistka. 
c) Hóhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kořistka. Preis fl. +— 
TOSS ШӨ БАШЫ ар 4^ UV RES REO hie d bp WM d. e e icd . H. 1:60 


IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: 

a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd- 
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejčí. 

h Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof J. Kreict. 

с) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. 
Kreideformation u. в. w. von Dr. Anton Егіё, 

d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel. 
Preis DANZA RAIN DA pi ADU. И REDE NT fl. 450 


Ш. Die Arbeiten der botanischen A!theilung. Dieselbe enthält: 
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) 
(Vergniten): PIOS и 12) a vetas hos ir eV AUN И LUST TAE t. p. 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
a) Verzeichniss der Káfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj. К 
b) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Bóhmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 
с) Verzeichniss der Spinnen des nórdlichen Bóhmen vom Real-Lehrer 
HT amu e BAT : Proks ; os DR EE n xy 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: р 
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis... . . 25 kr 
Frois das беден Bandes (Abths 1,018 Vo gebe vo EE f Mik 


ZWEITER BAND. 
Erster Theil. 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 

a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen- 
gebirges und seiner südlichen und óstlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
Kofistka. 

b) Zweite Serie gemessener Hóhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IIL) von Prof. 
Dr. Koristka. 

с) Hóhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Kofistka. | 

d) Hóhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka Preis 
dieser АОН uS er RV D e AU NAE ei A A 


П. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält: 

a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens. 

b) Karl Feistmantel: DieSteinkohlenbecken bei Klein-Prílep, Lísek, Stíleo, 
Holoubkow, Mireschau und Letkow. 

c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun. 

d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und der Sázava. Preis .. ....... ©“. Дн 


II. Theil enthält: 


Dr. Em. Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Böhmens 
LE CR oe HO  Varı ao ante EE fl. 3:50 


Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. fl. 10'— 


Die chemische 


Beschaffenheit der Miessenden Gewässer D 


— 


IO 


II. Theil. 


Hydrochemie der Elbe 


und ihrer Zuflüsse aus den nördlichen und östlichen Theilen des Landes, sowie einiger 


Zuflüsse aus dem nordöstlichen Flügel des Erzgebirges. 


Von 


Dr. Jos. Hanamann, 


Vorsteher der agriculturchemischen Versuchsstation Lobositz. 


(Archiv der nabturwissenschafblichen Landesdurchforschung von Böhmen.) 


(Band X. Nro. 5.) 


PRAG. 


DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÄC, 


1898. 


VORWORT. 


3 Nach einem längeren Zeitraume folgt die Veröffentlichung des zweiten 
Theilos * der Untersuchungen der chemischen Beschaffenheit der fliessenden 
Gewässer Böhmens und zwar namentlich aller Zuflüsse der Elbe aus den 
Nördlichen und östlichen Theilen des Landes, so wie der Elbe selbst, an 
dreizehn verschiedenen Theilstrecken von ihrem Ursprunge bis zu deren 
Austritt aus Böhmen erhoben, welche die fortschreitende Veränderung der 
chemischen Beschaffenheit des Flusses entsprechend zum Ausdruck bringen 
» dem Masse, als der Hauptfluss grössere Wasseradern des Landes auf- 
nimmt, die aus verschiedenen Formationen des geognostisch so mannig- 
faltig zusammengesetzten böhmischen Terrains kommen und daher von 
Verschiedenartiger chemischer Beschaffenheit sind. 

Rücksichtlich der Art und Zeit der Probenahme und der Methode 
der chemischen Untersuchung der Wässer gilt das im ersten Theile unserer 
Wasseruntersuchungen Gesagte, indem man sich auch hier der dort auf- 
gestellten Normen und chemischen Untersuchungsmetlhoden bediente, um 


de : I : ` 
N einheitlichen Vorgang bei der Arbeit zu wahren. 


*) I. Theil. Hydrochemie des Egerflusses in denselben Blättern publicirt 1894. 


Hydrochemie der Elbe. 


Zuflüsse der Elbe aus ihrem Ursprungsgebiete, 
dem Riesengebirge. 


\ Das Riesengebirge, der bedeutendste Gebirgskamm zwischen den Alpen und 
Skandinavien und der höchste Zug jener Gebirgsbildungen, die West- und Mittel- 
Europa. mit Osteuropa verbinden, bildet bekanntlich mit dem Iser- und Jeschken- 
Sebirge ein geologisch zusammenhängendes, krystallinisches Massiv, das nur oro- 
Sraphisch von den beiden anderen Gebirgszügen getrennt ist. Das Riesengebirge 
erinnert hinsichtlich seiner Naturbeschaffenheit und Höhe an die Alpen und stellt ein 
Massengebirge dar, das als ein zusammenhängender, undurchbrochener Gebirgswall 
mit grosser Steilheit nach Schlesien abdacht, während er nach Süden zu, in weiter 
Verbreitung sanft abfällt, so dass es den Eindruck macht, als ob sich das Gebirge 
von Nord nach Süd nach und nach aufgerichtet hätte und am Scheitel der Haupt- 
Welle gebrochen wäre, an welchem dann der nördliche Flügel zur Tiefe sank. In 
Seognostischer Beziehung lagert sich in diesem Gebirge um einen deutlich erkenn- 
baren Centralstock ringfórmig ein Mantel krystallinischer Schiefergesteine, welche 
den zum Hauptrücken parallelen Rücken sammt den von diesen auslaufenden 
Jochen zusammensetzen. 

Beinahe der ganze schlesische Antheil am eigentlichen Riesengebirge besteht 
Aus Granitit, wogegen auf der Südseite bloss der Hauptkamm, sein südlicher Ab- 
fall und der untere Theil des nördlichen Abfalles des Parallelrückens aus diesem 
srobkörnigen, vorwiegend aus rothem Orthoklas, viel Oligoklas, wenig Quarz und 
Nur aus schwarzem Glimmer bestehenden, leicht verwitternden Gestein gebildet 
Ist, dem sich im Südwesten eine schmale lange Zone von älterem, echten, fein- 
kórnigen, schwerer verwitternden Granit beigesellt, der die Felsenkuppen und fel 
Sigen Kümme auf den langgestreckten Bergrücken des iranitit'S zusammensetzt. 
jer eigentliche Granitit Rose's findet sich nur sehr untergeordnet im Riesenge- 
birge, sehr verbreitet auf der Ostseite der Sudeten und am Ziegenrücken. 
in Schlesien hat folgende Zusammensetzung : 


Der Granitit von Warmbrunn 


In 
d 
lii 


6 


EE a QUO DU DAT 
TUE УКУ а epar bao A d od POR 
INL rie vd IAM E T 0 
Magnesia . . an T WO жг к, Юр 
deed Eeer ок EE 
КӨП e EE 
AENOR A E n a n EE 
Кее nun eed Vl ООО 

Sunma ee aae SIE 


An den Granit lagerte sich die südliche, Böhmen angehörige Schieferhülle 
ab, welche die auf dem südlichen Rande des Hauptrückens hervorragenden Kuppen 
und die von denselben auslaufenden Gebirgszweige bis an den Fuss des Gebirges 
bildet, wo Gneis und Glimmerschiefer aus der quarzreicheren Abart in die glimmer- 
reichere Felsart übergehen. Die Gneise beginnen erst im Iserthal, nehmen dann 
rasch, besonders in der Umgebung von Rochlitz an Mächtigkeit zu und verlaufen 
bei Freiheit nordwärts in's Rehhorngebirge. Mannigfach sind diese Gneisse ge- 
staltet, bald urthonschiefer- bald glimmerschieferartig. Bei Klein-Aupa tritt eine 
Gneisvarietàt auf, die als eruptiver Gneis bezeichnet wird und der sich im süd- 
östlichen Terrain zu grosser Mächtigkeit entwickelt, indem er dort die Rücken an- 
sehnlicher Berge ausmacht. In der Umgebung von Neustadt bis Kratzau bestehen 
die über dem Granit liegenden Schiefer aus Gneis, der vielfach mit Graniten ver- 
bunden ist, welche letztere durch ihren Dichroit ähnlichen Quarz mit dem Rum- 
burger Granit des Lausitzer Gebirges übereinstimmen. Die krystallinischen Schiefer- 
gesteine fallen von dem grauitischen Kern regelmässig ab. Das verbreitetste Ge- 
stein im böhmischen Riesengebirge ist wohl der Glimmerschiefer, der die beiden 
Ufer der grossen Iser einnimmt, sich östlich bis Klein-Aupa zur Landesgrenze, iM 
Süden bis Hohenelbe und Ernstthal erstreckt. Freilich geht derselbe oft in Phyllit 
über, der wieder die verschiedensten Varietäten von Fleck- bis zum Dachschiefer 
zeigt. An der Ostseite verwandelt sich der Glimmerschiefer in Hornblendeschiefer, 
der vom Rehhorn in einem schmalen langen Streifen bis Kupferberg läuft. Endlich 
ragen an der südöstlichen Grenze im Mittelgebirge die rothen Sandsteine von 
Trautenau und das Kohlengebirge bei Schatzlar aus den angrenzenden Vorlagen 
hervor. Westlich grenzen die Granitite des Isergebirges auf eine weite Strecke 
unmittelbar an die Diluvialgebilde. 

Auf böhmischer Seite durchziehen zahlreiche Thäler das Gebirge. Die be- 
deutendsten sind das grosse Iserthal mit dem Mummel- und Milnitzthal, das kleine 
Iserthal, das Elbthal, das Thai der kleinen Elbe, des Seifenbaches und das der 
Aupa und des Litschenbaches, durch welche viele bedeutende Zuflüsse der Elbe 
die im Riesengebirge entspringen, landeinwürts ziehen. Sowohl auf dem Riesen 
gebirgskamme, auf den muldenartigen Einsenkungen seines ausgedehnten Plateaus, 
als auch auf seinen Lehnen, ja sogar auf seinen Abhängen kommen ansehnliche 
Torfmoore vor, wie die „Weisse Wiese“, die ,Teufelswiese" und andere, die sich 
von Neuwelt bis zum Elbegrund in einer durchschnittlichen Höhe von 1900 m aus 
dehnen und unmittelbar auf den Verwitterungsprodukten des Urgesteines ruhen, 
das in zahlreichen zerstreuten, nackten Felsblócken aus denselben hervorragt. 


In dem geologischen Bau, in der Beschaffenheit, Mächtigkeit und in den 
Lagerungsverhältnissen der Urgebirgsgesteine und in den verschieden, meist sanft 
geneigten Flächen oder muldenförmigen Behältern zwischen den einzelnen hohen 
Kuppen und in den Hochmooren sowie Torflagern, welche diese Einsenkungen 
überkleiden, durch eine reiche Torfvegetation und dichte Knieholz- und Fichten- 
bestände ausgezeichnet sind und auf diese Art die häufigen und ausgiebigen Nieder- 
Schläge zurückhalten und vor allzu rascher Verdunstung bewahren, liegt die Ur- 
sache der reichen Quellenbildung und der grossen Wasseransammlung im Riesen- 
und Isergebirge. Der grosse Wasserreichthum dieses Gebirges in Verbindung mit 
dem grossen Gefälle seiner Abflüsse schuf zahlreiche Fabriksanlagen und verur- 
sachte die Ansiedlung einer starken Arbeiterbevölkerung in den Thalweiten. 

In den genannten sumpfigen Terrains nun entstehen eine Menge sogenannter 
Wassertümpel, deren Ansammlung die Moorerde begünstigt, die gleich einem 
Schwamme das Wasser aufnimmt, zurückhält und nach allmähliger Sättigung langsam 
abgibt. In dem ,weissen-^ und dem „Teufelsmoore“ entspringen viele Bäche und 
Flüsse, so das „Weisswasser“, die „Aupa“, die kleine und grosse „Lomnitz“, welch 
letztere in den beiden gleichfalls von diesen Mooren gespeisten Koppenteichen 
ihren Ursprung nimmt. Ausser diesen Sümpfen ist das Elbemoor, welches südlich 
mit dem Pantschemoor, westlich mit dem Navorermoor und nordwestlich mit dem 
Grenzmoor zusammenhängt, die 12 bis 1400 m hohe Geburtsstätte der Elbe, 
kleinen Iser, Mummel, der Zackel und Kochel, nebst vielen anderen kleinen Bächen. 
Auch die „Mooswiese® und ,Müdelwiese" entsenden reichliche Wasseradern in die 
Aupa und Elbe und bilden mit den obengenannten Hochmooren die Wasserreser- 
Voire, aus denen die Thäler gespeist werden. 

Die Elbe mit ihren obersten Zuflüssen entspringt im Granitit- und Glimmer- 
Sehiefergebiet. Ihre stärkte Quelle ist das „Weisswasser“, welches schon die Römer 
„Albis“ nannten und als die eigentliche Elbequelle ansahen, während wir ihre 
westliche Quelle, das auf der Elbewiese entspringende Elbbrunnenwasser als die 
Ursprungsquelle des Stromes bezeichnen. Der Elbbrunnen liegt in einer Hóhe von 
1300 m südlich unter dem Veilchensteine. Der Abfluss vieler Tümpel und Moräste 
vereinigt sich zu dem Elbebach, der kurz nach Aufnahme seiner Quellen vom 
Rücken des Hochgebirges in den Elbgrund stürzt und in dem oberen Theile dieser 
engen und tiefen Felsschlucht den schönen Elbfall bildet. Im weiteren Laufe von 
etwa einem Kilometer fällt der Elbe in einem 360 m hohen Falle über die senk- 
rechten Granititquadern des Elbgrundrandes das Wasser der Pantsche donnernd 
Zu, welche auf der südlichen Strecke der Elbemoore im sogenannten Pantsche- 
gebirge entspringt, dann das Pudelwasser, das Martins- und Bärenwasser, im 
Glimmerschiefer und Granitit sich sammelnd, unzählige Wasserfälle bildend, über 
zahlreiche Blöcke in schäumenden Cascaden in den wildromantischen, waldum- 
schatteten, Granititelbegrund sich ergiessend, bei dessen Ausgange unter dem Fe- 
stungsflügel die Elbe das an Wasser reichere, aus dem rechtsseitigen Thale her- 
vorbrechende Weisswasser aufnimmt. Von der Quelle ist dasselbe etwa 14 km ent- 
fernt und durch mehr als die ,Siebengründe" getrennt. Indem die Elbe südöstlich, 
das Weisswasser südwestlich läuft, vereinigen sich beide Hauptquellen dieses Flusses 
bei Mädelsteg in einer Höhe von 765 m. 


Das Weisswasser entspringt in den Torfmooren der ,weissen Wiese* in 
einer Seehöhe von 1400 m und vereinigt eine Menge kleiner Zuflüsse, welche sich 
vom Hauptrücken des Gebirges zuletzt in den Teufelsgrund ergiessen. So das 
Silberwasser, die Krummseifen, die aus mehreren auf der ,Teufelswiese" und der 
kleinen Sturmhaube entspringenden Quellen entsteht, das Schwarz-, Lichel-, Floss-, 
Roth-Wasser, welche alle die gleichnamigen Gründe durchfliessen. Riesige Granit- 
kugeln, abgeschliffene Urgesteinsstücke, oft in Würfelform, nebst anderem, zahlreich 
aufgeschichtetem Gerölle, bis zu grossen Steinblócken, bezeichnen den Lauf dieser 
tosenden Wildbäche, die in ihren engen, von quarzreichen Glimmerschiefern über- 
ragten, meist schauerlichen, mit Wald bedeckten, felsigen Abgründen und Schluchten 
die letzten Verzweigungen des Hauptthales nach den Hauptrücken durchfliessen 
und die wildromantischesten und finstersten Gegenden des ganzen Gebirges be- 
rühren. Über die zahllosen Felstrümmer stürzen in zahlreichen schäumenden Cas- 
caden und Wasserfällen die Zuflüsse der Elbe und erzwingen sich südlich durch 
den engen Ausgang zwischen den glimmerschieferreichen Bergen des Krkonosch 
und des Ziegenrückens, zwischen Fleckschiefergestein ihren Durchbruch. 

In Spindelmühle nimmt die südlich fliessende Elbe das Klausenwasser und 
die Gewässer des Plattenberges, des Planur und des Heuschober auf, die in Glimmer- 
schiefer entspringen, braust zwischen den beiden Heidelbergen in einem matten: 
reichen, stellenweise sich verengenden Thale über Felsen und Gerölle und setzb 
bei eintretendem Thauwetter und heftigen Gewitterfluthen aus der oberen Gebirgs- 
gegend mit fortgerissene, beinahe kugelförmig abgeschliffene Granititgeschiebe hier 
oft in mächtigen Bänken ab. 

Sämmtliche Flüsse und Bäche des Riesengebirges sind durch ihr ausser- 
ordentlich frisches und krystallhelles Wasser ausgezeichnet. Diese Eigenschaft be- 
halten sie ziemlich lange, bis sie in den Thälern durch die Abflüsse bedeutender 
l'abriksanlagen verunreinigt werden. In normalem Zustande führen alle Riesen- 
gebirgswässer wenig Wasser, was sich aber nach anhaltenden Niederschlägen als- 
bald ändert. Dann füllen sich die Wasserläufe mit schlammigen Fluthen, die in 
rasender Eile vorwärts treiben, an den Ufern wühlen und nagen, sie überfluthen 
und grosse Verheerungen anrichten. 

Anruhend folgt die chemische Zusammensetzung der Elbe und des Weiss- 
Wassers, 

Die Elbe, 
geschöpft oberhalb des Mädelsteiges im Riesengebirge. Die Temperatur der Luft betrug 11:0? О 
die Temperatur des Wassers 9:959 C. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


IN EUEUO TI ДЫ ueris. can sn Gu nt 
МЕ us Vd? o diosa Cio aa AQ CON 
ШЕШ sad cui. Жи Mas M OT DO 
Magnesia ossis icc E AAO) 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . .0:00042 
Sehwefelsáure |. ийне. iw 000200 


Fürtrag . . 0:00663 


m 


Übertrag |. 0:00663 
Kohlenkaure:; ME E OUO 

Klasse 2.1. sooo UT 

Salpetersäure: ue e GHG 

eem EE BEER 

Mere ESA 

Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000081 

Summa s о DOTT 
(Organische Stoffe) Glühverlust hiezu . . . . . . . .0'00725 
Gesammtrückstand - . . . . . . . 001098 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Przte: 


МАО SE ehe 0219500 
Kal у» ua ER a eU 
Kalk dans eed le 
Magnesia: аре A. ia MM 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 30 
О OM 
Kohlenahuner na EE, 
Klee е EC 
Salpstelsaute aus... Tu VES dete) 


@ ЫШ ИД НН ВОВ 
ОША ОО 
Sauerstoff. ab für GBlonm o a LEN 2:90 


Summar ea ОООО 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0'21 Hürtegrade. 
Die Reaction des Abdampfrückstandes war schwach alkalisch. 


Chemische Zusammensetzung des Weisswassers. 
Geschöpft vom Mädelsteige im Riesengebirge. Die Temperatur der Luft betrug 11° C, 
die Temperatur des Wassers 9° C. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 
Natron у. vum. и 000102 
Kal ENEE 
Le UE we a . 0:00158 
Magnesia in ia. ee 0:00047 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0700041 
Schwefelsäure . . . ue Hr s TODOS 
Köhlemsdure. soene oa MO. EK 
| Кевін оте `. € Ae у у о EES 
Salpetersäure ......... 0:00048 
Ett erter, Ai ROC UL RR 
Summa.. . . . . 0'01314 


Suma 


Sauerstoff ab für Chlor 


Summa . 


(Organische Stoffe) Glühverlust hiezu 
Gesammtrückstand 


EE EE 


. 000022 
TO OUAUA 
. . 000565 
. 001857 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Pzte: 


Natron . 


Kali . 
Kalk 


Magnesia . . . f 
Eiscnoxyd und Tho 


Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 


Chlor 


Summa 
Sauerstoff ab für Chlor . 


Snmma 


nerde 


14:86 
2:40 

19:93 
3:64 

317 

10-68 
ER 
3:11 
3:79 

759 

v 0151 
171 
. . 10000 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 0'224 Härtegrade. 


Der Abdampfrückstand des Wassers reagirte sehr schwach alkalisch, sonst 


war das Wasser farblos, geruchlos, feuerklar, in dicken Schichten i 


des überaus klaren Wassers schwach grüngoelb. 


st die Farbe 


Die vereinigten Elbewässer des Hochgebirges besitzen oberhalb der Krausen- 
mühle folgende chemische Zusammensetzung. 


Das Wasser wurde am 9. September 1899 geschöpft. 


Luft betrug 13 5° C, die Temperatur des Wassers 11" C. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium 
Natriumsulfat 
Kaliumsulfat 
Calciumsulfat 
Caleiumnitrat 
Caleiumearbonat . 
Maegnesiumearbonat 
Eisenoxyd und Thonerde 
Kieselsäure 

Summa 
Glühverlust . 
Gesammtrückstand . 


. 0'00305 
. 000295 
. 0900135 
. (00059 
‚ ЧОТ 
. 000440 
. 000264: 
. 000112 
. 000520 


. 002248 


. 000965 


. 003208 


Natron . 

Kali 

Kalk . 

Magnesio o Men 

Fisenoxyd und Thonerde 

Schwefelsäure 

Kohlensäure 

Kieselsäure . 

Salpetersäure 

Chlor d 
Summa . 

Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa 


Die Temperatur der 


‚ 0:00291 
. 0:00073 
. 0.003820 
‚000126 
0:00112 

‚ 000263 
. 0.008381 
‚ 0:00520 
. 000064 
. 000185 
‚ 002280 
‚_. 000042 
002949 


il 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten Gewichttheile: 


Natron . 
Kali . 
Kalk . 
Magnesia . 


Eisenoxyd und höhere ` 


Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 


Chlor EE 
Summa 

Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa 


Die Gesammthärte des Wassers betri 
Dei Hohenelbe hat die Elbe 


12:01 
3:26 
14:21 
5:62 
4:99 
ГО 
14:75 
28:18 
2:85 
i 8'25 
(UC 30PRT 
1'87 
[10000 
e 0'490 Härtegrade. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


. 0:00335 
. 000204 
02000) 
000181 
. 00004 
‚ 000567 


Ohlornatrium 
Natriumsulfat 
Kaliumsulfat 
Calciumsulfat 
Caleiumnitrat 
Caleiumearbonat 


Magnesiumcarbonat . 000302 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000110 
Kieselsäure . . 000401 


. 0702323 
. 001020 
. 008848 


Summa 
М Тоя i 
Glühverlust hiezu 
M jt 
Gesammtrückstand 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten 


Natron . 
Kali . 
Kalk 
Magnesia 


Eisenoxyd und T бое : 


Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 


Chlor A 
Summa 

Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 


Natron . 

Kali 

Kalk . 

Magnesia . d 

Eisenoxyd und Thonerde 

Schwefelsäure . 

Kohlensäure 

Kieselsäure . 

Salpetersäure 

Chlor dor cud 

Summa . 

Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa . 


11:49 
4:65 
TAE 
620 
4.78 
19:19 
17:52 
1727 
9:10 
8:18 
10198 


0:598 d coe 


folgende chemische Zusammensetzung: 


00026 


‚ 000108 
. 0'00897 
. 00144 
. 000110 
. 000283 
. 000407 
. 000401 
. 0700049 
. 000208 


. 002569 


‚ 000046 
. 0702323 
Je ` 


12 


Die Elbe lest von ihrem Ursprunge bis Hohenelbe 25:1 Km zurück, die 
Höhendifferenz ihres Laufes beträgt 830 m, so dass sie ein Gefälle von 1:28 аш- 
weist und obwohl sie in ihrem Laufe über den Abhang des Riesengebirges schon 
einen grossen Theil ihres bedeutenden Gefälles verbraucht hat, bildet sie doch noch 
den urkräftigen Motor zahlreicher Industrien und gelangt, nachdem sie noch mehrere 
starke Zuflüsse empfangen hat, erst in der Ebene zu einem verhältnissmässig 
trägen Laufe. 

Bei Hohenelbe verlässt die Elbe das Urgebirge, indem sie durch verschie- 
dene Dyasschichten eine südöstliche Richtung einschlägt. Unterhalb der genannten 
Stadt fliessen ihr mehrere Bäche zu, unter denen der bedeutendste die „kleine 
Elbe“ ist, die im Glimmerschiefer des Keil- und Plattenberges in 1300 m Seehöhe 
entspringt und oberhalb Arnau in die Elbe füllt. Sie nimmt kleine Zuflüsse aus 
Gneis, Glimmerschiefer und aus Felsarten der rothen Sandsteinformation, die hier 
im raschen Wechsel folgen, auf, und setzt ihren Weg durch тобе, viel Glimmer 
enthaltende, schiefrige Sandsteine bis Arnau fort. Vereint mit der grossen Elbe 
beschreibt der Fluss über Arnau einen südöstlich gekrümmten Bogen, nimmt in 
Arnau den aus der Vereinigung des Silber- und Forstbaches hervorgehenden Silber- 
bach, dessen Quellen zumeist aus dem Rothliegenden hervorbrechen auf, und südlich 
von Arnau die aus gleichem Gestein entspringenden, in rothen Sandsteinen sich 
vielfach verzweigenden Wasseradern des bei Neustadtl einmündenden Olsbaches auf. 


Die genannten Zuflüsse haben folgende chemische Zusammensetzung: 


Die kleine Elbe. 


Geschópft ober Proschwitz am 12. September 1892. 


ln 1000 сс des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium ........ 000486 NOT а Venter dul . . 0:00589 
Nëtt мик. ©'00{60 genaue, pnta ОХООО 
Kaliumsulfat ... .. . . . 0:00220 eelere И ат 10:09997 
Kalımcarbonat Ee 090280 Magnesia . кой, ООО 
Jaleiumearbonat . . . . . . 005244 Eisenoxyd uud Thonerde . . 0:00028 
Magnesium 6 so obig ~- e 00ULUD Моруг еа oco . 000524 
Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00028 Kohlensäure л о. 008808 
Kieselshure u... ш... 001158 Kıieselsaure ., Шил... e ve Un 
Salpetersäure . . . . .:. . 0:0008€ Salpetersäure n uii: . . . . 000081 
Summa 491. 008254 ШО ааа а vss бй ОЙ 
Glühverlust hiezu . . 001247 Summa a . . . 008520 
Gesammtrückstand . . . . . 009701 Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00066 
DT, 


Summa. . . . . 0'084b4 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 
ЖАШ ЕКЕУ d. WA Ss o aoi oc EEN 
EE 

. 3474 


HFürtrag.... « 45:8 


Kalkar, 


Übertrag 45'37 

Magnesia . e 2:32 
Eisenoxyd und Thonerds . 0'33 
Schwefelsäure . 6:26 
Kohleusäure 28:84 
Kieselsäure . 13:64 
Salpetersäure 1:08 
Chlor OR 3'49 
Summa ‚ 100:78 

Sauerstoff ab für Chlor . 0'78 
Summa . 100:00 


13 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 3:21 Härtegrade. 


Die Elbe tritt bei Jaroměř und Josefstadt in's Flachland, indem sie bei der 
erstgenannten Stadt eine starke Krümmung nach Osten macht, und an ihrem linken 
Ufer die von Nordosten her von Nachod kommende Aupa aufnimmt. Dei Jaroméf 
hat sie vor der Vereinigung mit diesem Flüsschen folgende Zusammensetzung: 


Chemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Jaroméi 


vor der Vereinigung mit der Aupa im November 1892. 


In 1000 cc Wasser sind enthalten Gramme: 


Ohlornatrium . ‚000816 Na,O . 000764 
Natriumsulfat . . 000758 KEO, . 0'00289 
Kaliumsulfat ‚ 0:00534 СаО ‚ 003621 
Calciumsulfat . 0:00660 MgO ‚ 0:00758 
Jalciumcarbonat . 0:05831 Ее,О, 
Magnesiumcarbonat . 0:01592 АО, ! ‚ 0.00958 
Eisenozyd \ - 000058 SiO, { 000620 
Thonerde | 80, . 0"01060 
Kieselsáure . 000620 @ . 000495 
Salpetersäure u. Kalk . 000243 (Ui ‚ 008899 
011107 NO, ‚ 000160 


Glühverlust . 


Sauerstoff ab für Cl. 


. (001605 Grm. 


0'11219 
. 000112 
011107 


In 100 Theilen des trockenen Rückstandes sind: 


Na,O 6:889, 
KO. . 260 , 
СаО. ‚ 32:60 , 
Mo) 6:82 » 
і 278 

Fürtrag 49387, 


Übertrag . . 49:38*/, 


OD POMA E er, NB 
Ba TEE iy o as 
i DEE CAE Si OR 
Ка EE 2,0000. 
Br. ura Mee s E TOF a e io A ` E 

100:999/, 
Sauerstoik. ар Ди OL и ШОИ 

100°00°7, 


Gesammthärte des Wassers 4'68. 


Bei Josefstadt empfängt die Elbe die über Neustadt fliessende Mettau. Die 
Gegend, durch welche sie ihren Weg fortsetzt, verarmt nunmehr an landschaftlichen 
Reizen. Von Josefstadt fliesst die Elbe in einem mit alluvialen und diluvialen Ab- 
lagerungen erfüllten Thale, das zwischen wellenförmigen Absätzen der Oberpläner 
und Teplitzer Schichten südlich streicht und durchströmt in drei Armen das Städtchen 
Smifitz, um sich nach Aufnahme des Trotinabaches in den weiten, aus zahlreichen 
Sandschichten, Mergel und Letten bestehenden Elbekessel von Königgrätz zu ег- 
giessen, wo sich ihr die vereinigte Adler zugesellt. 

Diese beiden Flüsschen, die Elbe und die Adler setzen bei anhaltenden 
Regengüssen und starken Anschwellungen die flache Gegend unter Wasser, das 
sich in weiten Wiesenkesseln sammelt, welche durch Dämme getrennt, dem Wasser 
den baldigen Abfluss gestatten. Von da an fliesst die Elbe durch ein durchaus 
ebenes und steinloses Flachland, dessen Boden vorherrschend aus Sand, stellen- 
weise nur aus Lehm besteht, krümmt sich bald südöstlich, bald südwestlich, nimmt 
unweit Sezemie die Loučná auf und fliesst südlich bis gegen Pardubitz, wo sie 
sich westlich wendet und diese Richtung bis Kolin beibehält. Obwohl nicht schiff- 
bar, dient sie doch schon zum Holzflössen aus den nahen Waldungen, so dass sie 
auch in dieser Hinsicht nutzbringend wird. 


Bei Pardubitz hat die Elbe folgende Zusammensetzung: 


'hemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Pardubitz 
= 


vor der Vereinigung mit der Chrudimka im November 1892. 


In 1000 cc Wasser sind enthalten: 


Oblornatrium . 0:01096 Na,0 . . .0:00905 
Natriumsulfat . ... .0:00742 КО s EE 
К КаШшШаШ иь О 00948 (d USUS 
Caleiumsulfat , . . . . 000944 МЕО ШО 
‚aleiumcarbonat . . 018789 SOL vicc M MIU 
Magnesiumcarbonat . . 0'02272 QU. 7 e EEN 
Eisenoxyd ) ; Kg ОООО 
Thonerde | ele dig pase SiO. 4 172 000180 


Fürtrag . . 0:19868 ("20878 


Übertrag . . 019868 0:20878 

RAR s vai DEA F'e,O, iu 
Salpetersäure. . . & . 0UUÍSZ Al,O, | vive um 
Kieselsäure . . . . . 000780 NO, оов 
020992 021142 

Sauerstoff ab für Cl. . 000150 

020992 


Glühverlust . . 002740 


In 100 Theilen des trockenen Rückstandes: 


IN Ar ы y EES NN 
Oi CD ART NN vM 
JO Oe ОА n RCM IN 
Met йу о... aan, 
Fe, L Ol 
Ao; ] E, 
E o tuc quu oc 
О оа er О 1 DN AME 
Gu ul us au 
QD; o, Uy Gë IN. TOME 
Nh, s ub o NN 
100717], 
Sauerstoff ab für Chlor: <. us... Win 


100:00°% 
Gesammthürte des Wassers = 9'78. 


Von Pardubitz fliesst die Elbe durch eine auenreiche, mit Alluvialgebilden 
erfüllte Niederung in vielerlei Krümmungen in westlicher Richtung fort. Ihre Ufer 
Sind grösstentheils niedrig und werden daher bei höherem Wasserstande leicht 
überflutet, zuweilen durchbrochen. 


Während auf der rechten Seite der Elbe fruchtbare Alluvialgebilde, die 
Segen Norden von diluvialen Sand- und Schotterablagerungen durchsetzt werden, 
die Ebene und Thalsole bedec ken, erheben sich die linksseitigen Thalgehänge in 
der Gegend von Přelouč und lassen den Oberpläner und die Teplitzer Schichten 
zum Vorschein kommen, die hier weit hin gegen Norden die Unterlage des 
Landes bilden. 

Im weiteren westlichen Verlaufe herrscht sandiger Unterquader bis gegen 
Elbeteinitz, Längs des Elbestromes liegen liebliche und weitläufige Auen in einem 
Weiten vielgeschlängelten Flussthale, das sich erst von Elbeteinitz bis Kolin etwas 
einengt, jedoch sanfte Gehänge besitzt. Bei Elbeteinitz zeigen sich die letzten 
elimmerschieforigen Ausläufer des südlichen böhmischen Urgebirges. 


0] ‚Zu den wichtigsten Zuflüssen der Elbe auf dieser Strecke gehört die 
-hrudimka, 


16 


Zusammensetzung der Elbe oberhalb Kolin. 


In 1000 ee Wasser sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium . . . .0:01090 Na,0 . . . 001045 
Natriumsulfat . . . . 001220 KO 5.30% 2. 000001 
Kaliumsulfat . . . . . 0'0099 UNO. ss 008200 
Caleiumsulfat . . . . . 000748 MgO . . . 000964 
Caleiumcarbonat . . . 013946 80,27. 72001089 
Magnesiumcarbonat . . 0:02024 Оет 000099 
Kieselsäure . . . . . 000762 MEN а не СОЯИ 
Eisenoxyd | чл do. БОКОВ 810, EK LES 
Thonerde f FeO, | 999405 
Caleiumnitrat . . . . . 000255 А, А} ee à 
0:21143 N:O, ..« 2:40 00188 

0:21260 

Sauerstoff ab für Cl. . 000117 

0:21143 


Glühverlust . . 002535 Grm. 


In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten: 


Ban dumis ette ваи" 
Be s Eu oss sit «уме e 
DEL ss uus MAE EC EEN 
МИ ОУ. ow, воме dor NN 
BO, s uu vow HS E 
CU. Wo LU cud Ate i ca RM у 
(ln RUPEE THEY ce D ni г. 00е 
Ее,О, І 
ALO, T 0:50 „ 
DEUS Cu de x E rd atre PE 
NUN e Ee, A 
100:557/, 
о ооо ку. VOD. 


10000", 


Vor Elbeteinitz durchbricht die Elbe den Glimmerschiefer, Gabro und Chlorit- 
felsen, in südlicher Richtung und setzt ihren Lauf südwestlich bis Kolin fort. Vo? 
dieser Stadt fliesst die Elbe nórdlich, dann nordwestlich über Podiebrad und Nim- 
burg, hierauf rein westlich bis Čelakowitz im Aluvialgebiet. Um Kolin breitet 
sich an ihrem linken Ufer vorzüglicher Weizenboden aus, am rechten saudige: 
weniger fruchtbare Ablagerungen. Zu den äussersten Vorsprüngen an der Fläche 
des südlichen Elbthales gehören der aus krystallinischem Hornblendegestein be- 
stehende Friedrichsberg und die aus Gneis zusammengesetzte Hora. Der pláner- 
sandstein, der nórdlich hervortritt, ist in der Ebene von Diluvialsand und Allu- 
vionen reichlich bedeckt, da von Kolin angefangen das Elbthal breit und flach 


17 


wird und in einer ausgebreiteten Ebene liegt, in welcher Auen und Wälder mit 
"ppigen Wiesen und Feldern mannigfaltig abwechseln, so dass diese Niederung zu 
den anmuthigsten Gegenden Böhmens gehört. Zwischen Kolin und Podiebrad be- 
decken die Gegend mächtige Alluvionen, welche dureh die häufigen, hier statt- 
findenden Üuerschwemmungen reichlichen Zuwachs erhalten und längs des Flusses 
wahre Marschländereien bilden. Bei Lititz empfängt die Elbe die Cidlina, bei Nim- 
burg die Mrdlina. Das rechte Elbeufer gegen Nimburg ist wegen seiner Frucht- 
barkeit berühmt, so dass dort nicht nur anspruchsvolle Feldfrüchte sondern auch 
Küchengewächse reichlich und lohnend angebaut werden. Südlich und südwestlich 
von der Elbe findet man zwischen fruchtbaren Äckern mit diluvialem und Fluss- 
Sand überzogene Landstriche, die mit Wäldern und Weiden bedeckt sind. 

Nordwestlich von Nimburg begrenzen wellenförmige, mit diluvialen Ablage- 
tungen bedeckte Senon- und Turonschichten der Kreideformation die Gegend. 

Die am rechten Ufer einmündenden Flüsse und Bäche kommen sämmtlich 
aus der böhmischen Kreideformation, führen daher harte kalkreiche Wässer. 
| Von Nimburg fliesst die Elbe ununterbrochen westlich in einer fruchtbaren 
Ebene bis Öelakowitz, wo sie eine Insel bildet und von sumpfigen Niederungen 
umgeben ist. 


Chemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Celakowitz 


im November 1892. 


In 1000 ce Wasser sind enthalten Grammes : 


Ghlornamiun 9... OU LOT NIU o. vs ULIS 
Natriumsulfat . . . . 001243 KO Uy EE 
Kalmmsulatee i9 Wein СЕО o се el SPD 
Caleiumsulfat . . . — 000675 MO е 001188 
Caleiumcarbonat . . . 013991 Sombra RENE 
i Magnesiumcarbonat . . 002495 Öl . 0700726 
КӨӨНӨ и ENEE tar a | 
Fisenoxyd | IUIS ‚ 000907 
Tioheidp: finc E ALO, | Ra 
Jaleiummitrat . . . . . 000261 Fe,O, f „009204 
022184 NO, er 


0:22348 


Sauerstoff ab für Ol. . 000164 
(92184 


Glühverlust 0024 Мут р. Liter. 


In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten: 


Na,O ed dus Cui wo MUN MOLIS AE M 531%, 
K,O 2:95 , 
СаО 36:98 , 
МеО 585, 


pürtrvag . . . 0009] 


18 


Übertrag . . 50'59°/, 
SO OV MN u ele A AAT LO 
QULA id ose dead éd celere os AUR QNS 
(lui dp qo euet mo lodi fos E 
BIOS MA E ERR crm vits La 
Ее,О, 
ALO, | 0"91, 
WE ie nern ee G a 
100*74"/, 
Бае ОШ ар. Mi Gk wiene ss etaa e OTA 
100:00°7, 


Gesammthärte des Wassers 9'85. 


Auf der linken Seite empfängt die Elbe die Kleynaika bei Alt-Kolin, die 
Planianka mit dem Schwojschitzer Bach bei Dobrichov, den Schemberabach bei 
Sadtka, den Auwoler Bach, der bei Prezaü in 2 Arme getheilt einmündet, dann 
noch einige Bäche von geringer Bedeutung. 

Bei Taužim ergiesst sich die wasserreiche Iser in die Elbe und fliesst nord- 
westlich über Brandeis gegen Obriství. 

Eine ebene, sandige, bewaldete Landschaft dehnt sich auf dem rechten Ufer 
der Elbe aus, auf dem linken erheben sich höhere Gehänge, welche sanft gegen 
das Flussthal abdachen und dem dünngeschichteten, petrefactenreichen Quader- 
sandstein der cenomanen Kreideschichte angehören und mit Löss und Gerölle in 
der Thalsohle bedeckt sind. Das Hochwasser befruchtet die ausgedehnten Wiesen- 
gründe. Als letzte Spuren des angrenzenden Gebirges zeigen sich Klippen von 
Kieselschiefer. 

Der niedrige Höhenzug, der sich bei Dfi$ gegenüber von Elbekosteletz aus 
dem Alluvium erhebt und in nördlicher Richtung über V$etat bis Melnik ausdehnt, 
gehört zum Gebiet des Weissenberger Pläner, der gegen Nordosten an Mächtigkeit 
zunimmt und bei Melnik steil gegen die Thalsohle der Elbe abfällt. 

Zwischen Weltrus und bei Obristvi breitet sich an der linken Stromseite 
das Elbthal stark aus, indem es das Delta zwischen Moldau und Elbe bildet und 
durch das Zusammenwirken der zwei grössten Flüsse Böhmens auf beträchtliche 
Tiefen angeschwemmten Boden absetzte, unter welchem sich die Schiefermassen 
des Grauwackengebirges verbergen, 


Der Boden dieses Deltas besteht aus Flussschutt und lehmigen Flussalluvien. 
Bei Tfebosnice mündet der Dysicer, dem Kalkgebirge entquellende, unweit Melnik 
bei Schopka der mit dem Forellenbach vereinigte Goldenbach in die Elbe. Auf den 
nahe an die rechte Seite der Elbe vordringenden, mit Weingürten durchsetzten 
Höhen folgt die Stadt Melnik, vor der die Elbe, ehe sie sich mit der Moldau үе!“ 
einigt, folgende Beschaffenheit hat: 


19 


Chemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Melnik 
geschöpft im November 1892 ober der Zuckerfabrik. 


Chlornassum.. . . . . 001208 NED ОТИ 
Natriumsulfat . . . . . 001088 KOT a CIPUE 
Caliumsultat . . x . + 001400 ОХО S a OOD 
Jaleiumsulfat . . . . 000445 Moo 000915 | 
Jaleiumnitrat . . . . . 000255 SOR RON OTT 
Caleiumearbonat . . .0:13039 (Up eS TRE ONT 
Magnesiumearbonat . . 001986 NO, с 000288 
Thonerde ОО ООНГО 
Eisenoxyd | EE MIL C. ОШООО 
Kieselsäure . . . . .0:00955 F 0; | 000148 
0:20514 ALO, | 


0206719 
Sauerstoff ab für Cl. . 000165 
0:20514. 


Glühverlust . . . 0'023 Grm. 


In 100 Gewichtstheilen sind enthalten: 


NA Vu s у eg, 7 
Eg E E MN я 
QR e mor ap AE 
МЕО о deeem Ee 
BU ENGER Ww EE CN 
s RR NON E EE a 
Ng TT Pd EN 
UO sias ы AUI ee EBORE, 
BD. dedu M D VA 
Ее,О, | 
ALO, | MUN EE а 
100-807]. 
Sauerstoff ab-für. Ol: u... ur u 080 
100°0077, 


Härte des Wassers = 8'89. 


Von Melnik bis Berkowitz breiten sich fruchtbare Gefilde aus. 

Die Verengung des Flussthales beginnt erst wieder zwischen Unterbefkowitz 
und Raudnitz. Die Elbe biegt, nachdem sie das freundliche Liboch umspielt hat, 
Ihren Lauf scharf gegen Südwesten um, beschreibt einen weiten Bogen um das 
Kalkreiche Flügelland, welches sich um den vorgeschobenen Ripberg des Mittel- 
Sebirges ausbreitet bis Raudnitz, und strömt dann nördlich in das erweiterte 
Elbthal, das durch die Jahrhunderte lange Arbeitsleistung der Eger und der Elbe 
E. einem mit sehr fruchtbaren Lóssablagerungen erfüllten ausgedehnten, bis an die 
Hóhen des Mittelgebirges reichenden Becken umgestaltet wurde. 

Zwischen Wegstüdtl und Raudnitz (lehnen sich südlich der Elbe bewaldete 


әк 


2 


20 


Sandbóden aus, die nordwestlich mit fruchtbaren Rübenbóden abwechseln. Die gegen 
Theresienstadt und Bauschowitz sich ausbreitende Ebene ist von Lósslehm, Merzel 
und Sand bedeckt. Nördlich und östlich steigt aus der breiten Thalsohle ein flach 
gewelltes, den höheren Etagen der Kreideformation angehórendes Terassenland an, 
über welches sich die Basalt- und Phonolitberge des Leitmeritzer Mittelgebirges 
erheben. 

Die bis hart an die Elbe vorgeschobenen Terassen zwingen dieselbe bei 
Kfessitz ihren nórdlichen Lauf nach Westen abzuündern. 


Chemische Zusammensetzung der Elbe bei Kressitz vor Leimeritz 
im November 1892. 


Chlornatrium oi er 0.012 Na Ол RI 
Natriumsulfat . . . < 001145 RO у у EE 
Kaliumsulfat .'... ve 0009178 ОАО ОООО 
jalemumsulab. . ~ . .0'00054 ЛЕО У O00840 
Caleiumnitrat ; . . . . 0:00255 SOS mE ООВ 
Caleiumcarbonat . . . 008398 GIN V HU QUU 
Magnesiumearbonat . . 001776 SUL V c LULA S 
Bisenoxyd dada Fe,O, dip pe 
Thonerde | iru DO ND ALO, { ` vm 
Kieselsáure . . . . . 001138 Na n OUS 

015660 QU, а vc DER 


0:15837 
Sauerstoff ab für Cl. ~ 0:00177 
70:15660 
бЙШүетш& . . . 0'024 00р. 


In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten : 


МОО ОЛ нк x QUU AC et ТОП, 
OG ac у vnl cp n o NE 


MOI EE 
EE cuu ОАЭ И 
deed 0:86 , 
2V3 

BU. nur uio AUI validi: DUM у 
NE uuu uh vir i Ga PRET. 


NO an а aeo auteni de Pla 
O E ил. daier EE 
Qiu anb. inb EE RO QU 
101-147], 
SIE ОШ Ар TI^ ORION... ere 
100:00°7, 


Gesammthärte == 6'19. 


21 


Vor Leitmeritz empfängt die Elbe die Eger, welche sich in zwei abge- 
sonderten Armen in dieselbe ergiesst. Von da an trägt sie grössere Schiffslasten 
und Dampfer und wird als bedeutungsvolle Wasserstrasse intensiv ausgenützt. 
Während ihr rechtes Ufer die rebentragenden Abhänge des Kreidegebirges bilden, 
dehnt sich eine weite, mit Lösmergel und Allluviallehm bedeckte fruchtbare Ebene 
an ihrer südlichen Seite bis an das südwestliche Plänerplateau gegen Brozan und 
Lobositz aus, die den Namen der nordböhmischen Weizenkammer führt. 


Nach dem Hinzutritt der Eger hat das Wasser der Elbe bei Lobositz fol- 
gende Zusammensetzung : 


In 1000 ee des im November 1892 geschöpften Wassers sind enthalten : 


Ohlornatrium . . . .001503 N84... 00:01818 
Natriumsulfat . . . . 001181 tele 
Kaliumsulfat . . . . . 0'00978 C80: о. 0047589 
Caleiumsulfat . . . . . 000804 М0: 2090895 
Caleiumnitrat . . . . . 0:00258 Fe,O, | 
к к HE A 

Caleiumearbonat . . . 007739 ALO, | 
Magnesiumearbonat . . 001732 BIO, а ОВИ 
Eisenoxyd | БО. ООВ 

; Se ET UI : 

Thonerde f i QI». REDE OUO 
Kieselsáure . . . . . 000982 CQ; v 20.004312 
0:15305 N.O, . 000100 


0:15511 
Sauerstoff ab für Cl. . 0:00206 
015305 
Glühverlust . . 0'0250 Grm. 


In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten: 


Jahr 1892 Jahr 1891 
KEIER nee len EDU у, уба КОШ 
RO оО ое ОИ, 


Ee e т 17 c ИНА м 
We ne a Об 
We OH, GH $ 

ALO, | DSL ОЦ 
NA uua «vs so A E ER at 
SIL nee nee oda NU Aloe 
MOS E ER KENG ы 
O I rt 28:08 , 


» 
Glo TOUS I Ar ea UO NC dM 6:51 „ 
[ОЛУБ s en н OIL AN, 
Sauerston ab fur. ОШО | 909 050 à 1:46 , 
10000 eet ed 


Gesammthärte 1892 = 5:90; 1891 = 6'61. 


22 


Der gewaltige Loboschberg hemmt den weiteren westlichen Lauf der Elbe 
und indem sie daher bei Lobositz einen weiten Bogen um den am entgegengesetzten 
Ufer vorspringenden Basaltberg „Radobyl“ beschreibt, wendet sie sich nördlich, 
(durehbricht das böhmische Mittelgebirge bei Grosstschernossek durch eine Scholle 
von Gneiss und Hornblendegestein in diesem engen, auf beiden Seiten von den 
Felsmassen des erruptiven Mittelgebirges eingeschlossenen Thale, welches sich bei 
Libochowan nur auf eine kurze Strecke östlich kegelförmig erweitert, fliesst sodann 
in abwechselnd links und rechts abbiegenden, grösseren und kleineren Windungen 
zwischen hohen rebenumkränzten Phonolit- und Basaltbergen eingeengt bis Aussig, 
die malerische bóhmische Schweiz und die Obstkammer Böhmens bildend, unter- 
halb welehem Orte ihr Wasser nach dem Hinzutritt der Bila folgende Zusammen- 
setzung hat: 


Chemische Zusammensetzung der Elbe unterhalb Aussig (beim neuen 
Hafen) 


geschöpft im November 1892. 


In 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme : 


Chlornatrium . . . . 001464 Na,O . . 001252 
Natriumsulfat . . . . 001090 KO Eus ООо То 
Kaliumsulfat -z « « 0:00952 CaO . . . 004534 
Caleiumsulfat.. . . . . 0:01202 MgO . . .0'00889 
Jaleiumnitrat . : . 20:00266 Fe,0, posee 
Caleiumearbonat . . . 007050 A10, | E 
Magnesiumearbonat . . 001867 О л ыт 0.0108 
Eisenoxyd u. Thonerde . 0°:00208 Gl S DT UUS SS 
Kieselsäure =. oun 10:00995 Alt ERC: 
0:15094 NEQU OUO 


СО VAN 
015294 
Sauerstoff ab für Cl . 0°C0200 
015094 
Glühverlust — 0:02301. 


In 100 Gewiehtstheilen des Rückstandes sied enthalten: 


NOD QS EU qut RV NB. 
EO Lo UR d Nodes e 
EN no os узды NOR 
MgO 589 „ 


Ко Ок + АШО » 37.5 e 195, 
Иче KEE 
HE u xou eterne E Why ООШ, 
оу улыл HZ RUD S 
Fürtrag.. . .94:29"/, 


CO, 


28 


Übertrag . . . 94:29"/, 
ОО О cie PME 
Db s оир ылыы н NCC NE 


101:895/7 
Sauerstoff ab. dur Ok e ee 
100-00°/, 

Gesammthürte = 577. 


Der Hauptstrom des Landes von zahlreichen Dampfern und fruchtbeladenen 
schweren Zillen befahren und belebt, eilt nun nordöstlich der nördlichen böhmischen 
Grenze zu. Das Stromthal verläuft hier fortwährend zwischen mächtigen Bergen, 
wo in jüngeren Zeiten unseres Planeten die beiden Naturgewalten, das Wasser im 
Ansturme, das feste Gestein in der Abwehr miteinander im harten Kampfe lagen, 
als dessen Resultat wir die viel bewunderten Naturschönheiten unseres paradi- 
sischen Elbthales geerntet haben, das sich bei Tetschen etwas erweitert, bevor es 
dem Flusse gestattet, unterhalb dieser Stadt in das Gebiet des malerischen Sand- 
steingebirges zu treten. Hier hat das Elbewasser nach Aufnahme des Polzenflusses 
und des Ewawerbaches folgende Zusammensetzung : 


Zusammensetzung der Elbe oberhalb Tetschen. 


(Geschópft im November 1892.) 


ln 1000 ee Wasser sind enthalten: 


Chlornatrium . . . . 001481 INA: (QS к „ОШОДО 
Natriumsulfat . . . . 001044 КО EH 
Kaliumsulfat . . . . . 001046 (Ja NEE e 
Caleiumsulfat . . . . 001307 Mame aor 20200890 
Caleiumnitrat . . . . . 006550 (Al,O, + Fe,O,) . 0:00153 
Jaleiümearbonat . . . 0'00615 SOL Voy оО 
Magnesiumcarbonat . . 001881 BIO, a a OOO 
Eisenoxyd u. Thonerde . 0 00153 O4 1 2) 0995 
Kieselsture . . . . . 001056 NOS T aver РИН 

0:14 091 QO; ти ОЗО 


0:14933 
Sauerstoff ab für Ol. . 000196 
01491 
Glühverlust = 0:02280 Gr. 


In 100 Gewiehtstheilen des Rückstandes sind enthalten: 


N. Re 8222, 
EOS e, 881 
ER рн ОНОО и 
MgO d. deu оа E 6:06 „ 
F60, | 

de Lbs VACANS KD мые ы LE c n 
АО, | | 


Fürtrag. . .48°48°/, 


Übertrag . . 48:43"], 


c NNI EL E MES, ае 
E xc AD gir cn 
NANI i eae MU E EM 
Cu d o Lure cis dra шу i REL E 
cor uicit aret у, E DUAE E 

101:34"/, 
Sauerstoff ab für Cl . . ... Sub oi. 

10000]. 

Gesammthürte — 5:58. 


Zwischen Tetschen und Herrenskretschen bildet das Elbthal eine in das 
Sandsteinplateau tief eingefurchte Gebirgsspalte, deren hohe und steile, prüchtig 


Y 


bewaldete Lehnen dieser Gegend einen Gebirgscharakter verleihen. 
о 


betrachtungen 
über die chemische Zusammensetzung der Elbe von ihrem Ursprunge 
bis zu ihrem Austritte aus Böhmen. 


Nachdem, wie früher bemerkt, die Wasserproben der Elbe in einem und 
demselben Zeitraume anfangs November des Jahres 1892 an verschiedenen Stellen 
ihres Laufes geschöpft wurden, ist es gestattet, einen Vergleich zwischen den er- 
haltenen analytisehen Resultaten zu ziehen und aus der übersichtlich geordneten 
Zusammenstellung der chemischen Zusammenstellung der Elbestrecken von ihrem 
Ursprunge bis zu ihrem Austritte aus Bóhmen ergibt sich nachstehendes Bild der 
aufeinanderfolgenden Veränderungen ihrer chemischen Beschaffenheit. 

Aus der Zusammenstellung folgt zunächst die fortschreitende Zunahme des 
Elbewassers an Härte, an Mineralstoffen und organischen Stoffen bis zum Eintritt 
der Moldau bei Melnik, wo die ausgiebigste und kalkürmere Hauptwasserader des 
Landes die Moldau die Elbe von 9 auf 6 Härtegrade und von 205 mg mineral. 
Rückstandes im Liter auf 157 mg plötzlich vermindert, selbstverständlich in der 
trockensten Jahreszeit und nach deren Vereinigung durch die weiteren Zuflüsse 
des Landes keine so wesentliche Veründerung in der Zusammensetzung des Wassers 
der vereinigten Flüsse mehr stattfindet. 

Während das Elbewasser bei Mädelsteg nur 13, bei Hohenelbe 23 mg Mi- 
neralstoffe im Liter enthält, hat es bei Jaroméf vor der Einmündung der Aupa 
schon 111 mg, also fünfmal so viel Rückstandsmenge als wie bei Hohenelbe, bei 
'ardubitz, doppelt soviel fixen Rückstandes als wie bei Jaroméf und zeigt bei Ce- 
lakowitz die grösste Härte mit 9:85 Grad und den höchsten Gesammtrückstand 
von 245 mg p. L. Von da an nimmt die Concentration des Elbewassers nach Ein- 
mündung der Iser und anderer kleiner Zuflüsse wieder etwas ab, sinkt aber erst 
nach Aufnahme der Moldau hinter Melnik auf einen Gesammtrückstand von 181 md 
pr. L. der nach dem Zuwachs der Eger bei Leitmeritz eine wesentliehe Vermenrung 


25 


nicht mehr erfährt und je nach dem Rückstande der drei Hauptflüsse des Landes 
wechselt. 

Das Natron ist im Elbewasser in geringerer Menge vorhanden als in dem 
Wasser der Moldau und der Eger. Der absolute Gehalt des Wassers an diesem 
Alkali wächst von 1'74 mg proportional dem zurückgelegten Wege bis 11:18 mg 
p. L., bei Celakowitz erhöht er sich nach der Vereinigung mit der Moldau und 
Eger auf 125 mg. Sprechender ist noch der Vergleich der Nationgehalte in den 
Abdampfrückständen des Elbwassers, die sich anfänglich auf 14"/, des Rückstandes 
belaufen, durch den Zufluss kalkreicher Bäche eine relative Verminderung der an- 
Sehnlichen Natronmenge im Rückstande erfahren, bei Hohenelbe auf 11, bei Ja- 
roméf auf 7, in den weiteren Flussstationen auf 5°/, d. R. sinken und erst wieder 
nach Einmündung der Moldau auf 75"/,, nach dem Hinzutritt der Eger auf 8'6"/, 
d. R. steigen. 

Das Kali nimmt im Wasser der Elbe beständig zu. Es steigt von 0'3—0'4 mg, 
vom Ursprungsorte bis zu 7:57 mg р. L. bei Melnik, sinkt von da an auf 5:3—5:6 mg 
in den tieferen Theilstreeken des Elbeflusses. In Procenten des mineralischen Rück- 
Standes ausgedrückt, schwankt die Kalimenge zwischen 2:42—4:65 mg pr. L., ist 
am höchsten bei Hohenelbe und hält sich im unteren Laufe der Elbe nach dem 
Hinzutritt der Moldau ziemlich unverändert bei 3:4—3:8"/, des mineralischen Rück- 
standes. Der Kalk anfangs kaum 1:5 mg im Liter im Riesengebirge betragend, 
nimmt von Hohenelbe an rapid zu, beträgt bei Jaroméf 3:6 mg, wächst aber bis 
Pardubitz bis auf 82:0 mg, die es bis Melnik beibehält. Durch das weiche Moldau- 
wasser verarmt die Elbe nach der Aufnahme dieses mächtigen Flusses auf 50 mg, 
nach Einmündung der Eger auf 47 mg und verlässt mit beiläufig 43—45 mg die 
Landesgrenze, stets die trockenste Zeit des Jahres vorausgesetzt. 

Auch in Prozenten des Rückstandes erhöht sich der Kalk von 12°,, beim 
Mädelsteg auf 33°/, bei Jaroměř, bis 39:4"/, bei Pardubitz, füllt wieder hinter 
Melnik auf 32"/, ohne im weiteren Verlaufe wesentlich abzunehmen und tritt mit 
beiläufig 30*/, Kalk im Rückstand aus Böhmen aus. 

Ähnliche Verhältnisse ergaben sich bezüglich des Magnesiagehaltes des 
Wassers, nur beträgt die Menge desselben anfänglich nur den vierten Theil des 
Kalkes, im weiteren Verlaufe den fünften, zuletzt den sechsten Theil desselben. 
Den grössten Magnesiagehalt zeigt das Elbwasser bei Pardubitz und Kolin, einen 
etwas geringeren in der unteren Elbstrecke von Leitmeritz bis Tetschen. Anders 
gestalten sich die prozentischen Magnesiaantheile des trockenen mineralischen Rück- 
Standes, die schon bei der Krausemühle im Riesengebirge 5—6°/, betragen und 
Sich mit Schwankungen von 5—6"/, des Rückstandes in sämmtlichen angeführten 
Theilstrecken der Elbe bis an die nördliche Landesgrenze verfolgen lassen. 

Die Schwefelsäure beträgt am Ursprungsorte der Elbe bei Mádelsteg 1—2 mg 
im Liter, erhóht sich aber plötzlich bei Jaroméf auf 10:6 mg, bei Pardubitz auf 
14 mg, bei Kolin auf beinahe 16 mg, bei Lobositz und Aussig auf 17:6 mg, bei 
Tetschen bis auf 18 mg im Liter, nimmt also fortschreitend zu, bleibt aber unter 
der Hälfte derjenigen Menge, welche die Eger bei Leitmeritz enthält. 

In Prozenten des trockenen mineralischen fixen Rückstandes ausgedrückt 
zeigt das Elbewasser im Riesengebirge 10—12°/,, von Jaroměř bis Öelakowitz etwa 


26 


1—8^/|,, nach Einmündung der Moldau 9"/, der Eger 11—12"/, Schwefelsäure und 
behált diese Menge von Aussig bis Tetschen unveründert bei. Das Chlor, in der 
Regel als Kochsalz, nimmt im Elbwasser von 1 » pr. Liter angefangen fort- 
während zu, erreicht bei Hohenelbe 2 mg, bei Jaroměř 5 mg, bei Pardubitz 6:6 mg, 
bei Kolin 7 mg, bei Leitmeritz 8 mg, bei Lobositz 9 mg, die es bis Herrens- 
kretschen beibehält. 

In Prozenten des Rückstandes ausgedrückt, trifft man im Gebirgswasser der 
Elbe grössere, durchschnittlich 8"/, betragende, im mittleren Theile des Elblaufes 
von Pardubitz bis Melnik etwa 3:3"/, nach Aufnahme der Moldau D"/, der Eger 
6^/, die sich von Lobositz bis Tetschen ziemlich gleich erhalten. 

Interessant ist die absolute Zunahme der Salpetersäure pr. Liter von 0D mg 
bis 1:7 mg, dagegen in Relativzahlen des trockenen mineralischen Rückstandes die 
Abnahme von durchschnittlich 2—3°/, des Rückstandes im obersten, bis je auf 
1°/, und unter 1°/, im mittleren und untersten Stromtheile. 

Betrachtet man endlich die Zunahme der Kieselsüure, so nimmt ihre Quan- 
tität im Elbwasser stetig zu, von 4 mg auf 6—9:10 mg in den verschiedenen 
Theilen des Flusses steigend. In Prozenten des Mineralrückstandes findet man 
anfangs einen hohen Kieselsüuregehalt, der bis 30"/, des Rückstandes betrügt, der 
sich aber nachdem die Elbe das Hochgebirge verlassen hat, im Flachlande auf 
5—4°/, des Rückstandes vermindert und auf etwa 7°/, bis Leitmeritz wieder steigt, 
von da an unverändert bleibt. 

Die Quantität der organischen Stoffe wächst im Flusswasser der Elbe fort- 
gesetzt, doch vertheilt sich die Menge in den bedeutenden, stetig zunehmenden 
Wassermassen, oxydirt, zersetzt und präzipitirt sich im Strombette in solcher Art 
und Weise, dass eine auffallende Verschlechterung des Wassers nur in der tro- 
ckenen Jahreszeit zu beobachten ist. 

Die Wirkungen fliessender Gewässer sind zweifellos in der Jetztzeit die 
mächtigsten mechanischen Agentien der Bodenbildung. Die Feinheit der Absätze 
wechselt natürlich im Verhältnis zu der Geschwindigkeit und Menge des betreffenden 
Wassers, die deponirten feinsten Alluvien sind von cultureller Wichtigkeit. Man 
hat sogar die fortdauernde Fruchtbarkeit Egyptens ausschliesslich der Zufuhr und 
Bereicherung durch den Nilschlamm zugeschrieben, neuere sehr eingehende wissen 
schaftliche Untersuchungen haben dargethan, dass man dieselbe auch da findet, 
wo — wie in Fajum — nur das klare Wasser hinkommt. Die im Wasser gelösten, 
vom Boden, über den sie sich ergiessen, zurückgehaltenen Salze, von denen die 
meisten unentbehrliche Nährstoffe sind, bereichern ebenfalls die Matten, Wiesen 
und Äcker und tragen wesentlich chemisch und physikalisch zur Fruchtbarkeit 
des Landes bei. 

Da aus Vegetationsversuchen bekannt ist, dass die Pflanzen Salpetersäure 
aus wässerigen Lösungen am raschendsten aufnehmen können, dass die Salpeter- 
säure das beste stickstoffhaltige Nahrungsmittel der chlorophylhaltigen Pflanze ist, 
80 kann eine Wiese selbst durch berieseltes Bachwasser ebensoviel Stickstoff aus 
dem Wasser wie aus der Atmosphüre durch Niederschlige empfangen, besonders 
aber Kalk und Alkalien, da sie in der lóslichsten Form vorhanden sind, sehr leicht 
aufnehmen. Da die Bäche und Flüsse als natürliche Drains sümmtliches, den Boden 


27 


durchsickerndes Wasser aufnehmen, könnte wohl von einigen, nicht sehr in Betracht 
kommenden Fehlerquellen abgesehen, der Stickstoffgehalt des Wassers den Stick- 
stoffverlust der Bodenfläche darstellen, deren Sickerwässer endlich mit dem ab- 
fliessenden Regenwasser den Fluss bilden. 

Man müsste dann aber die Wasserproben zu einer Zeit sammeln, wo der 
Einfluss der Wasserorganismen vernachlässigt werden kann und nur Quellwasser 
die Flüsse speist, also in der kältesten Jahreszeit, im Jünner oder Feber unter 
Berücksichtigung der Thatsache, dass sich aller gelóste Stickstoff in den Flüssen 
Sehr rasch in Salpetersüure verwandelt und sich die Stickstoffbestimmung auf die 
Ermittlung des Salpeters- und Ammoniakstickstoffes beschränken könnte. Man würde 
Щ den fliessenden Wässern zu dieser Zeit gewiss grössere Salpetersäuremengen 
finden als in der heissen Jahreszeit, weshalb ihre jährlich den Hauptwasseradern 
Zufliessende Menge nur durch das ganze Jahr sich wiederholende Bestimmungen 
ermittelt werden sollte. Eine solche Bestimmung ist von Prof. Dr. Fr. Ulik*) im 
Jahr 1877 vorgenommen worden. Es wurden während eines Jahres täglich im 
Profile von Tetschen die Salpetersäure- und Ammoniakmengen des Elbwassers be- 
Stimmt. Auf Grund dieser Zahlen berechnet (DIE die gesammte exportirte Stick- 
stoffinenge eines Jahres durch die Wasseradern Böhmens zu 5,175.312 kg. Auf 
einen Hektar böhmischen Landes entfielen hievon 2:15 kg, die aber durch den 
Regenstickstoff im Betrage von etwa 7 kg pr. Hektar Boden, dreifach ersetzt würden. 

Dieser Stickstoffverlust ist bedeutend kleiner, als er sich aus den Analysen der 
Drain- und Lysimeterwässer, die aus Culturbóden mit grossem Nitrificationsvermögen 
abgeleitet wurden, ergeben müsste. Besonders tief wurzelnde und perennirende 
Kulturpflanzen und Gewächse saugen die Salpetersäure des Bodens schneller auf, 
als sie durch Regenwasser aus dem Obergrunde ausgewaschen wird und entziehen 
schnell dem Berieselungswasser den gebundenen Stickstoff in Form von Salpeter- 
Säure, Auch vermögen die Pflanzen insbesondere die Schmetterlingsblüthler, freien 
Stickstoff der Luft durch Symbiose mit mikroskopischen Organismen zu fixiren in 
zme nährfähige Form umzuwandeln, aus der sie ihren Stickstoffbedarf decken 
können, nach welcher epochemachenden Entdeckung Hellriegels uns die Stickstoff- 
Ausfuhr durch die Flüsse nicht mehr zu beunruhigen braucht. Übrigens bilden die 
Wiesen das Reservoir, worin die durch das Bach- und Flusswasser dem Meere 
stetig zurinnenden, dem Boden entstammenden Pflanzennährstoffe aufgefangen, der 
Wirtschaft nutzbar gemacht werden können. Im Rieselwaser werden die Salpetersäure 
und das Kali prozentisch am höchsten von den Pflanzen ausgenützt, weshalb Riesel- 
Wiesen für den ihnen in geringster Menge zukommenden Nührstoff, die Phosphor- 
Säuredüngung, so dankbar sind. 


*) Abhandlungen der k. bóhmischen Gesellschaft der Wissenschaften VI. f. 10. Bd. 1880. 


со 
e 


zusammensetzungs der Elbe 
an verschiedenen Punkten ihres Laufes vom Riesengebirge bis Tetschen im Herbst des Jahres 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind 


enthalten Gewichtstheile: 


| 


CES B = = А ск се ВЕ. 2 
IO S "d CRM "ED. 5 = 
Ф :5 E a Di E ы eor N 20 N ES 
ar =: 255=9$ „alt S.T 
Su - o == = EE 3313 
ES = ааа =>, Sis 
Stoffe a2 а jagg E. 555 Е 
"3 = оъ гаре E- ud кәм Ee 
о 5 = mmu БФ Ste Ee A 
EE Е нв ks G E: 
о = о Sa © c 
© > so > а 
1 E Эт Е ER, plu 150 1792 ла dB 
Natron 1486| 13:67; 12-91 11-49 6:88 431 4:94 531 5:49 7:58 8:51 8:3 8:22 
Kali . 2 40 3411 3:26 4:65 2-60 9-49 2:54 2 95 *69 3:36 3:46 3°41 3°81 
Kalk 12:23 | 12-17 | 1427| 17-10. 32:60 | 39-41 | 38:81! 36:98 6:91, 32:02| 31:06 | 30:04 ! 29:30 
Magnesia ds. cs 3641| 8.06) 5-62 620! 682, 516| 456 535: 461| 540! 539| 589, 606 
Eisenoxyd und Thonerde 317, 3:30| 499 473 048| 039| 050 091 070| 086 084| 1:38! 1-04 
Schwefelsáure 10:68 | 16°10 | 11:73| 12:19 954 6:70 749 1:46 740 905 10:37 | 11:65. | 12:41 
Kohlensáure 12:81 479 1475, 17:59 3060| 34:57, 34:03 33-65 33-03 | 29:53 2817 97 03 | 26:32 
Karsehaure - EN SX с 31-11 | 29:38] 93-18 | 17:27 5.68, 310 3:60 4:09 4:66 721 6:42 6:59 713 
Salpetersäure 3:72 3:69 2-85 2:10 144| 148 079 077 0:82 1:07 111 116 1:18 
Chlor 759 | 12:96 8:25 873 4-45 | 317 3.29 3:21 3:56 5:00 5:96 5:88 5°87| 
In einem Liter Wasser waren enthalten Mg: 
Mineralischer Rückstand 13 13 29 23 111 209 211 221 205 157 153 151 148 
Härte 022. 021 049 060! 468| 978| 955| 9:85| 8-89 6-19 | 590! 577 5:58 
Glühverlust 6 7 9 10 16 27 25 24 23 24 25 23 23 
Gesammtrückstand 19 20 31 33 127 236 236 245 228 181 178 174 | 171 


In einem Liter Wasser sind 


enthalten Millizramms : 


= E = 

= | 39 = 

E E © = 

Зз шю 2| ое Ф а 

E 255 c 

Stoffe = ED a 
De 

E 


Natron 1:92 174| 291 2:61 7164; 905! 10-45 | 11-78 | 11:13| 11:85 | 13:13, 12:52 | 12:15 
Kali x күс woo E C Er 0:81 0:48 0:73 1:08 2:89 5:10 5:31 6:55 1:57 5:26 5:29 5:15 5:63 
Kalk 158 155 3:20 3:07 | 36:21 | 82:72 | 82:05, 82:02| 7572| 50:15 | 17:53 45:34 43:85 
Magnesia 047 . 0:39 1:26 144 | 758 1082| 9:64, 5:88, 946 8-46 8:25 8:89 8'95 
Eisenoxyd und Thonerde 041, 0.42| 112| 110| 053| 082, r05| 204| 143, 1735| 1?8| 2-08 153 
берке bame u. u асле 5 1:38 2-05 9-63. 283| 1060| 1406 | 15:83 | 16:53 | 1519 14-18| 15:87 17:58 | 18:35 
Kohlensäure 159 061| 331! 407| 33:99 | 72-58 | 71:96 | 74:63 | 67-77 | 46:23 | 49:19 | 40:80 3895 
Kieselsäure 402| 8.4| 5.201 401| 620] T7T80| 762| 907, 955| 1139| 982, 9-95 | 10:56 
Salpetersäure 048 | 047) 064] 049|- 1:60 |. 3:821 2168|: 14912 168) 1681-1701 IRB, t7 
Chlor 0:98! 1-65 1:85 2:08, 495, 665, 695, 726 730. 783] 912, 8:88) 8:68 


66 


30 


Zuflüsse der Elbe aus 


dem Riesengebirge. 


Der Silberbach. 


Geschöpft bei Theresienthal, kurz vor seiner Vereinigung mit dem Forstbach. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


Ghlornatrtum = u p www 20100648 
МАСИ er TR S. emp v umso 000800 
Kalumsnltab = sw des e UO, 
Calo ШЖ e nee O10 02/0 
Caleiumearbonat . . . . . .0:06804 
Magnesiumcarbonat . . . . 001285 
Fisenoxyd und Thonerde . . 0'00015 
Kieselsäure 55.5 24 wo v 000802 
Salpetersäure . So (rk mU DNUDU 

SUMME T iow vow ОТОТ 
Glühverlust hiezu . . . . . 001085 
Gesammtrückstand . . . . . 0'12456 


Natron . 

Kali 

Kalk . 

Magnesia . 

Eisenoxyd | 

Thonerde | 

Schwefelsäure . 

Kohlensäure 

Kieselsäure . 

Salpetersäure 

Chlor : 
Summa 

Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa . 


. 000718 
. 0700268 
. 008925 
. 000612 


. 000015 


. 000872 
. 003666 
. 000952 
. 0:00039 
. 0:00893 
. 011460 
. 000089 
„ OTIB 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 


Natron . 6:31 
Kali . 2:36 
Kalk d 34:52 
Maßtiesiaa re dee PIC OP Us ee S nr at: DIO 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 013 
Schwefelsäure . 7:67 
Kohlensäure 32:24 
Kieselsüure . 881 
Salpetersäure 0:84 
Chlor AENT a DG 

Summa . 10078 
Sauerstoff ab für Chlor. vu d UN 

Summa . 100°00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 478 Härtegrade. 


Der Forstbach. 


Geschópft bei Herrmannseifen am 9. Oktober 1892. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme : 


Balu E ahn Uu EE ENEE HIE 
Natriumsthat Уз. No 08.002897 
eu ru Cl е o, roD DU M 

Fürtrag . . . 003953 


Natron . 
Kali . 
Kalk . 


Fürtrag . 


. 601612 
. (700161 
‚005100 
. 0706933 


Übertrag . 


Caleiumsulfat 
Caleiumnitrat 
Caleiumcarbonat . 
Magnesiumcarbonat 
Kieselsüure . 
Summa . 
Glühverlust . 
Gesammtrückstand . 


,.0:08958 


0.191092 


Übertrag . 


UNDIS Magnesia . 

. 000289 Schwefelsäure 

. 0:08791 Kohlensäure 

. 07028835 Kieselsäure . 
ОООО Salpetersáure 

. 011954 Chlor í 

. 001175 Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa . 


91 


‚ 0:06933 
. 001350 
. 0701880 
. 005353 
. 001900 
. 600190 
. . 0700460 
. 018066 
. 000109 
. 011951 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 


Natron . 9:81 
Kali . 0:90 
Kalk 2840 
Magnesia . \ 152 
Greg BE EE ШМ 
ENEE EE EE 
re EE EE 
МАТОВОГО: 1 u vn u ee ДО 
Chlor EE Vn BOO 

Summam s ОООО 
elt Eet ah für @ ШО Ун s OON 

Snmma . 100:00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 6'8 Härtegrade. 


Der Oelsbach. 
Geschöpft bei Neustadtl. 


In 1000 ee des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium 
Natriumsulfat . 
Kaliumsulfat 
Caleiumsulfat 
Caleiumearbonat . 
Magnesiumearbonat 
Eisenoxyd und Thonerde 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 

| Summa . 
Glühverlust hiezu 
Gesammtrückstand . 


. 000898 Natron . 

‚001706 Kali 

. 0:00815 Kalk . 

. 000792 Марека о edis node 

. 0:07997 Eisenoxyd und Thonerde 

. 07020038 Schwefelsäure . 

. 000015 Kohlensäure 

. 001250 Kieselsäure . 

. 000190 Salpetersäure 

. 015091 Chlor eu. 

. 0011785 Summa . 

. 016876 Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa . 


. 000916 
. 0:00441 
. 004805 
. 000954 
. 000015 
. 001801 
. 004567 
. 001250 
. 000190 
QUITO, 
S0 75135 


. 000044. 
. 015091 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 
Ма Оу E MIC а ы O ON 


ee ЖТ ОТ ee EEN) 
Ee de E A 
Magnesia CE Re 6:32 
Lisenoxyd und. Lhonerde . 175. 2 — 010 
SEET deer Л PA ES 
ТОШТЕ В ои ROG 
ЮЛе В ЫЛ RE 
ЕШ ПАШ i ier ао рО 
ТИШЕ SL Му м UC Аук «зл. PSU 

SU. EIER 
Samorstom am ОШО К К mor ote QUII 

Summa . ..... ОУ, 


Die Gesammthürte des Wassers betrug 6:13 Härtegrade. 


Ein starker Zufluss der Elbe ist weiter 
die Aupa. 


Obwohl das Quellengebiet der Aupa seinem Umfange nach doppelt so gross 
ist, als dasjenige der Elbe, so empfängt erstere aus dem Hochgebirge doch nicht 
mehr Wasser als die letztere, weil ihr die zahlreichen Reservoirs der wasserreichen 
Hochmoore fehlen. Die Aupa entspringt ebenfalls am höchsten Rücken des Riesen- 
gebirges, am Fusse der Schneekoppe, unfern der östlichen Hauptquelle der Elbe 
auf der weissen Wiese, im Granitit, in 1423 m Seehöhe und ergiesst sich bald 
nach ihrem Ursprunge über die steilen und hohen Granitfelswände, die sich durch 
die Urschiefer in Stöcken und Gängen Bahn brechen, mit einem malerischen hohen 
Wasserfall in den Aupagrund, wo sie theilweise unter den Schutthalden von Gra- 
nitit und Urschiefern verschwindet, mit denen die Sohle des Kessels angefüllt ist. 

Die Aupa durehfliesst den tiefen Riesengrund, der westlich vou den Glimmer- 
schieferfelsen des hohen Brunnberges, östlich durch den breitgewölbten waldbe- 
deekten Rosenberg, nördlich vom Wall des Koppenplanes und der Granititpyramide 
der Schneekoppe eingeschlossen ist, in silberschlängeldem Bande auf saftiggrünem 
Thalgrunde und nimmt nach und nach alle Wässer des südöstlichen Urgebirges auf. 

Als unbedeutender Gebirgsbach zwar verlässt sie den schauerlichen Riesen- 
grund, erhält aber schon von den nordöstlichen Abhängen des Brunnberges einen 
bedeutenden Zuwachs von, in Glimmerschiefer-, Gneis- und Fleckschiefern ent- 
springenden Bergwässern, unter dem Kuhberge die kleine Aupa, deren Quellen- 
gebiet vorwiegend in Gneis- und Glimmerschiefern verläuft und nimmt bei dem 
Dorfe Klein-Aupa auch das vom Forstkamme herabkommende Fichtigwasser auf, 
Gewässer, die durch Vereinigung einer Menge kleiner, von der Корро und dem 
Forstkamme herabrieselnder Wasseradern entstehen, dann die Kolbe, deren Zuflüsse 
in den Urschiefern des Kolbenberges und Alberndorfer Kammes entspringen, das 
Blaugrundwasser vom gneis-geformten Keil- und Fuchsberge, Zehgrundwasser und 
den Seifenbach bei Marschendorf, der auf der Ostseite des Spiegelberges m 


Glimmerschiefern entspringt und andere Bäche, die aus zahlreichen Hochgebirgs- 
Quellen gebildet werden. 
Erst bei der Einmündung in den Zehgrund machen die steilen Felswände 
im Thale des wilden Aupa’er Gebirgsbaches sanfter ansteigenden Gehängen Platz, 
die aber stellenweise die Thalsohle so einengen, dass sie fast aus dem rinnenför- 
migen Flussbett emporsteigen. 

Das mittlere Gefälle der Aupa von ihrem Ursprunge bis Parschnitz verhält 
Sich im Mittel wie 1:41 bei einer Weglänge von 31:1 Km und der-Höhendifferenz 
von 764 m und indem sie das sehr starke Gefälle immer mehr einbüsst, verlässt 
816 mit ihrem Eintritt in das Städtchen Freiheit das Hochgebirge und kommt in 
(ie Formation des Rothliegenden, wobei das Thal den Charakter eines Hochge- 
birgsthales verliert. Unterhalb Trautenau nimmt die Aupa auf ihrer rechten Seite 
den Johannisbaderbach und zur linken den aus bewaldeten Porphyrkegeln des 
Raabengebirges entspringenden Litschebach auf, durcheilt in südlicher Richtung 
Niederes Bergland, eigentlich ein vom Aupathale und dessen Nebenthälern vielfach 
durchsehnittenes Plateau, das östlich von dem aus Arcose, rothem thonigem Con- 
Slomerat und rothen Sandstein zusammengesetzten, gegen -das Aupathal sanft ab- 
dachenden Faltengebirges begrenzt wird. 

Sandige Schieferthone der mittleren Dyasformation bilden die Ufer der Aupa 
bis Světlá, wo ihre steilen Thalwände aus unterem Quadersandstein gebildet werden. 
Kleinere Zuflüsse entquellen aus den Plänerschichten, die man längs des Nordrandes 
der böhmischen Kreideformation in den Thälchen der terassenförmigen Anhöhen 
Verfolgen kann, welche sich am Fusse des höher ansteigenden permischen Berglandes 
von Gradlitz über Hofiéka gegen die Апра zwischen Baucin und Skalitz abteufen- 

Von Skalitz fliesst die Aupa südwestlich durch ein fruchtbares Alluvial- 
3ebiet gegen Jaroměř, wo sie in die Elbe mündend, dem grossen Thalkessel von 
Königgrätz zueilt. 

Es folgen nun die chemischen Zusammensetzungen der Aupa. 


Die kleine Aupa. 
Geschöpft bei der Kreuzschenke, nördlich von Dunkelthal. 


In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme : 


Ohlomatrium . |. . . . . 0500199 NAR Ls a oer D UEM 
Natriumsulfat `... . . 000219 Eb. 16s e DENM 
Kaliumsulfat vum oec OL E o a 001608 
aliumearbonat . . . . . . 00008 Мае vA EIERE 
Mleiumcarbonat `... . 002326 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00010 
Tagnesiumcarbonat mcd c OO О Schwefelsäure . . . c 000906 
"Isenoxyd und Thonerde . . 0:00010 plage . ect. . . 0701400 
Kieselsäure ne OR ОШОО Kieselshubos sans A S sc 000158 
Alpetersäure . . . RENE Salpetersäure ori. = <.. 000096 
| Summe. с. 00441. Elte eene 
Zeeche Ee Summa . . . . 004408 
sammtrückstand . . . . 005309 Sauerstoff ab für Chlor . . . 000027 


ео vi p HE E 
3 


34 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes 


Natron . 

Kali . 

Kalk . 

Magnesia . d 
Eisenoxyd und T'honerde ; 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 

Kieselsäure . 
Salpetersäure 


Chlor ah 
summi es. 
Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa 


sind enthalten 


5'11 
178 
29:34. 
1'58 
0:22 
4:64 
31:52 
16:93 
0:81 
28 


. 100°61 


0°61 


ТОТО 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 1'77 Härtegrade. 


Die grosse Aupa. 


Geschópft hei der Kreuzschenke, nórdlich von Dunkelthal. 


In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme : 


Chlornatrium . 000161 Natron . 
Natriumsulfat . . 000352 Kali 
Kaliumsulfat . 000059 Kalk . 
Kaliumearbonat . 000178 Magnesia . 
Caleiumearbonat . ..0*08282 Eisenoxyd und Түй 
Magnesiumcarbonat 000436 Schwefelsäure . 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000009 Kohlensäure 
Kieselsäure . . 0:00605 Kieselsäure . 
Salpetersáure . 000080 Salpetersáure 

Summa ^. 905100 Chlor | 
Glühverlust hiezu . 0:00675 Summa 
Gesammtrückstand . „10:05775 Sauerstoff ab für Chlor . 

Summa . 


Si H 
[о ш 


‚ 0:00289 
. 000145 
‚001810 
‚000208 
. 0:00009 
. 000223 
‚ 0701705 
. 000605 
. 0:00080 
‚ 000098 


70:05122 


. 0:00022 
. 005100 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 


Natron . 

Kali . 

Kalk . 

Magnesia . 

Eisenoxyd und T honer de 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 

Kieselsäure . 


Fürtrag . 


4:69 
2:84 
9549 
4:08 
0:18 
431 
93:48 
11:86 


. 96:04. 


Übertrag . . 96:94 
SHEET ЮТ 
Г E ee EE 

Summa . 10048 
Баео abstürsGhlor. 001108 0:43 
Summa . 100:00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 2'10 Hürtegrade. 


Die Aupa. 


1 m ‚ TP . D . op " DH 
Geschöpft oberhalb der Etrich’chen Spinnerei, respective unter der Brücke am östlichen Abhange 


des Lerchenberges bei Jungbuch. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium . 000814 Natron . 
Natriumsulfat . 000600 Kali 
Kaliumsulfat ‚ 0:00595 Kalk 


Caleiumsulfat 


. 0001238 


Mauftesig d RS MEL T, 
Kisenoxyd und Thonerde 


Caleiumcarbonat . 001084 

Magnesiumcarbonat . (01158 Schwefelsäure 
Eisenoxyd und Thonerde . 000029 Kohlensäure 
Kieselsäure . . 001618 Kieselsäure 
Salpetersäure . 0:00070 Salpetersäure 


Dumma 


. 012089 


Chlor 


. 008015 


Glühverlust hiezu . 
. 015104 


1 m 
Gesammtrückstand . 


Summa 


Sauerstoff ab für Chlor 


Summa 


. 000693 
. 0.003822 
. 004090 
. 0700597 

0:00022 
. (700686 
. 07036178 


. 001618 


. 000070 
. 0700404. 


. 0:12200 


«ООО 


. 012089 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten */,: 


Natron ie DIS 
IR но en 2:06 
Kalk UD PO 
Magnesia . . pir 493 
Eisenoxyd und Thonerde 0:18 
Schwefelsäure DO 
Kohlensäure . 90:44 
Kieselsäure uod 
Salpetersäure 0:58 
Chlor USA rw Ac O 

Summa 100:91 
Sauerstoff ab für Chlor 0:91 

Summa . 100:00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 4:85 Härtegrade. 


8% 


Die Aupa. 
Geschópft oberhalb Jaromér. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chiornatrium o vo oos 0.011390 Nett о ее 0:000 DI 
Kalumsultat EES ШАО Ee (OO DAI 
Eleng ebe geet 0101000. Kalk oca ca erae ts; NO ORODU 
Caleiumearbonat . 1... 007128 Ма О, eut лк ДООНУ 
Magnesiumcarbonat . . . . 002291 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00037 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000087 Schwefelsäure . . . . . . .0:01354 
БЕНДЕ о 000 DN, Kohlensäure . . . . . . . 004884 
Organische Stoffe . . . . . 002685 BINSNAUS 6. vov ОООО 

Summa . . . «..0:16438 CRM S uu TUERI C Ape METTE 


Summae s a e ОВОО 
Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00163 
Sunma s › 2922 0:18 (005 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 


ПАО E qus d AU viet 010) 
Kal EE, 
e EEN CN 
Мае (02 NO, e qve uo ТИВ 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 027 
Schwafelsätte sn, 0. NER RV ur we 20159 
Köklensaute ow ea M e DD 
eeh d 9 wenn... wen. on AE 
ОШЕН ee ness ECHT 

Summa i xs XOT 
Бе о ab, Tubs ОШО, wow cu 139 

Summe, ООО 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 6'17 Härtegrade. 

Sümmtliche Aupa-Wasserproben sind Mitte September 1892 geschöpft worden. 

Während die Quellen der Aupa kaum einen Härtegrad aufweisen, nimmt 
das im weiteren Laufe stark anschwellende Flüsschen an Härte und Concentration 
der Lósung zu, so dass es bei Dunkelthal 2:1 Hürte und 51 Milligramms per Liter 
Rückstand, bei Jungbuch 4:8 Härte und 120 Milligramms Rückstand, bei Jaroměř 
kurz vor seiner Vereinigung mit der Elbe 6'17 Härte hat und 187 Milligramms 
Rückstand gibt. 

Aus dem procentischen Vergleich der Rückstände des Wassers von seinem 
Ursprunge bis zu seiner Einmündung lassen sich weiter folgende Ergebnisse ableiten. 
neral- 


Der Kalkgehalt beträgt von Anfang an ein Drittel des ganzen fixen Mi 
rückstandes. Die Magnesia vermehrt sich im Rückstande auf das Doppelte unc 
beträgt zuerst etwa 4 zuletzt 8 Perzent des Rückstandes Ebenso verdoppelt 8 
die Schwefelsäure und beträgt zuletzt 9:85"/,. Die Kieselsäure fällt auf den vierten 


ich 


37 


Theil ihrer ursprünglichen Menge. Die Natronmenge macht constant 5%, des Rück- 
Standes aus. Die Kali- und Chlormenge sowie die Glühverluste nehmen zu. 


Zuflüsse aus dem Adersbacher Sandsteingebirge. 


Die Meitau und ihre Zuflüsse. 


Abgetrennt von der grossen Erstreckung des Kreidesystemes über das nord- 
östliche Böhmen erscheint im Braunauer Landeszipfel eine isolirte Sandsteininsel, 
die als der Überrest eines mächtigen Sandsteingebirges angesehen werden kann, 
welches das ganze Becken von Grüssau über Adersbach bis Reinerz in Schlesien 
bedeckte. 

Die ungleichartigen Gesteinschichten leisteten den Fluthen des Regenwassers 
ungleichen Widerstand und so wurde durch fortgesetztes Auswaschen endlich der 
grösste Theil der Sandsteindecke zerstört und es blieben nur noch die abenteuer- 
lichen Felsgruppen und zerrissenen Felswünde stehen, ein wahres Felsenlabyrinth, 
das heute den Wallfahrtsort zahlloser Touristen bildet. Einem Becken gleichend, 
dessen aufgebogene, völlig hügelige Ründer einem mehr sandigen Plänerkalkstein 
angehören, bedecken die Adersbacher, theils aus mittel-, theils aus grobkörnigem 
Sandstein bestehenden Felsen, den unterlagernden Pläner. Der Thon und Kalk- 
Silicat-Kitt, welcher die quarzige Grundmasse bald fester bindet, bald sich so ver- 
Mindert, dass der Sandstein allen Zusammenhang verliert und zerfällt, wird nur 
langsam durch die Kohlensäure des Regenwassers zersetzt. 

In diesem sandigen Terrain entspringen mehrere klare Wässer, welche die 
Quellen der Mettau bilden, so der aus der Voigtsdorfer Haide hervorbrechende 
Adersbach, der südöstlich laufend, das Adersbacher Thal durchzieht und alle aus 
dem genannten Gestein hervorquellenden Wässer der pittoresken Felsenstadt auf- 
nimmt. 

Am Fusse des Holsterberges vereinigt sich der Adersbach mit dem jenseits 
der Landesgrenze entspringenden Raspenauer Bache, der südwestlich zwischen den 
Malerischen Sandsteinen, zwischen Lössmergel über Markelsdorf das Plateau am 
Ostrand in einem tiefen Bett durchzieht, gegen welches sich alle Tiefenlinien des 
Terrains senken. 

Unter glauconitischem Sandstein und aufgethürmten oberen Sandsteinschichten 
der Iserstufe entspringt im Nordosten von Adersbach die Erlitze, die in südlicher 
Richtung durch Drewnitz und Starkstadt über Hronov der Mettau zufliesst. 

Zwischen Adersbach, Starkstadt, Polic und Machov breitet sich der Pläner 
"uf wellig hügeligem Terrain aus, in welches sich die Mettau mit ihren Zuflüssen 
ziemlich tief einschneidet, so namentlich bei Polic und Zabokrky und indem sie 
Noch einige kleine Zuflüsse aus den östlich gelegenen Policer Sandsteingebirgen an 
Sich reisst, durchfliesst sie ein enges und felsiges Thal, das sich erst oberhalb Bi- 
lowes erweitert und das Faltengebirge vom Mensegebirge scheidet. 

Am rechten Ufer empfängt hier die Mettau den aus rothen Conglomerat- 
Sesteinen und südlicher aus Arcose der Dyasformation weitere kleine Zuflüsse, 


58 


durchsetzt dann das Gestein des unteren Dyas und läuft bei Nachod zwischen den 
westlichen Ausläufern des Mensegebirges durch Phyllit bis Neustadt, wo das herr- 
schende Gestein wieder aus Plänerkalk besteht, der nur an den felsigen Gehängen 
des Mettauthales dem Urthonschiefer weicht. 

Zwischen Phyllit fliesst dann die Mettau südlich durch ein enges, tiefes, 
schauerliches, mit Waldungen bedecktes Felsenthal; die sogenannte „Hölle“ (Peklo), 
umspült in einem scharfen Bogen den Felsen, auf dem die Stadt Neustadt steht, 
wo man auch die allmählige Abdaechung des Urgebirges unter den aufgelagerten 
angeschwemmten Gebirgsgliedern vorzüglich beobachten kann und empfängt noch 
den im Höllenwalde im Phyllit entspringenden Wolesnikerbach und einige unbe- 
deutende, im Mittelquader der Kreideformation ihren Ursprung und Lauf nehmende 
Zuflüsse, mit denen vereint sie zwischen Lössgehängen weiterfliesst, bis sie unter- 
halb Neustadt das schöne Flachland betritt und westlich durchzieht, mit frucht- 
baren Alluvionen bedeckt, reichlich bewässert und endlich bei Josefstadt in die 
Elbe fällt. 


Chemische Zusammensetzung der Erlitze. 
Geschöpft bei Böhmi-ch-Weckelsdorf den 1. Oktober 1893. 


In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium, se sart соба NAWON. et AE E ы. ОШ ДЕ 
Naprmsulfat. о ты, 000220 KE Ие а DO 
Kalumaulfat.u... se н 00D Ld КАШ аре оен. ОИС 
Galciomsulfat . . 204i. >.. UD Magnesia e. E, a eus ОШ LSU 
Calorutearbonsbs ere o IU LUE Eisenoxyd und Thonerde . . 000095 
Magnesiumcarbonat . . . . 0701230 Schwefelsäure vue" ... 000892 
Fisenoxyd und Thonerde . . 000095 Kohlensäure . ..... ... .0:04154 
тезе 4 n ee „000620 Kiegelsäure. er eoe air те ae DRIED 
Salpetersaurer Kalk . . . . 0'00544 Salpetersäure . . . . .« .0:00398 
Оет BEIER М MR DU RDUM 
Ger ОЕ EN Summa a 4.1020 
Gesammtrückstand . . - . . 0:13467 Sauerstoff ab für Chlor.. . . 0'00088 
Cte MN 
Summa s eoe О 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rüekstandes sind enthalten "/,: 


M sea EE Y ud M FS, 
eg Ke 
Oe E u a EE 


Mansa, erine oas ор 


Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0:80 
MINN OË Lo. UHR pae mos c HB 
Ion ondas us E e 
ISIGSoISdUTO ^ weno itte oT TURAE MEO 
SONT 8:01 
Fürtrag . DER VD 


Salpetersäure . . 


39 


Übertrag . . . 97:45 

Chlor aeo a n dog Mb ДАШЫНА?) 
Summa ern voe TO 

Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . 074 
Somma warn o. dU 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 5'49 Härtegrade. 


Chemisehe Zusammensetzung des Adersbaches. 


Geschópft bei Ober-Weckelsdorf den 1. October 1893. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme : 


Chlornatrium . . . . . . 0:00482 NAON у с. зай, ОООО 
Kaliumsulfat |... 000246 fue, Let e EC Н ШШШ 
Caleiumsulfat . . . . . . . 0'00421 КАШ ну ыз лыт NU Ai olg 
Üaleiumearbonat . . . . . . 006587 Марте n.o 4 МЫ 
Magnesiumearbonat . . . . 000869 Eisenoxyd und Thonerde . . 000078 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000078 Schwetelsäute:. x... » «o. 000001 
Kieselsäure EE re КОШО Kohlensäure. a ыз ы ve - 008363 
Salpetersäure a a NDR Biegelgtgeg е a «ШОО 

Summa . . . . . 009182 Salpetersäure . . . . . . . 000058 
Glühverlust hiezu . . . . . 000403 Cla qat edd MM MEINER IT 

Summa . 009585 Summa . 5 D'ODZA] 


Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00059 
summas ОГО 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/, : 


Nato e td a E ag 
Tees ЛЛК ҮА AMI PARU. НУ ао 


een HET TE IU a 


Мериба | DAT gel RO ons 4'51 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 085 
ООСО c E 
Kohlensäure 36:52 
(EE A (SU. vr uoa ios EE M M 
Salpetersäure...» +. 0:58 
Le loy Ыр: ME M He 


Summa rl. oos OR 


Skuerstott ab tum Chlor. we... 064 
Summa EE NEE, 


Die Gesammthürte des Wassers betrug 4:43 Härtegrade. 


à Nach Belohoubek enthält das Mettauwasser geschöpft bei Nachod in einem 
Liter 01425 fixer Stoffe, der Glühverlust betrug 0"0100, der fixe Rückstand 0'1325 
Gramme. In diesem Rückstande waren enthalten 0:05530 Kalk, 000811 Magnesia, 
(00515 Schwefelsäure und 0:00460 Chlor. 


40 


Chemische Zusammensetzung der Mettau. 


Geschöpft oberhalb Josefstadt im November 1891. 


In 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme: 


ОШОДА ИШ УЛ ун нм. 0.008206 WENNER HEI: 
АЕ ШШШ ӘД eege erer Cie Kal u EE ler) 
ie tun D ОООО o ee: de EN 
Ооа . 000901 Magnesia, arva ND eler 
Caleiumearbonat . . . . . . 010444 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00088 
Magnesiumcarbonat . . . . 001911 Schwefelsäure . . . . . . 001423 
Eisenoxyd u. Thonerde . . . 0:00088 Konlensaure vss on DEE 
Кее НО EE ee ОООО 
Sus. 10 040904 Chlor . RE ПОШ ИШ 

Ont V eDIMSU. MOZU. „з. е... ap Ша 00000 
Gesammtrückstand . . . . . 0'17689 Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00113 
Summa. . . . 016564 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sied enthalten "/,: 


МИКОШ Ул ерл RR Mie a АЕ 
ICA rusa ET. e d 
КИШ ANT уу MEA rts rr нө, DEN E 
Maguesià . . . . E Dr x DIU 
Kisenoxyd und genge ee Оа) 
Schwefelsäure . . . ANTI AE d SE S DO 
ICODIGDSTUTQ s л у, АВО 
Kieselsatme rn sors И ИВ 
ФЫ@ ОАО mul HOP Ee 

Summa. . . . 10068. 
Sauerston ap. für Ohlop« vot eec ONG 


Bumm.  .10000 

Die Gesammthärte des Wassers betrug 7.49 Hürtegrade. 

Die zwei wasserreichsten Zuflüsse, aus denen die Mettau entsteht, die Er- 
litze und der Adersbach stimmen in ihrer chemischen Zusammensetzung mit ein- 
ander überein, wie es nicht anders zu erwarten war, da sie gleichartige Gestein- 
schichten durchziehen, weshalb auch die Mettau bei Nachod eine gleiche Zusammen- 
setzung aufweisen muss, wie sich aus der Analyse von Belohoubek überraschend 
ergibt. Werden die einzelnen Analysenwerthe auf Hundert Gewichtstheile des Mi- 
neralrückstandes überrechnet, so erhält man folgende Mengen: 


Mettau bei Nachod : Erlitze: Adersbach : 
KAE ow ier iat 41:69"/, RR at SW 
Magne rt ЛУ л o APR Wi LA NSW DD. 
Sehwatelsiuro:: e EE EE ВШ: наив Ў 
Chlor . A VETE dA OUO dO Dr. 


In ihrem weiteren Merian nimmt die Mettau kleine Wasseı Adei auf, die 


ihren Gehalt an Schwefelsäure bedeutend erhöhen, während das Verhältniss der 


41 


übrigen Mineralstoffe ungeändert bleibt. Der absolute Gehalt an Mineralstoffen und 
die Härte des Wassers nehmen zu und steigen von 91 und 119 auf 165 Milli- 
gramms, die Härte von 4 und 5 auf 7'/, Grade per | Liter in der Zrockensten 
Zeit des Jahres. 


Zuflüsse aus dem Adlergebirge. 
Die wilde und stille Adler mit ihren Zuflüssen. 


Das bóhmisehe Adlergebirge erhebt sich aus dem Thale der Mettau nord- 
westlich von Nachod ziemlich schroff und streicht in südöstlicher Richtung bis zum 
Durchbruch der wilden Adler bei Nesselfleck. Während aber das Adlergebirge im 
Norden entlang der schlesischen Grenze einen geschlossenen Kamm bildet, zeigt 
es sich im Süden mehr als offenes Gebirge. Jenseits der Landesgrenze zwischen 
Reinerz und Glatz im nórdlichen Theile des Mensegebirges, in den hochgelegenen 
Forsten des hauptsächlich aus Pläner bestehenden Hochplateaus, der Seefelder 
entspringt die wilde Adler. Längs des nördlichen Abfalles des Adlergebirges mitten 
im Gneisgebiet zieht sich ein enger Streifen von Pläner vom rechten Adlerufer 
bis Bürnwald, während am linken Ufer Gneis vorwaltet. In ihrem südlichen Laufe 
scheidet die Adler durch ein flach rinnenförmiges Thal fliessend, das böhmische 
Adlergebirge vom Glatzer-Gabelschwerdter Gebirge, bis sie am südlichen Fusse 
des Adlergebirges, unterhalb Nesselfleck, durch ein enges, felsiges Thal südwestlich 
m Böhmen einbricht. 

Die westlichen kleinen Zuflüsse der Adler, so lange sie als Grenzbach ver- 
läuft, entspringen zumeist dem rothen Gneis; der vorherrschend aus diesem Gestein 
Zusammengesetzte böhmische Kamm fällt steil in das Thal der Adler ab, stufen- 
weise dagegen westwärts in das Innere des Landes. 

Nach den Aufnahmen der Landesgeologen waltet Muscovitgneis im Adler- 
gebirge vor, ‘bestehend aus weissem und röthlichem Orthoklas, grauen Quarz und 
weissen Glimmer, der gegen die beiden ersten Bestandtheile sehr zurücktritt. An 
diesen grenzt Biotitgneis, der durch reichlich vorhandenen Glimmer von ersterem 
unterschieden ist und besonders im Quellengebiet der wilden Adler im engen Ver- 
bande mit dem erstgenannten zu finden ist. 

Oberhalb Klösterle setzt die wilde Adler durch eine schmale Amphibolzone, 
dann durch grauen Gneis und Glimmerschiefer ihren Lauf in einem engen, von 
Malerischen, hohen, meist steilen Felsen eingeschlossenen Thale, später in zahl- 
teichen Windungen durch grauen Gmeis mit reissendem Gefälle fort, das ihr auch 
den Namen der wilden Adler eintrug. 

Mit dem Eintritt der Adler in den Mittelquader und Pläner bei Nekoř 
Werden die Gehänge des Flüsschens niedriger, vermindert sich die Steilheit des 
Bettes und die Adler durchfliesst einen ebenen, breiten, mit Alluvialschichten über- 
Zogenen Thalgrund, der nordöstlich über Senftenberg bis Zachlum reicht. Auf dieser 
Strecke empfängt die wilde Adler einige, im Urgebirge zwar entspringende, je- 
doch in mittleren Plänerschichten der Kreideformation sich sammelnde und nach 
kurzem Lauf bei Senftenberg einmündenden Bäche, wie den Rokenitzer- und Kune- 
Walderbach. 


Westlich von Senftenberg bei Zachlum tritt der Fluss in das Lititzer Ge- 
birge, berührt grauen Gneis und durchwindet sich dann S-förmig in dem merkwür- 
digen Granitstocke vou Litie, den er in einem tiefeingeschnittenen, wildromantischen 
Thale passirt, um nach kurzem Laufe wieder die Mittelquader und Plünerschichten, 
die theilweise an seinen Ufern emporragen, zu durchlaufen, bis er sich wieder 
rauschend durch die malerische Pottensteiner Granitschlucht stürzt, worauf sich 
sein mit Urfelsgeschieben angehäuftes Bett erweitert und besonders sein rechtes Ufer 
verflacht. Nach reichlichen Niederschlügen vollführt die Adler in ihrem wilden Laufe 
Unterwaschungen und richtet durch Ab- und Überschwemmungen grossen Schaden an. 

Die wilde Adler vereinigt alle Gewässer, die auf der Westseite des Adler- 
gebirges vorherrschend im Gneisgebirge entspringen und sich durch Zuflüsse aus 
den niedrigeren Pläneranhöhen an Kalk anreichern, unter welchen die Stiebnitz und 
die Alba die bedeutendsten sind. Erstere entspringt am Lotzenberge in den hoch- 
gelegenen Solnitzer Waldungen im rothen Gneis nimmt kleinere Zuflüsse aus 
Glimmerschiefer und quarzreichem Thonschiefer auf und tritt bei Pečín in die ge- 
schichteten Plänerablagerungen. Letztere entspringt im Schierlingsgraben, zieht 
alle kleinen Wässer des abwechselnd aus grünen Schiefern, Glimmerschiefer und 
Gneis zusammengesetzten Hochgebirges an sich, durchbraust ein enges, felsiges 
Thal mit reissendem Gefälle und fällt, nachdem sie den Unter-, Mittel- und Ober- 
quader der Kreideformation berührt hat, bei Castalovie in die Adler. 

Jenseits der wilden Adler löst sich das zumeist aus rothem Gneis beste- 
hende Kammgebirge mehr und mehr in wellenförmiges Kuppelland auf, zieht aber 
in unveränderter Richtung über Wichstadt und Gabel zur mährischen Grenze. 

Im Altvaterwalde, im Grulicher Gebirge nimmt die stille Adler ihren Ur- 
sprung in grauem Gneisgestein und verstürkt sich durch kleinere, aus gleichartigem 
Gestein emporquellende Zuflüsse. Lösswände und Quaderschichten begleiten sie auf 
ihrem westlichen Zuge bis Wichstadt, wo sie kleinere Zuflüsse aus rothem Gneis 
empfängt, den sie in einem südlich verlaufenden felsigen Thale bis Gabel durch- 
zieht, den unterhalb dieses Ortes anstehenden Syenit durchsetzt, um in einem an 
Schotter reichen, plötzlich nordöstlich verlaufenden Bett bis Geiersberg, von da 
an wieder südlich zu fliessen, auf welchem Wege ihr einige kleinere Zuflüsse aus 
dem Mittelquader der Kreide und dem rothen Sandstein des Rothliegenden zu- 
fallen, die sich nach jedem Regen roth trüben. 

Bei Landsberg tritt die Adler in das südliche, an malerischen Felspartien 
reiche Mittelgebirge, dessen Fuss abwechselnd Plänerkalkstein und Quadermergel- 
schichten hie und da von Streifen des Rothliegenden unterbrochen, bedecken. 

Östlich von Ohotzen, wo das Plänergebiet höher ansteigt, stösst man auf 
unreine, grane, gelbe oder röthliche, sandig-kalkige, wahrhaftige Iserschichten 
„Exogyrussandsteine“, die sich dann zu beiden Seiten der stillen Adler über 
Brandeis und Wildenschwert ausdehnen. Die stille Adler durchbricht in einem 
Querthale zwischen Kerhatic, Wildenschwert und der Ruine Landsberg diese Pläner- 
mulde, in die sie so tief eingeschnitten ist, dass unter den waldigen Sandstein- 
lehnen Granit, Phyllit und permische Sandsteine in der Thalsohle sichtbar werden. 
Das Thal der Adler nordwürts von Chotzen zeichnet sich durch malerisch senk- 
rechte Felswände der Iserschichten, die mit hohen Weissenberger Schichten wechseln 


/ 


48 


Unterhalb Chotzen erscheinen diese 
sonst sind Diluvial- und Alluvial- 


und nackten Mauerwünden gleichen, aus. 
Plänerschichten nur an der linken Adlerseite, 
Schichten vorherrschend. 

Von Chotzen fliesst die stille Adler durch niedriges Hügelland bis Tinischt, 
wo sie sich mit der wilden Adler“ vereinigt. Ihr Gefälle ist ein viel sanfteres, 
als das ihrer wilden Namensschwester und beträgt auf 12 Meilen respective 91 Am 
472-5 m. Nach ihrer Vereinigung durchströmt die Adler in nordwestlicher Richtung 
das wiesenreiche Flachland, nimmt bei Hohenbruck den „Dödina-“ oder „goldenen 
Bach“ auf, mit dem sich mehrere kleine, in der warmen Jahreszeit oft wasserarme 
Bäche vereinigen. Von Hohenbruck fliesst die Adler westlich den Niederungen der Elbe 
zu, in die sie bei Königgrätz einmündet. Der Zufluss „goldener Bach“ genannt, ent- 
Springt auf der Herrschaft Opotschna bei Giesshübel im Amphibolschiefer und 
Glimmerschiefer, durchfliesst dann die grünen Schiefer südlich von Bistrey, wendet 
Sich in einem kühnen Bogen unterhalb Mofti plötzlich nordwestlich, um durch die 
Sanfteren Gehänge des Weissenberger Pläner bis Chabof zu fliessen, wo er sich 
in zwei Arme theilt, von welchen der nördliche nach Dobruschka geht und sich 
mit dem kleinen, in Phyllit entspringenden Goldbach vereinigt, während der süd- 
dliche Arm westlich von Opotschna durch das eingerissene Plänerplateau des 
Mittelquaders die breite alluviale Thalweite erreicht, die der nördliche Arm um- 
spannt und durch den er verstärkt, als Dödinabach in südwestlicher Richtung der 
Adler zustrómmt. 


Chemische Zusammensetzung der wilden Adler. 


Geschöpft oberhalb Senftenberg, den 25. August 1893. 


In 1000 cc Wasser sind enthalten Gramme: 


. 000641 


Chlornatrium . 0:00404 МОИ d. ee 
Natriumsulfat . 000456 (d EE ‚ 000918 
Natriumearbonat . . . 000889 Kalk 10:09275 


Kaliumsulfat 
Caleiumearbonat . 
Magnesiumcarbonat 
Kisenoxyd u. Thonerde . 


. 000820 
‚ 004184 


. 000586 


‚000016 


Magnesit n s done e 
Eisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 


. 


‚ 000219 
. (00016 
‚ 0:00257 
. 002429 


Kieselsüure ‚ 000765 Kieselsäure ..... ‚ 000765 
Salpetersäure . . 000040 Salpetersäure . . . . +. . 000040 


| Summa . 
Glühverlust hiezu 

ii 

Gesammtrückstand 


ООО, 
. 001655 
. 018165 


Chlor os ee Ww s 
Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa . 


0 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstande 


з sind enthalten 
. 9:02 


Nation. E Eege 
МИ EE S TUO 
Kalk". 82:00 


Fürtrag . 


‚ 44:09 


. 000245 


. 007165 


H 


. 000055 


E MET 


44. 


Die Gesammthärte des Wassers betrup 9:66 Härteerade. 
~ 


Chemische Zusammensetzung der Zdobnice (Stiebnitz). 


Übertrag j 


Magnesia . ; el, A 
Eisenoxyd und Thonerde . 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 
Chlor 


Sauerstoff ab für Chlor . 


Summa . 


Summa . 


44:09 
9/92 
. 0:28 
. 8'61 
94:15 
10:76 
. 0'56 
. 3'45 


. 10077 


SOC 


. 100*00 


Geschópft vor Wamberg am 26. August 1893. 


In 1000 ce des Wassers sind enthalten Grammes : 


Ohlornatrium . 00014 Natron . 

Natriumsulfat . 000668 Kali . 

Natriumcarbonat 000817 Kalk. 
Kaliumcarbonat . 0:00597 lU b DU C 
Caleiumearbonat . . 008308 Eisenoxyd und Thonerde 


Magnesiumcarbonat 
Eisenoxyd und Thonerde 
Kieselsäure . 

Summa . 
Glühverlust hiezu 
Gesammtrückstand 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten si 


. 000491 


. 007916 


Schwefelsäure . 


. 000069 Kohlensäure 

. 000549 Kieselsäure . 

. 0706663 Chlor EU 
. 0:01953 Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa . 


Natron 126) 
Кап 6:00 
Kalk vdd id 
Magnesia Ag e 345 
Eisenoxyd und Thonerde 1:02 
Schwefelsäure 5:59 
Kohlensäure . . 84:85 
Kieselsäure 8:08 
Chlor 1:56 


Summa . 
Sauerstoff ab für Chlor 
Summa . 


100:85 


0:35 


IO 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 2:1 Hürtegrade. 


. 000855 
. 000401 
. 001850 
‚ 000284 
‚000069 
. 000874 
. 002364 
. 000549 
‚000106 
‚ 006808 
‚ 000094 
‚ 006184 


Dë 


45 
Chemische Zusammensetzung der wilden Adler. 
Geschópft bei Adler-Kosteletz am 4. November 1893. 
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 
éen. отоо womens LA 
EU... veles CORE DUM 
ES 5. 521627420 wan О 
Magnesia . . . SE UE S е) 
Eisenoxyd und Thonerdé . кос 110190 е 
Sebeefelsäuge . ee ss 001152 
Kohlensäure +. u... u 4 00104268 
Kiesdabumb +... ooo RR 
Salpetersäure . . . . » 7 QUOS 
С SR UL ESSE Sd 
Summa . . . . 015153 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000105 
Summa. . . .0:15048 
d Glühverlust hiezu . . . » . - 091587 
| Summa . . . . 016635. 
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,: 
` 4 Cua ME 
Kb, CIS Er I M 
Wale sux S autre d OE 
Magnesia . . . - о 
Eisenoxyd und Thonerde iUt. A а, 
SoOlWeftelSAUPG u. e esemi . 7:66 
Kohlensäure . ca QNM uU NU NO 
el EI S. (Le cn. u dere „809 
Salpetersäure s » es re.“ 2:58 
\ hw Vo uo RN cu UN 
| Summa. . . . 10070 
| Sauerstoff ab für Орог. ses +... _, 010 
ue 10000 
Die Gesammhärte des Wassers betrug 5'8 Hörtegrade. 
Chemische Zusammensetzung der Alba. 
Geschöpft bei Castalovic am 19. August 1893. 
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme: 
Natriumehlorid . . . . . . 000648 Nuet Ge г. е 7 99060 
Natriumsulfat . . . . . . . 000611 WR et ET EL 000800 
Kaliumsulfat re . . 000444 DEn DEES 
| Kaliumcarbonat CMT SAG Magnesia . . . . . 0:00495 
Caleiumnitrat . . . . . . . 0700268 Eisenoxyd und Thonerde . . (000088 
| Fürtrag . . . 002061 Fürtrag. . . 006346 


. 0702061 
. 008494 
. 001039 
‚ 0:00088 
20900820 
3019507 
I0 01195 
s 0515002 


Übertrag . 
Calciumcarbonat . 
Magnesiumcarbonat 
Eisenoxyd und Thoner de 
Kieselsäure WIN 
Summa . 
Glühverlust hiezu 
Gesammtrückstand . 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/. : 
0 


Natron . 
Kali . 
Kalk 
Magnesia . 


Kisenoxyd und Thonerd& 


Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 
Chlor . 


Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor 


Summa . 


Die Gesammthürte des Wassers betrug 5:5 


Übertrag . 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 
Chlor IO 
Summa . 
Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa . 


. 4:89 
zu 
38:75 

. 8:96 

. 010 
488 
94:4 
‚660 

. 1:88 

; 3:14 
. 100 Dl 
071 

7 100:00 


4 Härtegrade. 


Chemische Zusammensetzung der stillen Adler. 


Geschöpft bei Wi 


Idenschwert. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium . 000489 
Chlorkalium . 000118 
Kaliumsulfat . 0:00261 
Caleiunsulfat . 0:00729 
Caleiumnitrat . 000570 
Öalciumearbonat . 012102 
Magnesiumcarbonat . 0009571 
Kieselsäure . . 000558 
Summa . a 015784. 
Glühverlust hiezu 0:04204. 


Gesammtrückstand . . 019988 


Natron . 

Kali 

Kalk 

Magnesia . 

Eisenoxyd und T ае 

Schwefelsäure 

Kohlensäure 

Kieselsäure . 

Salpetersäure 

Chlor ee 
Summa . 

Sauerstoff ab für Chlor . 


Summa . 


‚ 0706346 
. 000548 
. 004811 
. 000825 


000109 
. 000398 


. 012596 
. 0700089 
.0:1250% 


. 0700233 
. 0:00215 
‚ 07340 


0:00456 
Spuren 


‚ 0:00549 
. 005808 
‚ 0:00558 
‚ 000815 
. 0:00323 


015851 


70:15784 


47 


In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten: 
SEEN V ТУ ror ro NE 
ICH nA Н TOT Po VeL e MIND 
DE nus ct EOS T x A NONE 
MABBIOSIRL TRI esa E Mte qe 2:89 
Sóhweteliltüré  , 2:02 5.20297 CV 98 
ANTO MODERN E M E et, 
Ш: qui. lex ua UO 


Sulpétergiufé аи 2:38 
ОФ SEN 2:05 

Оа Kane 100 41 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . QUT 


Summa iuo 10000 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:98 Hürtegrade. 


Chemische Zusammensetzung der stillen Adler. 


Geschöpft bei Borohrädek am 1. Oktober 1893. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 


Chlomatrium . . . . . . . 0'00681 МАШ Яй uc EENS 
Nateiumsulfat . . . .... .000036 КАШЫ кл ул Wm ODER 
КЕШЕА suus. + 000811 ТО EE ОВЕ UD 
Caleiumsulfat . ШИЛ М, TONO O Magnesia . . . - 000695 
Caleiumearbonat . . . . . .011218 Eisenoxyd und Thonerde . +» 0:00142 
Magnesiumearbonat . . . . 0018312 Sehwefelsáure . ы . . . . 000678 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000142 Kohlensäure. «dod ovest OO 0105025 
КООН ... . s .. s S 00008р Kisselaküre duu 43 О00680 
Salpetersäure . . . . . . 000052 Salpetersäure . . . . + . . 0700052 
Summan О it CHlor А ООА О 
Glühverlust hiezu . . . . . 001075 Summa. . . . 0'15436 
l Summa . Ee gos BE Sauerstoff ab für Chlor. . . 000093 


Summa. «s. 0015945 


[n 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,: 


Mn src eda vt MR MEN 
Ira: LEE ЫМ d 193 
Mee Eh ECKE 41:55 
Magnesia . . . Md ER 
Eisenoxyd und Thonerde LO on vea ED 
etel roro sd s EN PUR SERE neuen nn и" 4:42 
Kohlensäure noctes or (7 90:00 
Kieselsäure . . . - M Rer. IL 
Salpetersäure . «+... Ls . 0:34 

RON re Deu 


48 


hertig a a са ОТРЯ 
AE 4 2*09 
Suma 0 sai 
Thank AD Tun О о. HEN 
Summa. ОООО 


Chlor 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:24. Härtegrade. 


Chemische Zusammensetzung des Dédinabaches. 


Geschópft vor Hohenbruck am 17. August 1893. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme : 


Nawumenlorid ООС 00091 Natron . 
Ма ашаа AEN Kali 
КИШШШ@ШОПФ su ance tu 000041 Kalk . i 
Calciumsiifat оо e 000045 MOONEN e BEE 
Caleiumnitrat жоЛ „70.111, 000086 Eisenoxyd und 'Thonerde 
Calciumcarbonat . u ar eus Op T200 Schwefelsäure 
Magnesiumearbonat . . . . 001906 Kohlensäure 
Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00297 Kieselsäure 
Kieselsäite soa e „rar... 000952 Salpetersäure 

Summe mn. 2 0229/09 Chlor EE 
Glühverlust hiezu . . . . . 004051 Summa . 
Gesammtrückstand . . . . . 028491 Sauerstoff ab für Chlor. 


Summa . 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten 


INBULOIE E eoe reu weis, we Ow SD 
а LINT uo se E 
dell 
ЕТЕДА 0042) 20 кто О ОЯ 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 098 
hl kuer rel Krk ee LE E дд 
Konlensaute ooa ll 
OROIT EEN 
SUIDOLO SUDO V р, у OUS QUAND SI TB 
GIO Pos M CR ооо WI DOT 

summa vo OS 
SOUGPBLOITIBD SAP ШО ке en ТУЛ ОАО 

sumta v ...8100:00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 11:26 Härtegrade. 


. 0:243'16 


0 


E 


‚001185 
. 000886 

010050 
. 000908 
. 000291 
‚ 001766 
‚ 008566 
. 000952 
. 000057 
. 000482 
. 02449 
. 000108 


у” 


Chemische Zusammensetzung der vereinigten Adler. 


Geschöpft oberhalb Königgrätz im November 1891. 


In 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme: 


Natriumchlorid dor RE CH Natron aio bite iiv ovs ye EN 
Natriumsulfat . . 2 . . . . 001108 Kali . v ases eae unte QA T) 
Kaliumsulfat . . . л . . 000859 Kalle san ann Ree 
Caleiumearbonat . . . . . . 010904 Маслова Ee o0 0600 
Magnesiumearbonat . . . . 001398 Eisenoxyd und Thonerde . . 0'00053 
Eisenoxyd u. Thonerde . . . 0:00053 Schwefelsäure . . . . etu ЧОЛОО 
Salpetersäure . . . . . . (000205 Kohlensäure 24 v6 tub ous em 005087 
Kieselsäure .. . . . . . . 000902 Kieselsäure. лу» AC 0100908 

Sunma о 0 ОВОО Salpetersäure . . v . ........0:00205 
Glühverlust hiezu . . . . . 003280 Chlór (4:7 en. s dp quor qui e ODDS 
Gesammtrückstand . . . . . 019580 Эа. md. ОБА 


Sauerstoff ab für Chlor... . . 000119 
summas. 20 T6200 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten °/,: 


NAT OH NS oS ERI MUN VT Md EO 
Kauf: as oe Secun Wo MH ORE S 
КЕШ PO А e rois. 
Magnesia, „ia... ДИ Ee 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 0:82 
Schwefelsäure . . . dr SUMA PO 
Kohlensaürei ws CECA ОТЕ ОВ ЧӘ 
КӨПТӨН у Arne 200008 
Sälpetersatine aut ne до E 
Biel e san GG 8:20 


Summa. . . . 10064 

Süterstofb-ab ME ОШО se ur OSEE 

Summa, . . 100:00 

Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:03 Härtegrade. 
Iu der trockenen Jahreszeit ist die wilde Adler bei Senftenberg wasserarm, 
d im Frühjahr und im Sommer schwillt sie nach starken Niederschlügen bedeutend 
pn und wälzt sich schüumend und rauschend in ihrem vertieften Bette. Sie führt 
JN klares und weiches Wasser, selbst im Hochsommer und Herbst, das an dieser 
Stelle ihres Laufes eine sehr verdünnte Salzlösung darstellt. Die wilde Adler ent- 
Se nur 61 Milligramms per Liter Mineralstoffe, die nach heftigen Niederschlägen 
BS nune ihres sw en und o mehr verdünnt werden, so dass — 
їз ann kaum mehr als wie 80—85 Milligramm per Liter beträgt: 66 1 rozent 
5 mineralischen Rückstandes macht der kohlensaure Kalk, 18%, das Kali und 
atron aus. Nachdem sich die an Alkalien reiche Stiebnitz (Zdobnice) und andere 
deine Zuflüsse in die wilde Adler ergossen haben, e;thült dieselbe bei Adler- 
Osteletz schon 150 Milligramm Mineralstoffe im Liter (in der regenärmsten Zeit) 


4 


50 


und im Rückstande bei gleichem Kalk- und Alkaliengehalt die doppelte Schwefel- 
sáuremenge. 

Von der stillen Adler unterscheidet sich die wilde Adler in ihrer chemischen 
Beschaffenheit durch einen grösseren Alkalien-, Schwefelsäure- und Kieselsäure-, 
dagegen durch einen geringeren Kalkgehalt ; weshalb sie auch eine geringere Härte 
als die stille Adler besitzt. 

Einen an Schwefelsäure reicheren Zufluss empfangen die vereinigten Flüsschen 
durch den Dédinabach bei Hohenbruck, der sich durch grössere Härte auszeichnet. 
In der Zusammensetzung der vereinigten Adler bei Königgrätz spiegelt sich das 
Bild der chemischen Beschaffenheit der Mischung beider Flüsschen sehr deutlich 
ab und je nachdem ob es in dem Quellengebiet der stillen oder der wilden Adler 
reichlichere Niederschläge gibt, wird die Beschaffenheit des Adlerflusses bei König- 
grütz bald mehr derjenigen der wilden oder der stillen Adler zuneigen. Die Diffe- 
renzen werden sich auf die Alkalien und den Kalk beziehen, keineswegs aber be- 
deutende sein. 


Die Chrudimka. 


Entspringt in den waldigen Bergen bei Heraletz, versammelt eine Menge 
kleiner Gebirgsbäche und Waldquellen und fliesst mancherlei Krümmungen und 
einen scharfen Bogen bildend, nordwestlich durch die offene Gebirgsgegend bei 
Hlinsko und Trhov, wo sie malerische Parthien durchläuft und Woharka genannt 
wird und tritt bei Kamnitz in ein engeres zum Theil felsiges Thal, das sie nord- 
westlich durchschneidet und zwischen den Burgruinen Wigstein und Oreb östlich 
durchzieht. Die Chrudimka verändert diese Richtung unter Nassaberg in eine nórd- 
liche, welche sie in ihrem weiteren Verlaufe durch das Gebirge und bei ihrem 
Eintritt ins flache Land bis zu ihrem Ausfluss in die Elbe bei Pardubitz beibehält. 

Der grösste Theil dieser ausgedehnten Gebirgsgegend gehört bekanntlich 
dem Gneiss an, der in manigfachen oft sehr interessanten Abünderungen in der 
nördlichen Verflachung bis Hlinsko vorherrscht, zum Theil in Glimmerschiefer 
übergeht. Die wichtigsten Nebenbäche fliessen ihr aus dem Nassaberger, Reichen- 
berger, Leitomischler Gebirge zu. Die zahlreichen Urfelsgeschiebe, die ihr Bett 
noch im tiefen Lande erfüllen, sind Beweise von der Schnelligkeit und Kraft, mit 
der sie das Gebirge durchschneidet, so wie die Überfluthungen, womit sie die 
Ebene heimsucht, von ihren periodischen Wassermengen Zeugnis geben. 

Die Zusammensetzung der Chrudimka ist oberhalb Hlinsko folgende: 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 


МАТОО ЩО о et. o 100:00804 Майли Der de (01046 
Natriumsulfat ^ e, Чил 0:00864 Kalt it ate amic t EN Mor 346 
Natriumcarbonat . . . . . . 000788 Kalk u, uy io А АШ 00755 
асат оопа v) wes 000501 Magnesia ; | 000248 
Caleiumearbonat . . . . . s 0701848 Eisenoxyd und T EH . 000099 
Magnesiumcarbonat . . . . 000510 Schwefelsäure pui 000205 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000099 _ Kohlensäure. u MÉ 001825 


d - ( 
Fürtrag . . . 004425 Fürtrag. . . 004019 


. 0:04425 
. 000014 
0:00925 
^. 005364 
. 001782 
. 007146. 


Übertrag . 
Salpetersäure 
Kieselsäure M 

Summa , 
Glühverlust hiezu 
Gesammtrückstand 


Übertrag | 


Kieselsäure 

Salpetersäure 
Chlor ELA 
Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor . 


Summa . 


In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind: 


Natron . 
Kali 

Kalk 
Magnesia . 


Eisenoxyd und Thonerde 


Schwefelsäure . 
Kohlensáure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 
Chlor 


Summa . 
Sauerstoff ab für Chlor 
Summa . 


19:50 
20:40 
14:08 
. 4:58 
. 1580 
3:82 
24-10 
11.24 
1305806 
ЭМИ 
. 10220 
„220 


. 10000 


Die Gesammthärte des Wassers ist — 1:09. 


51 


. 004019 
. 000925 
. Q'00014. 
. 0:00524 
. 005489 
. 000118 


Bei Pardubitz hat die Chrudimka folgende Zusammensetzung: 


In 1000 ce Wasser sind enthalten Grammes : 


. 0:01288 
. 001621 
‚ 000403 
. 000515 
. 008982 
. 001558 


Chlornatrium 
Natriumsulfat 
Kaliumsulfat 
Kaliumearbonat . 
Calciumearbonat 
Magnesiumearbonat 
Eisenoxyd 
Thonerde 
Kieselsäure Р 
Organische Stoffe . 
Summa 


000190 


. 0:00810 


015367 


Glühverlust == 0:09875. 


Na,O 

K 0 
СаО 
MgO 
DU. 
Cl 

CO, 
Ree 
Eh 
SiO, 


. 001390 
. 000569 
. 005030 
. 000124 

. 001098 
. ("00182 
. 0704932 


. (00190 
. 000810 


0:15525 


Sauerstoff ab für. Cl. 


..0:00176 


(15349 


In 100 Theilen des Rückstandes sind enthalten : 


INS". 
KO 


Fürtrag . 


8:24 
2.9 
oo 


‚1161 


52 


Übertrag. . . . . 1161 


E зн res Le ORCI 206% 
AER SR 
Fe,O, xk 
AL,O, ате" S 


о AB dig V o CO EDO ro X90 
BER ros ecu а oS OM 


NES 
EE a us d Tat 
Organische Stollen nenn ЕШ 
100:99 
1:04 


Summa. . . . 99:95 
Gesammthärte des Wassers 6:006. 


Der Cydlinabach entspringt an der Westseite des aus Mandelstein beste- 
henden kuppelfórmigen, mit üppiger Waldung bedeckten Berges Tabor auf der 
Herrschaft Lomnitz aus einer Quelle, die südlich gegen Ji&in fliesst und dort ins 
Flachland tritt bei Smidar den vom Levinerberge kommenden Zlatniebach, bei 
Chlumetz den Distritzbach aufnimmt, dann westwürts flissst und unterhalb Liebitz 
in die Elbe mündet. 

Das Quellengebiet dieser Zuflüsse besteht hauptsächlich aus rothen Sandstein 
der permischen Formation aus Quadersand- und Plänerkalkstein der Kreideformation, 
durch welche sich die Cydlina bis zu ihrer Einmündung in die Elbe schlängelt. 

Die Mrdlina entspringt bei Marquartitz, vereinigt alle kleinen Gewässer, welche 
in der Hochebene des Bunzlauer Bezirkes entspringen und fliesst bei Nimburg in 
die Elbe. Sie entsteht aus zwei Büchen in waldreichen Anhóhen. Beide durch- 
schneiden den aus Plünerkalk bestehenden Boden der Herrschaft Kopidlno in der 
Richtung von Nord nach Süd. Es sind dies die Bäche Leština und Bystritz. 

Ersterer entsteht bei dem Dorfe gleichen Namens, durchläuft mehrere wasser- 
reiche Teiche und vereinigt sich bei RoZdalowitz mit der Bistritz, welche aus ei- 
nigen kleinen Wasseradern auf der Herrschaft Kost gebildet wird. 

Beide Bäche pflegen zur Sommerszeit fast auszutrocknen, und schwellen erst 
im Frühling oder Herbst betrüchtlicher an und verursachen in den Thälern, die 
sie überschwemmen, bedeutenden Schaden. 

Wie nach der Formation, in welcher sie entspringen und sich vornehmlich 
bewegen, nicht anders zu erwarten stand, sind die Wässer der beiden genannten 
Flüsschen in chemischer Beziehung kalkreich aber gypsarm, daher sehr harte, durch 
organische Stoffe verunreinigte, auch an Alkalien arme Wässer, welche durch Ab- 
kochen an Härte sehr verlieren und dann von 19 auf 7 deutsche Härtegrade herab- 
gehen. Magnesia enthalten sie nicht in grósseren Mengen. 

Da die Wasserproben zur Zeit der gróssten Trockenheit genommen wurden, 
so zeigen die beiden Flüsschen zur Zeit grösseren Wassergehaltes natürlich DI 
drigere Härtegrade und halten nur den Vergleich untereinander aus, wenn gie ZU 
gleicher oder in ähnlicher Zeit geschöpft wurden. 


Cydlina 


geschöpft oberhalb der Zuckerfabrik des Ortes Libitz am 24. September 1895. 


Im 1000 сет des Wassers sind enthalten: 


Chlornatrium . . . . .0:0260 E о 0.0242 
Natriumsulfat . . . . .0:0940 KO: orr ОТ 
Kaluımsullaus ШОРТА СаО КОШО 
УТОМИ ое ODIT MgO . . 00185 
Caleiumearbonat . . . . 01959 50, . 00886 
Magnesiumearbonat . . 0:0388 CO, . 0:1065 
Kieselsuunesse erne. -100190 SiO, . 00190 
Summa . . . .0:8426 CI . 0.0158 

0:8461 

Sauerstoff ab für Ol. . 0:0035 

Glühverlust . . . . 00625 0:3426 


In 100 Gewichtstheilen des festen Rückstandes sind: 
NONE E Ee 


E 
Deg, ue EEN 
ee uh en зу 
Б@ ich Va a PNE 


ЛАО ee 
BIO, E 
ОР ОА . 461 


Summa. 510109 


Sauerstom. ab Tur Оо onec 221002 


100:00 


Gesammthärte des Wassers = 19'1. 


Mrdlina 


geschópft oberhalb der Zuckerfabrik zu Nimburg am 24. September 1895. 


In 1000 сет des Wassers waren enthalten: 


Galörnättium s o a a QOLIE МАО о 10/0209 
Natriumsulfat . . . . . 00456 KO, cu 200125 
Kahumsuülfat . ls е 00281 СаО . 0:0987 
Caleiumsulfat . . . . . 0:0385 MgO . 00434 
Caleiumcarbonat . . . . 01516 Fe,0, . 0:0009 
Magnesiumcarbonat . . 00911 50, . 00560 
Benoxyd. . . . u... 2. 00009 CO, . 01144 
Kieselsáure . . . . . . 00181 SiO, . 00181 
summas «0901 OI . . 00068 
Summa . 03166. 

Sauerstoff ab für Ol . . 0:0015 

Glühverlust . . . 00568 0'8751 


53 


In 100 Gewichtstheilen des festen Rückstandes sind: 
RRE ou ad воо Жө ча hegg 
Keno КУ ү M К оО 
CA C A Ин л мо куе есу 0 0 
БШШ К СОО EE EE N QUE 
ESL M EE 
ED CNN pnt LINE 
DS m da уа. 
Sa De oer uci edet EC oA 
Аан О a nn ein шш 
E RER АЙЛИ ON ce ue cU DU 

100*00 


Gesammthärte des Wassers = 15°8. 


Hydrochemie der Iser. 


Zuflüsse der Elbe aus dem Iser- und Riesengebirge. 


Die grosse Iser. 


In geologischer Beziehung ist der nordwestliche Theil der Sudeten zwischen 
der Neisse und Iser, das Isergebirge genannt, ein Massengebirge, welches bekanntlich 
ID mehrere Zweige zerfällt. Das böhmische Isergebirge umfasst die Friedländer 
Ausbuchtung und reicht im Inneren des Landes bekanntlich bis Grottau, heichen- 
berg und Rochlitz. Es besteht aus langgezogenen, nordwestlich verlaufenden, un- 
regelmässig gegliederten Gebirgszügen, die gegen Süden sanft abdachen. 

Das Vorland des böhmischen Isergebirges bildet im Süden das aus Granit 
bestehende Schwarzbrunngebirge mit seinen kuppengekrönten Rücken und dem 
Pfichowitzer, aus Phyllit geformten Gebirgskamm, der westlich gegen den Kamnitz- 
bach und östlich gegen den Iserfluss steil abfällt; hinter diesem Gebirgszuge erhebt 
Sich bekanntlich ein Gebirgsstock von 900—1000 m Seehöhe mit einzelnen, noch 
höheren Kuppen, von denen die höchste, die Tafelfichte 1122 m Seehöhe erreicht. 

Der hohe Iserkamm und der Wohl'sehe Kamm bestehen vornehmlich aus 
Gneis, der am Nordwestrande dieses hohen Gebirgszuges strichweise verläuft und 
das Kerngestein, den Granit überlagert. Geologisch hängt daher das Iser- mit dem 
Riesengebirge zusammen, mit dem es durch den Neuwelter Pass verbunden, und 
durch das Thal des hier entspringenden Iserflusses orographisch geschieden ist. 
Es behält als Unterlage hauptsächlich grobkórnigen Granit und Granitit, der durch 
Sl'Üssere Feldspathkrystalle ein porphyrartiges Aussehen gewinnt und von jüngeren, 
die sanften Wölbungen und flachen Hügel des Vorlandes zusammensetzenden Ur- 
Schiefern überlagert wird. 

Es ist bekannt, von welcher Wichtigkeit die Natur der Gebirge für die 
cuellenbildung ist. Wie man sieht, verbreitet sich das Quellengebiet der Iser im 
"Tonn, im Gneis, Glimmerschiefer und quarzreichen Schiefern, welche in ihren 
Spalten und Rissen Wasser aufnehmen nnd als wasserdurchlassende, nicht ge- 
Schichtete Gesteine gelten. Zwar besitzen sie nicht die Zerklüftungen, Gebirgs- 
Spalten und Hohlrüume vieler geschichteter Gesteine, die ihren Grund in der eigen- 
lümlichen Zusammensetzung dieser Gesteine haben, doch auch sie werden von 


56 


einer Menge Spalten und Haarröhrehen durchzogen und gekreuzt, die bei den Gra- 
niten sehr klein sind, schwächer untereinander communiziren, während sie bei den 
Urgebirgsschiefern weit zahlreicher, tiefergehend, unter einander vielfach verbunden 
auftreten, so dass sich in ihnen sehr viele, von der Niederschlagsmenge und der 
Bedeckung der Gegend mehr oder weniger ausgiebige Quellen bilden können, deren 
Austritt erst dann erfolgt, wenn sie entweder durch wasserdichtere Gesteine oder 
undurchlassende Erdschichten in ihrem Versickern aufgehalten, auf eine unebene 
oder abschüssige Unterlage gelangen, wo sie der Schwerkraft folgend, sich sammeln 
und verlaufen können oder in mehr oder minder geschlossen geformte Quellspalten 
dringen, aus denen sie nach dem Gesetz der Kraftwirkung communizirender oder 
heberförmiger Röhren durch Wasser oder Gasdruck so weit gehoben werden, bis 
das Gleichgewicht oder ein Uiberlauf stattfindet. 

Die eigenthümliche Beschaffenheit des betrachteten Terrains mit seinen 
langen, gezogenen, in nordwestlicher Richtung streichenden, aus Reihen von Berg- 
kuppen bestehenden, den höchsten Theil des böhmischen Grenzgebirges einnehmen- 
den Bergrücken, auf denen man sehr häufig die Zwergkiefer und das Knieholz 
mit hochstämmigen Fichten untermischt, meist an sumpfigen Moorgründen findet, 
das rauhe an Niederschlägen reiche, vielfach verzweigte Gebirge begünstigt das 
Hervorbrechen zahlreicher Quellen, die sich in ihrem Verlaufe zu wildbrausenden 
Gewässern vereinigen und zum grössten Theile dem Flussgebiete der Oder, zum 
kleinsten Theile zu dem der Elbe gehören. 

Nicht nur auf dem Hauptgebirgskamm, dem nördlichen Wohl’schen Kamm, 
der Tafelfichte, sondern auch an mehreren anderen Punkten trifft man in den 
Wäldern und auf den Rücken der Berge ausgedehnte Hochmoore an. Diese Wasser- 
reservoirs haben durchwegs eine südliche Abdachung. 

Da aber auch das reich bewaldete Gebirge landeinwürts sanft abfällt, 50 
gewinnen die niedergehenden Meteore Zeit sich zu sammeln und zu verbreiten 
und aus dieser Lage und vegetativen Bedeckung erklärt sich der grosse Wasser- 
reichthum der böhmischen Zuflüsse, während die Bergwässer auf der nördlichen 
Seite nur einen schmalen, steil abfallenden Berggürtel zu durchfliessen haben, daher 
weit geringere Wassermengen aufzunehmen vermögen. 

Die Iser entspringt im Urgebirge am Südfuss der Tafelfichte, empfängt 
zahlreiche Zuflüsse aus den Waldungen des hohen und mittleren Iserkammes an 
der Landesgrenze, deren Quellen ebenfalls noch im Urgebirge hervorbrechen, durch- 
zieht die rothen Sandsteinablagerungen, dann die böhmische Kreide- respective 
Sandsteinformation und nimmt auf diesem Wege viele, darunter nicht unbedeutende 
Gewässer auf, deren Zusammensetzung der Reihe nach betrachtet werden soll. Aus 
meilenlangen Moorgründen quillt die grosse und die kleine Iser, welche durch 
wilde Schluchten brausen, deren Abhänge den hochromantischen finsteren Isergrund 
bilden. Die Iser nimmt die wasserreiche Mummel, die Milnitz, die kleine Iser und 
andere Bäche aus dem Urgebirge auf, ferner die Voleska, die Popelka, die Tample, 
die Kamnitz, den Zernovnik und den Spitzerbach aus der rothen Sandsteinformation. 
in ihrem weiteren Verlaufe den Dolanek, die Mohelka, die Zaberka, die Libunka, 
die Zehrowka und die Bela, welche aus den Thülern der böhmischen Kreidefor- 
mation hervorbrechen, auf und betritt ein Kind des Hochgebirges bei Jungbunzlau 


5T 


das weite Gebiet der Ebene, welches sie bis Taužim, ihrem Vereinigungspunkte 
mit der Elbe, durchfliesst. 

Die grosse Iser "uid aus mehreren Quellen am nordöstlichen Abfall 
des Wohl'sehen Kammes in leicht verwitterndem Granitit zwischen dem Drehsler- 
berge und E divitiis. durchzieht die auf dem breiten Rücken des Gebirges 
abgelagerten Torfmoore, zwischen dem hohen und mittleren Iserkamm, nimmt von 
diesen beiden Gebirgsrücken viele kleine Gewüsser auf und bildet auf diesem Wege 
die Grenze gegen Schlesien. 

Auch die kleine Iser entspringt im Granitit, in dem sumpfigen Terrain am 
Hinterberge usd fliesst zwischen dem Wohl’schen und mittleren Iserkamm über die 
Iserwiese. 

Nach ihrer Vereinigung mit der grossen Iser unter dem kaulichten Buch- 
berge, dem höchsten Basaltkegel des deutschen Mittelgebirges, berührt sie schon 
Ziemlich wasserreich das Riesengebirge unterhalb Wurzelsdorf. 

Die bedeutendsten Zuflüsse erhält die Iser jenseits der Landesgrenze, aus 
den südlichen Ausläufern des hohen Iserkammes un dden westlichen Enden der 
der Kranichswiese. Dort fliesst der in Granitit entspringende grosse Milnitzbach in 
Südlicher Richtung und nimmt alle Wässer auf, die an der westlichen Seite der 
Elbewiese und des Kesselberges aus Glimmerschiefer und quarzreichen Schiefern 
hervorquellen. Einer der wasserreichsten Zuflüsse ist ferner der Mummelbach, der 
ап der nördlichen Abdachung der Kesselkoppe in 1300 m Seehöhe seinen Anfang 
Nimmt. Im westlichen Laufe vereinigt auch die Mummel zahlreiche Wasseradern 
des Gebirges. Granit und Granitit bilden das nördliche, vom Hauptkamme des Rie- 
Sengebirges abstürzende Gehänge dieses Baches, Glimmerschiefer die südliche, in 
übereinander gelagerten Blöcken aufgethürmte Begrenzung der zahlreichen Thal- 
furchen. 

Mil vielen kleinen Zuflüssen bereichert, fällt die Mummel oberhalb Harrachs- 
dorf über eine 9 m hohe Granitstufe abstürzend, zahlreiche Geschiebe und Bänke 
übersprudelnd, als wildschäumender Gebirgsbach in die grosse Milnitz. 

Die kleine Iser (das Kesselwasser; nicht zu verwechseln mit dem vorhin be- 
brachteten, gleichnamigem Flüsschen) an der Südseite des Krkonosch und Kessel- 
berges in Fleckschiefern entspringend, bewegt sich südwestlich zwischen metamor- 
Phosirten Glimmerschiefern, nimmt von den Gehängen der sie umschliessenden 
langen Bergrücken, ebenfalls aus Glimmerschiefer viele kleine Zuflüsse auf, betritt 
Unterhalb Wittkowitz das Gebiet des von Dioryt und krystallinischem Kalk durch- 
setzten Phyllites, verwandelt bei Hrabatshof, einen grossen Bogen beschreibend, 
Ihre südliche Richtung in die nordwestliche und durchläuft das von rothen per- 
Mischen Sandsteinen gebildete, mit Diluvial- und Alluvialablagerungen reichlich 
erfüllte Iserthal bis Ernstth: i, wo sie als schäumender Bergbach in die grosse Iser 
einmündet, 


н Die Iser legt von der Brücke bei Wurzelsdorf, wo sie das Riesengebirge in 

55 d 

me m Seehöhe berührt, bis nach Ernstthal, wo sie es bei 390 m wieder verlässt, 
| Km zurück; die Höhendifferenz beträgt 165 m, das mittlere Gefälle 1:116. 


Chemisehe Zusammensetzung der grossen Iser 


in der Nähe ibres Ursprungs, geschópft über den Iserhäusern am nördlichen Abfall des mittleren 
Iserkammes, den 15. August 1893. 


Das Wasser war sehr klar, hatte einen schwachen Stich in’s Gelbe, rein 
geruchlos. 
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 
FARNE SI I TP EM 


ЖАП te M a EE RENG 
ТАТ IU, QT, Te EISEN 


ME A, 5/71 «07V V8 EE 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0:00021 
Schwefelsäure arrra . . «s. 10-00092 


ISODLOI BAD ie vio deae ER Od T 
Kieselsäure а Vou» dou 000246 
Salpetersaure EE cellula vss ООО 
V o) wit Ба ы EE . 000176 

SUMME, ws x T647 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . ..0:00089 

ША su ss 0101008 

Der Glühverlust betrug 0'00943 gr. 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten xo 
MENU uoce irae s IRE ы a ee 


le Aere d 
e vts D 2D 
bibant eo Neu Mo qe av A ош d eld 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 181 
lgl lt deg И 
ИСТЕСЕН О ГК E SUN 
Kohlensäure . Ee л EL 


Vie WA COS, ed OU pM 
Chlor . WIN e EH RP TN EN 
SUIDA T EE 
Satersto ab fur Ohlom 27V 9$ me. DS 
ООА 10000 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 0'26 Härtegrade. 


Chemische Zusammensetzung der Milnitz. 
Geschópft bei Neuwelt am 30. August 1893. 


Das Wasser war feuerklar, abgesehen von einem Stich in's Gelbe fast farb- 
los, geruch- und gesehmacklos. Wie das vorhergehende Wasser sehr weich. Die 
Reaktion des eingedampften Rückstandes war schwach alkalisch, der Rückstand 
selbst braun gefärbt, von moorartigem Geruch, sobald er mit Salzsäure aufgekoché 
wurde. Das Wasser enthielt auch Spuren von Phosphorsüure. 


In 1000 ee des Wassers sind enthalten Gramme : 
NAHE l.l. vuv ОЛИИ 
KANNE у, у у... тоу qr BOIS 
КАШУ (ОУ VEU PO EE 
Mipuedia .... 10. eo oS HOMO 
Беноа уз е, о ое ARTNET 
Schwefelsäure Be rac NIT, 
Kohlensäure ае о ОТООСУ 
Kiesdlwüüre . .... ИККИ? Opere 
Salpetersäure `. mun e 0000002 
Cal е a vxo SER EE 
Summa: sos ОЧ@ОТО 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 0:00029 
Summa . . . v EE 
Der Glühverlust betrug 0:009bi gr. 
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten °/,: 
ХОШ, О уле. Ж ы EE PD 
КӨЙ бул e E AE E, Genk La 
КАШ 111, ауз 10:29 
MAE. ce sos esos SCOPE 
Eisenoxyd >... Sx UNT е, 
ӨЙӨӨ. з Ar mente 
Köklensdure e rers т НОЕ 
Kiel. o No e, 
Salpetersäure v». < PURO, о. 200 
СШ o... soos EVA RS EEN 
Summa p, . . . 10148 
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . 148 
Summa es ae. 100.00 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0:33 Härtegrade. 


Chemische Zusammensetzung der Mummel. 


Geschöpft oberhalb Harrachsdorf am 29. August 1893. 


Das Wasser war sehr rein, feuerklar, gelb gefärbt, geruch und geschmack- 


IUS тъ : N Ra 1 
; reich an organischen gelösten Stoffen. Der Rückstand war dunkelbraun, von 


Moor 


artigem Geruch. 
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme : 


ам asco een OO 
Koll. wa our en ы ARE 
Kal. Va о оа е D na OT 
Magnemi t ece ERROR 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000162 

BURDA EN E Rb 


60 


Übertrag . 
Phosphorsáure 
Schwefelsäure 
Kohlensäure 
Kieselsäure 
Salpetersäure 
Chlor . EATEN 
Summa . 
Sauerstoff ab für Chlor 
Summa . 
Glühverlust hiezu . 


Gesammtsumme . 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/, : 


Natron . 

Kali . 

Kalk 

Magnesia E е 

Eisenoxyd und Thonerde . 

Phosphorsäure 

Schwefelsäure . 

Kohlensäure 

Kieselsäure . 

Salpetersäure 

Chlor ER, 
Summa 

Sauerstoff ab für Chlor. 
Summa 


Chemische Zusammensetzung der kleinen Iser. 
(Des Kesselwassers.) 


. 000799 
. Spuren 


. 000018 


. 000808 


. 000435 


. 000049 
. 000194 


. 001863 


. 0*00043 


. 001820 


. 001502 


. 0708322 


IP T 
11:76 
UA 
1:98 
8:90 
. Spuren 
4:29 
16:92 
24:89 
2:69 
10:66 


. 102:36 


2:36 


. . 100700 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0:22 Härtegrade. 


MN 


Geschöpft von ihrer Einmündung in die grosse Iser bei Ernstthal, nordwestlich von Starkenbach, 


den 4. September 1892. 


Das Wasser war klar, farblos, geruchlos. 


In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme: 


Natron 

Kali 

Kalk 

МЕ ӨЗ A "S te IT 
Eisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsäure 
Kohlensäure . 


Fürtrag . 


. 0700884 
. 000480 
. 004278 
. 000514 
. 000052 
. 001070 
ek 

. O11115 


61 


Übertrag. . . . . 011115 
Kieselsäure о ОДЕВ 
SünetérWdie ^... so Ee 
Chlor . Ab. HU de wie oe P DATOS 
Summa. . 1; 2012874 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000074 
Summa! . vx 29012800 
Glühverlust Мел... . . . . 001586 
Gosammtsumme . . . . 014886 


И Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung : 


Ghlornatmiame al vdd оО: ООА 
Netriumsulfati 55200200 р 548 4100101280 
Kaliumsalfat ina ne 9 10 CHE 
Kaliumnitratı sea note TOTO 
"aleumearbonat . . .. . . « .» 007375 
Magnesiumearbonat . . . . 001208 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000052 


| APP POP ts 
Summa . . . . . 012800 
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten ^/,: 
Kan 2 72-2. vi A (ip обу 
d Ee la die Ka us ооо 
iod a apos E We Are . 88:42 
МИНА A EE E Я 448 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 041 
Ce EE o omo ИВ 
Konlensauler 45. 0. З ВАР) 
ТАТО weten ee LUD 
И eer t 
Chlor a EE 
Summa os ENSUITE 
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . 057 


Summe, we, T0000 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 5'08 Härtegrade. 


Nachdem die /ser in ihrem südlichen Laufe die Milnitz und die Mummel 
Aufgenommen und metamorphosirte Urthonschiefer durchlaufen hat, betritt sie das 
Gebiet des wirklichen Phyllits und der Quarzschiefer und durchsetzt diese Gesteine 
m einem romantischen engen Thale, in das noch mehrere kleine Bäche einmünden, 
ID südöstlicher Richtung bis Ernstthal. 


62 


Chemische Charakteristik dieser Wässer. 


Die Quellwässer der grossen Zser, der Milnitz und der Mummel, welche 
dem reinen Urgebirge entspringen, sind ähnlich und für das sie durchsetzende 
Quellengebiet charakteristisch, zusammengesetzt. Bei diesen drei mächtigen Wasser- 
adern des Iser- und des Riesengebirges waltet zunächst die Kiesels&ure vor und 
beträgt fast ein Viertel der übrigen fixen Bestandtheile. Da diese Wässer Hoch- 
moore durchfliessen, sind sie auch reich an Humussäuren und Moorsubstanzen, 
überhaupt an organischen Stoffen, und zeigen grosse Glühverluste und in stürkeren 
Schichten gelbe bis braune Farbentóne. Es sind aber krystallhelle, sehr weiche 
Wässer, mit einem fixen Rückstand von nur 16—20 Millieramm im Liter; mit 
einem Glühverlust von 9—-15 Milligramm und einer Härte von nur 0:92— 0:83 
Graden. Ausser der Kieselsäure bilden Alkalien den Hauptbestandtheil ihrer 
Rückstände, während der Kalk und die Magnesia nur in geringen Mengen anwesend 
sind. Auch führen sie nur geringe Schwefelsäuremengen. 

Die sämmtlichen vereinigten Wasseradern des Hochgebirges, welche unter- 
halb Ernsthal die grosse Iser repräsentiren, sind dort schon, weil sie kleine Zu- 
flüsse aus kalkreicheren Gesteinen erhalten, wesentlich anders, und zwar folgender- 
massen zusammengesetzt: 


Chemische Zusammensetzung der Iser bei Ernstthal. 
Geschöpft bei Ernstthal am 4. September 1892. Die Temperatur der Luft betrug 13:5? ©, die 
Temperatur des Wassers 11:09 C. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


NERO Uu EST EE EES E 
IU ӨМ, ERU IC LUI tg 
Kalk vou ener UE. КГ ТОТА 
ME Viu Je SON Л Кы ООЙ? 
Eisenoxyd und Thonerde . . .  0:00098 
СОНА s, ceu etes DOT 
ISQDIGne duro ee NENG 
tee tte d e ES EE 
DüipsterBEUTO о m am e EE 
ОШО oor m wh Era . 0:00295 

Summa u e 0'04681 
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . .0:00066 

SUMME: EDERT 


Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung : 


BE et unas ius aan ms obo 000486 
NONE o Tr dabat 072004 
NROBITIBOATDOBSS ebe 
Kaltundarbondt. кажу 1 250100909 


ОВ o ani ae RO T 


6: 


Übertrag. . . . 0'01347 
Канатай. 0: DREH ACEL 
EIN о = 2.010528 
Magnesiumcarbonat ...... bes 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000028 
Kieselsäure Mir Ва d ae 
Simma EE: 
Glühverlust biozu i +... о 5001919 
Gesamıntsumme . . . . 006128 
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 
Netron E ORNA ОВ 
Kal. ee ea a 
Kal za 
Magnesia.. . . XN o ANON 
Eisenoxyd und Thoher de EEN 
ооа. 1 E un, EE 
KREE ne ne 
are irn ice Д0 
Salpetersäure SE 1:56 
ODIO Su euer er oo Vm ne 6:39 
ООА a er ЖЕТПЕ 42 
Sauersuoi ab für ОШО eu 1:42 
dumma x ООО 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 1:27 Härtegrade. 


Bei Ernstthal führt die Iser schon fast doppelt soviel Kalk als wie Natron. 

Der Kieselsiüregehalt hat sich um ein Drittel vermindert. 
; Der stark abschüssige weitverzweigte Oberlauf der Iser und ihrer Zuflüsse 
in dem bewaldeten moorreichen Isergebirge bringt es mit sich, dass die Iser nach 
Thauwetter und heftigen Platzregen stark anschwillt und in dieser Region, namen- 
lich bei Loužek gefürchtete Überschwemmungen und beträchtlichen Schaden in 
Feldern und Wiesen anrichtet. 

Bei Sittow wendet sich die Iser südwestlich und tritt aus dem Hochgebirge 
in das an Melaphyr reiche, von permischen Sandsteinen gebildete Mittelgebirge. 
Das Iserthal verliert den Charakter eines Engpasses und beginnt sich zu erweitern. 
Der Fluss verfolgt in zahlreichen scharfen Windungen das sandige Gestein und die 


am rechten und linken Ufer dominirenden Melaphyrgehänge bis Semil und Bi- 
tauchov, wo das Thal wieder enger und seine von Dioryt und Kalk durchsetzten 


Thonschiefe rgehünge steiler werden, so dass sich in der Gegend von Eisenbrod der 
Thalgrund stark verengt und dem mit wilden "Dosen durchrauschenden Fluss ge- 
ringen Spielraum gestattet. Weiter abwärts verflachen sich die Ufer und erheben 
Sich erst bei Dolanek wieder. 


Chemische Zusammensetzung der Iser bei Eisenbrod. 


Geschópft oberhalb Eisenbrod am 6. September 1899. 


In 1000 сс des Wassers sind enthalten Gramme: 


Natron 

Kali 

Kalk 

Magnesia HE vena 

Eisenoxyd und Thonerde 

Schwefelsäure 

Kohlensäure 

Kieselsäure 

Salpetersäure 

Chlor А 
Summa . 

Sauerstoff ab für Chlor 
Summa . 


. 000988 
. 000442 
. 001825 
. 000826 
. (00253 
vU OUS 
. 0702285 
. (00802 
. 0700085 
. 0:00360 


UNO 


. 007612 


Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 


Zusammenstellung : 


Chlornatrium 
Natriumsulfat 
Natriumearbonat 
Kaliumearbonat 
Kaliumnitrat . 
Caleciumearbonat 
Magnesiumearbonat 
Eisenoxyd und Thonerde 
Kieselsäure Ph 
Summa 
Glühverlust a 
(Gesammtsumme . 


. 0:00593 
. 000669 
. 000653 
. 000540 
. 000159 


. 0:03259 


. 000684 
. 000958 
. 0:00802 


. 2007612 


. 001595 
 0:09137 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten CA 


Natron . 
Kali 

Kalk 
Magnesia . SMS 
Eisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsäure 
Kohlensäure 
Kieselsäure , 
Salpetersäure 


Fürtrag . 


13:00 
Do 
2401 
‚ #29 
Кї, 
„ОШ 
29:20 
10:55 
MIA 


DUO 


65 


Übertrag... . 9681 
Chloe. er 
Summa. . . . 10105 
Sauenstoft ab für Оо wes 100 


Somme se ONU 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:28 Härtegrade. 


1] Oberhalb Turnau durchbricht die Iser das Melaphyr- und krystallinische 
Glimmerschiefergebirge und schafft sich durch den schmalen, kantigen cenomanen 
Sandsteinrücken von Friedstein und Lab einen engen Durchgang. Die in das Thal 
herabgehenden Felsen sind in zahlreiche mauerartige Blöcke zerklüftet und stürzen 
bei Lab steil zur Iser herab. Durch eine enge Spalte windet sich nun die Iser 
Zwischen 200 m hohen Sandsteinfelsen bis Turnau, wo sich das Thal erweitert. 
In dieser Gegend zeigt die Iser folgende chemische Zusammensetzung: 


Die Iser bei Preper nächst Turnau. 
Geschöpft am 4. September 1892. Die Temperatur der Luft betrug 17:09 О, die Temperatur 


des Wassers 14:09 C. 


In 1000 сє des Wassers sind enthalten Gramme: 


Natron ne Vin ann. ОООО 
Kalle a a ae A a 
Kalk P LEE CEV erg 
Magnesia . . HON Cam Y00489 
Eisenoxyd und Tüsierfe RENE m 75 
Schwefelsäure . . . . Qs ov e LO ONES 9. 
КОҢ ӨЛЕШ бын 1. cis mca o SCATTER. 
Kieselsitites v vto Aa ua оне ОАО 
Salpetersäure. „тоа > WUNDER 
laten eru s ub i oU DOE 

о ОООО 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000082 


Summa ar .en ООО 


7 Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
isammenstellung : 


Natriunmehlotid x. oco мды eiit nO ODE 
Natriumsulfat . . AC RI EU QU (SP) 
Kaas E 
(eat u ua TONO SS 
Rieger c7 775 vs ЧИМЕ 


Jaleiumearbonat . . . . . . . . 004196 
Magnesiumcarbonat . 000922 


Eisenoxyd u. Thonerde "e e RR NND, 
Fürtrag. . . . . (01044 


5 


66 
Übertrag . . . . . 001044 
зуу. @10@ 


Kieselsäure GEN 
Summa. . . .0'07495 


Glühverlust hiezu „2. А ООВ) 
Gesammtsumme . . . 008805 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,: 


ТМА el EE EA RE 
E am EG GEM 
Ie ale esa s M pU TBI Od 
Magnesia . . Mte LH 5:86 
Eisenoxyd und Thonerde .' | . | ; 2:8; 
БШКДАН 120 EE QUID 
KOMIE rO NA mur WE 
ГООО 3 EECH 
БЕО EE 
(OIOV ЛД А MO dU EE 
Sana. ТОРО" 
Sanerstoit.ab-tur ОШО amd 


Samimir in aey 000 
Die Härte des Wassers betrug 9:96 Härtegrade. 


Unterhalb Turnau treten die Abhänge zurück, werden niedriger und um- 
spannen ein weites, mit fruchtbaren Alluvial- und Diluvialgebilden erfülltes Thal, 
durch welches die Iser ihren weiteren Lauf nimmt. Die Erhöhungen des Bodens 
und die zahlreichen Felsenschluchten, welche das über Münchenerätz reichende 
Flussgebiet in weiten Bogenlinien begrenzen, werden von zahlreichen Wasseradern 
durchströmt, welche sämmtlich zum Gebiet der Iser gehören. Zahlreiche Teiche 
liegen in der wasserreichen Ebene. 

Die Iser durchstrómt die Hochebene, welche sich allmählig mit sanft wellen- 
förmiger Oberfläche nach Süden gegen das Elbthal abdacht. Die Gehänge des Iser- 
thales sind steil, zum Theil felsig, die kalkigen und sandigen Ablagerungen der 
- Kreideformation beherrschen die ganze Gegend und bilden hier den Untergrund 
und die Felsarten, die in den Thaldurchrissen in ihren eigenthümlichen, schroffen, 
zerrissenen Formen anstehen. 

Oberhalb Jungbunzlau hat die Iser folgende chemische Zusammensetzung: 


Die Iser bei Jungbunzlau. 


Geschöpft am 4. Sept. 1892. 


In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme: 


ЖШН EE EEGEN DUM 
Ier E USD 
Kalk | verte coeno КЛОН БАГИ ШОШ 
Magnesia. . . . nt, KO DIE 


КШ ЕН rn ORZ 


heben, 


Übertrag. . . . 008215 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0700098 
E eeben e 2068 n decr UD 
Kohlensäure . . . ueritate 20100008 
Kaeselsturea;, vou ИТО е 
Salpetersäure . . . .. 4.22000 194 
ОШОН vetus, E 

Summa ss . 0110283 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000111 
Sinn. Sen ОТО Та, 


; Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung d 


Natpiünchlonid 20.» het ж ELTE 
Natriumsultate w-P0 992 EE 
Tea tm Оа TUN 
Kalümnitrat . . 2000000 how 6000004 


Kalımeanbonab.. а ОООО 
Caleiumcarbonat due e Nurs lk 
Magnesiumcarbonat . . . . . . .0:01459 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000098 
КБО ао E ШШ 
Bumgg . . . 010110 

Gltihyerlust. hiezu . ak qu ОООО 
Gesammtsumme . . . . 018160 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten: 


NAD LONG EE LO MN "as ur dade ropas 
К А АРНА 
Kalk 36:89 
Magnesia: il 595 X у oto c PM 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . UD 


5:28 


34:08 


Schwefelsäure 
Kohlensäure 


Kıeselsäure 404 о a. кл мы MEE) 
Salpetersäure... . . s. a dro Rare eU 
Chlor. ao 
Summa . ... + 100:68 
Sauerstoff ab für Chlor . . PU NT ROS 
Summus NG > a 10000 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 6'91 Härtegrade. 


IS vis i enit wer EE und iugi da neen mm we y 3 
_ “ш sich stets mehr erbreitenden Thale, dessen Oberfläche meistens aus ebenem 
aufgeschwemmten Land besteht, aus welchem sich nur unbedeutende Hügel empor- 
Östlich von der Iser verlieren sich die Isersandsteine bald, indem sie Di- 


0" 


68 


luvialschotterablagerungen und verschiedenen Mergeln Platz machen. Etwas hóher 
gelegen ist der westliche Theil dieses Isergebietes, der sich am rechten Ufer der 
Iser hinzieht und aus Plünerkalk und Sand zusammengesetzt ist. Von Benatek bis 
Starkov dehnt sich eine mit mächtigen Sand- und Schottermassen bedeckte weite 
Ebene, welche die Iser südwestlich durchfliesst und durch fruchtbare Alluvionen 
bis Tau$im gelangt, wo sie sich mit der Elbe vereinigt. Kurz vor ihrer Vereinigung 
mit dem Hauptfluss hat die Iser folgende chemische Zusammensetzung: 


Die Iser bei Tausim. 


Geschöpft am 5. September 1892. 


In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme: 


А ORC eee Cea d ue QNO Db 
Ten tis ae une dd 
Tenor A Iv о LO TERN 
Magnesia iUis Wine qe о TOND IT O 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000116 
Schwetelsaure Cu Quee Bed 91010001 


Kohlensäure . . v Кий. COMES 
Kieselskure. о nod Lor ox 0p 


Balpetersauter ov eel o id. 0:00120 
СТОИ E eui ier, Ed 


Summa. . . . (018469 
Sauerstoff ab für Chlor =. . . . .0:00124 
Summa. . . . . 018345 
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Destandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung : 


État Dee hp s v UNUS 
Norias ia a a 000 
КИШИ ШШЕН er. E ee HUE | 


jaleiumsulfat . . vui th s C MEMO PET 
б uh Kent dene eno ОЛДО 


JACET ее ОООО 
Magnesiumcarbonat . . . . . . . 001587 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 600116 
Тезе v eh QI M NL. voc UU 
SUMMER К our o DL AO 
Glübverlust.hie20. ve 3 002140 
Gesammtsumme . . . 020485 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,: 


ИШҮ А а EE Eh? 
HI Ve rk Сиб» ui Ogre ande 
КАШЫН “ДӨ c. Dude 5d 
Масава |, Н lee 


Fürtrag. . . . 5094 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 


Übertrag 
Eisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsáure 
Kohlensäure . 
Kieselsäure 
Salpetersäure 
Chlor REN 
Summa . 
Chlor 
Summa . 


Sauerstoff ab für 


100`67 


100:00 


50:94 
0:63 
5:46 

. 95:00 
4:96 
0:68 
3:00 


0:67 


8:28 Härtegrade. 


eo 


al D ч 4 : 
Chemische Zusammensetzung der Iser an verschiedenen Punkten ihres 
Laufes vom Isergebirge bis Tausim. 


UE 


Iser- 


1 || 
Bestandthe:le | quelle 


— 


| 
| 


Ernst- | Eisen 


thal | 


brod 


| Turnau 


Bunzlau 


Tausim 


6:56 
8:43 
36:89 
4:30 
0:60 
5'28 


3498 


4:40 
1:20 
8/04 


6:91 


| 1628 


20:5 
183°3 


12 


10:58 
576 
59:46 
6:95 
0:98 
1d 39853 
56:58 
{ 
1:94 


4:99 
| 


Beton: ceu eg vgl SA „8:681: 05:000804 
Ee 90е eee 
BU "Zi e or as (gae WEEN 
Magnesia . . . .| 861 395 | 499) 586 
Eise »noxyd und Thonerde ў oil 061 | 3'89 9:88 
Schwefelsiure | 5672| 4858| 500| 644 
Kohlensäure i Eer | 15:42 | 25:28 | 29:20 3143 
Kieselsiure . . ... | 28:05 | 19:39 | 1055 | 602 
Salpetersäure 1:06 1:56 | 1:19 1:9 
Ce | 1095 | 639 | 4T74| 484 
Auf einen Liter Wasser (1000 ce) entfallen : 

Härtegrade 096 | 197 | 228 | 296 

Mineralrückstand mgn EE TOO WT | 1041 750 
lühverlust mgm . MNT 15:1 15:2 то 
xesammtrückstand mgm . | 25:4 61:2 91:8 KEN) 
Auf 100 Mineralstoffe kom- | 

men organische Stoffe . | 59 38 20 d 

Iu einem Liter sind enthalten Mgms : 
Bion е. розата ЕШ o0 
BU. ус ore ume en DEP OE 
Kalk "| 181 | 1094| 1825 | 28:50 
Magnesia ; || DNR, 1 IB |. DD |. $89 
Bisenoxyd u. Thonerde . | 0:921 Q'98 1 2:03 ID 
Schwefelsäure | 0:92 Dil) ln 4'82 
Kohlensäure | 248 | 11765 | 99:35 | 28:57 
\leselsäure EA? || 451 8:95 | 802 451 
Salpetersäure . . . ..| oi 072, 085) 098 
Chlor i .| ve 295) 860 862. 
| | 
| 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Gewichtstheile : 


5:00 
29:42 
89:40 
412 
0:63 
D:46 
3500 
4:96 
0:68 
8:00 


|. 828 
| 1834 
| 914 
| 2048 


|. 12 


9:14 
444 
12:29 
1:56 
116 
10:01 
64:23 
9:09 
1:26 
5:51 


70 


Aus vorstehender Zusammenstellung der Salzrückstände des Iserflusses von 
verschiedenen Theilstrecken seines Laufes geht hervor, dass das ursprünglich sehr 
weiche, an organischen Stoffen reiche Wasser der Quellen des Iserflusses auf seinem 
Wege zur Elbe durch die zahlreichen Zuflüsse aus dem dieselben umgebenden und 
sie durchsetzenden Kreideterrain an alkalischen Erden derartig bereichert wird, 
dass seine Härte im zunehmenden Verhältnis von 0:3 Härtegraden auf 8 Grade steigt. 
Gleichzeitig vermehrt sich in 100 Gewichtstheilen des fixen Rückstandes der 
Kalkgehalt des Wassers von 11 auf 39, also fast auf das Vierfache, während 
die Magnesia nicht zunimmt, sondern fast stets 4°/, ausmacht, die Schwefelsäure 
zwischen 5—6"/, schwankt, das Kali von 6'6 auf 2:4"/,, das Natron von 18:5 auf 
5°/, fällt. Der anfänglich sehr hohe Kieselsäuregehalt vermindert sich von 28° 
nahe am Ursprunge der Quelle, bis 5°/, vor der Einmündung in den Hauptfluss, 
das Chlor von 11 auf 3"/, und zwar fällt der Chlorgehalt nicht successive, sondern 
gleich bei Ernstthal schon auf 6?/, der gesammten Mineralstoffmenge herab. 


Die Quantität der organischen Substanzen vermindert sich von 59%, auf 
12°/, nach und nach; der Gesammtrückstand eines Liters Wassers steigt aber von 
25'4 bis auf 204:8 mgm. 

Die absolute Menge der organischen Stoffe im Wasser des Flusses nimmt 
mit dessen Grösse zu, die relative Menge dagegen ab. 

Was die absoluten Mengen einzelner Mineralstoffe des Wassers betrifft, so 
führt die Iser schon 3 Milligramm Natron bei den Iserhäusern, fast 6 Milligramm 
bei Ernstthal, 9 bei Eisenbrod. Von da an wächst die Natronmenge nicht mehr, 
sondern erhält sich mit geringen Schwankungen bis zu ihrer Einmündung in die 
Elbe auf gleicher Höhe. 

Die Iser ist in ihrem Oberlaufe schon bei Ernstthal kalkreich, sie wird es 
natürlich noch bedeutend mehr in dem Masse als ihr zahlreiche Zuflüsse aus dem 
Kreidegebirge zugehen. Am Ursprunge kaum 2 Milligramm Kalk enthaltend, wächst 
derselbe in den angeführten Orten auf 10, 18, 23, 59, 72 mgm pr. Liter. Die 
grössten Kalkmengen werden der Iser zwischen Turnau und Jungbunzlau zugeführt, 
wo ihr auch thatsächlich die wasserreichsten Bäche aus der Kreideformation 
zufliessen. 

Der absolute Gehalt an Magnesia steigt von 0'5 mgm auf fast 2 mgm bei 
Ernstthal, auf 3, 4, 7, 7', mgm in den übrigen Theilstrecken, erhöht sich also 
wieder zwischen Turnau und Jungbunzlau am meisten. 

Das Kali steigt von 1 auf 2, 4, 2, 5, 4 und zeigt Zu- und Abnahme; 
grosse Unregelmässigkeit, im Allgemeinen eine Zunahme. 

Die Schwefelsäure wächst in dem Verhältnis von 1 zu 2, 4, 5, 8 und 
10 mgm per Liter, während die geringen anfänglichen Salpetersäurequantitäten 
des Wassers bei Eisenbrod ihr Maximum erreichen und sich bis zur Einmündung 
in die Elbe ziemlich gleich bleiben. 

Das Chlor zeigt eine stetige Zunahme. Anfangs beträgt es im Liter 02, 
dann 0'9, dann 8:6, 3:6, 4:5, zuletzt 55 Milligramm. | 

Die Kieselsäure erhält sich in ziemlich constanter Menge von Ernstthal bis 
Tausfm in der dnrchschnittlichen Höhe von 8 mgm per Liter. 


11 


Betrachten wir weiter die Zuflüsse der Iser aus den jüngeren Formationen, 
80 tritt uns eine namhafte Zahl derselben entgegen, deren Zusammensetzung das 


Ursprungsgestein nicht verlàugnet. 


Zuflüsse der Iser aus der rothen Sandsteinformation. 
Die Woleika mit ihren Zuflüssen, der Popelka, der Tample u. Rokitka. 


Die Woleska entspringt unweit des Dorfes Rovnatov zwischen Melaphyr- 
bergen in rothen Sandsteinschichten. Im Quellengebiet dieses, nach Regengüssen 
Stark anschwellenden und sich fürbenden Baches herrschen braunrothe Schieferthone 
der oberen und Arkose der mittleren Dyasformation. Die Woleska durchbricht bei 
Studenetz den Melaphyr, fliesst südlich in einem an Löslagern reichen Thale bis 
Lewin Oels, wendet sich dann westlich gegen Zdiretz, wo am Fusse des Lewin- 
berges die Wasserprobe des Baches genommen wurde, läuft südlich bis Alt-Paka, 
0 sie den kleinen Zufluss, die Rokitka empfängt und hierauf bis Oustí, wo sie 
die am Berge Reditz entspringende Popelka aufnimmt. 

Das Quellengebiet der Popelka gehört ebenfalls der rothen Sandsteinfor- 
mation, Die Höhenpunkte werden aus Mandelstein gebildet, welcher sich hier be- 
Sonders mächtig aus dem Sandsteine hervorhebt und sehr mannigfaltige Gesteins- 
arten zeigt. Bei Lomnitz läuft der Bach von Nordost nach Südwest, von da östlich 
bis zu seiner Einmündung in die Woleska, dureh ein aus Arkose gebildetes, hie 
und da mit Löss bedecktes Thal, das sich bei der Brodkamühle, wo die unter- 
Suchte Wasserprobe geschöpft wurde, plötzlich nördlich wendet, bald darauf wieder 
östlich gegen Oustí öffnet und diesem Bache den Zufluss in die Woleska erleichtert. 

Die Woleska empfängt südlich von Bela noch den Templebach, der in einem 
Ten Lössablagerungen erfüllten nordöstlich streichenden Thale aus den mittleren 
Schichten der Dyasformation hervorbricht, aus diesen auch ein kleines Bächlein 
erhält und dann den Ort Tample durchsetzt. Mit all’ diesen Zuflüssen durchzieht 
die Woleska, sich nordwestlich wendend, in scharfen Windungen die Arkose bei 
dei, den untern rothen Dyassandstein bei Blazivka und fällt bei Semil in 

€ Iser, 


d Chemische Zusammensetzung der Woleska. 
‘eschöpft westlich vom Lewinberge oberhalb Alt-Paka, am 10. September 1892. Die Temperatur 
der Luft betrug 13:2 О, die Temperatur des Wassers 11:5? С. 
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme : 


Ne E е . 001908 
. 0:00340 


ICRI me зыл к ee 
Kake уН e LC ШОО 
Magnesia ^. vc Ua . 0701296 
Eisenoxyd und Thonerde 0:00104 


(Фр c. 0 Кеш 00.088 


Die 
Zusammenstellung : 


muthmassliche 


Übertrag . 
Schwefelsäure 
Kohlensäure 
Kieselsäure 
Salpetersäure 


Chlor . ЕЕ 
Summa 
Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa 


indung der gefundenen 


Natriumchlorid . 
Natriumsulfat 
Natriumcarbonat 
Caleiumearbonat 
Magnesiumcarbonat . 
Eisenoxyd und Thonerde 
Kieselsäure 
Kaliumcarbonat 
Salpetersäure N 
Summa . 
Glühverlust hiezu . | 
(xesammtsumme . 


. 007848 
. 0:00248 
. 005851 
. 002162 
. 000960 
. 000475 


. 016850 


. 000108 


. 0167492 


Destandtheile gibt folgende 


. 000785 
. 000440 
SMIT 
. 0:08759 
. 002121 
. 000104. 
. 002162 
. 000498 
. 000260 


. 0161742 
. 2.0:02050 
Отар 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 


Die Gesammthürte des Wassers betrug 


ЖЕШСП DA EE 

Kali 

Kalk 

EAR vae rie. HC М» 

Eisenoxyd und Thonerde 

Schwefelsäure 

Kohlensäure . 

Kieselsäure 

Salpetersäure 

Chlor . SA I M 
Summa . 


Ла 
2'08 
„29:82 
775 
0:62 
1:48 
. 94:95 
‚2:92 
1:55 
2:84. 


100:65 


Sauerstoff ab für Chlor 0:65 
Summa . 100:00 


672 Hürtegrade. 


EE 


18 


Chemisehe Zusammensetzung der Popelka. 


Geschöpft bei Ousti, nördlich von der Brodkamühle am 9. September 1892. Die Temperatur der 
Luft betrug 17:0" C, die Temperatur des Wassers 13:0? C. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme: 


Natron 

Kali 

Kalk 

Масе v e e IN 

Eisenoxyd und Thonerde 

Schwefelsäure 

Kohlensäure . 

Kieselsäure 

Salpetersäure 

Chlor . D A 

Summa . 

Sauerstoff ab für Chlor 
Summa . 


Die muthmassliche Bindung der gefundenen 


Zusammenstellung : 


Natriumchlorid . 
Natriumsulfat 
Kaliumsulfat . 
Kaliumcarbonat 
Caleiumcarbonat 
Magnesiumcarbonat . 
Eisenoxyd und Thonerde 
DESEN 
Salpetersäure M Y 
Summa . 
Glühverlust hiezu $ 
Gesammtsumme . 


. 0:00345 
. 0:00435 
. 003640 
. 001548 
. 0:00105 
. 00081 
. 0704146 
. 001950 
. 0:00040 
. 000656 


. . 0:13632 


. 000148 


. . 013484 


Bestandtheile gibt folgende 


. 001081 
. 0700623 
. 000057 
. 000578 
. 0:06500 
. 00839250 
. 000105 
. 001250 
. 000040 


. 0713484 


. 001560 


. 015044 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten ^/,: 


Natron . 

Kali . 

Kalk . 
МЕ Ө НҮ ое 
Eisenoxyd und Thonerde . 
Schwefelsäure . 


Kohlensáure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure . ‚ 
Fürtrag . 


. 621 
20-10 
20:98 
. 11:48 
Een Ое, 
. 280 
95:20 
Ge Ri 
. 0:80 


96:20 


Übertrag... к ^. ..96:28 

loas i d UV ope AE x nd sud 
Summa. . . .10l0 

ае ab fr CHOP. E EE, 


summa 53 E AER, 


Die Gesammthürte des Wassers betrug 5'81 Härtegrade. 


Chemische Zusammensetzung der Tample. 

Geschópft den 8. September 1892 am nórdlichen Abhange des Jivaberges oberhalb Béla, wo der 
Bach in die Woleska fällt. Die Temperatur der Luft betrug 149° C, die Temperatur de3 
Wassers 120° C. 

In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 
Na monec cow oem o Rp DAD 


abeng We ШШШ 
Б RUE ale 
Magnesia `` eg al ADD ie ROM 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000095 
Schwefelsäure BER MAER 


Kohlensäure A EAR 

(e EE Dale) 

Kelte gebeten oH qo OZQU 

(ЕШ Ж Ыы UV o e кулк LO DE 
Summa . . . . 023348. 

Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000148 

МИА V. v tano t ДОДО) 

Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung : 

Natramichlontdr yes ООВ 

ot d А NEE lr 
СОТТОО ve, ОООО 

OX mmo bona ОТВ 

. Magnesiumearbonat . . . . . . . 002910 

Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0:00095 
EUREN 

ӨШ Ө БЕШ Ө ^ ove EECH, 

Summa 4960/20200 

Gltchverlust-hiezu s.s v < e s: + 006405 
Gesammtsumme . . . . 0'26605 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,: 
NEON И о 
KA К somit Ded een EE а UA 
d Be dob I Ton buo TDI 


FUTURE iee da ote д] 


REESEN 


і 
© 


Übertrags ou" А! О © 

Magnesia . AIO GM A DR SENT A 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . .042 
Schwerelsäure и ОИ ОНИЕ 
КЕШ АӨ . ov ш и е CHE 
ЗОТИ о EE 
Баево" . ОЕ и E 
CODE, REN Re Ао БЮ 

Summa. . . . 100'64 
бег О ab für ODore Оох 

Summan. о ..100:00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:25 Härtegrade. 


Das härteste Wasser führt der Woleska die Tample zu, mit 266 Milligramm 
Gesammtrückstand. Weicher ist das Wasser der Popelka. Die Untersuchung der 
Rokitka ist missglückt. Man ersieht aber aus der endlichen Zusammensetzung der 
Woleska, dass die drei Zuflüsse in der mineralischen Zusammensetzung ihrer Rück- 
Stände eine grosse Ähnlichkeit zeigen müssen. Es sind kalk- und magnesiareiche Bäche. 


Die Zuflüsse aus dem Friedländer Hochgebirge. 


Die Kamnitz entspringt im Hochgebirge von Friedland im Granititgestein 
Zwischen dem 1084 m hohen Schwarzenberg und dem 843 m hohen Buchschacht, 
Wo ihre in Torfmooren weitverzweigten Quellen aus sumpfigen, auf verwittertem 
Granitit ruhenden Lagern hervorquellen. 

Gleicher Abstammung ist das Tannwasser, welches die Kamnitzquellen unter- 
halb Josefsthal verstärkt. 
| Aus den sumpfigen Moorniederungen zwischen Granititbergen bezieht auch 
lie weisse und schwarze Desse östlich und westlich von dem 1120 m hohen Sieg- 
Nübel ihre wasserreichen Quellen, die von Nord nach Süd durch Granitit bis 
Tiefenbach laufen, wo sie sich vereinigen und durch ein enges und felsiges Thal 
| Südöstlich bis Tannwald fliessen. 
| | Die Kamnitz eilt südlich durch Antoniwald und Albrechtsdorf, nimmt auf 

lesem Wege einige kleine, aus Granit und Granitit quellende Gebirgsbäche auf, 

rimt mit starkem Gefälle durch die südlichen Ausläufer des Isergebirges, durch 
die industriereichen Orte Morchenstern und Tannwald und vereinigt sich im letzt- 
| Senannten Orte mit der Desse. 


| Als stattliches Flüsschen passirt die Kamnitz dann von Nord nach Süd ein | 
ehges vielfach gewundenes, felsiges Gebirgsthal in der Region des talgartigen | 
honschiefers. 


Aus Phyllit fliesst der Kamnitz der an den Abhängen des granitischen 
y  Warzbrunnberges entspringende Welleschnitzer Bach zu und der Iser bei Eisen- 
| "Od der, gleichfalls im Granit entstehende, seine meisten Zuflüsse aber aus Phyllit 


16 


beziehende und dieses Gestein durch eine felsige, enge Thalschlucht durchsetzende 
Zernovnie mit dem parallel laufend, die Kamnitz den dioritreichen Phyllit in einem 
schónen wildromantischen, von Nord nach Süd ziehenden Thale bis Spalov durch- 
setzt, wo sie sich in die Iser ergiesst. 


Chemische Zusammensetzung des Kamnitzbaches 


Geschöpft am 13. September 1892 bei Spalov oberhalb Eisenbrod. 


ln 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme : | 

NOUO SN E EE 
Kol Ih a (re у у, {00198 
IGI NOTANT WE ER NE e HO TOS 
Magnesia vta h клк лл ы ШШ Оё 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000094 
EEN CHE 
le le Ee Ee REH 
Kieselsalia KEE ООЯТЬ 
WANDBLOLBAUNG , 3 u 000080 
ME e  0'00285 

Summa... . ,(05]88 
Sauerstoff ab für Chlor . . . ‚ 0:00064. 

Summa . . . 30:05069 


Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung : 


Ghlomattium. о NLA | 
Мабила а: Aar ейн x, radi 3000864 
ue Cie ERD, 
Caleiumcarbonat ni оО LOOSS 
Magnesiumcarbonat . . . . . . .0:00416 


Eisenoxyd und Thonerde . . . . 0:00094 
T1688 aert JU У 150100015 | 


Belpetersinte .. Qo eov s. „000080 { 
Summa . . . . . (05069 


Glühverlust ШӨ, "u. 21010 200900510 
Gesammtsumma . . . . . (Y 0559 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: | 


Майсор lan: иш zen оов | 

БЕШ ge, m ER. вш s, so OD 

ШШШ ТУ rod) eun. E EE ETE 

МЕ ӨӨ Ah cop ләй deg fr dea 

Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 185 | 
Fürtrag . . . . . 4445 


Übertrag. 2 04445 
Schwetelsture . decus sos! certe e ШӘ 
Konlenadura is ac vocet edente ОДОВ 
ТЕВНО is Mind wen 18:00 
Salpetersäure . . . 03 5 mg тшт ОВ 
(КИШ vau О us 002 


Summa uou ШОЮ 
Salerston. ab. dub ОШО t. i o S d 20 
UIS te ООО) 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 1:70 Härtegrade. 


Der Zernovnik entspringt im Granit des Schwarzbrunnberges aus melreren 
Quellen, die bei Schumburg und Laban hervorbrechen, sich zur Wasserader des 
Zernovnfk vereinigen, und fliesst als munterer Gebirgsbach von Nord nach Süd 
dureh die Thonschiefer von Zasada, später durch das Gebiet des Dachschiefers in 
einem vielgewundenen Thale nach Eisenbrod, wo er in die Iser fällt. 


Chemische Zusammensetzung des Zernovnikbaches. 
У М i М ‘m ^ ал Тт 
Geschópft nördlich von Eisenbrod. Die Temperatur der Luft betrug 13:9? C, die Temperatur des 
Wassers 12'89 C. 


Natron dose Sod ЕТО Оа И 
TOR. ENEE 
Kalk и nuuc OUS К 2000902 
Magnesia . 5. 7 PONES HORNO) 
Eisenoxyd und Thonerde ECHO E 


SE EEGENEN 
КОШФ@ Ое C Peces M E T 


КТБ о ОШОО 
Balpetersüute о и EHM 
ОШ Ve Ce E SEET 

Summa . . . . . 004164 
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 0:00089 


Summa vv 2 MSOOITD 


Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende 
Zusammenstellung : 


Обл os 04 С 000001 
Natrrutusulfatu 9M. ou MER AE CHE 
Katumsulfatewow x oe QU 
Yaleiumsaltatieses V vs HORTUS 20:001 00 
отоо сароби a. e ana) o 0001541 
Magnesiumcarbonat . a EK 
Eisenoxyd und Thoneide exo DOLO 


Fürtrag. . . . 008840 


78 


Übertrag . 
Kieselsäure 
Salpetersäure SC 
Summa . 
Glühverlust hiezu . 


Gesammtsumme . 


WË Uu S i dud y 10:53 
Kali . 3:07 
Kalk 28:36 
МЕШ lc 5:04 
Eisenoxyd und Thonerde . 0'47 
Schwefelsäure . 178 
Kohlensäure 28:48 
Kieselsäure . 14:13 
Salpetersäure 373 
Chlor iE neta . 969 

Summa „10218 
Sauerstoff ab für Chlor . bet M ТӨ 

Summa 100:00 


. 003347 
. 000576 
. . 0900159 
‚ 004075 
. . 001940 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten gn 


Die Gesammthürte des Wassers betrug 1:99 Härtegrade. 

Der Zbitzerbach, welcher am linken Ufer der Iser unterhalb Eisenbrod zu- 
fliesst, ist ein kleiner Bach, dessen Quellen aus Quadersandstein, Melaphyr und 
Phyllit sickern und der ein kalkreiches Terrain (den Phyllit durchsetzt hier reichlich 
kórniger Kalkstein) durchläuft. 


Chemische Zusammensetzung des Zbitzerbaches. 
Geschöpft kurz vor seiner Einmündung in die Iser südlich von Eisenbrod. Die Temperatur der 


Chlornatrium 
Natriumsulfat 
Kaliumsulfat 
Caleiumsulfat 
Caleiumnitrat 
‚aleiumearbonat . 
Magnesiumcarbonat 


Luft betrug 13:9" C, die Temper 


ratur des Wassers 115° C. 


In 1000 се des Wassers sind enthalten Grammes: 


. 000435 
. 0:00973 
. 0700288 
. 0700043 
. 000293 
. 014079 
. (01776 


Eisen, Mangan und Thonerde 0:00140 


Kieselsäure 


Glühverlust hiezu 
(Gesammtrückstand 


032001095 
. 019046 
ОООО 
. 019186 


Summa . 


Natron . 

Kali 

Kalk . 

Magnesia ns 
Майа с, Дн арад 
Eisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 
Kieselsäure . 
Salpetersäure 

Chlor 


Summa . 
Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa . 


‚ 000655 
‚000158 
‚ 008002 
‚ 000846 
‚ 0:00085 
‚ 000055 
‚ 0:00703 
‚0:07124 
‚ 0:01025 
0:00198 
‚ 0:00264 
- 0:19105 
. . 0:00059 
019046 


-1 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten */, 


Natron . E toca at rA 
ICE Pi adii o E EE ША 
КАШ a ns А тш а И a A20 
Magnesia . они ДЕ 
Маеш END) 
Eisenoxyd und TE E E 
Schwefeisture инен жеш «9.90109 
Let е EN 
E nee elek 0e 
SEI GER DEE 
Chlor pO er аа TU 

Soma s, opo es NOS 
ОЕЕО ab far Chior. Оо 


SUA ee . 100:00 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9'18 Hürtegrade. 


Zuflüsse aus dem Kreidesandsteingebirge. 


Die Sandsteinablagerungen östlich vom Mittelgebirge bilden bekauntlich in 

der ausgedehnten Erstreckung von Jungbunzlau über Turnau bis zur Elbe bei 
Königinhof eine Hochfläche, die bei Melnik und Altbunzlau beginnend, als einför- 
mige, von flachen Hügeln unterbrochene Hochfläche allmählig gegen Norden an- 
steigt und von felsigen Thàülehen und Schluchten durchfurcht ist. Nördlich von 
сааны werden diese Thäler tiefer und zahlreicher, während sich auch das 
Plateau höher erhebt und bei Böhm. Aicha und Sichrov den Charakter eines kup- 
pirten Berglandes annimmt. 
Überall trifft man die charakteristischen orographischen Merkzeichen der 
tiefen Thäler mit ebenem Thalgrunde und steilen, oft vertikalen Thalwänden, die 
an der Sohle kein Schuttwall zu begleiten pflegt und oben flache, in steilen Wünden 
oft terassenförmig aufsteigende Höhenzüge. 

Die Verwerfungsspalten und Klüfte von nahezu südnördlichem Streichen mit 
Schwacher Ablenkung gegen Osten sind am deutlichsten in der Teufelsmauer bei 
Böhm. Aicha ausgeprägt. Viele Thäler folgen diesen Dislocationslinien. Gelblicher, 
Stobkürniger, durch Kalkconcretionen und sandigkalkige Lagen ausgezeichneter 
Sandstein. Wechseln in dieser Gegend mit Lagern eines sandigthonigen Mergels der 
Petrefactenreichen Iserstufe, in deren Bereich ziemlich starke Quellen auftreten, 
während im vorherrschenden Sandstein dieses Plateau’s namentlich im Hochsommer 
eine grosse Quellenarmut herrscht. 

Den Senkungslinien entsprechend, fliessen von Nord nach Süd mehrere 
Bi äche, von denen der Mohelkabach der bedeutendste ist. 

Typisch treten in diesem Gebiet die von Frič noch dem Senon hinzugerech- 
neten, von der geologischen Reichsanstalt der Turonstufe beigezählten Iserschichten 


80 


des bóhmischen Sandsteingebirges in der mächtigsten Entwicklung auf und zwar 
von Turnau bis Neu-Benatek entlang des Iserflusses, nordwürts bei und über 
Mscheno, Weisswasser, Dauba und Auscha bis Bóhm. Leipa zum Mittelgebirge 
reichend. Gegen Norden beherrscht der hohe Kamm der basaltischen Teufelsmauer, 
der Rollberg und mehrere andere Basaltkegel, gegen Süden das phonolithische Bó- 
sigpaar, das beschriebene Terrain. 


Der Dolanekbach. 


Der Dolanek entspringt im Mittelquader und Pläner südlich von Zabolky 
und berührt in seinem südlich gerichteten Laufe nur die genannten Gesteinsschichten, 
aus welchen ihm noch einige unscheinbare Zuflüsse, namentlich bei Slappa an 
Wasser bereichern. Er mündet nach kurzem Laufe bei Dolanek in die Iser. 


Chemische Zusammensetzung des Dolanekbaches. 
Geschöpft bei Turnau vor seiner Einmündung in die Iser. Die Temperatur der Luft betrug 
18:50 C, die Temperatur des Wassers 19° С, 


In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme: 


. 000668 Natron i 

. 0 00075 а E 

. 000885 ка 

. 000781 Ne uerg a RUN 
. 015714 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00023 
. 000434 Schwefelsäure . : ‚ 0:00626 
. 000023 Коренот 101 D. COUTE 


Chlornatrium . . 
Natriumsulfat 
Kaliumsulfat 
Caleiumsulfat . ; 
Caleiumearbonat . 
Magnesiumcarbonat 
Eisenoxyd und Thonerde 


000887 
. 000181 
. 009101 
. 000201 


Kieselsäure . 002469 Kieselsäure . 0709462 
Salpetersäure 0:00377 Salpetersäure А . 0:00877 

Summa . . 020819 ӨӨ dir READER, ‚ 000405 
Glühverlust hiezu . . 009068 Summa . . 10:20910 


‚ 0:00091 


. 022887 


Gesammtrückstand . Sauerstoff ab für Chlor . 


Summa . 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Seel 


МАТОШ о EE KT 
dE ds . 0:87 
Kalk UM Й ; 48:11 
Magnesia . ; . 0:09 
Eisenoxyd und Thor uud 
Schwefelsáure . vise sol 
Kohlensäure din Ше 


Kieselsäure . . . 


Salpetersäure . 


Fürtrag . 


BENT ISP O^] 
Vici 1:81 
98:49 


oo 
m 


Übertrag TEU, 9849 

ERR а rc TM a a 
Summa. . . . 10044 

Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . . 044 
Summan. OO 10000 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:38 Härtegrade. 


Die Mohelka. 


Das Mohelkathal verläuft fast nur in dem Iserquader und Pläner der böh- 
mischen Kreideformation und bildet die tiefste Furche in der hóheren Terrasse der 
zwischen Reichenau und Münchengrätz liegenden, vielfach durchschnittenen und 
bewaldeten Sandflüche. Im oberen Theile gehórt das Thal den Phyllitgebirgen des 
Jeschken, in seinem mittleren und unteren Laufe dem Isersandsteinplateau an. Bei 
Kukau vereinigt der Mohelkabach beinahe sämmtliche an der Südseite der bewal- 
deten Jeschkenausläufer entspringende Waldwässer. Die kleinen Quellen der Mo- 
helk: entspringen im Granit des Kaisersteines und im Phyllit von Jersemanitz, 
durchbrechen bei Lessen den Melaphyr, Dyassandstein und Porphyr und waschen 
sich durch den cenomanen Sandsteinfelsen oberhalb Liebenau ein schmales Rinnsal aus, 

Im Oberlaufe ein Gebirgsthal, in das die waldigen Gelände steil abfallen, 
Vom rauschenden Gebirgsbache durchsetzt, erweitert sich der Thalgrund gegen 
Liebenau beckenfórmig und mündet in das Sandsteingebirge, das die Mohelka zu- 
erst in der Richtung von Nord nach Süd bis zum Sichrover Schlosse durchfliesst, 
hierauf einen westlichen Lauf einschlägt, bei Slawikow die in einem rinnenförmigen 
kurzen Querthale im Mittelquader und Pläner von Nord nach Süd fliessende Wo- 
harka und bei Libitz den in gleicher Richtung laufenden Jeschkabach aufnehmend. 
Letzterer entsteht durch Vereinigung des im Pläner und Melaphyr entspringenden 
Raschen- und :des am Fusse der basaltischen Horka emporquellenden Modlibow- 
baches, welche nordöstlich und nordwestlich von Böhm. Aicha in engen Sandstein- 
thälern verlaufen, unterhalb dieses Ortes sich vereinigen und bei Liebitz in die 
Mohelka einmünden. 
| Ausser diesen Zuflüssen erhält die genannte Mohelka noch die kleine Mo- 
helka, welche in der Umgebung des basaltischen Jelinkaberges entspringt, südlich 
über StraziSt in einem in Sandstein tief gefurchten Thale über Neweklowitz bis 
Podhora làuft, sich unterhalb dieses Ortes mit ihrer Namensschwester vereinigt 
Und kurz darauf bei Mohelnitz in die Iser füllt. Nach Aufnahme all' der genannten 
Zuflüsse zeigt die Mohelka folgende chemische Zusammensetzung : 


In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme : 


Ohlornatrium . 2 2 2.2. . 000914 ee EE 
Natriumsulfat © . . . . . . (00797 Kalle OR ENER 
овоа o. . 0.7. 0000829 КАШЫ cron etu MUR ACD 011200 
Üaleiumsulfat . . . . . . . 001078 Magnes WIR 
Caleiumearbonat . . . . . . 019296 Eisenoxyd und Thonerde . . 000115 

Fürtrag . . . 022774 Etitrag ^ EE 


6 


Übertrag. . . 022114 Übertrag , . . 019929 
Magnesiumearbonat . . . . 000756 Schwefelsäure sobtu . . . . 001812 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000115 Kohlensäure x: 20... 0708880 
Kieseiseute 55 wa AU ОООО Кезен nod cook 20 ООШ 
Salpetersäure . . . . . . . 000200 Salpetersäure . . . . v 000250 

Summa ,. . . . 0:24595 СШ кү suh ned vatis ENSCH, 
Glühverlust hiezu . . . . . 003210 Summa. . . 094125 
Gesammtrückstand . . . . . 021805 Sauerstoff ab für Chlor . . . 000133 


Be, 
Summa. . . . 024595 
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,: 


NAO vue EE al 
TORIS i IH EE 


КЕШ eed Ouen, e e MOD 
Magnesia. . . MOM SOEUR S PT MO 


Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 045 
BOINE TE Nerv EP и TON 
EE Re mes ou cod DLE 
IIHROIBALLO 02 22 EA eer BAH 
Salpetersäure KEE 
DEE e О 
Bummi ov^ 70710909. 
Guer B El tb Е Оа 
Genk 4^2 27720000: 
Die Gesammthürte des Wassers betrug 11:75 Härtegrade. 
Geschöpft bei Mohelnitz, nördlich von Münchengrátz am 7. September 1892. 
Die Temperatur der Luft betrug 14" C, die Temperatur des Wassers 13° C. 
Am rechten Ufer fliessen der Iser ferner zu 


die Zabertka. 

Das Quellengebiet dieses Baches liegt ganz in der Iserstufe der böhmischen 
Kreideformation. Nördlich von Zabert entspringt die Zabertka, durchsetzt bei Lesnov 
die basaltische Teufelsmauer und fliesst als sogenannter Dolankabach von Nord 
nach Süd in einem engen von schroffen Quadern und Felsen eingeschlossenen 
Thale über Neweklowitz bis unterhalb Kloster, wo sie in die Iser fällt. 

Die herrschenden Felsarten sind hier Quadersandstein und Plünerkalk, die 
bei Mohelnitz in Felsmassen zum Vorschein kommen. 


Chemische Zusammensetzung des Zabertkabaches. 
Geschópft oberhalb Kloster (Münchengrätz). Die Temperatur der Luft betrug 15:5" С, die Tem- 
peratur des Wassers 12:8" C. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 


СШ ӨШ, 0700777000825 WË D ehr SU SS QU HN 001470 
Näteiumsulfat SPT 057 70:00865 RRE U a MUN . 000319 
Fürtrag . . . 000688 Fürtrag. . . 001189 


Übertrag . . 000683 
Natriumcarbonat . 0701949 
Kaliumcarbonat ‚ 0:00468 
Caleiumcarbonat . 0.19651 
Magnesiumcarbonat . 0:00831 
Eisenoxyd und Thonerde . 000098 
Kieselsäure . . 0:00855 
Salpetersäure . o UN E 

Summa . ‚ 0724604. 
Glühverlust hiezu . 001980 


Gesammtr ЧАД: 


. 026584 


Übertrag . 
Kalk . 
Magnesia . 
Eisenoxyd und өрдө 
Schwefelsäure . 
Köhlensuüre. oon 
Kieselsäure 
Salpetersäure 
ТОРИ men. Ў 
Summa . 
Sauerstoff ab für Chlor . 
Summa . 


н SNC 


83 


. 001789 
. 011005 
. 000396 


. 000098 


. 0700206 
. 010039 
. 000855 
. 000064 
. 000196 


. 024648 


. 0700044. 


. . 024604 


Wi 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten ^/,: 


Natron SCH Aere 
e e 1:29 
Kalk Ce 4418 
Magnesia . { 1:61 
Eisenoxyd und Thoner de 040 | 
Schwefelsäure . 0:84. | 
| Kohlensäure о, EEN | 
| [47 075. 0 ИУ. en tee EEN 
| Salpetersáure 026 
Chlor Lnd id teu OR 
Summa . 10018 
Sauerstoff ab für Chlor . 0:18 
Summa . 100:00 


| Die Gesammthärte des Wassers betrug 11:55 Hürtegrade. 


| Am linken Ufer fliessen in dieser Gegend der Iser ferner zu: 


die Libunka. 


Sie entspringt im Quadersandstein oberhalb Libuň, über welchen sich an 
| einzelnen Punkten Basaltkegel erheben. Vom westlichen Fusse des Basalthügels 
| Welisch zieht, in nordwestlicher, das linke Ufer des Libuükabaches begrenzender 
tichtung, ein mit Waldungen bedeckter, aus cenomanem Quadersandstein beste- 
hender Bergrücken, der romantische Felsenpartien in sich schliesst, und in das 
Libuiikathal abzweigt. Hohe und schroffe Felsen ziehen sich auch im unteren Laufe 
des p; aches, der ein malerisches Thal zwischen den berühmten Gross-Skaler Felsen- 
| Wànden und dem Kosakower Gebirge bewüssert. Bei Ktowa empfängt die Libuüka 
die Weselka, welche in einem rinnenförmigen Thale in der Formation des rothen 
"üdsteines und Mandelsteines entspringt, nach kurzem Laufe über Rovensko in 
le Libuüka einmündet. Gegen Turnau erweitert sich das mit fruchtbaren Diluvial- 


Bebilden erfüllte Thal und gewährt unterhalb Turnau der Libuüka den Ausfluss 
in die Iser, 


Chemische Zusammensetzung des Libunkabaches. 


Geschópft südlich von Turnau vor seiner Einmündung in die Iser. Die Temperatur der Luft 
betrug 16:5? C, die Temperatur des Wassers 16:0? C. 


In 1000 се Wasser sind enthalten Gramme: 


Chlornatrium ‚ 001063 Natron . 
Natriumsulfat . 0700128 Kali 
Kaliumsulfat . 000121 Kalk . 
Caleiumsulfat . 0700868 Magnesia . 


Caleiumearbonat . 
Magnesiumcarbonat 


Eisenoxyd u. Thonerde . 


Kieselsäure 
Salpetersäure " 
Summa . 
Glühverlust hiezu 
sesammtrückstand . 


. 0:13366 
„001188 
. 000118 
. 001550 


0:00150 


«S. 020802 
209000830 
. 022631 


Eisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsäure . 
Kohlensáure 

Kiöselsäure: фто 
Salpetersáure 


Chlor 


. 000881 
. 0:00390 
. 007842 
. 000828 
‚000118 
. 001253 
. 006790 
. 001550 
. 000150 
. 000645 


Summa . ‚ 020447 


Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00145 


Summa . . 0:20302 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: 


Natron . 

Kali . 

Kalk 

Magnesia' . VO MM 
Kisenoxyd und Thonerde 
Schwefelsäure . 
Kohlensäure 

Kieselsäure . 
Salpetersäure 

Chlor 


Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor . 


Summa . 


434 
102 
38:62 
. #08 
» 0'58 
"OTt 
38:44 
. 764 
. 0:74 
. 3:18 


ЖЕЛ ИШЕ 


201 


. 100'00 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:00 Härtegrade. 


Die Iser empfángt am linken Ufer weiter noch: 


die Zehrovka. 


Dieser Bach entspringt bei Madéjov in den oberen Schichten der Kreide- 
formation. Unweit Kienov vereinigen sich fünf Thalgründe, denen ebensoviele 
Wasseradern entquellen und die sich mit dem bezeiehneten Quellwasser zu einem 
kleinen Bache vereinigen. Dieser Bach nimmt seinen Lauf nordwestlich durch die 
Gross-Skaler Felsen, empfängt kleinere Zuflüsse aus den Felsensehluchten de® 
oberen Quadersandsteines, durchfliesst den Zehrover Teich und ergiesst sich ober- 


85 


halb Březina in die Iser. An dieser Stelle hat der Bach folgende chemische Zu- 
Sammensetzung ` 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme: 


Blilomatrium .. . а. 12200008965 Natron eg sois ле CL 1001824 
ааа оа... 001201 Kol. a OT 
Natriumcarbonat . . . . . 001061 [Gal e n ms „ең О ODSS2. 
Balumearbonab . . <.. . 3 )0691 Magnesia . SW . . 0700984 
Caleiumearbonat . . . . . .0:09932 Eisenoxyd und ee „=. O:00120. 
Magnesiumcarbonat . . . . р erc SEU 
Eisenoxyd und Thonerde . . 000120 Kohlensäure ^... na ШО 
else. 2... vss MOIODR Kisaoldantó 4 sacas e hor AE 
Salpetersäure . . . . . . . 0:00040 Salpetersäure . . . .. . 000040 
una su vs . 011540 Oo I ons UN OLD. 
Glühverlust hiezu . . w 0'02980 Samma oss EE 
Gesammtrückstand . . 020520 Sauerstoff ab für Chlor. . . 0'00118 


Stimme a e EL TD) 


In 100 Gewiehtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten °/, : 


Natron «opngiotwul-Roan mcs. sab ooa: 
Kali. ў . 2:69 | 
tel Et EE 33 53 | 
Magnesia . UM . 562 
Bisenoxyd und Misere u EE СОА 
Sehwefelslubo. i. Les решен е e. 
КОНЕ eov sS E ШОН ОС 
SEIS IAS ЛЛУ оо 

| | Salpetersäure GE . 02€ 
Си 


Summan ТООБА 
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . . 0:67 
SUN u obs ОООО 
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:27 Härtegrade. 
Geschöpft vor der Strasse nach Podol, nördlich von Münchengrätz. Die 
Temperatur der Luft betrug 10:0" C, die Temperatur des Wassers 13:6" C. 


Die Béla. 


| Im Plänersandstein von Neudorf entspringen mehrere Quellen, deren Wasser 
Sich in kleinen Teichen sammelt, aus welchen es in den durch Podol fliessenden 
Mühlbach Böla abfliesst, der selbst wieder in der Sandsteinformation entspringt und 
mit diesen Zuflüssen bereichert über Weisswasser in westlicher Richtung auf Klein 


eisel läuft, wo er in die Iser fällt. 


86 


Chemische Zusammensetzung des Bélabaches. 


Geschöpft bei Bakow ober den Papierfabriken am 18. September 1892. Die Temperatur der Luft 
betrug 17:0" C, die Temperatur des Wassers 14:0" C. 


In 1000 ec des Wassers sind enthalten Grammes: 


ОШ Пай ^L. ous" e 7 OOOD Neu... o ener EEN 
МЯТА о 60 0088 IST RE REI 
ТИОТ Тае u. ете o ss TODO Kalk e viros MERE 
ter Hektik Magnolian, eiet e TI HERE 
Caleiumcarbonat . . . . . . 018089 ùisenoxyd und Thonerde . . 0:00093 
Magnesiumearbonat . . . . 0:00264 Schwefelsäure... . . . . 001285 
Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00098 Kohlensdute >. +... 00. ООБОЙ 
Isteselsaute e RA EG Kieselsätte 007000708 
Salbetershüre e, . DE OD Salpetersäure . "1. 000195 

Summa sn DURO Chlor ` (voa UU ESI AO 
Glühverlust hiezu . . . v 001000 Summa. . . . .0:22694 
Gesammtrüekstand . . . . . 024126 Sauerstoff ab für Chlor. . . 000183 


ET, 
TUE . 022561 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/, : 


О DEE 
ПАЙ УУ е C GES 
МАШ ТКО oh M EC ж ENEE 
МЕ В UE bM ini US IS DNI ш a ШО 
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 041 
EE Uer ir VT 
КОА ВЕ OL" En EEN 
lee Ee e o I ORIS 
АСЕТОВА ех uon оо Rude et WURST 
СЛОВИ n ue E ln ATO 

Summis S. cover LOUIDU 


Sauerscolt ар tUr СОШО 009 
Dumme a 27 P TOQTQU 


Die Gesammthärte des Wassers betrug 10:87 Härtegrade. 


Charakteristik der Wässer aus der Sandsteinformation. 


Aus den angeführten Analysen ergibt sich deutlich der Kalkreichthum, die 
Härte und die Concentration der in der Kreideformation entspringenden Wüsser. 
In der trockensten Jahreszeit sind der Zabertkabach und die Mohelka die an Mi- 
neralstoffen reichsten Wässer dieser Kalkquellen. Das Wasser der genannten Bäche 
enthält fast gleich viel 246 Milligramm per Liter fester Mineralstoffe, von dene? 
s0°/, aus kohlensaurem Kalk, 3°/, aus kohlensaurer Magnesia bestehen. Dagegen 
ınthält die Mohelka 5°6°/,, die Zabertka kaum 1 Prozent des fixen Rückstandes 
an Schwefelsäure. 


81 


An Alkalien, Chlor und Kieselsáure sind die genannten Wüsser sümmtlich 
arm, mit Ausnahme der Zehrovka, welche grössere Natronmengen enthält. 


Es ergaben die Bäche: 


TER CERN SER Kohlen- аф иза, 
Si | Gesammt- Mineral- ^ | Baurem. SE und 

| 2 Baeh I Rück- | Rück- | Harte | Kalk |Magnesia| Natron 

| & | stand | stand Graden | des Mineralrückstandes in 2, 

. | Die Mohelka . . A deg адв tege В 48 
2. | Die Zabertka | 206 246° | 110 WI 61 

| E | Die Bela ай 225 | 109 | 19 | pon E2 

| 4 |DerDolmek . .-.| 228 | 208 | 94 | 16 | 8 27 
5. | Die Libunka . . | 226 | 208 90: и Vra 62 

| 6. | Die Zehrovka | 205 175 8 | 63 | 11 130 | 

| | | | | | 


Die Schwefelsäure ist in den Rückstünden dieser Wässer zu 5-—6?/, ent- 
halten. 

Die Glühverluste sind geringe, sie wechseln zwischen 19—30 Mgrm per 
Liter bei einer Rückstandsmenge von 200 Mgrm. 

Kurz ausgedrückt lautet die Charakteristik dieser Wässer. Es sind überaus 
kalkreiche, an anderen Bestandtheilen arme Bachwässer. 

In der Gegend, welche die genannten Miche durchziehen, liegen zwischen 
sterilen Plateau's oft quellenreiche Thäler. Die starke Zerklüftung der Kalk- und 
Sandsteinfelsen gestattet den atmosphärischen Niederschlägen rasch in die Tiefe zu 
versickern, was an vielen Orten grosse Wasserarmuth zur Folge hat. Doch sammeln 
Sich die Niederschlagswüsser an thonigen Unterlagen, brechen an vereinzelten Thal- 
stellen hervor und zeichnen sich dann durch ırstaunlichen Wasserreichthum aus. 
Die Quellen sind daher in diesen Gebirgszügen weniger zahlreich aber ergiebig, 
im Gegensatz zu den tertiären Ablagerungen, welche gewöhnlich lockerer, reicher 
an Sandschichten und Klüften, veränderlicher im Schichtenfalle als die secundären 
Ablagerungen nicht wie diese die Erscheinung darbieten, dass sie auf grosse Strecken 
hin gar keine Quellen liefern, an anderen sehr reiche Wasseradern spenden. 


Zuflüsse der Elbe aus dem nordöstlichen Flügel des Erzgebirges. 


Die Biela. 


Das oberste Quellengebiet der Biela liegt in der Bernsteingruppe des öst- 
lichen Erzgebirgsflügels in der Umgebung von Katharinaberg. 

Im Obergebirge liegt eine Hochfläche, die sich nur in dem dicht bewaldeten 
Rücken des Neuhauser und Bernauer Revieres mit dem Bärenstein, dem Beerhübl 
und in den östlich sich anschmiegenden Hügelbergen zu grösserer Höhe erhebt. Der 
Bärenstein selbst bildet den Knotenpunkt dreier durch flache Thäler getrennter in 
ihrera Streichen immer weiter auseinander weichender langgezogener Bergrücken 


88 


Die Wasserscheide läuft sehr nahe am südöstlichen Rande hin. Ein wenig frucht- 
bares bewaldetes Hochplateau, dessen südóstlicher Abfall sich in unzühlige schmale 
kurze Querrücken mit ebensolchen schluchtenfórmigen Thälern gliedert, die eine 
weitverzweigte Entwässerung des Gebirgskammes gestatten, charakterisirt auch den 
nordöstlichen Flügel dieses Gebirgszuges. Dieser Theil des Erzgebirges besteht 
nach den Untersuchungen der Geologen namentlich Laubes, vorwiegend aus Haupt- 
gneiss, dem sich beschrünkt die Gruppe der Glimmerschiefer beigesellt und die 
besonders in der südwestlichen Ecke dieses Gebirgstheiles entwickelt sind. Der 
Hauptgneiss, der typische Gneiss des Erzgebirges wird aus gut krystallisirte weissem 
gelbem oder röthlichem Orthoklas, graulichem Quarz und aus beiden Glimmern, 
von welchen der dunkle, Biotit, gewöhnlich vorherrscht, gebildet. 

Er zeichnet sich durch grossen Glimmergehalt, leichte Verwitterbarkeit und 
chemisch durch einen 64—66"/, betragenden Kieselsäuregehalt aus. 

Der in einzelnen ausgedehnten Stócken auftretende rothe Gneiss wird als 
Eruptivgestein betrachtet, der den grauen Gneiss durchbrochen hat und charakte- 
risirt sich wie bekannt, durch grössere Widerstandsfühigkeit, gegen die Einflüsse 


der Atmosphäre und des Wassers durch relative Glimmerarmuth und höheren 73 


bis 75°/, betragenden Kieselsäuregehalt. 


In diesem Bergzuge folgen noch graue kleinkörnige Gneisse, die bald glim- 
merreicher, dann mehr glimmerschieferartig und wieder mehr feldspathreich und 
gut charakterisirt sind. Zwischen Uhrissen und Göttersdorf durchsetzen langgezo- 
gene Dioritstreifen den Gneiss von Ladung bis Cernitzhübl ein von Westen nach 
Osten durch den Kisenberger Thiergarten verlaufender Granitzug. Im Südosten 
und Osten senkt sich der Hauptgneiss unter die Braunkohlenformation der Ebene, 
ohne dass sich jüngere Gebilde von ausgesprochenem Diluvialcharakter dazwischen 
legen. Dagegen fehlt es nicht an Alluvionen, Schutt-, Sand-, Kaolinlagern und 
Torfmooren. 


Am Rücken des Gebirges in der Umgebung von Katharinaberg finden sich 
bodenartige Vertiefungen und wasserdichte Schichten verwitterten Granit- und 
(meissgesteines und infolgedessen günstige Bedingungen vorherrschend für Hoch- 
moorbildungen. 

In diesen Morästen und Waldgesenden, zwischen dem Steinhügel und dem 
Scharberge grösstentheils in den Raizenhamer Mooren entspringen die Quellen der 
Biela, fliessen über Kallich auf Beraun herab, an der Westseite des bewaldeten 
Beerhübels in einer Schlucht an dem Gebirgsgehänge südöstlich über Rodenau, 
Uhrissen und westlich von Görkau. 


Die sich östlich anreihenden Thäler mit schluchtenartigem Charakter ver- 
mitteln namentlich den Abzug des schmelzenden Schneewassers im Frühjahre, da 
die kleinen aber zahlreichen Quellen, welche am südlichen Abfalle des Erzgebirges 
herabrieseln in der warmen Jahreszeit fast vertrocknen, bei Thauwettern und nach 
heftigen Gewittern die Niederung aber überfluthen und dann in Folge der abstür- 
zenden Lage der Thalgründe, Schlamm, Boden und Gesteinstrümmer in grosser 
Menge herabführen und im Alluvialdistrict des ehemaligen Kummersees absetzen. 


89 


Schon im Gebirge verstärkt sich die kleine Biela durch verschiedene Zu- 
flüsse, tritt westlich von Górkau in die Ebene, durchfliesst die mit Alluvionen 
reichlich erfüllte Ebene des noch Anfangs dieses Jahrhunderts als See bestandenen 
Später durch den begüterten Besitzer trocken gelegten Kummerer Wiesendistrictes 
bis zum Einflusse des Grundbaches und wendet sich dann nach Brüx. 


Aus Norden fliessen der Diela auf dieser Strecke aus dem Erzgebirge viele 
kleinere aber reissende Bäche zu: der Altbach, der am Adelsberge und Bärenstein 
im grobflaserigen und Augengneiss entspringt, der Flössbach (Weissbach), der sich 
àn der Landgrenze unter dem Dürrtannenberge in Flasergneissen bildet und westlich 
an dem steilabfallenden 883 m hohen Schwarzberg zwischen den Übergängen von 
Granit und schuppig-schieferigen Flasergneiss, aus dem sich Felswünde zu beiden 
Seiten des Baches erheben, über Rascha durch den Rauschengrund dem Thale 
zueilt. Die Gehänge dieses Grundes besteheu ebenfalls aus flaserigem Hauptgneiss, 
in dem sieh Nebenquellen dieses Baches verlaufen, beim oberen Teiche aus roth- 
gefleckten Muscovitgneiss. 

Der Ratschitzer und Brückner, sowie Ladunger Bach entspringen in den 
vielen Gründen unterhalb des Wieselsteines. Das Quellwasser rinnt durch zwei- 
Slimmerigen Hauptgneiss und durch Wieselsteinporphyr. 


Auf der rechten Seite empfängt die Biela den aus dem sogenannten Alaunsee 
und den Teichen zwischen Udwitz und Komotau abfliessenden aber wasserarmen 
Seebach, ebenso den Lumpgraben, in welchen die kleinen, oft austrocknenden, in 
der Ebene zwischen Póswitz, Pülna und Styritz entspringenden Gewässer zusammen- 
"innen, den Serpinamorast durchlaufen und bei Zlatnik in die Biela münden. 


Diese Gegend bedecken mächtige Löss- und diluviale Ablagerungen zwischen 
Pöswitz und D. Zlatnik, die neben und über tertiärem Sand- und Schotterablage- 
tungen auch Schieferthone und bittersalzführende Schichten einschliessen. 


, Von Brüx windet sich die Biela durch die westlichsten Ausläufer des hier 
mit Erdbrandgesteinen durchsetzten basaltischen Mittelgebirges über Sellnitz auf 
Bilin, wo sie Zuflüsse aus dem Plänerkalk, Basalttuff und von den umgebenden 
bewaldeten Basalt und Phonolithenbergen erhält. Der Raschitzer und Grundbach 
fliessen der Biela östlich von Oberleutensdorf über Maria-Ratschitz und Priesen 
am linken Ufer bei Jostanitz zu. Der durch Vereinigung des Ladunger, Riesen- 
berger und alten Grundbaches entstehende Saubach, dessen feinvertheilte Wasser- 
adern in parallel verlaufenden Gründen im östlichen Wieselsteingebirge in ver- 
Schiedenen Gneisen quellen, durchfliesst den Liptitzer Teich und vereinigt sich bei 
Dux mit der Biela. Die Biela sammelt somit alle Wässer, die am steilen Gehänge 
des Erzgebirges entspringend, aus dessen Thälern zu kleinen Bächen vereinigt, 
ablaufen und die Saazer und Teplitzer Thalebene bewässern. Aus der Saazer Ebene 
tritt die Biela beim „Schlammiger“ Berge in das Mittelgebirge und sammelt, indem 
Ме es an der nördlichen Seite durchfliesst, alle Wässer, die am nördlichen Abhange 
p Mittelgebirges zusammenrinnen, mit denen sie vereinigt, bei Aussig in die 

e fällt. 


90 


Chemische Untersuchung des Uhrenbaches bei Riesenberg 
in der Nàhe von Osseg. 


In 1000 cem sind enthalten : 


Onlochatum зу RACH Ne D 
Natriumsulfat . . . .0'01674 BU ro tu ur (UU 
Kalumsultau TEE GR О о: . 0701650 
Kaliumearbonat . . . . 0:00284 WR о, ДД 
saleiumearbonat . . . 0702940 DO ur PO A LS 
Magnesiumcarbonat . . 000945 SO en oh LP, 
Kieselsäure . . . . . 001150 DEE OU) 
Summa SG IUS EE n eis 0.000000 
Summa . . 008400 ` 

Organ. Glühverlust . . 001050 Sauerstoff ab für Cl. . 0'00148 
ООУ E ome vr ODDO 0708261 


In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind: 


^ HN VS le AM у ш у är 
la EE у 
 @ cp LR RU RE! 
MUT e e WO E a KT 


Ud oa M 5 ICON о vod aU, | 
IR Be us cO H | 
RE EE | 
NEEN | 
Summa . . . 101779 
Sausıstoit-abı tur OHIO 02.05. so UB | 
Samai uns 100,00 | 
Gesammthürte == 2728. | 
Chemische Untersuchung des Weissbaches bei Kopitz bei Brüx. | 
Im 1000 eem Wasser sind enthalten: | 
Natriumchlorid . . . . 0:01622 NaO . . .0'01648 | 
Natriumsulfat . . . . 001804 KV ео ООба | 
Kaliumsulfat . . ... . 001687 CAO e a V OZTU 
Caleiumsulfat . . . . . 0'00484 MU n NUDO 
jaleiumnitrat . . . . 000164 Kal. е WEE EISE 
Galeiumearbonat . . . 6003919 QU S ue co EO | 
Magnesiumcarbonat . . 0:01209 SIO; 3.220 2.0. 0:01200 | 
Eisenoxyd . . . . . . 000085 80, 17.75. ^ (02088 | 
Kieselsáure . . . . .001450 INQUIS А EDM 
Summa. . . . 012874 OPT S к ОО 


Summa . . 012596 
Sauerstoff ab für Cl . . 0:00222 
Glühverlust , . . . 0'02660 Summa . , 0'12374 


In 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes sind enthalten: 


NaO . 
K,O 
СаО 
MgO 
Bert: 
CO, 
SiO, 
80, 
NO, 
Cl 


Sauerstoff ab für Chlor 


Summa . 


Gesammthärte = 32. 


Summa . 


TEE 
oral 
. 19:80 

4:65 
. 0:69 
. 19:05 
„чл 
. 16:68 

0:87 

795 


ТОЯ 


(Sep, 


. 100:00 


Chemische Untersuchung des Mühlbaches bei Bilin 
in der Nähe der Flaschenfabrik. 


In 1000 cem Wasser sind enthalten: 


Natriumchlorid . . . . 0'01406 
Natriumsulfat . . . . . 008826 
Kaliumsulfat . . . . .0:00461 
Kaliumearbonat . . . 001257 


Caleiumearbonat . . . 0183401 
Magnesiumcarbonat . OHIE 


(Eisen- und | 0-00189 
Aluminiumoxyd) | { TA 
Kieselsäure . . . . . 004618 


Summa . .0'36939 


Мао 
neo 
СаО 
МО 
(BO, = 
A1,0,) 
DORT: 
CO, . 
SiO, . 
CI 
Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor . 


Glühverlust . . . 00520 


Summa . 


0:02416 


. 001106 
. 001505 
. 005616 


l 0:00182 


. 0702367 

. 019418 

‚ 004618 

‚ 000853 
(31181 


0:00192 


‚ 0:36939 


In 100 Gewichtstheilen des miueral. Rückstandes sind enthalten: 


Na,0 . 
K,O 

СаО 

MgO uud d Tu 
(FeO, + АО)... 
БО, жү. 
CO, 
SiO, 


Fürtrag . 


6:54 
2:09 
. 20:32 
. 15:20 
0:49 
6:41 
39 


. 12:49 


. 98:21 


91 


Übertrag «98:21 

CI LAT YA КАЛ Zol 

Summa . . 100:52 

Sauerstoff ab für Cl 0:59 
Summa . ^. 10000. 


Gesammthärte des Wassers — 


15:24. 


Chemische Untersuchung des Priesenbaches bei Bilin. 


In 1000 eem Wasser sind enthalten: 


. 001947 
. 0077194 
. (05611 
. 001701 


Natriumchlorid 
Natriumsulfat . 
Natriumcarbonat 
Kaliumcarbonat . 


Calciumnitrat . . 000448 
Calciumcarbonat . 0:06700 
Magnesiumcarbonat ‚ 0:08250 
Eisenoxyd und Thonerde 0:00058 
Manganoxyd . 000043 
Kieselsäure . 0:01085 


(Organische Stoffe) 


Glühverlust . 0:08260 


025696 


Na,O 

K,O 

Ja) 

MgO 

Mn,O, . IN 

(Fe,O, + ALO,) . 

CO, . 

SO 

SiO, 

NO, 

Cl 4 
Summa . 

Sauerstoff ab für Chlor 


. (07152 
. 001160 
. 0703905 
. 001548 
. 000042 
. 000058 
. 007545 


0:04391 


. 0.01085 
. 000295 
OL LEN 
. 028962 


000266 


028696 


In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind: 


N&,O . 
K,O 
СаО 
Moi 
Mn,O, 
(Fe,O, 
CO, 
80, 
SiO, 
NO, 
Ol 


+ ALO,) . 


Sauerstoff ab für Chlor 


Gesammthärte = 61. 


ОД 
4:04 

. 18761 
5:39 

0:15 

0:20 
..26:29 

. 15:80 
8°18 

1:03 

d. 4:12 
100:92 

Ge 0:92 
10000 


Summa . 


Summa . 


93 


Chemische Untersuchung des Zischkabaches bei Bilin. 


ln 1000 ccm Wasser sind enthalten: 


Natriumchlorid . . . . 002595 NO «x scene xov: ШОО 
Natriumsulfat . . . . . 008404 Klier u , . «. 0.02340 
Kaliumsulfat . . . . . 004827 ЮО x ass ds EN 
Caleiumsulfat . . . . 003383 Meo ss РИШ VIVONO RU 
Caleiumnitrat , . . . . 0'00617 (FeO, + ALO,) . . . 000105 
Caleiumearbonat . . . 018930 SUE d uos NS Edo ix 0:08112 
Magnesiumcarbonat . . 014742 DOS EE 
Eisenoxyd und Thonerde 0:00105 SI, vo vx Oui co USER 
Kieselsáure . . . . . 001624 Nau Lk Де , , 4 000406 
054121 S Ke AM ID . . 001514 

0:55082 

3lühverlust . . . . . 000282 Sauerstoff ab für Chlor 000355 
Summa. . . . 0'54727 


Rückstand von alkalischer Reaction. 


Ín 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes waren enthalten: 


WA a E E ear a 9:29 

KOs E aa E . #98 

| ОО E A E, D 22:8 
| МО zort pg ros ab nd dte 12:83 
(Fe,O, + АЦО): о. гас wine o 0'19 

BS Si a a T E 

О@ En 29:82 

| BU... е и eos era 1 2:97 
| NS... nop ОИН 014 
| О ү geen жула С 2:88 
Summa . . . . 100:65 

Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . . 0'65 


Summa. . . . 10000 
: Gesammthärte = 2:20. 


Chemische Untersuchung des Abflusses aus dem Liptitzer Teich bei Dux. 


In 1000 cem Wasser sind enthalten: 


Chlornatrium . . . ..'0'02920 NEG. sn. OT 

| Natriumsulfat . . . . 0'25252 EU ns ООВ 
Kaliumsulfat . . . . ..0'02561 (UR P e LAS Ma 0:05827 
Calciumsulfat . . . . . 0'00466 MU... an eaa s.s EE 
Caleiumearbonat . . . 0:09991 (Fe,O, + Al,O,) . . . 000159 
Magnesiumcarbonat . . 007484 BOX ‹ 2:00 10610 

Eisenoxyd und Thonerde 0:00159 SiO, -. еа ERBE 

Fürtrag . . 0.48833 QU e у ү . . 008216 


Fürtrag . . 050041 


94 


Übertrag . . 048833 Übertrag . . 0:50041 
Kieselsäure . . . . . 0:02080 Cl FORO PUN Soros Re Ru print 
Summa... 051413 ISumma ОТЕТ 
Sauerstoff ab für Chlor 0:00399 

Glühverlüust - . e s ..0:04580 Summa . . . . 051413 


In 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes waren enthalten: 


Ма ОТА ev QUEM oer E sese d AD 
Nu афа dioec Pbi exce 
ЗАО ooo dd QUE I ERES THOU 
MEOG S e, dv WCG LA аео В 
(Fe,O, + ALO, ) ov o MA OH ОВ 
A SCHE oU 40 
SiO, РОТ B a EMU 
ООЛ Se ofertas. sr. 10710 
М. МИШ ОО ДД 

Summat, ОО: CR 
TEEN ER Тир ОШОЛ о. ee 

ООО. ОООО 


Gesammthärte — 10:79. 


Chemische Untersuchung des Saubaches bei Liptitz Dux. | 


Verunreinigt mit Grubenwüssern. 


In 1000 ccm Wasser sind enthalten: | 


Natriumchlorid . . . . 002803 NV: И ee lg | 
Natriumsulfat . . . . . 0'26630 KOS vr ООО | 
Kaliumsuliat ne VO АО sos EH DUT E | 
BH ke 7 09v 7002918 MU a res (Up 
)aleiumcarbonat . . . 007287 ӨО —9 ALOS T у, 000100 
Magnesiumearbonat . . 007182 i e qud eeler | 
Eisenoxyd und Thonerde 0:00155 STU a grep cue t ET | 
Kieselsáure . . . . . 002708 QUIC EC ы ш, огл ШШ UOS | 
Summa A 2 20752100 ае лее D EE 


Summa. . . . 052484 
Sauerstoff ab für Chlor 0:00384 
Githverlust а. 0704880 Dumina ia 2052100 


In 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes sind enthalten : 


Nagy ту ы arena se КЇР 
Maa E e ANO 
Val EE ШОЕ 
MU EE E e Т A 

Fürtrag. узу . 4488. 


95 


Übertrag. . . . 4438 

(16,0, + АШО e vu cube uan 0:30 
80, e uU M EU tapa: 
BEL CS s. у T DL UN 5:19 
Kee EE A LION 
N Pau MNA Ro ОШ 
Summa. . . . 10074 

Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 074 
Summa . . . . 10000 


Gesammthärte des Wassers = 10'0? d. Gde. 


Chemische Untersuchung des Bilaflusses 


ober der Tuchfabrik bei Udwitz. 


In einem Liter Wasser waren enthalten Gramme : 


Natriumchlorid . . . . 0"00541 NaO 229 uc Ойрот а 
Natriumsulfat . . . . 000912 KO CX. EEN 
Natriumearbonat . . . 000500 CaO URN UMS ОШОО е 
Kaliumearbonat . . . 0:00359 Mun. ун л ыл, ARD 
Caleiumearbonat . . . 00:1275 FeO, + ALO, . . . . 000046 
| Magnesiumearbonat . 0°00640 ENN RE c OUS 
| Eisenoxyd -|- Aluminium- Or P EAD RO 
буй volor Ор за ОИША DU. оао Ee 
Kieselsáure . . . . . 000185 NO... aM а ТЮШЮ 
| Salpetersäure . . . . . 000180 ЕШЫМ, 
| Summa . . . 004588 Summa . . . 004662 
| Sauerstoff ab für Chlor . 0'00074 
| | 004588 
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten: 
| Ni. Ө RR нт, VP OE 
| КОЧА EDITOS ОЮА 
| Qn sos us a e u л фи a 
И О Ee, 


(Fe,0, AOD ae 1:00 
jo. ERU ARA EON REA, 
EIU, euch EE ОИ и 408 
QUE V us Ros AUD ‚ 20°02 
ОРУ, (950, DEE 
С) ra ee 
SUMME... 0» k 7 10160 

Sauerstoff ab für Chlor . . . . . . 1'60 
100:00 


Gesammthärte = 1'1. 


Chemische Untersuchung der Biela bei Brüx 


ober der Spiritusfabrik. 


In 1 Liter Wasser sind enthalten: 

МИСТ Los mere o UND APO INA QU ann SNE 
МАЮ e tv uiae TEE I ОИ о ODD 
Fu OU. te ио DO 1 LIU ОНО) 
КОО 2o hc ov 000609 MEO oU osx is cc HM OZ 
CaCO, RE e ge H KE, МИЧ кык veli ОООО 
Waha кру Fe,0, + ALO,. . . .000814 
BO, ec ATO V Ces 0100814. SOS у vC doo vU UT 
МО о OU M B HIS EES 
5104... KEE är Qatar а t 0'94004 
NO 25. 099 05, 20S UG zn амы Ат, ОО 
Summa. . .0:'81479 о ОКВ ао 
Summa. . . 082071 
Sauerstoff ab für Chlor . 000599 
Summa. . . 081479. 

Glühverlust per 1 Liter = 0:015605 grm. 


In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes : 

Ма и SUI vos c Meo. SLE 
JEE, ET 
GR E E e ele 
M E EO. MAE urs OS] 
Ee Oe MN AT Kee HEEN 
кеда M Qus A: 20 
ВОК. Ча КО c e I DO FIT, 
IAS I MER Uu VC es KY Ооа O 
UNE o gno MVP IR у л MEE 
NEUE ee AEE UTR e AE 
Ul e ceu E cV oe res оо did 

БИЙИ е QU NE 
Ten ко. ab für. RE EH 

Summa s. 100100 


Gesammthürte = 9:33. 
Der eingedampfte Rückstand reagierte stark alkalisch. 


Chemische Untersuchung der Biela bei Bilin 


unterhalb des Poren bei Sauerbrunn. 


In 1000 cem Wasser sind enthalten: 
NAO о B prin IO Nun Uo. s UNE 
МАЕ e ODIO KO... Ve 
Fürtrag . . . 018689 Fürtrag . . 0:19001 


| | | | | | | | | | | | | | | 
| | | | | | | | | | | | 
" | | | | | | u0y9S79] | | | / | | | | | | | | 
A | | | | | j | | | | | | | | | 
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| | 2479120 | | | | | | 
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TRUE | LISSDMSSTIM | | | Su | | | 
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| | | | | | | | | | | 
; 8juooo0Jg ЭО О В 4 3 SL S OS X o" у e a ei s 


Übertrag . . 018689 


Nae 2 ost SEA 
Ks Ke 
LE EELER 
Mog as 0. 09095 
Re, + ALO, . . . . 000150 
a EEN 
NG ro we ae sto NUMOS 
BROS ee EE 

Summa. . . 060520 


Glühverlust = 0'04205 g. 


Übertrag . 


СаО 

MgO Sach 
FeO, + ALO,.. 
80, | 
CO, 
NO, 
SiO, 
Cl m. 
Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor . 
. + 060520 


Summa . 


In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes : 


№,О . 
K,O 
Ja) 
MgO . Ke 
Fe,O, + ALO, . 
SO, í 
CO, 
NEON 
SiO, 
Cl 


Sauerstoff ab für Chlor 


Summa . 


Gesammthärte = 6'05. 
Der eingedampfte Rückstand reagiert 


Summa . 


. 25°59 
5'80 

. 10:57 
T16 
0'25 

¿ie uer 
. 2601 
9/44 
5:98 

IE 2:08 
“10006 
0:66 

. 10000 


e schwach alkalisch. 


. 019001 
. 006400 
. 0704330 
. 000150 
. 008884 
. 016288 
. . 0:02081 

‚ 002015 
Ge ODOLI 

. 060920 


0:00400 


Chemische Untersuchung der Biela oberhalb Türmitz. 


9 


Die Probe ist oberhalb des Einflusses der Schönfelder Grubenwüsser, am 25. 
Feber 1896 genommen worden. Das untersuchte Wasser war klar, farblos, geruch- 
und gesehmacklos, abgedampft hinterliess es einen schmutziggelblichen, sehr schwach 
alkalisch reagirenden Rückstand, der bei 150" C getrocknet, von einem Liter Wasser 


= 398:6 Milligrammes betrug. 
In 1000 eem Wasser (1 Liter) sind « 


Chlornatrium . . . . . 002618 
Natriumsulfat . . . . 0'08205 
Kaliumsulfat . . . . . 002866 


Calciwnsulfat .....0. 010097 
Caleiumnitrat г. эл .:.0:01292 
Fürtrag . . 0'25138 


thalten Grammes : 


Natriumoxyd . 
Kaliumoxyd 
Caleiumoxyd . 
Magnesiumoxyd . 
Manganoxyd 


. 0705002 
. 001550 
. 0:06502 
. 002980 
. 0700048 


Fürtrag . . 016082 


7 


98 


Untersuchung der Grubenwässer, welche in den Duxer Bach fliessen. 


Übertrag . 
Calciumcarbonat 
Magnesiumcarbonat 
Kieselsäure ; 
Eisenoxyd und Alumi- 

niumoxyd 
Manganoxyd 
Summa . 


Organische Stoffe . 


. 025138 
. 07084179 
. 0706258 
. 001430 


. 0700025 


. . 0700048 
. 036318 


. 006500 


Übertrag . . 0:16082 
Thonerde u. Eisenoxyd | 0:00025 
Lithiumoxyd . Spuren 
Phosphorsäure . Spuren 
Kieselsäure . 001430 
Schwefelsäure ‚ 0171986 
Salpetersäure . 0:00850 
Kohlensäure . 0:05008 
Chlor . EH REH 

Summa . . 086956 
Sauerstoff ab für Chlor . 000366 


Summa . 
Gesammthärte des Wassers = 10:6 deutsche Härtegrade. 


Biela bei Türmitz. 


. (36590 


In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind enthalten: 


NaO . 
K,O 
СаО 
MgO 


(890, + ALO) ... 


Mn,O, 
SiO, 
$0, 
МО, 
CO, 

Cl 


Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor 


Summa . 


Natriumchlorid . 002641 
Natriumsulfat ‚ 011844 
Natriumcarbonat . 008268 
Kaliumcarbonat . 009061 
Caleiumcarbonat . 004821 
Magnesiumcarbonat . 0703326 
Kieselsäure ООМА О 
Summa . . 040092. 


. 19:60 
425 
re) 
815 
0:08 
0'14 
3:02 

. 8249 
2:88 
etis 
à 445 
101:00 
1:00 
100:00 


Na,O ‚ 014029 
KO . 001409 
Ja) . 0021100 
Mot) . 001584 
so, . 010053 
SiO, . 001195 
CO, . 007958 
Cl c e е^ 001609 
Summa . . . 0'40455 
Sauerstoff ab für Chlor . 0:00363 
Summe . . 040092 


99 


Eulauer Bach. 


Am Abhange des Nollendorfer Berges, in 701 m Höhe, entspringt am Erz- 
gebirge in krystallinischen Schiefern der Eulauer Bach. Die zwischen Tellnitz und 
Kninitz liegende Steinwand trennt das Teplitzer von dem Eulauer Thale und bildet 
die Wasserscheide zwischen dem, das Aussiger Tertiärbecken durchfliessenden und 
bei Aussig mündenden Kleische- und dem Eulaubache, der das ausgedehnte, enge, 
östlichst streichende Eulauer Längsthal durchrieselt und bei Bodenbach in die 
Elbe fällt. 

Bei Oberwald kommt noch der Gneiss als die Hauptformation des eigen- 
tlichen Erzgebirges unter dem Quadersandstein zum Vorschein und hier ist geo- 
gnostisch das östliche Ende dieses Urgebirgszuges, dessen Bildungen aber unter den 
aufgelagerten Massen des mächtig entwickelten Quadersandsteingebirges fortsetzen. 
Östlich von der Steinwand liegt Pläner, dessen Ablagerung am Gehänge Aussiger 
Mittelgebirges über Klein-Kahn, Königswald gegen das Elbethal abfallend, fortsetzt. 

Auf seinem ostwärts gerichteten Laufe nimmt der Eulenbach alle am süd- 
lichen Gehänge des Schneeberges des höchsten Punktes des nördlichen böhmischen 
Sandsteingebirges die meist durch enge Thalgründe und Felsschluchten rinnenden 
kleinen Gewässer, sowie mehrere am Hut, Lothar und Pfaffenberge im Basalt ent- 
springende Quellen auf. Der Boden des ganzen Gebietes, in den sich die Eulau 
mit starkem Gefälle bewegt und tief eingewaschen hat, gehört vornehmlich dem 
sogenannten Isersandstein der mittleren Quadersandsteinstufe an, nur in dem tiefen 
Thaleinschnitte kommt auch unterer Quader zum Vorschein. Die Bachbreite stellt 
nur eine ebene Rinne im Thalgrunde vor, dessen Gehänge von steilen, fast ver- 
tikal emporstrebenden reichbewaldeten, sandigen Felswänden gebildet werden. Das 
romantische Eulauthal birgt jetzt viele Fabriken, die das Gefälle des über Königswald, 
Riegersdorf, Eulau und Bünaburg fliessenden Baches ausnützen. Der Eulauer Grund 
erweitert sich kesselförmig erst bei seinem Eintritte in das Elbethal bei Bodenbach. 

Die Zusammensetzung des Eulaubaches war folgende: 

In 1000 cem Wasser sind enthalten: 


Chlornatrium . . . . . 0'01081 МАО а 70:020909 
Natriumsulfat . . . . 008481 KO 8 и OT 
Kaliumsulfat . . . . .001106 Qa 0r a i V ve ur eec OU HEEL 
Caleiumsulfat . . ‚ 000583 MEO op wu ERR 
Caleiumearbonat . . . 007446 le,O 3 
Magnesiumearbonat . . 001716 ALO | E NOS 
Eisenoxyd Ce ELLE WC 
Thonerde vro с NEQU Us NA UE. MAU OILS 
Salpetersäure . . . . 000148 Qi ER Ale 
Kieselsäure . . . . .0'00901 SIUS DN NEL ict OUO 
Organische Stoffe . . . 001182 QU uu dq d 200100000 
Summa -~ O11990 Organische Stoffe . . . 001182 


Summa. +. kt 
Sauerstoff ab für Chlor . 000148 
Summa . 011155 


Tr 


100 


In 100 Theilen des trockenen Rückstandes 


Gesammthärte des Wassers betrug 5:58. 


Die Wasserprobe wurde oberhalb Bodenbach-Ulgersdorf den 
O 


1893 genommen, 


М№а,О . 
K,O 
Ja) 
MgO 


Ее,О, | 


ALO, 
80, 
Na,O, . 
CO, 
510, 

Cl 


Organische Stoffe . 
Summa . 


Sauerstoff ab für Chlor . 


c 


Summa . 


LG 


sind: 


10076 


4,9908 


"ul dis 
3:36 
. 94:88 
4:76 


. 0:28 


JU SO 
0:88 
28:08 
5:07 
3:69 
6:65 


. O83 


D 


эЛ 


October 


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Hydrochemie der Elbe . ... PAN E e 
Chemische Zusammensetzung der Elbe und en ҮШҮК. Мн Ө КАНЫ NE 
Beschaffenheit der Elbe oberhalb der Krausenmühle VA 

» " 5 s , Hohenelbe 
(елине НВОи ЕТЕ der Klemmen Iulius an. А e Re e COR 
Chemische Zusammensetzung der Elbe bei Jaroměř. . . . . .. i SC 
Bei РАШИД ЖОНУ Gelnkowitz, Melnik, Ett ee oL RE On 
ЗӨТ АБВ und deuschen,. Л. vos йб uS ee ER CU PM NA НМ e T C у 
Betrachtungeu der chemischen Veränderung der Elbe von ihrem Urprunge bis zu ihrem 

Austritt aus Bóhmen . . . А ОАО 
Hydrochemie der Elbzuflüsse ans SEN Ries KN EE EE 
Chemische Zusammensetzung des Silberbaches . . nr aue Kc E Be NA RE D 

ў я Forstbaches 

4 ` OO EE ЕАО R A av. 

$ ж Uer denen AUDA sse TUN 

j „ der grossen Aupa s.i { NORTE RE TH em 

a á der. venemgton MODA a o gioi HE AEN 


Die Zuflüsse aus dem Adersbacher Sandsteingebirge : 
Chemische Zusammensetzung der Erlitze . à 
dos Aders hachos meo org Y Cs vta NC 
" 7 der Mettau 
Die Zuflüsse aus dem Adlergebirge: 
Die chemische Beschaffenheit der wilden Adler bei Senftenberg 


» D 


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n я » der wilden Adler bei Elbekosteletz 

М " A der AIDE. s s AEQ TAN ы np pe I a ае 

" r Р der stillen Adler bei Wildenschwert 

» я y » & bei Borohradek 

» á M des Dédinabaches . . . . e 

n d Zusammensetzung der vereinigten Adier bd K ónigézkté 

» N » der OBPIQUBEA Del ЕКО nenn. 
» ү 5 * bei Pardubitz 

» " S der Cidlina und der Mrdlina 


Hydrochemie der Iser. 


Chemische Beschaffenheit der grossen Iser 
der Millnitz 


» ? 


Chemische Beschaffenheit der Mummel. . 
m » der kleinen Iser 
Chemische Charakteristik dieser Wässer 
Chemische Zusammensetzung der Iser bei Gestëft 
bei Eisenbrod, Turnau, Jungbunzlau und Tauzim 
Die Zuflüsse der Iser aus der rothen Bundvieloiormation 
Chemische Zusammensetzung der Woleska ober Altpaka 
5 » der Popelka bei Oustí . 
s si der Tample bei Béla 
Die Zuflüsse aus dem Friedländer Hochgebirge 
Chemische Beschaffenheit des Kamnitzbaches 
» » des Zernownikbaches 
, d des Zbitzerbaches 
Die Zuflüsse aus dem Kreidesandsteingebirge 
Zusammensetzung des Dolanekbaches 
v der Mohelka 
" „ Zabertka . 
^ „ Libunka 
» el EE AE 
e BUS eeh We e E ee 
Die Zuflüsse der Elbe aus dem nordöstlichen Flügel des Erzgebirges 
Chemische Zusammensetzung des Uhrenbaches 
» M ,. Weissbaches bei te 
5 „ Muühlbaches bei Bilin 
* ir „ Priesenbaches Ў s 


Die chemische Zusammensetzung des Žischkabaches bei Bilin 
des Abflusses aus dem Duxer Teich 


des Saubaches . . . . 
der Bila bei Udwitz ... 
der Bila bei Brüx u. Bilin 
S der Bila bei Türmitz A 
Chemische Beschaffenheit des Wassers des Eulaubaches Kc ECH 


ZWEITER BAND. 
Zweiter Theil. 


II. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (II. Theil 
CVergrlffen.) "Ве uk u. b а i И fl. 2:60 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthàlt: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bóhmens. 
ОЈ S " р Die Flussfischerei in Böhmen. 
лор e » » Die Krustenthiere Böhmens. Рев. од ge 


V. Chemische Abtheilung. 
l'rof. Dr. Em. Boticky: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure 
in den Gesteinen Bóhmens. Preis . .. ... Vinc PR UA 60 kr. 
I'reis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. tl. 5*— 


DRITTER E AUN D. 


I. Topographische Abtheilung. ' 
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Koristka und 


Major R. Daublebsky von Sterneck о оион. su t eos ae NU 


IL Geologische Abtheilung. 
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bóhmens von 
f 


то ШО ТЕТО БОГОК ya bre ote у TI us a El 
Il. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von 
Proh Dr Rn Ree Oe Eer fl. 1:— 
ПІ. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (I Theil von Prof. Dr. 
GUSTAV Ше КОРО ЫЕ, e GR E anc E kk, 


UL Botanische Abtheilung. £ 
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (III. Theil 
SChluBa.) Prois. s» К ИА fl. 27-40 


IV. Zoologische Abtheilung. 


L Heft. Die Myriopoden Bóhmens von Е. V. Rosicky. Preis. `. . .. . . 60 kr. 
li. Hett. Die Cladoveren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis. . . . . .fl. 1:60 


V. Chemisch-petrologische Abtheilung 
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse 
von Prot ШОН ОТО ОУ PNIS e o T NS Is fl. 1:40 


VIERTEDR BAND. 


No. 1. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. Die Weissen 

berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič. Preis. . . й. 3'— 
No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von 
К J. Krejčí und R. Helmhacker EE AM DO 
No. 3. Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky 

(IV. Theil) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . bros um УЙШ aU 
No. 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bóhmens von Prof. Dr. 


Hm BOTIR Y und Jos Klvana eren dedit E di; NC 
No. 5, Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospichal. 


il. 1— 


onitzer Steinkohlenbecken von Carl 
Nod a MM. Re fl. 2 — 


No. 6. Der Hangendflötzzugim Schlan-Rak 
Feistmantel. CU OTRA TER ee 


FÜNFTER BAND. 


No. 1, Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory) 
und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejčí und 


R. Helmhacker RAP AA de uper BA зш dei „A. 2— 
No. 9. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IIL Die dag 
H 3»— 


schichten. Von Dr. Anton Егіб, . 


Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . . 4. 1:20 


o. 8. ч " 
Хо, A Die Lebermoose (Musci Hepatici) Bóhmens von Prof. Jos. Dědeček. fl. 1'— 
5. Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im 
mittleren Böhmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel. . . .fl. 2— 
No. 6, Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hensgirg. fl. 140 


SECHSTER BAND. 


No. 1. Über á!e Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national‘ 


ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar- 
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . . fl. 2:80 


No. 2. Die Süsswasserbryozoen Böhmens. Von Josef Kafka. x s E 

No. 3. Grundzüge einer Hyétographie des Königreiches Böhmen. Von Dr. Е. J. 

Studnicka nr, E EE EE eg Hit 

No. 4. Geologie des böhmischen Erzgebirges. II. Theil. Von Dr. Gustav C. "ee 

fl.. 25 

No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. I. Metamorphose 

der Trichopteren. L Serie. Von Fr. Klapálek Vic WEEN PL ДОШ) 

No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton 

Hansgirg А ed WEE EN ve а 

SIEBENTENR BAND. 

No. 1. Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. . .f. 1.— 

No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer. 

Schichten Von Prof. Dr. Ant. Fri u ы, : PAROI dun Ra 

No. 3. Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und 

Gesteine Bóhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos. 

IHanamann ON EE A esos A 

No. 4. Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von 

Oro dU UTD. KUTRA etu. vw u qe ag RO И 

No. 5. Die Myxomyceten Böhmens von Dr. Lad. Celakovsky (Sohn). . . .f. 120 

No. 6. Geologische Karte von Böhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh Krejčí. 

Mit Erläuterung von Prof Dr A, Pri&j/Prei$.,. ...24.6. bis ved v WE de o 1, 
ACHTER BAND. 

No. 1. Übersicht der Thätigkeit der nature, Landesdurchforschung v. J. 1864 

bis 1890 von Prof. Dr. К. Kořistka dive cum. PU D DIPL Niro A с о 

No. 2, Untersuchungen der Fauna d. bóhm. Gewüsser. IL Fauna d. bóhm. Teiche 

MODO. IS DIR a puso es pel e c EN oS UK orc UAR E LUI A le TE 

No. 3. Monographie der Ostracoden Bóhmens. Von Wenzel Vávra . `. .f 260 

No. 4. Prodromus der Algenflora von Böhmen. Zweiter Theil. von Prof. Dr. Anton 

Dach, D Ah am de Eo VISTA eu Y LUN eni Po ee ОНИ 

No. 5. Recente und fossileNagethiere Böhmens. Verfasst von Josef Kafka. fl. 2.20 

No. 6. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. І. Metamorphose 

der Trichopteren. IL. Serie. Von Prof. Fr. Kiapálek . sss s e f 1%] 
NEUNTER BAND 

No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. V. Priesener 

Schichten. Von. Brot Drm Ant, Prion o on REN PETR ОГУ Я. 3:— 

No. 2. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. IV. Die Thierwelt 

des Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar- 

beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr. 

а ВОС ШОО VOV ETE eV VEU Sk nee Уй а а DNA CN UE Н 

No. 3. Das Moldauthal zwischen Prag und Kralup. Eine petrograph. Studie von Josef 

BR: e eva EE е Ы V Mb eer ДН 

No. 4. Diechemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Bóhmens. I. Theil. 

Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann . ... . .fl 1:50 

No. 6. Geologische Karte von Böhmen. Section Ш. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frič 

ПЕ Prob Qusthy C Laube. e o e S LEE ONU OT EPOR TE 
ZEHNTER BAND. 

No. 1. Geologische Karte von Böhmen. Section II. Entworfen von Prof, Dr. Ant. Frič 

hu Dr, Gustav О Dovu 6. 2o EC ."eflo 280 

No. 2. Das ostböhmische Miocän von V. J. Prochäzka V ^ 4 Ka fl. NISUS. 

No. 3. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. III Untersuchung 

` zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Durchgeführt auf der über- 

tragbaren zoologischen Station. Von Prof Dr. Ant. Frič und Dr. V. Vávra H. 9:50 

Nr. 4. Studien im Gebiete der bóhmichen Kreideformation. VI. Die Chlom memi 

\ P'ohiohten "vox Dr Ant, E TIG P E NN ROT 

Nr.5. Die chemische Beschaffenheit der fliessenden tewässer Böhmen. 


II. Theil. Hydrochemie der Elbe. Von Dr. Jos. Hanamann . Gre, ТО 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1898 — Selbstverlag. 


FOSSILE UND RECENTE 


RAUBTHIERE BÖHMENS 


(CARNIVORA). 


VERFASST VON 
JOSEF KAFKA, 


ADJUNKT DER GEOLOGISCH-PALAEONTOLOGISCHEN ABTHEILUNG DES MUSEUMS 
DES KÖNIGR. BÖHMEN. 


MIT 55 TEXTFIGUREN. 


ARCHIV. DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN. LANDESDURCHFORSCHUNG 
VON BÓHMEN. (BAND X., No. 6). 


DR 


PRAG. 
In Kommissionsverlag bei Fr. hivná&. — Druck von Dr. Ed. Grégr à syn. 
1903. 


DAS ARCHIVY 


für die 
naturwissenschaftliehe Landesdurehforsehung von Böhmen 
enthält bishor folgende Arbeiten : 


ERSTER BAND: 
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 
Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen mit einer Höhenschichtenkarte 
Section П. von Prof. Dr. Karl Kořistka. Preis К &— der Karte app...» К 820 


IL. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: 
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd- 
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejčí. 
b) Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof J. Krejčí. 
c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. 
Kreideformation u.s. w. von Dr. Anton Frič. 
d) DieSteinkohlenbeeken von Radnic, vom Hüttenmeister Karl Foistm antel. 
Eres vus La E ENEE 
ПІ. Die Arbeiten der botanischen Althcilung. Dieselbe enthält: 
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) 
KG ТТ e Bh E ee REO a ы. Ж 
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
a) Verzeichniss der Käfer Böhmens vom Conservator Em. Lokaj. 
b) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 
Verzeichniss der Spinnen des nórdlichen Bóhmen vom Real-Lehrer 
Emynuej Borta Pris... VeL ve VAS Ip Hn ea ER 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis.. ... 50h 
Preis des ganzen Ie Dandet (АЮ uobis y en a Ce a R 


ZA4AWEITER BAND. 
Erster Theil. 
L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: 
Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen- 
gebirges und seiner südlichen und óstlichen Vorlagen mit einer Hóhen- 
schichtenkarte Section III. und des Riesengebirges von Prof. Dr. Karl 
Kořistka. 
Preis dieser Abtheilung EE ТК ШМ E A Жа ETE 
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens. 
b) Karl Feistmantel: DieSteinkohlenbecken bei Klein-Pfrílep, Lísek, Stílec, 
Holoubkow, Mireschau und Lotkow. 
c) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun. 
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Boneschau und dor Salz YN PIS ,.,...‚,‚ ТОЯ 
II. Theil enthält: 
Dr. Em. Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens 
Preis СОД MUR Ret Wc Ve RE c aou E e P qua uh Lo we odd e TTE PE TM 
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. K 20:— 
Zweiter Theil. 
IIL Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: А ; 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (П. Theil) 
(Vergriffen.) Preis MUN K 520 


с 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: 
а) Prof. Dr. Ant. Frié: Die Wirbelthiere Bóhmens. 
ke Ó b ў Die Flussfischerei in Bóhmen. 
Die Krdsvouthiore Böhmens Preise. 4. or 


c) » H ” H 

V. Chemische Abtheilung. 
Prof. Dr. Em. Воѓіску: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure 
И Wen UOS EE OU HLO S DEOS a RD 
Preis der ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. К 10'— 


FOSSILE UND RECENTE 
JIERE BÖHMENS 


(CARNIVORA). 


RAUDT 


VERFASST VON 


JOSEF КАНКА, 


ADJUNKT DER GEOLOGISCH-PALAEONTOLOGISCHEN ABTHEILUNG DES MUSEUMS DES KÖNIGR, BÖHMEN 


MIT 55 TEXTFIGUREN. 


ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. 
(Band X., No. 6.) 


5" 


PRAG. 
COMMISSIONSVERLAG VON FR. RIVNÁC. BUCHDRUCKEREI DR. ED. GRÉGR A SYN JN PRAG 
1908 


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Vorwort. 


Seit Herausgabe meines ersten Beitrages zu einem genaueren Studium der 
(recenten u. fossilen) Säugethierfauna Böhmens sind bis zur Herausgabe dieser 
Arbeit in böhmischer Sprache (1901) acht Jahre verflossen. Den grössten Theil 
dieser Zeit nahmen meine Arbeiten in den Sammlungen des böhmischen Museums 
im Laufe ihrer Uebersiedelung und der neuen Anordnung in Anspruch. 

Das diluviale Material, welches die Stütze für das Studium der meisten 
fossilen Reste bildet, war für mich infolge dessen beinahe bis zum J. 1898 fast 
vollstàndig unzugünglieh, so dass ich mich eine lüngere Zeit nur auf die Vorberei- 
tungsstudien für die zweite Partie der Säugethiere, nämlich der Raubthiere 
beschränken musste. 

Dadurch findet der etwas lange Intervall zwischen der Herausgabe beider 
Arbeiten seine Aufklärung. 

Inzwischen konnte ich einige neue Lokalitäten durchforschen und eine 
Reihe von neuen ausführlicheren Daten für die schon bekannten Fundstellen 
ansammeln, sowie auch im Auslande vergleichende osteologische Studien verfolgen, 
für welche hier in Prag an tauglichem Material mangelt; so namentlich habe ich 
meine Studien im Berliner naturhistorischen Museum, theils auch in der dortigen 
landwirthschaftlichen Hochschule an hunde-, katzen-, theils auch marderartigen 
Raubthieren durchgeführt. 

Wie eben in der vorigen Arbeit „Nagethiere Bóhmens* biete ich auch da 
nicht nur das neue, was meine eigene Arbeit hervorgebracht hatte, sondern im 
Einklange mit der Tendenz der Landesdurchforschungs - Archiv - Arbeiten eine 
Uebersicht der auf diesem Erforschungs-Gebiete der heimischen Fauna zusammen- 
gebrachten Kenntnisse mit Rücksicht auf die hieher einschlägige Literatur. 


Josef Kafka. 


Neue Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Diluvial- 
Ablagerungen. 


Es gibt nicht viele neue Lokalitäten, welche seit Herausgabe meiner ersten 
Arbeit in unserem Diluvium entdeckt oder genau untersucht wurden. Die Funde, 
welche im Berounka- Thal im Laufe einiger Jahre gemacht wurden, luden zu einer 
genaueren Untersuchung des Terrains zwichen Karlstein und Beraun ein, welche 
jedoch ein negatives Resultat brachte, soweit sie mit den verfügbaren Mitteln 
durchgeführt werden konnte. 

Eine vollständig neue und interessante Höhlenlokalität ist nur die Kalvarien- 
schlucht bei Reporej. 

Gänzliche Abtragung der Felsen, in welchen einst die Höhle Turská Maštal 
existierte, trug zu einer vollständigen Erschöpfung dieser Lokalitàt bei, bei 
welcher Gelegenheit mehrere neue Funde gemacht wurden. 

Im freiliegenden Löss der Umgebung von Prag sind nur wenige neue Funde 
zu verzeichnen und von diesen die meisten, mit Ausnahme von Lagomys, sind 
mit Fragezeichen zu bezeichnen. 

Von anderen Lokalitäten Böhmens wurden genauer die Lössablagerungen bei 
Türmitz untersucht und Belege für ihre Analogie mit den Lössablagerungen in der 
Umgebung von Prag gesammelt. Einige andere Autoren (Dr. J. N. Woldfich und 
J. Киба) widmeten ihre Aufmerksamkeit den Sandablagerungen und aerodynamischen 
Erscheinungen. 

Die Resultate dieser theils eigenen, theils von anderen Autoren durchge- 
führten Forschungen führe ich in den folgenden Kapitelu an. 


Kostelik und andere Hóhlen u. Felsklüfte am Beraunfluss. 


Die Kalkfelsen, welche im Devon Mährens und im Jura zu einer so manig- 
faltigen Höhlenbildung mit berühmten diluvialen Ablagerungen Anlass gaben, 
bieten bei uns in dieser Hinsicht einen weit ungünstigeren und beschränkteren 
Boden dar. 

Die meisten und interessantesten Funde aus diesem Gebiete habe ich 
grüsstentheils schon in meiner ersten Arbeit gewürdigt.") 

Hier folgt nur ein Bericht über weitere Nachforschungen, wenn auch diese 
grüsstentheils ein negatives Resultat gebracht haben. Es dürfte so jedenfalls das 


*) Recente u. fossile Nagethiere Böhmens. Archiv für naturw. Landesdurchforschung 
Bd. VII. Nro. 5. 


D 


festgestellt werden, was Schon einmal und in wie weit es untersucht wurde und wo 
man nun vielleicht noch etwas in der Zukunft erwarten kónnte. 

Bald nach Herausgabe meiner erwähnten Arbeit über die Nagethiere, wo 
die St. Prokopihöhle beschrieben ist, wurden durch das Kalkabräumen weitere 
Verzweigungen dieser Höhle entdeckt; in diesen fand ich leider keine Ablagerungen, 
keine Travertinbildugen mit organischen Resten mehr vor, sondern nur Kalkstein- 
irümmer, welche hie und da mit Kalksinter brekeienartig gebunden wurden, auch 
eingeschleppte Pflanzenästchen, welche mit Kalksinter überzogen sind. Einige 
winzige, jedoch interessante Stalagmit-Bildungen brachte aus diesen Höhlen Herr 
Ing. V. Fiala. 

In demselben Thale höher bei Reporej wurde jedoch eine neue Schlucht 
im Kalvarienberge entdeckt, welche eine Menge von manigfaltigen Knochenresten 
darbot und welche weiters unten selbstständig behandelt werden soll. 

Ich untersuchte weiters die recht zahlreichen Löcher und Höhlungen, welche 
sich in den Kalksteinen an beiden Ufern des Beraunflusses zwischen Karlstein 
und Beraun vorfinden und von deren Inhalt bisjetzt nichts bekannt wurde. 

Diese Untersuchung wurde mit folgendem Resultat durchgeführt: 

1. Die Höhle Kostelik am rechten Ufer des Beraunflusses unweit von 
Karlstein hat ihre Oeffnung ganz in der Nähe der Bahnstrecke, und diese Oeffnung 
führt in eine ziemlich geräumige Aushöhlung, welche schon im 18. Jahrh. oft 
besucht wurde, wie es die Inschriften an der Höhlenwand beweisen. 

Ich liess hier versuchsweise einen 3 m mächtigen Schacht abteufen ohne 
überhaupt was anderes zu finden als einen feinen, gelben Sand. Denselben Sand 
führt auch die kaminartige Schlucht, welche sich von der hinteren Partie der 
Höble emporzieht und wahrscheinlich irgendwo am Hochplateau der silurischen 
Felsen ihre ursprüngliche Oeffnung hatte, durch welche diese Sandablagerungen 
eingeschwemmt wurden. Der Charakter dieses Sandes deutet sehr wahrscheinlich auf 
seinen Ursprung aus den verschwundenen Kreideschichten bin, welche einst die 
Oberfläche des silurischen Plateaus bedeckten und deren Reste noch in diesem 
Gebiete wahrzunehmen sind. Es wurden hier gar keine organischen Reste, nicht 
einmal alluvialen Ursprungs vorgefunden und die Lage und sowie der Charakter 
der Höhle lassen wohl sehr wahrscheinlich vermuthen, dass sie weder dem Menschen 
noch den Raubthieren als Zufluchts — oder längeren Aufenthaltsort diente, weil 
sie gewiss auch vom Hochwasser des Flusses berührt wurde. Bestimmt liesse es 
sich nur durch Abgrabung des Bodens vor der Höhle und Abtäufung ihrer Ablage- 
rung in eine grössere Tiefe feststellen. 

2. Die Höhle am Кабак. Einige Minuten aufwärts am Nebenbache Кабак 
erblickt man in der höchsten Lage der Felsen am linken Ufer eine Oeffnung, welche 
in eine geräumige Aushöhlung hinführt, auf deren Boden man eine recht ausgiebige 
Anhäufung von einer schwarzen und aschenartigen Ablagerung vorfindet. So weit 
ich hier in die Tiefe eindringen Konnte, änderte sich der Charakter der Ablage- 
rung in keiner Weise und da die Tiefe der Höhle in den zugänglichen Räumen 
keinesfalls gross ist, scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, dass hier keine 
andere, als diese alluviale Ablagerung zu finden ist. Hier dürfte auch eine voll- 


ständige Abrüumung der Ablagerung nieht so kostspielig sein wie in der Höhle 
Kostelik. 

Die hier befindliche alluviale Ablagerung ist hauptsächlich aus Fleder- 
máuse- und Eulenkoth mit zahlreichen Insektenresten, hie und da auch kleinen 
Säugethierknochen zusammengesetzt. Die Höhle stellt wie andere Felsenlöcher 
dieser Umgebung nur eine Aushöhlung ohne kaminartigen Verbindung mit der 
Oberfläche des Plateaus und mit einem flachen, steinernen Boden vor. 

3. Die kleineren Löcher, welche man recht häufig in verschiedenen Höhen 
insbesonders am linken Ufer des Beraunflusses erblickt und welche meistens 
unzugänglich sind, wurden von mir erüsstentheils untersucht, indem ich mich 
mittelst einer Leine vom oben herablassen liess. 

In einigen fand ich nur den harten Kalkfelsenboden ohne jeweiler Ablage- 
rung vor, andere kann man als verlassene Zufluchtsstätte der kleinen alluvi- 
alen Raubthiere oder einiger Raubvögel bezeichnen. Es wurden hier Überreste 
von folgenden Arten aufgefunden: 


Vulpes alopex L. Arvicola arvalis Pall. 
Putorius putorius L. Sorex vulgaris L. 
Felis domestica L. Lacerta agilis L. 
Vesperugo sp. Corvus corax L. 
Arvicola amphibius L. Turdus sp. 


Der Charakter der vorgefundenen Knochen ist gewóhlich ganz bestimmt 
alluvial, dennoch kommen sehr schón braungefürbte und glänzende Knochenreste 
vor, welche sehr den ältesten Resten z. В. aus Sudslavic oder aus mährischen 
Höhlen ähnlich siud, das insbesonders in den ganz trockenen und vor jeder 
Feuchtigkeit geschützten Löchern, wo die Reste in einer sehr feinen Lehmschicht 
in schmalen Klüften eingelagert sind. 

Das Resultat dieser Nachforschungen deutet auch darauf hin, das auch die 
grösseren Höhlungen eine nahmhaftere Ausbeute, was die diluviale Fauna anbelang 
nicht versprechen, und dass also die Aufgrabungen in denselben nicht anempfohlen 
werden können, solange nicht Mittel auf Forschungen vorhanden sind, welche ein 
volständig negatives Resultat darbringen können. 


Kalvarien-Schlucht bei Repora. 


Die Kalksteine der Konépruser Etage (/f,), in welchen in den letzten Jahren 
zahlreiche Steinbrüche aufgemacht wurden, sind recht häufig von Spalten und 
Klüften durchgedrungen, welche oftmals erst bei dem Steinbrechen entdeckt werden. 
Ihre Mündungen, Ausgänge und Kaminüffnungen sind entweder von einer alluvialen 
Ablagerung zugedeckt, oder durch Kalkiufiltration vollständig versperrt. 

Einen ähnlichen Charakter besitzt auch die Kalvarienschlucht bei Repora, 
welche in einem Felsen der Gemeinde Holin im Steinbruche Nr. 3 ursprünglich 
geóffnet wurde; in der damals zugänglich gewordenen Ablagerung dieser Schlucht 


"CO 


sollte ein Menschenschüdel gefunden worden sein, dennoch nicht einmal dieser, 
noch weniger andere Details sind gerettet oder nur zur Kenntnis gebracht worden, 

Erst im Jahre 1893 beim Abschuss eines grósseren Theiles des Felsen wurde 
in dem benachbarten Steinbruche Nr. 4 ihre Fortsetzung, nämlich eine grosse, 
horizontal gelegene, mit Ablagerung vollständig gefüllte Schlucht entdeckt. Als in 


Fig. 1. Kalvarienschlucht bei Repora. Durchgang inmitten der vorderen und hinteren Ab- 
theilung der Schlucht, durch Kalksteinblöcke und Trümmer gesperrt; links empor zieht sich der 
mit Kalkinfiltration gesperrte Kamingang. 


der Ablagerung viele Knochen aufgefunden wurden, brachte es der Kalkwerks- und 
Kalksteinbrüche-Verwalter Herr J. Nesmérák der Verwaltung unseres Museum zur 
Kenntnis und so fand ich die Gelegenheit die Fundstelle nüher zu untersuchen. 

Der Stand, in welchem ich die Schlucht am 18. Juni 1893 gefunden habe, 
ist durch die Fig. 1 photographisch dargestellt, welche uns sogleich auch ein 
interessantes Hóhlenprofil vorführt, das wir in Bóhmen noch nicht erkannt haben. 


9 


In einer Höhe von 25 m über dem Geleise der Duxer Eisenbahn lag hier 
horizontal der Schluchtboden in einer zugänglichen ‘Länge von 8:5 m. Links verlief 
das Sehluchtende, stark verschmälert in südöstlicher Richtung noch etwas weiter 
in die Felsenmasse. Die aufgemachte Schluchtpartie wurde mit einer sanft gegen 
die Schluchtausmündung (d. h. gegen den Westen) emporsteigende (zur Zeit meiner 
Untersuchung schon grósstentheils abgebrochene) Kalksteindecke geschlossen. 


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Fig. 2. Profil der. Kalvarienschlucht bei Repora. A Vordere Abtheilung, welche im Stein- 
bruche Nro 3 geöffnet wurde. 3 Hintere Abtheilung im Steinbruche Nro 4. v Kalkstein. X Durch 
Infiltration gesperrte Kamingang. o Ackererde. h Die unterste rothlehmige Diluvialschicht mit 
Raubthier- und grossen Säugethier-Knochenresten. $ Unregelmässig abgelagerte Geschiebe und 
Kalksteintrümmerschicht. ¿ Dunkle, breceienartige Schicht mit zahlreichen kleineren Säuge- 
thier-Knochenresten. » Obere Schicht mit Fledermausguano. 


Diese Decke befand sich in einer durchschnittlichen Höhe von 2 m. Gegen 
Westen wurde die Schlucht durch einen mächtigen Kalksteinblock verengt und auf 
dieser Stelle theilte sich eine, durch Kalkinfiltration gefüllte Abzweigung in süd- 
westlicher Richtung ab. Auf derselben Stelle befand sich die Ausmündung des 
kaminartigen Ganges, welcher sich bis zur Höhe von 6 m emporzog; derselbe war 
unten 1 m, höher nur 70 und auf der höchsten zugänglichen Stelle nur 60 cm 
breit; in seiner unteren Abtheilung wurden nur spärliche Kalksteintrümmer vor- 
gefunden, die mittlere Partie war vollständig leer und die obere Oeffnung mit 
Kalkinfiltration gesperrt und mit der Ackererde zugedeckt. Die untere Oeffnung 
führte in die vordere, gegen Westen sich hinziehende Schluchtabtheilung, welche 
etwas geräumiger war als die hintere und ihre 3 m hohe Ausmündung in dem 
Steinbruche Nr. 3 hatte. 

Im Ganzen war hier also den 18. Juni 1893 eine horizontal gelegene Schlucht 
von 16 m Länge vorhanden, welche mit dem Felsenplateau durch einen 6 m hohen 


Kamingang verbunden wurde (Fig. 2). 


10 


Diese Schlucht wurde in der hinteren Abtheilung fast vollständig bis zur 
Decke mit Ablagerung ausgefüllt, dagegen in der vorderen Abtheilung wurde nur 
der Boden mit einer Ablagerung bedeckt. 

Es war hier nur eine gering mächtige Lehmschicht mit einer Kalksteintrümern- 
lage. Im Lehm sollte hier, wie schon oben erwähnt wurde, ein Menschenschädel vor- 
gefunden worden sein, sonst aber waren die Knochenreste hier schon recht spärlich. 

Die Ablagerung in der hinteren Schluchtabtheilung wurde in einer Höhe 
von 60—70 em ober dem Boden aus einem feuchten, róthlichen, stark kalkhaltigen 
Lehm gebildet, in welchem sich die Hauptfundstelle der diluvialen Knochenreste 
vorfand; es waren dies Hyaenen-, Bären-, Hirsch- und Auerochsknochen, welche 
sehr feucht und vom Kalk durchgedrungen wurden, so dass sie sich an der Luft 
gelóscht haben und mussten durch Leimimpregnation gerettet werden. 

Auf dieser Lehmschicht ruhte eine steinige Schicht, welche meist aus Kalk- 
steintrümern bestand, in einer ungleichmässigen Mächtigkeit abgelagert und fossil- 
frei war. 

Es folgte dann eine, durchschnittlich 1 m mächtige Schicht von einem 
dunkelbraunen feuchten Lehm mit einer grossen Menge kleinerer Knochenresten, 
welche stellenweise breceienartig verbunden wurden. Der grösste Antheil an diesen 
Knochenresten gehört dem Dachse und "dem Fuchse, theils auch der Wildkatze 
und dann der von diesen Thieren eingeschleppten Beute, nämlich dem Hasen, 
Ziesel, Hamster, Wühlmäusen, verschiedenen Vögeln u. dgl, auch einigen Thieren 
schon, welche auf die Nachbarschaft des Menschen hinweisen, nämlich dem Huhn, 
Ziegenjungen u. ähnl. 

Diese Schicht war ziemlich bröckelig und locker und wuchs wahrscheinlich 
sehr schnell auf, so dass recht bald die Schlucht für die grösseren Thiere zu eng 
wurde; als zu derselben Zeit auch die Kaminöffnung durch Kalkinfiltration und der 
Haupteingang durch die Kalksteintrümmer verengt wurde, konnten in diese Schlucht 
nur noch die Fledermäuse eindringen, deren hier eine grosse Menge hausen musste, 
denn die oberste Schicht: wird in einer Mächtiekeit von 20—30 cm aus nichts 
anderem als aus dem Fledermäuseguano mit grosser Menge von Insektenresten 
gebildet. — 

In ihrer dreischichtigen Ablagerung stellt uns die Kalvarienschlucht drei 
Perioden dar: 

I. Eine diluviale Periode mit charakteristischen grossen Raubthieren (Hyaene 
und Bär) und der von ihnen eingeschleppten Beute. 

IL Eine allwiiale Periode mit kleineren Raubthieren sammt ihrer Beute. 

III. Kine recente Periode mit dem Fledermausguano. 

Die erste Periode (Schicht A) weist folgendes, was die Artenzahl anbelangt 
ziemlich kleines, jedoch an Knochenmenge recht ergiebiges palaeontologisches 
Inventar auf: 


Hyaena crocuta Erxl. Cervus elaphus L. 
Ursus arctos L. Bos sp. 
Capra sp. (abgenagte Re-to). 


Ti 


Die zweite Periode (Schicht f) ist an Artenzahl sowie an Knochenmenge 
die reichste: 


Vulpes alopex L. Lepus cuniculus L. 
Felis catus L. Cervus eapreolus L. 
Meles taxus Bodd. Cervus elaphus L. 
Canis familiaris palustris Rütm. Ovis sp. 

Lepus timidus L. Sus scrofa L. 

Talpa europaea L. Arvicola amphibius L. 
Oricetus frumentarius Pall. Arvicola arvalis Pall. 


permophilus citillus L. 


Die dritte Periode (Schicht n) führt noch eine Reihe der Resten der zweiten 
Periode nämlich der kleinen Nagethiere und Insektenfresser weiter fort, zu diesen 
kommen jedoch zahlreiche Insekten- und Fledermausreste; die letzteren sind jedoch 
ziemlich selten, dagegen häufig: 

Cricetus frumentarius Pall. Spermophillus eitillus L. 
Arvicola amphibius L. Käferflügel. 

Im ganzen besitzt auch die diluviale Periode dieser Ablagerungen einen 
jüngeren Charakter, denn einerseits fehlen hier vollständig Spuren der charakte- 
rischen Tundren- und Steppenfauna, andererseits der schroffe Uebergang in die rein 
alluviale Periode weist darauf hin, dass nicht nur der Bär, von welchem es wohl 
bekannt ist, aber auch die Hyaene die ganze diluviale Periode bei uns überstanden 
hat und vielleicht noch zur Zeit des ülteren vorhistorischen Menschen hier lebte. 


Die zweite Periode fällt jedenfalls schon in das Zeitalter des menschlichen 
Geschlechtes, wie darauf schon die eingeschleppten Reste der Hausthiere hindeuten, 
unter welchen auch der Schäferhund auftritt. Auch wurde hier ein Dachsknochen mit 
einer Fraetur aufgefunden, welche nur nach Verwundung mit einem Jagdgewehre 
entstehen konnte. Wahrscheinlich zieht sich das Ablagern dieser zweiten Schicht 
weit in die alluviale Zeit und wird durch Anhäufung der Reste der dritten Periode 
ganz allmählich beendet. 


Turská Mastal bei Beraun. 


Das Resultat meiner ursprünglichen Erforschung dieser Fundstelle ist schon 
in meiner Arbeit „Recente und fossile Nagethiere Böhmens“ ausführlieh angeführt. 
Bei der nachträglich vollständigen Abräumung der Felsen wurde noch ein weiteres 
Material erworben, welches nur theils in unsere Museumssammlungen gelang theils 
in einer neuen Publication des Prof. J. N. Woldfich*) erörtert wurde. 

Aus Formen, welche auf dieser Lokalität vorher nicht bekannt waren, sind 
in diesem Berichte angeführt worden: 


*) Dr. J. N. Woldřich, Fossilní zvifena Turské Maštale u Berouna v Cechách a rozsedliny 
Louvernéské ve Francii. Schriften der bóhm. Akademie II. Cl, II. Jahrg. 1593. 


12 


Leopardus pardoides (Ulna) Wold. 

Elephas primigenius Blumb. 

Bos sp. 

Cervus canadensis var. maral, Ogil. 

Equus caballus fossilis Rütm. 

Equus caballus fossilis, minor Woldr. 

Sus sp. 

Im Materiale, welches unseren Sammlungen einverleibt wurde, sind mit Aus- 
nahme des Leop. pardoides und Cer. canadensis alle übrigen vertreten; die Reste 
vom Bos und Sus wurden zahlreicher aufgefunden und als Bos brachyceros Rütm. 
und Sus europaeus erkannt, nebstdem wurde auch Rangifer tarandus konstatirt. 

Leopardus pardoides Woldř. kann wohl nicht unberührt bleiben, was in dem 
speciellen Theil dieser Arbeit näher besprochen und begründet ist. Ulna, welche 
unter diesem Namen angeführt wird, ist jedenfalls eher ein Felis lynx als Leopar- 
dus. Bei dem vollständigen Abbau der Höhle wurden in den hinteren Felsklüften 
noch jüngere, postdiluviale und alluviale Ablagerungen entdeckt, aus welchen folgende 
Arten herstammen: 


Jervus elaphus L. 
Cervus capreolus L. 
Capra sp. 


Meles taxus Bodd. 
Felis catus L. 
Esox lucius L. 


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Sus scropha 1. 

Von Dr. Woldfich wurden Reste des kanadischen Hirschen und des Mamuts 
abgebildet, welche Kratz- und Schnittspuren tragen, die vielleicht von einer Spitze 
oder von einem Feuersteinmesser herrühren kónnten, woraus man auf die Gegen- 
wart des Menschen schliesst. Die Abwesenheit des Rennthieres schien jedoch 
Dr. Woldrich als hinreichender Grund zu einem Urtheil zu sein, dass der Mensch die 
Höhle Turská Maštal nicht bewohnt hat. Wie solche Schlüsse aus der Luft gegriffen 
sind, beweist der Umstand, dass das Rennthier dennoch in der Turská Mastal ge- 
funden wurde, obwohl nach meiner Meinung ein derartiger Einzelnfund auch für 
eine entgegengesetzte Schlussfolgerung nicht hinreichend ist. 

Das Endresultat der Durchforschung der Höhle Turská Maátal weist nach 
Dr. Woldfich's und meinen Bestimmungen folgendes palaeontologisches Inventar auf: 


Felis lynx L. (syn. Leopardus pardoides Sus scropha L. 

Woldr.). Elephas primigenius Blmb. 
Felis catus L. Bos brachyceros Rütm. 
Hyaena crocuta Erxl. Ibex sp. 

Lupus vulgaris foss. Woldf. L. Capra sp. 
spelaeus Goldf. hangifer tarandus L. 


Cervus elaphus L. 

Cervus canadensis var. maral. Ogil. 

Cervus capreolus L. 

Rhinoceros tichorhinus G. Fischer Equus caballus fossilis Rütm. 
(Atelodus. Merckii?) Equus caballus fossilis minor Woldr. 

Sus europeus L, Esox lucius L. 


Ursus spelaeus Rosm. 
Vulpes alopex foss. Woldr. 
Meles taxus Bodd. 


13 


Dr. Woldřich führt einen Vergleich dieser Fauna mit der Fauna der Lou- 
vernénschen Hóhle in Frankreich durch, welchen Vergleich man auf Grund der jetzt 
vervollständigten Uebersicht jedenfalls genauer durchführen капи’) 

Yemeiuschaftlich beiden Lokalitäten sind folgende Formen: Meles taxus, 
Vulpes alopex foss., Hyaena crocuta, Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus, 
Sus scropha, Equus caballus, Bos, Cervus elaphus, Cervus elaphus canadensis, 
Rangifer tarandus, Canis lupus, Ursus ferox und Ursus spelaeus, Felis pardus oder 
Felis lynx, und fehlt eigentlich in der Turská Maštal auch Felis leo spelaea nicht, 
denn der Löwe wurde in der nächsten Nachbarschaft aufgefunden. Nebstdem finden 
wir hier noch mehr um Ibex sp. Capra 8р, und aus der jüngsten Zeit noch Felis 
catus und Cervus capreolus. 

Es ist beachtungswerth dabei, dass ап beiden Lokalitäten folgende ältere 
und jüngere Formen beisammen aufgefunden wurden: 

Felis spelaea neben Felis leo | imderiDbtv.iHoble. 

Bos primigenius neben Bos taurus | 

Cervus eanad. neben Cervus elaphus L. 

Sus europeus neben Sus scropha. 

Eine derartige Gesellschaft gibt Gaudry **) Anlass zur Folgerung, dass 
sich die heutige Race in derselben europäischen Gegend entwickeln konnte, dass 
also die diluviale (Mamuth-)Epoche mit der Jetztzeit eng zusammenhängt. Dieselbe 
Ansicht vertheidigt auch Dr. Woldřich, so dass es mich sehr wundert, warum er 
meinen Ausführungen entgegensteht, welche diese Ansicht nur unterstützen, wenn 
ich behaupte, wie ich’s auf Seite 35 u. 36 meiner Arbeit „Nagethiere“ gethan habe, dass 
die ältere Diluvialfauna, welche unsere Fluren schon in der praeglacialen Periode 
belebt hatte, nur allmählich den jüngeren Formen wich, und dass die Jetztzeit nur 
eine eng zusammenhängende Fortsetzung der diluvialen Periode bildet, so dass wir 
noch heutzutage hier die relicten Formen der Tundren- und Steppenfauna begegnen, 
obzwar inzwischen die Gegend einen Charakter des bebauten oder waldigen 
Bodens bekam. 


Die Höhle in Kobyla. 


Bei meiner Schilderung des „Červený Lom“ (Nagethiere, Seite 19) habe ich 
die Erwühnung über eine Hóhle gemacht, welche ich in diesem Kalkbruche damals 
besucht habe und deren Verbindung mit einer anderen Hóhle ich damals vermuthete, 
obwohl ich dieselbe umsonst zu sicherstellen suchte. 

Der Kalksteinbruch „Öerveny Lom“ war an der Südseite des bewaldeten 
Hügels Kobyla bei Suchomast gelegen und eine kleine Oeffnung, welche auf meiner 
Abbildung mit J bezeichnet ist, führte in eine geschlossene und geräumige Aus- 
hóhlung, die sich gegen den Norden zog. Durch fortgesetztes Steinbrechen in diesem 


*) Dr. Woldřich, Foss. zvitena Turské Maštale, Seite 12. 
** Alb. Gaudry, Matériaux pour lhistoire des temps qu 
1876—1892. : 


aternaires. Paris Fase. L—1V. 


14 


Hügel wurden die theils gedeckten Höhlenpartien geöffnet und bei der Gelegenheit 
iz] © © 

einige neue Knochenfunde gemacht, deren ein Theil durch die Güte des Н. Kalk- 

werksverwalters V. Suchomel aus Beraun in die Museumssammlungen gelangt ist. 


Diese Reste besitzen einen vollständig anderen Charakter als die Reste 
aus dem Červený Lom und ihr Äusseres weist entschieden auf eine jüngere 
Periode hin. 

Es sind das übrigens Reste zweierlei Art; die einen stammen jedenfalls aus 
den oberflächlichen alluvialen Ablagerungen und sind es hauptsächlich Reste von 
Pferd und Hirschen, die anderen sind jedenfalls etwas älter und gehören der 
Hyaene und einem Hunde an. Das ganze palaeontologische Inventar dieser Fund- 
stelle, soweit es uns vorliegt, beschränkt sich also vorläufig nur auf diese 


Hyaena crocuta Erxl. 
Canis ferus Bourg. 
Equus caballus G. 
Cervus elaphus L. 


diluviale Formen: 


und alluviale Formen : 


Die Lössablagerungen bei Türmitz. 


Mit Beihilfe des Н. Seehars, Lehrer in Türmitz wurden die dortigen Löss- 
ablagerungen wiederholt ausgebeutet. Die hiesigen Funde, welche theils nach 
Berlin dem H. Prof. Nehring, theils in das Landesmuseum in Prag vertheilt wurden, 
stammen nicht aus denselben Fundstellen und aus gleichen geologischen Verhältnissen. 
Ich habe deswegen die türmitzer Lokalitäten mehrmals besucht um in Gesellschaft 
H. Seehars die näheren Verhältnisse der Einzelnfunde sicherzustellen. 

Obwohl die dortige Lössablagerung schon ihrem Bildungsmaterial wegen, 
welches aus den tertiaeren Schichten und Basalttrümern herstammt, auf den 
ersten Blick ein von den Lössablagerungen der Umgebung von Prag verschieden- 
artiges Aussehen besitzt, lässt sich dennoch auch hier eine ähnliche Ablagerungs- 
art verfolgen. 

Die diluvialen Ablagerungen ruhen hier auf einer tertiaeren Unterlage, 
welche besonders aus Sandsteinen besteht, so dass die unterste Lage der diluvialen 
Schichten aus sandigen Ablagerungen gebildet wird. Es sind dies lockere, stellen- 
weise auch lehmhaltige Sande, welche hie und da in verschiedenfarbigen Schichten 
wechseln, bald mit einer dünnen Schicht des diluvialen Lehms und der Acker- 
krumme bedeckt sind, bald jedoch dagegen eine Unterlage von mächtigen dilu- 
vialen Ablagerungen bilden. 

Auf diesen letzteren Stellen sind die Sandschichten mit einer mehr oder 
minder mächtigen Basaltgeschiebe- und Basalttrümer-Schicht bedeckt, deren Elemente 
meistens sehr wenig vom Wasser abgerollt sind. 


Die Sandablagerungen, welche auch häufig grössere Sandsteinblöcke ent- 
halten, könnten leicht noch für eine tertiaere Schicht gehalten werden, wenn für 
ihre secundäre Lage die palaeontologischen Funde nicht ohne Bedeutung wären. 


15 


Vom Н. Seehars wurden eben in dieser Sandschicht mehrere] Reste aufge- 
funden, welche sich in unserem Besitz befinden und aus welchen insbesonders 


folgende eine Erwähnung verdienen: 


Felis Leo spelaeus Filh. 
Hyaena crocuta Erxl. 
Elephas primigenius Blmb. 
Rhinoceros tichorhinus Cuv. 
Equus caballus foss. Rütm. 


Das stimmt auffallend mit den Funden in der Umgebung von Prag sowie 
auf anderen Lokalitàten überein, denn die Geschiebe-, Geróülle- und Sandschichten, 
welche die unterste Lage unseren frei abgelagerten Diluvialschichten bilden, sind 
wohl als Horizont der grossen Süugethiere und Raubthiere, der ältesten diluvialen 
und praeglacialen Fauna bekannt. 


Fig. 3. Schematisches Übersichtsprofil dureh die diluvialen Ablagerungen in der Um- 
gebung von Türmitz. : Tertiaerer Sandstein. @ Die unteren, mehr oder minder sandigen und 
geschichteten Ablagerungen. /' Die erste Vegetationschicht (Tabakschicht der Prager Umgebung). 
Ls Loesablagerung; hohe, kompakte Lebmschicht, oben mit (B) Basalttrümern und Basalt- 
gerölle gemischt. 4^ Zweite Vegetationschicht. Pd Unregelmüssige Lehmanhäufungen. A—B Ältere 
B Aschgruben. A Ablagerung mit Asche. K Jüngere schwarze Kultur- 


vorhistorische Schichten. 
(Umenscherben). o Ackerkrumme. (Theilweise nach 


schichten mit archaeologischen Gegenständen 
Aufzeichnungen vom H. Seehars). 


Die auf den Sandschichten aufruhenden Ablagerungen sind vorerst aus einem 


sandigen Lehm gebildet, der theils in geschichteten, verschiedenfarbigen Lagen 


auftritt und oberst mit einer deutlich braunen Schicht abschliesst. Ich erblicke in 
dieser Schiehtenstufe eine Analogie der Schiehtung bei Podbaba (Nagethiere Seite 10. 
Profil 3, 4 u. 5), welehe ich als Ablagerungen der Tundren-Periode bezeichnet 
habe und welche mit der ersten Vegetationsschicht (braunen Tabakschicht) abge- 
schlossen sind. Diese Ausicht findet ihre Bestätigung durch Auffindung des 


Rennthiers, Elens und Lemmings; also der Formen: 


16 


Fig. 4. Detail-Profil dureh die Lóss- 
ablagerung bei Türmitz. € Tertiaer Sand- 
stein. р Sandige, gewöhnlich weissliche 
Schichten mit Knochenresten von Löwen 
und grossen Säugethieren; praeglacialer 
Horizont. » Sandiglehnige, verschieden far- 
bige Schichten mit Resten vom Rennthier, 
Lemming und Ellen mit einer Vegetation- 
schicht k' abgeschlossen. M Untere san- 
dige Lage des diluvialen Lehms mit Mol- 
lusken. Z Oberer gelber Ziegellehm mit 
Erdlóchern der Murmelthiere (s) und oberst 
mit einer Lage der Basaltgeschiebe. Die 
Schichten M und Z bilden den Steppen- 
horizont, welcher mit der zweiten Vege- 
tationschicht (%*) abgeschlossen ist. Pd Un- 
regelmässig abgelagerter, gelber Lehm der 


jüngsten Steppenperiode. A Ältere vorhisto- 


rische Schichten. K Jüngere vorhistorische 
Schichten. o Ackerkrumme. 


Rangifer tarandus L. 
Alces palmatus. 
Myodes torquatus.*) 

Auf die erste Vegetationsschicht, welche 
wahrscheinlich eine Verkohlung der Vege- 
tationsdecke (vielleicht auch eine Folge eines 
Grasbrandes) darstellt, folgt die Hauptablage- 
rung des ungeschichteten, kompakten Lehms. 
In der untersten, lockeren, weil noch mehr san- 
digen Lagen desselben finden sich Schnecken- 
häuschen. Eine Art derselben (Helix strigella 
Drap) wurde sogar schon unter der Vege- 
tationsschicht angetroffen. In den kompakteren 
Lagen, welehe hóher folgen, erblickt man die 
Murmelthier- und Ziesel-Erdlöcher, welche in 
eine bedeutende Tiefe eindringen, wo in den- 
selben von H. Seehars sehr viele Knochen- 
reste aufgefunden wurden, insbesonders von 
folgenden Arten: 

Spermophilus rufescens Keys & Blas 
Arctomys bobac fossilis Nehr. 
Alactaga saliens foss. Nehr. 
Putorius putorius L. 

Vulpes alopex foss. Woldr. 
Rangifer tarandus L. 

Bos sp. 

Ovis sp. 

Ibex sp. 


So haben wir vor unseren Augen hier 
denselben Steppenhorizont, welehen ich in 
den Lóssschichten der Umgebung Prags kon- 
statiert habe und dessen Charakter vollständig 
analogisch ist d. h. in den untersten Lagen 
sandiger Lehm mit Mollusken, höher kom- 
pakter Lehm mit Erdlöchern der Murmelthiere. 

Diese Lehmablagerung schliesst oben mit 
einigen geschichteten Lagen ab, in welchen 
die Gerölle und Trümer (besonders die von 
Basalt) wieder auftauchen, welche Erscheinung 
ebenfalls in der Umgebung Prags wahrnehmbar 
ist, nur dass die Dasalttrümer hier durch 
Gerölle und Geschiebe aus Rotheisenerz, 
Kieselstein u. dg. vertreten sind. — Auch in 


х) Myodes torquatus wird vom Dr. Prof. Nehring angeführt und stammt sehr wahr- 
scheinlich aus dieser Schicht. 


17 


Türmitz kommt in diesem. Horizonte eine zweite Vegetationsschicht als eine Analogie 
der Oberen Tabakschicht der Umgebung von Prag (Nro.9 des Profiles von Podbaba) vor- 

Weiter gegen die Oberfläche vermehren sich die Gesteinstrümer, welche 
besonders aus Basaltbruchstücken und tertiaeren Schichtenabkömmligen zusammen- 
gesetzt sind und allmühlich vom schwarzen und rostigen Boden durchgedrungen und 
mit Ackerkrumme bedeckt werden. 

Auf einigen Stellen folgt jedoch noch weitere Ablagerung; in diesem 
Falle erblickt man im Hangenden der oberen Vegetationsschicht unregelmässige, 
hügelige Anhäufungen vom gelben Lehm (gelber Dachziegellehm, Nro. 12 des Profiles 
von Podbaba bei Prag), in deren Vertiefungen aschhaltige Schichten der vorhistori- 
schen Periode abgelagert sind. 

Das palaeontologische Inventar der Türmitzer Fundstellen ist jetzt infolge 
dieser neueren Forschungen recht reichlicher als zur Zeit der Herausgabe meiner 
„Nagethiere“. Ich säume also nicht dasselbe vom neuen hier anzuführen und zwar 
auf Grund des Materials unserer Museumssammlungen, welches theils von mir, 
theils von Fr. Blažka (die Mollusken) bestimmt wurde uud vervollständige dasselbe 
auch durch die Berichte und Bestimmungen des Prof. Nehring und Dr. Woldfich,') 
sowie durch die neuesten Mollusken-Bestimmungen des MUDr. J. Babor. 

Felis leo L. Equus caballus foss. Rütm. 
Ursus spelaeus’). Equus cabalus var. germ. Nehr. 


Hyaena crocuta Erxl. Н A foss. minor. Wold. 


Vulpes alopex foss. Woldi. 

Vulpes alopex L. (ganze Skelette) 

Putorius putorius L. 

Arctomys- bobae foss. Nhrg. 

Spermophilus rufescens K. s. Bl. (ganze 
Skelette). 

Alactaga saliens foss. Nehr. 

Myodes torquatus *). 

Cervus (elaphus?) L. 

Rangifer tarandus L. 

Alces palmatus foss. Nord. 

Bos sp. (Nehrg ) 

Bos. primigenius Boz. 

Bos. brachyceros foss. Woldr. 

Ovis sp. 

Ibex sp. 


Elephas primigenius Blmb. 

Rhinoceros tichorhinus Cuv. (anstatt Atel. 
antiquitatis und Atel. Merckii (?) des 
Verzeichnisses, Nagethiere s. 29), 

Sus sp. 

Helix (Vallonia) pulchella Müll. 

Helix (Fruticicola) hispida Müll. 

Helix (Euomphalia) strigela Drap. 

Helix (Eulota) fruticum Müll. var. tur- 
fica Stav. 

Helix (Xerophila) striata Müll. 

Galeionella acicula Müll. 

Pupa (Pupilla) muscorum Müll. 

Succinea (Lucem) oblonga Drap var. 
humilis Drouét. 

Hyalinia (Vitrea) diaphana Stav. 


!) Prof. dr. А. Nehring. Einige Notizen über die pleistocaene Fauna von Türmitz in Böhm. 


Neues Jahrb. f, Miner. etc. 1894—1I. — Ueber fossile Skelette von Steppen-Nagern aus dem nórd- 
lichen Böhm. ib. 1897—IL. Ueber Alactaga saliens fossilis Nehrg. ib. 1898—П. — Prof. dr. J. N. 
Woldřich Steppeufauna von Aussig in Böhmen. Verhand, d. k. К. geol. Reichsanstalt Wien 1888. — 
Dil. Fauna und der diluviale Mensch von Aussig = Türmitz. (Beitr. zur Urg. Böhmen). Mitth. d. anthr. 
Ges. Wien XIX. Bd. 1889. MUDr. J. Babor. Mökkysi čes. plistocaenu a holocaenu. 

2) Laube Gust, Ueber einen Fund diluvialer Thierreste im Elblöss bei Aussig. Sitz. d. b. 


Ges. d. Wiss. 1874. 
*) Nehring. Ueber foss. Skelette von Steppen-Nagern aus dem nórdl. Böhmen. Neues Jahrb. 1897. 


9 
2 


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TY 


Ziegelei Bulovka bei Kosir. 


Diese Lokalität wurde einer genaueren geologisch-palaeontologischen Erfor- 
schung von Dr. J. N. Woldfich*) unterworfen. Einige Reste aus derselben 
befinden sich auch in den Museumssammlungen. Dr. Woldfich führt von hier 
folgende Fauna (die gesperrt gedruckten Namen bezeichnen die Formen, welche 
für die Umgebung von Prag als neu angesehen werden) auf: 


Foetorius putorius fossilis Woldf. Lepus variabilis Pallas. 
Foetorius erminea Keys & Blas. Lagomys pusillus foss. Nehr. 
Cricetus vulgaris fossillis Woldf. Alactaga jaculus foss. Nehr. 
Arvicola amphibius L. Dos primigenius Bop. (?) 

h gregalis foss Nehr. Ovis argaloides Nehr. (?) 
Spermophilus rufescens Keys & Blas. Rangifer tarandus L. 
Spermophilus guttatus Temm. (?). Atelodus antiquitatis Brandt. 

n fulvus Hensel (?) Atelodus Merckii Brandt. (?) 
Arctomys primigenius Kaup. Equus caballus fossis Rütm. 
Equus caballus fossilis minor Woldf. Helix striata Müll. 

Turdus spec. (?) Helix p ulehella Müll. 
Pupa muscorum Müll. Cionella lubrica Müll. 


In diesem Verzeichnisse kommen zwei Artennamen vor, welche dem jetzigen 
Standpunkt nicht entsprechen. Mit einer Bezeichnung Arctomys primigenius. Kaup. 
steht der Autor trotz aller seiner Mühe die von mir sichergestellte Existenz 
des Bobaks in Böhmen zu bezweifeln, ganz einsam da.**) Die Bezeichnung Alactaga 


jaculus foss. Nehr. wurde von Prof. Nehring selbst in Alactaga saliens foss. Nehr.**") 


umgeàndert, 


Aus den für die Steppenperiode bezeichnenden Arten führt hier der Autor 
zwei, für die Umgebung Prags neue Formen an. Die eine ist ^ Lagomys pusillus 
, 5 gomys p 


Joss. Nehr., welche in den Lössschichten dieser Gegend bis jetzt nicht aufgefunden 


wurde, die andere Spermophilus guttatus Temm. bezeichnet der Autor selbst mit 
einem Fragezeichen. Im Materiale unserer Sammlungen befindet sich eine Menge 
von Resten kleiner Ziesel, welche ich bei Bearbeitung der Nagethiere als Spermo- 
philus guttatus zu bezeichnen geneigt war; eine genauere Vergleichung zwang 


*) Fossilni fauna stepní z Ko&ffské Bulovky u Prahy a její geologicko-fysiograficky 
význam. Rozpr. бев. Akad, Tf. IL. Roč. VI. & 1. 1897. Die Art und weise, in welcher Autor in 
dieser seiner Publikation gegen mich auftritt, habe ich auf einem anderen Orte (Vesmír Jahrg. 
XXVII. S. 20.) einer entsprechenden Beurtheilung unterworfen. 

**) Siehe darüber die Publikationen des Prof. Nehring, insbesonders die wiederholte 
Bestätigung meiner Ansicht in der Schrift: Ueber fossile Skelette von Steppen-Nagern aus dem 
nördlichen Böhmen. (Neues Jahrb. f. Mineral. etc. 1892), wo es wörtlich steht: Die 3 wohler- 
haltenen Schädel nebst den Unterkiefern tragen die durch Hensel festgestellten Charaktere des 
Bobaks in ausgeprägtester Form, so dass an der Bestimmung nicht der geringste Zweifel 
möglich. ist. 


"**) Prof. Dr. A. Nehring: Ueber Alactaga saliens fossilis Nehr. Neues Jahrb. f. Minera- 
logie etc. 1898. 


19 


mich jedoch bei der Ansicht zu verbleiben, dass es sich hier nur um kleine und 
junge Formen des gemeinen Ziesels Spermophilus cifillus handelt. 

Unsere Ansehauungen über den Charakter der Steppenfauna in der Um- 
gebung von Prag, erleiden dadureh also keine Änderung. 

Auch die geologischen Profile, welche den Lössablagerungen der Ziegelei 
Bulovka entnommen wurden, stimmen mit dem idealen schematischen Profile, das 
in meinen „Nagethieren“ auf Seite 10 dargestellt ist, vollständig überein und der 
von mir konstatierte Horizont der Steppenfauna fällt mit dem Horizonte der Profile 
von Bulovka zusammen. 

Etwas mehr Bedeutung gehört dem Faktum an, dass hier einige neue, 
obwohl im Ganzen sehr spärliche Belege für die Existenz der Tundren-Fauna in 
der Umgebung Prags festgestellt wurden, deren Horizont ich ebenfalls schon in dem 
Profile von Podbaba in der sogennanten ,Suleovka* mit Vielfras- Resten konstatiert 
habe. In der Bulovka wurden unsichere Reste des Schneehasen (Lepus variabilis) 
aufgefunden. Wie oben bei Türmitz angeführt wurde, ist dieser Horizont in den 
freien Lössschichten bei uns auch schon durch Lemming (Myodes torquatus), Ellen 
(Alees palmatus) und Rennthier (Cervus tarandus) charakterisiert. — 


Die Raubthiere der Tertiaerformation, des Diluviums 
und der recenten Periode Böhmens. 


Das Bild, welches unsere Heimat in Betreff der zeitlichen Verbreitung und 
Entwicklung der Raubthiere auf dem Boden des europaeischen Kontinents liefert, 
ist wohl nur ein sehr geringes Fragment des Ganzen, welches auch sonst noch 
grosse Lücken aufweist. 

Die Funde in unserer Tertiaerformation sind äusserst spärlich und be- 
schränken sich auf einige wenige Reste aus dem Süsswasserkalk von Tuchofic 
Jedenfalls kann man diese Reste nicht für die einzigen Repraesentanten der tertiaeren 
Raubthierfauna Böhmens halten, wenn wir auch geneigt wären, sich mit der kleinsten 
Anzahl der Raubthiere zu begnügen; denn es ist schwer zu glauben, dass damals 
bei uns ein einziges Raubthier nämlich Amphiocyon gelebt hat. 

Die anderen Gruppen der tertiaeren Säugethierfauna weisen ziemlich manig- 
faltige und zahlreiche Formen auf, unter welchen das Dinotherium, die Nashörner 
(Aceratherium), Tapire, Vertreter der Schweinefamilie, riesige Hirsche und kleinere 
Antiloppen (Amphitragulus) die typischsten waren. Diese Thiere wurden gewiss 
von einer zahlreicheren Raubthiersuite verfolgt, deren Reste uns jedoch bisjetzt 
unbekannt geblieben sind. 

Übrigens ist es nicht unerklürbar. Dort, wo die Sedimente allmählich 
und ruhig im Wasser abgelagert wurden, sind die Reste der Landthiere, seien sie 
Säugethiere oder Vögel (bei diesen noch in grösserem Masse) immer selten; nur 
in den Schlupfwinkeln oder in Ablagerungen, welche ihren Ursprung plötzlichen An 


9% 


E 


20 


schwemmungen oder Anhäufungen durch den Wind, das Wasser oder einer Eruption 
verdanken, kommen die Reste der Landthiere häufiger vor. 

Eine lapidare Bestätigung findet dies durch die diluvialen Funde, welche 
viel häufiger in den Zufluchtstätten, Höhlen und Schluchten als in den freien 
Lóssablagerungen sind, und welche eine durch Anzahl der Arten und Menge der 
Individuen imposante Fauna geliefert haben. Die freien Lóssablagerungen liefern 
etwas ähnliches nur dort, wo man Spuren einer schnellen Anhäufung wahrnimmt, 
oder dort, wo in denselben Erdlócher als Zufluchtstütte der Landthiere gegraben 
sind. — 

Auch empirisch lässt sich da ein Beweis liefern. Ich habe einige Jahre 
hindurch die allmähliche Verschwindung eines Hundesskeletes im Walde verfolgt. 
Auf der Stelle, wo der Hund erschossen wurde, konnte man sein Skelet im ersten 
Jahre noch beisamen finden; im nächsten Winter zerfiel jedoch das Skelet und ver- 
schwand theilweise im Moos und Rasen; einige Knochen waren auf der Stelle nicht 
mehr zu finden, da sie bereits auf weitere Entfernung, wahrscheinlich von Nagern 
weggeschleppt wurden. Im dritten Jahre konnte man hie und da an der Oberfläche 
nur einzelne Extremitäten- Knochen wahrnehmen, der Schädel befand sich schon 
in einer Entfernung von einigen Metern und die kleinsten Knochen konnte man 
auf einer Fläche von LO m? auffinden. Im 4. Jahre war von dem Schädel keine Spur 
mehr, die Anzahl der grösseren Knochen wurde auch dezimirt und an der Ober- 
fläche schien es, dass das ganze Skelet schon verschwunden ist; denn die letzten 
Spuren desselben wurden schon in der Humusschicht vergraben und mit Gras und 
Moos verdeckt. Ich suchte sie auf und fand, dass manche erodirt, theilweise zer- 
malmt sind und dem vollständigen Zerfallen nahe stehen. Nun ist die Frage: was 
bleibt denn künftigen Zeiten aus diesen Knochen übrig ehe sich diese oberflächliche 
Erdschicht in das uralte Archiv umwandelt, in welchem wir heute solche Spuren 
suchen? Gewiss nichts oder nur sehr wenig. 

Und so erklärt sich die Zersplitterung solcher Reste in allen freien, all- 
mählich gebildeten Ablagerungen und auch die Unvollständigkeit unserer Funde in 
Betreff der Artenzahl, der Individuenmenge und der Skeletvollständigkeit. So ist 
es wohl erklärlich, dass wir von einer Art manchmal nur einen Zahn, von einer 
Anderen nur einen Schädeltheil, in anderen Fällen wieder nur die Extremitäten 
gefunden haben. 

Dank der Ablagerung in Schluchten und Höhlen sind so die Reste der Raub- 
thiere im Diluvium viel zahlreicher vertreten als in unserem Tertiaer. Auf diesen 
Fundstätten finden wir fast alle Typen: den Löwen, die Katze, den Luchs, den 
Bären, die Hyaene, den Wolf und Fuchs, die Fischotter, den Dachs, auch die 
Marder und ihre Verwandte. 

Die Funde in den freien Lössablagerungen beschränken sich schon nur auf einige 
Arten; von den grossen Raubthieren kommt hier vereinzelt der Löwe und der Wolf 
vor, sehr selten begegnet man den Bären und die Hyaene, öfters wohl den Hund 
selten in den oberen Schichten den Fuchs, die Marder und Iltis und diese meistens 
nur in den Erdlöchern. 

Was die Horizonte anbelangt, in welchen die einzelnen Arten vorkommen, 
soll erwähnt werden, dass der Löwe als Relict der posttertiaeren Periode schon 


21 


in den unteren groben Geróllen, nicht selten stark erodirt aufgefunden wird. 
Eine etwas spätere Periode der Tundrazeit charakterisieren neben dem Vielfrass die 
Wölfe und Füchse und die Steppenperiode neben einigen Fuchsarten hauptsächlich 
die Marder und Iltise. 

Der Bär mit der Hyaene lassen sich von der ältesten Zeit bis in die jüngste, 
sogar in die recente Periode verfolgen; später gesellen sich zu ihnen der Wolf und 
die Katzen (Wildkatze und Luchs), welche ebenfalls bis in die recente Periode hier 
verbleiben. Die Fauna der Steppenschluchten: der Marder, Iltis, Wiesel und Dachs, 
an Ufern der Gewässer auch die Fischotter, geht in die recente Periode ohne 
irgend welcher Änderung über. 

Einige grosse Raubthiere, welche in die recente Periode übergehen, sind 
erst in den letzten Jahrhunderten, manche sogar in den letzten Jahrzehnten ver- 
schwunden, so die Hyaene wahrscheinlich schon in vorhistorischer Zeit, der Bär, 
der Wolf, der Luchs und die Wildkatze dagegen erst in den 50. und 40. Jahren 
des XIX. Jahrhunderts. 

Nur eine endemische Raubthierart wurde vom Menschen gezähmt, d. h. der 
Wolf — oder ein ihm nächstverwandter wilder Hund und der begleitet schon den 
vorhistorischen Menschen in einigen, verschieden gestalteten Formen und ist jetzt 
Dank seiner natürlichen Variabilität in unzähligen Varietäten und Formen weit 
verbreitet. Die Hauskatze stammt nicht von der endemischen Wildkatze ab, sondern 
ist eine importirte Form anderen Ursprungs. 

Die Jetztzeit weist bei uns überhaupt nur ziemlich spärliche Relicte der 


ehemaligen Raubthierfauna auf; aus den Caniden ist es nur der Fuchs und dann 


einige Vertreter der Musteliden. 


Raubthiere. Carnivora. 


Wenn wir die systematische Eintheilung Trouessart’s*) behalten. so zerfallen 
die Raubthiere in zwei Gruppen: Carnivora creodontia und Carnivor: 
vera (seu Fissipedia). Die erste Gruppe weist nur die ausgestorbenen tertiaeren 
Formen auf, von welehen keine aus Bóhmen bekannt ist. Unsere Fauna beschránkt 


Sich also nur auf die zweite Gruppe. 


n . D H SN 
Echte Raubthiere. Carnivora vera (seu Fissipedia). 


Die echten Raubthiere sind fleischfressende oder omnivore Süugethiere mit 
einem vollständigen, sehr charakteristischen Gebiss, welches aus 6 Schneidezähnen 
(ausnahmsweise 4), 4 Eckzühnen, welehe die übrigen Zühne weit überragen, und 
einer Reihe Lücken- und Hóckerzühne verschiedenen Charakters besteht. 

Die Lückenzähne (Praemolaren) fehlen oft theilweise, oder sind als scharfe, 
einzaekige schneidende Zühne entwickelt. Der letzte Praemolare im Oberkiefer und 


Dr. E. Trouessart Catalogus Mammalium. Berlin 1897. 


29 


der erste Backzahn im Unterkiefer sind gewóhnlich sehr stark als sogenannter Reiss- 
oder Fleischzahn entwickelt. Hinter dem Reisszahn folgen erst die echten 
höckerigen Molaren, welche einstweilen verkümmern. Der Reisszahn und die höckerigen 
Molaren sind meistens die typischsten Merkmale für einzelne Gattungen, manchmal 
auch für einzelne Arten. 

In dem übrigen Knochengerüst sind charakteristisch: Das Fehlen oder eine 
rudimentäre Entwicklung des Schlüsselbeins, der gestreckte Schädel mit meistens 
stark entwickelten Leistenkämmen, die 4—b5zehigen Extremitäten und die meist 
entwickelten Penisknochen. Die Zehen tragen Krallen, welche bei einigen Raub- 
thieren rückziehbar sind. Das Scaphoideum und Lunare sind verwachsen, Astragalus 
durch eine Trochlearinne gekennzeichnet. Sie sind Zehen- (z. B. die Hunde und 
Katzenartigen) oder Sohlengünger (wie z. B. die Düren). 

Der typischste Zahn im Gebiss der Raubthiere ist der Reiss- oder 
Fleischzahn, welcher das Gebiss in zwei Partien theilt: a) vor ihm liegen die 
scharf zugespitzten Praeomolaren, welche oft neben dem Hauptzacken noch zwei 
Nebenzacken besitzen, und einen Charakter des Reiss- und des Schneidezahnes in 
sich verbinden; 0) hinter dem Reisszahn liegen die echten Höckerzähne, deren 
höckerige Krone einen breitflächigen, daher zermalmenden Charakter besitzt. 

Der Reisszahn selbst ist durch seine Form und Grósse für einzelne Typen 
charakteristich. In der Abbildung Fig. 5. sind die Reisszähne aus dem Ober- und 
Unterkiefer der vier Raubthiertypen, nämlich die des Löwen, des Bären, der 
Hyaene und des Wolfes veranschaulicht und es genügt folgendes dazu anzuführen : 


A. Reisszahn des Unterkiefers: 


a) beim Löwen und bei den katzenartigen Raubthieren ist der Reisszahn gross, 
kurz, zweizackig ohne des inneren Zackens und ohne Talon *) (Fig. 5; 
A 8. 4) 

b) beim Bären ist dieser Reisszahn lünglich, vierseitig mit einem grossen Talon, 
welches die hintere Hälfte bildet; die vordere Hälfte besitzt drei charakte- 
ristische Höcker (ph), der Talon weist einen Aussenhócker und zwei Innen- 
hócker; die ganze Zahnkrone ist stark verflacht und besitzt einen Höcker- 
zahn-Charakter (Fig. 5. D 3. 4.) 

c) der Reisszahn der Hyaene ähnelt einigermassen durch seine Zweizackigkeit 

dem Reisszahne der Katzen, ist jedoch bedeutend länger und besonders 

der Hinterzacken ist als eine schneidende Klinge entwickelt. Am Vorder- 
rande befindet sich eine Wulst (v) und am Rande des hinteren Höckers ein 

Höckerchen (A) Fig. 5. B. 3. 4.) 

beim Wolfe und bei den hundeartigen Raubthieren im allgemeinen ist der 

untere Fleischzahn verlängert und vorne mit zwei Aussenzacken und einem 

schwachen, weit nach hinten gerückten Innenzacken versehen. Talon stark 
entwickelt, aussen und innen durch einen Hócker begrenzt. Der Innenhócker 
trägt ein Sekundürzückchen. 


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*) Hypoconid, ein schneidender oder grubiger Anhüngsel. 


23 


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A B e D 


Fig. 5. Reisszähne der vier Raubthiertypen: A des Löwen, B der Hyaene, C des Wolfes, 

D des Büren. 1. Die Reisszühne des Oberkiefers in der Seitenansicht, 2. dieselbe von Unten 

gesehen, 3. die Reisszähne des Unterkiefers in der Seitenansicht, 4. dieselbe von Oben gesehen. 

ph Vorderaussenzacken, z% Hinteraussenzacken, Ah Hauptzacken, wh Innenzacken, v Wulst, 
h Höckerchen, ż Talon. 


В. Reisszahn im Oberkiefer: 


a) Beim Zöwen und den katzenartigen Raubthieren ist der obere Reisszahn 
allgemein sehr lang, aussen dreizackig: mit einem höchsten Hauptzacken 
in der Mitte (Ah), mit einem niedrigeren (ph) Vorderzacken und mit einem 
niedrigeren (zh) hinteren Schneidezacken. Stark entwickelt ist hier der 
Innenhöcker (Fig. 5. A 1. 2.) 

b) Beim Bären ist der obere Reisszahn zweihöckerig; Vorderzacken (ph) ist 
konisch und höher, der Hinterzacken (zh) etwas niedriger. Dem Hinter- 
zacken gegenüber steht ein schwach entwickelter Innenhöcker (vA) (Fig. 5. 
IH 25 

с) Die Hyaene besitzt einen ungewöhnlich starken, oberen, dreizackigen Reiss- 
zahn. Der inmitten stehende Hauptzacken (AA) ist der höchste, der 
Vorderzacken (ph) ganz niedrig und der Hinterzacken (zh) als eine läng- 
liche schneidende Klinge entwickelt. Am Vorderrande steht ein starker 
Innenhöcker (vh) (Fig. 5. В 1. 2.) 


24 


d) Der Wolf und die hundeartigen Raubthiere besitzen einen recht kurzen, 
obwohl etwas mehr quer verlängerten oberen Reisszahn als die Bären, der 
aussen zweihöckerig und mit einem, etwas nach vorne gerückten Innenhöcker 
versehen ist. 


II IV 


Fig. 6. Die Eekzühne der grössten Raubthiertypen mit Durchsehnitten. I. Der Löwe. 

II. Der Bär. II. Die Hyaene. IV. Der Wolf. Sp der untere, 80 der obere Eckzahn von innen. 

P die Vorder- oder Rückenseite des Eckzahns. sd Vorder-, si Hinterleisten (sd—si Flächen- 
theile die von den Leisten begrenzt ist. V Eckzahngipfel. s Unregelmässige Leisten. 


Die Eckeühne der Raubthiere werden fossil sehr oft vereinzelt aufgefunden. 
Ihre Form und Habitus ist im Ganzen ziemlich charakteristisch, so dass man nur 
im Falle einer vollständigen Abnutzung oder Beschädigung der Oberfläche bei der 
Jestimimung in Verlegenheit gelangt. 

Es folgt hier eine vergleichende Tabelle (Fig. 6.) der vier Eckzahn-Typen : 
vom Löwen, Bären, von der Hyaene und dem Wolfe, zur welchen folgendes bei- 
zufügen ist: 

a) Der Eckzahn des Löwen ist schlank und mit wei minder oder mehr 
scharfen Leisten an der Innenseite versehen; diese zwei Leisten stehen 80 
nahe bei einander, dass sie nicht viel mehr als ein Viertel der Umfangs- 
fläche des ganzen Zahnes begrünzen, welche zwischen ihnen stärker gewölbt 
erscheint. Der untere Eckzahn ist etwas mehr bogenfórmig gekrümmt als 
der obere, welcher gerader erscheint. (Fig. 6. [.) 


25 


b) Der Bär besitzt einen, zur Basis der Krone sich weit verstárkenden, daher 
mehr robusten Eckzahn als der Lówe. Auch hier sieht man zwei Leisten, 
jedoch weit voneinander entfernt; die eine bildet die innere Mittelkaute 
in der Richtung der Längsachse (s?) und ist gekerbt, die andere ist sehr 
stark entwickelt und befindet sich an der Innenseite stark gegen den Rücken 
oder vorderen Kamm des Zahnes gerückt. Beide Leisten schliessen mehr als 
ein Drittel der ganzen Umfangsfläche des Zahnes ein und diese von ihnen umge- 
schlossene Fläche ist ebenso gleichmässig gewölbt wie die Aussenfläche. 
Der Eckzahn in seinem Ganzen ist sanft gebogen. (Fig. 6. H.) 

c) Die Hyaene hat einen kurzen und stumpfen Kekzahn mit groben Leisten, 
welche unregelmüssig vertheilt sind und sich gewöhnlich nur auf einem 
Theile der Oberfläche hinziehen. Der Eckzahngipfel selbst ist oft abgenützt. 
(Fig: 6. ШИ) 

d) Der Eckzahn des Wolfes ist recht schlank, an der Innenseite so stark ge- 
bogen, so dass eine gebrochene Linie entsteht; derselbe besitzt nur eine 
Leiste, welche ziemlich schwach gekenntzeichnet ist, sich in ihrem Verlaufe 
gegen die Spitze dem vorderen Kamme des Zahnes nühert, in der unteren 
Hälfte jedoch weiter von demselben abbiegt und zwar auf dem oberen Eck- 
zahne in einer sanft gebogenen, auf dem unteren in einer scharf gebogenen, 
fast gebrochenen Linie. (Fig. 6. IV.) 


Die Katzen. Felidae. 


Die in unserer recenten Fauna nur durch die Hauskatze, in der fossilen 
jedoch durch eine ganze Reihe sogar der grössten Formen vertretenen katzen- 


Fig. 7. Schema des Zahnsystems der katzenartigen Raubthiere. J Schneidezähne. C Eck- 
zühne. P, Р, im Oberkiefer und P, P, im Unterkiefer sind die Praemolaren. Р, im Oberkiefer 
und M, im Unterkiefer sind die Reisszühne. M, im Oberkiefer der Hóckerzahn. 


26 


artigen Raubthiere sind durch einen charakteristischen Bau des Skeletes, insbe- 
sonders des Schädels sowie des Zahnsystems gekennzeichnet. 

8. 1. 8—2. 1 

3. 1. 2-—9. 1 (—2) 
auf, denen auf jeder Seite ein Eckzahn zugestellt ist, der scharf, konisch, auf 
beiden Enden fast gleich stark ausgebildet ist und nicht selten vorne und hinten 
zugeschürft erscheint. Die Backenzahnreihe ist auffalend verkürzt; es fehlen hier 
1—2 Lückenzähne, von den Praemolaren stehen 2—3, oft nur 2 in jedem Kiefer; 
von diesen bildet die letzte obere einen sehr breiten Reisszahn. Die Höckerzähne 
sind im Unterkiefer zwei (von diesen der erste als Reisszahn, der zweite ver- 
kümmert oder fehlend), im Oberkiefer ein entwickelt. Der untere Reisszahn ist 
dureh zwei divergirende Aussenhócker gekennzeichnet, der Innenhócker fehlt und 
der Talon ist meistens recht schwach entwickelt. 


Zahnformel: weist oben sowie unten 6 Schneidezähne 


Aus dem übrigen Skelett ist besonders der Humerus durch sein foramen- 
entepycondyloideum charakteristisch. Die vorderen Extremitäten sind gewöhnlich 
fünfzehig, die hinteren vierzühig und der Penisknochen ist klein. 

Die katzenartigen Raubthiere Böhmens gehören in eine einzige Unter- 
familie: 


Felinae. 


Diese ist nur durch eine Gattung Felis mit drei Untergattungen: Uncia, 
Felis und Lynchus vertreten. Es sind das folgende: 

Felis (Uncia) leo L. spelaea Goldf. 

Felis (Felis) Catus L. und die domesticirte Felis domestica. 

Felis (Lynehus) lynx L. und pardina Temm. 


Der Löwe. Felis (Uncia) leo L. spelaea Goldf. 
(Leo spelaeus Filol. Felis spelaea Goldf.) 


In manchen diluvialen Ablagerungen der Mittel- und Südeuropa und zwar 
sowie in den freien Lóss- oder Gerölle-Schichten als auch in den Höhlenablage- 
rungen, finden sich zerstreut Überreste eines grossen katzenartigen Raubthiers 
vor, welches die Einen als Tiger, die Anderen jedoch als Lówen bestimmen. 

So z. В. führt Blainville in seiner Ostéographie die Reste aus der Liner- 
vieiler Höhle und ebenso auch Siebold einige Funde aus den diluv. Ablagerungen 
bei Senckenberg als Tiger auf. 

Obwohl es nicht vollständig ausgeschlossen ist, dass auch der Tiger das 
Mittel- und vielleicht auch das West-Europa bewohnen dürfte, den grossen Dick- 
háutern aus ihrer Urheimat Asien herfolgend, scheint dennoch seine ehemalige 
geographische Verbreitung weit beschrünkter zu sein. 


Dementgegen ist der Löwe noch aus der historischen Epoche in Süd- 
europa bekannt und wurde jedenfalls früher noch weiter gegen Norden in Mittel- 


21 


europa verbreitet, so dass seine Bestimmung in den diluvialen Resten jedenfalls 
mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, wenn auch manche Reste wegen Mangel 
ihrer Erhaltungszustandes und wegen Mangel markanter Unterscheidungsmerkmale 
beider Arten eine genaue Bestimmung von einem exakt. osteologischen Standpunkte 
nicht immer zulassen. 


Ce 


Fig. 8. Der Löwe Unterkiefer von Podbaba. 


Nebstdem sind jedoch mehrere Fälle vorhanden, wo die Bestimmung eines 
Löwen gar keinen Zweifel hervorruft.*) 

Die Überreste, welche in den Sammlungen des böhmischen Museums vor- 
handen sind, sind folgende: 

Ein Unterkiefer eines kleineren Exemplars, welcher in den unteren Geróllen, 
welche das Liegende des Lehms in Podbaba bilden, gefunden wurde; die Eekzähne 
sind abgeschlagen, die übrigen Zähne stark corodirt. Wahrscheinlich lag der Unter- 


Obr. 9. Ein Löwenschädel von Neudorf bei Bakov. 
ыт 
*) Siehe darüber nüheres in Dr. J. J. Brands — J. N. Woldfich’s Schrift „Diluviale 
europaeisch-nordasiatische Süngethierfauna. (Mém. de D Acad. d. S. Petersbourg VII. Serie 
T. XXXV.) und in J. F. Brand’s „Untersuchungen über die Verbreitung des Tiegers.“ (Mém. de 
P Acad. imp. des Sciences de St. Petersbourg 1859). 


28 


kiefer eine längere Zeit auf der Oberfläche der Gerölle, bevor er von den Lehm- 
schichten bedeckt wurde. 


Eine Unterkieferhälfte eines grösseren Exemplars aus derselben Lokalität, 
eben auch durch die Corosion stark beschädigt. 


Ein grósserer Theil eines stark beschädigten 
Schüdels mit Unterkiefer (Wig. 8.) aus derselben Loka- 
lität, wo er in den unteren Lehmschichten aufgefunden 
wurde. 


Ein riesiger vollständiger Schädel, ziemlich gut 
erhalten, aus Neudorf bei Bakov (Fig. 9.) 


Bruchstück eines Unterkiefers eines grossen Exem- 
plars und einige Extremitütenknochen aus dem Sande, 
der das Liegende des diluvialen Lehms bei Türmitz 
bildet, wo in der letzten Zeit von dem Lehrer Н. F. 
Seehars wieder neue Reste aufgefunden wurden. 


Ein sehr schön erhaltenes Metacarpus eines Rie- 
Senexemplars aus der Umgebung von Turská Mastal 
in der Umgebung von Tetin (Fig. 10.) 


Einige minder oder mehr beschädigte Wirbel aus 
den unteren Lehmschichten bei Podbaba, einige Kiefer- 
bruchstücke aus Báné und Vysočan, sowie ein Kekgahn 
eines Riesenlöwen aus der St. Prokopihöhle, 


Aus allen diesen Überresten dürften nur die 
stark corodirten Unterkiefer von Podbaba den Tiger 
andeuten, ihr Erhaltungszustand jedoch lässt keine ge- 
nauere Bestimmung zu. Die übrigen Überreste gehören 
jedoch dem Löwen, meistens sehr starken Thieren an. 


Ausser den hier angeführten Lokalitäten (Pod- 
baba, Вапё, Vysočany, St. Prokop, Türmitz, Neudorf bei 
Bakov) ist der Löwe auch von Sudslavitz (Dr. Wold- 
Lich) bekannt. 


Fig. 10. Metacarpus vom 


Löwen aus der Umgebung Der Luchs. Felis (Lynchus) lynx Т. 
von Turská Maötal bei 


^ is i Yin Е 4 e du 
Tetín. °/, der natürl. Grösse. (Lynchus lynx Gray (bei Dr. Woldřich. Přehled fauny obratlovců, 


Lysacus lynx Gray.) 


Das zweitgrösste katzenartige Raubthier Böhmens ist der Luchs, der bei 
uns bis in die jüngste Zeit sich aufgehalten hat. In der ersten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts wurde der Luchs meistens in Mitteleuropa bis auf kleine Uber- 
reste in den Karpathen, vollständig ausgerottet. Aus den Karpathen kommt er 
zeitweise nach Mähren. 


29 


Pig. 11. Der Luchs. Felis (Lynchus) lynx L. Das letzte Exemplar, welches in Böhmen erbeutet 
wurde. Photogr. nach dem ausgestopften Exemplare des Museums des Königr. Böhmen, das im 
J. 1835. in der Umgebung von Tabor erschossen wurde. 


In Böhmen wurde eine grössere Anzahl der Luchse noch im 18. Jahrh. 
(109 Stück in der Umgebung von Winterberg *) erschossen. Im böhmischen Museum 


Fig. 12. Unterkiefer u. Phalang des Luchses (Felix lynx L.) aus der Felskluft bei Beraun. 


—— 


*) Dr. A. Frič Wirbelthierfauna Böhmens. (Archiv für Landesdurchforsch. II. Theil 4. Abth.) 


30 


befindet sich ein Exemplar, welche im J. 1835 in der Umgebung von Tábor 
erlegt wurde. 

Diesen mitteleuropäischen Luchs hält Milvart für eine Varietit des kana- 
dischen Luxes (Felis (Lynx) canadensis Desm.) und P. Matschie unterscheidet 
unseren Luchs als eine mittel- und südosteuropäische, zugleich auch als eine 
mittelasiatische Form von zwei anderen Formen, von welchen die eine als ein 
Nachkomme der eircumpolaren Art die abzweigende nordeuropäische und nordasia- 
tische Form bildet, die andere dagegen der südeuropäische Lynx pardina Temm ist. 

Im ganzen jedoch gehóren diese mittel- und nordeuropüischen Formen, wenn 
sie sich auch habituell unterscheiden lassen, wohl einer einzigen Art an. 

Trotzdem, dass dieses Thier bis noch im 19. Jahr. bei uns gelebt hat, sind 
dessen fossile und subfossile Reste ziemlich selten. 

Die Felskluft bei Srbsko nächst Beraun, welche von dem Obering. J. Neu- 
mann entdeckt wurde, bietet die zahlreichsten Reste; nebst dem schón erhaltenen 
Unterkiefer (Fig. 19.) auch zahlreiche Phalangen und Extremitütenknochen. 


Felis (Lynehus) pardina Temm. 
(Leopardus pardoides Woldr., Leopardus pardus Gray beim Woldřich). ") 


Aus der Turská Mastal führt Dr. Woldřich unter der Bezeichnung Leopardus 
pardoides Woldř. eine Katze an, welche er früher schon unter derselben Bezeichnung 
aus der Höhle Vypustek in Mähren beschrieben hat. 

Unter diesem Namen wurde jedoch schon im J. 1846 von Owen eine ter- 
tiaere Form aus dem englischen Pliocaen **) beschrieben, welche keinesfalls mit 
dieser diluvialen Form identisch ist, so dass die Bezeichnung Woldrich’s überhaupt 
nicht haltbar ist, wenn auch die Zugehórigkeit zur Untergattung Leopardus nicht 
fraglich wäre. 

Der aus der Turská Ma$tal beschriebene Knochenrest reicht zur Deutung 
und genauen Bestimmung der Art nicht aus, wie es Dr. Woldřich selbst zulässt. 
Aus dem Umstande, dass aus der Vypustekhöhle in Mähren ein Unterkieferbruch- 
stück von ihm als Leopardus bestimmt wurde, lässt sich doch nicht deduciren, 
dass auch der Ulnarest aus der Turská Ma&tal derselben Art angehören muss. Dem- 
entgegen die nüher aufgefundenen und zahlreichen Überreste des Luchses in der 
Felskluft bei Srbsko laden zur Vergleichung mit dem Luchse ein. Und wirklich 
zeigt diese Vergleichung deutlich, dass die Ulna aus der Turská Mastal nicht einem 
Leoparde sondern einem Luchse angehórt; aus der Felskluft bei Srbsko ist in den 
Museumsammlungen eine stürkere Ulna vom Luchs vorhanden, welche eher noch 
mächtiger ausgebildet ist, als die fragliche ans der Turská Маа]. Und auch die 
Vergleichung mit der Ulna eines Leoparden, sowie mit der Ulna der europäischen 
und amerikanischen recenten Luchse (Felis lynx und F. lynx canadensis) zeigt, dass 
es sich hier nur um eine Ulna von Luchs handelt. 


*) Dr. J. Woldřich. Beiträge zur Fauna der mührischen Höhlen. Verhandl. d. k. k. Geol. 
Reichsanstalt 1880. Fossilni zvífena Tursk6 Maštale. Schriften der Böhm. Akad. IL. Cl. Jahrg Il. 
**) Owen. Ніве. Brit. Foss. Mam. 


31 


Ich möchte infolge dessen eher die Ansicht vertheidigen, dass es sich bei 
den beiden Überresten (aus der Turská Maštal und aus der Vypustekhöhle) um 
oben angeführte südeuropäische Form des Luchses Felis (Lynchus) pardina Temm 
handelt, was jedenfalls eine richtigere Bezeichnung wäre, so lange man nicht zu 
einer besseren Deutung der Überreste und Aufklärung der unhaltbaren Ве- 
zeichnung Leopardus pardoides kommt. 


Die Wildkatze Felis eatus L. 


(Felis ferus Bourg. Felis minuta Schnerl., Felis magna Bourg.) 


Die Wildkatze wurde in Bóhmen wahrscheinlich schon zur gleichen Zeit 
mit dem Luchse ausgerottet. Die letzten sicheren Exemplare wurden im Südböhmen 
um J. 1836 erschossen. Es scheint jedoch, dass die Wildkatze auch vor dieser 
Zeit nicht so häufig war, wie der Luchs, denn im ganzen Jahrhunderte vom Jahre 
1720- -1828 wurden auf der Domaine Winterberg nur 29 Wildkatzen erbeutet (in 
einzelnen Jahren 1—5 Stück, sehr oft keine).*) Eine, bisher nicht bewährte Nach- 
richt erzählt, dass noch im J. 1875 ein Exemplar in der Burg Kost erbeutet 
werden sollte. Das Exemplar dieser Provenience soll sich im Privateigenthum des 
H. E. Lokay befinden. 


A B 
Fig. 13. A Schädel einer recenten Haus- B Schädel der Wildkatze (Felis catus L.) 
katze. aus der Kalvarienschlucht bei hepora. 

Auch die älteren alluvialen und diluvialen Überreste sind nicht allzusehr 
häufig, Die alluvialen Überreste gehören meistens schon der Hauskatze oder einer 
verwilderten Hauskatze an, welche letztere alljährlich in tausenden Exemplaren 
erschossen wird, wobei sehr oft die habituelle Aehnlichkeit zur Deutung als 
Wildkatze verleitet. 


Los TEN RE 


к) Dr. A. Frič. Wirbelthierfauna Bóhmens. 


In den übrigen Ländern Europa's kommt jedoch die Wildkatze immer noch 
häufiger vor als der Luchs, insbesonders in Südeuropa, in dem deutschen Mittel- 
gebirge und in England. 

Die habituellen Unterscheidungsmerkmale, welehe für die Wildkatze der 
Hauskatze entgegen, gewöhnlich angeführt werden, sind nicht immer die typischsten 
Es ist zwar sicher, dass die Wildkatze durchschnittlich grósser und schwerer ist 
als еше Hauskatze desselben Alters und Geschlechts, dass sie auch einen plum- 
peren Kopf, eine diehtere und länger Haarbekleidung, einen breiteren, stärkeren, 
jedoch kürzeren Schwanz besitzt, welch’ letzterer sich nicht wie bei der 
Hauskatze auffallend nach der dünn beharten Spitze verjüngt sondern abgestumpft 
endet; alle diese Merkmale können jedoch leicht bei verwilderten formen der 
Hauskatze verführen. Mehr durchgreifendes Merkmal für die Wildkatze ist, dass 
ein schwarzer Sohlenfleck sich nur auf die Fusswurzel der Hinterläufe beschränkt. 
Bei der Hauskatze soll dieser Sohlenfleck bis zur Ferse hinreichen, was jedoch 
nur bei entsprechender Behaarung (grauen, weissen) deutlich hervortritt, dagegen 
oft verwaschen erscheint. Dieses Merkmal bei der Hauskatze ist wohl eine Erb- 
schaft nach der Falbkatze (Felis maniculata), von welcher sie abstammt. 

Auch das Skelet bietet den Palaeontologen sehr wenig durchgreifende 
Unterscheidungsmerkmale dar. Der robuste Skeletbau der Wildkatze wird oft auch 
von der verwilderten Hauskatze oder mehr noch von ihren, im Verwilderungs- 
zustande geborenen Nachkommen erreicht, so dass nur die schlankeren Formen 
einiger Skelettheile die Basis einer vergleichenden Arbeit bieten, welche nur beim 
grossen Vergleichsmateriale erfolgreich sein kann. 

Sonst gibt es da noch weniger Unterscheidungsmerkmale als beim Löwen 
und Tiger. 

Es ist daher unrecht nur auf Grund von verschiedenen Knochendimensionen 
und kieineren Abweichungen die Arten unterscheiden zu wollen. 

Aus Böhmen und Mähren führt Dr. Woldfich diese Arten auf: 

Felis catus Bourg. [Sudslavice, Sipka], 
„ Jera Bourg. [Sudslavice, Čert. Dira, Зірка], 
, magna Bourg. [Sudslavice, Čert. Díra], 
» minuta Schmerl (nicht Bourg.) [Sudslavice]. 

Liebe führt Felis catus ferus aus der Vypustekhöhle iu Mähren auf. 

Obwohl nicht ausgeschlossen ist, dass zur Diluvialzeit in Mitteleuropa und 
so auch in Bóhmen einige grossen Katzen aus dem weiten Osten (so namentlich 
die Steppenkatze Felis manul) leben konnten, wurde keine derselben in den oben 
erwähnten Formen erkannt. Es bleibt also vorläufig nichts anderes übrig, als alle 
diese kleineren und grósseren Formen nur als Varietüten oder Abkómmlinge der 
europäischen Wildkatze (Felis catus L.) zu betrachten, deren Variabilität einen 
so untergeordneten Charakter hat, dass auch die Unterscheidung dieser Varietäten 
nach zufällig vorkommenden kleinen Überresten ganz unverlässlich erscheint. Sie 
ist auch ohne Bedeutung dem Faktum gegenüber, dass die recente Periode bei un$ 
wirklich nur eine Wildkatzenart aufweist, sowie den Fakten gegenüber, dass unsere 
Hauskatze von keiner unserer diluvialen Wildkatzenart abstammt. 


Diese Unterscheidung dürfte also nur für die thiergeographischen Studien der 
diluvialen Epoche eine Bedeutung haben, müsste jedoch von einem ausreichenden 
Vergleichsmaterial unterstützt werden, damit die ursprünglichen Formen womöglich 
festgestellt und nicht nur neue, nichts bedeutende Artennamen erfunden werden. 

Die Wildkatze wurde fossil in Bóhmen ziemlich selten aufgefunden, so in 
Sudslavic (Dr. Woldřich) und in der Kalvarienhöhle bei Reporej. 


Fig. 14, Wildkatze. (Felis catus L.) Exemplar, welches in Südböhmen im Jahre 1836 erbeutet 
wurde. Photogr. des im Museum des Königr. Böhmen ausgestellten Stückes. 


Dieser Umstand hängt wahrscheinlich mit der Lebensweise der Wildkatze 
zusammen, welche selten die Höhlen und Felsklüfte aufsucht, sondern mehr ein 
Baumthier ist. Die Waldfauna jedoch, wenn sie nicht von den Raubthieren in ihre 
Schlupfwinkel verschleppt wird, weist sehr geringe Überreste aut. 


Die Hauskatze. Felis domestica Briss. 


Es wurde schon oben bei der Wildkatze angedeutet, wie sich die beiden 
Arten habituell unterscheiden. 

Die Grösse des Sohlenfleckes charakterisirt die Hauskatze solange derselbe 
dureh die Färburg des Haarkleides infolge Kreuzung im Zustande der Domesti- 
kation nicht verwischt erscheint. Dieses Merkmal ist auch das ursprüngliche Kenn- 
zeichen der wilden Form, von welcher die Hauskatze abstammt und wurde darauf 


in neuerer Zeit wiederholt von Nehring aufmerksam gemacht. 


Es liegt eben darin ein Beleg dafür, dass unsere Hauskatze von der euro- 
päischen Wildkatze nicht abstammt; dementgegen ist es ganz sicher, dass unsere 
Hauskatze dieses Merkmal mit der ostafrikanischen Katze Felis maniculata ge- 
meinschaftlich hat und wirklich nicht ausgeschlossen ist, dass diese Katze die 
Urmutter unserer Hauskatze ist. Dr. Nehring spricht die der Wahrheit sehr nahe 
stehende Ansicht aus, dass unsere Hauskatze ebenso wie der Haushund ihren 
Ursprung mehreren wilden Formen verdankt, insbesonders, soweit man's sicher 
stellen kann, zwei Formen, deren eine aus dem südóstlichen Asien, die andere aus 
dem nordóstlichen Afrika herstammt. Die Hauskatzen wurden aus beideu diesen 
Gegenden nach Europa gebracht und kreuzten sich hier theilweise auch mit der 
europäischen Wildkatze. 


Die Belege für diese Anschauung haben nach den Ausführungen Nehring’s 
mehr historischen, als naturhistorischen Charakter. Die Hauskatze, welche durch 
die Domestikation der ostafrikanischen Katzen erzogen wurde, war ein heiliges Thier 
in Egypten und wurde von da nach Griechenland und Italien importirt, von wo sie 
erst im Mittelalter nach Mitteleuropa gelangte; wie es scheint, waren hier zu 
derselben Zeit auch schon die aus Asien importirten Hauskatzen, insbesonders die 
Angorakatzen, welche nach Pallas wahrscheinlich von der Steppenkatze Felis 
manul abstammen. 


Es ist wohl möglich, dass die Domestikation sich weder in Egypten noch in 
Asien auf eine einzige wilde Art beschränkte, wenn auch die eine oder die andere 
(also z. B Felis maniculata in Egypten und Felis manul in Asien) durch ihre Domesti- 
kations fähigkeit dabei ein Übergewicht gewonnen hat. 


In Mitteleuropa kennen wir kein Volk, welches sich mit der Domestikation 
der wilden Katze beschäftigen könnte, und wurde so die europäische Wildkatze 
überhaupt nicht domestieirt, also weder Felis catus L., noch weniger eine andere 
der Felis maniculata verwandte Art, wie es Dr. Woldfich meint.*) 


Es lässt sich wohl nicht bestreiten, dass in dem heutigen Hauskatzen-Kon- 
tingent ein Theil des europäischen Wildkatzenblutes circuliert, und zwar infolge von 
Kreuzung, zur welchen in früherer Zeit den verwilderten oder halbverwilderten 
Hauskatzen mit der Wildkatze Gelegenheit geboten war. Seit der Ausrottung der 
Wildkatze verschwindet jedoch allmählich der Einfluss dieser Kreuzung und es tritt 
hie und da von Zeit zu Zeit nur atavistisch auf. 


Die Reste der Hauskatze in den Erdschichten haben überall einen alluvialen 
Charakter und sind auch verhältnissmässig häufiger vertreten als die Reste der 
Wildkatze; sie kommen jedoch nur in den oberflächlichen Ablagerungen der Höhlen 
und in den Schlupfwinkeln in der nächsten Nachbarschaft der menschlichen Wohnungen 
vor. Solche Überreste kennen wir aus den obersten Schichten in den Höhlen bei 
St. Prokop, Turská Maá$tal, Kalvarienschlucht, Felskluft bei Srbsko und aus den 
freien Lössablagerungen bei Podbaba. 


*) Brandt-Woldrich, Dil. nord. eur. asiatische Säugethierfauna Seite 36, 


Hunde. Canidae: 


Die hundeartigen Raubthiere sind im Exterieur dureh einen gestreckten 
Kopf mit einer langen spitzigen Schnauze, mit stumpfer feuchter Nase, durch 
schlanke Füsse und eingezogenen Rumpf charakterisirt. Die Vorderfüsse haben 5, 
die Hinterfüsse 4 Zehen mit wenig gekrümmten Krallen, welche mit unbeweglichen 
und stumpfen Spitzen versehen sind. 

Die innere Zehe der Vorderfüsse ist kurz und hóher gestellt als die übrigen. 
Der Schwanz gewóhnlich langhaarig; beim After besitzen sie keine Drüssen, oder 
höchstens eine am Schwanzgrund. 

Das wichtigste der anatomischen Merkmale ist die Zusammenstellung des 
Zahnsystems. Dasselbe besteht aus 6 minder oder mehr deutlich 2—3 lappigen 
Schneidezähnen, 4 konischen und scharfen Eckzühnen, 2—4 Lückenzähnen, hinter 
welchen ein charakteristischer Fleisch- oder Reisszahn folgt worauf die Reihe 1—3 
Höckerzähne schliessen. Der Reisszahn im Oberkiefer ist länglich, zweispitzig, mit 
einem grossen Innenhöcker, im Unterkiefer aussen und Vorne zweispitzig mit einem 
schwachen, nach Hinten verschobenen Innenhöcker und einem ziemlich grossen 
Talon, welcher aussen und innen von einem kleinen Höcker begrenzt ist; der 
Innenhöcker besitzt eine untergeordnete Spitze. Die Zahl der Höckerzähne ist für 
einzelne Gattungen charakteristisch; so besitzt nur 1 Höckerzahn der brasilia- 
nische /cíycyon, 2 obere und 1 unteren der Cuon, 2 in jedem Kiefer die Gattung 
Canis, 2 obere und 3 untere Thous u. s. W. 

Die Familie zerfällt systematisch in 3 Unterfamilien: 

1. Amphicyoninae, welche in unserer Fauna durch eine einzige tertiaere Art 
vertreten ist. 

9. Simocyoninae, eine Gruppe von miocaenen Formen, welche im Böhmen 
nicht vertreten ist. 

3. Caninae, welche alle übrigen lebenden und fossilen Formen umfasst. 


1. Urhunde. Amphicyoninae. 


Die fossilen Hunde sind im europäischen, asiatischen und nordamerika- 
nischen Eocaen und Miocaen verbreitet. 

Die Gattung Amphicyon (Pseudocyon) Lartet hat ein charakteristisches 
Hundegebiss. Nach Zittel ist der starke Eckzahn im Oberkiefer hinten mit einer 
Scharfen Kante versehen, welche zuweilen gekerbt ist. Die ersten drei Praemo- 
laren des Oberkiefers sind auffallend klein, dagegen der Reisszahn gross und 
massiv mit zwei scharfen Aussenspitzen und einem schwachen Innenhócker. Auch 
die Höckerzähne sind mächtig und meistens nur zwei vorhanden, da der dritte 
bald ausfällt. 

Im Unterkiefer ist der Eckzahn etwas schwächer, die vorderen drei Prae- 
Molaren klein und einspitzig, der vierte besitzt ausser der Hauptspitze noch eine 


8 


36 


hintere hochgestellte Nebenspitze und einen höckerartig angeschwollenen Basalrand. 
Der Reisszahn ist sehr massiv und dreispitzig, seine Vorderspitze ist niedrig, die 
innere Spitze schwach und stark gegen Hinten verschoben, sein Talon sehr breit 
mit einem starken konischen Aussenhöcker und einem schwachen Innenhócker. 


Fig. 15. Amphicyon bohemicus Schl. 1. Fleischzahn. 2. Eckzahn (?) 3. Derselbe im 
Querschnitt. 


Ausser zwei viereckigen Höckerzähnen findet man zuweilen auch noch einen dritten, 
querovalen, kleinen mit einer Wurzel. 

Aus dem böhmischen Miocaen und zwar aus dem Süsswasserkalk von Tucho- 
fic verzeichnen wir die Überreste von 


Amphicyon bohemicus Sehlosser.") 


Zwei ziemlich vollständige Reisszähne (Fig. 15.) gehören unzweifelhaft 
dieser Art an. Ein Eckzahn, welchen M. Schlosser ebenfalls dieser Art zuzählt, 
zeigt eine auffallende Querrunzelung, welche bei den Raubthieren nirgends Ana: 
logie findet. Ich bezeichne also die Zugehórigkeit dieses Zahnes zur genannten 
Art mit einem Fragezeichen. 


2. Die echten Hunde. Caninae. 


Diese Unterfamilie ist in der Fauna Bóhmens durch zwei Gattungen Canis 
und Vulpes vertreten, in der nahen Nachbarschaft in Mähren noch durch eine dritte: 
Cuon, deren Urahnen, soweit es bekannt ist, bis in das Eocaen zurückreichen. 


*) Die von mir in der böhmischen Publikation dieser Arbeit als Amphicyon resp. Pseudocyo? 
lemanensis aufgeführte Art wurde indessen von Schlosser (Zur Kenntniss der Fauna der bóhm. 
Braunkohlenformation) als Amphicyon bohemicus identificirt, obwohl es möglich ist, dass wir 68 
in Bóhmen mit zwei Arten dieser Gattung zu thun haben. 


31 


Im Gebiss besitzen die Caninae 4 Praemolaren, der vierte obere bildet den 
Reisszahn, wogegen im Unterkiefer der erste echte Molare als Reisszahn ent- 


wickelt ist. 


EN 
gi ру" 
vin: bet Ш 
e "А Zh N 


Fig. 16. Ober- und Unterkiefer des Wolfes. Seitenansicht. P Praemolaren. M Echte Back- 
zühne, P, Oberer Reisszahn. M, Unterer Reisszahn. 


Die zwei erwähnten Gattungen unserer Fauna vertreten zugleich zwei 
Hauptäste dieser Gruppe nach Huxley, nämlich die 7'hoiden und Alopecoiden. 


Thoida. 


Thoida bilden eine Gruppe, welche die Wölfe Europas und Asiens (Unter- 
gattung Lupus), die wilden Hunde und Haushunde (Canis) mit der Gattung Cuon, 
dann die Schakale Nordafrikas (Untergattung Lupulus), Nord- und Ostasiens (ja- 
ponischer Nyctereutes Tem.) und Südamerikas (Untergattung Tous u. a.) umfasst. 


Der Wolf. Canis (Lupus) lupus L. 


Der Wolf gehört zu den Raubthierformen, welche erst in jüngster Zeit aus 
unseren Gegenden verschwunden sind. Nach Amerlings Angabe wurde der letzte 
Wolf in Böhmen im J. 1850 erbeutet, wahrscheinlich war es nur ein Flüchtling aus 
dem Tatragebirge oder von Galizien. Häufiger war der Wolf im Böhmen noch im 
18. Jahrh., so dass z. B. im J. 1740 bei Wittingau 6 Stück, in den J. 1721—1756 
auf der Domaine Winterberg 45 Stück erbeutet wurden. 


Eine stete Existenz des Wolfes seit der Diluvialzeit bis in die recente 
Periode hin, bestätigen zahlreiche Überreste, welche beinahe in allen Ablagerungen 
und in allen deren Schichten, den ältesten sowie in den jüngsten vorkommen. 


Auf diesen Ueberresten kann mann auch verschiedene Entwickelungsstufen 
der körperlichen Grösse und Kraft studieren. Ia der ältesten Zeit, wo das Thier 


38 


in seiner vollen Freiheit und Existenz nicht gehindert war und sichere Zuflucht- 
stätte und genug entsprechender Nahrung überall vorfand, war es auch gross- 
wüchsig, und stark entwickelt, wie wir noch heutzutage die Wölfe in manchen 
menschenleeren Gegenden z. B. in Sibirien finden. 


Im Laufe der Zeit mangelte es dem Thiere immer mehr an gedeihlichen 
Existenzbedingungen und so kann man eine Dekadenz in seiner körperlichen Ent- 


Fig. 15. Unterkiefer und Oberkiefer vom Wolf und Hund von Oben und Unten gesehen. 
1. Oberkiefer eines Wolfes. 2. Unterkiefer eines Wolfes. 3. Oberkiefer einer Dogge, welche die 
Verkürzung der Schnauze und Deformation der Zahnstellung und Zahnformen infolge der Do: 


mestikation darstellt. — i Schneidezähne, с Eckzähne, p,—p, Praemolaren (p, im Oberkiefer = 
Reisszahn), m,—m, echte Molaren (m, im Unterkiefer — Reisszahn). 


wickeiung verfolgen. Wir finden so in den jüngeren Schichten immer schwächere 
Individuen auf und sind gewiss nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn wir 
behaupten, dass dieser schwächere Wolf ein taugliches Material für die Domesti- 
kation lieferte, welche von dem Menschen schon in der vorhistorischen Zeit be- 
trieben wurde. Es ist dabei immer noch beachtenswerth dass bei dem recenten 
Wolfe die verschiedenen Existenzbedingungen eine Variabilität hervorrufen, 
welcher gewiss auch der diluviale Wolf unterworfen war. Der Wolf der Jetztzeit 
ist in den waldigen Gebirgsgegenden grösser und stärker, *) in den sumpfigen 


*) Dr. L. Heck: Das Thierreich, Säugethiere. 


39 


Niederungen dagegen kleiner und schwächer; der südlichste, bis hinter das Hima- 

© LC Ae er) ? 3 

layengebirge verbreitete Wolf (C. 1. pallipes) ist überhaupt kleinwüchsig, ebenso 
gebirg p 8, 

klein ist der pflanzenfressende Wolf in Japan (C. 1. hodophyllax Tem.), dagegen 

gross, und zwar weiter gegen Norden immer grósser ist der, fast schon ausgerottete 

nordamerikanische Wolf (C. 1. occidentalis). 


Die Variabilität, welche hier zum Vorschoin kommt, ist sehr breitgreifend 
und mannigfaltigen Ursprungs. Am häufigsten kommt vor: 


1. Geographische Variabialität, welche durch die verschiedenen Verhältnisse 
des Klima, des Bodens und der Nahrung hervorgerufen wird; sie ist auch in 
kleineren Distrikten möglich, wo die Existenzbedingungen genug variiren. Nicht 
minder häufig begegnen wir auch die 


9. Individuelle Variabilität, welche auf natürlicher Neigung zur Variation 
beruht, wenn auch ein äusserer Anstoss dazu fehlt. 
‘d 


3. Eine Variabilität infolge der Geschlechts- und Altersverhältnisse ist wohl 
eine gewöhnliche und ganz regelmässige Erscheinung; endlich bei den gezähmten, 
domesticirten oder in Gefangenschaft gehaltenen Thieren ruft die 


4. Variabilität infolge der Domestikation sehr schnelle und nahmhafte Ver- 
änderungen hervor. Die Wirkung dieser Verhältnisse, welche wohl in der Natur 
selbst nicht vorkommt, ist jedoch immer dazu geeignet die natürliche Variabilität, 
deren Ursachen andere sind, leichter aufzuklären. In dieser Hinsicht bilden be- 
sonders die Veränderungen, welche bei den wilden Thieren infolge der Gefangen- 
schaft platzgreifen, sehr interessante und schätzenswerthe Belege für andere 
Variabilitätserscheinungen. 


In welcher Richtung sich die Variabilität im Allgemeinen äussert, das 
beweisen wohl zu unserem Zwecke besonders die vergleichenden osteologischen 
Studien. Es folgt aus diesen: 


1. dass gewisse Skelettheile und Skeletformen mehr einer Variabilität unter- 
worfen sind als die anderen; 


9. dass auch gewisse Verhältnisse eine besondere Wirkung auf die Varia- 
bilitàt gewisser Skelettheile ausüben. 


In erster Richtung sei hervorgehoben, dass der Schädel in seiner ganzen 
Form und einzelne seine Theile insbesonders, z. B. die Form des Unterkiefers, 
die Gestalt der Zähne oder des ganzen Gebisses den mannigfaltigsten Verände- 
rungen unterliegen. 


In zweiter Richtung ist es besonders der ganze Habitus der allgemeinen 
kórperlichen Entwicklung, mit welcher ein gröberer oder feinerer Dau und die 
Formenvariabilität des Skeletes und seiner Theile zusammenhängt. 


40 


Das Variabilitätsresultat liefert eine Formenmannigfaltigkeit, welche nur 
genaue vergleichende Studien in eine einzelne Typenreihe verbinden können. 


Mangel an solchen Studien, sowie die Umstände der hier angeführten 
Neigung zur Variabilität, führten dazu, dass man im Diluvium eine Reihe von 
Arten und Variatäten des Wolfes unterscheidet, welche unter dem Namen 


Lupus vulgaris fossilis Woldr., 
Lupus Suessii Woldr., 


Lupus spelaeus Goldf. 


und anders, noch (Canis lupus versch. Autoren, Lupus spelaeus Woldr. u. s. w.) 
angeführt werden. 


Der Wolf und der Hund. 


Ein vergleichendes Studium, welches den Werth der oben angeführten 
Formen feststellen soll, muss aus einer Vergleichung der beiden Haupttype: 
des Wolfes und des Hundes im Allgemeinen hervorgehen, um zuerst die wirklichen 
Kennzeichen kennen zu lernen, dureh welche sich beide Type zu unterscheiden 
pflegen; auf diesem Wege wird es wohl möglich sein die constanten Kennzeichen 
zu konstatiren, sowie die zu finden, welche bei dem einen oder anderen Type, in 
welcher Richtung und in welchem Maasse variiren. Der allgemeine Charakter des 


Fig. 19. Schädel des Wolfes Canis Lupus L. Seitenansicht '/, nat. Gr. 


Wolf- und des Hundschädels Canis lupus L. und Canis familiaris L. (Vig. 19. u. 20.) 
ist in der Hauptsache ein und derselbe. Doch macht der Schüdel des Wolfes im 
Ganzen einen Eindruck, als wenn er in der Schnauzengegend mehr zugespitzt 
würe. Dieser Eindruek hat seinen Ursprung in dem Umstande, dass die Joch- 
bógen beim Wolfe etwas senkrechter von der Schlüfengegend abstehen als bei dem 


41 


Hunde, so dass der Wolfschüdel in dieser Partie etwas breiter zu sein scheint, und 
dass die Oberschüdelpartie, welche von den Scheitelknochen gebildet wird bei dem 
Wolfe in einen schmäleren und schärfer abgegrenzten Schädelkamm ausläuft. Bei 
dem Hunde biegen die Jochbögen gegen die Schädelseiten sanfter um und die 
Oberschädelpartie ist in einem allmähligen Übergange breit und stumpf abgegrenzt. 
An der Stelle, wo die unteren Ränder der Hinterhauptsschuppe an die Scheitel- 
knochen sich anfügen, sieht man bei dem Wolfe eine deutliche Einschnürrung, 
bei dem Hunde jedoch nur eine mehr oder minder deutliche Vertiefung. Das sieht 
man am besten an einer Hinteransicht des Schädels. Bei dem Wolfe breitet sich 
die Hinterhauptschuppe von oben nach unten sehr allmählig aus und in demselben 
Verhältnisse wird auch die Schläfenknochengegend allmählig breiter, so dass die 
ganze Configuration recht schlank aussieht, wogegen beim Hunde die Hinterhaupts- 
schuppe schon inzwischen den Rändern der Zwischenscheitelknochen deutlich breiter 
erscheint und noch mehr sich längst der Schläfenknochen erweitert. 


Charakteristisehe Differenzen kann man noch in der Form des Unterkiefers 
verfolgen. Hier ist der allgemeine Charakter der Schlankheit des Wolfschüdels 
durch eine schmale Form, und überall gleichmässige Höhe des Knochenkörpers 
des Unterkiefers angedeutet, derselbe verengt sich nur allmählig nach vorne, seine 
untere Kannte ist ziemlich seharf begrenzt und ihre Linie ist nur sanft gebogen. 
so dass sie gegen den hinteren Winkelfoitsatz in einem seichten Bogen ausläuft. 
Beim Hunde dagegen ist die untere Kante breit, stumpf und stark gebogen, so 
dass sie gegen den Winkelfortsatz einen mehr oder minder scharfen Bogen bildet. 
Diese Differenz lässt sich auch mathematisch nachweisen, wie wir weiter unten 


sehen werden. 


Alle diese, hier angeführten Merkmale sind desto auffälliger differenzirt, je 
entfernter die domesticirte Form des Hundes von der ursprünglichen wilden Form 
ist. Man kann so an dem Hundschädel verfolgen, wie allmählig bis auf das 
Ausserste die Schnauzenpartie kürzer, der Oberschädel kugeliger wird und der 
Unterkiefer in einen monströsen Bogen übergeht. Mit dieser Umformung hängt auch 
die allmählige Umgestaltung der Zahnstellung zusammen, м0 besonders die Prämo- 


laren eine mehr oder minder quere Stellung gegen den Reisszahn einnehmen. 


Neben diesen hier angeführten Kennzeichen, werden von verschiedenen 
Autoren (Gaudry, Woldřich u. d.) noch weitere Merkmale des Zahnsystems als 
Charakteristisch angeführt. 

So wird es behauptet, dass beim Wolf (Canis lupus) der Reisszahn im 
Oberkiefer ebensolang oder nur wenig lünger ist als die beiden Hóckerzühne 
Zusammen; dagegen soll beim Hunde (Canis ferus Bourg und Canis familiaris L.) 
derselbe Reisszahn bedeutend kürzer sein als die Länge der beiden Höckerzähne. 


1 soll die Stellung des Innenhöckers des oberen Reiss- 
dass dieser Innenhöcker mehr oder minder nach vorne 
des Reisszahns. Wenn wir 
Sehakale und Hunde in 


Ein anderes Merkm: 
<ahns bilden; dadurch, 
gerückt ist, wechselt die innere und äussere Länge 
eine grössere Reihe der Gebisse von Wölfen, Füchsen, 


42 


dieser Richtung untersuchen, kónnen wir im Allgemeinen wohl bestätigen, dass 
dieser innere Ansatz immer kürzer d. h. nach hinten gerückt erscheint, je näher 
wir zu den typischen Wolfsformen kommen, dagegen jedenfalls lànger d. d. nach 
vorne gerückt erscheint, je näher wir zum Type der Schakale und noch näher 
zum Type der Füchse kommen. Eine genaue Vergleichung zeigt jedoch, dass in 


Fig. 20. Schädel des Haushundes (Canis familiaris L.) Seitenansicht in '/, natürl. Grösse. 


den Grenzen einer einzelnen Gattung es ganz verfehlt erscheint, einem solchen 
Merkmale eine grössere Bedeutung zuzuschreiben, wie es weiter unten nach- 
gewiesen wird. 


Vergleichende Studien über das Gebiss des Hundes 
und des Wolfes. 


Um das Wesentliche der oben angeführten Merkmale zu ermitteln, habe ich 
zahlreiche, genaue Messungen an den Gebissen der recenten und fossilen Wölfe 
und Hunde durchgeführt, wozu mir theils das heimische, theils das osteologische 
Material der Berliner Sammlungen zu Gebote stand. *) 


Die Messungsresultate sind in den hier folgenden Tabellen übersichtlich 
zusammengestellt. Die angeführten Formen werden mit den Namen bezeichnet, 
unter welchen sie beschrieben oder etiketirt sind, um die Verwandtschaft oder 
Identität der einzelnen Formen klar zu stellen, welche unter verschiedenen 
Namen angeführt werden. 


*) Es sei mir gestattet hier besonders dem H. Regierungsrath Dr. K. Möbius, Direktor 
des zoologischen Museums in Berlin und dem H. Prof. A. Nehring meinen Dank auszusprechen 
für die Bereitwilligkeit, mit welcher Sie mir die Ihrer Verwaltung anvertrauten Sammlungen zugüng- 
lich machten. 


43 


Verhältniss der Fleischzahnlänge im Oberkiefer zur Gesammtlänge 
der beiden Höckerzähne. 


| | Länge der| Länge De 
Bezeichnung der Art Proveniénk beiden des Reiss-| Differenz 
oder Form Р Hócker- | zahns onim 
zühne mm| mm 
a) Länge der Höckerzähne ist grösser als die 
Länge des Reisszahnes. 

Canis famil, molossus . | Rec. Berlin A. 14710 . 18:5 18:30 02 
Janis famil. borealis Labrador Berlin Nro. 447 | 197 19:5 02 
Canis famil. ‚ | Papuaner Berlin , 4711 | 1475 | 1450 0:25 

Lupus vulgaris Gray . | Inv. I. Woldřich. Caniden 
Seite 27. . . 26 25`5 0:5 
Janis lupus occidentalis | Berlin А. 318 . 26 20:0 0:5 
Canis lupus ; Berlin A. 3308 . . 27 275 0:5 
Canis hodophylax Berlin Nro. 25544 19 2980 0:5 
Canis familiaris сӯ . Berlin „ 3425 25°5 25 0:5 
Canis fam. . Kalvarienschlucht . . 16°5 16 0:5 
Lupus spelaeus “Wold. . | Rabenstein X. Woldřich 
Caniden Seite 97. . .| 295 28:5 NG 
Lupus Suessi Wold. Nussdorf XII. Woldřich 
Caniden Seite 27 26 25 ГО 
Janis hodophylax Berlin 20.040. , . 7. .] 08 22 10 
Canis lupus Rec. Posen. Berl. 1. Н. 
12927: "ИШ, 26:5 1:0 
Canis familiaris Cairo. Berlin 2786 20 19 10 
Canis familiaris Berlin 3436 16:5 15:5 1:0 
Janis fam. borealis . Berlin A. 1500 16:5 15:5 1:0 
Canis lupus . . Rec. Mus. a. 76 26 29 1:0 
Canis f am palustr. Rütm.| Berlin Land. Hochsch. 1 15:15 1:95 
Canis fam. laniarius Berlin A. 3431. . 22 20:5 1:5 
Canis fam. Rec. Pinsch. сў Berlin 2619 | 17 15:5 1b 
Canis lupus . Foss. Turská Ma&tal . .| 255 24 1:5 
Lupus spelaeus W oldř. | Lüttich XI. Woldřich Ca- 
niden Seite 27 . beer 28 2:0 
Canis lupus . vec. Finland aus Gefan- 
genschaft Berl. L. H. 28'5 26:5 20 
Canis famil. Rec. Halbwilder Hund Berl. | 16 14 ER 
Janis famil. — Berl. 22.140 1 201 | 1875 9:0 
Canis fam. matr. opt Jeit.| Strádoniee Mus. . . 20 18 20 | 
Canis lupus . Foss. Beroun Coll. Mus. . | 275 25:5 9:1 
Canis fam. Rec. Russischer Vorsteh- 
hund Berlin сӯ 1403 23 20:80 9-9 
Canis fam. pomeranus . | Rec. Beduiner Hund. Berl. | 20 1000 2D | 
Canis fam. grayus Rec. Berlin. A. 3437 21:5 19 20 
Canis fam. | | МАС ME 185 | 925 | 
Canis fam. ‚| , Berl Leonardin 2615 | 25 22:5 25 | 
Canis fam. (seoticus?) ^ „ А. 9422 21 18:30 2'10 | 
Canis fam. grayus A d SA 0 21 270. | 
Canis fam. М p А. CT geg 21 18 3:00 
Canis familiaris 4 , QBerlfn А. 3440| 205 17:5 9:00 | 


44 


i Länge den Li ünge 
| Bezeichnung der Art рон ie CILE des Reiss-| Differenz 
oder Form Iócker zahns mm 
zühne mm mm 
| Canis famil. . Кес. Dernardin сў Berlin | 
Mo rers ke UI ач 24:5 jl l'oeil 95:00 
Canis famil. molossus . | Rec. Berlin A. 2739 22 1875| 825 
Canis familiaris Rec. Coll. Mus. a 86 23:30. 20 840 
Canis familiaris Rec. Coll MUS ... 21 160 9:40 
| Canis fam. brevipilis —.Q Berlin A. 9447 . .| 16 12 4:00 
| Canis fam. - Neufundl. Berlin 2510 . | 24:5 20:5 400 
Canis intermedius Woldr. | Foss. Weickersdorf . 28 19 400 
| Canis canerivorus — Berlin . . й Ki 12:D 450 
| Canis famil. . Rec. Coll. Muss. Nro. 9 21 22:5 4:50 
| Janis fam. aquaticus ee, Вие. 22:5 ite 475 
| Canis jubatus Rec. © Berlin 4081 . 28 175 5:50 
| Canis jubatus Rec. d Berlin 4031 26:5 19 750 
| b) Die Länge der Höckerzähne gleicht der Länge des Reisszahns | 
Canis famil. grayus . Rec. cj Berlin A. 3451 .| 16 16 | — 
Canis famil. islandicus ү o А. 8450. 15°8 15°8 — 
| Canis lupus . Rec. in Gefangensehaft ge- 
boren Berl. 2227 . . 22:5 225b | — 
Canis lupus . | Rec. сӯ Türkei Berl. І. Н. | 955 255 | — 
Canis lupus L. . . | — Sarepta Berl. L. H 4152 | 26 BR wel 
Canis lupus . | — Karpathen Berl. L. Н. 394) 25 EB d 
Canis latrans же, О И Borbe n2. 20 Чу т 
Lupus vulgaris Gray . | Indiv mittl. Grösse III. . | 
| Woldřich Canid. Seite27.| 26 26 | — 
Lupus spelaeus Hohlenstein IX. Woldřich | 
Caniden Seite 27. 28 Z5 a n 


Lupus vulgaris 
Canis lupus . 
Canis lupus . 
Canis lupus . 
Canis lupus 

Janis lupus Ch 
Lupus vulgaris Gray 
Lupus vulgaris Gray 


Lupus vulgaris Gray 


Gray . 


Lupus vulgaris "Gray - 


Grosses © IV. Woldřich 
Сама. Seite 27 . . 

Rec.Siebenbürgen Berl. 4316 

Foss. Turská Ma&tal schwarz 

Grosses Ind. VI. Woldřich 
Canid. 199108590 Ee 

Кес. Volyň. Berlin L. Н. 
Gan gan 

Rec. Berlin 4944 . 

Rec. Berlin 6563 . . 4 

Grosses cj V. Woldi. Canid. 


Seite 9T . | | 
Sehr grosses Ind. VII. 
Woldr. Can. str. 27. 


Junges Ind. II. Woldrich 
Can. str. 27 


с) Die Länge der Höckerzähne ist kürzer als die Länge des Reisszahns. 


25:00 
27:00 
25:00 


26 


110 


— 2:50 


— 0:5 

05 
- 1:00 
- 10 


— 1:25 
= 200 


- 3:0 


35 


45 


Wenn wir aus dieser Tabelle die Speciesformen von Canis lupus herausnehmen, 


bekommen wir folgendes Bild: 


Bezeichnung der Art Provaniens Differenz | 
oder Form mm 
a) Höckerzähne länger als Reisszahn besitzen : | 
| 
Lupus vulgaris Gray . Junges Individ. . | +05 
Canis lupus L. à Rec. Berlin 25.544 | - 0:5 
Lupus spelaeus Woldi. Rabenstein X. | -+10 | 
Lupus Suessii Woldr. Nussdorf XI. . +10 
Janis Jupus L. Roci Rosen... e 4- ГО 
Canis lupus L. Ko Coll usa 66D. dob eru ue 4-10 
Canis lupus L. 3 .| Foss. Turská Mastal. Coll. Mus. +15 
Lupus spelaeus Woldt. . Lutych ХІ. r 2:0 
Canis lupus L. Rec. Finland (aus Gefangenschaft) + 2:0 
Canis lupus L. Foss. Beroun Coll. Mus. - 2:0 
b) Höckerzähne und Reisszahn in gleicher Länge besitzen: 
Canis lupus L. Rec. in Gefangenschaft geboren . = 
Canis lupus L. Rec. су Türkei . mms 
Canis lupus L. Rec. Sarepta . жет 
САВ оров S vo. Rec. Karpathen . => 
Lupus vulgaris Cray Indiv. mittl. Grösse nac sh Woldřich mn 
Lupus spelaeus Hohlenstein IX. nach Woldrich . = 
c) Höckerzähne kürzer als der Reisszahn besitzen: 
Lupus vulgaris Gray . Grosses © nach Woldřich — (5 
Ganis lupus Dus a. Rec. Siebenbürgen Pu. e geet — (5 
Lupus vulgaris Gray . Grosses Indiv. VI. nach Woldřich . — 10 
sanis lupus L. Foss. Turská Maštal, schwarz — 10 
Canis lupus L. Rec. Volyn . — 1'10 
janis lupus L. Recent — 1:25 
Canis lupus: um... Recent — 2:00 
idm vulgaris Gray . Grosses cj nach Woldřich - 2:50 | 
Lupus vulgaris Gray . Sehr grosses Indiv. nach Woldřich — 3:00 | 
Lupus vulgaris Gray . Junges Indiv. II. nach Woldrich — 3:50 


Die wilden oder halbwilden Hunde aus der Tabelle Seite 43 u. 44 herausge- 
nommen, bieten folgendes Dild: 


a) Höckerzähne länger als Reisszahn besitzen: 


Canis familiaris borealis von Labrador . 


» 


der Papuanen . . 
H 
von Kairo 
palustris Rütm. . 
halbwild Berlin . 
matrim. opt. Jeiteles 
pomeranus. Beduiner Hund 


intermedius Weickersdorf . . 


Differenz 
.02 mm 
тоу 


ХШ ft 
Ое 
Сао 
О 
оа Ом 
У 
D Uer 


b) Hóckerzühne und Reisszahm in gleicher Länge besitzt nur 


Canis familiaris islandicus. 


c) Höckerzähne kürzer als der Reisszahn wurden bei keinem Hunde gefunden 


Die Haushunde aus der Tabelle Seite 43 und 44 bieten folgendes Bild: 


a) Höckerzähne länger als der Reisszahn besitzen: 


Canis familiaris molossus (Buldog) . 


aus Kalvarienschlucht . . . 
ohne nähere Bezeichnung Berlin 
» ” » » 
laniarius (Fleischhauerhund) 
gryphus (Pinsch) M 
ohne nähere Bezeichnung Berlin 
grayus (Russischer) . . 

s. (Penim , 

» Berlin) 
Leoninus 
(scoticus?) . Lf 
EUR US US GU us 


(ohne nähere Bezeichnung Berlin) . 


sancti Bernhardi 
molossus (Buldog) . 


Differenz 
.02 mm 


AR 
UN 7 
2 Qu y 
dan 
alla ty 
Ж, M 
BIER 3 
Deen Ger 
KK ER 
РОЛ" 
ZA 
DD ay 
5:00. «9 
900 


DNR e? 


(ohne näherer Bezeichnung Berlin) . 3:30. , 


HI n » » 
сано 
terrae novae Foundl. 
(ohne nähere Bezeichnung Berlin) 
aquaticus (Pudel) . . . 


. 3'40 , 
.400 , 
.400 , 
; 4500)», 
E rte ge 


47 


b) Hóckerzühne ebenso lang wie der Reisszahn besitzt nur Canis familiaris 


gray us. 


c) Höckerzähne kürzer als der Reisszahn findet man bei keinem Haushund vor. 


Resumee dieser 59 Messungen ist folgendes: 


Der Reisszahn erscheint im Ver- | 
hältnisse zu den Höckerzähnen | 

e — "UU " " 
länger gleich lang | kürzer | 
RETE | 
Der Wolf Canis lupus. . . 10 6 10 | 
Wilder oder halbwilder Hund = 1 9 | 
Haushund КУНЕШ — 1 29 | 
| 


Gaudry *) sagt in Betreff dieser Verhältnisse: 


. dass die europäischen Hunde den Reisszahn immer länger oder wenigstens 


so lang haben wie die. beiden Höckerzähne zusammen ; 


. dass die Haushunde den Reisssahn immer kürzer oder höchstens so lang 


haben wie die beiden Höckerzähne zusammen: 


. dass die wilden Hunde in dieser Richtung den Wölfen näher stehen. 


Wenn wir jedoch die Resultate der hier angeführten Messungen in Be- 


tracht ziehen, so finden wir: 


Dass zwar ein längerer Reisszahn (als die beiden Höckerzähne) ausschliess- 
lich bei den Wölfen vorkommt, dass sogar Hunde, seien es wilde oder halb- 
wilde überhaupt mit einem solchen Reisszahn nicht gefunden wurden, dass 
jedoch dagegen ebenso häufig Fälle vorkommen, wo der Wolf einen kürzeren 
Reisszahn besitzt, welche Fälle sogar so häufig sind, dass man sie nicht 
als eine Ausnahme betrachten kann; 


dass die Haushunde dem Reisszahn zwar immer kürzer haben als die beiden 
Höckerzähne. Dieses Merkmal hat jedoch eine sehr beschränkte Bedeutung 
und nur in Verbindung mit den übrigen Merkmalen des Schädels, denn 
die Wölfe mit einen kürzeren Reisszahn sind keinesfalls selten ; 


dass die wilden oder halbwilden Hunde, insoweit sie von mir untersucht 
werden konnten, in dieser Richtung mehr zu den Haushunden als zum 
Wolfe inkliniren. 


besse 
*) Matérieaux pour Vhist. des temps quater. IV. Fasc. S. 125. 


48 


Aus dem Vergleiche mit anderen Wolfsarten und mit amerikanischen sowie 
asiatischen Hundearten, welche hier in Uebersicht angeführt wurden, geht klar 
hervor, dass die Bigenschaft unserer Haushunde, sowie ihrer wilden oder halb- 
wilden Vorfahren und Zeitgenossen, nämlich die grössere Länge der Hóckerzühne 
auch diesen fremden Formen eigen ist, so z. В. dem Camis lupus occidentalis, 
Canis hodophylaz, Canis jubatus, Canis cancrivorus u. s. w. 


Dr. J. N. Woldřich *) unterscheidet auf Grund desselben Merkmals folgende 
Formen : 


Lupus vulgaris fossilis Woldf. Auf Seite 20. der eitirten Abhandlung wird 
folgenderweise gekennzeichnet: Die beiden Höckerzähne sind im Verhältniss zum 
Pleischzahn schmächtiger und zusämmengenommen im erwachsenen Zustande kürzer 
als der Fleischzahn. Durch Messung stellt der Autor nur einen Fall sicher und 
das noch mit einem Fragezeichen, weil die Länge der Höckerzähne unvollständig- 
keitshalber nicht genau gemessen werden konnte. 


Lupus spelaeus Goldf. **) Auf der Seite 22. der citirten Abhandlung heisst 
es: Der Fleischzahn ist, selbst wenn er eiue etwas geringere Länge besitzt, äusserst 
kräftig; die beiden Höckerzähne, besonders der erste, und kräftiger, sind zusammen 
länger als der Fleischzahn oder mindestens gleich lang. 


Lupus Suessi? Woldř. wird nur durch Form und Stellung des Reisszahns 
und der Höckerzähne (Seite 25.) gekennzeichnet, ihre Längenverhältnisse werden 
nicht in Betracht gezogen und nur aus der Tabelle ersehen wir, das der Reiss- 
zahn um 1 mm kürzer sein soll als die Höckerzähne. 


Wenn wir nun diese Angaben mit unseren Messungsresultaten vergleichen, 
so finden wir, dass längere Höckerzähne nicht nur die Formen Lupus Suessii und 
Lupus spelaeus sondern auch die Formen von Lupus vulgaris besitzen, so dass 
dieses Merkmal eben so für die fossilen wie für die recenten Formen seine Be- 
deutung einbüsst. 


Verhältnisse der inneren und äusseren Länge des Fleischzahns im 
Oberkiefer. 


Die Messungsresultate von einer grösseren Anzahl der Schädel bieten auch 
ein ziemlich lehrreiches Bild über die Stellung des vorderen Ansatzes des Fleisch“ 
zahns im Oberkiefer, welche einen Einfluss auf den Unterschied zwischen der 


*) Ueber Caniden aus d. Diluvium. 


**) Der Autor fügt zu dieser Species seinen Namen, was keinesfalls mit den Terminologie“ 
regeln im Einklang steht; es gehört dieser Species oder Form nur die Autorbezeichnung Goldf., 
wenn auch der neue Autor die Meinung hegt, dass er die Art oder Varietät anders und genaue! 
specifieirt hat. 


49 


äusseren und inneren Länge desselben ausübt, das eben dadurch, dass dieser 
Ansatz mehr oder minder nach vorne gerückt oder nach hinten angedrückt 
erscheint.') 


lal " )ifferenz | 
| | Fleischzahnlänge M 
| im Oberkiefer у; 
| Die Form Provenience 7 TUE дє 
| | Aussen | Innen EE 
| | | ы me 
| mm | mm yn. 
| 


Inm os 


| a) Den Fleischzahn aussen kürzer besitzen 
die Formen: °) 


Ganis fam. Sancti Bern- | 
ludi, ... . 20... 0 Belu Таб а а 2100. A10 LOL 


(CRISI Tale ae Ал s AD osos АВТО | ALIEN AR 
| » o  &quaticus .| Рай, Berlin . . . . . .| 1775 1800 | 028 
de n | 'apuaner Hund Berlin4711 | 14:50. 1475 --0:25 

| Siebenb. Berl. L. Н. 4376| 27:00 27:80 | --0°80 


DALISHIUDUS о | | 
Canis latrans . . . .| Oregon L. Н. . . . . .! 2000 2030 | J-0:30 
Canis canerivorus . .| Berlin Mus. . . . . . .| 1250 | 13:00 | -+0:50 
Canis lupus . . . . .| Berlin 8444 . . ... ...| 2300 2850 --0:50 

О Geen d 27748808; „аар 2700 |. 2760. Log 


$588 ss йлы 2150 |. 2899. 7-00 


» Nau МА, o ge TAN EY » 


.| Podbaba foss) . . . . .| 2000 | 20:50 --0:50 


» HU 


| Canis hodophylax . . Berlin 2554 . . . . . .| 18:00 19:00 | -+0:50 


famil. pomeran. . | Beduiner Hund Berlin .| 1750 1800 --0:50 


| 
, famil... ..|Berlm А. 8486. . . . .| 1550 | 1600 +050 
| 10:50 


fam. (aquaticus) . | $ Berlin A. 3440 . . .| 1750 1800 


1) Die Formen, welche Woldřich in seiner Schrift „Ueber Caniden aus d. Diluvium* an- 
führt, konnten hieher nicht eingereiht werden, denn die genaueren Messungen werden vom 


Autor nicht angegeben, 
2) Auf der Innenseite wurde die Länge bis zum vorderen Kronenrand dieses Ansatzes gemessen. 


4 


50 


Die 


Canis fam. 


» » 


H 


n n 


sanis famil 
Canis fam. 
Canis fam. 


n ? m 


Canis matr. 
Canis jubatus 


Form 


terrae novae 


Leoninus 
grayus 


Canis familiaris 
Canis lupus . 


iaris 
laniarius 
borealis . 
opt. Jeit. . 


N Canis lupus . 


Canis famil 


Canis lupus 


» n 
n ЕД 
» » 
LJ » 
HU n 


| Janis famil 
| Canis fam. 
Canis fam. 
Canis fam. 
Janis fam. 
Canis fam. 


n 
Canis famil. . 
Canis famil. 
Canis famil. 
Canis famil. . 
Canis famil. 
Canis famil, 
Canis famil. 


Canis famil. 


Canis lupus . 
Oanis palustris Pn. 
Canis hodophylax 


iaris 


b) Den Fleisch 
Canis jubatus 


06 cidentalis 


Canis lupus . 


(Suessii) . 
fricator 


grayus . 


molossus . 
borealis 
grayus . 


c) Den 


(seotius?) . 
Leoninus 
grayus 


molossus 
brevipilis 


Canis lupus . j 
Canis fam. islandicus 


Provenienz 


| 

| 
Berlin 2510 . . 

Pinsch сў Berlin 2619 

POr. OLD 145 S PNIS 

cj Berlin A. 3451 vui 

Kalvariense un Repora 

Sarepta Berl. H. 4182 

In deg ett gebor. 
Bori BPPT ER : 

ler ap Hund Der lin i 
Berlin A. 3431. 

Berlin A. 1500. 

Strádonice . А 

С Berlin 4081. .°. . 

Kos G efangenschaftF inland 
Berl. L. H. А 

Foss. Beroun 

Berlin І. H.. 

Berlin 25546 . 


Berlin 3425 . 


O Berlin 4031 
Berlin A. 318 i 
Fat. sehr grosses Ind. 
É taie 1292 . ; 
Türkei cj Berlin L. Н. 
Im Gefangenschaft wobor. Berlin 2226 
Sibirien Berlin L. Н. 4210 
Turská Maštal, schwarz 
Karpathen Berlin c. 394 . 
Schlucht bei Srbsko, Ganzer Schädel 
Cairo Berl. 2786 . . 
Berl. A. 4060 
Berl. A. 3437 
Berl. A. 3433 
Berl. A. 2789 
Labrador Berl. 447 . 
Russischer сў В. 1403 


Fleischzahn aussen länger 
Berlin A. 8422. 

Berlin A. 8489 . 

Berlin 2615 

Indianer Dogge . 

Berlin Mus. . 

Berlin 14710 . 


О Berlin A. 8441. . . . 
Wolyn. Berlin L. H. 2193 
Berlin А. 8452. 


zahn innen und aussen gleich lang hesitzen: 


Fleischzahnlänge | Differenz | 
im Oberkiefer aus derIn. 
bet sms — —-| nenselte 
Aussen | Innen J, 2 
mm mm mm 
| 
20:50 21:00 | + 0:50 
15:50, 16:00 |- 0:50 
2250 | 21:80 |- 0:70 
16:00 | 167514075 
16:00 17:00 | + 1:00 
26:00 27:00 | + 1:00 
21:00, 22:00 | + 1:00 
14:00 15:00 | + 1:00 
20:50) 21:50 | 1:00 
15:50| 16:50| + 1:00 
18:00 19:00 | -- 1:00 | 
19:00 20:80 | -+ 1:80 , 
| 
2650 28:00 | -+-1'50 
25:50 27:00 | + 1:50 
15-75 | 1775 | -+ 2:00 
99-00 |. 25/50 | +- 3:50 
99-05 | 25:50 | + 3:50 
10017 1.000 KS 
25°60| 2550 Se 
26:50 |. 26'50 ht 
25:50. 25:50 Ke 
22:50|. 22:50 > 
26:80 26:80 = 
2500, 25:00 е 
2500 | 25:00 © 
24:00 | 2400 e 
19:00 | 10100 Es 
9*00 9:00 ins 
19:00 | 19:00 n 
1800 | 1800 be 
1875 18 75 rr 
19:50 19:50 = 
20:80 20:80 КЕ 
besitzen: 
18:30 | 18:00 | — 0:30 
1850, 18:00 | — 0:50 
2250| 21:80 | — 0'70 
21:00 | 20:20 | — 0:80 
22:00 | 21:00 | — 1:00 
18:30 17:00 | — 1:30 
12:00 10:00 | — 2:00 
26:00, 24:00 | — 2:00 
15:80 13 00 | — 2:80 


51 


Resumee der 49, hier angeführten Messungen der äusseren und inneren 
Länge des Fleischzahns im Oberkiefer ist folgendes: 


Der Fleischzahn ist aussen 
S MS: и TU VPN) EIS 
| lünger gleichlang kürzer 
De? Wolt Canis lupis. assai. wat a 1 | 7 9 
Wilder oder halbwilder Hund . . .. = == 2 
айон ах aussen wa N H 7 15 


Aus diesem Resumee geht klar hervor: 


Einen Fleischzahn im Oberkiefer, der aussen länger und innen kürzer wäre, 
bei dem also der innere Ansatz nach rückwärts gerückt ist, finden wir ausschliesslich 
bei den Haushundformen. Dieses Merkmal darf dennoch nicht für die Haushunde 
als charakteristisch betrachtet werden, denn nicht nur ausnahmsweise, sondern recht 
häufig dieser Ansatz bei den Haushunden nach vorn gerückt erscheint, so dass 
die äussere und innere Länge des Fleischzahns gleich sind oder sogar die innere 
Länge die äussere um 0:20— 1:00 mm übertrifft. Und in dieser Eigenschaft steht 
dem Haushunde sehr nahe der europäische Wolf sowie die asiatischen und amerika- 
nischen Wölfe und eben auch die halbwilden oder fossilen Hunde, bei welchen 
dieser Unterschied bis auf 2 mm sich steigert. 


Dr. Woldfich charakterisirt die von ihm angeführten Formen in dieser 
Richtung folgendermassen : 


Lupus spelaeus. Der innere Ansatz des Fleischzahns ist mehr nach vorne 
gerückt, sodass die Länge des Zahnes am Aussenrande gemessen kürzer ist (etwa 
um 1 mm) als innen. 


Lupus vulgaris foss. Der innere Ansatz des  Fleischzahnes ist (überein- 
Stimmend mit dem lebenden L. vulgaris Gray) mehr nach rückwärts gerückt, so 
dass die Länge dieses Zahnes am Aussenrande gemessen gegen die am inneren 
Ansatz gemessene höchstens gleich oder etwas kürzer ist. 


Lupus Suessü. Der innere Ansatz (des Fleischzahns) ist sehr schwach, weit 
nach vorne gerückt und seine Wurzel ist schief gegen den harten Gaumen ge- 
richtet. Es sollte demnach seine Länge am Aussenrande ziemlich kürzer sein als 
die innere, es werden jedoch vom Autor keine Messungen angegeben. 


Aus Vergleich dieser drei Definitionen geht klar hervor, dass diese Formen 
beaitzen sollen : 


4* 


a) einen am Aussenrande kürzeren Fleischzahn (bis um 1 mm) Lupus spelaeus ; 
b) einen am Aussenrande kürzeren oder gleich langen Fleischzahn Lupus 
vulgaris foss. 
с) einen am Aussenrande kürzeren Fleischzahn (bis um 2 mm) Lupus Suessii. 
Eigentlich besteht hier demnach keine wesentliche Differenz, was vollständig 
mit den oben angeführten Messungsresultaten übereinstimmt. 


Die Verhältnisse des Uuterkiefers. 


Unterkiefer. Für die Höhenverhältnisse des horizontalen Astes des Unter- 
kiefers unter dem Fleischzahn ist sehr schwer bestimmte mathematische Regel 
zu finden, denn die Länge des Unterkiefers variirt sehr beträchtlich und dadurch 
unterliegt auch das Verhältniss jener Höhe zu dieser Länge einer grossen Ver- 
änderlichkeit, obwohl schon dem blossen Auge ersichtlich erscheint, dass da eine 
gewisse Regel obwaltet. 

Die von mir auf einer grösseren Schädelanzahl durchgeführten Messungen, 
lassen doch wenigstens folgende Resultate zu ziehen. 


1. Die Länge des horizontalen Astes bei dem Haushunde und seiner halb- 
wilden sowie subfossilen Vorfahren, insoweit sie gemessen werden konnte, bewegt 
sich zwischen 98 bis 151 mm, die Höhe desselben Astes unter dem Fleischzahn 
dabei zwischen 16:5—-28:D mm. 


2. Die Länge des horizontalen Astes bei den Wölfen steigt vom 130 mm 
bis auf 202 mm; seine Höhe unter dem Fleischzahn erreicht eine Dimension von 
28 mm erst bei den Individuen, bei welchen die Länge mindesten 160—170 mm 
ja sogar auch 180—190 mm misst, sie steigt jedoch bis auf 35 mm, wird aber 
auch nur 21 mm. gross. 


Es folgt daraus, dass die grósste Hóhe des horizontalen Astes, welche bei 
den Hunden vorkommt, der Wolf erst bei einer Länge desselben erreicht, welche 
um 10—20 mm in einigen Füllen sogar um 30 - 40 mm grösser ist. 


Die Domestikation übt auf den Schädel des Hundes und des Wolfes einen 
Einfluss besonders durch Verkürzung der Schnauze und des Unterkiefers aus. Im 
Unterkiefer ruft diese Verkürzung eine Formumbildung hervor, sodass der Unter- 
kiefer wie zusammengedrückt, untere Kante des horizontalen Astes bogenförmig 
und seine Höhe unter dem Fleischzahn bedeutend grösser erscheint. 


Die Verkürzung der Schnauze hat eine Umbildung in Gebissstellung ZU 
Folge; die Premolarenreihe welche bei dem Wolfe und wilden Hunde eine gerade 
Richtung hat, wird bei den domestieirten Formen zickzakfórmig und mehr oder 
minder quer gegen die Lage des Fleischzahns gestellt. 


Es wird weiter als charakteristisch auch das Verhältniss der Fleischzahn- 
länge zur Höhe des unter ihm gemessenen horizontalen Astes angeführt, was 
durch Messungen in den folgenden Tabellen dargestellt ist. 


dem Fleischzahn gemessen) bei folgenden Formen: 
te) el 


53 


Der Fleischzahn ist kürzer als die Höhe des horizontalen Astes (unter 


Species 


Lupus vulg. foss. 


Canis lupus juv. . 


К » grosses cj 
bi e. ЛОБУ 


Canis lupus . 


Lupus spelaeus 


» » 


n HI 
Lupus vulg. gross. © 
Papuaner Hund 
Canis lupus . 

" А 
Canis matris opt. Jeit. 
Lupus spelaeus 

» ul 

» n 
Canis lupus . 
Lupus spelaeus 
Canis intermedius 
Lupus spelaeus 
Canis lupus . 


Lupus Suessii . 


Woldt S. 20. 


perl 2221. 
Woldr. S. 


B. Mus. 4136 . 


INT e TOO 
Woldr. S. 30 . 
$ ҮШ. . 
28. 


n 


Berlin 4711 
Foss. M. Boh. 
B. M. 2123 


Strädonice 


Woldr. S. 30. 


B. Mus. 394 . 
Woldř. S. 30. 


Mus. Boh. 
Woldf. $8. 
M. Berl. 1292 
Mus. Boh. 


Woldf. S. 30. 


28 . 


pU 


Lokalität 


Parignana 


In Gef. gebor. 


Gailenreuth 
Siebenbürgen 
Türkei 
Hohlenstein 


Gailenreuth 


Podbaba 


Unt. Wolga 


Zeiselberg 
Streitberg 
Goffontaine 
Karpathen 
Streitberg 
Podbaba 
„Вуй Skála 
Posen 
Schlucht b. Srbsko 


Nussdorf 


Gailenreuth XI. 


Länge des 


Fleisch- 
zahns 


kiefers 


Hóhe des 
Unter- 


béi 
oo 


Differenz 


54 


Der Fleischzahn ist länger als die Höhe des horizontalen Astes (unter d. Fleischzahn gemessen) 
bei folgenden Formen: 


Species 


Lupus vulg. foss. 
Canis lupus rec. . 
Canis lupus . 
Canis latrans 
Canis palustris Rüt. 
Canis lupus . 


Lupus vulg. foss. 
Canis lupus . . 
Canis lupus . . . 
Lupus vulg. foss. 
Canis lupus . . 
Lupus vulg. . 


Der Fleischzahn ist kürzer als die Hóhe des horizontalen Astes (vor 


Lupus vulg. vel. ind. . 


я » Bross . 
Canis lupus . . . 
Lupus vulg... oí 

» b. UTE 


Nro. 


Woldf. 99 . 

Mus. Boh. 

M. Berl. 4152 . 
e amperu, 
Berlin L. H. 
Mus. Boh. 


Woldf. Seite 28 . 
й 39 . 
я X ` me 

B. M. 4210 

Mus. Boh. 


Woldr. 99 

Berlin L. H. 

Woldf. 28 . 

Woldf. 28 

Mus. Boh. .. 

NOLO B8 riw s 
Rer, 


Lokalitàt 


Býčí Skála 


Sarepta 
Oregon 


Turská Maštal 
Goffontaine 
Hohlefels 
Sibirien 
Kotlárka 
Rabenstein 


l'inland (aus Gef.) 


mittl. Indiv. 


Turská Майа] 


bei folgenden Formen: 


Sa| sE] g | 
оа | авч 5 
ard CIE ES 
Kä GR t н А 5 
301 30 Loi 
30 39:8 | +02 
28:5 28:8 -+ 02 
215 21 -- 0:5 
20 19:5 | -J- 0:5 
30:5 30 405 
29 28 + 1'0 
30 39 +10 
301 99 111 
29:8 98:8 | +15 
30 98'5 +15 
28 26 + 2:0 
32 295 | +25 
29 26 30 
32 29 j- 39:0 
30 97 + 8:0 
98 245 | +35 
30 24 + 6'0 


dem Fleischzahn gemessen) 


Species 


Canis Sp. 

Janis lupus BN 
Lupus vulg. сў gross . 
Lupus spelaeus . . 


Ll » 
Canis lupus . 

” ” d 
Canis fam. SÉ 
Lupus spelaeus . . 
Lupus vulg. 9 velká . 
Papuaner Hund . . 
Canis (Hund) 
Lupus spelaeus 
АШ: spelaeus . . . 
Canis famil. (Settr d 
Canis lupus . . . 
Canis famil. nov. f. 
Canis fam. borealis 
Lupus spelaeus 
Lupus Suessii . . 


Canis matris opt. Jeit. . 


Nro. 


MV DOS v. o9 
Berlin М... 
M. B. ?123 

Woldr. p. 27 
Woldr. p. 39 


» ” 
Mus. foss. 
M. B. 394. 
M. B. 2515 а 
Wolar, D oU v. 
ТОЙ 98:6 es 
M. В. 4711 
M BON CTS 
Woldf. p. 30 
Woldr. p. 30 
M. B. 1650 
M. B. 1292 
M. B. 2510 
M. B. 447. 
Woldr. p. 30 
Woldf. p. 30 
M Bow у, 
Woldi. p 30 


Lokalität 


Strädonice 
Grönland 
Unt. Volga 


Hohlenstein II, 


Podbaba 
Karpathen 
Podolien 
Zeiselberg 


Podbaba 
Býčí Skála 
Goffontaine 


Posen 
Labrador 
Streitberg 

Gailenreuth 


Schlucht b. Srbsko 


Nussdorf 


un 
D В 0 Ai S N 
US Saral А 
[7] ю Ф а, 
был Jon Фр D 
95 [24 E: 
н о Apt 
29:6 29:8 — 0'3 
23:9 235 | — 08 
28:0 28:5 — 0:5 
30:0 31:0 — 1:0 
320 330 — 10 
EEN 93:0 1:0 
230 245 — 1'5 
275 39:0 | — 15 
26:3 28'0 — 1:8 
31'1 33:0 — 1:9 
29'0 31:0 — 2.0 
14:9 16:9 — 2*0 
28'0 26*0 — 9:0 
300 33:0 — 30 
30:0 EEN — 8:5 
26:0 29:5 — 98:5 
290 RENG — 4b 
23:6 28'0 — 45 
218 26:5 — 47 
28'5 EEN — 50 
29:5 34:5 — 50 
280 33:0 — 50 
29:5 35:0 5:5 


55 


Der Fleischzahn ist länger als die Höhe des horizontalen Astes (vor 
dem Fleischzahn gemessen) bei folgenden Formen. 


gegen së 
Länge Höhe d. 

b na Mee as den. A ZOE e, 

pecies Nro. Localität Ge Astes eni 

vor dem " 

zahns Reissz. 
| 

Lupus vulgaris foss. | Woldr. p. 28 . | — 80 94  |-60 
Canis lupus . . . .| M. B. 4210 . .| Sibirien 998 95 |+48 
Lupus vulg. foss. .| Woldr. p. 29 .|  Hohlefels 80:1.|.26 +41 
Canis fam. Bern. .| M. B. 1583 . . | = 25 20:8 :|+47 

Lupus vulg. foss. .| Woldf. p. 29 . Goffontaine 3 26 |+4 

Cadis Iipus. . b s | M. Bie . | Finland, aus Gef. | 32 28 1-4 
" airov opor TM RA | Turská Mastal | 30 263 |+37 
Lupus vulg. foss. .| Woldf. p. 29 .; Býčí Skála 801, 265 |--83:6 
Lupus vulg... 25.7] Woldk. p. 28^. = 28 245 4- 9:5 
" B PU NM Ж Ў AES о | — 29 26 E Bu 

f E e e 82 |99. |4-8'0 
Lupus vulg. foss. . d Dar Rabenstein 28 25 |+30 
Canis lupus . . . . | Mus. Boh. Kotlárka 50 27. --8'0 
b pis бена е Виа То. ) In Фар сер. | 23 20 +380 
Canis palustris Ruh. — — 20 17. |4- 8*0 
Canis. lupus IN B. AUS aiii Sarepta 28:5 E20. 250 
Canis fam. . Spitz | M. B. 1415 . . — T 140 --Z1 
Canis lupus. . . ./ M. B. . . . .| Turská Mastal | 305 | 255 1-20 
Canis latrans i M. B. 3304 . . Oregon 915: 1915 LEID 
Canis fam. . Pinsch | M. B. сў 2619 — 165 | 150. |4- 15 

Lupus vulg. . . . .| Wald, p. 28 . — 29 28 |--1 
Lupus vulg. foss. .| Woldf. p. 29 . Parignana 275127  H-05 
ORUM 10008 A 6 Уу. Recent 30:0 | 295 |-- 075 
^ $050. . .| M. В. 4736 . .| Siebenbürgen 99:0| 285 4-05 

Ў йы б wy aah 1599. e Türkei ' 28 28: kr = 


Resumee der 41 hier angeführten Messungen in Betreff des Verhältnisses 
der Fleischzahnlänge zur Höhe des horizontalen Astes unter ihm: 


Fleischzahn als die Höhe 
des horiz. 
Typus Astes unter 
kürzer länger ihm 

Wolf Canis lupus H 12 
Canis lupus foss. . . 2 4 
Lupus spelaeus . T 13 
Lupus Suessii 3 - 

Jo MEE REOR, E А 

Wilder oder halbwilder Hund . . . 3 1 | 


56 


Resumé der 47 Messungen von Länge des Fleischzahns und ihres Ver- 
hältniss zur Höbe des horizontalen Astes vor ihm: 


| Fleischzahn als die Höhe 
| des hori- 
n" о. uum Ge zontalen 
kurzer lünger Astes vor 
ihm 
Canis lupus . . .. o 6 15 
Canis lupus foss. . . . "UEM Logs - 5 
Буй 01а4@85. "ДАУ о „ш, 6 = 
БЕУ alte STIMA, И AUN E — 
p— 5 sedilia, I 
Wilder oder halbwilder Hund . . . . 4 1 
Eegeluef, а pM eda 4 D 


Aus diesen Übersichten geht hervor: 


1. Dass einen kürzeren Fleischzahn als die Hóhe des horizontalen Astes 
vor ihm (zwischen dem Fleischzahn und dem letzten Lückenzahn gemessen) nicht 
nur die recenten, sondern auch die fossilen Wölfe besitzen, seien sie als Lupus 
spelaeus oder Lupus Suessii bezeichnet, dass weiter noch auch die fossilen halb- 
wilden und recenten Hunde ähnliche Verhältnisse aufweisen, so dass dieses 
Merkmal keinesfalls ausschlieslich und charakteristisch für die Form Lupus spe- 
laeus gilt. 

9. Dass zwar die Form Lupus Suessii in dieser Richtung die grösste Dif- 
ferenz aufweist, jedoch nicht damit einzeln dasteht, da auch bei anderen Formen 
(so z. B. bei Lupus spelaeus, vom Autoren des Lupus Suessii bezeichneten) 
eine gleiche Differenz besteht und nicht weit davon (nur 0'3—0'5 mm) der 
recente Wolf aus Posen und Eskymohund aus Labrador entfernt sind, sodass 
diese Differenz nicht ausschliesslich und charakteristisch für die Form Lupus 
Suessii ist. 

3. Dass zwar die Form Lupus Suessii einen absolut höchsten horizontalen 
Ast des Unterkiefers (in der Partie unter und vor dem Fleischzahne) besitzt, dass 
jedoch auch in dieser Richtung Fälle bekannt sind, wo die Formen welche als 
Lupus spelaeus bezeichnet sind, einen gleich hohen, oder noch bóheren horizon- 
talen Ast besitzen und auch recente Wölfe mit gleicher Eigenschaft gefunden 
werden. 

4. Dass zwar die Formen Lupus vulgaris und Lupus vulgaris fossilis einen 
Fleischzahn besitzen, welcher gewöhnlich länger ist als die Höhe des horizontalen 
Astes vor ihm, dass jedoch dementgegen Formen mit einem kürzeren Fleischzahn 
unter den recenten Wölfen nicht selten sind. 


5. Dass also die Differenzen, welche in diesen Verhältnissen obwalten, einen 
ausgesprochen individuellen Charakter besitzen, dass sie also keine morphologische 
Merkmale für Race, Varietàt oder Art sind. 


57 


Endlich soll noch ein anderes Merkmal charakteristisch sein: beim Lupus 
spelaeus soll nämlich der horizontale Ast des Unterkiefers seine stärkste Ent- 
wieklung unter dem Fleischzahn erreichen, so dass hinter ihm seine Höhe nur 
noch sehr wenig zunimmt. Dementgegen soll beim L. vulgaris und L. vulg. foss. 
der horizontale Ast des Unterkiefers, noch hinter dem Fleischzahn an Breite be- 
deutend zunehmen. 

Wenn wir diese Verhältnisse einer Messung unterwerfen, so finden wir: 

1. Dass die Höhe des horizontalen Astes (zwischen dem Fleischzahn und 
dem ersten Höckerzahn gemessen) hinter dem Fleischzahn bei allen den ange- 
führten Formen kaum merkbar sich ändert. So z. B. ist diese Höhe gleich gross 
beim Lupus spelaeus (Zeiselberg, Goffontaine), Lup. vulg. foss. (Goffontaine) und 
Lupus vulg. foss. (Woldřich f. 28), um 0'5- -1 mm kleiner erscheint beim Lupus 
spelaeus (Streitberg) und Lupus vulg. foss. (Hohlefels), um 00—25 mm kleiner 
erscheint beim L. spelaeus (Streitberg, Hohlenstein, Býčí Skála) und L. Suessii 
(Gailenreuth, Nussdorf); dagegen um 0'5—1 mm grösser ist beim L. vulgaris 
(Woldf. 28) Lupus vulg. foss. (Býčí Skála, Perignan, Rabenstein) und um 15 
bis 2 mm grösser ist beim L. vulgaris (Woldf. 28. V.) 

Es folgt daraus, dass die Hóhe des horizontalen Astes in der bezeichneten 
Gegend nicht nur beim Lupus spelaeus sondern auch bei allen den übrigen For- 
men abwechseld gleich gross, kleiner oder grósser erscheint als in der Partie 
unter dem Fleischzahn, dass also ihre Abkürzung für die Form Lupus spelaeus 
nicht charakteristisch ist. 

9. Dass die Höhe des horizontalen Astes hinter dem zweiten Hóckerzahne 
nicht als ein Merkmal, welches von der Race oder Form abhängig ist, bezeichnet 
werden kann, sondern dass die Veränderlichkeit an dieser Stelle von Alter und 
individuellen Entwicklungszustand abhängt. Seine Höhe in dieser Partie ist immer 
grösser als unter dem Fleischzahn; um wieviel, das hängt davon ab, ob die untere 
Kante des horizontalen Astes einen grósseren oder kleineren Bogen bildet. Diese 
Differenz bewegt sich zwischen 0'5—10 mm. Bis zur Differenz von 6 mm finden 
wir abwechselnd alle Formen von Lupus spelaeus, vulgaris und Suessii, und 
zwischen diesen Grenzen bewegt sich auch diese Differenz meistens auch bei den 
Hunden. Eine höhere Differenz von 6:5—10 mm kommt bei jüngeren Wölfen 
(Lupus vulgaris und vulg. foss. und eben auch bei Hunden vor. 

Die Entwicklung des Unterkiefers zeigt im hóheren Alter immer eine 
grössere Streckung und infolge dessen vermindern sich die Differenzen zwischen 
den einzelnen Hóhen um so mehr, je Alter die Individuen werden. 

Wenn wir die Messungsresultate in dieser Richtung rekapituliren, so finden 
wir, dass wirklich die kleinste Differenz bei den stattlichsten, d. h. bei den 
ältesten Individuen vorkommt, wogegen bei Individuen bei welchen der horizontale 
Ast unter dem Fleischzahn nicht höher als 26—30 mm ist, diese Differenz nur 
1—10 mm ausmacht und unter 6 mm bei den Individuen sinkt, deren horizontaler 
Ast 31— 35 mm hoch ist. 

Ganz analogisch verhält es sich bei dem Hunde, wenn wir diese Verhält- 
nisse bei einem Typus in verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen verfolgen. 


58 


So z. В. ein und derselbe Typus eines vorhistorischen Hundes aus Stradonic 
weist auf einem älteren Schädel eine Differenz von + 3:5 mm (welche z. В. bei 
dem L.spelaeus vorkommt) und auf einem jüngeren Schädel von demselben Fund- 
orte eine Differenz von +45 mm (welche ähnliche der L, Suessii aufweist) und 
auf einem anderen, jüngeren Schädel eine Differenz von + 7 mm (welche man bei 
dem L. vulgaris vorfindet). 


Fig. 21. Canis lupus Oberschädel in einem diluvialen Lósskindel von H. J. Sedf bei Beraun ge- 
funden A von unten, B von der Seite. 


Man kann daraus schliessen, dass einzelne Formen wie L. spelaeus und L. 
Suessii nur ältere, stärker entwickelte Individuen eine und dieselbe Form 
darstellen. 

Auf Grund der vorerwähnten Vergleichsstudien lasse ich hier eine specielle 
Beurtheilung der aufgeführten diluvialen Wolfsarten folgen. 

Lupus vulgaris fossilis Woldr. stimmt vollständig mit dem recenten Wolfe 
Canis lupus überrein und es ist gar nicht nöthig, ihn als eine besondere Form 


von dem letzteren zu unterscheiden. Bei beiden diesen Wölfen herrscht, was die 
Verhältnisse der Grösse und Länge der Höckerzähne und des Fleischzahns im 
Oberkiefer, als auch die Verhältnisse der Fleischzahnlänge und der Höhe des 
horizontalen Astes im Unterkiefer anbelangt, eine ganz gleichmässige Variabilität. 


59 


Die Höckerzähne sind bald kürzer, bald wieder gleich lang und bald wieder länger 
als der Fleischzahn des Oberkiefers, und der Fleischzahn im Unterkiefer ist bald 
kürzer, bald wieder länger als die Höhe des horizontalen Astes vor ihm. Es ist 
überhaupt nicht richtig, dass der Fleischzahn des Unterkiefers auch bei den 
schwüchsten Individuen lünger oder nur unbedeutend kürzer sein sollte als die 
Höhe des horizontalen Astes vor ihm. Alle übrigen osteologischen Differenzen sind 
überhaupt nur Resultate der gewöhnlichen Variabilität und fallen gar nicht in 
Betracht. 

Lupus spelaeus soll vor Allem die Form Lupus vulgaris durch seinen starken 
Gebiss und robusten Skelettbau übertreffen. Es ist dennoch sicher, dass ein starkes 
Thier eine vollstándig individuelle Erscheinung ist, wie es auch die Gróssenver- 
hültnisse des Fleischzahns im Ober- und Unterkiefer beweisen, dass auch die 
recenten Wölfe die Grösse der als Lupus spelaeus aufgeführten Formen nicht nur 
erreichen, sondern dieselbe sogar übertreffen. Es ist auch nicht charakteristisch 
für diese Form, dass die beiden Hóckerzühne stürker und zusammen länger oder 


Fig. 22. Der Wolf. Canis lupus (var. spelaeus). Unterkiefer von Turská Mastal. 


mindestens ebenso lang als der Fleischzahn sein sollten, denn dasselbe kommt auch 
bei den Formen vor, welehe als Lupus vulgaris, L. vulgaris foss. und L. Suessi 
bezeichnet sind. Es ist zwar richtig, dass der Fleischzahn des Unterkiefers auch 
bei den stärksten Individuen immer kürzer ist als die Höhe des horizontalen Astes 
vor ihm, aber dasselbe kommt auch bei den recenten Wölfen vor und es ist daher 
sehr willkürlich einzelne fossile Individuen aus diesem Grunde als Lupus spelaeus 
zu bezeichnen. 

Es lässt sich auch nicht läugnen, dass die Höhe des horizontalen Astes 
unter dem Fleischzahn ihre grösste Entwickelung erreicht und dass sie hinter ihm 
nur noch wenig (höchstens um 42 mm) grösser wird; dennoch wie es höher ge- 
zeigt wurde, hängt dieser Umstand nicht mit der Form und Art, sondern mit der 
individuellen Entwiekelung, mit der Grösse und Alter des Thieres zusammen. 


Diese hier angefürten Umstände muss recht die Vergleichung der ganzen 


Skelette bestätigen, welche mir im Mangel an vergleichenden osteologischen Mate- 
Beim Herrn Prof. Nehring in Berlin habe ich Skelette von 


rial nicht möglich war. 


60 


grossen recenten Wölfen gesehen, die schon augenscheinlich darauf hinweisen ; 
der H. Prof. Dr. Nehring hatte jedoch den Beweis sich vorbehalten, dass diese 
recenten Formen mit dem diluvialen Lupus spelaeus identisch sind. 

Lupus Suessii Woldf. Diese Form soll den Autoren”) nach vom L. vul- 
garis fossilis und L. spelaeus vorerst durch Form und Stellung des Fleischzahns 
und beider Höckerzähne im Oberkiefer unterschieden werden. 

Der Fleischzahn soll demnach schmal und länglich sein, mit einem schwachen 
weit nach vorne gerückten inneren Ansatz ohne Spur einer sich gegen Hauptzacken 
hinziehenden Leiste versehen und die Wurzel des letzteren soll schief gegen die 
Mittellinie des Gaumens verlaufen. Die Stellung des Fleischzahnes selbst ist pa- 
ralell mit der Mittellinie des Goumeus, wogegen sie beim L. vulgaris foss. und L. 
spelaeus einen bedeutenden Winkel bilden soll; auch soll der Fleischzahn etwas nie- 


Fig. 23. Der Wolf. Canis lupus (var. Suessii Woldi.) A Oberschädel aus der Felskluft bei 
Srbsko '/, natürl. Grösse. B Bruchstück des Unterkiefers. 


driger sein als bei den letzt genannten Formen. Alle diese Merkmale sind derart 
primitiver Art, dass man bei der nachgewiesenen individuellen Variabilität derartigen 
Verhültnisse des Gebisses bei einer und derselben Art ihnen gar keinen Werth zu- 
schreiben kann. Fleischzähne mit einem stark vorgerückten Vorderansatz, deren 
Wurzel infolgedessen schief gegen die Mittellinie des Gaumens verlaufen, habe 


*) Woldr. Ueber Caniden aus dem Diluvium p. 25. 


61 


ich sehr oft bei den recenten Wölfen vorgefunden (diese Form hat eine Differenz 
bis 9 mm zwischen der äusseren und inneren Länge des Fleischzahns zu Folge, 
siehe Seite 49). Dass dieser Ansatz keine, gegen den Gipfel des Hauptzaekens sich 
hinziehende Leiste besitzen soll, ist wohl nur eine Täuschung, denn selbst die 
Zeichnung Woldrich's Taf. IV. Fig. 8. eine Spur derselben aufweist, dieselbe 
Spur, welche auch dort zurückbleibt, wo die Leiste vollständig abgeschliffen 
ist; so z. B. ein Gebissbruchstück von C. lupus aus Turská Maátal, dessen stark 
abgenutzte Zähne auf ein sehr altes Individuum hinweisen, besitzt einen Fleischzahn 
mit derartigem, stark vorgerücktem Vorderansatz, dessen Wurzel ebenso schief 
gestellt ist und dessen Oberflüche ohne Spur einer Leiste ist, ohne dass dieser 
Bruchstrück mit Rücksicht auf die zugehörigen zugleich aufgefunden Unterkiefer- 
reste zur Form L. Suessii zugestellt werden könnte. 

Ein weiterer Unterschied der Form L. Suessii von den beiden anderen 
soll im Oberkiefer in der Form und Stellung der Hóckerzühne bestehen. 

Der erste Höckerzahn soll innen ziemlich breit und massiv mit einem mehr 
viereckigen Umriss sein, wogegen bei L. vulgaris und spelaeus diese Form mehr 
oval ist. Auch die Stellung dieses Höckerzahnes gegen die Mittellinie des Gaumens 
soll fast senkrecht sein oder richtet sich eher nach vorne, wogegen bei den übrigen 
Varietäten eher nach hinten gerichtet ist. Der zweite Höckerzahn ist verhältniss — 
mässig schmäler und seine innere Hälfte ist bedeutend kleiner und am Vorderrande 
nicht so stark ausgetieft. 

Der Eckzahn soll bei L. Suessii kleiner, aber stärker und verhältnissmässig 
dicker sein, die Schnauze, die vorne niedriger ist, soll in der Stirnpartie stark 
emporgebogen werden, 80 dass sie oberhalb der vorderen Augenhöhlen verhältniss- 
mässig höher ist und infolgedessen die Schnauze selbst im Ganzen kürzer 
erscheint. 

Auch diese nach Woldřich angefürten Merkmale sind bei den Wólfen und 
Hunden einer grossen Variabilität unterworfen, sodass selbst ihre Relativität und 
Unbestimmtheit dafür sprechen, dass es sich um winzige und nicht massgebende 
Abweichungen handelt. 

< Ich schliesse mich aus den allen hier angeführten Gründen vollständig den 
Anschauungen Nehrings an, dass im unseren Diluvium nur ein Wolf eines einzigen 
Typus und Art lebte, dessen stürkere Individuen bezeichnet werden kónnten als 

Canis lupus var. spelaeus Goldf., insoweit sie durch einen starken, schmalen 
Unterkiefer gekenntzeichnet sind, oder als 

Canis lupus var. Suessii Woldí., insoweit sie einen starken, aber hohen 
Unterkiefer besitzen; dagegen immer und alle Funde wo man diese Merkmale nicht 
unterscheiden kann, dürfen nur als 

Canis lupus fossilis m. bezeichnet werden. 

Die Überreste vom Wolf- Canis lupus sind in unseren Sammlungen aus 
folgenden Fundstellen vertreten. 

Kotlářka und andere Fundstelle im Löss bei Podbaba; ein Unterkiefer 
eines schwächeren Wolfes und Unterkiefer von stärkeren Individuen (var. 


Spelaeus). 


62 


Beraun. Oberschädel, vollständig in einer Concretion (Lósskindel) einge- 
schlossen; nur die Zahnreihen sichtbar (Fig. 21.). 

Turská Mastal. Zwei Unterkiefer von zwei verschiedenen Individuen, 
Bruchstücke des Oberkiefers, alles mit schwarz gefärbten Zähnen (var. spelaeus 
Fig. 22.). 

Srbska Siuj. Ein ganzer Oberschädel mit zwei Bruchstücken vom Unterkiefer 
(var. Suessii Fig. 23.); zahlreiche Gliedmassenknochen. 


Serveny Lom. Einzelne Zähne (Eckzahn, und Praemolaren aus dem Unter- 
kiefer, Höckerzähne aus dem Oberkiefer) und einzelne Phalangen. 


Der Hund. 


Ausser dem Wolftypus tritt im Diluvium auch schon ausgesprochener Hunde- 
typus auf, die Reste jedoch, welche von dem letzteren auf verschiedenen Stellen 
aufgefunden wurden, sind derart selten und unvollständig, dass sie uns nicht ge- 
währen ein vollständiges und verlässliches Bild vom dessen Typus anzuschaffen. 
Aus den meistens nur bruchstückweise vorkommenden Ueberresten kann man nur 
soviel sicherstellen, dass es sich hier um Hunde verschiedener Grösse handelt. Das 
kann wohl kein Kriterium für verschiedene Arten bilden; es ist leicht möglich, 
dass wir da nur verschieden grosse Individuen, oder auch verschiedene Ragen 
oder Varietäten einer und derselben Art vor Augen haben. 


Der Umstand, dass schon aus der vorhistorischen Periode einige Hunde- 
Racen oder Varietäten genauer bekannt sind, lässt wohl vermuthen, dass auch ihre 
Vorfahren im Diluvium einige verschieden gestaltete Formen bilden könnten, sicher 
ist es gewiss nicht. 


Bei der Unzulänglichkeit der vorhandenen Überreste bleibt es immer fraglich, 
ob wir in einem oder adnerem Falle mit einer Race oder einer Varietät, oder 
überhaupt manchmal nur mit einem kleinsten Exemplare einer grösseren Rage zu 
thun haben und man kann infolge dessen die diluvialen Formen nur vermuthlich 
nach den vorhistorischen Formen beurtheilen, Selbstverständlich kann man unter 
diesen Umständen die diluvialen Hundeformen nicht als einige selbstständige Specien 
unterscheiden, deren Ursprung überhaupt noch im Dunkeln sich birgt. 


Wenn wir von dem Standpunkte ausgehen, dass im Pliocaen hauptsächlich 
nur Wolf, Schakal und Fuchstypus bekannt sind, dass weiter im Oligocaen nur 
Urfüchse (Cynodictis) und Urhunde (Amphicyon) zum Vorschein kommen, können 
wir den Ursprung des jetzigen Hundes nur in diesen Formen suchen, solange uns 
neue Funde nicht anders belehren werden. 


Die geographische Verbreitung des Hundes sowie die Verschiedenheit seiner 
Formen in verschiedenen Weltgegenden weist darauf hin, dass sein Ursprung nicht 
einheitlich ist, sondern dass durch Kreuzung mehrerer Arten vom Wolf, Fuchs 
und vielleicht auch Schakal ein Thier eines gemischten Charakters entstanden ist, 
welches wir als Hund bezeichnen. 


63 


Der Hund war schon vor 4000 Jahren ein Hausthier des Menschen und 
damals schon in einer Reihe von differenzierten Formen, wie es die Zeichnungen, 
Inschriften und Mumien des altegyptischen Hundes wohl genügend beweisen. Er 
war auch schon ein Geführte des vorhistorischen Menschen in den Pfahlbauten, 
in dem Bronze- und neolitischen Zeitalter und auch da waren es schon minder oder 
mehr difterenzirte Formen. Wenn wir alsdann seine Spuren weiter in die Ver- 
sangenheit verfolgen, finden wir im echten Diluvium einige Formen eines gemein- 
samen, gemischten Typus. 

Es lässt sich wohl heute noch nieht bestimmt entscheiden, ob dieser Typus 
des diluvialen Hundes entweder erst den Anfang der Hundegeneration andeutet, 
welche sich später so mannigfach verzweigt hatte, oder ob wir da schon mit einem 
Resultate einer fertigen Abzweigung von anderen, älteren, wenig bekannten 
oder gar unbekdnnten Formen, oder vielleicht auch mit Kreuzungen einer Reihe 
von solchen Formen zu thun haben. 

Es ist schwer zu sagen, wie dieser Typus des Hundes sich wirklich aus- 
bilden konnte. Meine Ansicht geht dahin, dass ein Prototypus des wilden Hundes 
schon in ältesten Perioden der Diluvialzeit im Naturwege aus Vorfahren von einem 
Wolfentypus sich entwickelt hat, dass dieser Prototypus einerseits durch die ihm 
angeborene Variabilität infolge der Verschiedenheit der Verhältnisse, in welchen 
er lebte, andererseits durch Kreuzung mit anderen verwandten Formen, mit Wölfen, 
Füchsen und vielleicht auch Schakalen in eine Reihe von verschiedenen, grösseren 
und kleineren Formen sich umgebildet hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine 
oder andere Form des Hundes solcherweise sein Ursprung auch vom Wolfe ab- 
leiten kann. 

Ich halte also dafür, dass einige kleinere oder grössere, minder oder mehr 
verschieden gestaltete Racen des diluvialen Hundes einem gemischten Typus an- 
gehören, welcher ebenso wie der Wolf selbst einer Variabilität, infolge der Ver- 
schiedeneit der Lebensverhältnisse unterworfen war, einer Variabilität, welche zwar 
analogisch, aber noch grösser war. Dieselben Abweichungen, welche man in Aus- 
bildung einzelner Partien des Skeletes beim Wolfe wahrnimmt und welche zur Be- 
zeichnung einzelner Formen als — spelaeus, vulgaris foss. oder Suessii geführt 
haben, finden sich auch beim Hunde vor. 

Es ist dabei gar nicht nöthig und auch nicht richtig jede diese abweichende 
Form auf Grund dessen von den ähnlichen Formen des Wolfes abzuleiten, denn 
beiderlei Formen haben sich nicht auseinander sondern, parallel, selbstständig neben 
sich entwickelt. Dass dem wirklich so ist, beweist der Umstand, dass die Differenzen 
nach welchen man die abweichenden Formen z. B. eines vorhistorischen Hundes 
(wie es auf Seite 58 gezeigt wurde) analogisch wie bei dem Wolfe (als spelaeus 
Suessii, vulgaris) bezeichnen könnte, bei einem und demselben Typus, nämlich beim 
C. familiaris praehistorieus var. intermedius vorkommen. 

Die Forschungsresultate, welche in eine entferntere Vergangenheit hinreichen, 
zeigen uns, dass aus den Urhunden, von welchen hóher gesprochen wurde, zwei, 
anscheinlich sehr abweichende Zweige, nämlich die bärenartigen und hundeartigen 


Raubthiere hervorgegangen sind. 


64 


Auf welche Weise diese Abzweigung stattgefunden hat, können wohl erst 
weitere Funde von fehlenden Übergangsformen erläutern, ebenso wie es der Fall 
ist bei der Differenzierung des Wolfes und Hundes, deren letzteren man weiter als 
in's Diluvium nicht verfolgen kann ; im Pliocaen sind nur Wolf- Schakal- und Fuchs- 
type bekannt, jedoch keine Hundetype und im Oligocaen kennen wir überhaupt 
nur Urfüchse (Cynodietis) und Urhunde (Amphicyon) als die ältesten Vorfahren 
dieses Raubthierzweiges. — 

Es ist sehr wahrscheinlich, wie weiters bei den diluvialen Hundeformen ge- 
zeigt wird, dass der Typus des Hundes aus einigen kleineren und grósseren Wolf- 
varietäten hervorgegangen ist, welche noch jetzt leben und zwar dass es entweder 
durch weitere direkte Variabilität infolge geographischer und klimatischer Verhält- 
nisse oder durch Kreuzung mit Fuchs und Schakai geschehen ist. 

Die bisherige Bezeichnungsart der einzelnen Hundeformen in vorhistorischer 
und diluvialer Periode war nicht einheitlich und entspricht auch nicht den wirk- 
lichen biologischen Anschauungen und nicht minder auch den Nomenklaturregeln. 

Besonders die diluvialen Formen, welche als Vorfahren der späteren Va- 
rietäten aufgestellt wurden, sind als Arten bezeichnet, wogegen die vorhistorischen 
und recenten Formen, welche aus denselben hervorgegangen sind, man als Varie- 
täten bezeichnet, als ob eine Art in eine Varietät umgewandelt werden konnte 
(ich sage nicht, dass eine Art in mehrere Varietüten nicht zerfallen kónnte); dem- 
entgegen ist da wohl ein ganz umgekehrter Process im Gange, nämlich dass die 
ursprünglichen Kreuzungs- und Variabilitätsformen sich später stabilisiert haben 
um doch noch nicht eine jede für sich selbsstündige Art, zu bilden, da alle 
zusammen erst unter den Hut einer gemeinschaftlichen Art einbezogen werden. 
Wir müssten der ersteren Bezeichnungsart folgend die heutigen Varietäten und 
Racen des Haushundes als Varietäten mehrerer Arten bezeichnen und nicht, wie 
wir es wirklich und im Einklang mit der Sachlage der Entwicklung thun, als 
Varietäten einer einzelnen Art. 

Ich nehme also für den diluvialen Hund als für einen gemeinschaftlichen 
Haupttypus die einheitliche Bezeichnung Canis ferus (nach Bourgignat) an, welche 
ursprünglich schon als eine Bezeichnung von wildem diluvialen Hund gemeint 
wurde, und ordne ihm die übrigen, immer noch nicht genau bekannten Formen 
als Varietäten unter. 

Für die vorhistorischen und recenten Hunde genügt uns vollständig die 
Artbezeichnung der domestizierten Form Canis familiaris mit Varietütsbezeichnung 
seiner verschiedenen Racen, wobei der vorhistorische gezähmte Hund als Canis 
familiaris praehistoricus bezeichnet, werden kann. 


Diluvialer Hund. Canis ferus Bourg. 


In den diluvialen Ablagerungen Frankreichs, Deutschlands, sowie bei uns 
wurde ein wilder diluvialer Hund sichergestellt, welcher in einigen minder oder 
mehr deutlichen Grössen oder Varietäten auftritt. 


'anis ferus var. ferus Bourg. 


Ein grósserer diluvialer Hund, dessen Reste zuerst in Lunel-Vieil aufge- 
funden und vom M. Seures, Duvreuil und Jeanjean abgebildet und von Bour- 
gignat!) als Canis ferus mit Übersicht der Fundorte angeführt wurden. 

Seine Reste bestehen aus Fragmenten des Oberkiefers. Struckmann fand 
in der Einhornhóhle einen Unterkiefer, weleher von einem vorhistorischen Jagdhund 
(Canis familiaris praehistoricus var. matris optimae Jeit) kaum zu unterscheiden 
ist. Aus Böhmen führt Woldřich?) Bruchstücke des Oberkiefers eines ähnlichen Hundes 
aus Sudslavic an und fügt bei, dass seine Dimensionen ebenfalls auch mit denen 
eines vorhistorischen Bronzehundes übereinstimmen. 

Ich selbst habe Überreste dieser Varietät nirgends konstatieren können. Ob- 
wohl die Kenntniss dieses Thieres nur auf Fragmenten beruht, bin ich dennoch 
überzeugt, dass ein grosser wilder Hund im Diluvium existiert hat. 

Eine nähere, genauere Charakteristik dieses Thieres bei der bekannten Varia- 
bilität dieser Gattung ist wohl auf Grund dieser Fragmente keinesfalls möglich 
und man kann nichts anderes sagen, als dass es ein Hund von der Grösse eines 
Jagdhundes war. In Sudslavic fand Woldřich nur zwei Bruchstücke des Oberkiefers 
mit Fleischzahn und den Höckerzähnen und einen rechten Zwischenkiefer, einen 
linken oberen Stosszahn und zwei Praemolare; diese Reste denten auf die nahe 
Verwandschaft dieses grossen diluvialen Hundes mit dem Wolfe hin und es ist nicht 
ausgeschlossen, dass es ursprünglich nur ein kleinerer Wolf der Steppe oder Nie- 
derung ist, dessen Analogie wir in dem jetzt lebenden Schilf- und Waldwolf in Ga- 
lizien und Ungarn finden. Es wurde schon früher darauf hingewiesen, wie schnell 
der Wolf einer Variabilität unter dem Einflusse der klimatischen und geographi- 
schen Verhältnisse unterworfen ist, und so ist es nicht nöthig, zu weit umherzu- 
greifen, um die Erklärung dieser auffälligen Umwandlungen und deren Stabilisie- 


rung zu finden, 


“anis ferus var. Mikii Woldr. 


Ein Hund, der etwas kleiner ist (in der Grösse eines Schakals) als der vor- 
hergehende, wurde von Dr. Woldfich auf Grund von Ober- und Unterkieferbruch- 
stücken aus Čertova Díra in Mähren beschrieben?) Autor sprach die Meinung aus 
dass dieser Hund ein Vorfahre des vorhistorischen Canis familiaris praehistoricus 
var. palustris Rütm. sein konnte. 

Seine Erscheinung füllt mit dem Ende der postglacialen und mit dem Anfange 
der Steppenperiode zusammen. Später schrieb Dr. Woldřich noch einige Extre- 
mitätenknochen aus Sudslavie in Böhmen dieser Varietät zu und sagt, dass diese 


1) Bourgignat. Recherches sur les ossements de Canidae de France. 
2) Woldřich J. N. Diluviale Fauna von Sudslavic. 3. Bericht. 
зу Dr. Woldřich Beiträge zur Geschichte des fossilen Hundes. Mitth. d. anthrop. Gesell- 


schaft Wien. XI. Bd. 1882, 


66 


vollständig mit den Resten des vorhistorischen О, famil. praeh. var. palustris Rütm. 
aus Slavikovie in Mähren übereinstimmen. 


Auch die Kenntnis dieses Hundes ist nur fragmentarisch. Ausser den Bruch- 
stücken des Oberkiefers und des Unterkiefers aus der Čertova Díra fand Dr. Woldřich’) 
einige Bruchstücke von Extremitätenknochen und kleinere Phalangen, deren Zuge- 
hórigkeit zu dieser Forn nur hypothetisch ist. Es sind dabei auch verschiedene 
Individuen vertreten und wäre jedenfalls empfehlenswert diese Reste mit dem 
recenten Schakal genauer zu vergleichen. 


Es ist überhaupt genug auffällig, dass gerade der Schakal Comte (Lupulus) aureus 
im mitteleuropaeischen Diluvium nicht genau sichergestellt wurde, obwohl Nehring?) 
dafür hält, dass demselben einige Reste aus der Hoeschenhöhle bei Neumühle an- 
gehören, 


Obwohl es also sehr wahrscheinlich ist, dass eine, kleinere Varietät eines 
wilden Hundes schon im Diluviun existierte, ist es doch nicht möglich dieselbe 
auf Grund der bisherigen Funde als vollständig bekannt zu bezeichnen. Ihren 
Ursprung könnte man ehestens aus der weiter unten angeführten mittelmässigen Race 
(C. ferus var. intermedius) abzuleiten und zwar entweder als Resultat einer weiteren 
Variabilität unterm Einfluss von klimatischen und geographischen Lebensverhältnisse 
oder als wahrscheinliches Kreuzungsresultat mit Schakal oder Fuchs, in welch’ 
letzter Richtung die recente Periode gute Beispiele leistet. 


Canis ferus var. hereynius Woldi.?) 


Aus Sudslavie führt Dr. Woldřich als Canis hereynius Wold‘) einen Unter- 
kiefer eines Hundes an, welcher noch kleiner erscheint als der vorher angeführte 
C. f. Mikii, und meint, dass derselbe ein Vorfahre des vorhistorischen Hundes 
sein kónnte, welchen aus italienischem Terramare Strobel als Camis fam. Spalleti 
Strob (nach meiner Bezeichnung C. famil. praeh. var. Spalleti Strob) beschreibt. 


Später fand Dr. Woldřich noch andere Bruchstücke vom Unter- und Ober- 
kiefer. Ausser Sudslavic wurde ein derartiger Hund nirgends aufgefunden und es 
scheint, dass wir da keine bestimmte, stabilisierte Form, sondern nur zufällige 
Abweichung oder überhaupt nur kleinere oder jüngere Individuen der vorherigen 
Form vor uns haben. Man kann also diese Form als noch weniger begründet beur- 
theilen als die vorige. 


') Dr. Woldřich. Ueber die Diluv. Fauna von Sudslavic. II. Theil. Sitzb. der mathem. 
naturw. Classe d. Kais. Akad. Wien. 1882. a 1884. 

?) Nehring Tundren u. Steppen d. 194. 

*) Dr. Woldfich Ueber die dil. Fauna von Sudslavic. П. III. Theil. Sitzb. S. math. naturw. 
Classe der Kais. Akad. Wien. 1882 a. 1884. 


*) Im Kataloge von Trouessart ist diese Varietät fehlerhaft als Abart des Wolfes angeführt, 
wahrscheinlich infolge dessen, dass es ebenso auch Zittel gethan hat. 


67 
Janis ferus var. intermedius Woldr.') 


Ursprünglich führte Woldřich diesen Hund, der eine Grösse des Schäfer- 
hundes besitzt, aus Sudslavic an und schreibt dieser Form auch andere Funde 
zu, so den Römer’schen aus der Zbyjecer Höhle bei Ojcov und den Liebe'schen 
aus der Vypustek Höhle in Mähren; selbst bestimmt er so auch einige Reste aus 
Predmosti in Mähren. 

Diese Form ist jedenfalls eine mehr typische und stabilisirte Erscheinung 
als beide vorherigen, denn auch in dem frei abgelagerten Loess bei Podbaba und 
in den Ablagerungen der Schlucht bei Srbsko, habe ich Reste aufgefunden, 
welche denen aus Sudslavic vollständig entsprechen. Ein vollständiger Unterkiefer 
aus der Podbaba kann wohl als einem derartigen Hund angehörig gedeutet werden, 
obwohl derselbe ganz gut auch einem jungen Wolf angehören kann. Diese Zuge- 
hörigkeit nach ähnlichen Einzelnfunden zu entscheiden ist wohl sehr schwerlich 
und ungewiss. Solche Ueberzeugung habe ich auch bei recenten und vollständigen 
Schädeln gewonnen, welchen die Bezeichnung ihres Ursprungs fehlte; in gewissen 
Stadien wurde es überhaupt nicht möglich einen Wolf von einem halbwilden und noch 
weniger von einem wilden Hund bestimmt zu unterscheiden. Wie weit beschwerlicher 
und unsicherer ist es bei einzelnen Bruchstücken des Schädels oder einzelnen 
Knochen des Skelettes! 

So auch die fragmentarischen Funde dieser Form, welche uns eben beschäf- 
tigen, lassen keine nähere Charakteristik zu, als dass es sich hier um eine hunde- 
artige Form von Grösse eines Schäferhundes handelt. Auch Nehring stellte die von 
ihm aufgefundenen Reste nur mit Frage in die Verwandtschaft mit dieser Form. 

Im Ganzen ist es eine Form, welche inmitten zwischen den oben genannten 
Varietäten, das heisst zwischen dem grössten C. ferus var. ferus und dem kleinsten 
C. f. var. Mikii und hercynius stebt. Man dürfte kaum fehlgreifen, wenn man 
diesen Hund in die Verwandtschaft stellte oder direkt von den kleinsten Wölfen 
abzuleiten suchte, welche in der recenten Fauna durch die weit nach Osten ge- 
rückten Formen Canis pallipes Sykes. und dem japanischen C. hodophylax Tem. 
vertreten sind. 

Eine nähere Charakteristik, welche uns bei diesen diluvialen Formen, nàm- 
lich bei dem C. ferus var. ferus und C. ferus var. intermedius auf Grund der dilu- 
vialen Funde fehlt, erkennen wir mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit aus den 
vollkommeneren vorhistorischen Funden, denn die vorhistorischen Hunde var. 
matris optimae und var. intermedius dürften wohl direkte Nachkommen der dilu- 
vialen Formen sein, da sie mit ihnen, soweit wir e8 beurtheilen können, vollständig 


übereinstimmen. 
Vorhistorischer Hund. Canis familiaris praehistoricus m. 


Auch der vorhistorische Hund kommt in einigen Variüteten vor, welche haupt- 
sächlich dureh ihre Grösse sich unterscheiden. Es sind folgende: 


1) Woldřich J. N. Diluviale Fauna von Sudslavic 3. Bericht. 


5* 


68 
Canis familiaris praehistorieus var. decumanus Nehr. 


Der grösste vorhistorische Hund, welcher wahrscheinlich einen Vorfahren 
der jetzigen deutschen Dogge vorstellen dürfte, und von Prof. Nehring beschrieben 
wurde. 


Seinen Ursprung dürfte man von einem Wolfe des Charakters eines Canis 
lupus var. Suessit Woldr. ableiten. 


Aus Böhmen werden derartige Reste von Dr. Woldřich ') aus Hradist bei 
Kuttenberg angeführt. Den betreffenden Fund habe ich umsonst im Museum in 
Kuttenberg nachgesucht, wo er sich befinden soll. 


Fig. 24. Canis familiaris praehistorieus var. decumanus Nehr. Podbaba. '/, natür. Gr. 


Aus der Podbaba besitzen die Sammlungen des Landesmuseum in Prag Unter- 
kieferreste eines derartigen Hundes, welche etwas kleiner sind (Fig. 24.) und deut- 
liche Zeichen der Domestikation aufweisen (die stark gebogene Unterseite des 
horizontalen Astes). Auch der Knochencharakter weist auf etwas jüngeres Alter 
hin; der Unterkiefer stammt wahrscheinlich aus den vorhistorischen Grabstätten, 
welche im dortigen Loess häufig sind. 


Vorhistorischer Jagd- und Vorstehbund. Canis familiaris praehistoricus 
var. matris optimae Jeit. 


Ein etwas kleinerer Hund als der vorige, zuerst von JeWeles?) aus Olmütz 
beschrieben, dann auf anderen Fundorten z. B. am Stahrenberger See, in Regens- 
burger Hóhle, in Auvernier am Neuenburger See u. a. Stellen wieder aufgefunden. 
Aus Böhmen zuerst von Woldřich °) aus Strädonic, aus Hradist bei Kuttenberg und 


1) Woldřich. Beiträge zur Urgeschichte Bóhmens. Mitth. d. anthr. Ges. Wien. Bd. XVI. 1886. 


?) Jeitteles L. H. Die vorgeschichtlichen Alterthümer der Stadt Olmütz und ihrer Umge 
bung. Mitth. d. ап гор. Ges. in Wien, Bd. ХҮП, 1872. 


*) Dr. Woldfich. Ueber den Haushund von Strádonic. Mitth. d. anthrop. Ges. Wien Bd. 
XII. 1882. 


69 


Caslau *) angeführt, Ed. Naumann " unterscheidet zwei Ragen dieser Varietät, eine 
vom robusten Bau eines Parforcehund, die andere schlankere und feinere auf die 
Art eines Vorstehhundes. Unsere Schädel aus Strädonic stimmen hiemit überein und 
gehóren der ersteren Rage an. 

Es ist ein charakteristischer Typus eines schon domestizierten Hundes, 
dessen Existenz in vorhistorischer Periode keinem Zweifel unterliegt. 


Fig. 25. Vorhistorischer Jagdhund (Canis familiaris praehistoricus var. matris optimae Jeit.) 
Ein Schädel aus Strádonic in !/, der natür, Grösse. 


Fig. 26. Vorhistorischer Jagdhund (Canis familiaris praehistorieus var. matris optimae Jeit.) 
Ein Schädel aus Strädonie in !'/, der natür. Grösse. 


t) Dr. Woldřich. Beiträge zur Urgesch. Böhmens. Mitth. d. anthr. Ges. Wien Bd. XVI 


1886. und XIX. Bd. 1889. 
5) Ed. Naumann. Die Fauna der Pfahlbauten am Starnberger See. Archiv für Antrop. Bd. 


ҮШ. Braunschweig 1875. 


10 


Dieser grosse Hund dürfte wohl als direkter Nachkomme des gróssten dilu- 
vialen Hundes (oder des kleinsten Wolfes) Canis ferus var. ferus angesehen werden 
Der Schädel dieses Hundes, welcher als der Bronzezeit angehórig kurz auch 
Bronzehund genannt wird, hat nach den Messungen von Jeiteles eine Basallänge 
171—189 mm (bei den kleinsten Individuen noch 162 mm); die Länge des läng- 


Fig. 27. Vorhistorischer Schäferhund (Canis fam. praehistoricus var. intermedius.) Ein Schäde 
aus Strädonic von oben in !/, der natür. Grösse, 


lichen und schmalen Gaumens verhält sich zu seiner grössten Breite wie 100: 65:85 
Dennoch ist die Schnauze länglich und ziemlich zugespitzt, so auch das ganze 
Schädelprofil von der Seite flach und mässig gewölbt erscheint; auch die Scheitel- 
knochen zeigen eine nur mässige Wölbung. 

Die Schädel unserer Sammlungen haben eine Basallänge von 174—180 mm 
und das Verhältniss der Länge und Breite des Gaumens 100: 66:5. 


Vorhistorischer Schäferhund. Canis familiaris praehistorieus var. inter- 
medius Woldi. 


Auch dieser Hund ist eigentlich ein Bronzehund, denn seine Reste kommen 
regelmässig in den Aschenschichten der vorhistorischen Bronzezeit-Ansiedelungen 
vor. So wurde er zuerst aus Weikersdorf und Pulkawa in Oesterreich von Dr. 
Woldfich ') beschrieben, dabei auch ein Bruchstück des Unterkiefers von Blaschim 


1) Dr. J. N. Woldřich. Ueber einen neuen Haushund der Bronzezeit. Mitth. der Anthr. 
Ges. Wien VII. Bd. N. 4 und 5. 


2 
in Bóhmen angeführt. Derselbe Autor führt ihn weiter noch von Libáň bei Jiein *) 
undaus Strádonic, aus der Sipka-Hóhle und der Čertova Díra ın Mähren an ?). Aus diesen 
Funden habe ich die Strádonicer Hunde bei der Hand, auch einen Schädel aus 
dem Särka-Thal und von diesen meist gut bewahrten Schädeln rühren auch meine Ab- 
bildungen her. 

Der Schädel dieses Hundes ist durch eine, als bei dem vorigen, kürzere Schnauze 
gekennzeichnet, wogegen das Ende derselben in der Partie der Stosszahnalveolen 
verhültnissmüssig breiter ist; auch die Stirngegend und die Oberkiefer sind 


Fig. 28. Vorhistorischer Schäferhund (Canis fam. praehistoricus var. intermedius.) Ein 
Schädel mit dem Unterkiefer aus Strádonic von der Seite in !/, der natür. Grösse. 


bedeutend breiter; der Hinterschädel erscheint höher gebaut und die Wölf- 
bung der Scheitelknochen besonders in der hinteren Partie ist deutlich grösser 
als bei dem vorigen. Auch die Gesammtgrösse des Schädels weist einen Unter- 
schied auf. Die Schädel unserer Sammlungen haben eine Basallänge von 165—170 
mm, der Weikersdorfer Schädel vom Woldfich gemessen 164 mm und. Verhältniss 
der Länge des Gaumens zu seiner grössten Breite 100: 72 22. 


Vorhistorischer Torfhund. Canis familiaris praehistorieus var. palustris 
Rütm. 


Eine Hunderace, welche zuerst als eine konstante Erscheinung von Rütimeyer?) 
aus den Pfahlbauten der Schweiz beschrieben wurde. Später beschrieb Canestrini') 
eine ähnliche Form unter dem Namen Canis familiaris minor aus der Umgebung 
von Modena, welche wahrscheinlich identisch ist. Naumann 5) konstatirte die Existenz 


1) Dr. J. N. Woldřich. Beiträge zur Urgeschichte Böhmens. Mitth. ib. Wien 1884. 

?) Dr. J. N. Woldfich. Ueber den Haushund von Strádonic, Mitth. ib. Bd. ХП. 1882. 

зу Rütimeyer L. Fauna der Pfahlbauten der Schweiz. Basel. 1861. 

*) Canestriui. Oggeti trovati sulle terremare del Modenese. Modena 1866. 

5 Naumann Edm. Die Fauna der Pfahlbauten im Staruberger See. Arch. für Anthro- 


pologie. Braunschweig 1875. Bd. VIII. 


12 


dieser Race auch in den Pfahlbauten von Bayern und auf eine noch allgemeinere 
Verbreitung derselben wies Jeiteles‘) hin. Aus Böhmen führt den Torfhund 
dr. Woldfich?) aus Strädonic an. Ein Torso des Schädels, auf welchem diese 
Behauptung beruht, befand sich früher in der Collection Dr. Berger, mit welcher 
es ins Museum gelengte; ich finde, dass es sich hier eher um einen jungen 
Schäferhund handelt. 

Derselbe Hund wird weiters aus den neolithischen Fundstellen bei Kutten- 
berg (Hradiště, Hrádek bei Čáslav) angeführt ^. Inwieweit diese Bestimmungen 
richtig sind, konnte ich nicht konstatiren, da die betreffenden Stücke im Kutten- 
berger Museum nicht zu finden sind. 

Einen guten Beleg für die Existenz dieses Hundes in Bóhmen liefert die 
jüngere Periode in der Kalvarienschlucht bei Repora (Fig. 29.). 

Ausser dem auffälligen Unterschied in der Grösse zeigt der Schädel des 
Torfhundes auch andere, ganz charakteristische Kennzeichen ; sein Scheitel ist 
flach, hóchstens erst an der Spitze in einen kleinen Kamm übergehend, die 


Ke 


TN 


Fig. 29. Vorhistorischer Torfhund (Canis fam. praehistoricus var, palustris Rütm.) Ein Schädel 
aus der Kalvarienschlucht bei Repora in '/, natür, Grösse. 


Schnauze ist kurz und der Übergang derselben durch die Stirngegend jedenfalls 
steiler als bei den vorigen Formen; der Hintertheil des Schädels dem Vordertheil 
entgegen ist verhältnissmässig breiter. 

Jeitteles gibt die Basallänge der von ihm gemessenen Schädel auf 
130—152 mm an, Woldrich auf 134 (?); unser Schädel aus der Kalvarienschlucht 
hat eine Länge von 137 mm, Verhältniss der Gaumenlänge zur Gaumenbreite bei 
Jeitteles 100 : 69:69 ist bei dem unseren Schädel auffülliger 100 : 76. 


Becenter Haushund. Canis familiaris L. 


Es dürfte wohl zu weit führen, wenn wir uns hier mit allen den Varietäten 
und Ragen des Haushundes beschäftigen sollten, welche jetzt in Böhmen gezogen 


4) Jeitteles. Die Stammväter der Hunderassen. Vídeň 1877. 

5) Dr. J. N. Woldřich. Uiber den Haushund von Strädonie, Mitth. d. anthrop. Ges. Wien. 
Bd. XII. 1882. 

°) Dr. J. N. Woldřich. Beitr. z. Urg. Böhmens. Mitth. d. апт. Ges. Wien XVI. Bd. 
1886. a XIX. Bd. 1889. 


18 


werden. Mann findet unter denselben viele aus der Fremde importierte Ragen, 
theils auch eine Menge von Racen, welche durch moderne Aufzucht oder durch 
zufällige oder absichtlich herbeigeführte Kreuzung entstanden sind. 

Der endemische Hund, welcher auf unserem Boden aus den wilden oder halb- 
wilden Racen des Diluviums und Alluviums entstanden ist und weiter gezüchtet 
würde, weist im Ganzen nur wenige Racen oder Varietäten auf, von welchen folgende 
aufgeführt zu werden verdienen. 


Der Schäferhund. Canis familiaris var. pecuarius. 


Der Schäferhund, so wie wir ihn heute kennen, ist wohl nicht älter als 
circa 200 Jahre; er wurde aus dem älteren und vorhistorischen Schäferhund 
(Canis familiaris praehistoricus var. intermedius) durch eigene Domestikation und 
vollkommenere Dressur gezüchtet. Der vorhistorische Schäferhund war ein noch 
halbwilder Hund, welcher zu den Heerden der Hausthiere nur mehr mechanisch ge- 
bunden war (er wurde vom Schäfer an der Leine geführt), um diese vor dem 
Raubwild zu schützen. In seinem Blut und in seinem Benehmen hielt sich lange 
und zwar bis zur Zeit der Ausrottung des Wolfes viel Charakter eines Wolfen- 
typus und es ist sehr wahrscheinlich, dass sein diluvialer Vorfahre Canis ferus 
var. intermedius direkt aus kleineren Wolfracen entstammt und dass diese bis zu 
ihrer Ausrottung auf seiner Entwickelung theilgenommen haben. Erst durch die 
Ausrottung dieser mitwirkenden Wolfsracen fand eine vollständige Domestikation 
dieses Hundes. und eine selbständigere Entwicklung seiner Rage statt, welche da- 
durch jedoch geändert wurde, so dass sie neue Varietäten bildete und zwar andere 
z. B. bei uns, wo der Wolftypus noch länger anhielt (insbesonders in Ungarn), 
andere wieder in England, wo die sogenannten Collies auf eine besondere Voll- 
kommenheitsstufe gebracht wurden, und andere endlich im Südeuropa, von wo 
zu uns aus ihrer Reihe der Pudl gebracht wurde, welcher in seiner Jagdfähigkeit 
das Anzeichen seines Ursprungs bewahrt hat, zu welchem Zwecke er früher auch 
wirklich benützt wurde. 


Der Haushund. Canis familiaris var. domesticus. 


Unter dem Namen des Haushundes wird eine ganze Reihe von Racen und 
Schlägen angeführt, welche keinesfalls einheitlich erscheint, das heisst, keinesfalls 
einen und denselben Ursprung hat; unter diesen existiert wohl noch eine ganze 
Menge von Bastarden, deren Ursprung sehr oft nicht einmal in die nächste Ver- 
gangenheit zu verfolgen ist. 

Vom wissenschaftlichen Standpunkte meinen wir hier den eigentlichsten und 
ältesten, verhältnissmässig auch den reinsten Haushund, nämlich den Spitz 
Canis familiaris domesticus — pomeranus), welcher bei uns immer seltener wird, 
in den benachbarten Gebieten Deutschlands immer noch ziemlich häufiger be- 


gegnet wird. 


14 


Der Spitz ist auch in seiner heutigen Form Alter als der jetzige Schüfer- 
hund, denn mit kleinen Abweichungen lässt sich seine Entwickelung weit in die 
Vergangenheit verfolgen und es hat viel für sich die Meinung einiger Autoren, 
dass er seinen Ursprung von dem Hüter der Pfahlbauten, das heisst von dem 
Canis familiaris praehistoricus var. palustris Rütimayers ableiten kann, welcher 
weiters von den kleineren Wildhunden des Diluvium herstammt, in deren Blut viel 
vom Schakal enthalten ist, und welche wir auf der Seite 65 und 66 unter die 
Varietäten Woldrich’s C. Mikii und C. f. hercynius eingereiht haben. 

Aus demselben diluvialen und vorhistorischen Stamm können wohl auch 
andere Racen des Haushundes abgeleitet werden, so wahrscheinlich der Wachtel- 
hund (Canis familiaris brevipilis), in deren Verwandschaft Rütimayer selbst diesen 
Hund am nächsten stellt. 

Die interessanteste Analogie einer solchen Entwickelung stellt im Norden 
der Eskimohund Canis familiaris borealis und bei den Papuanen Canis hiber- 
nicus dar. 


Kleiner Jagdhund (Canis familiaris sagax). 


Der kleine Jagdhund, welcher mit Leichtigkeit seines hochbeinigen Körpers 
eine rege Beweglichkeit und einen schnellen Lauf, sowie vollkommene Eigen- 
schaften eines Jagdthieres verbindet, gehört ebenfalls zu den ältesten Haushund- 
ragen an. Seine Gestalt finden wir schon in den altegyptischen Hieroglyphen abge- 
bildet und die Schädel der Bronzehunde (Canis famil. praehistoricus var. matris 
optimae Jeitt.) sind ganz bestimmt Schädel seiner alten Vorfahren, welche mit 
grosser Wahrscheinlichkeit von den grössten Wildhunden des Diluvium (Canis ferus 
var. ferus Bourg.) sich ableiten lassen, in deren Blut sich viel vom echten Wolfs- 
blut birgt, wenn es sogar nicht gewisse Wolfsracen der Ebene sind, wie es auf 
der Seite (65.) erórtert wurde. Es wurde auch schon gesagt, dass Naumann unter 
den Bronzehunden zwei Racen gefunden hat, nämlich eine schlankere, welche auf 
den Vorstehhund (Canis fam. grajus) und eine robustere, welche auf den Parforce- 
hund (Canis fam. gallicus) der Jetztzeit hinweist; dieser Anschauung stimmt auch 
Jeitteles bei und ebenfalls wird dieselbe durch die bei uns gefundenen Schüdel 
bestätigt. 


Grosser Jagdhund, Dogge (Canis familiaris anglicus). 


Hunderagen, welche wir heute unter dem Namen der englischen und deutschen 
Dogge kennen, sind jedenfalls Resultate der absichtlichen Aufzucht der Neuzeit. 
Das Material hiezu lieferte jedoch ein endemischer grosser Hund, welcher stellen- 
weise auch in anderen starken Hacen auftritt, sehr oft jedoch in verschiedene 
missgebildete und fortwährend veränderliche Formen ausartete. 

Dass ein solcher endemischer Hund schon seit der Diluvialzeit bei uns lebte 
und später domestizirt wurde, das scheinen einige, obwohl seltene Funde zu bezeugen, 


45 


welche in der vorhistorischen Zeit unter dem Nehring'sehen Namen Canis familiaris 
praehistoricus var. decumanus zusammengezogen werden dürften und deren Ur- 
sprung von den gróssten Hunden oder einigen Wólfen Diluviums (Canis lupus var. 
Suessii und Canis ferus var. ferus) abgeleitet werden kónnte. 


Die Wahrscheinliehkeit dieses Entwiekelungsganges wird durch die allge- 
meine Körpermächtigkeit, namentlich durch die Grösse und Stärke des Schädels, 
bei diesem insbesonders durch den stark ausgebildeten Unterkiefer unterstützt 
Nichtsdestoweniger bleibt noch übrig, neue und sichere Belege für diese Anschauung 
zu sammeln, als welche bis heutzutage vorliegen. 


Gattung Cuon. 


Diese Gattung hat wohl in der Fauna Böhmens keinen Vertreter, derselbe 
wurde jedoch in Mähren, 1) Würtemberg °) und in Frankreich ?) gefunden, sodass 
es nicht ausgeschlossen ist, dass derartige Reste auch in Böhmen aufgefunden werden 
könnten, obwohl vorläufig nur ein negatives Resultat der eingeleiteten Nachforschung 


zu verzeichnen ist. 
Die Hauptmerkmale dieser Gattung sind: 


1. Der Unterkiefer besitzt nur einen einzigen Höckerzahn (m,), welcher 
relativ kleiner ist als bei dem Wolfe; derselbe besitzt auch nur eine Wurzel, 
wenn auch durch eine Leiste die Zweitheilung angedeutet wäre. Es ist wohl 
achtzugeben, denn anch bei den Wölfen und Hunden kommt es vor, dass der zweite 
. Höckerzahn (m,) fehlt; Nehring selbst führt einen solchen Fall bei einigen Hunden, 
drei Wölfen (Canis lupus) und einem Canis latrans an und auch in unseren Samm- 
lungen findet sich ein Schädel, dessen Unterkiefer einerseits ohne diesen Höcker- 
zahn ist, wogegen andererseits derselbe entwickelt ist; an der Stelle des fehlenden 
Höckerzahns sieht man gar keine Spur, selbst keine Spur der Alveole oder ihrer 


Verwachsung. 


2. Der Fleischzahn im Unterkiefer (m,) hat nur einen, ziemlich kurzen und 
schmalen Zacken; der Nebenzacken an der Innenseite des Hauptzackens ist sehr 
schwach entwickelt; das Talon besitzt nur eine kegelförmige Spitze, wogegen bei 
der grössten Anzahl der Caniden zwei deutliche Spitzen entwickelt sind. 


3. Die Höckerzähne m, inf. und m, sup. sind relativ kleiner und einfacher 
als bei den Wölfen; m, inf. hat nur einen deutlich entwickelten Höcker und an 
Stelle der zwei übrigen, welche man bei den Wölfen sieht, nur ganz winzige Er- 
höhungen. 


1) Dr. A. Nehring. Diluviale Reste von Cuon, Ovis, Saiga, Ibex und Rupicapra aus Mähren. 
N. Jahrb. f. Mineralogie etc. 1891 Bd. II. — Dr. J. N. Woldfich. Beiträge zur diluvialen Fauna 
Mährens. Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst. 1881. — Fr. Maška. Pravěké nálezy ve Stramberku. 
?) Dr. A. Nehring. Uiber Cuon alpinus foss. Nehr. nebst Bemerkungen über einige andere 


foss. Caniden. Neues Jahrb. f. Miner. etc. 1890 Bd. II. 
sur les ossements de Canidae. Ann. de Soc. géol. 1875 — VI. 


3) Bourgnignat. Recherches 


16 


Es werden in der Literatur (siehe Bemerkungen (Seite 75) angeführt : 
Cuon europaeus Bourg. aus Öertova Díra, aus den Höhlen: Sipka in Mähren, Mars 
de Vence in Frankreich und aus Banarie. 
Cuon Edwardsianus Bourg. aus Vypustek (?) in Mähren, aus den Höhlen Mars de 
Vence und Lunel Vieuil in Frankreich. 
Cuon alpinus foss. Nehr. aus dem Steppenloch in Würtemberg. 


Alopecoida. 


Eine Gruppe von hundeartigen Raubthieren, deren typischer Vertreter die 
Gattung Vulpes in Europa, Asien und Nordamerika ist. Weiters gehören hieher 
die südamerikanischen Gattungen Urocyon und Ictieyon und die südafrikanischen 
Lycaon und Otocyon an, 


Der Fuchs. Vulpes. 


Der Fuchs, welcher in Europa in einigen Arten und Abarten schon seit 
der diluvialen Epoche stark verbreitet ist, scheint im Tertiaer die ältesten Vorfahren 
in der Gattung Galeeynus und in dem Fuchse Canis curvipalatus von Siwalik zu 
besitzen. 

Vom Wolfe und seinen Angehörigen unterscheidet sich der Fuchs auffällig 
nicht nur durch seinen Körperbau und das ganze Exterieur, sondern auch durch sein 
Skelettbau, insbesonders durch den Charakter des Schädels und des Gebisses 
Nicht so auffallend ist der Unterschied zwischen dem Fuchse und einigen Hunden, 
mit welchen er manche verwandte Formen aufweist. 

Charakteristische Differenzen beruhen im Folgenden: Der Fuchsschädel ist 
ziemlich verlängert, hinten relativ breiter, vorne sehr schmal und die lange 
Schnauze geht in die Stirngegend ohne besondere Aufwölbung über; etwas 
solches begegnen wir bei den Hunden recht selten und auch in solchem Falle wird 
die schmälere Schnauze des Fuchses genug auffällig bleiben. In der Ausbildung 
der Stirngegend sowie in der Form der orbitalen Ausläufer lässt sich der Fuchs 
von manchen Hunderagen schwerlich unterscheiden, obwohl die Verengung des 
Fuchsschädels hinter den orbitalen Ausläufern immer auffälliger erscheint ebenso 
wie die schnelle Verschmäleruug der Nasalknochen, welche über das Ende des 
Oberkiefers niemals deutlich weiterreichen. Die Gehörknochen, von länglich ellip- 
lischer Form sind immer mächtiger gewölbt als bei dem Hunde und das Keilbein, 
welches beim Hunde immer flach ist, hebt sich bei dem Fuchse kammartig auf; 
die Foramen ineissiva sind bei dem Fuchse immer länger und höher. 

Das Gebiss des Fuchses, welches, was die Anzahl und Stellung der Zähne anbe- 
langt mit dem des Hundes übereinstimmt, ist durch tiefer eingezakte Schneidezáhne 
und durch lange und dünne Eckzähne gekenntzeichnet, welche letztere jedoch immer 
den Charakter der Gattung Canis verwahren, wie wir ihn auf der Seite 25. kennen 
gelernt haben. Die Lückenzühne haben den Hauptzacken stark zugedrückt und der 


——— À € 


11 


hintere Nebenzacken fehlt entweder vollständig oder tritt nur in der Form 
eines verstümmelten Höckers anf. Der untere Fleischzahn ist durch ein grosses 
stumpfes Talon und einen starken Innenansatz charakterisiert, welch letzterer 
schief gegen die Mittellinie des Gaumens gerichtet ist; dieser Fleischzahn ist 
immer ziemlich länger als die beiden Höckerzähne zusammen. Der obere Fleisch- 


A. Schädel von oben. — B. Gebiss, 


Fig. 31. A. Schädel eines diluvialen gemeinen Fuchses (Vulpes alopex foss.) aus der Um- 
gebung von Aussig. — В. Ein Bruchstück des Unterkiefers. 


18 


zahn dagegen ist immer kürzer als die beiden hinter ihm folgenden Höckerzähne, 
jedoch dieser Unterschied ist nicht so auffällig wie bei dem unteren Fleischzahn. 

Der Skelettbau zeigt im Ganzen schlankere Formen als bei dem Hunde 
und auch die Wirbelstachel und Rippen sind schwächer. 

Auch der Fuchs ist einer starken Variabilität unterworfen, obwohl dieselbe 
nicht so stark entwickelt ist wie bei dem Wolfe und Hunde. Man findet infolge 
dessen sehr leicht neue abweichende Formen, es ist jedoch nicht richtig eine jede 
solche Form gleich als etwas selbständiges zu bezeichnen. Mit Rücksicht auf 
diese Verhältnisse ziehe ich die bekannten Formen in die drei folgende Arten 
zusammen: 


Der gemeine Fuchs. Vulpes alopex L. 
(Syn. Canis vulpes ';. Vulpes vulgaris Briss.) 


Die einzige, bei uns noch jetzt lebende Form, welche schon im Diluvium 
zuerst wahrscheinlich am Amfange der Steppenperiode erschienen ist; damals 
nur sporadisch gewesen vermehrte sie sich fortwährend so, dass gegen Ede des Di- 
luvium der gemeine Fuchs hier so zahlreich war, dass er alle übrigen Tundren- 


Böhmen 


SICUT 
Füchse 


u‘ | 
ааа a 
Ni ous ba 


"ët dut | SR 
EN 


Fig. 32. Karte der geographischen Verbreitung des gemeinen Fuchses in Böhmen. 
Zusammengestellt von der waldwirthschaftlichen Sektion des Landesculturrathes für das Königreich 
Böhmen. 


19 


und Steppenformen verdrängt hat. Fossiler (diluvialer) gemeiner Fuchs gleicht 
vollständig dem recenten, so dass es gar nicht nöthig ist denselben als Vulpes 
alopex fossilis (Vulpes vulgaris foss.) abzuscheiden. "Was Woldřich unter dem 
Namen Vulpes minor Schmer. anführt, ist gewiss auch nichts anderes als eine 


Fig. 33. Polarfuchs. (Vulpes lagopus L.) Ein Recenter Schädel noch einem Exemplare des 
Berliner Museums in '/, natür. Grösse. 


kleinere Varietät oder nur kleinere Race des gemeinen Fuchses. Zur Charakte- 
ristik einer solehen Abweichung genügt, was schon früher in Betreff des Hundes 
gesagt wurde. 

Den gemeinen Fuchs kennen wir aus unserem Diluvium von Sudslavic, Schlucht 
bei Srbsko, Turská Маќбаї, Lochower Steinbruch in Prachower Felsen, Kalvarien- 
hóhle und Umgebung von Aussig. In der Jetztzeit werden jährlich in Böhmen 


Fig. 34. Eisfuchs oder Polarfuchs (Vulpes lagopus L.) Schädelfragmete in natür. Grösse 
aus Sudslavic. Kopie nach Woldřich (Dil. Fauna von Sudslavic. II. Theil. T. I. f. 13—14). 


immer noch 8500—4000 Füchse geschossen. Die dichter bewohnten und weniger 
bewaldeten Gegenden der Ebene (siehe die Karte Fig. 32.) weisen den niedrigsten 
Abschuss von ca 10 Stück jährlich auf. Im Brdagebirge, in bewaldeter Partie des 
Urgebirgs-Hochlandes im südlichen und südóstlichen Bóhmen, sowie theils auch 
in den gebirgigen Gegenden der Kreideformation im nordöstlichen Böhmen macht 
jährlicher Abschuss bis 70 Stück. Mit diesen Gegenden hängen nur noch wenige 


80 


Distrikte (auf der Karte sind sie schwarz bezeichnet) zusammen, welche die Insel der 
ehemaligen stärkeren Verbreitung des Fuchses andeuten und wo sich der jährliche 
Abschuss bis auf 170 Stück beziffert. 


Der ältesten Periode unseres Diluviums gehören zwei Fuehsforinen au, welche 
heute noch für Tundre und Steppe charakteristisch sind, nämlich Vulpes lagopus 
L. und Vulpes meridionalis Nordm. 


Eisfuchs oder Polarfuchs. Vulpes lagopus L. 


(Syn. Leucocyon lagopus L.) 


Der Eisfuchs hat eine robustere Gestalt als der gemeine Fuchs, was sich 
insbesonders durch die kürzeren Füsse, eine kürzere Schnauze, sowie auch durch 
den hinter den postorbitalen Fortsätzen weniger eingeschnürten Schädel zeigt. Von 
dem gemeinen Fuchs unterscheidet er sich auch dadurch, dass die Nasalknochen 
den Rand der unteren Schneidezähne überragen und dass der auffallend kürzere 
Zwischenkiefer oberhalb des Vorderrandes des 2. Lückenzahns endet. Im Gebiss wird 
als besonders charakteristisch die gleiche Länge des oberen Fleischzahns und der 
oberen Höckerzähne, sowie die Winzigkeit des letzten unteren Backzahns hervor- 
gehoben. Das Exterieur zeigt wohl grössere und wichtigere Unterschiede, so dass 
die Selbstständigkeit dieser Art nicht bezweifelt werden kann, obwohl einzelne 
Fragmente des Skelettes im fossilen Zustande oftmals von denen des gemeinen 
Fuchses kaum zu unterscheiden sind. Das bezeugt wohl auch die Unsicherheit, mit 
welcher bei verschiedenen Autoren die einzelnen Reste bald der, bald wieder 
anderer Art zugeschrieben werden") . Aus Böhmen kennen wir den Polarfuchs 
hauptsächlich nur aus Sudslavie, in neuerer Zeit wurden fragliche Reste auch in 
der Umgebung von Beraun gefunden. Die Sudslavicer Funde sind von Dr. Woldfich 
beschrieben und abgebildet^). Siehe die Kopie Fig. 34. 


Der diluviale Steppenfuehs. Vulpes meridionalis Nordm. 


(Syn.: Vulpes meridionalis Woldř., Canis fossilis meridionalis Nordm. Vulpes moravicus Woldr.) 


Im Diluvium kommen auf manchen Stellen Füchse vor, welche kleiner sind 
als der gemeine Fuchs und welche nicht als Polarfuchs bestimmt werden kónnen. 
Eine solche Form wurde von Nordmann °) als Canis fossilis meridionalis Nordm. 
bezeichnet. Seine Beschreibung weist darauf hin, dass es sich hier um einen klei- 
neren (als der gemeine) Fuchs handelt, welcher wohl etwas grósser ist als der 
jetzt lebende Steppenfuchs Vulpes corsac., aber dennoch dieser Art sehr nahe steht. 


1) Siehe die Bemerkung Woldfich's ,Diluviale Fauna von Sudslavic“ IIT. Theil p. 992. 

2) Woldfieh J. N. Die Fauna v. Sudslavic I. Theil. T. Ш. S. 22, 23, П. Theil, T. I. 
S. 13—15, T. IL 8. 1—2, T. III. S. 15—16, überall nur kleine Fragmente. 

*) Nordmann Palaeontologie Südrusslands. Helsingfors 1858. 


81 


Woldřich führt aus Mähren (Býčí Skála nach Wankel) und aus Böhmen 
(Sudslavic) dieselbe Art an *), eine Art ebenfalls aus der Býčí Skála und von Sudslavie 
unter dem Namen Vulpes morav cus Woldr., auf welche sich eine ausführliche 
Beschreibung °) bezieht, aus welcher hervorgeht, dass diese Art durch einen relativ 
breiteren Gaumen als der gemeine und der Polarfuchs gekennzeichnet sein 
soll und dass sie sich in der Grösse dem Vulpes meridionalis Могат. nähert. Woldřich 


Fig, 35. Steppenfuchs- 1. 2. Vulpes meridionalis Nordm., Schädel von der Seite und von Unten 
nach Woldřich in !/, natür. Grüsse. — 3. 4. Vulpes moravicus Woldt. Schädelfragment von der 
Seite und von Unten von Sudslavic. 


selbst lässt eine Möglichkeit zu, dass diese Art auch mit dem Steppenfuehs Vulpes 
corsac verwandt ist, jedoch einen näheren Beweis musste er wegen Mangel am 
vergleichenden Material zu einer späteren Gelegenheit verschieben. 


4) Fehlerhaft als Vulpes meridionalis Woldf. bezeichnet, da der Artenname von Nord- 
mann herrührt. Über Caniden aus dem Diluvium S. 47., Diluviale europaeisch-nordasiatisch Fauna 
von Brandt-Woldfich S. 42. Diluviale Fauna von Sudslavic Ш. Theil 987. 

5) Über Caniden aus dem Diluvium 8. 48. Dil. Fauna von Sudslavic III. Theil S. 990. 


6 


82 


Die heutigen Steppengegenden Osteuropas und Sibiriens sind von zwei 
Fuchsarten bewohnt, mit welchen man diese Formen einzig und allein vergleichen 
kann, nämlich von dem Korsak und dem Karagan. 


Der Korsak ist kleiner als unser gemeiner Fuchs und im Exterieur ganz 
auffallend von demselben zu unterscheiden. Im Skelet kónnen beinahe nur die Di- 
mensionen der erwachsenen Individuen zur Unterscheidung der beiden Arten 
führen. 


Der Karagan ist etwas grósser, sodass er inmitten zwischen dem Korsak 
und dem gemeinen Fuchs steht. 


Der Korsak kommt nach Tilesius') auf allen tatarischen Steppen von der 
Wolga bis zum Kaspischen Meere und durch ganz Mittelasiea bis zum Bajkalsee, 
aber nicht in den nördlicheren nnd kälteren Zonen vor. Karagan soll nach Evers- 
mann in den südlicheren kirgisischen Steppen und westlich vom Ural nicht vor- 
kommen, wurde jedoch von Lehmann in den Orenburgischen Steppen (wahrscheinlich 
nur in ihren hinteruralischen Partien) gesehen. Nach Tilesius kommt er in den Ural- 
steppen, Kirgisischen, Tobolsken, songorischen und Irtysch-Steppen, und zeitweise 
auch mit dem Korsak vor. 


Diese geographische Verbreitung im Einklang mit der geographischen Ver- 
breitung der übrigen Steppenformen, welche bei uns entdeckt wurden, wie z. B. 
Spermophilus rufescens, Sperm. fulvus, Alactaga saliens foss. Nehr., Arctomys 
bobac etc., weist darauf hin, dass wahrscheinlich auch diese zwei Steppenfüchse 
ehemals in Mähren und Böhmen verbreitet waren. Welche dieser zwei 
Arten es eher sein konnte, oder ob vielleicht beide hier vorgekommen sind, lässt 
sich auf Grund des vorhandenen Vergleichsmaterials nicht entscheiden?) Was 
Nordmann und Woldřich veröffentlicht haben, scheint anzudeuten, dass die Form 
„meridionalis“ als Karagan, die Form „moravicus“ (charakteristisch durch den 
relativ breiten Gaumen) als Korsak bezeichnet werden dürfte, obwohl man es keines- 
falls sicher behaupten kann; die Form „moravicus“ kann wohl auch eine kleinere 
„meridionalis“, und diese letztere ein grösserer Korsak sein, wie ез z. B. bei dem 
diluvialen Bobak vorkommt, welcher zwar vollständig mit dem recenten überein- 
stimmt, doch verhältnismässig grösser erscheint. 


Ich ziehe also beide Arten unter die ursprüngliche gemeinschaftliche Be- 
zeichnung Nordmanns als zwei sehr nahe verwandte oder sogar identische Steppen- 
fuchsformen zusammen, deren Vergleich mit dem Karagan und Korsak nothwendig 
erscheint und wahrscheinlich zur Einreihung der diluvialen Formen zu diesen recen- 
ten Arten führen wird. 


Aus Böhmen kennen wir diese kleineren Steppenfüchse aus Sudslavie, nicht 
ganz sicher aus der Kluft bei Srbsko, aus Mähren von Býčí Skála. Abbildungen 


D Citirt von Nehring in ,Tundern und Steppen“. 


^) Leider wurde, soviel ich weiss, das von Nehring versprochene Vergleichsmaterial 
nicht veröffentlicht, 


83 


siehe bei Woldřich (Dil. Fauna von Sudslavic etc.) I. Th. T. UI. Fig. 17—21 
(Fragmente und einzelne Knochen), IL Th. T. I. F. 10—12 und Ш. Th. T I. 
F. 1—4 ein fast vollständiger Schädel, welchen ich hier in verkleinerter Kopie: 
(Fig. 35) reproduziere. 


Die Bären. Ursidae. 


Grosse omnivore Raubthiere, welche von den übrigen hauptsächlich durch 
ihre vielkantigen und vielhöckerigen Backzähne, sowie durch Mangel der typischen 
(zackenartigen) Fleischzähne sich unterscheiden. In ihrem Skelettbau sind sie nicht 
weit entfernt von den hundeartigen, obwohl ihr Skelett mächtiger und plumper 
erscheint. Das Skelett und das Gebiss weisen auf einen gemeinschaftlichen Ursprung 
beider Gruppen hin, welcher wahrscheinlich in den tertiären Urhunden (Amphi- 
eyoninae) zu suchen ist, von welchen eine Uebergangsform die Gattung Ursavus ') 
den direkten miocaenen Vorfahren der diluvialen Bären bildet. 

Die bis jetzt lebende europäische Art, der braune Bär (Ursus arctos Lin.), 
gehört den Raubthieren an, welche in Böhmen erst im vorigen Jahrhunderte aus- 
gestorben sind. 


Dieser Art gehört auch die grösste Anzahl der aufgefundenen fossilen und 
subfossilen Reste an. 

Der Bär ist in seinem Skelette, besonders in seinem Schädelbau einer nicht 
minder manigfachen Variabilität unterworfen als der Wolf. Dr. E. Schäff bewies 
dies auf 38 Schädeln, welche aus einem ziemlich beschränkten Terrain her- 
stammten.") 

Infolge dieser Variabilität ist auch die Existenz verschiedener diluvialen 
Arten fraglich, welche als Ursus arctoideus, priscus etc. unterschieden werden. 
Etwas auffälliger erscheint der MHöhlenbär (Ursus spelaeus), aber auch dieser weicht 
osteologisch vom Ursus arctos nicht so weit ab, dass eine Artabsonderung dadurch 
begründet würe; die Hauptsache dabei bilden die Dimensionen des Kórpers. Dr. M. 
Kříž *) veröffentlichte einige Schüdelmessungen des mährischen Höhlenbärs, welche 
bezeugen, dass der Höhlenbär bis zweimal so gross war wie der braune Bär. Die 
grösste Schädellänge beträgt z. B. beim Höhlenbären bis 715, beim braunen Bären 
auch nur 395 mm. 

Ausser der Grösse werden noch mannigfache Merkmale für die Form U. spe- 
laeus angeführt, welche charakteristisch sein sollen, für die Praxis jedoch ohne 
Bedeutung sind. Ihren Werth kann man folgendermassen beurtheilen: 


!) M. Schlosser: Ueber die Bären und bärenähnlichen Formen des europäischen Tertiärs. 
Palaeontographiea 46. 1899. — Ursus oder Ursavus etc. Centralblatt f. Miner., Geol. u. Pal- 
1900, Nr. 8. 

2) Ueber den Schädel von Ursus arctos L. von Dr. Ernst Schäft, Archiv für Natur- 
geschichte I. 1899. 

з) Medvěd jeskynní (Ursus spelaeus). Vesmír XAX. 8.. 134. 


84 


Der Schädel des Höhlenbären zeichnet sich durch hohe, steil aufsteigende 
Stirnpartie aus; den erwachsenen Individuen fehlen alle drei vorderen Praemolaren 
m Ober- und Unterkiefer, wogegen bei dem braunen Bären (U. arctos) wenn nicht 
zwei, dennoch einer derselben sich vorfindet, oder deren Alveolen angetroffen werden. 


A 


Fig. 36. Der Schädel des Bären: A. Höhlenbär (Ursus arctos var. spelaeus Blmb.) aus 

den mährischen Höhlen. — В. Der braune Bär. Ursus aretos L. Beide aus der Sammlung 

des Herrn Dr. M. Kriz. Nach einer Photographie (bei beiden Schädeln aus derselben Entfernung 
genommen) des Herrn Dr. M. Kříž in '/, natürl. Grösse. 


Leider ist die Wichtigkeit dieser Merkmale mehr als zweifelhaft. Die oben 
citierten Untersuchungen Scháff's zeigen wohl, was für eine Variabilität in der Auf- 
wölbung der Stirnpartie besteht. Wenn man dann z. D. sagt, dass Ursus priscus 
Cuv., welcher gemeinschaftlich mit dem Höhlenbären vorkommen soll, ein beinahe 


85 


ebenso mächtiges Thier ist wie dieser, dass jener aber durch eine niedrigere Stirn- 
partie gekennzeichnet werden soll, bedeutet es wohl im Lichte dieser Betrachtungen 
gar nichts. " 

Was die Ausbildung der Praemolaren anbelangt, kann man von dem jetzt- 
lebenden braunen Bären (Ursus arctos) über die Form Ursus priscus zu dem Höhlen- 
bären (U. spelaeus) einen deutlichen Uebergang verfolgen, welcher uicht dermassen 
mit einer Artenverschiedenheit als mit der Altersstufe und körperlicher Entwicklung 
zusammenhängt. Wenn wir bei dem braunen Bären entweder zwei Praemolaralveolen 
oder (gewöhnlich zwei) pflockartig entwickelte Praemolaren vorfinden, sehen wir bei 
dem mächtigeren U. priscus eine Spur nur von einem Praemolar und bei dem U. spe- 
laeus nur scharf entwickelte Kieferkanten ohne Praemolaren und ohne Alveolen 
oder Praemolarspuren. Das gilt jedoch nicht allgemein, denn z. B. gleich ein Unter- 
kiefer eines braunen Bären aus unserer Sammlung hat keine Spur von einem Prae- 
molar P, (er besitzt nur P, und P, wie beim U. priscus) und dasselbe kann sich 
wohl selbstverständlich auch beim U. priscus wiederholen, so dass bei einem alten 
U. priscus auch der Praemolar (oder seine Alveole) P, vollstándig verschwinden 
und nur der Praemolar P, wie beim U. spelaeus übrig bleiben kann. Es ist schon 
aus dem ganzen Entwieklungsgange ersichtlich, wie die Praemolaren P, und P, 
zum Verschwinden geneigt sind. Man fehlt also gewiss nicht, wenn man diesem 
Merkmale keine Wichtigkeit zuschreibt und wenn man sagt, dass auf Grund dessen 
alle diese drei Arten nur als drei Alters- und Entwicklungsformen einer einzigen 
Art zu betrachten sind, oder dass der Höhlenbär (U. spelaeus) nur ein müchtigerer 
Vorfahre des braunen Bären ist und dass der U. priscus einen Uebergang zwischen 
diesen beiden vermittelt. 

Der Höhlenbär konnte seine höchste Entwicklung nur dort erreichen, wo er 
von der Natur durch passende Zufluchtstätte und ausgiebige Nahrung unterstützt 
wurde. In unseren Gegenden war es am ehesten das Mittelmühren mit seinen 
mächtigen und häufigen Höhlen, welche in Böhmen recht selten sind. In Böhmen 
konnte der braune Bär nie eine solche Mächtigkeit erreichen, so dass im Ganzen 
sehr selten solche Reste sind, welehe man als Höhlenbär bezeichnen kann, dagegen 
begegnen wir recht häufig Ueberreste von dem schwächeren U. arctos. 


Der Unterschied der beiden Varietäten U. arctos typ. und U. arctos var. 
spelaeus, was die körperliche Dimensionen anbelangt, ist manchmal recht gross, es 
kommen jedoch Fälle vor, wo ein U. arctos var. spelaeus ziemlich klein und U. arctos 
typ. ziemlich gross sind, so dass sich beide Varietäten sehr annähern. 

Der typische braune Bär (U. arctos) des Diluvium übertrifft analogisch auch 
die grössten recenten Formen seiner Art. 

Die auffälligsten Unterschiede in dieser Richtung zeigte Dr. M. Kříž auf 
zwei Schädeln: auf einem des mächtigsten Höhlenbären und einem des kleinsten 
recenten Zwerg des braunen Bären (Fig. 36). Eine genauere Belichtung dieser Ver- 
hältnisse stellt die folgende Vergleichstabelle dar, in welche ich theils eigene 
Messungen des mir zugänglichen Vergleichsmaterials, theils einige Messungen 
Schüffs und Dr. M. Kříž eingereiht habe. Zum Vergleiche sind auch Maasse eines 


vorhandenen Eisbärschädels beigefügt. 


86 
ме, - — — e emm pg — 
Ursus arctos var. Ursus arctos typ. Lu 
Spelaeus "lu ` 
a Kreep, S ©. = ai 
SE BE |85 hes шй јен |s3s[a32|28 
16 . : Шш "© бы edo DC NT x 
SA Ba GA ei 5 д SS "дада SA 
| | | | 
Die grösste Schädellänge | | | | 
vom Aussenrande des in | | | | | 
Mitten stehenden Schneide- |715 *) 550 | | 452 | 895 | 310 | 376 — |430:5 
zahns über die Stirnpartie | | 
und Schädel bis zum Rande | | 
d. Schädelkamms gemessen | | 
" M À—— | — | _____ 12 _ pe — | == 
| | | 
Differenz der grössten | e | ,; M. a Ié 
Р ^ : 05 | — 02 25 40 | 2 — |555 
oberen u. d. Basallünge 286458 15 1,229 P үө | 
Basallänge des Schädels | | | 
v. Aussenrande d. Schneide- | 478 | 445 | 390 | 970 | 270 (ans) 331 | 375 
zühne bis zum Rande des | 
Foramen Magnum | 
TON E REN d 
| Durchschnitt von For. 80 el, | B9 ap ао debde danii Y BÀ | 
magnum | | 
Sea box er | jb шш... | | DEL. egeo. al ufa 
Schüdelbreite in der ha ‹ ? 
t В lisa I: F 209:3 эр (5 
Jochbogenpartie 840 | 300 | 165 | 155 |209:3| 293 | 240 
Bal. a ein ды 4) й | E El n 
Länge des hint. Back- Р GEN, da bs. al Ey Ba 
zahnes des Oberkiefers 92 149.5 | 860 | 28 315] 35 |347 26 
Unterkieferlänge 9089.|.210. 12502]. — 1. 190. 1.185 256 | 250 
Länge der drei oberen | vun | gg 79| 10|585| т4 [73,5| 59 
Backzähne SEN "E 
22. А 4 TR EE TE, ERR TEE VE NS |ы 
Länge der drei unteren | o; i - 
i 9 9 — 5 — ; 50 
Baclizülino JD. [oos 2 70 )8 80:4 
| E ай Um 
| *) Diese Differenz gegen die Basallänge (237 mm) scheint unmóglich zu sein, da in 
| anderen Füllen dieselbe höchstens 105—195 mm betrügt. Durch ihre Grósse ist jedoch 
| hauptsüchlich die Auswólbung der Stirnpartie dokumentiert. 


Ein Unterkiefer des Höhlenbären von St. Prokop, welcher den vollständig- 
| sten Fund dieser Art in Böhmen vorstellt, ist ziemlich klein; es kann wohl, da das 
Ende abgebrochen ist, nicht genau gemessen werden, dürfte jedoch kaum länger 
sein als 257 mm und gleicht also einem Unterkiefer des braunen Bären, welches von 
| Dr. Schäff (Nr. 1758) gemessen wurde; die drei hinteren Backzühne sind 99 mm | 
| lang, also bei einer fast gleichen Länge beider Unterkiefer ziemlich mächtiger eut- 

wickelt als bei dem recenten Unterkiefer, wo sie nur 80'4 mm messen. Ganz typi- | 


81 


scher Schädel eines braunen Bären von Bohdalec ist der grósste aller gemessenen 
Schädel dieser Form und nur um 55—58 mm kürzer als die typischen Schädel des 
Höhlenbären und noch um 15 mm (in der Basallänge) länger als der mächtige 


Schädel des recenten Eisbären. 

Ueberhaupt stellen die Messungen, welche 
in dieser Tabelle zusammengestellt sind, mit allen 
den Messungen, welche von Dr. Schäff durchge- 
führt wurden, ein sehr lehrreiches Variabilitätsbild 
im Schädelbau der Bären vor. Es ist da ersicht- 
lich, dass insbesonders die relativen Verhältnisse 
zwischen den einzelnen Dimensionen eines Indivi- 
duums bei einem anderen begreiflicherweise in- 
folgedessen nicht eingehalten sind, dass der Schädel 
bald in einer, bald in anderer Richtung anders 
entwickelt ist. 

Am auffälligsten ist es in der Wölbung der 
Stirnpartie, welche in den Differenzen der grössten 
Schädellänge und Basallànge dokumentiert ist, 
welche bei den ältesten Bären 105—125 (bei 
einem von Dr. Kříž sogar 237) mm, bei den flach. 
stirnigen gewöhnlich [nur 40—62, aber auch nur 
15—86 mm (nach Schäff) aufweisen. 

Im Verhältnisse der Schädelbreite zur Basal- 
länge sehen wir oft, dass bei kleineren Individuen 
der Schädel verhältnismässig breiter ist, als bei 
den grösseren, wie es z. B. gleich die beiden nach 
Schäff eingereihten Schädel beweisen. 


Ganz analoge Verhältnisse (oder besser ge- 
sagt Missverhältnisse) erscheinen in der Länge 
der drei Backzähne im Vergleiche zur Länge des 
ganzen Unterkiefers, sodass z. B. bei einem kürzeren 
Unterkiefer von St. Prokop diese Backzähne länger 
sind als bei einem grösseren Unterkiefer des 
mährischen Höhlenbären unserer Sammlung; bei 
fast gleich grossen recenten Unterkiefern des brau- 
nen Bären Nr. 3 und 6 macht die Differenz 12 mm 
aus. Aehnlich variirt auch die Länge der oberen 
Baekzahnreihe. Dr. Schäff führt л. B. Schädel mit 
einer Basallänge von 296, 293, 308 mm und mit 
einer Backzahnreihe von 64, 68 und 70:2 mm Länge 
an, wogegen andere von ihm gemessene kleinere 
Schädel mit einer Basallinge von 2755 und 
280:5 mm eine längere Backzahnreihe (12:3, 73 mm) 
besitzen. 


Fig. 38. Ursus aretos var. spela- 

eus Blmb. Unterkiefer eines Höhlen- 

bären aus der St. Prokophöhle bei Prag 
in natürlicher Grösse. 


88 


Und so findet man in jeder Richtung Belege für eine Variabilitàt dieser Art 
und für gegenseitige Uebergünge zwischen U. spelaeus und U. arctos, welche ihre 
Zusammenziehung unter eine einzige Art argumentieren. 

Dei diesen vergleichenden Studien dürfen wir nicht vergessen, dass wir da 
mit Bärenschädeln von Thieren zu thun haben, welche in äusserst verschiedenen 
Lebensverhältnissen existiert haben. Der recente Bär Mitteleuropa's lebt lüngst 
schon nicht in den günstigen Verhältnissen, welche zur diluvialen und theils noch 
am Anfange der vorhistorischen Zeit obwalteten. Dadurch erklärt sich der manchmal 
sehr grosse Unterschied in den körperlichen Dimensionen. 

Wo in dieser Entwicklungsreihe die Form des braunen Bären aufhört und 
die Varietät des Höhlenbären anfängt, ist wohl schwerlich zu unterscheiden und man 
kann für beide nur die äussersten Spitzen als maassgebend betrachten. бо dürfte 
der Höhlenbär Ursus spelaeus auf dem Gipfel seiner Entwicklung charakterisiert 
werden: durch die grosse Aufwölbung der Stirnpartie bei den Schädeln, deren Basal- 
länge 400 mm übertrifft und deren hinterer Backzahn (des Oberkiefers) durchschnitt- 
lich са. 50 mm lang ist; in der Entwicklung des Unterkiefers zeigen sich die Dimen- 
sionen dieser Varietät in einer Länge von са. 260 mm und in einer Länge der drei 
Backzähne, welche 85 mm übertrifft; weiters ist der Unterkiefer durch vollständigen 
Mangel beider vorderen Praemolaren (P, und P,) charakterisiert, so dass neben den 
drei Backzähnen nur der Praemolar P, entwickelt ist. (Fig. 37.) 

Ein typischer brauner Bär, Ursus arctos, erreicht in der Basallänge des 
Schädels immer weniger als 400 mm, der hintere Backzahn des Oberkiefers ist immer 
kürzer als 40 mm, der Unterkiefer ist kürzer als 250 mm und neben dem Prae- 
molar P, ist immer noch P, (oder wenigstens eine Alveole), wenn auch nicht P, 
(oder Alveole) vorhanden. Die Länge der hinteren drei Backzühne erreicht höchstens 
80 mm. — j 

Für analoges Vergleichen anderer Skelettheile in dieser Riehtung ist 
leider kein genügendes Vergleichsmaterial vorhanden und es bleibt nichts übrig 
als derartige Studien auf spütere Zeit zu verschieben, bis vielleicht ein solches 
vorhanden sein wird. 


Fig. 37. Ursus aretos Lin. Ein Schädel des braunen Bären aus den Sandablagerungen 
am Bohdalec bei Prag. 


Der Bär hielt sich in Böhmen seit der Diluvialzeit bis in die Hälfte des 
19. Jahrh. auf. Die letzten Bären wurden hier im Böhmerwald erjagt; einer der- 
selben befindet sich im böhmischen Museum und der gemessene Schädel gehört 


89 


demselben Individuum an; im Jahre 1856 wurde im Salnauer Reviere ein Där erlegt, 
der ausgestopft im Ohrader Museum bei Frauenberg aufgestellt ist. Noch im 
J. 1864 soll eine Bärenspur im Satawer Reviere bemerkt worden sein. 

Fossile Ueberreste sind in Böhmen nicht so häufig wie in Mähren. 

Ursus arctos var. spelaeus Blumb. ist in den Museumssammlungen bestimmt 
nur durch unzahlreiche Fragmente aus der St. Prokopihöhle bei Prag (Unterkiefer 
und einige Zähne, Phalangknochen und dgl.) vertreten. 

б. Zahälka') führt ihn aus dem pyrophaltigen Geschiebe bei Dfeméie (frag- 
lich, wahrscheinlich U. arctos L.) und G. Laube?) aus dem Loess im Elbegebiet 
bei Aussig an. 

Ursus arctos L. kommt vor: in dem frei abgelagerten Loess bei Podbaba 
(Kotlářka), in den Sandablagerungen am Bohdalec (Fig. 37) und in kleineren Höhlen 
und Schluchten (Turská Mastal, Öerveny Lom, Kalvarienschlucht bei Repora). 
Dr. J. N. Woldřich führt ihn aus Sudslavic und in den vorhistorischen Funden bei 
Hradek (Caslau) und Neu-BydZow an. 


Familie Hyaenidae. 


Unterfamilie Hyänen. Hyaeninae. 


Die Hyänen sind schon seit ihrem Erscheinen im oberen Miocaen endemische 
Raubthiere der alten Welt. Nur eine einzige Gattung Borophagus wurde von Cope 
aus dem Plistocaen Amerikas beschrieben. 


Fig. 40. Schädel der diluvialen Hyäne (Hyaena crocuta var. spelaea) aus Trebesic 
bei Caslau in !/, natürl. Grösse. 


1) Příspěvek k poznání geol. pom. pyropových štěrků v Čes. Středohoří. Zprávy spolku 


geol., v Praze 1885. 
2) Ueber einen Fund diluvialer Thierreste im Elblöss b. Aussig а. d. E. Sitzb. der kön. 


Gesellsch. Prag 1874. 


90 


Die Gattung Hyaena Zimm., welche der Fauna Böhmens angehört, stellt 
uns Raubthiere vor, welche durch einen im Gegentheil zu anderen Raubthieren 
mitunter monstrósen Skelettbau, einen stark verkürzten Schädel und ein Gebiss aus 
ungewöhnlich starken, massiven, zur Zertrümmerung und Zermalmung von Knochen 
geeigneten Zähnen charakterisiert sind. Dem Skelette verleihen seinen Haupt- 
charakter die verlängerten Vorderfüsse, welche die steile Stellung des Rückens 
bedingen, im Gebisse sind besonders die Praemolare von einem massiven Bau, 
wogegen die Fleischzähne in scharfe, flügelartige Klingen auslaufen. Der obere 
Fleischzahn (P,) ist länglich (Fig. 5, 1. 2.), ungemein mächtig, dreizackig; der 
mittlere oder Hauptzacken ist der höchste, der vordere ganz niedrig und der 
hintere als scharfe Klinge ausgebildet ; auf dem inneren Vorderrande befindet sich 
ein starker Innenhöcker. 


Der untere Fleischzahn ähnelt von aussen einstweilen durch seine Zwei- 
zackigkeit dem Fleischzahne der katzenartigen Raubthiere (Fig. 5, B. 3. 4.), er ist 
jedoch ziemlich länger und besonders der Hinterzacken als eine längliche schnei- 
dende Klinge entwickelt; an seinem Vorderrande trägt er eine erhabene Wulst und 
hinter dem Hinterzacken einen kleinen Höcker. Die Eckzähne der Hyäne (Fig. 6) 
sind stumpf und kurz mit groben, unregelmässig vertheilten Furchen. Die Eckzühne 
und Praemolaren sind gewöhnlich stark abgekaut. 


Gefleckte Hyäne. Hyaena crocuta Zimm. 
(Syn.: Hyaena spelaes Goldf., H. crocuta foss. Lyd.) 


Aus den jetzt lebenden Hyänenarten war die gefleckte Hyäne (Hyaena cro- 
cuta Zimm.), welche jetzt auf Nordafrika beschränkt ist, zur Diluvialszeit weit 


Fig. 41. Fragment eines Oberkiefers der diluvialen Hyäne (Hyaena crocuta var. spelaea) 
aus Turská Maštal bei Beraun. Wenig verkleinert. 


91 


über ganz Mitteleuropa bis England verbreitet, wie es die zahlreichen Funde 
ihrer Reste meistens in Schluchten, Felsrissen und Hóhlen mitsammt mit abgekauten 
Knochen beweisen; auch in den freien Lóssablagerungen wurden derartige Ueber- 
reste gefunden. Osteologisch unterscheidet sich die recente Hyäne von der diluvialen 
in keiner Richtung; man kónnte da nur Differenzen in den Gróssen aufführen, die 
jedoch nicht solche Dimensionen erreichen, wie bei den Bären. Das ist wohl ganz 
natürlich und leicht begreiflich. Die Hyäne hielt sich in unseren Gegenden nicht so 
lange auf wie der Bür, obwohl ihre Spur ziemlich weit ins Alluvium reicht, und 
wich nach Süden hin, wo sie immer noch die günstigen Bedingungen ihres Daseins 
findet, so dass hier nicht viel Anlass zu einer Aenderung, Variabilität oder Ver- 
kümmerung gegeben wurde. Wenn wir also die Schädel einer diluvialen und einer 
recenten Hyäne aus Nordafrika vergleichen, haben wir da vor unseren Augen zwei 
Individuen derselben Art, deren Lebensverbältnisse sich nicht viel geändert haben, 
sodass gewisse Entwicklungsabweichungen nur als Folge einer verschiedenen Alters- 
stufe oder geographischen Lage zu betrachten sind. 


Fig. 42. Fragment eines Unterkiefers der diluvialen Hyäne aus der Kalvarienschlucht be 
hepora in !/„ nat. Grósse. 


Dimensionendifferenzen zwischen dem diluvialen Hyänenschädel aus Tfebesie 
bei Óaslau und einem recenten Schädel der gefleckten Hyäne aus Nordafrika, 
welcher sich in den Museums-Sammlungen befindet, veranschaulicht folgende 
Uebersicht: 


: .  Unterkiefers- Lä . ob. 
Scheitellänge Basallänge ` Stirnbreite y fps am др 


lünge Backzahns 
Diluviale Hyüne 815 mm 270 mm 90mm 210 mm 47 mm 


Recente gefleckte Hyäne 210.5 2853.4 80/15, 177: 1% К 


Aus dem europüischen Diluvium werden einige Arten angeführt, welche jedoch mit den 
übrigen zwei jetztlebenden Arten (H. stricta Zimm. und ZH. brunnea Thub.) verglichen werden 
können. So namentlich die südfranzösischen Arten H. prisca M. d. Serr., H. intermedia M. d. Serr. 
Н. Monspessulana Croix et Jobb. und wahrscheinlich auch H. antiqua Lank. aus dem englischen 
Red Cray und H. arvernensis Croiz aus Auvergne sind nichts anderes als 77. stricta, deren oberer 
Backzahn M, ziemlich gross und dreiwurzelig ist und deren unterer Fleischzahn durch eine deut- 
lich entwickelte innere Spitze und ein Talon gekennzeichnet ist. Andere aus Auvergne und Toskano 
angeführte Arten (H. Perrieri Jobb.) sind eher der H. brunnea ähnlich. 


Die Hyäne des unseren Diluvium unterscheidet sich von der gestreiften Hyäne 
(Н. stricta) durch bloss einwurzeligen oberen Backzahn M, und einfachen unteren 
Fleischzahn, an welchem die bei der gefleckten Hyäne so gut entwickelte innere 
Spitze und Talon verkümmert sind. 

Die Hyäne ist im Diluvium Bóhmens ziemlich häufiger als der Bär, obwohl 
sie früher verschwunden ist. Ihre Reste kommen fast gleich zahlreich in den 
freien Lössablagerungen wie in den Höhlen und Schluchten. 

Aus dem Löss besitzen wir einen schönen Schädel aus Trebe$ie bei Caslau,') 
Schädelfragmente aus der Umgebung von Aussig und Türmitz und aus der Um- 
gebung von Prag; aus den Höhlen stammen die Ueberreste aus Turská Maštal, 
Üervenf Lom bei Suchomast, St. Prokopihöhle bei Prag, und die jüngsten, welche 
schon mehr alluvialen Charakter besitzen, aus der Kalvarienschlucht bei Йерога 
und aus der Hóhle Kobyla bei Suchomast. 


Marderartige Raubthiere. Mustelidae. 


Diese kleinen, sogar auch kleinsten Raubthiere unserer Fauna besitzen einen 
kurzen, in der Scheitelpartie ziemlich breiten Kopf und kurze, niedrige Füsse. Der 
Schädel ist durch Verkürzung der Schnauze und Ausbreitung der niedrigen hinteren 
Partie gekennzeichnet, was besonders bei einigen Marderarten und namentlich bei 
den Fischottern auffällig ist; die Verkürzung der Gliedmaassen führt zu einem 
plumperen Bau derselben und des ganzen Skelettes. — Das typische Gebiss 

а 2 , 7 T =) weist in jedem Kiefer 4 Praemolare, im Oberkiefer 1—2, im Unter- 
kiefer 2—1 Höckerzähne auf. Der Charakter dieser Zähne nähert sich sehr dem 
der hundeartigen Raubthiere. Der obere Fleischzahn (ebenfalls P, wie bei den 
Hunden) besitzt zwei starke Aussenzacken mit einem auffällig starken Innenhöcker. 
Eine auffällige Form hat auch der vor ihm stehende Praemolar (P,), welcher drei- 
höckerig und viereckig ist. Recente Formen und übereinstimmend mit ihnen auch 
die diluvialen besitzen im Oberkiefer nur einen Höckerzahn, der zweite verschwindet 
bei diesen Raubthieren sehr frühzeitig und findet sich nur bei einigen ausgestor- 
benen Formen auf. Der untere Fleischzahn (M,) ist sehr lang, mit einem stark 
entwickelten, grubenartigen Talon, dessen Aussenrand höher ist als der Innenrand. 
Der hinter ihm stehende zweite Molare (M,) ist gewöhnlich klein und öfters fehlt er 
vollständig. Im Exterieur sind diese Raubthiere meistens durch feinen Pelz und 
Analdrüsen, welche ein unangenehm riechendes Sekret absondern, gekennzeichnet. 
Biologisch besitzen sie einen gemischten Charakter, in welchem die Fleischfresser 
mit den Omnivoren gemischt erscheinen. Phylogenetisch leitet man ihren Ursprung, 
wie es auch Schlosser behauptet, von den Viveriden ab, deren Charakter neben dem 
Hundecharakter bei ihnen ziemlich deutlich ausgeprägt ist, auch nach den Verände- 
rungen, welche er bis zur recenten Zeit erlitten hat. Im Ganzen theilen wir die 
Gruppe in drei Unterfamilien: Melinae, Mustelinae und Lutrinae. 


1) Vesmír V. Seite 265. 


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93 
Unterfamilie: Dachse. Melinae. 


Die Dachse besitzen eine sehr verkürzte und breite Sehnauze und flach ge- 
wölbte Scheitelpartie. (Fig. 42.) Charakteristisch ist auch der kleine Fleischzahn 
des Oberkiefers (Fig. 42 p,) mit einem besonders grossen Innenhócker, so dass er 
im Ganzen eine dreieckige Form erhält; der hinter ihm stehende Molar (m,) ist 
auffällig gross (zweimal grösser als der Fleischzahn); wenn er nicht abgekaut ist, 
besitzt er 3—4 Höcker, andererfalls eine Grube und sein Umriss ist fast viereckig. 
Der untere Fleischzahn besitzt einen grossen, grubenartigen Talon, und der hinte- 
ihm sitzende Molar (m,) ist sehr klein. Der Schädel, sowie die kurzen, mehr oder 
weniger gekrümmten Füsse sind von einem robusten Bau. Iu unserer Fauna ist durch 
einzige Gattung und Art vertreten: 


Der gemeine Dachs. Meles taxus Bodd. 


Der grósste unserer jetzt lebenden Marder, der sich von den übrigen durch 
einen gedrungenen, niedrigen und breiten Körper, sowie durch einen omnivoren 
Charakter unterscheidet. Nach den zahlreichen, besonders alluvialen Ueberresten 
war der Dachs früher namentlich in den gebirgigen und bewaldeten Gegenden 
unseres Vaterlandes viel häufiger als heutzutage, wo er allmählich stets seltener 
wird. Die Zeit seiner gróssten Verbreitung füllt mit dem Ende der Diluvialzeit und 
mit der praehistorischen Periode bis zum Anfange der historischen Epoche zu. 
sammen, da seine älteren Ueberreste nicht zu häufig sind, obwohl es unzweifel- 
haft erscheint, dass er schon in den ersten Zeiten des Postglacials hier hausste, 
und seine Spuren, wie es scheint, auch bis in die jüngste Periode der tertiären 
Epoche hinreichen. 

Solche Erscheinungen einer so langen und mannigfachen zeitlichen Verbrei- 
tung können wohl Autoren, welche ihre Forschung, wie z. D. Hehm, auf den etymo- 
logischen Ursprung der topographischen Bezeichnungen stützen, Anlass geben, dass 
solche Thiere erst zur Zeit ihrer gróssten Verbreitung in die betreffenden Gegenden 
eingezogen віпа.!) 

So z. B. Hehm verfolgt den Ursprung des Namens „Dachs“ bei den Ger- 
manen und seine Verbreitung bei den romanischen Vólkern und schliesst daraus, 
ebenso wie bei dem Hamster, auf die Verbreitung dieser Sáuger in der Richtung 
vom Osten zum Westen zur Zeit der grossen Völkerwanderung. Dagegen zeigen 
wohl die sicheren Diluvialfunde, dass diese Thiere schon längst früher bei uns 
gelebt haben, dass ihre Menge zunahm und wieder sich verminderte, und dass auch 
ihr Verbreitungsgebiet sich dermaassen änderte, wie sich die klimatischen und 
Vegetationsverhültnisse geündert haben. Die topographischen Bezeichnungen, welche 
sich auf diese Thiere beziehen, rühren aus einer jüngeren Zeit her und auch ihr 


1) Hehm. V. Culturpflanzen und Hausthiere in ihrem Uebergange aus Asien nach Griechen- 
land und Italien, sowie in das übrige Europa, Berlin 1877, sowie die gegensprechend Ansicht Nehring’s 
in „Tundren und Steppen“, 8. 200. 


94 


älteres Verbreitungsgebiet zieht sich (bis heutzutage) weit nach Osten, su dass es 
leicht begreiflich ist, dass die von Osten herziehenden Vólker ihren Namen mit- 
gebracht haben; das alles hängt aber keinesfalls mit Wanderungen dieser Thiere 
zusammen. 


B 


Vig. 52. A. Sehädel eines diluvialen Dachses (Meles taxus Bodd.) aus der Kalvarienschlucht 
bei, Repora. Ansicht" von oben in '/, nat. Grüsse. B. Schema des Oberkiefers von unten mit dem 
charakteristischen Fleischzahn p, und Hóckerzahn m,. C. Schema des ganzen Gebisses von der Seite. 


Aus Bóhmen besitzen wir die ültesten Reste des Dachses aus den freien 
Lóssablagerungen bei Podbaba, wo sie in der Zone der Steppenfauna vorkommen. 
Das ist keinesfalls überraschend, denn der Dachs gehört noch heutzutage zu den 
Bewohnern der südrussischen und Wolga-Uralischen Steppen an, nach Nazarov !) 


1) Nehring Tundren und Steppen Seite 101. 


————— 


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95 


kommt er sogar noch auf den wüstenartigen kirgisischen Sandsteppen vor. Die sehr 
zahlreichen Reste in der Kalvarienschlucht bei Repora sind jünger; rein alluvialen 
Charakter haben die Schädel und Knochen aus den Felslóchern im Riesengebirge 
bei Ober-Rochlitz (von dr. Port ca. 100 Stück gefunden), obwohl sie stellenweise im 
Kalkschaum eingewachsen sind. 


Unterfamilie: Mustelinae. 


Die Unterfamilie Mustelinae schliesst in sich zwei abweichende Zweige: der 
erste, vertreten durch die Gattung Gulo, bildet gewissermaassen in osteologischer 
und biologischer Beziehung einen Uebergang von den Dachsen (Melinae) zu dem 
anderen Zweige, den eigentlichen Mardern (Musteleae). 


Zweig: Guloneae. 
D 


Einzige Gattung Gulo, deren einzige Art Gulo luscus L. unter verschiedenen 
Synonymen als Gulo borealis, arcticus, sibiricus, leucurus und im Diluvium als 
7ulo spelaeus Goldf. angeführt wird. 


Vielfrass. Gulo luscus L. 


(Syn.: Gulo borealis Nilss. Gulo spelaeus Goldf.) 


Der grösste unserer Marder, welcher in der Grösse den Dachs übertrifft, 
in unserer Fauna jedoch schon ausgestorben ist. Nichtsdestoweniger ist die Zeit 
der ehemaligen Verbreitung dieses Marders in Mitteleuropa nicht weit in der Ver- 
gangenheit entfernt, denn der Vielfrass lebte noch im 18. Jahrh. in Norddeutsch- 
land und Podolien. Auch aus der vorhistorischen Zeit sind Vielfrassreste, so nament- 
lich aus den Pfahlbauten der Schweiz, bekannt. 


Ausser der Grösse zeichnet sich der Vielfrass durch ein massives Gebiss, 
einzackige Praemolare und starke, massive Fleischzähne aus. Der obere Fleischzahn 
(Fig. 43, B. p,) ist sehr breit, mit zwei niedrigen Aussenzacken und ungemein 
müchtigem Innenansatz, sodass seine stumpf dreiseitige Form eher auf den Fleisch- 
zahn des Dachses oder des Fischotters als auf den Fleischzahn der eigentlichen 
Marder mahnt; der einzige Höckerzahn des Oberkiefers ist aber nicht der Länge nach wie 
bei dem Dachse, sondern quer wie bei dem Marder gestellt und besitzt eine stumpf 
dreiseitige Form, welche aussen von zwei kleinen, stumpfen, stärkeren Höckern, auf 
der Innenseite von einem schwächeren Höcker und starkem wulstigen Rand begrenzt ist. 


Auch der untere Fleischzahn ist von einer massiven (Gestalt; er ist jedoch 
etwas verlängert, vorn mit zwei niedrigen Aussenzacken ohne einem Innenzahn, 
hinten mit einem kurzen (kürzeren als bei dem Dachse), grubenartigen Talon 
versehen. 


96 


Der Vielfrass als getreuer Nachgänger des Rennthiers ist ein arktisches 
Tbier, dessen Spuren sich bis zum 70? n. B., Knochenreste ja sogar noch bis zum 
75° verfolgen lassen. Dem Rennthier ist er bis nach Mitteleuropa gefolgt. Seine 
Spuren wurden in unserem Diluvium im Löss bei Podbaba (Oberschädel und einige 
Gliedmaassenknochen), im Červený Lom bei Suchomast und von Dr. Woldřich in 
Sudslavie sichergestellt; er ist auch aus Mähren durch Wankel (Pfedmost und 
Sloup) bekannt, von Woldrich wurde er in der Sipkahöhle und von Liebe in der 
Vypustekhöhle konstatiert. Desgleichen werden seine Reste aus zahlreichen Höhlen 
Deutschlands, Polen, Englands, Frankreichs angeführt und reichen weit nach Süden 
bis in das Pyrenäengebirge und nach Istrien hin. 


Fig. 43. Vielfrass (Gulo luscus L.), A. Schädel aus dem Löss bei Podbaba in '/, natür. Grösse 
(Seitenansicht.) B. Oberkiefer von Unten, 


Diese Reste wurden früher überall als Gulo spelaeus Goldf. beschrieben, 
aber auch hier zeigte es sich, wie bei anderen diluvialen Formen, dass keine osteo- 
logischen Differenzen bestehen, welche die Aufstellung einer selbständigen diluvialen 
Art rechtfertigen dürften, und dass also auch der diluviale Vielfrass vollständig 
identisch mit dem recenten ist, obwohl hie und da einige Reste auf ein mächtigeres 
Thier in demselben Verhältnisse hinweisen, wie wir es schon bei dem Bären, bei 
der Hyäne und anderen diluvialen Thieren (Biber, Alpenmurmelthier) gesehen haben- 

Was seinen biologischen Charakter anbelangt, ist der Vielfrass überwiegend 
ein Thier der Gebirgstundra ` gud der mit derselben zusammenhängenden Gehölze, 
er kommt jedoch oft auch in die Tundra der Niederung herunter, theils dem Renn- 
thier folgend, theils die Menschenansiedelungen aufsuchend, deren Vorräthe er gern 
ausbeutet. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass er im Winter mit dem Henn: 
thier auch die Steppe besuchen kann, ein Steppenthier ist er deswegen keinesfalls. 


————— - 


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97 


In Europa kommt er heutzutage nur in Skandinavien und Nordrussland vor, wo er 
südlichst im Winter bis zu den Baschkiren kommt, auch nur dem hieher wandern- 
den Rennthiere folgend. In Asien zieht sich sein Verbreitungsgebiet durch das nörd- 
liche Sibirien bis in das Kaméatkaland; die südliche Grenze dieses Gebietes deutet 
Altaj an. In Nordchina und im Amurgebiet kommt er regelmässig an der Wald- 
grenze vor. 

Bei uns erschien er in der Postglacialperiode, in welcher das Rennthier am 
häufigsten war, dennoch war er hier nicht zahlreich vertreten und verschwand auch 
bald wieder, da er sich den veränderten klimatischen Verhältnissen nicht angepasst 
hat, wogegen das Rennthier noch lange hier hauste. 


Zweig: Musteleae. 


Die echten Marder sind bei uns durch zwei Gattungen: Mustela und Putorius 
vertreten. Im Vergleiche mit dem Dachse besitzen sie einen mehr länglichen Schädel, 
welcher schon durch die geschmälerte Schnauze diesen Charakter bekommt. Der 
obere Fleischzahn (Fig. 43. B. p,) zeichnet sich durch einen starken Innenansatz 


Fig. 44. Gebissschema der Marder (Waldmarder, Mustela martes). A Seitenansicht. В Ober- 
kiefer von unten. 


aus, welcher seitlich und deutlich abgeschnürrt ist; der Fleischzahn selbst hat eine 
dreiseitige Form und ist verhältnismässig länger als bei dem Dachse. Der hinter 
ihm sitzende Hóckerzahn (m,) steht nicht wie bei dem Dachse in der Richtung 
der Längsachse, sondern ist quergestellt, auch nicht viereckig, sondern eher drei- 
seitig, dreihöckerig und kürzer als breiter. Der zweite Höckerzahn (m,) bei ein- 
heimischen Marderarten fehlt. Im Unterkiefer besitzt der Fleischzahn (Fig. 44. A. 
m,) einen deutlicheren hundeartigen Charakter als bei dem Dachse, ist zweizackig 
mit einem mässig entwickelten grubenartigen oder schneidenden Talon. Die Glied- 
massen sind verhältnismässig länger und schlanker. 


-1 


Gattung Mustela. Marder. 


Die echten Marder sind, was den Kórperbau anbelangt, die schlanksten aller 
I 1 
8-1 42 
zahn des Oberkiefers ist quergestellt, stark verlängert, gegen die Innenseite aus- 
gebreitet und mit einer starken Wulst begrenzt. Der untere Fleischzahn (M,) hat 
einen Innenzacken und grubenartigen Talon. Der zweite Backzahn ist ziemlich 
gross, stumpf, 4—Bkantig, mit einer glatten oder mässig höckerigen Krone. Im 
Exterieur ist der eylindrische Schwanz so lang wie die Hälfte des Rumpfes. Zwei 
Arten Mustela Martes L. und M. foina Erxl. unterscheiden sich im Exterieur 
ziemlich leicht durch die Haarkleidfärbung und die Struktur des Gaumens, im Skelett 
jedoch, ausser einigen ziemlich minutiösen Kennzeichen am Schädel und Gebiss, 
gibt es keine Differenzen. 


marderartigen Raubthiere. Das Gebiss ist normal | d Der einzige Hócker- 


Baummarder (Edelmarder). Mustela martes L. 


Im Exterieur leicht erkenntlich nach dem gelblichbraunen H aar am Oberkórper 
dunkelbraunem am Sehwanz und Beinen, und nach einem roth- oder dottergelben 
Fleck an der Kehle und der Brust; Füsse fast schwarz, Wollhaar am Grunde róthlich 


Fig. 45. Gaumen und Oberkiefergebiss unserer Marderarten. A Baummarder (Mustela 
martes). B Steinmarder (Mustela foina). p, Dritter oberer Praemolar, aussen concav, bei B der- 
selbe convex. p, Oberer Fleischzabn und m, Höckerzahn. 


grau, an der Spitze licht rostgelb. Die Gaumenleisten (Fig. 45 A.) in deutlicher 
Anzahl von 6—7 sind nur vorne hinter den Schneidezähnen bogenartig (3), alle 
übrigen in einen Winkel auslaufend und die hintersten durch die Mittellinie des 
Gaumens unterbrochen. Die Fussohle ist dicht behaart, mit 7 Zehenballen. 


Im Skelett bietet die besten, obwohl minutiósen Kennzeichen nur das Gebiss, 
und. zwar in der Form des dritten Praemolars (p,), in der Lünge des oberen 
Fleischzahns (p,) und in der Breite des oberen Höckerzahns (m,). 


99 


Bei M. martes ist der 3. Praemolar des Oberkiefers auf dem äusseren Rande 
schwach concav, auf dem inneren stark convex; der obere Fleischzahn (am Aussen- 
rande gemessen) ist gleich lang wie die Breite des Höckerzahns. 


Im Ganzen zeigt der Edelmarder etwas schlankere Formen, namentlich sein 
Schädel ist etwas länger gestreckt als beim Steinmarder; diese Verhältnisse ändern 
sich jedoch mit dem Alter. Bei dem Edelmarder entwickelt sich schon im 2. Lebens- 
jahre ein Schädelkamm, welcher bis zur Stirngegend reicht, wogegen seine Ent- 
wicklung beim Steinmarder langsamer fortschreitet, sodass er bis zur Stirngegend 
nur bei sehr alten Thieren oder überhaupt nie hinreichen soll. 


In zoogeographischer Beziehung haben beide Arten in dem fossilen Zustande 
eine gleiche Bedeutung. Ueberwiegend sind es Waldbewohner, welche bei uns 
wirklich am Anfange der Diluvialzeit, namentlich ihrer Tundra- und Steppenepoche 
seltener waren und desgleichen wie der gemeine Fuchs mit der Zunahme der 
Wälder, d. h. eines für ihre Entwicklung günstigeren Bodens, sich vermehrt haben 


Fig. 46. Baummarder (Edelmarder, Mustella martes L.) Schädel eines erwachsenen Thieres 
A von oben, B Seitenansicht in natürl. Grösse. 


Beide Arten kommen auch heute zuweilen in der Steppe vor, namentlich dort, wo 
diese an Wälder grenzt oder bewaldete Inseln umgibt. Nichtsdestoweniger bilden 
sie in solehem Terrain eine Ausnahme und so sind auch die fossilen Funde aus 
der waldlosen oder waldarmen Periode ziemlich selten. 

Häufiger kommen ihre Reste in den höheren Lagen der Lössablagerungen 
oder in subfossilen Knochenanhäufungen der Felsenlöcher und Schluchten vor. Sehr 
oft lassen die fragmentarischen Funde eine genaue Artbestimmung nicht zu. Sichere 

ү* 


100 


Ueberreste des Edelmarders kennen wir aus Sudslavic, Podbaba, subfossil aus der 
St. Prokopihöhle, nach Woldfich und Liebe auch aus der Vypustekhöhle in Mähren. 
In der Jetztzeit werden jährlich in Böhmen 1000—1200 Stück abgeschossen. 


Steinmarder (Haus- oder Dachmarder). Mustela foina Erxl. 


Sein grau- oder gelbbrauner Pelz mit weisslichem Wollhaar, welcher auf 
den Füssen und am Sehwanze dunkelbraun bis schwärzlich ist und einen weissen Kehl- 
fleck besitzt, làsst ihn wohl ziemlich leicht im Exterieur vom Baummarder unter- 
scheiden. 


Die Gaumenleisten (Fig. 45 В) in einer Anzahl von 8— 9 sind alle bogenfórmig, 
hinten fast gerade und durch die Mittellinie des Gaumens unterbrochen. Die Fusssohle 
ist nieht so dicht behaart wie beim Steinmarder, so dass die nackten Zehenballen 
deutlicher sind. 


Im Gebiss ist der dritte Praemolar biconvex, der obere Fleischzahn (am 
Aussenrande gemessen) immer länger als die Breite des Höckerzahnes. 


Der Schädel ist kürzer gestreckt und sein Schädelkamm soll überhaupt nie 
oder erst im hóheren Alter zur Stirngegend reichen. 


Der Steinmarder, wie es scheint, sucht eher schon weniger bewaldete ja 
sogar lieber felsige Gegenden oder die Nachbarschaft der menschlichen Ansiede- 
lungen auf und hauset in den letzteren oft ziemlich regelmässig. 


So war der Steinmarder seinerzeit ziemlich häufig in Prag selbst." In den 
bewaldeten Gegenden Südbóhmens wird er nicht so zahlreich abgeschossen wie der 
Edelmarder, obwohl von dem ganzen Lande mehr Pelze in das Geschäft kommen 
als vom Edelmarder (3000—4000 Stück). 


Auch fossile Funde sind ziemlich seltener. Nicht sicher kennen wir ihn aus 
Sudslavic und aus der Schlucht bei Srbsko, desgleichen unsicher sind die Reste, 
welche Woldfich aus der Certova Díra anführt. 


Vergleich einiger Schädel beider Marderarten. 


Bei der Bestimmung verschiedener Marderschädel auf Grund der oben er- 
wähnten Merkmale fand ich vielfach Abweichungen von denselben, welche verdienen 
näher betrachtet zu werden. Herr Wenzel Frič, Naturalienhündler in Prag gab mir 
zur Disposition eine grössere Reihe von Marderschädeln, deren genauere Messung 
zu sicheren Resultaten führte. 


Die Untersuchung dieses Materiales resultirt im Folgenden: 


') Dr. Ant. Frič „Säugethiere Bóhmens*. Archiv für naturw. Durchforschung Bóhmens П. 


101 


Wirklich charakteristisches Unterscheidungskriterium beider Arten bietet die 
Länge der Schnauze: ein erfahrenes Auge unterscheidet in der Seitenansicht sehr 
leicht die verkürzte Schnauze des Steinmarders (M. foina) von der länger ge- 
streckten Schnauze des Edelmarders (М. martes). 

Desgleichen charakteristisch ist auch, dass M. foina keinen Schädelkamm 
besitzt, wogegen М. martes einen solchen schon ziemlich jung in starker Ent- 


Fig. 47. Steinmarder (Mustela foina Erxl.) Schädel eines erwachsenen Individuums, A von 
oben, B von der Seite. 


wicklung besitzt, ein älterer Edelmarder vermisst den Schädelkamm sehr selten. Die 
typischen Merkmale des oberen Gebisses sind nur bei M. foina regelmässig aus- 
gebildet, wogegen sie bei M. martes variiren. 

Diese Verhältnisse stellt die folgende Tabelle bei 25 Schädeln beider Arten 
übersichtlich dar (Seite 102). 


Erklärungen zur Tabelle: (Siehe Seite 102.) 

H. Höhe der Schnauze. Gemessen von der Lücke zwischen dem Fleischzahn 
und Höckerzahn zu der Spitze des Stirnvorsatzes. 

L. Lünge der Schnauze. Gemessen vom hinteren Rande oberhalb des Höcker- 
zahns zum vorderen Rande beim zweiten Lückenzahn. 

К. Länge der eigentlichen Schnauze. Gemessen vom unteren Rande der Unter- 
augenhöhle im Jochbogen zum vorderen Rande oberhalb des zweiten Schneidezahns. 


C. Schädelkamm. — bedeutet, dass derselbe fehlt, + dass er entwickelt ist. 


102 


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„Ө (We ООА И 200 35 27 ЕЕ EE м 


Е. Fleischzahn. — m, bedeutet, dass er länger ist, als die Breite des Höcker- 
zahns, — dass beide genannten Dimensionen gleich sind. 


3. Pr. Dritter Proemolar. — bedeutet, dass dieser aussen convex ist, — dass 
er gerade und ~, dass er concav ist. 


Resultate dieser Messungen kann man im Folgenden zusammenziehen. 


Baummarder (М. martes) unterscheidet sich im Schädel von dem Steinmarder 
(M. foina): 


108 


1. Durch die Länge der Schnauze. Der Baummarder besitzt eine langge- 
streckte Schnauze, welche Eigenschaft insbesonders in der Länge der eigentlichen 
Schnauze R. deutlich ausgeprägt ist, diese Länge bewegt sich bei dem Steinmarder 
nur zwischen den Zahlen 21—92:5 und übertrifft diese Zahl nur ausnahmsweise, 
wogegen beim Edelmarder auch bei den jüngsten Individuen diese Länge 24 mm 
beträgt, bei den älteren jedoch sich zwischen 26 .—27 mm bewegt. 

9. Durch den Entwicklungsgrad des Schädelkamms, welches Merkmal jedoch 
nicht so sicher ist wie das vorige. Man kann sagen, dass ein Schädel mit einem 
gut entwickelten Schädelkamm, immer einem Edelmarder (M. martes) angehört; 
ich fand wenigstens keinen einzigen Ausnahmsfall, wo einen Schädelkamm ein 
Steinmarder besitzen dürfte. Dagegen gilt jedoch nicht, dass ein Schädel ohne 
Schädelkamm immer von einem Steinmarder herrühren müsste, denn auch der Edel- 
marder, besonders wenn er ganz jung ist, ohne Schädelkamm ist. 

3. Durch die Lünge des Fleischzahns im Verhältniss zur Breite des Höcker- 
zahns, welches Merkmal desgleichen wie voriges nicht verlässlich erscheint; man 
kann wohl sagen, dass der Steinmarder immer einen längeren Fleischzahn als die 
Breite des Höckerzahns besitzt, aber bei dem Edelmarder variirt schon dieses 
Verhältniss derart, dass beide diese Dimensionen entweder (bei jüngeren Indivi- 
duen) gleich sind, oder dass der Fleischzahn ebenfalls länger ist wie bei dem 
Steinmarder (bei älteren Individuen). 

4. Durch die Form des dritten Praemolars, welches Merkmal einer minderen 
Variabilität unterworfen ist, als die vorigen. Bei dem Steinmarder ist dieser aussen 
immer convex, bei dem Edelmarder immer concav, jedoch, wie die Nr. 14 und 
28 zeigen, sind Ausnahmsfälle nicht ausgeschlossen. Beim Nr. 28 ist dieser Prae- 
molar sogar auf einer Seite convex, auf der anderen concav. Wenn man das Thier 
nicht im Pelz gesehen hat, kann man nicht beurtheilen, ob sich in diesem Falle 
um eine Kreuzungsform handelt oder nicht. 

Aus dieser Beurtheilung einzeluer Merkmale resultirt, dass man sicher be- 
stimmen kann: 

a) den Schädel eines Steinmarders (M. foina) nach der Kürze der Schnauze 
und convexen Form der Aussenseite des dritten Praemolars, welche Bestimmung 
durch Mangel eines Schädelkammes und eine grössere Länge des oberen Fleisch- 
zahns als die Breite des Höckerzahns unterstützt wird. 

b) den Schädel eines Edelmarders (M. martes) nach der Länge der Schnauze 
und coneaven Aussenseite des dritten Praemolars im Oberkiefer; diese Bestimmung 
wird durch einen gut entwickelten Schädelkamm und der Breite des Hóckerzahns 
gleichende Länge des oberen Fleischzahns unterstützt. 


Gattung Putorius. 


Im Gebiss (Fig. 48) fehlen die vorderen Praemolaren im Oberkiefer sowie 
5. 49, 


D € D 
im Unterkiefer ( 35131). Der untere Fleischzahn (M,) besitzt keinen Innen- 


104 


zacken und einen schneidenden Talon. Oberer 2. Backzahn (M,) ist klein, oval und 
höckerig. Schwanz kürzer als die halbe Körperlänge. Selbst die grösste Art P. 
putorius ist kleiner als Marder. Einheimische Arten gehören drei Untergattungen 
an: Lutreola, Putorius und ctis. 


Untergattung Lutreola. 
Nörz. (Sumpfotter). Putorius (Lutreola) lutreola L. 


Ein iltisartiges, jedoch dem Otter in Gestalt und Lebensweise ähnliches 
Raubthier, dessen tiefbraunes, glänzendes und dicht anliegendes Pelz nur einen 
kleinen weissen Brustfleck mit weissem Kinn und Lippen aufweist. Im Gebiss sind 
die Höckerzähne mächtiger entwickeit. 

Aus dem recenten Material kennen wir nur 2 Exemplare; eins in den Mu- 
seumssammlungen aus älterer Zeit ohne näherer Bezeichnung, welches jedoch wahr- 
scheinlich aus Böhmen stammt, da die Verbindung mit dem Osten, von wo er 
kommen könnte, immer und besonders früher schlecht war, das zweite befindet sich 
im Museum Ohrada bei Frauenberg und wurde das Thier im Jahre 1843 auf der 
dortigen Schwarzenberg’schen Domaine in eine Falle gefangen. 


IM UNS CS 


Fig. 48. Gattung Putorius. Gebissschema. 


Ohne näherer Daten wird er auch von Schmidt aus der Umgebung von Fried- 
land angeführt und sollte in der neuesten Zeit auch in der Umgebung von Neu- 
haus erbeutet werden. 

Recentes osteologisches Material ist keines vorhanden, fossile Funde sind aut 
zwei Bruchstücke beschränkt. Beide (ein Unterkieferfragment und ein Bruchstück 
des vorderen Schädels) stammen aus Sudslavic ') her und charakterisieren wohl 
nicht genügend dieses Raubthier. Auch anderwürts sind fossile Funde recht selten 
wie überhaupt Überreste der uferbewohnenden Raubthiere. So werden solche Reste 
aus Langenbrunn a. d. Donau, aus der Einhornhöhle bei Scharzfelà am Harz und 
aus der Öertova Dira (Woldfich) in Mähren angeführt. 


') Woldřich, Dil. Fauna von Sudslavic IL Th., S. 195, T. I. und II, Fig. 18. und 3., 4. 


105 


Untergattung Putorius. Cuv. Iltis. 
(Syn. Foetorius Keys & Blas.) 


Von den Wieseln (Ictis) unterscheiden sich die lltise im Exterieur, wenn 
wir die Grösse der immer mächtigeren erwachsenen Thiere nicht in Betracht ziehen, 
hauptsächlich durch die Färbung der Bauchseite, welche beim einfarbigen Pelz 
immer dunkler erscheint, wogegen im übrigen Pelz das gelbliche Wollhaar auffüllig 
durchschimmert. 

Die Schädelform, obwohl bei beiden Untergattungen ziemlich ähnlich, weist 
dennoch typische Differenzen auf. Bei den Iltisen bildet der Oberrand des Ober- 
kiefers einen tiefen Einbug oberhalb den Praemolaren; die grósste Einschnürung des 
Schädels, welche nur bei einigen Arten (z. В. P. Eversmanni) ganz auffällig ist, 
liegt in der hinteren Hälfte des Schädels. 

Im Gebiss ist der obere Fleischzahn charakteristisch, dessen Zacken jin 
seiner vorderen Hälfte liegt. Unsere Fauna weist eine einzige Art auf: 


Der gemeine Iltis (Ratz) Putorius (Putorius) putorius L. 
(Syn. Foetorius putorius L.) 


Zur Charakteristik dieser Art genügt folgendes zu bemerken : 

Der Schädel verengt sich in der Stirngegend nur unbedeutend, so dass seine 
seitliche Konturen hier fast parallel verlaufen; die grösste Breite des Schädels 
beträgt ziemlich konstant ?/, der Basallänge. Ich verzeichne hier 7 gemessene 
Schädel aller Altersstufen : 


Seha d.e. 
Basallänge Grösste Breite 
Putorius putorius jung. . . 54:— mm 34 mm 
n » » , ugs » 35 » 
» » LORD a N pore » 96 , 
Я i mittelalt .61—  , 39 , 
A b alt © . ey 4 , 
| AL E не y 43 , 
ТОБО Т» 44 , 


» » » y Mas 
Die einzige Iltisart, welche neben dem gemeinen Iltis bei uns fossi Іуогко штеп 


könnte, wäre der Sfeppeniltis Putorius Eversmanni Len., welchen man von dem 
gemeinen osteologisch nur dann unterscheiden könnte, wenn ein ganzer Schädel 
vorhanden wäre; dieser unterscheidet sich ganz auffällig durch die starke Ein- 
schnürung der Stirngegend; seine Dimensionen bleiben dabei ähnlich wie bei dem 
gemeinen Iltis (54 mm Basallänge gegen 39 mm Breite). 

Diese schwierige Unterscheidung beider Arten hat in zoogeographischer 
Beziehung im fossilen Zustande keine grosse Bedeutung, denn das Verbreitungs- 
gebiet und die biologischen Eigenschaften beider Arten sind vollständig gleichartig. 
Die Iltise sind zwar eher Wald- und Schlupfwinkelthiere, nichtsdestoweniger sind 
sie in den Steppen besonders auch in den jetzigen südrussischen und wolgaurali- 
schen Steppen sehr häufig und auch bei uns wählen sieoft für ihre Ansiedelung freies 
Feldterrain wenn nur ein passender Schlupfwinkel vorhanden ist; besonders 


106 


gern halten sie sich in der Nähe der Gewässer auf und suchen ihre Beute, wie 
ich mich selbst überzeugte, recht gern auch im Wasser. 

Fossile Funde beschränken sich meistens im Diluvium auf solche Lagen und 
Schichten, welche der Steppenperiode entsprechen und werden auch mit anderen 


3 4 


Fig. 49. Iltis. Putorius, 1—3. Gemeiner Iltis (Putorius putorius L.). Schädel, Oben-, Unten- und 
Seitenansicht. 4. Putorius Eversmanni Erxl. Schädel von Oben. Natür. Grösse. 


Steppenthierresten aufgefunden. So sind sie bekannt aus einigen dergleichen Fund- 
orten Englands, Frankreichs, der Schweiz, Belgiens, Italiens und Deutschlands. Aus 
Böhmen von Sudslavie (Woldřich) und aus dem Löss bei Podbaba, aus Mähren von 
der Čertova Díra und Vypustek (Liebe), weiters auch aus Galizien und altaischen 
Höhlen, 


107 
Untergattung Ietis. Wiesel. 


Die Bauchfärbung ist charakteristisch weiss oder weislich, immer (freilich 
im Sommerpelz, denn der Winterpelz ist oft vollständig weiss) heller als der übrige 
Kórper. 

Die Schüdelform unterscheidet sich von der des Iltis durch Verlauf des 
Randes des Oberkiefers, weleher keinen Einbug bei den Praemolaren, sondern nur 
einen sanften Bogen bildet. Die Einschnürrung in der Stirngegend folgt gleich 
hinter dem Jochfortsatze und befindet sich infolgedessen in der vorderen Hälfte 
des Schädels. Trotz des schlanken Schädels erscheint der Kopf im Exterieur immer 
dieker als Hals und Rumpf. 

Im Gebiss bietet einen auffallenden Unterschied der obere Fleischzahn, 
dessen Zacken sich inmitten seiner Länge befindet. Hieher gehören zwei Arten: 


Kleines Wiesel. Putorius (Ietis) nivalis L.*) 


(Syn. P. vulgaris Briss. P. minutus Poml. P. minutus Woldr.) 


Der kleinste und häufigste Marder Böhmens, dessen Grösse und Schädelform 
in verschiedenen Altersstufen und Lebensverhältnissen sehr variirt; die Schädel 
von älteren Thieren, welche ich bei der Hand habe, bestätigen vollständig diese 
Variabilität. Der Schädel ist verhältnismässig schmäler als beim Iltis, namentlich 
im hinteren Theil länger gestreckt und dadurch, dass die Jochbogen mehr in’s 
Vorne gerückt sind, ist auch die Breite des Schädels verhältnismässig kleiner 
(und beträgt weniger als °/, der Basallänge). 

Die elf gemessenen Schädel ergeben in dieser Richtung folgende Re- 


sultate : 
Basallänge Breite Länge des Fleischzahns 
u.2 Praem. des Unterkiefers 
N GEET, Ce Ж 161 mm 61 mm 
„ 1. erwachsen . OPI. 18'— , U— , 
ge SE 4 is QE У 18:5 ў — 2 
A E Manor prr ендш, Meng, 
» 2i » ‚ 86— » 29 » 79 » 
40054 е ВОт 20— , OW Vë 
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›› 8. » vou BB er » 20 s 81 D 
Mah оў vost Be od СТ ou 80 , 
T i m MESES » Me » jen » 
Poet, minutus. Woldf. . . . — » motis gau 


*) Trouessart in seinem. „Catalogus Mammalium“ führt gemäss den neuen Nomenklatur- 


regeln das Wiesel als Put. (Ietis) nivalis L. auf, die Benennung vulgaris von Brisson wurde jedoch 


schon im Jahre 1756—62, die Linnéische nivalis erst im Jahre 1766 und zwar nur für die weisse 
Varietät in Norden publicirt. 


108 


Erwachsene Schädel des Wiesels variiren also in der Basallänge von 
325—589 mm, d. h. um '/,—'/, ihrer Länge; die jüngeren Schädel sind verhält- 
nismässig breiter als die älteren, aber bei den jungen finden wir die grösste 
Breite nicht in der Jochbogengegend, sondern in der Parietalgegend. Der Schädel- 
kamm ist verschieden entwickelt, bei einem erwachsenen verbinden sich die Kamm- 
leisten schon in der Stirngegend, bei anderem erst in der Hälfte der Scheitelgegend 
und sind auch Fälle vorhanden, wo bei ganz alten Thieren überhaupt keine Ver- 
bindung besteht. N 

Ein cbarakteristischer Unterschied zwischen dem Wiesel und dem Hermelin 
wird in der Stellung des ersten und zweiten Praemolars des Oberkiefers gesucht; 
das vergleichende Material zeigt jedoch, dass in dieser Richtung kein wesentlicher 
Unterschied besteht. 


Fig. 50. Kleines Wiesel. Putorius (Ietis) vulgaris Briss. Schädel von zwei Individuen von 
oben, unten und von der Seite in natür. Grösse. 


Beim kleinen Wiesel steht der vordere Praemolar zwar ziemlich parallel mit 
der Mittellinie des Gaumens, aber die Ausnahmsfälle, wo dieser Praemolar mit 
seinem Vorderende den Kieferrand überragt und so mit der Mittellinie des Gau- 
mens wie beim Hermelin divergirt, sind ebenso zahlreich, wie die Ausnahmsfälle, 
wo er bei dem Hermelin mit der Mittellinie des Gaumens wie bei dem kleinen 
Wiesel parallel steht. 

Auch die Form und Stellung des Hóckerzahns im Oberkiefer sind sehr ver- 
änderlich und bei beiden Arten oft übereinstimmend. 

Charakteristische Merkmale des Schädels von kleinem Wiesel sind: Flache, 
oberhalb der Stirnfortsütze angeschwollene Stirn und sanft nach Vorne abfallende 
Schnauze; die Basallänge bei den ältesten Individuen ist unter 40 mm. 


109 


Das kleine Wiesel ist heutzutage noch unseres häufigstes Raubthier und ist 
es daher auffallend, dass seine fossile und subfossile Reste relativ soselten sind. 


Sein Charakter entspricht den wenigstens theilweise bewaldeten oder mit 
reichem Gebüsch bewachsenen Gegenden, obwohl es auch in Feldern und Steppen- 
districkten nicht selten ist und sogar auch im Tundragebiete vorkommt. Sein Ver- 
breitungsgebiet ist demnach sehr gross. 

Sicher sind seine Reste in Böhmen bei Sudslavic, von wo es Dr. Woldfich 
mit Steppenfaunaresten, theils direkt unter dem Namen Foetorius vulgaris, theils als 
neue Species Foetorius minutus Woldf. anführt. Diese Art ist aber nichts anderes 
als das gemeine kleine Wiesel, denn auch im recenten Materiale kommen so kleine 
und doch vollständig erwachsene Individuen vor, wie es die Messungen auf der 
Seite 107 zeigen. 

Von der Menge und Zugänglichkeit der Nahrung hängt nicht nur die An- 
zahl dieser kleinen Raubthiere, sondern auch ihre kórperliche Entwieklung und 
ihre Wachstumverhältnisse ab, sodass sehr leicht in einer Zeit, wo es an Nahrung 
(z. B. Mäusen) mangelt, erwachsene Individuen vorkommen können, welche ver- 
kümmert sind, ohne dass dies Anlass geben dürfte, sie als neue Species zu be- 
stimmen, besonders wenn bei fragmentaren Resten nichts anderes als die Grösse 
dafür spricht. 

Aus Mähren kennt Prof. Maška das kleine Wiesel aus der Čertova Díra. 


Hermelin (Grosses Wiesel). Putorius (Ietis) ermineus L. 


(Syn. Foetorius Krejčii Woldf.) 


Im Exterieur unterscheidet sich der Hermelin vom kleinen Wiesel vorerst 
durch die Körpergrösse und durch ein kaum längeres Haarkleid, welches nicht so 
gleichartig ist wie bei dem kleinen Wiesel; das sieht man besonders am Schwanz, 
dessen Ende ein schwarzes, langes, das Ende fast um 7 cm überragendes Haar 
trägt. Die übrige Haarfärbung stimmt mit der des kleinen Wiesels überein; dieses 
trägt jedoch einen weissen Pelz bei uns im Winter nur ausnahmsweise, wogegen 
beim Hermelin es ein Regel ist. Der Schwanz erreicht beim Hermelin eine Länge, 
welche '/, der Rumpflänge gleicht (bei kleinem Wiesel nur '/,). 

Im Skelett sind z. B. die Grössenunterschiede deutlich schon im Schädel 
ausgeprägt, dessen Basallänge immer 40 mm übertrifft. 

Die Stirn ist schon bei jüngeren Individuen stärker gewölbt, öfters auch 
oberhalb den Stirnfortsätzen angeschwollen, aber auch ganz flach und die Schnauze 
fällt nach Vorne steiler ab, als beim kleinen Wiesel. 


Es wurde schon beim kleinen Wiesel angeführt, dass die Stellung der 
Lückenzähne im Oberkiefer nicht konstant und charakteristisch ist. Die Stellung 
des ersten Lückenzahns ist beim Hermelin zwar oft zur Mittellinie des Gaumens 
divergent, wie es die Fig. 52 A. zeigt, sodass das vordere Ende desselben oftmals 


110 


den Kieferrand überragt und der zweite Lückenzahn mit dem ersten einen stumpfen 
Winkel bildet, aber solche Fälle, wo der vordere Lückenzahn so regelmässig (para- 
lell zur Mittellinie des Gaumens) steht, wie beim kleinen Wiesel (Fig. 52 BI 
sind nicht selten, sodass dieses Merkmal seine Wichtigkeit einbüsst und nur dann 
nachhilflich benützt werden kann, wenn man einen Schädel in die Hand bekommt, 
welcher schon durch seine Grösse auf den Hermelin ‚hinweist. 


Fig. 51. Hermelin. Putorius (Ietis) ermineus L. Schädel von oben, unten und von der Seite 
in der natür. Grösse. 


Die grösste Einschnürung des Schädels, welche bei dem kleinen Wiesel 
immer weiter hinter die Stirnfortsätze verschoben ist, erfolgt beim Hermelin näher, 
oft sogar gleich hinter denselben; sie wird manchmal stärker, anderesmal schwächer 
und verschwindet oft sogar fast gänzlich. 


Woldřich führt unter dem Namen Fbetorius Krejčii Woldr.'!) eine Art, welche 
laut Abbildungen und Beschreibung nichts anderes ist als ein ganz typischer Hermelin 
(Foetorius ermineus LA. 

Diese Art soll vom Hermelin unterschieden werden: 


1. durch kleinere Grösse; die Basallänge des Schädels wird von Woldřich 
auf 40:5 mm angegeben; ich besitze einen Hermelinschädel, der gerade auch 40:5 mm 


1) Woldřich J. N. Diluviale Fauna von Sudslavic. III. T. II. f. 3, 4, II. T. II. f. 15, 20. 


111 


Basallänge hat, was auch vollständig mit der oben angeführten Charakteristik 
übereinstimmt, nämlich dass die Basallänge des Hermelinschädels immer 40 mm 
übertrifft ; 

2. durch eine schwächere Einschnürrung des Schädels, welche gleich hinter 
den Stirnfortsätzen erfolgt; es wurde schon höher auf die Variabilität dieser Ver- 
hältnisse hingewiesen; es variiert dieses Merkmal 
besonders mit der Altersstufe und oft sehr auffallend, 
sodass es als ein charakteristisches Kennzeichen nicht 
betrachtet werden darf; 

3. durch kleinere Anschwellungen des Stirn- 
knochens vor dieser Einschnürrung; in Wirklichkeit 
sind auch diese Verhältnisse sehr veränderlich, wie Fig. 52. Schematische Darstellung 
es auf den recenten Schädeln ersichtlich ist; eine der linken Hälfte des Oberkiefers 
stärkere Anschwellung hängt auch mit der Altersstufe 4. beim Hermelin (Putorius ermi- 
zusammen. Auch bei dem kleinen Wiesel, wo der E E ag 
Schädel in dieser Gegend regelmässig flach ist, ent- ESCH PA ort лат éi a sede 
steht im höheren Alter eine solche Anschwellung. 

Bei den recenten Schädeln, welche wir besitzen, findet sich diese Anschwellung 
immer deutlich bei den grösseren, also älteren Schädeln, bei dem gleich grossen 
Schädel, welchen ich hier mit dem des Fbetorius Krejów verglichen habe, ist sie 


ganz undeutlich ; 
4. durch die Schädelkammleisten, welche sich beim Hermelin gleich hinter 


den Stirnfortsätzen in einzigen Schädelkamm verbinden, wogegen sie bei dem 
Foetorius Krejeii unverbunden bleiben; Dr. Woldřich selbst spricht diesem Merkmal 
nicht viel Bedeutung zu, jedenfalls mit Recht, denn auch diese Verhältnisse ver- 
ündern sich je naeh Geschlecht und Alter, wie es auch die vorhandenen recenten 
Schädel klar beweisen. : 

Es ist also kein Grund vorhanden, den Foetorius Krejéii Woldr. als eine 
selbständige Art oder Varietät von Putorius (Ictis) ermineus L. zu unterscheiden. 

Der Hermelin liebt ebenso wie das kleine Wiesel wenigstens theilweise be- 
waldete oder mit Gebüsch bewachsene Gegenden und sucht besonders gern die 
buschigen Wasserufer aus; nichtsdestoweniger kommt er auch in waldlosen Feldern, 
Steppen und Tundren vor. Durch das Tundragebiet geht er weit nach Norden, 
sogar bis auf die Küsten des Eismeers, wo hauptsächlich der Lemming seine Beute 
wird. Auch bei uns ist er in recenter Fauna keine Seltenheit; wenigstens ein 
Drittel der Anzahl, welche unter dem Namen des kleinen Wiesels ausgerottet wird, 
gehört dem Hermelin an. 

Dem entgegen überraschend selten sind seine Funde in diluvialen Abla- 
gerungen. Mit anderen Steppenthieren führt ihn als zahlreich Dr. Woldřich 
aus Sudslavie, aus der Öertova Dira in Mähren und Liebe aus der Vypustek- 


höhle an. 


Otter. Lutrinae. 
Die Otter sind biologisch durch ihr Leben an Wasserufern gekennzeichnet, 
was mit der Schwimmhaut zusammenhängt, mit welcher ihre Füsse versehen sind. 


112 


Ihr Schädel besitzt eine breite Parietalhóhle und eine kurze Schnauze und ist 
zwischen diesen beiden Partien stark eingeschnürrt. Von unten sind die nur schwach 
gewülbten, fast dreiseitigen Tympanienknochen auffällig. Die einzige Art unserer 
Fauna ist 


Der gemeine Fischotter. Lutra lutra L. 


B 4l. 
Bo21 8 2. 
und vier Praemolare, im Unterkiefer 3 Praemolare und 2 Backzähne auf. 

Der obere Fleischzahn (Fig. 53, p,) ist kurz, breit, dreiseitig und ähnlich 
ausgebildet wie bei dem Dachs. Er besitzt einen grossen, mittleren Aussenzacken, 
welcher bei älteren Thieren oft stark abgenutzt ist, dann einen sehr grossen und 
breiten, jedoch niedrigen Hinterzacken und einen hóckerigen Innenansatz, welcher 
infolge Abnutzung grubenartig wird. Der Hóckerzahn liegt jedoch nicht wie bei 
dem Dachs in der Richtung der Zahnreihe, sondern ist er quergestellt, breiter als 
länger, viereckig, mit zwei äusseren und zwei inneren Höckern versehen, deren 
letzteren eins in eine mächtige Wulst umgeformt ist. 


Das Gebiss weist im Oberkiefer nur einen einzigen Backzahn 


Fig. 53. Der Fischotter (Lutra lutra L.). A. Schematische Darstellung des Gebisses von der 

Seite; В. des Oberkiefers (rechte Hälfte) von unten. p,—p, (im Unterkiefer bis p,) Praemolare; 

p, im Oberkiefer Fleischzahn: m, im Unterkiefer Fleischzahn, m, im Oberkiefer und m, im Unter: 
kiefer sind echte Backzähne. 


Der Fleischzahn im Unterkiefer (Fig. 53, m,) hat einen schneidenden, bei 
älteren Thieren mit einer tiefen Grube versehenen Talon und einen gut entwickelten 
Innenzacken im Vorne. Der kleine Backzahn (m,), wenn er nicht abgenutzt ist, 
besitzt zwei spitzige Ansätze am Aussenrande. 


113 


Der ganze Schädel bei einer verhältnismässig grossen Breite und Länge be- 
sitzt nur eine sehr kurze, schmale und stumpfe Schnauze. Der Körper selbst ist 
plump, die Gliedmaassen relativ kürzer als beim Dachs, Humerus jedoch ähnlich 
gekrümmt. , 

Der Fischotter gehórt noch heute zu den bäufigen Raubthieren unserer Fauna, 
welche jedoch oft und auf grosse Entfernungen ihren Standort wechseln, sodass 
nicht selten zu uns Fischotter über die Grenze aus den Nachbarländern kommen. 


Fig. 54. Der Fischotter (Lutra lutra LA 4. Recenter Schädel von oben, В. Ein anderer von 
unten, beide in ?/, natür. Gr. C. Der letztere in Seitenansicht in "/, natür. Gr. 


Der jährliche Abschuss wird in Böhmen auf einige Hundert Stücke geschätzt; 
insbesonders im schneereichen Winter, wie z. B. im J. 1899—1900, wurden viele 


8 


| 
|) 
| 
| 


114 


erbeutet; in diesem Jahre wurden sie hüufig auf den Prager Markt, manchmal bis 
15 kg schwere Stücke, gebracht. Einige bekannten Fischotterjäger haben damals 
bis 20 und 30 Stück (ein jeder) erbeutet. Der Landesculturrath zahlt jährlich 30 
bis 40 Prämien (4 К à Stück) für erbeutete Fischotter aus. 

Das heutige Verbreitungsgebiet des Fischotters in ganz Europa, inNord- 
Asien und Nordamerika, sowie sein immer noch zahlreiches Vorkommen ist gewisser- 
maassen im Widerspruch mit den ziemlich seltenen fossilen und subfossilen Funden. 

Auf einigen Stellen kommen Fischotter schon im Tertiär vor und einige 
pliocäne Formen, wie z. B. die aus den Forest Beds und dem französischen Pliocün 
(Lutra affinis) sind kaum von dem heutigen Fischotter zu unterscheiden, sodass die 
direkten Vorfahren des Fischotters bis in die Tertiärformation zurückreichen. 


Fig. 55. Der Fischotter (Lutra lutra L.). Ein fossiler Unterkiefer aus der Schlucht 
bei Srbsko in natür. Grösse, 


In den diluvialen Ablagerungen wird der Fischotter hauptsächlich aus einigen 
Höhlen und von Rütimeyer auch aus den Pfahlbauten angeführt; aus den mähri- 
schen Höhlen ist er durch Wankel bekannt geworden. Bei uns wurde er nur auf 
einer Lokalität, jedoch massenhaft, in der Schlucht bei Srbsko, gefunden, wo die 
nahe Nachbarschaft des Flusses die Sachlage erklärt. 

Die relative Seltenheit dieser Reste erklärt sich vielleicht so, dass die Ueber- 
reste des Fischotters meistens im Inundationsregion der Wasserläufe zur Ablage- 
rung kamen, von wo sie wieder durch das Hochwasser weggeschwemmt wurden, sodass 
sie nur in äusserst günstigen, höher gelegenen Schlupfwinkeln (so z. B. in der 
Schlucht bei Srbsko) gerettet werden konnten. 


Gesammtübersicht der Raubthierfauna Böhmens. 


Aus der Tertiärformation weist die Raubthierfauna Böhmens verhältnismässig 
nur unbedeutende Reste der Urhunde (Amphicyonidae, siehe Seite 35) auf. 

Alle übrigen Formen dieser Gruppe finden wir zum erstenmale erst im Di- 
luvium und ihre Anzahl vermindert sich wieder im Laufe der Zeit bis auf heutige 
Tage. — 


Diluvium Vorhistorische Periode. Alluvium Recente Periode 
"f Varietàt Art Varietät Ars Varietät 
Katzenartige. | 
Felis (Uncia) leo L.. . .| spelaea Goldf. — — = — — + 
„ (Lynchus) lynx L.. | = Felis (Lynchus) lynx L.. — Felis (Lynchus) lynx L. | — + 
2 „ pardina Temn ! == — — — — = — — 
L елын Bo s с... fera Bourg. E E ee — Ше енин ыш. ...,. . = Ez 
4 = = Жа CN magna Bourg. | 
2 == .-. -E Bine Schmerl | E 
= = E — — — Felis domestica L. . . . — 
Hundeartige. 
£ f (fossilis) U Caa = Re = = = ES 
Canis lupus L. . || spelaeus Goldi. | Canis jugos hae. : Canis lupus 1. . . . . | 
i. i » 3 5... ж en Woldr. » famil praehistor. Kf.| decumanus Nehr. | Canis familiaris L. . . .| anglicus 
Canis ferus Bourg. . . - ferus Bourgn. Š ч 3 . .|matris optimae Jeit. 24 b Do E sagax. 
5 Е 2. 5 .|intermedius Woldr. n E E . (intermedius Woldr. s 5 ж == „| pecuarius 
f Mikii Моја. alustris En 8 
è л Um te == hereynius Wodi |, 7 = Я pen. = ® т е 
Vulpes alopex L.. . . . — Vulpes alopex L.. . . . = Vulpes alopex L. 
5 lagopus L. . . .| — 
PER N | meridionalis Nord. = = = == = C ZE 
2 meridionalis Nord. l| moravieus Woldr. E = = = - E ES 
Bären. | | 
Tes É d arctos L. Dm = » = 
Ursus arctos L. "|| spelaeus Bimb. Ursus aretos L- . ... .|| Ursus arctos Lh.  .— : — i 
Hyänen. | 
Hyaena crocuta Zimm. . | — Hyaena crocuta Zimm. . || — =. 2 | = E 
|| 
Marderartige. | | 
Meles taxus Bodd. . . .| — Meles taxus Bodd. . . . а Meles taxus Bodd. | 
Со fuscus Tea =. #1 — Geo вена Lh. T... «= = = | ES LO 
Mustela martes L. . . .| — Mustela martes L. . .. = Mustela martes L. . . . || | 
» c Иней Erde. t". n ES 3 foina Erxl. . = 4 foina Erxl. . .| | 
Putorius (Lutr.) lutreola L. | -- Putorius (Lutr.) lutreola L. = Putorius (Lutr.) lutreola L. || Se $? 
" 5 (Put.) putorius L. | = = (Put.) putorius L. | = А (Put.) putorius L. | 
* " (Ictis) vulgaris Br. | — » (Ictis) vulgaris Br. EM 4 (Ietis) vulgaris Br. 
E „ ermineusL.| — B „n ermineus L. || = а „ ermineus L. e 
Kirch 2. I. — Lutra lutræ L. . . . . .| = Lutra lutra L. — 
il | e 


Der allgemeine Charakter der diluvialen Raubthierfauna weicht nicht weit 
von dem der jetzigen ab. Die diluvialen Formen stimmen bis auf einige unzahlreiche, 
welche ausgestorben sind, vollständig mit den recenten überein. 


\ 


Die ausgestorbenen Formen gehóren entweder den Gattungen an, welche 
vollständig von der Oberflüche der Erde verschwunden sind (Höhlenlöwe), oder 
sind es Arten, welche nur aus Böhmen oder auch aus den benachbarten Ländern 
gewichen sind, oder endlich solche, welche in wildem Zustande ausgerottet, jedoch 
in domesticiertem Zustande in einer veränderten Form gerettet wurden. 


Die jetzt lebenden Formen haben entweder ihr früheres Verbreitungsgebiet 
beibehalten oder wurden durch Klimatische Veränderungen, durch Verbreitung der 
Kultur oder durch Ausrottung aus einigen Distrikten in andere kleinere oder ab- 
seits liegende Gebiete verdrängt, so z. B. nach Süden (der Löwe, die Hyäne), nach 
Norden (der Eisfuchs, der Vielfraass), nach Osten (z. B. Steppenfuchs) oder in die 
hohen Gebirgslagen. Alle diese jetzt lebenden Formen stimmen jedoch mit ihren 
diluvialen Vorfahren vollständig überein, wie es bei den Raubthieren besonders der 
Wolf, der Bär und zahlreiche andere beweisen. Die Forschung muss daher zum 
Vergleich und zur Identifikation der diluvialen Formen mit den recenten rechnen und 
nicht unendliche Aufstellung neuer und neuer Formen und Arten unter neuen, nichts 
bedeutenden und nichts bestätigenden Namen als ihre Aufgabe betrachten. 


Dieses Ziel habe ich in dieser Arbeit vor den Augen gehabt und die neben 
stehende Uebersicht (Seite 115.) dürfte zeigen, wie weit es mir gelungen ist, mich 
ihm zu nähern oder die Wege in dieser Richtung anzudeuten. 

Die bisjetzt publicierten Listen der diluvialen Raubthiere haben im Ganzen 
32 Arten verzeichnet; wie aus meiner Uebersicht hervorgeht, halte ich nur 20 Arten 
aufrecht; aus den übrigen sind 10 als Varietäten bezeichnet und bei den letzten 2 
wurde ihre Fraglichkeit sichergestellt. Jedoch auch unter den 10 Varietäten gibt 
es 6 unsichere Formen (Varietäten der wilden Katze, 2 kleinere Varietäten des 
wilden Hundes und 1 Varietät des Steppenfuchses), weitere 2 sind nur Alters- 
formen (Canis L. spelaeus und Ursus arctos spelaeus) und nur 2 können als wirk- 
liche Varietäten aufrecht gehalten werden. 


Diese 20 diluvialen Raubthiere vermindern sich schon in der vorhistorischen 
Periode um 4 Arten; sehr bald sind besonders die Arten verschwunden, welche 
gegen Süden gewichen sind (der Löwe und der Leopard), ihnen folgten bald auch 
die Steppenformen des Fuchses, auch die Steppenformen der Katze lassen keine 
sichere Spur hinter sich. So wird die Anzahl der vorhistorischen und alluvialen 
Arten auf 16 mit nur 4 Varietäten beschränkt. 


Diese vier Varietäten geben jedoch dieser alluvialen Fauna ein besonderes 
Gepräge dadurch, dass es nunmehr keine Formen sind, welche im wilden Zu- 
stande gebildet wurden, sondern schon Varietäten, welche infolge der Domestikation 
(des Hundes) hervorgerufen wurden und deutlich das Eingreifen der menschlichen 
Hand in diesen Entwicklungsgang bezeichnen. 


Noch grössere Durchlüftung dieser Fauna erfolgt nun in der recenten Periode. 
Die Anzahl der bei uns lebenden Raubthiere vermindert sich auf die Hälfte der 


118 


Wirklich kommen auch die Ueberreste dieser Arten in Gesellschaft mit an- 
deren Tundraformen, wie z. В. mit dem Lemming, dem Schneehasen, den nordischen 
Wühlmäusen, dem Rennthier und anderen vor, oder werden in den untersten Lagen 
der freien Lössablagerungen angetroffen, wie ich es in dem Löss bei Podbaba kon- 
statieren konnte, 


Alle übrigen diluvialen Raubthierformen Böhmens kann man in den Begriff 
der Steppenfauna einreihen. 


Steppenzeit. 


Es gibt nicht viele Raubthierformen, welche man als charakteristisch für die 
Steppe bezeichnen könnte. Neben dem Eversmann’schen Iltis (Putorius | Put.) Evers- 
manni Erxl) sind es nur einige Füchse und Katzen. Aus diesen charakteristischen 
Formen kennen wir in dem Diluvium Böhmens nur den 


Steppenfuchs (Vulpes meridionalis Nordm.), 


welcher mit der Varietät Vulpes moravicus Woldf. und mit einem der jetztlebenden 
Steppenfüchse (entweder mit dem Korsak — Vulpes corsac L. oder mit dem Kara- 
gan — Vulpes caragan Erxl.) wahrscheinlich identisch ist. 


Aus den charakteristischen Steppenkatzen, zu welchen besonders Manul (Felis 
manul Pall. angehört, wurde keine in unserem Diluvium sichergestellt, wahrschein- 
lich auch infolge des Mangels an vergleichendem Material. Vielleicht auch einige 

© © 5 © 
Reste, welche der Wildkatze (Felis catus L.) zugerechnet werden, dürften diesem 
Manul angehóren, was des Mangels am vergleichenden Material wegen überhaupt 
8 › 8 8 H 
schwer zu lesen ist. 


Dasselbe gilt wohl auch für den typischen Steppeniltis Putorius (Put.) Evers- 
manni Erxl., welcher (siehe Seite 106) im Schädel ziemlich leicht von dem gemeinen 
Iltis zu unterscheiden ist, in anderen Skelettfragmenten jedoch nur beschwerlich 
sichergestellt werden dürfte. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass auch einige 
Ueberreste, welche für den gemeinen Iltis gehalten werden, dem Eversmann’schen 
angehören. Diese Annahme dürfte auch in den übrigen Steppenformen, welche be- 
sonders von diesem Iltis begleitet werden (die Nager), eine Unterstützung finden. 


Neben diesen charakteristischen Arten kommt jedoch in der Steppe noch 
eine ganze Reihea nderer Arten vor, welche da von Zeit zu Zeit auch ziemlich häufig 
sind. Theils nach den Ausweisen Nehring’s,') theils nach der Analogie des biologi- 
schen Charakters kann man aus unserer Fauna auch noch folgende Arten als 
Steppenthiere. bezeichnen : 


7) Nehring, Tundren und Steppen, Seite 68. 


119 


Felis (Uncia) Leo L. Gulo luscus L. 

» (Lynehus) lynx L. Mustela martes L. 

d N pardina Temn. Я foina L. 

„баш Ш; Putorius (Lutreola) lutreola L. 
Canis lupus L. " (Put.) putorius L. 

, ferus Bourg. o (Ictis) vulgaris Briss. 


Vulpes alopex L. з »  ermineus L, 
Ursus arctos L. Lutra lutra L. 


Meles Taxus Bodd. 


Der Löwe wird zwar als ein Charakterthier der östlichen Steppe nicht an- 
geführt, denn in diesem Gebiete wird er durch den Tiger vertreten, nichtsdesto- 
weniger die Lebensweise dieses Thieres und einige Funde seiner Reste in den 
Lössablagerungen, welche ihren Ursprung den Anhäufungen des Steppensandes 
durch den Wind verdanken, sprechen für seine Existenz in der Steppenzeit. 


Andere Arten der katzenartigen Raubthiere sind in den östlichen Steppen 
ziemlich viel und weit verbreitet, und wie die Wildkatze und der Luchs bis jetzt 
die Steppe beleben, kaben sie es wahrscheinlich auch bei uns gethan. Es ist nicht 
ausgeschlossen, dass hier noch andere Arten vorkommen konnten, und wurde schon 
oben darauf aufmerksam gemacht, dass Felis catus L. sehr leicht mit dem Manul 
(Felis manul) verwechselt werden kann. Aehulich auch der kleine Sumpfluchs (Felis 
Chaus Güldenk.) könnte einer der Katzen entsprechen, welche als Felis magna 
Bourg. (siehe Seite 32) bezeichnet wird. Mit blosser Bezeichnung Felis magna ist 
der Wissenschaft wohl wenig geholfen, wenn es an genauem Studium der Form und 
Vergleichung mit dem diesbezüglichen Material mangelt. Ich habe aus diesem 
Grunde die fraglichen Formen zwar nicht vollständig ausgeschlossen, jedoch ihrer 
problematischen Existenz wegen sie in die Gruppe der Varietüten eingereiht, solange 
sich ein bestimmter Charakter derselben nicht beweisen lässt. 


Die Reihe der Steppenkatzen vermehrt bei uns noch ein Leopard (Felis 
[Lynchus] pardina Temn.), welcher ursprünglich von Woldfich als Leopardus 
pardoides beschrieben wurde, und wahrscheinlich auf einen mächtigeren Lux des 


Südens mahnt, 


Aehnlich wie bei den Katzen dürfte sich die Sache auch bei den Wölfen 
verhalten. Der Wolf (Canis lupus L.) ist ein regelmässiger Gast der Steppe nicht 
nur in der typischen Form, sondern auch in den kleineren Formen (siehe Seite 61) 
und neben ihm kommt auch der Schakal in der Steppe regelmässig vor. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige, bisjetzt nur fragmentarisch bekannte 
Formen unserer diluvialen Hunde und Wölfe, welche in der Uebersicht als Canis 
ferus angeführt werden, jener Gruppe der kleineren Steppenwölfe angehören, wie 
ich darauf auf der Seite 66 und 67 hingewiesen habe. 


Aus den übrigen, oben angeführten Formen verdient noch der Vielfrass 
(Gulo luscus L.) als ein Relict der Tundrazeit erwähnt zu werden, welcher, wie es 


120 


scheint, bei uns überhaupt selten war und zeitlich, vielleicht schon im Laufe der 
Steppenzeit von hier verschwunden ist, obwohl er in Deutschland und der Schweiz 
noch ziemlich lange sich aufgehalten hat. 


Die marderartigen Raubthiere leben bei uns bis auf kleine Ausnahmen bis- 
jetzt ebenso beisammen, wie sie bei uns zur Steppenzeit gelebt haben und wie sie 
noch heutzutage in den óstlichen Steppen leben; sie halten sich immer noch in 
den offenen, wenig bewaldeten oder gebüschigen Lagen, sowie in der Nachbarschaft 
der Gewässer und der menschlichen Ansiedelungen (manchmal in diesen Selbst) auf. 


Neben dem Fuchs sind es unsere einzigen Raubthiere, welche der recenten 
Periode als unversehrte Erbschaft der Diluvialzeit hinterlassen wurden. 


Register der Gattungs- und Artennamen mit ihren 


Amphicyon 35. 

Alactaga 10, 17, 18, 82. 
Alces 16, 17, 19. 

Arctomys 106, 17, 18, 82. 
Arvicola 11, 18. 

Atelodus s. Rhinoceros. 

Bos 10, 11, 12, 13,-10, 17. 
Oalcionella 17. 

Canis anglieus 74. 

aquaticus 44, 46, 49, 
borealis 43, 46, 50, 54. 
brevipilis 42, 44, 46. 50, 
54. 

cancrivorus 44, 50. 


caragan 118. 

— corsac 118. 

decumanus 68. 

domestieus 78. 

familiaris 11, 42, 46, 49, 

50, 61, 54, 55, 56, 64, 67, 

68, 10, 71, 72, 13, 14, 116. 

— ferus 14, 65, 66, 115, 119. 

fricator 50. 

grajus 49, 44, 46, 50. 

gryphus 46. 

hereynius `66,, 115. 

hodophylax 43, 49, 50, 67. 

—  intermedius 10, 44, 46, 53, 
54, 70. 

—  islandicus 44, 50. 

jubatus 44, 50. 

—  ]aniarius 43, 46, 50. 

— latrans 44, 49. 

Leoninus 46, 50. 

lupus 36, 37, 40, 42, 43, 

45, 49, 50, 51, 54, 55, 50, 

58, 61, 115, 119. 

lupus occidentalis 43, 50. 


synonymen. 


Janis matris optimae 43, 46, 50, 
53, 54, 68, 115. 

—  Mikii 65, 116. 
molossus 43, 44, 46, 50. 
—  pallipes 37. 
palustris 43, 46, 50, 54, 
71, 115. 
—  pecuarius 73, 115. 


—  pomeranus 43, 46, 49, 
praehistoricus 67, 115. 


—  gagax 74. 115. 
sancta Bernhardi 46, 
scoticus 43, 46, 50. 
spelaeus 12, 40, 43, 
45, 51, 53, 54, 55, 56, 
OUS 110; 
—  fuessii 40, 43, 45, 50, 
53, 54, 115. 
terrae nov. Foundl. 40, 50. 
vulpes s. Vulpes. 
Capra 10, 11, 12. 
Cervus 10, 11, 12, 14, 18. 
Cionella 18. 
Sricetus 11, 18. 
Elephas 11, 15, 18. 
Equus 11, 14, 15, 18. 
Esox 11, 12. 
Foetorius viz Putorius. 
Felis canadensis 30. 

— . catus 10, 11, 81, 88. 115, 

119. 

— domestica 23, 115. 
fera 88, 90. 
—  chaus 82, 119. 
160 1918,26, 115; АТ, 
119. 
lynx 12, 28, 116, 117, 119. 
— magna 82, 115, 119. 


49. 


44, 
58, 


51, 


Felis maniculata 34. 

manul 34, 119. 

minuta 12, 115, 119. 

pardina 31, 115, 119. 

ulo 19, 116, 110. 

Helix 18, 19. 

Hyaena 10, 12, 18, 115, 117. 

Hyalinia t. 

Ibex 19, 16, 18. 

Ictis 107, 199. 

Lagomys 5, 18, 19. 

Leo s. Felis. 

Leopardus 19, 81. 

Lepus 10, 18, 79. 

Lupus vulgaris s. Canis lupus. 

Lupus spelaeus s. Canis spe- 
laeus. 

Lupus Suessii s. Canis Suessii. 

Lutra 112. 

Lynchus s. Felis. 

Meles 10, 11, 12, 115, 119. 

Mustela foina 100, 101, 103. 

martes 98, 103. 

Myodes 15, 18, 19. 

Ovis 10, 16, 18. 

Pupa 18, 19. 

Putorius ermineus 18, 109. 

Eversmanni 106. 

—  Krejéii 110. 

lutreola 104. 

minutus 107, 109. 

— nivalis 107. 

putorius 6, 18, 105. 

— vulgaris 107. 
Rangifer 11, 12, 14, 18, 19. 
Rhinoceros 12, 14, 18. 
Spermophilus citillus 11, 19. 
fulvus 82. 


Spermophilus guttatus 18, 19. 
— rufescens 18, 82. 

Succinea 18. 

Bus: 10, 11, 19, 18, 

Talpa 11. 

Ursus arctos 10,83, 88, 115, 117. 


Register der 


Aussig a, d. E. 89. 

Dáné bei Vysočan 28. 

Beraun 58, 61. 

Blaschim 70. 

Bohdalec 89. 

Bulovka 18. 

Býčí Skála 82. 

Öäslau siehe Hrádek. 

Čertova Díra 82, A8, 70,:176, 
100, 106, 109, 111. 

Červený Lom 62, 89, 92, 97. 

Dreméóic 89. 

Hrádek (Oáslau) 68, 71, 89. 

Hradiště 68, 71. 

Kalvarienschlucht 7, 33, 34, 71, 


19, 89, 92, 95. 


115,117, 
Ursus priscus 83. 

— spelaeus 12, 18, 83, 84. 
Vulpes alopex 10, 12, 16, 18, 
78, 115, 117, 119. 

Vulpes согвас 80, 82, 118. 


Fundorte in Bóhmen 


Kobyla 13, 92. 

Kotlärka 61, 89. 

Libán 70. 

Lochov 79. 

Neu Bydžov 89. 

Neudorf bei Bakov 28. 

Podbaba 98, 61, 66, 68, 89, 92, 
97, 100, 106. 

Předmostí 66. 

Riesengebirge 95. 

Reporeje siehe Kalvarien- 
schlucht. 

Slavikovic 65. 

Schlucht am Kaéák 6. 

Schlucht in Kobyla siehe Kobyla. 


Vulpes caragan 81, 82, 118. 
— lagopus 80, 98. 
— meridionalis 80, 115, 118. 
— moravicus 80, 115, 118. 
— vulgaris viz alopex. 


und Mähren. 


Schlucht bei Srbsko 30, 34, 60, 
62, 79, 32, 100, 114. 

Schluchten a. d. Beraunfluss 6. 

Stradonie 68, 69, 70, 71. 

Sudslavic 28, 32, 65, 66, 67, 79, 
82, 100, 106, 109, 111. 

St. Prokop 5, 28, 84, 89, 92. 

Sipka 32, 70, 76. 

Türmitz 18, 28, 92. 

Trebesic 92. 

Tuchoric 36. 

Turská Mastal 11, 28, 31,34, 
60, 61, 89, 92, 79. 
Vypustek 31, 33, 66, 76, 100, 106, 

111. 


Autorenregister der citirten Schriften. 


Bourgignat 65, 75. 
Brandt 27. 
Brandt-Woldrich 34. 
Canestrini 71. 
Gaudry 13, 47. 

Frič A. 29, 31, 100. 
Heck 38. 

Hehm 43. 

Jeitteles 68, 72. 


Kafka 5. 

Kříž 83. 

Laube 17. 

Naumann 69, 71. 

Nehring 16-18, 66, 73, 75, 82, 94. 
118. 

Nordmann 80. 

Owen 30. 

Rütimeyer 71. 


| Schàff 83. 

| Schlosser 83. 

Trouessart 21, 66, 107. 

Woldrich 11, 13, 18, 27, 30, 34, 
48, 49, 60, 65, 66, 67, 67, 
68, 69, 70, 71, 72, 80, 81, 
104, 110. 

Zahälka 89. 

Zittel 60. 


INHALT, 


Seite 
Vorwort us 3 
Neue Beiträge zur TEN D Ablügerdngen 5 
Kostelik und andere Höhlen und Felsklüften am Beraunfluss 5 
Kalvarienschlucht bei Repora . 7 
Turská Maätal bei Beraun . 11 
Die EI mër ten ine ne RR 18 
Die Lóssablagerungen bei Türmitz EN P T SAT 4 i 14 
Ziegelei Bulovka bei Kosir LIS 

Die Raubthire der КОДЫ Een des ража E der генов SD 
riode Bóhmens. 19 
Жаы ОАТ ОА ш QU VUE AON о e 91 
Echte Raubthiere. Oarnivora.vera. s. e e. s.es son oi ai AE 91 
Die Katzen. Felidae 25 
Гашо ру e ae ET PIT GRATA S 96 
Der Lówe F elis оова), Wë L. E Ge et el EE a oo A АТ 
Der Luchx Felis (Lynchus) lou Ш k 98 
Der Leopard Felis (Lynchus) pardina Тео ................ 30 
Die Wildkatze Felis catus L. ..... 31 
Die Hauskatze Felis domestica Вт. 33 
Hunde. Canidae. . . . . MUN AND vs лү DRIN RC 35 
1. Urhunde nI nAn А REN N 35 
2. Die echten Hunde. Cáminae . ».. «= 36 
AIDS a EM EN MP 87 
Der Wolf. n anis Шш a NN КҮ me eram иаа ет 
Der Wolf und der Hund ... 29 ol 
Vergleichende Studien über das Gebiss dei И И SC бев Wolfes v 49 
Canis lupus var. ...... 61 
Def IUD RN 3 E 62 
Dilurlaler Hund: Canis ferus Bourg. ^. S3. ete o ove d 
Janis ferus var. ferus Bourg. (UA TOS 65 
R s va ME W OLOT EE EE E EE 
K „ var, hercynius Wold. ................ . 66 
. 67 


» » var. intermedius 


Vorhistorischer Hund. Canis familiaris еШ уш ОЮН 
Janis famil. praehist. var. lest: ak CR E e PSAL 08 
Canis famil. praehistoricus var. matris optimae Jeit. . . . «. . . . 68 
Canis famil. praehistoricus var. et do dd So YQ Oo Mes Sut ow 


Canis famil. praehistoricus war. palustris Rütm. 
Recenter Haushund. Canis familiaris . . . . 
(TUS TRI УАТ GGUAEIU SO е а UV ON E No rk 


h n ж ШЕШ EN e 
^ ^ ЖО тусь e gr re NUR 
N 4 » Anglicus 


Gattuag Cuon 
Alopecoida SUR 
Der Fuchs. Seiten, 
Der gemeine Fuchs. Vulpes Mopex yr 
Kisfuchs oder Polarfuchs. Vulpes lagopus . . 


Der dil. Stepenfuchs. SE? MELIUIONANSE. ои ir 


Die Bären. Ursidae 4 
Der be aune Bär und der Höhlenbär 
Hyaenen. Die Hyaeninae ....... 
Hyaena. Hyaena crocuta . 
Die marderartigen Raubthiere. 
Unterfamilie, Melinae . h M TELE 
Der gemeine CH M Meles taxus . 
Unterfamilie Mustelinae 
Zweig Gulonae & 
Vielfrass. Gulo Breng CN 
Zweig Mustelae 
Baummarder. Mustela mr 
Steinmarder , Mustela . foina 
Р ЮРИ os ds VK ciis de A ste e INC 
Nörz. Putorius tesch 
Iltis. Putorius putorius S 
Das kleine Wiesel. Putorius vulgaris " 
Hermelin. Putorius ermineus .. . 


Unterfamilie Lutrinae . . . deli Rc 
Fischotter. Lira. Шил "Te? ару 
Gesammtübersicht der Raubthierfauna Böhmens . ..... 
Zoogeographische Übersicht... . ..... 


Register 


85 
89 
90 
92 
93 
93 
95 
95 
95 
97 
98 


. 100 
. 108 
. 104 
. 105 
. 201 
. 109 
pal 
M l” 
. 114 
a här 


121 


No. 


SIEBENTER BAND. 
Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. ..K 92.— 


2, Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer, 


Schichten Von Prof. Dr. Ant. Frič e K es 
Über die chemische Zus sammensetzung E E er Ackererden und 
Gesteine Böhmen’s und über ihren agronomischen Werth, Von Dr. Jos 


Ilanamann .. VER I SAP S FU EA DN RK Дш 
. Die tertiüren Land- und Süsswasser-O Jonchylien des nordw. Bóhmen von 
болер Klika.. s: og AT КД 
. Die Myxomyeeten Bóhmens von Dr. Und Č elakovsky (Sohn) . 23121 491990 


6. Geologische Karte von Bóhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh. Krejčí. 


Mit: Erläuterungen von: Prof«Dr., A, Bum. Preisin rg олат агат, КОДО 


A 'OHTER BAND. 
Übersicht der Thätigkeit der naturw. Landesdurchforschung v. J. 1864 
bis 1890 von Prof ЕТС Korsika. Denen. LT ere dE 


. Untersuchungen der Fauna d. böhm. Gewässer. П. Fauna d. böhm. Teiche 


von Jos. Kafka .. ыт nii. ДЖ) 


. Monographie der Ostracoden Bóhmens. Von Wenzel Vávra ow COH 1e. 020 


4. Prodromus der Algenflora von Böhmen, Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton 


6. 


Hansoıra. K 6— 


. Recente und fossile Nagethiere Böhmens. Verfasst von Josef Kafka. R 440 
j. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. I. Metamorphose 


der Trichopteren. IL Serie. Von Prof Fr. Klapálek: . 2... 01 sei ros ul 800 


NEUNTER BAND. 


. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. V. Priesener 


Schichten, Von Pron ШТО ons i MC LR 


. Untersuchungen über dieFaunader Gewüsser Bóhmens. IV. Die Thierwelt 


des UnterpoGernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar- 
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr. 
Ant. Frič und Dr. V. Vávra. і „б 


. Das Moldauthal zwischen Prag und Kralup. Eine petrograph. Studie von Josef 


Klvana . K $— 


. Die chemische Beschaffenheit der fliessenden "Gewässer Böhmens. I. Theil. 


Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann, ......K 3— 


. Das östliche Böhmen orograph. u. hydrograph, geschildert m. einer Höhen- 


schichtenkarte Section VI. von Prof. Dr. КОВ ug K 9— 


5. Geologische Karte von Böhmen Section Ш. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frič 


uud Pror GUSTAT «JUD WIE IS SW eo e uU, e Sox atiis S Oe 


ZEHNTER BAND. 


. Geologische Karte von Böhmen. Section II. Entworfen von Prof. br. Ant. Frié 


und Prof. Dr. Gustav C. Laube... RR N LE UU 


. Das ostböhmische Miocán von V. J. Procházka M {эл us 


Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. Ш. Untersuchung 
zweier Bóhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Dnrchgeführt auf der über- 
tragbaren zoologischen Station. -Von Prof. Dr. Ant. Frič und Dr. V.Vávra. RK .5:— 


Studien im Gebiete der bóhmichen Kreideformation. VI Die Chlomeker 
Schichten. Von Dr Ant. Priči (Ap i ST UR E 


“Die chemische Beschaffenheit "der fliéssenden | Gewässer Bóhmens. 


IL Theil. Hydrochemie der Elbe. Von Dr».Jos'Hanamanm, . “ DUK 82s 


3, Fossile u. recente Raubthiere Bóhmens (Carnivora). Verfasst von Ji Kafka, K 8— 


BILETTER BAND: 


‚Über die Bodenbeschaffenheit und das Иге саргы bóhmischer 


Ackererden. Von Dr. Jos. Hanamann . Kp on 


‚Studien im Gebiete der böhmischen Kreidefor mation. "Von Prof. Dr. Anton 


Frič und Dr. Edwin Bayer . vni Zo 


. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens, V. Untersuchung 


des E ar und seiner Altwässer. Durchgeführt Se der übertragbaren p dna 
Station. Von Prof. Dr Ant. Fri und Dr.. V. Vávra ein Ee Dus 
}eologische Studien aus Südböhmen. I. Aus dem bóhmisch-mührischen 
Hochlande. Das Gebiet der Oberen Neäärka., Von J. №. Woldfich.K 5:— 
Studien über die Permschichten Bóhmens. І., IL, ПІ. Umgebung von Bóh- 
misch Brod, Wl aschim und Lomnitz. Von Johann 4,0 8.5 DR Bite, таа IR Br 


ZWÖLFTER BAND. 
Geologische Karte von Böhmen. Sektion V. Weitere Umgebung Prags bearbeitet 
und mit Erläuterung versehen von Prof. Dr. Philipp Poéta ........K 5.60 


DRITTER BAND. 


I. Topographische Abtheilung. 
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und 
Maro u АДО bsy voti SCORE Ok vo rer evt омео S LV y oo ДИ) 


IL Geologische Abtheilung. 
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen EN von 


Brot Dri Boricoky. Pres... ua e D n ICs. 
IL Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen "Bóhmens von 
Pron DI le Prois: an. ‹ .K2— 
UI. Heft Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (1. Theil) von Prof. Dr. 
COST DEN EE EE Vor doles Re S e ar a 


ПІ. Botanische Abtheilung. 
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (IIT. Theil 


Sehluss) Prois e si yoi E E T N E E eh, EE 
IV. Zoologische Абай 
i Hete Die Myrropouen Bohmens von PoV: Rosicky. Рено 120 


IL. Heft. Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis. .... vK 320 


V. Chemisch-petrologische Abtheilung. 


Elemente wë d die chemisch-mikroskopischen Minera l- huis dae a 
von quom DE BOLLER РЕ А URN ыл л IS M veu te d V Mere, QU 


V IE PD RER BA Мх D. 
No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen 


berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Fri& Preis. . . RB 
No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Pr m. von 


0. Kroji und. B. Helmhacker х . K9— 
No. 3. Prodromus der Flora von jóhmen von "Prof. Dr. Ladislav Sls ves 
(IV. Theil.) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . Prat aae iier ЦЕ) 
No. 4. Petrologische Studien an den li Ian de Böhmens von Prof. Dr. 
Em. Boricky und Jos. Klvana& . . X os WR 


No. 5. Flora des Flussgebietes der C idlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal- 


No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Clarl 
Bud TOS GENER DD E ee IR Vra Sed S dein 
FÜNFTER BAND. 


No. 1. Erläuterungen zur geologischen Karte desEisengebirges (Železné hor y) 
und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejčí und 


БК. Helmhacker. . . Ne E 
No. 2. Studien im Gebiete der bóhmischen "Kreideformation. ПІ. Die Iser- 
schtehtem Von Dr. Anton EPIO... ...K6— 


3. Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von C arl Feistmantel, . . K 2:40 
No. 4. Die Lebermoose (Musci Hepatici) Böhmens vom Prof. Jos. Dědeček. К 2— 
5. Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im 
mittleren Böhmen. Von Johann Krejéí э Karl Feistmantel. . . . K 4— 
No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. IL Th. Von Dr. A. Honsgirg. K 2:80 


SECHSTEDR BAND. 


No. 1. Über die Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national- 
ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar- 


länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . К 560 

No. 2. Die Süsswasserbryozoen Bóhmens. Von Josef Kafka. . eura Ants. MM 
No. 3. Grundzüge einer Hyétographie des Kónigreiches Bóhmen. Von Dr. F. J 
Studntéóka- .-. ; “леда 

No. 4. Geologie des bóhmischen Erzgebirges. IL Theil. Von Dr. Gustav C. ое 
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No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. І. Metamorphose 
der Trichopteren. I. Serie. Von Fr. Klapálek . .. . .... (vuv I MU 

No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton 
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